Koh Rong Samloem – von Sihanoukville in Kambodschas Paradies

Koh Rong Samloem 
– Ein paar Tage im Paradies –

Nach etwa viereinhalb Wochen Speed-Travelling durch Myanmar, Vietnam und Kambodscha, mit ganz vielen Eindrücken und Erlebnissen, war die Festplatte (nicht nur des Laptops) randvoll und wir waren reif für die Insel! Aber welche sollte es nun sein? Wir hatten unsere Route so geplant, dass wir am Ende an die Küste Kambodschas, nach Sihanoukville fahren würden um von dort aus zu einer der Inseln überzusetzen. Zur Auswahl standen für uns Koh Ta Kiev, Koh Rong und die kleine Schwester Koh Rong Samloem. Wir wollten Ruhe, brauchten keine Beachparties und entschieden uns für das kleine Eiland Samloem. Nun musste nur noch das Wetter mitspielen…
Bereits zwei Wochen vorher begannen wir täglich den Wetterbericht zu verfolgen und waren irgendwann schon drauf und dran den Inselaufenthalt doch noch zu canceln, denn Google versprach Regen und Gewitter non-stop. Doch dann, einen Tag vorher (wir waren mittlerweile bei fast stündlichen Google-Vorhersagen) wurde uns Petrus dann doch mal wieder gnädig und die Regenwahrscheinlich sank auf ein vertretbares Minimum. Also los!

Der Weg zur Küste
Zu spät (einen Tag vorher) hatten wir uns um einen Bus von Phnom Penh nach Sihanoukville bemüht und so war der empfohlene Bus von Giant Ibis morgens schon ausgebucht. Ich wollten aber ohnehin noch gerne die Apsara-Tanzschule besuchen (wie gut das geklappt hat, erfährst du hier…) und so fuhren wir erst um die Mittagszeit Richtung Sihanoukville.
Auf dem Weg stellte ich unsere Entscheidung dann doch nochmal in Frage, denn während wir durch die wunderschöne Natur fuhren, wurde mir bewusst, dass wir Kambodscha nicht so richtig kennengelernt hatten. In Sieam Reap haben wir nur die Touristenattraktion Angkor gesehen und Phnom Penh, als einzige große Stadt, spiegelt wohl kaum „Land und Leute“ wider. Vielleicht hätten wir doch noch einen Besuch in Kampot einschieben sollen, denn darüber hatten wir wirklich schönes gehört. Aber nach so vielen Orten in der recht kurzen Zeit, hätten wir es wohl nicht mehr richtig aufnehmen können…

Sihanoukville
Stattdessen erreichten wir am frühen Abend eine weitere Touristen-Hochburg: Sihanoukville. Wir hatten uns eine einfache Unterkunft fußläufig zum Pier gesucht, da wir direkt am nächsten Morgen zur Insel aufbrechen wollten. Während die Sonne über dem Meer unterging, informierten wir uns am Pier über die verschiedenen Fähren. Unsere Internet-Recherche bestätigte sich: viel Auswahl gab es nicht und fast alle Boote fuhren nur zum Hauptstrand im Osten und zur nördlichen Bucht von Koh Rong Samloem. Wir hatten uns allerdings (auch wegen der nur noch begrenzten Auswahl aufgrund recht später Unterkunfts-Suche) für den Strand auf der Westseite entschieden. Da es auf der Insel keine Straßen gibt, ist diese Seit nur per Boot oder zu Fuß erreichbar. Im Internet fanden wir eine einzige Fähre, die auch diesen Strand anfuhr – allerdings nur einmal täglich am Nachmittag. Wir wollten aber direkt morgens los und so versuchten wir unser Glück bei einem Ticketshop, bei dem wir von einem älteren Herrn angesprochen wurden. Dieser war nicht etwa der Verkäufer, sondern ein Rentner aus der Schweiz, der sich offenbar in einer wie auch immer gearteten Beziehung mit der kambodschanischen Ticketverkäuferin befand. Er schwärmte uns vor „sie könne uns alles besorgen“ und tatsächlich schien es für die Dame kein Problem zu sein, uns Tickets für eine Fähre um acht Uhr morgens zu organisieren, die uns auch zu unserem Strand bringen würde…

 

 

Ein Abend in Sihanoukville
Am Abend entdeckten wir einen kleinen Falafel-Laden, mit super leckerem Essen und nettem Service, den ich absolut empfehlen kann.
Danach schlenderten wir den Ochheuteal Beach entlang um uns einen schönen Cocktail am Meer zu gönnen. Auf dem Weg wurden wir alle paar Meter sehr vehement von den Kellnern angesprochen (teilweise gingen sie neben uns her, bis wir den nächsten erreichen… ich weiß nicht, wem es noch so geht, aber mir drängte sich da sehr der Vergleich mit der Hamburger Reeperbahn auf…). Irgendwann ließen wir uns dann aber doch auf einem der (wirklich gemütlichen) Bambussofas mit dicken Polstern nieder und bestellten eine Runde Cocktails, die zwar unglaublich günstig aber auch unfassbar ungenießbar waren. Doch bei unserer Vorfreude auf die Insel, dem Meerrauschen und die gelegentlich am Himmel explodierenden Feuerwerkskörper, die am Strand verkauft wurden, konnte uns nichts die Laune verderben.
Nach nur halb ausgetrunkenen Gläsern wechselten wir dennoch auf den Serendipity Beach, der im Lonely Planet hoch gelobt wurde. Der kleine Abschnitt ist tatsächlich angenehmer als der Occheuteal Strand und wir setzten uns in die letzte Strandbar ganz am Ende. Dort ist zwar kein Sand mehr, die Atmosphäre mit den großen Steinen und vielen Pflanzen aber sehr viel idyllischer.

Auch bei unserer Rückkehr von der Insel hatten wir nochmal einen Abend Aufenthalt in Sihanoukville. Zum Abschluss unserer Reise und als Geburtstagsfeier für meinen liebsten Reisebegleiter gönnten wir uns ein (für asiatische Verhältnisse) sündhaft teures Steak am Serendipity Beach. Leider war es recht zäh und in Kombination mit denkbar schlechtem Service sein Geld nicht wert. Wären wir doch lieber bei der lokalen Küche geblieben – die war auf unserer gesamten Reise nämlich nicht nur viel günstiger sondern auch richtig lecker!

 

 

Auf nach Koh Rong Samloem
Am nächsten Morgen frühstückten wir noch fix am Serendipity Beach und los ging’s zum Steg. Typisch Deutsch waren wir eine halbe Stunde (so wie uns gesagt wurde…) am Steg und warteten dann knapp 40 Minuten bis unser Boot kam (wobei wir den Steg dreimal hin und her geschickt wurden, da jeder Mitarbeiter eine andere Meinung hinsichtlich des Abfahrtsortes hatte…). Beim Einsteigen wurde dann klar: die Dame des Ticketshops hat bestimmt viele Fähigkeiten, aber die erhoffte Fährverbindung konnte sie dann doch nicht herbeizaubern. Natürlich war es nun doch das gewöhnliche Boot, das nur den Hauptstrand anfahren würde – das andere gibt es (das kann ich nun zu hundert Prozent sagen) wirklich nur einmal am Nachmittag.
Na gut, hilft ja nix, wir sind ja „Backpacker“ – dann können wir die Rucksäcke nun auch endlich mal sinnvoll nutzen und laufen eben zu unserer Bucht.
Die Fahrt mit dem Speedboot ging fix und nach einem schönen Sprint über das Meer legten wir am Hauptstrand von Koh Rong Samloem an. Der strahlend blaue Himmel wetteiferte mit dem helltürkisfarbenen Wasser, während sich der helle feine Sand und der saftig grüne Dschungel davor abzeichneten wie auf einem Postkartenmotiv. Ich war begeistert!


 

Durch den Dschungel –  das Inselinnere von Koh Rong Samloem
Voll beladen mit großem Rucksack hinten, kleinen Rucksack vorn, Kamera an der Seite marschierten wir den langen schmalen Steg entlang und – Platsch – fiel die volle Wasserflasche hinab ins Meer. Na gut – wir hatten ja noch einen kleinen Rest. Muss der eben reichen bis zur Unterkunft. Am Strand wiesen uns zwei Kambodschaner den Weg (allein die Tatsache, dass uns niemand anbot, für viel Geld auf die andere Seite zu bringen, bestätigte für uns nochmal: wir müssen mitten durch. Irgendwo am Ende des Strands entdeckten wir einen kleinen Holzpfeil mit der Aufschrift „Robinson Bungalows“. Da wollten wir hin. Der Pfad begann schon recht abenteuerlich und ohne das Schild, wäre ich überzeugt gewesen, dass es dort nicht langgehen könnte… Als wir wenig später auf eine Tafel trafen, die vor Schlangen warnte, wechselten wir dann doch noch von FlipFlops zu Turnschuhen und gönnten uns nochmal eine ordentliche Ladung Mückenspray.

Die nächste halbe Stunde quälten wir uns bei schwüler Hitze einen kaum vorhandenen Pfad steil hinauf. Der Schweiß rann uns in Strömen hinab und der vordere Rucksack war schon bald pitschnass. Das Wasser war natürlich viel zu wenig und irgendwann versagten die Muskeln nahezu. An Hinsetzen und Ausruhen war aufgrund der Schlangenwarnung nicht zu denken. Irgendwann ging es dann endlich wieder bergab – doch war das auch nicht weniger anstrengend. Der sandige steile Boden war rutschiger als gedacht und nur ein locker gespanntes Seil verhinderte, dass man die Felsen hinab purzelte. Doch irgendwann, als ich schon beinah sicher war, dass wir uns verlaufen hatten, sah ich die erste Holzhütte. Erleichterung pur!

 

 

 

Ankunft im Paradies – Robinson Bungalows auf Koh Rong Samloem
Wir standen auf einer großen Holzveranda inmitten der dichten Dschungelpflanzen, die so am Hang gebaut ist, dass man sich dort wie in einem Baumhaus fühlt. Dort stehen ein paar kleine Bambustische mit Stühlen und zwischen den Holzpfeilern baumeln Hängematten. An der Balustrade liegen dicke Matten mit Dreiecks-Kissen um kleine Holztischchen und man hat einen wunderschönen Blick auf das kristallklare Meer. Vom Baumhaus führt eine kleine, mit Muscheln verzierte Treppe hinab zum Wasser, vorbei an kleinen einzelnen Sitzecken. Unten angelangt befindet sich die schönste der Sitzecken: ein paar gemütliche Bambussessel und –sofas mit dicken blauen Polstern, von denen man wunderschön auf das Wasser schaut. An dieser Stelle ist zwar kein Sand sondern Steine, doch der Strand beginnt drei Meter weiter und verschlug mir die Sprache. Heller, feiner Sand, glasklares türkisfarbenes Wasser, keine Bebauung – sondern Dschungel, soweit das Auge reicht. Zwischen einigen Bäumen sind Hängematten gespannt und die malerisch verfallenen Reste eines Holzsteges trennen den Strandabschnitt unseres Camps von den restlichen drei kleinen Camps. Wir waren im Paradies angekommen – und das gefühlt allein, denn nur eine Hand voll andere Menschen verteilen sich über den Strand. Wahnsinn!

 

 

 

 

Fünf Tage Entspannung auf Koh Rong Samloem
Der schweizer Inhaber der „Robinson-Bungalows“ empfing uns mit eiskalter Limo und wir trockneten so langsam im Schatten des Baumhauses. Vom Baumhaus führte er uns einen kleinen Trampelpfad durch den Wald zu unserem Bungalow, ein kleines Holzhäuschen mitten im Wald. Es sieht ganz gemütlich aus und ein Mückennetz hängt auch darin – doch so ganz ohne Fenster ist es auch etwas düster (ich fragte mich, ob es womöglich sogar besser ist, wenn man die Krabbelviecher gar nicht sieht, die da so durch die vielen Schlitze in Wand und Boden kommen…). Auf dem Weg zurück zum Baumhaus kamen wir an einem großen weißen Zelt vorbei , das einzeln inzwischen der Pflanzen, aber direkt am Strand stand – mit Blick aufs Meer! Ich lugte hinein und verliebte mich sofort: durch den hellen Stoff und die kleinen Öffnungen fiel viel Licht hinein. Auf dem Boden lag eine dicke Matratze und am Zeltdach hingen kleine bunte Stoffwimpel. Viiiiiel schöner als das düstere Bungalow! Wir hatten Glück: wir durften wechseln und das zum gleichen Preis! 

 
Die folgenden fünf Tage sind schnell zusammengefasst, waren aber der Himmel auf Erden:

 

Barfuß über Waldboden, Steine, Holz und Sand – fünf Tag ohne Schuhe

Im Schneidersitz im Baumhaus – leckeres Essen schmausend oder Blog schreibend

In der Hängematte baumelnd – ein hervorragendes Buch lesend, das total zerfleddert (das muss ja gut sein!) in einem kleinen Bücherregal im Baumhaus stand [„Die Zeit, die Zeit“ – absolut empfehlenswert!]

Im gemütlichen Sessel am Wasser – Bier-trinkend traumhafte Sonnenuntergänge beobachtend

Im kristallklaren Wasser – herumtobend und schnorchelnd

Im hellen Sand – unter strahlender Sonne und blinkenden Sternen

Im Zelt – zum Geräusch des Meeres, des nächtlichen Regens (aber immer nur Nachts!) einschlafen und aufwachen

 

 

Auch wenn die Insel kein berühmtes Tauchgebiet ist, so war das Schnorcheln für mich ein echtes Erlebnis! Direkt an unserem Strand – jeweils am Ende der Bucht – offenbarte sich unter der Wasseroberfläche eine andere Welt! Zahlreiche Fische in jeder Farbe und Größe, bunte Steine und andere Unterwasserlebewesen. Komm mit und sieh es dir an:

Wir verließen unser Camp nicht ein einziges Mal – warum auch? Wir hatten dort ja alles was wir brauchten. Wir vermissten weder das Internet, noch unseren Handyempfang. Den Laptop konnte man zum Laden im Baumhaus abgeben. Es gibt sogar richtige Toiletten in kleinen gefliesten Hütten, in denen auch jeweils eine kleine Dusche ist. Spiegel gibt es nirgendwo, stattdessen steht über den Waschbecken bunt bemalte Holzschilder mit der Aufschrift „You are beautiful“.

 
Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so tiefen-entspannt war, wie auf dieser Insel….
Es war der perfekte Abschluss einer großartigen Reise!

 

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