Hongkong – ein Wochenendtrip nach China: Wolkenkratzer, Natur und Strand

Hongkong
– Wolkenkratzer, Natur und Strand –

 

Ankunft in Hongkong
Nach nicht einmal 6 Wochen in Thailand, verließen wir das Land auch schon wieder – zumindest für ein verlängertes Wochenende. Nach einer halben Stunde in der Schlange zur Ausreise aus Thailand und 3 Stunden Flug landeten wir auf chinesischem Boden: Hongkong! 
Der Flug hatte mal wieder ein bisschen Verspätung gehabt und so mussten wir erschreckend feststellen, dass wir kaum mehr rechtzeitig zur Check-In-Zeit unser Hotel erreichen würden. Der Versuch, die Rezeption zu erreichen scheiterte kläglich. Mit unseren thailändischen SIM-Karten kamen wir nicht sehr weit und bei einem Versuch über ein – von einem netten Chinesen – geborgtes Handy war in der Unterkunft niemand erreichbar. Wir schickten eine Mail raus und hofften, dass sie bemerkt würde und wir nicht vor verschlossenen Türen stehen (und schlafen) müssten. 
Aufgrund des Zeitproblems (wie ungewöhnlich, sonst haben wir das immer erst auf dem Rückweg…) nahmen wir statt der günstigen Metro den (sauteuren) Schnellzug nach Kowloon und für die letzten Kilometer ein Taxi. So schafften wir es immerhin, mit nur knapp 10 Minuten nach der Zeit anzukommen. 


Unsere Unterkunft mit dem schönen Namen „Strawberry Guest House“ befand sich in den Chungking Mansions – einem 17-stöckigen Gebäude, bestehend aus 5 Blöcken, das ca. 90 Herbergen und 1000 Betten beherbergt. Das Erdgeschoss der riesiegen Molochs ist ein riesen Multi-Kulti-Bereich, in dem sich südasiatische, arabische und afrikanische Essensstände aneinanderreihen.
Vor dem Gebäude warten zahlreiche „Verkäufer“ darauf, einem Zimmer, Anzüge, Uhren oder Drogen anzudrehen und so kamen wir uns auf dem Weg vom Taxi in die Tiefen der Bettenburg beinahe vor wir Promis auf einem roten Teppich, die den Autogrammjägern entfliehen wollen. Gerade hatten wir unsere Verfolger abgehängt, standen wir bereits vor dem nächsten Problem: wo zur Hölle geht’s zu unserem Hotel? Es gibt zwar 10 Aufzüge in dem ganzen Haus – allerdings gibt es immer nur einen richtigen. Die fünf Blöcke des Gebäudes sind nicht miteinander verbunden und jeder Block hat seinen eigenen Aufzugschacht. Hinzu kommt dann aber noch, dass es für jeden Block zwei Aufzüge gib – einen für die geraden Stockwerke, einen für die ungeraden. Irgendwann hatten wir auch den richtigen gefunden und nach ein wenig Schlange stehen – denn in einen Aufzug passen nur 7 Personen – standen wir endlich vor unserer Unterkunft. Der Flur versprach bereits eher shabby als chic und der Blick hinab in den Belüftungsschacht war eher gruselig. Die selbst-verliehenen vier Sterne am Eingang brachten uns sogar in unserer Abgehetztheit zum Schmunzeln. 

 

Tatsächlich wurde auf unser besorgtes Klopfen hin geöffnet – man hatte unsere Mail tatsächlich erhalten! Umso erstaunlicher und ärgerlicher war dann allerdings, dass der Mitarbeiter unser Zimmer einfach anderweitig vergeben hatte und nun nur noch zwei Einzelzimmer frei waren. Wir erhielten nicht einmal eine Entschuldigung – nur ein lapidares „dafür berechne ich euch auch nur den Doppelzimmerpreis und nicht den für zwei Einzelzimmer“… Wie gnädig.)
Wir zogen kurz noch in Erwägung zusammen in ein Einzelzimmer zu gehen, doch als wir die Zimmer in Augenschein nahmen, war klar: keine Chance. Die kleinen Verschläge mit gefliesten Wänden boten gerade mal Platz für eine schmale Metallpritsche und einen schmalen Gang neben dem Bett. Wäre dieser nur noch ein bisschen kleiner gewesen, hätte man wenigstens nicht mehr aus dem Bett hinausfallen können… Das Bad entsprach ca. der Ausstattung und Größe der Nasszelle eines Wohnwagens (Dusche über der Toilette). Alles in allem hatte der mit Bad ca. 4,5 qm große Raum etwa den Charme einer Gefängnis-Zelle (wobei laut Bundesverfassungsgericht eine Unterbringung bei weniger als 6-7 qm menschenunwürdig ist) und zum Einschlafen gab es noch gratis Schnarch-Beschallung des Rezeptionisten, der hinter dem Tresen auf dem Boden lag und wahrscheinlich noch 3 Stockwerke tiefer zu hören war. Klingt alles ziemlich abgefahren und ich hab mich ehrlich gesagt anfangs ziemlich unwohl gefühlt – doch mit etwas Musik auf den Ohren ging’s und letztendlich habe ich dort geschlafen wie ein Baby. Am nächsten Tag nahmen wir es bereits mit Humor und für die beiden folgenden Nächte gab’s sogar ein unwesentlich größeres Doppelzimmer.  

 

 

 

Hong Kong Island
Nach einem schnellen Frühstück bei einem Bäcker um die Ecke und einem Kaffee von McDonalds machten wir uns auf den Weg mit der U-Bahn von Kowloon zur Hongkong Island. Wir stiegen an der Station Admirality aus und uns erwarteten zahlreiche moderne Wolkenkratzer vor einem strahlend blauen Himmel. 

 

 

Hongkong Park
Unser erster Anlaufpunkt war der Hongkong Park – eine kleine Oase inmitten der Wolkenkratzer-Landschaft. Überall gibt es kleine Springbrunnen und Wasserspiele, bei denen man am liebsten wieder Kind wäre um schreiend darunter durch zu rennen. An dem kleinen Schildkrötensee kann man herrlich die Seele baumeln lassen und dem Rauschen des kleinen Wasserfalles lauschen. 

 

 

Hinauf zum Victoria Peak
Wir verließen den schönen ruhigen Park in Richtung der Peak-Tram-Station. Die alte Standseilbahn wurde vor über 100 Jahren nach dem Vorbild der Cable Cars von San Francisco erbaut – aber keine Sorge, sie wurde Ende der Neunziger komplett erneuert und bringt täglich unzählige Personen sicher hinauf zum Aussichtsberg „The Peak“ auf Hongkong Island. Es ist wohl sinnvoll, relativ früh dort zu sein, denn es ist eine der Hauptattraktionen von Hongkong – also viiiiiele Touristen. Wir kamen am späten Vormittag an und es hatte sich bereits eine ordentliche Schlange gebildet. Während unserer Wartezeit wuchs die Schlange auf das drei-bis vierfache an und wurde bald auf 3 verschiedene Wartebereiche und Straßenseiten-übergreifend aufgeteilt. Nach fast einer Stunde Anstehen war es endlich soweit und es ging bergauf. Schnell wird einem dann auch klar, warum wirklich nur soviele Menschen hineindürfen, wie es Sitzplätze gibt. Die Strecke ist nämlich teilweise so steil, dass es einen regelrecht in den Sitz drückt. Aufstehen für ein Foto aus dem Fenster hinaus? Schwierig. Im Gegensatz zu San Francisco, wo die Bahnen am Ende gedreht werden, fährt diese übrigens einfach rückwärts hinunter. Aufgrund der Steigung ist das aber auch sinnvoll, andererseits würde man wohl sehr schnell bäuchlings auf dem Vordersitz landen…

Oben angelangt befindet man sich direkt am Victoria Peak Tower, einem kleinen Touri-Center mit Souvenirshops und Restaurants, auf dessen Dach sich eine Aussichtsplattform in ca. 400 Metern Höhe über dem Meeresspiegel befindet. Der Eintritt ist zwar nicht gerade günstig und es gibt alternativ auch die Möglichkeit ein paar Meter den Berg hinab zu laufen und von dort eine gratis Sicht zu genießen. Wir wollten aber die 360°-Rund-um-Sicht und nahmen den Ticketpreis in Kauf. Wir bereuten es nicht! 
Die Aussicht ist einfach der Wahnsinn. Der Blick hinab auf den Victoria Harbour, die Wolkenkratzer von Hongkong Island und die bergige Landschaft, die hinter Kowloon beginnt, ist schlichtweg atemberaubend. In die andere Richtung kann man die Inselwelt von Hongkong erahnen und ist mitunter überrascht, wie grün und bewaldet die nähere Umgebung dieser riesigen Stadt doch ist. 

 

 

 

Auf den Spuren der Vergangenheit
Ich muss euch etwas gestehen:ich war schonmal vor ca. 15 Jahren in Hongkong. Zwar war der Besuch damals nur für einen knappen Tag als Zwischenstopp auf dem Weg nach Australien, mit meiner ebenso reiseverrückten Familie – aber die wenigen Stunden in der chinesischen Stadt waren für mich als Teenager damals sehr intensiv. Und intensiv ist jetzt so gemeint, wie „Es schmeckt interessant“… Wir entdeckten damals einen kleinen Markt – eine winzige schmale Gasse inmitten der damals schon schicken Wolkenkratzer. Die Gasse kam mir damals so eng vor, dass ich rückblickend überzeugt war, man hätte sich aus den gegenüberliegenden Fenstern die Hände reichen können. An einem Stand waren Ochsenschwänze („mit Haut und Haaren“) an eine Holzwand zum Verkauf genagelt und halbtote Fische schwammen in blutigem Wasser herum. Alles roch irgendwie anders und die Menschen versuchten ständig die Gesichter meiner kleinen Brüder oder meines zu streicheln. Kurzum: als wir die Gasse am anderen Ende wieder verließen, war ich angeblich grün im Gesicht und der festen Überzeugung, dass ich zwar die ganze Welt sehen will – außer Asien. 
15 Jahre später suche ich mir gerade Bangkok aus, um dort 4 Monate zu leben und reise durch einen Großteil der südostasiatischen Länder… Mittlerweile suche ich geradezu solche Märkte und komme aus dem Fotografieren kaum mehr raus, wenn sich Schweineschnauzen und Froschschenkel vor mir türmen (grün werde ich nur noch gelegentlich ein bisschen – zum Beispiel in der „Fischabteilung“ in Hanoi…). 
Angekommen in Hongkong war es mir plötzlich sehr wichtig, diesen Markt zu finden und zu schauen wie er heute aussah – und vor allem wie er auf mich wirken würde! Ich hatte natürlich keine Ahnung wo die Gasse damals war und kontaktierte meine Eltern, die mir Auszüge aus dem Fotoalbum und eine grobe Markierung in Googlemaps schickten. Wir irrten herum… aber es schien ziemlich aussichtlos. 

Da bot sich eine Fahrt mit dem „Central-Mid-Levels-Escalator“ an, eine 800 Meter lange Rolltreppe, die von Central durch Hongkong’s SoHo den Berg hinauf fährt. Genau genommen fährt sie allerdings nur von 10:30-24 Uhr hinauf – am Morgen fährt sie dafür hinab. Während der Fahrt entdeckten wir zwar zahlreiche kleine Bistros und Cafés in denen man es sicher gut hätte aushalten können – einen Markt erspähten wir aber nicht. 
Auf dem Weg hinab in Richtung Pier entdeckten wir dann aber doch noch eine kleine Gasse mit Marktständen. Ich bin nicht sicher, ob es die gesuchte Gasse war – wenn ja, dann hat sie sich extrem verändert… bis auf ein bisschen Gemüse und Obst gab’s nicht viel zu sehen. Falls es die Gasse nicht war und jemand sie wieder erkennt: ab in die Kommentarzeile damit! 

 

 

 

Durch Hongkong Central zum Pier
Unser Weg hinab zum Pier führte uns vorbei an der St. John’s Kathedrale, eine hübsche evangelische Kirche vor der modernen Skyline von Hongkong. Von dort aus entdeckten wir das schöne Former Legislative Council-Gebäude, das bis 2011 der Sitz des Court of Final Appeal in Hongkong war. Die schmucke Fassade bildet einen hübschen Kontrast zu den modernen Wasserbecken mit bunten Kunstobjektiven und Springbrunnen im kleinen Statue Square davor. Über den Skywalk gelangten wir zum Jardine House, das zu seiner Fertigstellung (vor gut 40 Jahren) das höchste Gebäude von Hongkong und sogar ganz Asiens war. Das Hochhaus hat angeblich aufgrund seiner skurrilen kreisrunden Fenstern den Spitznamen „The House of a Thousand Arseholes“ (ich übersetze das mal nicht, vielleicht sind ja Kinder anwesend…) und ist sogar prominenter Schauplatz der US-Mini-Serie „Noble House“, die basierend auf dem Roman von James Clavell vom Hongkong der 90er Jahre erzählt (Tipp vom liebsten Reisebegleiter – wobei der Roman wohl noch besser sein soll als die TV-Produktion). Direkt neben an befindet sich die IFC-Mall, wo wir uns beim 7-Eleven eiskalte Getränke kauften und diese auf dem schönen Rooftop-Park der Mall bei schöner Aussicht auf den Victoria Harbour genossen. 

 

 

Mit der Star Ferry durch den Victoria Harbour
Von den IFC-Mall war es nur noch ein kleiner Sprung hinab zum Pier 7, einer hübschen Anlegestelle mit diversen (teuren) Restaurants und einem schönen Blick hinüber auf die Kowloon-Seite. Genau dahin wollten wir nun auch zurück und das ging tatsächlich noch einfacher als gedacht. Mit der Metro-Karte geht man einfach durch die Schranke durch (kostet etwa einen Euro) und ab auf die Star Ferry. Der kleine Dampfer fährt auf direktem Weg hinüber zum Kowloon-Ufer und man hat unterwegs eine herrliche Sicht auf den Victoria Harbour und hinaus aufs Meer.

 

 

 

Kowloon

Rund ums Flussufer
Mit der Star Ferry legten wir am Kowloon Public Pier an, einer schönen Anlage, die nicht nur dem Be- und Entladen der Schiffe dient. Ein kleiner Park mit Springbrunnen, Palmen und hübschem Uhrenturm erinnert ein bisschen an das kalifornische Santa Monica. Die Uferpromenade ist gesäumt mit einer Art schrägen Mauer und einem Geländer, an dem gen Abend zahlreiche Menschen lehnen um die Aussicht auf die Hongkong-Skyline zu genießen. Eine zweite Ebene ist sogar mit stufenförmigen Sitzgelegenheiten bebaut, die sich während des Sonnenuntergangs (den man leider von dort aus nicht richtig sehen kann) mit Menschenmassen füllen. Warum? Wegen der „Symphony of Lights“ – einer Lichtershow am gegenüberliegenden Hongkong-Island-Ufer. Wir wussten vorher nicht so ganz, was uns erwarten würde, waren aber zum Glück rechtzeitig da um uns noch gute Plätze zu sichern. Während wir in der Dämmerung auf die Show warteten, füllte sich der Victoria Harbour mit zahlreichen bunt beleuchteten Dschunken und anderen Flussschiffen, die ihren Passagieren für ca. 30 Euro 1-1,5 Stunden Hafenrundfahrt und Lightshow vom Boot aus boten. Wir hatten uns gegen eine solche Bootsfahrt entschieden – einfach, weil uns klar war, dass unser Trip nach Hongkong schon teuer genug werden würden und eine „Mini-Hafenrundfahrt“ hatten wir ja schon für wenig Geld mit der Star Ferry. Wir genossen die gratis Atmosphäre an Land und haben es nicht bereut!
Gegen 20 Uhr ertönte aus Lautsprechern, die überall ab Kowloon Public Pier Gelände verteilt sind eine Durchsage und kurz danach begann die 15-minütige Show.
Zu ziemlich trashiger Musik blinkten die Hochhäuser auf der anderen Uferseite in bunten Farben und unterschiedlichen Lichtspielen. Von einigen Dächern erleuchteten Moving-Lights und Laser den Nachthimmel und die roten Flaggen der Schiffe spiegelten sich gemeinsam mit den bunten Fassaden im Wasser. Die Show ist vielleicht nicht super modern – aber wir fanden sie trotzdem ziemlich cool. und auch auf die Gefahr hin, dass ihr nun genauso lacht wie mein liebster Reisebegleiter in dem Moment: ich werde bei solchen Sachen (Musik, Lichter, Feuerwerk, Show…) sehr schnell emotional und drücke meine überschwängliche Begeisterung dann nicht selten mit dicken Krokodilstränen aus.

 

 

Nach der Lichtershow machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant in der Umgebung und trafen dabei auf das ziemlich pompöse „1881 Heritage„-Gebäude, das von den 1880ern bis 1996 Hauptquartier der Wasserschutzpolizei von Hongkong war. Bei abendlicher Beleuchtung ist es zwar schön dort ein bisschen entlang zu flanieren – aber das Essen war uns dort dann doch zu teuer.

 

So ganz konnten wir uns dem Luxus dann aber doch nicht entziehen, denn wir wollten unbedingt in die höchste Bar der Welt. Die OZONE-Bar gehört zum Ritz Carlton und befindet sich im 118. Stockwerk 467 Meter über dem Victoria Harbour. Auf dem Weg dorthin zerbrachen wir uns noch mächtig den Kopf, ob wir mit unserer Garderobe dort überhaupt reinkommen würden. Zwar hatte ich ein schickes Kleid mit silbernen Sandalen dabei (schick für meinen Begriff), doch dann lasen wir plötzlich in den Bewertungen, dass man es mit den geschlossenen Schuhen in der OZONE-Bar auch bei Frauen sehr ernst nähme. Wir riskiertes es dennoch und fuhren mit dem typisch roten Taxi vor. Eine Hotelpage drückte uns bei unserer Ankunft einen Zettel mit der Nummer des Taxi-Wagens in die Hand, für den Fall, dass wir etwas im Auto vergessen hätten. Die Lobby und der Aufzug waren natürlich sehr schick und es roch sogar teuer. Oben angelangt betraten wir mit angehaltenem Atem die Bar und wurden ohne Wenn und Aber freundlich empfangen. Wir ergatterten einen letzten Platz im Außenbereich, der zwar durch eine ca. 5 Meter hohe Glasscheibe vorm freien Fall schützt – der Wind fegte uns aber dennoch wie in einem Luftkanal um die Ohren. Die Aussicht ist natürlich sehr schön – allerdings ist die Skyline von Hongkong Island auch sehr weit weg und zu späterer Stunde auch nicht mehr so bunt beleuchtet. Wir genossen die luftige Höhe aber dennoch – immerhin waren wir in der höchsten Bar der Welt! – und schlürften sauteure Gin-Tonics mit raffinierten Rezepturen und ungewöhnlichen Zutaten wie Rosmarin, Beeren oder Thymian. Während wir unsere Blicke durch die sehr moderne Bar schweifen ließen, mussten wir feststellen, dass unsere Dresscode-Sorge gänzlich unbegründet war. Vielleicht lag es daran, dass der Sonntagabend legerer ist, aber wir entdeckten sogar Birkenstocks.

 

 

Kowloon
An unserem zweiten Tag in Hongkong stand die Kowloon-Seite auf dem Programm. Im verhältnismäßig noch recht ursprünglichen Kowloon finden sich mindestens so viele Hochhäuser wie auf Hongkong Island, doch sind diese keine modernen Glasbauten sondern recht in die Jahre gekommene Betontürme, die mit den typisch asiatischen Klimaanlagen-Abluftventilatoren-Kästen (gibt es dafür ein Wort?) geschmückt sind.

 

 

Kowloon Park
Auch an diesem Tag starteten wir unseren Streifzug mit einem Spaziergang durch den Stadtteil-Park. Während im Hongkong-Park wohl eher Menschen in Anzügen ihre Mittagspause mit einem Starbucks-Kaffee verbringen, so trifft man sich im Kowloon-Park eher zur muslimischen Frauengebetsrunde oder zum morgendlichen Tai-Chi. Menschen von jung bis alt tanzten zur Musik, übten Handgriffe oder schwangen die Schwerter. Auf einer Wiese hatte ein Paar ein kleines Zelt aufgebaut und ein kleiner Wasserfall plätscherte vor sich hin. Übertönt wurde er gelegentlich von lautem Papageien-Geschrei, das aus einem großen Vogel-Gehege dran – einige hundert Meter weiter abgelöst von Kinderhorden, die im Park-Schwimmbad Unterricht hatten. 

 

 

Mongkok 
Von dort aus nahmen wir die Bahn in das Viertel Mongkok – einem wesentlich chinesischeren Teil von Hongkong. Dort schoben wir uns durch den schmalen und schrillen Ladies Market, auf dem man jeden erdenklichen Nippes kaufen kann. Dort entdeckten wir auch „Fidget-Spinner“ – der neueste Schrei der Kids (so, nun fühl ich mich richtig alt) – in tausend verschiedenen Ausführungen und Designs. Mein liebster Reisegefährte fand wohl großen Gefallen an dem drehenden Spielzeug und war nur schwer von den Ständen weg zu locken… 

 

Irgendwo auf dem Rückweg inmitten einer einfachen Wohngegend entdeckten wir das kleine untouristische Dim Sum Restaurant „Fu Kee“. Bei einer Kanne Tee probierten wir einige der kantonesischen Teigtaschen aus dem Dämpfkörbchen. Ganz besonders lecker waren die Chaozhou Dumplings, die mit Schweinehackfleisch und Frühlingszwiebeln gefüllt sind. Probierfreudig bestellt, brav aufgegessen aber nicht so genossen wurde der Schweinemagen, der eigentlich nach nichts schmeckte aber eine eigenartig gummiartige Konsistenz hatte. Ich habe von einem kleinen Essens-Experten erfahren, dass die Kantonesen viele Dinge weniger wegen des Geschmacks sondern wegen des „Mundgefühls“ essen… 

 

 

 

Lantau
Unser letzter Tag führte uns auf Lantau Island, der größten Insel von Hongkong, auf der unter anderem der Flughafen gelegen ist. Doch die Insel hat mehr zu bieten als Ankunft und Abflug und so machten wir uns bereits am Morgen auf den Weg um die Zeit bist zum Abend noch voll auszukosten. Mit der Metro kommt man dort sehr einfach hin – ganz ohne teure Airport-Express-Bahn. An der Station Lai King mussten wir umsteigen und nutzten die Gelegenheit um nochmal kurz aus dem U-Bahnschacht hinaus zu linsen – völlig ohne Ahnung, was uns erwarten würde. Es wartete ein kleiner Industriehafen – grundsätzlich ja eine coole Sache – leider war natürlich alles abgesperrt und so fuhren wir weiter bis zur Endstation Tung Chung auf Lantau Island, wo sich auch ein kleines Outletcenter befindet (für alle, die nach einem Wochenende in Hongkong noch Geld übrig haben…). 
Wir wollten eigentlich von dort aus die Seilbahn „Ngon Ping“ hinauf zum großen Buddha nehmen, denn von den verglasten Kabinen soll man eine herrliche Aussicht auf die tolle Landschaft haben. Leider befand sich die Seilbahn allerdings seit Januar und noch eine weitere Woche im Modernisierungs-Umbau und so nahmen wir stattdessen den Bus, der direkt neben der Seilbahn-Station abfährt. Nach über 30 Minuten Schlangestehen ergatterten wir endlich einen Platz und zuckelten los. Die Fahrt führte bergauf und bergab durch grüne Landschaften mit tollen Ausblicken und vorbei an einem schönen See. Gelegentlich entdeckten wir auch mal ein Taxi, die im Gegensatz zu den roten Wagen auf Hongkong Island und Kowloon knalltürkis sind!

 

 

Tian Tan Buddha
Nach einer guten dreiviertel Stunde Fahrt erreichten wir den Tian Tan Buddha, einen großen grauen Steinbuddha, der aus den Baumwipfeln herausragt und eine herrliche Aussicht genießt. Wir stiegen die Treppen empor und waren begeistert von dem großartigen Rundumblick. Wer hätte gedacht, dass eine riesige Stadt wie Hongkong eine so schöne Landschaft direkt vor der Tür hat? 

 

 

Strand in Hongkong
Doch Hongkong hat nicht nur Berge und Wälder – es gibt sogar einen richtig schönen Strand! Wir hatten ihn auf der Hinfahrt zum Buddha entdeckt und hüpften auf der Rückfahrt einfach dort aus dem Bus raus. Der Strand stellte sich als der „Upper Cheung Sha Beach“ heraus, eine hübsche Bucht, deren Felsen fast schon ein bisschen an Krabi erinnern – auch wenn das Wasser hier nicht so türkisblau ist. Wir entdeckten ein nettes Strandrestaurant (das letzte in der Reihe) und bestellten hervorragend leckere Pizza von unserem letzten bisschen Bargeld (einen Automaten gab es dort nirgendwo). Der Betreiberin tat es so Leid, dass Sie kein EC-Karten-Gerät hatte, dass Sie uns sogar noch eine Runde Drinks ausgab und uns ganz stolz fragte, wie wir Ihre Pizza fänden (sie war wirklich sehr lecker!). 
Geschwommen sind wir zwar nicht, denn es wurde vor der schlechten Wasserqualität gewarnt, die jeden Tag gemessen wird. Dafür gab es noch einen schönen Strandspaziergang, während die Sonne langsam unterging. Irgendwann eilten wir dann aber doch zurück zur Busstation, denn wir hatten ja keine Ahnung, wann genau der nächste Bus kommen würde (die fahren dort recht unregelmäßig). Wir hofften inständig, dass wir noch genug Geld auf unseren Metrokarten haben würden, denn das Bargeld war ja gut angelegt in unseren Mägen gelandet… 

 

Doch ausnahmsweise klappte mal alles wie am Schnürchen. Keine 5 Minuten mussten wir auf den Bus warten und das Guthaben reichte auch noch aus. Wir erreichten den Flughafen mal total entspannt und hatten sogar noch Zeit, unsere Metrokarten wieder abzugeben um den Pfand zurückzubekommen (den hatten wir innerlich schon abgeschrieben, da wir ja ganz gern mal Zeitprobleme bekommen auf unseren Reisen… 
Bei Abflug verabschiedete sich Hongkong übrigens noch mit einem wahnsinnig tollem Anblick von oben und ich musste ganz ehrlich zugeben, dass Hongkong doch eine ziemlich coole Stadt ist.

 

 

5 Kommentare


  1. Hallo Katharina,

    Danke fürs virtuelle Mitnehmen in eine meiner Lieblingsstädte.

    Was das Chungking Mansions angeht – da werden Erinnerungen wach! Ich war da früher öfter mal, auch immer mit dem sog. „japanischen Bad“, das hieß Dusche über der Toilette, alles sehr sehr beengt. Meist hatte ich Glück, aber bei einer Freundin hat’s jedesmal irgendwo gebrannt, als sie dort war, sie musste öfter mal evakuiert werden. Die Chungking Mansions sind eine Legende. 🙂

    Allein wegen der Dim Sum muss ich bald mal wieder nach Hongkong!!!

    Liebe Grüße
    Barbara

    Antworten

    1. Hallo Barbara!
      Evakuiert? In dem Moloch? Ohje, dass stell ich mir sehr chaotisch vor 😀
      Wenn du das nächste Mal zum Dim Sum essen hinfährst, probier mal das kleine „Restaurant“ aus, wo wir waren! Das war wirklich toll! 🙂
      Liebe Grüße

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  2. hallo,

    für das Lesen Eures Berichtes sollte man sich vor allem eines nehmen: Zeit. Ich bin ziemlich beeindruckt, frage mich dann natürlich wie wir reagieren würden auf den Wechsel zwischen Herausforderungen und Highlights.

    Auf jeden Fall ist so ein Abenteuer etwas, was nicht nur Euch sondern auch Eure Leser noch lange beschäftigen wird. Gelernt haben wir natürlich auch eine ganze Menge, danke für die Infos, die ohne lehrerhaft zu wirken rüber kommen.

    Bis bald, wir werden noch das eine und andere mal hier stöbern.

    Gruss vom WEG
    Christiane & Aras

    Antworten

    1. Liebe Christiane, lieber Aras,

      vielen lieben Dank für das tolle Feedback.
      Kurz sind meine Geschichten meist nicht – das stimmt 😉 Umso schöner zu hören, dass sich Menschen die Zeit nehme um sie zu lesen.
      Ich freu mich auf eure „Rückkehr“ und wünsch Euch viel Spaß beim Stöbern und Mitreisen.

      Liebe Grüße aus Bangkok,
      Kate

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