Von Chiang Mai nach Laos: White Temple, Black House und Golden Triangle

Thailands Norden
– Kunst und Drogen –

Ein Tagesausflug von Chiang Mai
Für unseren zweiten Tag im Norden Thailands hatten wir uns nach langem Hin und Her für eine Gruppen-Tour in den Norden Chiang Mai’s entschieden. Anlass der Tour war vor allem der White Temple, der in der Nähe von Chiang Rai steht. Chiang Rai selbst schien uns aber weniger interessant zu sein, so dass wir den Tempel von Chiang Mai aus besuchen wollten. Eine Möglichkeit für den Besuch wäre der Local-Bus nach Chiang Rai gewesen. Wir hätten auf dem Hinweg am Tempel aussteigen können, aber für den Rückweg hätten wir erst ein Taxi nach Chiang Rai nehmen müssen, um dann per Bus zurück nach Chiang Mai zu fahren. Viel mehr als den White Temple hätten wir dann wohl nicht zu Gesicht bekommen. Wir entschieden uns also doch mal wieder für eine Touri-Tour, bei der wir morgens im Hotel abgeholte wurden und neben dem White Tempel noch ein paar andere Stopps einlegen würden. Vor allem würden wir auch zum Goldenen Dreieck und nach Laos fahren.

 

Heiße Quellen
Im großen Minivan ging es Morgens los Richtung Norden und nach gut einer Stunde Fahrt legten wir auch den ersten kurzen Stopp an den „Hot Springs“ ein. Als ich davon hörte, hatte ich mir kleine natürliche Wasserbecken inmitten der Natur vorgestellt.
Stattdessen erwartete uns ein riesiger Parkplatz inmitten von zahlreichen Touri-Ständen und ganz am Ende ein winziger Wasserfall mit kleinem Wasserbecken. Auf dem Weg dorthin konnte man Eier kaufen um diese dann in dem heißen Wasser zu kochen. Wir haben es getestet: das Wasser ist wirklich schweineheiß und nur mit viel Überwindung konnte man die Beine eine Weile darin baumeln lassen. Unsere Pause war allerdings so kurz bemessen, dass wir die Eier gerade mal 2-3 Minuten im Wasser hatten. Verwunderlich, dass sie beim anschließenden Schälen dennoch beinahe hart gekocht waren… Es könnte natürlich sein, dass das alles ein riesen Schmu ist und die Eier schon vorher gekocht werden. Aber das würde dem ganzen natürlich komplett den „Zauber“ nehmen

 


White Temple
Endlich kamen wir am eigentlichen Ziel unserer Tour an: dem White Temple mit dem offiziellen Namen Wat Rong Khun. Der Tempel ist noch ganz jung, denn sein Bau begann erst vor 20 Jahren und die gesamte Anlage soll erst in ca. 50 Jahren fertiggestellt sein.
Wer also einen historischen, streng buddhistischen Tempel sucht, der wird dort nicht fündig. Doch wenn man auf der Suche nach „etwas anderem“ ist und die Anlage weniger als Heiligtum, sondern mehr als Kunstwerk betrachtet, wird begeistert sein! Ich kam aus dem fotografieren jedenfalls nicht mehr raus. Einzig die strenge zeitliche Begrenzung der Tour auf nur 40 Minuten Aufenthalt sorgte dafür, dass ich meine SD-Karte nicht komplett vollknipste.

Der Tempel ist schon von weitem eine echte Schönheit. Schneeweiß zeichnet er sich vom babyblauen Himmel ab und spiegelt sich im kleinen See davor. Als Kontrast steht links vom Eingang nicht nur eine Art goldener Schrein, sondern auch ein Baum mit Schrumpfköpfen. Doch noch skurriler als die Fratzen mit langen Haare ist eine Art Transformer/Power Ranger Figur mit goldener Krone, die für ein gemeinsames Foto auf einer Bank vor dem Tempel posiert. Und da es hier ja gerade um Kontraste geht, sitzt auch noch ausgerechnet ein Mönch daneben und lässt sich ein Andenken machen…

Der Fuß des Tempels ist „geschmückt“ mit Dornenranken, Schlangen, die in menschliche Hände beißen und Gesichter, die von den Schlingpflanzen verschlungen werden – doch so gruselig das Motiv auch ist, ist es dennoch im strahlenden Weiß mit silbern glitzernden Steinchen. Eine Brücke führt hinauf zum Tempel, über eine Treibsandbecken, aus dem sich zahlreiche Hände hilfesuchend emporrecken. Auch die Hände sind alle gräulich weiß – bis auf eine Ausnahme: ein einzelner roter Fingernagel sticht aus der Menge heraus…

Auf dem Tempelplateau angelangt, erwarten einen hübsche Schnörkel, schöne Gesichter und Buddhafiguren. Doch im Innern wird es dann noch mal richtig abgefahren. Leider darf man dort nicht fotografieren, aber ich versuche es euch zu beschreiben: alles ist in Gold gehalten und auf der Rückwand des kleinen Tempelraumes befindet sich eine große Wandmalerei eines teuflischen Gesichts, das umgeben ist von zahlreichen gezeichneten Figuren. Bei den Zeichnungen handelt es sich aber nicht etwa um buddhistische Motive – stattdessen entdeckt man dort Superman und Batman, Kung Fu Panda, Elvis und Michael Jackson und sogar George W. Bush und Osama Bin Laden. Verrückt! Neben dem Tempel verläuft ein überdachter Weg, dessen Decke mit dünnen Silberplättchen vollhängt. Diese Anhänger kann man auch als Tempelspende kaufen und dann – mit Name und Datum versehen – an einer Art Metall-Baum aufhängen.

 


Black House
Vom Kunstwerk in Weiß ging es zum „Black House“, dem Bandaam Museum. Die Anlage, die aus mehreren schwarzen Holzhäusern besteht, wurde von einem thailändischen Künstler designt. Doch dreht es sich hier weniger um die Häuser selbst, als mehr um deren „Einrichtungsgegenstände“, bei deren Auswahl wohl die Themen Tod und Sex das Motto sind. Die Wände sind geschmückt mit ausgestopften Tierköpfen und statt eines Tischläufers dekorieren Schlange und Krokodil die Tafel. In einem seltsamen Iglu, das mit Augen bemalt ist, stehen Stühle aus Knochen oder Horn im Kreis um ein weiteres Krokodil. In einem weiteren Iglu sind nicht nur die Muscheln riesig…  eine Holzfigur streckt einem ihr überdimensionales Gemächt entgegen. Wie in einem Suchbild kann man übrigens im ganzen Museum Penisse in allen Größen und Formen entdecken. Highlights waren dabei ein Mobilée aus kleinen Penissen, die zugleich weibliche Oberkörper darstellen und eine Art Suppenlöffel mit Penisgriff, auf dem sich das Relief einer Frau räkelt. Zum Glück konnte man dort fotografieren – das würdet ihr mir doch sonst niemals glauben! 

 

 


Goldenes Dreieck
Während der Van Richtung Norden brauste, zogen Wälder und Berge an uns vorbei und wir legten eine Mittagspause bei einem Restaurant mitten im Nirgendwo ein. Uns erwartete ein überraschend leckeres und reiches Buffet mit Speisen aus Thailand und Myanmar, das sogar bereits im Preis der Tour enthalten war. 

Nach einer weiteren Fahrt erreichten wir am Nachmittag das Goldene Dreieck, die Ländergrenze zwischen Thailand, Myanmar und Laos. Wie so viele andere Reisegruppen wurden wir am Pier des Mekongs abgesetzt und wechselten mit der gesamten Reisegruppe den Van gegen ein Boot. Wir schipperten flussaufwärts zum Dreiländereck, der Mündung des Ruak in den Mekong. Rein optisch ist das nicht gerade spannend, denn die Grenze wird durch den Mekong selbst gebildet, der aus China kommend die drei Länder voneinander trennt, bis er durch das Mekong-Delta über Kambodscha und Vietnam nach ca. 4500 Kilometern im Südchinesischen Meer endet. Es war also nach Saigon, Cai Be und Phnom Penh nun schon unsere vierte Begegnung mit dem Riesen (und zweite Bootsfahrt darauf).
Doch die eigentliche Faszination für das Goldene Dreieck geht weder von der Ländergrenze, noch vom Fluss aus. Es ist die Droge Opium, die täglich zahlreiche Menschen dorthin zieht. Natürlich nicht um es zu kaufen oder zu rauchen, denn der Anbau ist zumindest in Thailand mittlerweile illegal. In den Siebzigern war es allerdings Hochburg für Opium- und Heroinherstellung, denn in dem abgelegenen Gebiet konnte seelenruhig Schlafmohn angebaut werden. Heute ist das anders und das thailändische Militär kontrolliert sehr gewissenhaft. In Laos und Myanmar ist das wohl nicht ganz so streng, doch die einstige Bedeutung für den Drogenmarkt hat die Region nicht mehr.  

 

 

Besuch in Laos
Von dem  Grenzpunkt der drei Länder fuhren wir flussabwärts und konnten ein paar Tempel an den beiden Uferseiten entdecken. Doch unser Ziel war diesmal weder buddhistischer noch künstlerischer Natur. Wir legten am laotischen Ufer an und hatten eine halbe Stunde Zeit über den Markt dort zu schlendern. So viel zum Programm. 
Es begann auch noch amüsant, denn unser sympathischer und durch und durch schwuler Guide zeigte uns verschiedene Schnäpse, die je nach „Inhalt“ Wirkungen wie ein langes Leben, Potenz oder Fruchtbarkeit haben sollen. Die Inhalte, die er uns der Reihe nach präsentierte sind nichts für schwache Nerven: vom Tigerpenis, über Schlangen und Skorpion bis hin zur Schildkröte war alles dabei. Natürlich haben wir den ein oder anderen Tropfen probiert – ein guter Whisky oder Gin wäre wohl schmackhafter gewesen, aber es war trinkbar. Und wer sagt schon nein zu einem langen Leben? 
Der restliche Markt war dagegen eher enttäuschend. Die Stände verkauften dort nur billige Plagiate von Handtaschen und Koffern – ein schönes Mitbringsel war dort beim besten Willen nicht zu finden. Ein entspanntes Stöbern war auch schlichtweg nicht möglich, denn die Verkäufer waren dort noch wesentlich aufdringlicher und aggressiver, als wir sie bisher erlebt haben. Wir holten uns also einen Kaffee und warteten am Pier auf die Rückfahrt unseres Bootes. Immerhin: wir waren in Laos! 

 


Long Neck Karen Camp
Der letzte Stopp führte uns in ein Dorf, in dem die „Long-Neck-Frauen“ leben. Jeder hat bestimmt schonmal das Bild einer Frau mit vielen goldenen „Ringen“ um den Hals. Im Zweifel sogar im Guinness Buch der Rekorde. 
Natürlich ist es auch absolut reizvoll so ein Foto zu schießen. Aber man sollte sich bei solchen Dingen immer fragen, ob es das wirklich wert ist. Denn immerhin handelt es sich bei den Frauen um Flüchtlinge aus Myanmar, die in diesen Schaudörfern leben wie im Zoo… Was man so hört, werden sie regelrecht vorgeführt und teilweise sollen sie ihre Blusen am Rücken aufknöpfen, damit man ihre Knochenverschiebungen durch den spiralförmigen Schmuck sehen kann. Von den Eintrittsgeldern sehen sie natürlich nur einen absoluten Bruchteil und es wird vermutet, dass sie aufgrund der lukrativen Einnahmequelle (also für die anderen…) ihre Dörfer nicht verlassen dürfen. 
Einiges davon war mir schon vorher bewusst, doch auch unsere Hotelbetreiberin, die uns die Tour gebucht hatte, klärte uns nochmal über die Umstände auf. Ich war positiv überrascht dass sie sich (obwohl selbst Teil der Tourismusbranche) kritisch darüber äußerte und uns sogar bat, diesen Teil der Tour womöglich auszusetzen. Diese Bitte hätte es zwar nicht gebraucht, aber sie bestärkte uns in unserer Entscheidung, auf dieses Foto zu verzichten. 

Bei dem Dorf angekommen fragte unser Guide bestimmt noch dreimal nach, ob wir wirklich nicht mitkommen wollten. Wir waren die einzigen, die sich dagegen entschieden hatten, wobei man auch sagen muss, dass er den Programmpunkt natürlich komplett anders darstellte. Er erzählte doch tatsächlich, dass es sich bei den Frauen um Thailänderinnen handelte und dass es für sie kein Problem wäre, wenn man sie fotografiert (You can take as many pictures as you want…) oder gar den Schmuck anfasst. Wahnsinn. Wir blieben kopfschüttelnd am Parkplatz und warteten fast eine Stunde bis unsere asiatische Reisegruppe genug vom menschlichen Zoo hatte und wir uns auf die lange Rückfahrt nach Chiang Mai machten.

 

Fazit zum Ausflug:
Der White Temple ist schon wirklich sehr beeindruckend und wird jedes Fotografenherz höher schlagen lassen. Die anderen Sehenswürdigkeiten der Tour waren dagegen nicht so die Wucht, selbst das Goldene Dreieck war dann doch eher enttäuschend. Rückblickend wäre eine Tour auf eigene Faust nach Chiang Rai und zum White Temple wohl doch die bessere Alternative gewesen, dann hätten wir uns auch noch mehr Zeit beim eigentlichen Highlight nehmen können, der in der Tour leider viel zu kurz kam. 

Aber hinterher ist man ja meistens schlauer – und immerhin sind wir an einem Tag trotzdem ganz gut herumgekommen und konnten die Landschaft Nordthailands zumindest ein bisschen aus dem Fester beobachten. 

 

 

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