Bagan – Die Stadt der Tempel: Vom Sonnenaufgang bis zum chaotischen Ende

Bagan
Die Stadt der Tempel

Das wohl bekannteste Motiv Myanmars: die aufgehende Sonne über dem Pagodenfeld Bagans. Wir waren total gespannt und konnten es kaum erwarten dieses Schauspiel mit eigenen Augen zu sehen. Trotzdem verkniffen wir uns den ersten Sonnenuntergang, da wir den Abend zuvor erst sehr spät angekommen waren und uns erstmal ein bisschen bei Tageslicht orientieren wollten.

Bagan erkunden
Über unser Hostel mieteten wir uns einen kleinen Elektroroller, denn anders kann man das Pagodenfeld nicht auf eigene Faust erkunden. Als totale Frischlinge auf einem motorisierten Zweirad und nach unseren Erfahrungen in Mandalay (halbwegs sicher am Straßenrand), begegneten wir dieser neuen Herausforderung erstmal mit einem gewissen Respekt. Aber wenn es einen Ort in Myanmar gibt, an dem man sich sicher an das Rollerfahren gewöhnen kann, dann ist das wohl Bagan. Die Straßen werden hauptsächlich von anderen Rollerfahrern genutzt – nur selten und nur auf den großen Hauptstraßen kommen fahren dann auch mal Reisebusse vorbei. Eine heikle Situation hatten wir jedenfalls in zwei Tagen nicht ein einziges Mal, wobei das auch daran liegen mag, dass wir die wohl langsamsten Rollerfahrer in ganz Bagan waren.

Wir waren zwei Tage in Bagan unterwegs. Am ersten sind wir hauptsächlich durch das kleine Alt-Bagan gefahren und haben auf dem Weg bereits die Tempel Richtung Nyaung-U abgeklappert. Am zweiten Tag fuhren wir dann die weiter entfernten Tempel der Pagodenlandschaft ab. Irgendwann stellt sich allerdings bei jedem eine gewisse Tempelmüdigkeit ein und die Heiligtümer fangen an, alle gleich auszusehen. Von Innen unterscheiden sich die meisten auch gar nicht sooo sehr. Eine oder mehrere große Buddhastatuen in kühlen hohen Gängen mit wenig Tageslicht (perfekt um sich kurz von der Hitze draußen abzukühlen).

 

Offroad on the beaten track
Viel eindrucksvoller als die Besichtigung des Inneren war für uns allerdings die schiere Masse der Tempel in allen Größen und Formen, die stetig an uns vorbeizogen. Am schönsten empfanden wir unser Herumcruisen – ohne Plan und ohne Googlemaps – über Sandwege und querfeldein. Die Landschaft mit ihren Palmen und staubigen roten Sandpisten ist wunderschön und strahlt eine enorme Ruhe aus. Wir nahmen immer die kleinsten Wege und fanden uns auf diese Weise oft völlig allein inmitten kleiner Pagoden wieder.

So entkamen wir auch immer mehr dem touristischen Trubel – vor allem den Einheimischen, die uns irgendetwas andrehen wollten. Diese überlagern die großen bekannten Tempel und kommen einem schon entgegengelaufen, bevor man überhaupt vom Roller gestiegen ist. Kleine Kinder verfolgen einen und versuchen mit ihren großen dunklen Augen eine Postkarte loszuwerden und die Frauen rufen einem von ihren Ständen aus entgegen. Wenn man dankend ablehnt oder es ignoriert, hört man fast jedes Mal den gleichen „Aufreißersatz“: „Where are you from?“, nur um einen irgendwie ins Gespräch zu verwickeln.

Fernab der Hauptwege und der Hauptpagoden bekamen wir davon aber irgendwann nichts mehr mit und erhielten allenfalls neugierige Blicke oder ein freundliches Nicken von Feldarbeitern. Irgendwo entdeckten wir sogar einen Tempel, der wohl gar nicht besucht wird. Denn hier hatte sich eine Familie niedergelassen und bewirtschaftete die umliegenden Meter – sogar Schafe hielten sie dort. Als wir eine kleine Runde drehten kam uns ein etwa zweijähriger Junge nachgelaufen, splitternackt und in den Händen ein paar dunkle große Beeren. Er drückte uns jeweils eine Beere in die Hand und strahlte dabei, als sei gerade Weihnachten. Als wir unser Geschenk nicht sofort verschlangen, führte er uns pantomimisch vor, dass wir die Beere in den Mund stecken sollten. Vorsichtig, wie wir hier insbesondere mit Lebensmitteln sind, verkniffen wir uns den Geschmack der Frucht, taten aber so, als würden wir sie essen. Der Junge war glücklich und hopste davon.


 

Wüstentour mit jähem Ende
Unsere tiefe Entspannung, die wir durch unsere kleine Wüstentour erlangt hatten, verpuffte auf unserem Rückweg dann aber plötzlich recht schnell. Wir hatten uns nach kurzem Überlegen und Rechnen dazu hinreißen lassen, auch am zweiten Abend noch einen Sonnenuntergang zu beobachten, auch wenn wir um 19:30 am Hotel sein mussten um unseren Nachtbus nach Yangon zu erwischen. Bei einem Sonnenuntergang um 18:15 sollte das ja aber kein Problem sein. Gegen 18:20 traten wir also unsere Rückfahrt vom anderen Ende des Pagodenfeldes an – Entfernung zum Hostel: etwa 9 Kilometer. Easy. Da schaffen wir es ja sogar noch, irgendwo etwas zu essen.

Unser E-Roller sah das anders. Die Batterieanzeige fiel plötzlich bei jedem Mal Gas geben auf das Minimum. Langsam tuckerten wir die Ringstraße entlang – nahmen den Schwung jedes Hügels mit und stiegen irgendwann für kleine Steigungen bereits ab. Wir hofften, dass wir so irgendwie noch ankommen würden…
Fünf Kilometer vor unserem Hotel war dann Schluss. Nichts ging mehr. Kurz vor Sieben. Also ab an den Fahrbahnrand und hoffen, dass ein leerer Pick-Up kommen würde. Nichts. Nur Roller, die vorbeidüsten. Es half nix, wir mussten den Verleih anrufen – nur blöd, dass man mit meiner reinen Internet-SIM-Karte nicht telefonieren konnte und das andere Handy im Hotel lag. Spontan hob ich beim nächsten Rollerfahrer die Hand – und schwupps hatten wir zwei freundliche Burmesen als Helfer, die für uns beim Rollerverleih anriefen. In 10 Minuten sollten sie da sein…
Sie waren nicht nach 10 Minuten da. Um 19:10 winkten wir den nächsten Rollerfahrer mit Handy heran um im Hotel Bescheid zu geben, dass wir es wohl nicht rechtzeitig schaffen würden für den Bus. Während unser Helfer mit dem Hotel telefonierte, kamen plötzlich dann doch noch zwei Mitarbeiter des Verleihs. Doch nicht – wie angenommen – mit einem Lastwagen, der den Roller einfach transportieren könnte. Stattdessen kamen die beiden mit zwei funktionierenden Rollern, wovon einen wir bekamen. Unseren alten fuhr dann einer der beiden Mitarbeiter – wobei dieser angetrieben wurde, indem der zweite ihn mit dem Fuß anschubste. Den beiden folgend, brausten wir durch kleine Gassen, auf dem schnellsten Weg zum Hotel. Und tatsächlich – ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt – kamen wir auf die Minute pünktlich an!
Zum Glück hatte der Bus allerdings ein bisschen Verspätung, so dass mir beim Zusammenpacken noch auffiel, dass ich die GoPro im Roller gelassen hatte… Aber nach einem kurzen Spurt zum Rollerverleih, war sie wieder in unserem Besitz und wir machten uns auf den Weg nach Yangon.

 

 

Highlights in Bagan
Während unserer zwei Tage in Bagan besichtigten wir natürlich eine Menge Pagoden. Unsere Highlights (meist eher kleinere und unbekanntere Tempel) – und welche der bekannten Pagoden man auch getrost auslassen kann, zeige ich dir jetzt.

 

Shwezigon Pagode
Die moderne Pagode in Nyaung-U lohnt sich auf jeden Fall für einen kurzen Besuch. Der goldene Stupa war zwar gerade verhangen, aber die Pagode hat sehr schöne Blätterverzierungen und changiert farblich zwischen Dunkelrot und Gold. Wirklich schön!

 

 

Htilominlo Tempel
Der erste größere Tempel auf dem Weg zwischen Nyaung-U und Bagan ist der Htilominlo. Den Tempel selbst fanden wir nicht so besonders, aber von einem der Seitenausgänge gelangt man zu einem kleinen flachen Gebäude, von dem aus man eine tolle Sicht auf den Tempel und die ersten Ausläufer der Pagodenlandschaft hat. Ein schöner Start.

 

 

Minochantha Pagode
Eine meiner Lieblingspagoden Bagans ist gar nicht groß und liegt recht unbeachtet zwischen dem Htilominlo und dem Ananda Tempel. Mit ihren weiß-schwarz verwaschenen glockenförmigen Stupas mit goldener Spitze sieht sie aber einfach hübsch aus und von der oberen Ebene man kann auch einige andere Tempel und Pagoden sehen.

 

 

Ananda Tempel
Der Ananda Tempel gehört genau genommen noch gar nicht zu Alt-Bagan, ist aber einer der bekanntesten und wegen seinen cremefarbenen Steinen mit vielen Verzierungen auch einer der schönsten. Hier ist auch das Innere sehenswert und ein bisschen heller und freundlicher als in den anderen Tempeln. Die Gänge haben teilweise kleine Ausbuchtungen in den Wänden (in denen – welch Überraschung – weitere Buddhas sitzen), die mit mächtigen goldenen Rahmen verziert sind. Die Nerds unter den Besuchern fühlen sich vielleicht auch an Hogwarts aus Harry Potter erinnert…

 

 

Mahabodhi Tempel
Etwas unscheinbar, aber auf der Rückseite mit vielen kleinen Buddha-Reliefs verziert, ist der Mahabodhi Tempel, eine Kopie eines indischen Tempels.

 

 

Bupaya Pagode
Der wohl ausgefallenste Stupa in ganz Myanmar steht am Ufer des Irrawaddy und hat die Form eines Flaschenkürbis. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf das Flussufer.

 

 

Gawdawpalin Tempel
Der über 50 Meter hohe Tempel ist mit seiner weiß-schwarz verwaschenen Fassade schon ziemlich beeindruckend. Einen tollen Blick auf den Tempel und die umliegende Landschaft hat man von dem gegenüberliegenden Kloster Kyan Ma Ba, auf dessen Dach man im Innern des Gebäudes gelangt (Geheimtipp!).

 

 

Me Nyein Gone und Ta Wa Gu
Ganz im Süden von Alt-Bagan haben wir ein paar kleine einsame Tempel entdeckt, die zwar für sich genommen keine Highlights sind, aber sie stehen ganz nah beieinander und wirken durch ihr Zusammenspiel und die Ruhe, die dort herrscht.

 

 

Mahazedi Pagode
Ein weiteres Highlight, das nicht auf der üblichen Touri-Route liegt, ist die Mahazedi Pagode, der in der Nähe des höchsten Tempels Bagans, dem Thatbyinnyu Tempel, steht. Im Gegensatz zu dem bekannten 61 Meter Riesen, der von Innen nicht sehr spektakulär sein soll, kann man auf den pyramidenförmigen Mahazedi-Tempel hoch. Der Blick und die Atmosphäre dort oben sind wunderschön!

 

 

Shwegugyi
Ganz in der Nähe des Mahazedi steht der bekanntere Shegugyi Tempel, von dem man ebenfalls einen tollen Blick hat. Von hier aus kann man wohl auch gut den Sonnenuntergang beobachten.

 

 

Dhammayangyi
Der größte Tempel, dessen (nicht so schönen) blauen und grünen Abdeckfolien ein guter Orientierungspunkt sind, ist nicht wirklich schön und kann auch gerne ausgelassen werden. Mich haben die bunt verzierten Marionetten, die davor an einem großen Baum hingen und in der schräg stehenden Sonne glitzerten, jedenfalls deutlich mehr begeistert.

 

 
Sulamani Tempel
Der Sulamani Tempel war vor einem Jahr wohl noch der eindrucksvollste Tempel Bagans. Leider ist 2016 die Spitze einem Erdbeben zum Opfer gefallen und seitdem bedeckt eine rote Abdeckfolie den Stumpen. Doch der Tempel ist trotzdem ein Highlight, denn im Innern befinden sich tolle bunte und filigrane Zeichnungen, die den Tempel von den meisten anderen in Bagan hervorheben.

 

 

Dhammayazika Tempel
Der große Tempel im Südosten des Pagodenfeldes liegt sehr weit außerhalb, ist aber ein weiteres wenig überlaufenes Highlight. Sein goldener Stupa sticht zwischen den kleinen alten Ziegelbauten hervor, doch auch von seiner Form unterscheidet er sich von den anderen Tempeln Bagans. Er ist nämlich nicht klassisch viereckig, sondern hat eine pentagonale Grundfläche.

 

 

Pyathetgyi
Bei diesem Tempel ist nur der Unterbau fertig und im Inneren hat man in einer Art Kirchenschiff nur noch den freien Himmel über sich. Der Tempel ist überall als Tipp für Sonnenuntergänge zu finden – leider darf er aber seit Februar nicht mehr bestiegen werden und fällt damit als Sundowner-Spot raus.

 

 

Tempel No. 801
Auf der Suche nach einem verlassenen Sonnenuntergangs-Spot an unserem zweiten Abend, stießen wir auf einen kleinen koreanischen Tempel, der einfach nur eine Nummer hat. Bis auf die paar Feldarbeiterinnen war hier niemand anzutreffen. Man kann eine kleine Leiter auf die untere Ebene des Daches klettern – leider ist man dort für einen Sonnenuntergang aber auf der falschen Seite und auch noch etwas zu tief. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, das Dach noch weiter empor zu klettern (was körperlich und sicherheitstechnisch kein Problem gewesen wäre), aber wir wollten auch nicht negativ auffallen, also verkniffen wir uns diesen Sonnenuntergangs-Spot.

 

 
Sonnenuntergang am Wasserloch
Wir wurden allerdings einige hundert Meter weiter fündig: ein kleiner Erdhügel, von dem aus man einen schönen Blick hatte. Zwar nicht direkt auf einen der großen Tempel, doch zumindest eine schöne weite Landschaft und einzelne kleine Pagoden schmückten den Horizont. Auf der anderen Seite des Hügels lag ein kleines Wasserloch – und gerade als ich noch meinte „Jetzt fehlen nur noch ein paar Elefanten“, kam eine ganze Herde angelaufen. Zwar keine Elefanten – dafür aber ganz viele Kühe… Apropos ganz viele Kühe: irgendwo mitten im Pagodenfeld wurden wir plötzlich von so einer Herde ausgebremst, die gemütlich die Straße entlang marschierten. Es führte kein Weg daran vorbei – wir mussten mitten durch. Da kam uns unser kleiner Scooter dann doch ziemlich winzig vor, doch die Kühe fanden uns nicht annähernd so interessant wie wir sie und würdigten uns nicht mal eines Blickes, während wir uns vorsichtig durch die Menge schlängelten.

 

 

Shwesandaw Pagode
Der bekannteste (und überfüllteste) Ort zum Sonnenuntergang und -aufgang gucken ist die Shwesandaw Pagode. Wir hatten vorher das gesamte Internet nach Alternativen durchstöbert, da wir den Menschenmassen eigentlich entgehen wollten – doch alle kamen immer zum gleichen Ergebnis: Den schönsten Blick hat man von hier. Wir schlossen uns also doch allen anderen an und schauten Untergang und Aufgang von dieser Pagode. Der Blick ist schon der Wahnsinn – wobei beim Sonnenuntergang die unzähligen Reisebusse am Fuß der Pagode das Bild etwas trüben. Generell fand ich den Sonnenaufgang auch um einiges spektakulärer! Da lohnt es sich doch sehr, wenn man es schafft, sich um 4:45 Uhr aus dem Bett zu quälen.

 

 

Balloons over Bagan
Man kennt das Bild der Heißluftballons über der Pagodenlandschaft Bagans zur aufgehenden Sonne. Wir haben lange hin und her überlegt und mit uns gerungen, ob wir so eine Ballonfahrt machen sollen. Der Preis von ca. 350 Euro für eine knappe Stunde in der Luft hat uns ziemlich abgeschreckt. Zudem konnten wir herausfinden, dass die Ballons seit einiger Zeit nicht mehr über das Pagodenfeld fliegen dürfen, sondern „nur noch“ am Rand entlang. Letztendlich entschieden wir uns dann dagegen und schauten unseren einzigen Sonnenaufgang in Bagan von der Pagode aus – und haben es nicht bereut. Die Ballons sind schon recht weit weg von den Pagoden und starteten auch erst, als die Sonne eigentlich schon aufgegangen war. Bestimmt ist es trotzdem eine tolle Erfahrung, uns war sie aber einfach zu teuer.

 

Restaurants
Wir waren in vier verschiedenen Restaurants und bis auf das „Bagan ZAY“, fanden wir alle super!
Im „Black Bamboo“ sitzt man schön lauschig in einem kleinen Garten und im „Aroma 2“ gibt es leckeres indisches Essen mit vielen Dips. Kurz vor dem Tor nach Alt-Bagan lohnt sich „The Moon“, ein vegetarisches Restaurant, das super süß dekoriert ist und wo das Essen (auch ohne Fleisch) sehr lecker ist.

 

 

 

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