Hpa-an: Karstfelsen, Höhlen und grandiose Aussicht

Hpa-an
– Karstfelsen, Höhlen und grandiose Aussicht –

Die Nacht in unserer lila-pinken Besenkammer war gar nicht mal so schlecht – zumindest bis ca. 4 Uhr, als ein sehr penetranter Hahn meinte, er müsse uns ein Liedchen singen (ein sehr langes…). Der Weg zur Dusche im Anschluss an das Konzert fühlte sich ein bisschen wie der Gang zur Schlachtbank an und die morgendliche Waschung erfolgte in Anbetracht der Ansammlung an Insekten und Schimmelflecken in Rekordzeit. Doch schräg gegenüber erwartete uns bereits Kim, die Betreiberin des Galaxy Motels, mit ihrem fröhlichsten Lächeln und einem leckeren asiatischen Frühstück.

 

Mit dem Tuk Tuk durch Hpa an
Um halb neun ging es dann auch schon los: ab ins Motel-eigene Tuk Tuk für eine Tagestour zu Hpa-an’s Höhlen. Mit an Bord noch Jan, ebenfalls Jurist, der vor einigen Jahren auch für ein Praktikum an der Botschaft in Bangkok war und sich von uns bereitwillig nach seinen Erfahrungen und Tipps löchern ließ. Währenddessen zogen bereits die ersten Reisfelder und Palmen vorbei und die beeindruckende Skyline der riesigen Karstfelsen zeichnete sich am Horizont ab. Irgendwann verließen wir die geteerte Straße und holperten über sandige Pisten, durch kleine Wälder und entlang von Hütten und einzelnen verfallenen und überwucherten Kolonialhäusern inmitten der Natur. Für die Einheimischen, an denen wir vorbeifuhren oder die uns überholten waren wir wohl eine Attraktion und die meisten winkten uns strahlend zu – und wir natürlich zurück (irgendwann kam ich mir vor wie die Queen, bei so viel Winkerei). Die Fahrt zwischen den einzelnen Höhlen wurde so zu einem eigenen Highlight und ich genoss es, die atemberaubende Landschaft von der Ladefläche aus zu beobachten und mir den Fahrtwind durch die Haare wehen zu lassen.

Eine hervorragende Erfrischung für zwischendurch und unglaublich lecker ist übrigens frisch gepresster Zuckerrohrsaft, den man an den meisten Ständen in Hpa-an bekommt. Die faserigen Stangen werden mehrmals durch eine motorisierte Presse geschoben und der Saft darunter aufgefangen. Zusammen mit ein paar Eiswürfeln und ein bisschen Limette ist es ein Drink mit Suchtpotential. Die To-Go-Variante ist übrigens sehr kreativ: im Plastikbeutel mit Strohhalm – da muss man bei der wackeligen Tuk Tuk Fahrt ganz schön aufpassen.

 

Ya Thay Pyan Höhle
Den ersten Stopp legten wir an der Ya Thay Pyan Höhle ein, die sich in einigen Metern Höhe im Fels befindet und über eine Treppe erreicht wird. Oben angelangt wird man von einer Ansammlung von Buddhas empfangen, die die traumhafte Aussicht genießen. Im hinteren Teil der Höhle wird diese plötzlich sehr viel höher und endet in einem kleinen Loch, durch dass die Sonne hineinscheint und den darunter errichteten Stupa beleuchtet. Von hier aus kann man noch ein gutes Stück weitergehen bis man das andere Ende erreicht, eine kleinere Öffnung, von der aus man in die schöne Natur blickt.

 

 

Kawt Gone Höhle
Die nächste Höhle auf unserer Route ist zwar nicht sehr groß und auch nur halb im Fels, dafür beeindruckt sie mit ganz vielen kleinen Buddha-Reliefs in sattem Rot. Die dichte Ansammlung weiß goldener Buddhastatuen darunter geht vor diesem Kunstwerk fast schon unter.


Doch nicht nur Buddhas sieht man hier reichlich – auch eine ganze Horde Affen tummelt sich auf dem Areal. Aber Vorsicht: einer anderen Dame hätten sie beinahe das Lunchpaket entrissen und Kameras borgen sie wohl auch ganz gern. Ich hab meine gut festgehalten und bin – an den Dieben vorbei – die steile Treppe links der Höhle hinaufgestiegen. Der Aufstieg bei 38 Grad ist zwar sehr schweißtreibend, aber die Aussicht von dem kleinen Stupa am Ende der Treppe ist so spektakulär, dass es sich absolut lohnt!

 

 

Kyat Ka Lat Pagode
Auf den nächsten Stopp freute ich mich (bzw. meine Kamera) schon sehr, denn uns sollte eine dünne Felsnadel inmitten eines Sees erwarten, auf deren Spitze eine Pagode thront. Am  Parkplatz angelangt erblickten wir leider hauptsächlich aufgewühlte Erde und Bagger, die offenbar den See vergrößerten. Wasser war dagegen nur auf der anderen Seite des Felsens, der von nahem gar nicht so spektakulär aussah wie gedacht… Um das gewünschte Foto des Felsens im See dennoch irgendwie in den Kasten zu bekommen, suchte ich einen Weg hinüber auf das andere Ufer. Tatsächlich fand ich am Rand des Wasserbeckens einen kleinen Deich, den ich schnell hinüber hopste. Auf der anderen Seite angelangt, wollte ich dann eigentlich das Ufer entlanglaufen und mit ein bisschen Trickserei den großen See zu erzeugen, den ich mir vorgestellt hatte. Leider war das andere Ufer derart mit dornigem Gestrüpp übersät (und ich barfuß, wie immer in einem buddhistischen Heiligtum), dass ich den Plan aufgab und mich mit einem halben See zufriedengab.

 

 

Lonepani Garten
Mit bereits knurrenden Mägen schlenderten wir noch kurz durch den Lonepani Garten, einem Feld mit ganz vielen Buddhas, die (bis auf die Reihe an der Straße) alle in dieselbe Richtung blicken. So ein ähnliches Feld hatten wir bereits in Monywa am Fuß der Boddhi Tataung besichtigt und fanden das noch ein bisschen schöner, da es überwuchert von Pflanzen war und nicht – wie dieses hier – mit weißen Konfetti-Streifen und Plastikbechern übersät (wohl Überbleibsel eines Festes…). Dafür trumpft das Lonepani Feld mit einem schönen Blick auf den Zwekabin Berg, an dessen Fuß es sich befindet. Ursprünglich hatten wir überlegt, am zweiten Tag den zweistündigen Aufstieg auf den Berg in Angriff zu nehmen, um sowohl Aussicht als auch Mittagessen in dem Kloster dort oben zu genießen. Doch bei Temperaturen von 38 Grad schlugen wir uns diese Idee wieder aus dem Kopf…

 

 

Waterfall-Village
Unsere Mägen erfreuten sich dann wenig später an einer riesigen Portion Bratnudeln im „Waterfall-Village“, dem Standard-Lunch-Spot unserer Tagestour. Einen Wasserfall haben wir zwar nicht entdeckt, dafür ein kleines Wasserbecken, in dem die Einheimischen herumplantschen und eine umherspazierende Kuh, die drauf und dran war, sich zu unserem Tisch dazu zu gesellen.

 

 

Sadan Höhle (Bootsfahrt)
Den Großteil des Nachmittages verbrachten wir in der Sadan Höhle, dem Highlight unserer Tagestour. Auf den ersten Metern wirkt die Höhle erstmal nicht so spektakulär. Es gibt zwar ein paar verschieden Statuen und einen Stupa, doch das richtige Erlebnis beginnt erst danach, wenn man durch den beinahe naturbelassenen langen Gang die Höhle durchwandert und im dämmrigen Licht der wenigen Lampen Felsformationen und Scharen von Fledermäusen an der Decke entdeckt.

Am Ende befindet sich eine spektakuläre Felsöffnung, durch die man die wunderschöne Landschaft und einen See erblickt.
Durch diese Öffnung verlässt man die Höhle und kann dann noch zu einer kleinen (noch dunkleren) Höhle ein paar hundert Meter weiter links spazieren, wobei man diese über einen schönen Holzsteg im Reisfeld erreicht. Danach sollte man sich am Seeufer noch ein kaltes Bier gönnen und die Atmosphäre genießen, bevor man in eines der flachen Boote steigt, das einen über den See und durch eine ganz niedrige Höhle auf die andere Seite bringt. Die Bootsfahrt ist zwar recht kurz, aber man passiert ein paar Fischer, die von ihren Booten Netze auswerfen (wobei ich stark vermute, dass das reine Show ist… Am Flughafen in Yangon haben wir von einem reisenden Paar erfahren, dass das auf dem Inle-Lake ganz extrem ist. Dort stehen ganze Armaden von kostümierten Fischern, die die bekannte Pose einnehmen sobald ein Touristenboot vorbeifährt. Wer ein Foto macht, soll danach bezahlen… Vielleicht fangen sie hier aber auch die Fische ein, die manche Besucher an Ständen in Plastiktüten kaufen um sie dann im Wasser freizulassen – der Sinn dieses Manövers erschließt sich mir nicht so recht, aber vielleicht soll es ja Glück bringen…)
Auf der anderen Seite wandert man vom See einige Minuten zurück zum Eingang der Sadan Höhle und passiert dabei Felder, auf denen sich Bauern mit typischen Strohhüten und Kühe vor der wunderschönen Skyline der Felsformationen herumtreiben.

 

 

Kawt Ka Taung Höhle
Den letzten Stopp der Tagestour legten wir an der Kawt Ka Taung Höhle ein, eine kleine Höhle, die ein paar sehr skurrile „Einrichtungsgegenstände“ beherbergt. Da gibt es eine seltsame Sitzecke und vor allem ein pinkes Himmelbett, das stark an unsere Besenkammer der letzten Nacht erinnerte. Vor der Höhle steht eine lange Reihe der Schüler Buddhas, wie wir sie bereits in Bago und in Sagaing vorgefunden haben – wobei diese hier seeeehr lang ist. Sie zieht sich bis hin zu einem kleinen Wasserbecken, das umrundet von einigen einfachen Restaurants ist. Uns war vorher angekündigt worden, dass wir dort Schwimmen könnten und natürlich waren wir auch perfekt mit Badesachen ausgestattet. Vor Ort mussten wir dann aber feststellen, dass unsere westliche Vorstellung von Badekleidung nicht so ganz der burmesischen entsprach. Statt Bikini und Badehose wird in normaler Kleidung – also Hosen und Shirts gebadet. Da wir weder halbnackt danebenstehen, noch mit triefend nassen Klamotten ins Tuk Tuk steigen wollten, verzichteten wir auf die ersehnte Abkühlung.

 

 

Bayin Nyi Höhle
An unserem zweiten Tag in Hpa-an ließen wir uns vom Tuk Tuk noch zu einer weiteren Höhle kutschieren, die fast eine Stunde Fahrt entfernt war. Die Fahrt dorthin war wieder einmal super schön und die Höhle selbst zwar sehr klein, aber die Aussicht von oben fast so grandios wie die der Kawt Gone Höhle. Insbesondere von unten sieht das Konstrukt der Pagoden im Fels super schön aus, da es sich in dem kleinen Wasserbecken davor spiegelt. Wasserbecken gibt es hier übrigens gleich drei an der Zahl, denn auch hier kann wieder geschwommen werden. Die heißen Quellen sind allerdings nach Geschlechtern getrennt und alleine plantschen wollten wir dann auch nicht.

 

 

Sonnenuntergang in Hpa-an
Am ersten Abend befanden wir uns während des Sonnenuntergangs noch auf dem Rückweg von unserer Tagestour, genossen aber anschließend noch die wunderschöne Aussicht vom Dach des Galaxy Motels.


Am zweiten Tag waren wir ein bisschen früher dran. Während unserer Rückfahrt von der Bayin Nyi Höhle, begann die Sonne bereits hinter der Skyline der Karstfelsen zu verschwinden und spiegelte sich dabei auf der Wasseroberfläche des Than Lwin Fluss. Unser Tuk Tuk-Fahrer setzte uns daher an der Shwe Yin Myaw Pagode ab und von dort aus beobachteten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick auf den Fluss und große Felsformationen dahinter. Ein wunderschöner Abschluss!


 

 

Restaurants in Hpa-an
Während unserer Zeit in Hpa-an waren wir in zwei der empfohlenen Restaurants. Das hochgelobte San Ma Tau, in dem man zur (sehr kleinen) Portion Curry ganz viele kleine Töpfe mit Beilagen erhält, fanden wir nicht so toll. Die Atmosphäre dort ist schon sehr Mensa-ähnlich und mit den Beilagen konnten wir nicht viel anfangen. Ich probiere ja wirklich fast alles aus, aber die meisten der Töpfe rochen so sehr nach Kuhstall, dass selbst ich zurückschreckte. Die wenigen, die wir probierten waren dann auch nicht so recht nach unserem Geschmack.

Sehr angetan waren wir dagegen vom Khit Thit, einem sehr einfachen chinesischen Restaurant mit Kiosk-Charme, in dem man für 1,40 € eine riesige Portion Bratnudeln mit Hühnchen bekommen kann. Uns hat’s geschmeckt und wir waren gleich zweimal dort.

Den kleinen Kaffee-Suchti in mir hat es am letzten Nachmittag in das Café „Famous“ gezogen, wo ich mir Eiskaffe und Carrot-Cake gönnte, die beide hervorragend schmeckten. Leider hat sich einige Stunden später der Magen (und der dazugehörige Rest) gemeldet und mich auch für eine Woche nicht mehr richtig in Ruhe gelassen… Ob es nun das Café war oder irgendwas anderes, werde ich wohl nicht mehr herausfinden…

 

Fazit zu Hpa-an:
Hpa-an war neben Bagan mein absolutes Highlight von Myanmar! Man kann die wunderschöne Atmosphäre dort nur schwer in Worte fassen, also gibt’s ein kleines Video – mit herausragend unruhiger Kameraführung und ganz viel Pathos.

 

Doch nicht nur die atemberaubende Landschaft macht Hpa-an zu einem wunderbaren Ort. Auch die Menschen sind einfach NOCH netter, als generell schon in diesem tollen Land. Die Stadt ist noch nicht so überlaufen von Touristen und dadurch gibt es wenige der typischen Souvenir-Verkäufer, die einem etwas andrehen möchten. Stattdessen ist man selbst ein bisschen Attraktion und die Menschen begegnen einem so offen und fröhlich, dass man sich sofort zu Hause fühlt. Ganz besonders gelang das Kim, der Betreiberin des Galaxy Motels, die uns mit ihrer herzlichen Art einen ganz besonders schönen Aufenthalt in Hpa-an beschert hat. Zum Abschied hat sie mir sogar ein paar wunderschöne Ohrstecker geschenkt.
Für uns war es jedenfalls ein perfekter Abschluss unserer Zeit in Myanmar. Mit dem Bus fuhren wir zurück nach Yangon, von wo aus wir am nächsten Morgen nach Hanoi flogen um die nächste Etappe unserer Reise anzutreten: zwei Wochen Vietnam!

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