Naive Vorstellungen und deren Umsetzung

Bordeaux und Lacanau
– Städtemüdigkeit und Campingplatzprobleme – 

Die erste Nacht im Camper war erstaunlich unspektakulär. Lag wohl an der Tatsache, dass es auf einem Campingplatz und  nicht in der Wildnis war… Aber das soll sich ja ab heute Abend ändern. 

Voller Vorfreude machte ich um 7 Uhr Kaffee und machte mich dann fix auf in Richtung Bordeaux. Zu den Klängen der Dire Straits cruiste ich die leer gefegten kleinen Landstraßen entlang. Bergauf und bergab an Wiesen und Feldern vorbei, machte die Fahrt immer mehr Spaß. Als dann die Sonne irgendwann herauskam und der Himmel immer blauer wurde, war es zwar fast schon Mittag (und ich immer noch nicht wie geplant in Bordeaux), aber der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Irgendwann wurde aus den kleinen Feldwegen eine vorbildliche (mautfreie) Schnellstraße mit wunderschönem Flüsterasphalt. Bei dem (seltsamerweise) wenigen Verkehr vergaß ich dann doch schnell mal die Begrenzung von 110 km/h und erwischte mich dabei, wie ich mich an die französischen Gepflogenheiten anpasste (rechts Überholen habe ich mir gerade noch verkneifen können…). Vorbei an strahlend gelben Sonnenblumenfeldern brauste ich auf Bordeaux zu, während Kid Rock laut aus der Bluetooth-Box heraus schmetterte. Um 14 Uhr hatte ich endlich einen Parkplatz in Bordeaux gefunden. Viel Zeit blieb mir dort nicht mehr, da ich am Spätnachmittag am Meer sein wollte. 

Ich zog also für (5 EURO!!) ein Ticket für knapp 2 Stunden und tingelte bei 28 Grad durch die Straßen der Stadt. Da ich mir in den letzten Wochen schon die Füße in Porto, Lissabon und Barcelona wundgelaufen hatte, hielt sich die Faszination der fremden Stadt leider etwas in Grenzen. Mag auch sein, dass es mich mittlerweile doch sehr ans Meer zog und ich es kaum mehr erwarten konnte, mich endlich mit dem Board in die Wellen  zu stürzen. Nach einem riesen Eisbecher und einem kleinen Bummel durch die Innenstadt machte ich mich daher endlich auf die letzte kurze Etappe nach Lacanau. Hier wollte ich bestenfalls noch eine Runde surfen und mir dann einen schönen Spot für den Abend und die Nacht suchen. So viel zum Plan. 

Angekommen in Lacanau bekam ich schon leise Zweifel, ob ich hier einen Platz finden würde zum campen. Das Örtchen ist eine Touristen-Hochburg und es wimmelte von Menschen, Hotelanlagen und riesen Werbeplakaten für 5 Sterne Campingplätze. Die Sorge erstmal kurz beiseiteschiebend fuhr ich zumindest kurz Richtung Strand. Ich fand einen Parkplatz unweit der Düne und sah dort ein Verkehrsschild, das mir seit dem so oft wie noch kein anderes untergekommen ist: Ein Halteverbotsschild für 8pm-6am. Die Franzosen haben wohl die „Lücke im Gesetz“ gefunden. Parken ist ja nicht Campen (hatte ich mir im Vorhinein so schön überlegt…). Dass sie dann das Parken verbieten, ist wohl die logische Schlussfolgerung. Die Häufigkeit der Schilder und damit Ausschließlichkeit solcher „Parkplätze“ hatte ich in meiner blauäugigen Naivität dann aber doch nicht erwartet. Ich marschierte also nur kurz über die Düne um den obligatorisch ersten Blick auf das Meer zu werfen. Es wimmelte von Surfschulen im Wasser und Menschen am Wasser… Nun gut, das war wirklich nicht anders zu erwarten. Ich verkniff es mir allerdings mich darin einzureihen, denn es war mittlerweile schon 18 Uhr und ich befürchtete mittlerweile, dass die Spot-Suche nicht so schnell gehen würde. 

Ich versuchte (so wie ich es aus Portugal gewöhnt war) die nächste Straße parallel zum Meer zu finden, um dort einen Parkplatz (abseits der Stadt) zu finden, wo ich mein Camp aufschlagen konnte. Hat ja vorher auch funktioniert… Der erste Versuch brachte mich dann jedoch nur zur Schranke eines Campingplatzes. Ein MONSTRUM eines Campingplatzes. Die Rezeption wie die eines hochklassigen Hotels und inkl. aller Späße, die man sich vorstellen kann – und die ich gerne meiden wollte. In einem Anflug von Vorsicht, fragte ich jedoch nach einem Platz (falls ich sonst keinen finden würde). Die Qual der Wahl stellte sich nicht, denn sie waren komplett ausgebucht. Nun gut. Wollte ich ja sowieso nicht. Diese Situation wiederholte sich dann noch 2 weitere Male. 

Daraufhin fuhr ich die Landstraße in Richtung nächster Stadt. Bei (meinem mittlerweile nicht mehr so gutem Freund) Googlemaps sah es aus, als würden kleine Feldwege von der Landstraße Richtung Meer gehen (ich hatte noch Hoffnung…). Leider stellte sich heraus, dass die Feldwege Sandwege waren (ein Steckenbleiben vorprogrammiert), die zudem noch in den meisten Fällen durch Schranken abgesichert waren. Irgendwann war ich dann schon so weit, in Erwägung zu ziehen, in einer der kleinen Schotter-Haltebuchten am Waldrand mein Camp aufzuschlagen. Als ich einen VW-Bus in einer solchen entdeckte, dachte ich mir „Perfekt-ein Gleichgesinnter, dann scheint das hier ja zu funktionieren“. Ich parkte neben ihm und klopfte an. Es öffnete ein etwas schmieriger älterer Herr, der kein Englisch verstand (mein Französisch ist leider doch sehr sehr eingerostet und würde vom TÜV nur noch lächelnd abgelehnt werden). Die Situation war mir dann aber doch etwas zu dubios und so fuhr ich weiter. In der nächsten Stadt fuhr ich den hiesigen (und auch riesigen) Touri-Campingplatz an. Sie hatten einen letzten Platz (inmitten eines Surfcamps) für 40 EURO (PRO NACHT!). Die Vorstellung mein Auto zwischen Zelten von grölenden Teenies abzustellen (ja ich werde alt) und dafür dann auch noch Unsummen zu zahlen war derart abwegig, dass ich den Motor wieder anwarf. 

Um 20:30 entdeckte ich dann tatsächlich einen offiziellen Parkplatz für Wohnmobile. Contra: er liegt direkt an der Landstraße, ziemlich gefüllt (na gut das zählt nicht, im Vergleich zu den Campingplätzen zuvor) und er ist 3 km vom Meer weg (und da kaum noch Platz ist, müsste ich hier sofort bleiben). Pro: nur EUR 6,50 und vor allem, keine wirkliche Alternativen. Etwas enttäuscht über den fehlenden Sonnenuntergang am Meer inkl. kurzer Badesession versuchte ich es mir also so gemütlich wie möglich zu machen. Mit Kopfhörern auf den Ohren und den Blick auf meinen Grill gerichtet ließ es sich auch recht gut aushalten. Nun liege ich im Bett, das Dach noch offen unter Pinien (ein Fliegennetz gespannt, falls mal wieder ein Tannenzapfen runterfällt) und den nicht mehr ganz so vielen Menschen und vorbeifahrenden Autos lauschend (vielleicht mach ich es doch noch zu…). 

Mein Optimismus ist gerade etwas im Keller. Hoffentlich wird es morgen besser. Von der Idee, in schöner Natur zu campen, habe ich mich schon mehr oder weniger verabschiedet. Dafür muss ich dann wohl nach Skandinavien. Aber dafür werde ich morgen endlich surfen gehen. Und vielleicht kommt ja dann langsam das Feeling. 

In diesem Sinne: Gute Nacht. 

Bordeaux - Monument aux Girondins

Bordeaux - Monument aux Girondins
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