Erfolgserlebnisse

Biarritz
– Jugendstil und schroffe Felsformationen –

Gestern Abend haben sich dann noch meine Camping-Nachbarn zu mir gesellt. Ein Holländer und ein Deutscher, die mit den Fahrrädern unterwegs sind. Bei Wein, Baguette, Käse und Oliven saßen wir noch eine ganze Weile zusammen. Sie wollen auch am nächsten Tag nach Biarritz und meinten, es könne nicht angehen, dass ich bisher noch nicht wild gecampt habe. Sie schlafen auf ihrer Tour meistens im Zelt bzw. unter freiem Himmel, wo auch immer sie Abends vom Rad steigen. Als ich meine Bedenken bzgl. einer nächtlichen Polizeikontrolle äußerte, meinten sie wir sollten uns doch für den nächsten Abend zusammentun. Quasi in kleinen Schritten aus der Comfort-Zone heraus…

Ich schlief wieder (wie jede Nacht) unter dem Sternenhimmel bei offenem Dach ein. In der Nacht wurde ich dann noch von einer aufdringlichen Mücke geweckt, die mich auch partout nicht weiter schlafen lassen wollte. Der Klügere gibt ja nach (nur zur Klarstellung: das war ich…) und ich überließ ihr das Reich übergangsweise (sie führte den Titel Truchsess sicherlich mit Stolz) und tapste mit Kamera und Stativ zum See. Der Mond leuchtete hell und spiegelte sich wunderschön zwischen einigen Wolken auf der Wasseroberfläche.
Der Mücke war währenddessen wohl langweilig geworden und so konnte ich danach hervorragend weiterschlafen.

Heute morgen gab es eine große Kanne Kaffe für alle und nach der üblichen Stunde saubermachen, zusammmenpacken… (nur zur Klarstellung, bevor hier in Klischees gedacht wird: für Duschen und alles drum und dran brauche ich lediglich 5 Minuten). Man muss sich bei so einer Konstrukion des Campens immer ganz genau überlegen, was man nun aus welchem Fach braucht. Sonst ist man nur am Hoch- und Runterklappen – eine logistische Herausforderung.
Gegen 10 Uhr ging es dann los. Ich wollte eigentlich direkt nach Biarritz. Auf dem Weg entdeckte ich allerdings ein Schild nach Contis Plage und erinnerte mich, davon im Reiseführer gelesen zu haben. Also bog ich kurz entschlossen ab und bereute es nicht im geringsten. Ich saß eine Weile am noch recht leeren Strand und schlenderte durch die kleinen (gar nicht mal so touristischen) Lädchen und den hiesigen Markt. Dabei ergatterte ich noch 2 Körbe für den Camper, die ab sofort hervorragende Zwecke erfüllen.

Gegen 3 kam ich in Biarritz an. Ich war durchaus überrascht, hatte ich doch ein ähnliches Städtchen wie die bereits besuchten erwartet. Aber stattdessen erwartete mich einerseits eine Stadt mit alten und sehr beeindruckenden Gebäuden und andererseits eine komplette Veränderung der Natur (und Abwechslung hatte ich mir ja gewünscht). Die Pinienwälder wurden abgelöst durch Hügel und schroffe Felsformationen im Meer. Wunderschön!
Leider ist Biarritz auch wesentlich größer als gedacht und so wurde es nochmal etwas stressig bei der Parkplatzsuche. Ich hatte letztendlich aber riesen Glück, fand am zentralsten Spot ein Plätzchen und löste ein Ticket für 3 Stunden (zu 5 Euro…). Mit Board unterm Arm und diesmal nur im Bikini ging es 500 Meter (die Straße entlang) zum Strand.

Die Wellen waren zwar nicht sehr hoch, aber sehr anfängerfreundlich. Und so kam es, dass ich die erste Welle direkt erwischte und souverän auf dem Brett stehend Richtung Strand fuhr. Das Grinsen im Gesicht kann man sich vorstellen.
Tatsächlich ging es so auch weiter und ich hatte mein Board langsam sehr gut unter Kontrolle. Leider kann man dies nicht über die Masse an Surfschülern und Ausprobierenden sagen, die ohne um sich zu schauen versuchten zu surfen. Da es dermaßen voll war, dass man kaum eine Boardbreite Abstand zum nächsten hatte, kam es diverse Male zu kleinen Überschneidungen. Diese endeten wieder einmal mit blauen Flecken und Schrammen an meinen Gliedmaßen. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich surfte eine letzte Welle zum Strand zurück und schlenderte stattdessen noch ein Stündchen zu Fuß an der Küstenpromenade entlang. Auf dem Weg zurück zum Auto bummelte ich noch durch die Läden. Hier könnte man richtig arm werden: sämtliche Surfermarken sind ansässig und locken mit Angeboten. Die knappe Zeit bis zum Ablauf des Parkscheins rettete mich allerdings vor der Privatinsolvenz.

Da sich die Radler vom Abend zuvor noch nicht gemeldet hatten, machte ich mich sicherheitshalber auf die Campingplatzsuche. Ich fuhr 12 km raus aus Biarritz und fand 2 Campingplätze auf den Klippen mit Blick zum Meer. Einer war voll, der andere sollte mal wieder die üblichen 40 Euro kosten. Ich fuhr zurück zu einem großen Parkplatz, von dem aus man einen grandiosen Blick auf die Bucht hatte. Ein Mädel saß gerade in ihrem VW-Bus mit deutschem Kennzeichen und ich fragte sie, ob man hier stehen dürfe. Man durfte!

Glücklich räumte ich mein Lager zurecht und ging dann mit Kamera und Bier ausgestattet zum Strand. Pünktlich zum Sonnenuntergang kamen dann doch noch die Radler dazu. Gemeinsam beobachteten wir eine riesig rote Sonne dabei, wie sie zwischen den Felsen im Meer verschwand. Später grillten wir oben an meinem Lager (ich hatte mir ein tolles Rindersteak gekauft, das ich auf den Punkt englisch briet). Nebenan ein deutsches Pärchen, das auch vor einem Bus saß und sich unserer Runde anschloss. So saßen wir noch eine ganze Weile zusammen und hatten einen sehr witzigen Abend. Insgesamt ein sehr erfolgreicher Tag! 

Contis Plage

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