Höhlentour in Phong Nha: 2 Tage Dschungeltrekking und zelten in der Hang En Höhle

Hang En Cave Camp
– Dschungeltrekking und zelten am Höhlen-See –

Bei der Reiseplanung war ich auf einer Instagram-Seite Vietnams auf ein Bild gestoßen, das kleine Iglu-Zelte in einer Höhle an einem unterirdischen See zeigte. Völlig angefixt von dem Foto fand ich auch schnell heraus, dass es sich um eine Tour im Phong Nha Nationalpark handelte, der zwischen Hanoi und Hue liegt. Nach einer kurzen Recherche war klar: nur ein einziger Anbieter (Oxalis) hat offenbar die Lizenz für diese außergewöhnliche Tour und lässt sich diese auch ziemlich gut bezahlen. Das Bild hatte sich aber auf der inneren Festplatte festgebrannt – es half nix: Wir mussten dahin.
Also verkniffen wir uns dafür die Ballonfahrt in Bagan (die tatsächlich noch teurer gewesen wäre…) und investierten in zwei Tage Dschungel-Trekking und Höhlen-Campen. Da die Touren nicht täglich angeboten werden und recht schnell ausgebucht sind, war es auch das einzige (neben unseren Flügen), das wir im Voraus buchten und unsere Reise entsprechend daran ausrichteten. Um wenigstens zwei Tage in Hanoi zu haben, entschieden wir uns für eine Busfahrt in der Nacht vor der Tour. Blöde Idee. Ganz, ganz blöde Idee…

 

Nachtbusfahrt von Hanoi nach Phong Nha
Auf den ersten Blick war ich mir sicher, dass ich in dem Bus, der an den „Fahrenden Ritter“ aus Harry Potter erinnerte, hervorragend schlafen würde. In drei Reihen und auf zwei Etagen standen schmale Liegen, die zwar nicht flach, aber zumindest 45 Grad schräg und mit einer gewinkelten Beinfläche geformt waren. Klingt erstmal ganz gut – nur blöd, wenn man Seitenschläfer ist. Ich rollte mich in jeder erdenkbaren Position zusammen – an der Stelle, wo man sitzt und irgendwann halb im Fußraum. Ich wurde immer kreativer mit meinen Verrenkungen und lag irgendwann wie ein Fakir im (in die Luft gerichteten) Schneidersitz und versuchte bei den extremen Schwankungen nicht aus meiner oberen Etage zu purzeln. Aus dem Bett ist übrigens, wie ein gefällter Baum, ein sternhagel-voller Mitreisender gefallen, der sich danach über eine Stunde lang auf der Bord-Toilette einschloss. Er reagierte weder auf besorgtes Klopfen von Mitreisenden, die Sorge hatten, er könne dort womöglich bewusstlos geworden sein, noch auf den weniger besorgten Bus-Steward. Irgendwann kam er aber doch halbwegs lebendig zurück aus seinem Kabuff und saß dann die restliche Fahrt ziemlich apathisch im Gang. Wenigstens behielt er den Alkohol an Ort und Stelle….


Trotz all meiner verzweifelten Versuche: mehr als eine Stunde leichtes Dösen kam dabei nicht herum und so war ich ziemlich gerädert (und sah wahrscheinlich nicht viel besser aus als der alkoholisierte Mitfahrer), als wir am frühen Morgen gegen 5 Uhr das Dorf Phong Nha erreichten. Abgesetzt wurden wir vor dem Easy Tiger Hotel, wo wir drei Stunden später von einem Oxalis-Pick-Up abgeholt werden sollten. Drei Stunden, die wir irgendwie (ohne Bett) herumbekommen mussten, so wie die ca. anderen 30 Mann, die ähnliches Schicksal teilten. Ich entschied mich gegen ein Nickerchen auf dem Fußboden und für Kaffee. Zum Glück konnten wir die kreativ gestalteten Duschen im Garten nutzen und auch zwei leckere Schokoladen-Pfannkuchen gönnten wir uns noch vor unserer Abholung durch Oxalis.

 


Vorbereitungen für den Dschungel
‚In der Oxalis-Station in Phon Nha angekommen, gab es erstmal eine kurze Einführung von unserem Tour-Guide Ken, einem ausgesprochen gut Englisch sprechenden Vietnamesen. Er erklärte uns den Ablauf der bevorstehenden zwei Tage und wies uns auf „Gefahren“ wie Poison Ivy und Leeches hin. Auch die Toiletten-Situation im Camp wurde anschaulich anhand eines Fotos erklärt und für derartige Probleme unterwegs die Codewörter „Fischen gehen“ und „Blumen pflücken“ aufgestellt.

Das eigentliche Problem folgte dann aber erst: Schuhe. Zur Wahl standen die eigenen, extra dafür mitgebrachten Walkingschuhe oder die einfachen Army-Treter (eine Art hohe Chucks mit dicker Profilsohle). Bequeme Schuhe mit der Gefahr ständig auszurutschen oder guter Gripp mit der Gefahr sich Blasen zu laufen… Während die Männer sich ziemlich flott für die Army-Boots entschieden, überlegten und fachsimpelten wir Frauen natürlich ewig hin und her. Probierten sämtliche Größen an, entschieden uns fünfmal um und entschieden uns dann letztendlich alle für die sicherste Lösung: wir nahmen einfach beide mit (Klischees sind doch dazu da, eingehalten zu werden – und warum auch nicht mit drei Paar Schuhen (inklusive Flip Flops) auf eine zweitägige Höhlen-Tour gehen?). An dieser Stelle sei kurz noch (mit einer angemessenen Portion beschämenden Kopfschüttelns) angemerkt, dass sämtliche Dinge, die wir erst am Abend im Camp benötigten von Portern getragen wurden…

 

Aufbruch zum Dschungel
Gegen 10 ging es endlich los: mit einem Bus wurden wir zum Ausgangspunkt unserer Tour gebracht. Die 45-minütige Fahrt durch den Nationalpark war bereits wunderschön und gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf die folgenden Stunden. Vorbei an dicht bewachsenen Bergen fuhren wir eine Serpentinenstraße hinauf und genossen die Aussicht auf die Landschaft während einer obligatorischen Vorstellungsrunde. Neben uns mit an Bord: eine Deutsche, die als Privatlehrerin eine Familie ein Jahr lang auf Weltreise begleitete (mein neuer Traumjob), jeweils ein Paar aus der Schweiz, New York und Canada, eine Vierergruppe Amis, die sich noch aus der Schulzeit kannten, zwei Inder und eine Kanadierin, die für eine Alkohol-orientierte Reiseseite (vor allem über Festivals und Craftbeer) schreibt.

 

Erste Etappe: Zum Doong Dorf mitten im Dschungel
In langen Hosen, Hemden und Fleecepulli traten wir unseren Marsch an. Die ersten zwei Stunden ging es dann durch dicke Matschschichten steil bergab. Wurzeln wurden als Treppen genutzt, Baumstämme als Geländer und ich war heilfroh mich doch noch für die Army-Boots entschieden zu haben. Zur Mittagszeit wurde es flacher und wir erreichten das Doong Village, ein kleines Dorf inmitten von hohen Bergen mitten im Dschungel. Die Kids spielten gerade mit einem Ball, doch wir marschierten recht flott hindurch und machten Mittagspause im Gebäude des Dorfältesten – ohne dessen Anwesenheit, dafür mit einer Ladung leckerer Summerrolls, die wir uns mit Reispfannkuchen, Gemüse und Fleisch selbst rollten. Nach einer kleinen Unterrichtsstunde in den Basics der vietnamesischen Sprache in der kleinen Dorfschule durch unseren Guide Ken (der sich zunehmend als Animateur und Klassenclown der Gruppe herauskristallisierte), traten wir die zweite Hälfte unseres Trekking-Pfades an.

 

 

Zweite Etappe: Durch Flüsse zur Hang En Höhle
Statt bergab ging es nun über weite Ebenen mit wunderschöner Natur, vorbei an Wasserbüffeln und durch glasklare Flüsse mit teils starker Strömung Richtung Hang En, der wohl drittgrößten Höhle der Welt. Schon von weitem konnten wir den weit oben im Fels gelegenen Schlund erkennen, durch den die Höhle ihr weniges Tageslicht erlangt.


Dort hinaufklettern muss (bzw. darf) man leider nicht – stattdessen befindet sich der Eingang zur Hang En einige Minuten weiter in einem schmalen Durchgang unter dem Felsen. In der Dunkelheit watet man durch einen unterirdischen Fluss und klettert dann einige große Felsen hinauf. Was einen dann – ganz plötzlich aus dem Nichts – erwartet, verschlägt einem den Atem: Eine riesige Halle, so hoch, dass man kaum die Decke ausmachen kann, am Fuße der großen Felsbrocken ein Türkis schimmernder kleiner See und an seinem Ufer ein großer heller Sandstrand. Auf diesem – hübsch und fotogen aufgereiht – eine Gruppe bunter kleiner Zelte, wie man sie als Kind von IKEA hatte. Staunend kletterten wir die letzten Meter hinab, über eine schmale wacklige Planke überquerten wir den See und sicherten uns eins der Zelte in erster Reihe. Die Sonne fiel schräg durch den Schlund hinein und tauchte die Höhle in ein schummriges Licht. Über unseren Köpfen kreisten hunderte Schwalben und das Geräusch ihrer Flügel und ihres Zwitscherns würden wir die nächsten knapp 18 Stunden als Dauerschleife hören.

 

Unser Camp in der Hang En Höhle
Nach einer kleinen Kaffeepause im Camp am See traten wir den letzten Marsch des Tages an: durch die Höhle ans andere Ende. Wieder geht es durch Dunkelheit und Flüsse, einen steilen Pfad hinauf und dann öffnet sich Hang En mit einem großen Loch dem Dschungel. Von einer Anhöhe blickt man aus der Höhle hinaus und genießt einen atemberaubenden Blick. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen genau hier das obligatorische Handstandbild der Reise aufzunehmen (ich bin gespannt, mit welchem Handstandbild aus Norwegen mein Bruder demnächst dagegen anstänkern wird).

Zurück in unserem Camp angelangt, nehmen wir dieses erstmal genauer in Augenschein. Die Toiletten-Situation ist tatsächlich besser als gedacht: In hohen schmalen Zelten (abseits des Haupt-Camps) steht ein großer Bottich, der mit einer Art Hasenstreu gefüllt wird, darüber ein Metallgestänge, auf das sogar tatsächlich ein Toilettensitz gelegt wurde. Doch bei all dem Luxus ist ein kurzer Taschenlampen-Check dennoch empfehlenswert, denn mitunter verirrt sich eine Riesenspinne ans stille Örtchen (und mit riesig meine ich riesig!). Ich zog es in diesem Fall vor, mich höflich bei dem Achtbeiner zu entschuldigen und ihm sein Reich zu überlassen. Es gibt ja auch noch andere schöne Orte… (zum Glück gab es noch ein zweites Toiletten-Zelt).
Nach einer kleinen Schwimmsession in dem kühlen dunklen See (ein bisschen unheimlich war es schon…) gab es dann auch schon Abendessen – wobei das Wort „Tafel“ es wohl besser trifft. Die Porter und Köche hatten undenkbares fertiggebracht und mit Campingkochern ein Essen aus fast einem Dutzend verschiedener Gerichte gezaubert – eines leckerer als das andere. Als „Verteiler“ gab es Reiswein, eine vietnamesische Spezialität, die ähnlich wie ein Kümmel mehr aus Prinzip als dem Geschmack wegen getrunken wird. Mit vollen Bäuchen kraxelten wir noch einen kleinen Felshügel hinauf um die beleuchteten Zelte mit Langzeitbelichtung fotografisch festzuhalten. Leider fiel mir erst oben auf, dass ich noch mein Weitwinkelobjektiv drauf hatte und dieses aufgrund der Entfernung völlig ungeeignet war. Naja – ich habe dann einen zweiten Anlauf vom Strand aus gestartet, der deutlich erfolgreicher war.

Ohne Zeitgefühl fielen wir alle (meiner Vermutung nach) sehr früh ins Bett und ich für meinen Teil schlief tief und fest wie ein Baby. Am nächsten Morgen wurden wir vom hineinfallenden Licht geweckt und mit hervorragenden Pancakes und French Toast mit Früchten, Honig und Schokoladensoße empfangen. Angeblich (nach Aussage unseres leicht überdrehten Guides Ken) werden sämtliche Eier, einzeln eingewickelt in Papier, in die Höhle getragen um den Teig dort frisch zuzubereiten. Das nenne ich mal Liebe zum Essen!

 

 

Etappe 3: Auf zur „Cold Cave“
Danach hieß es: zurück in die nassen Klamotten und Schuhe und den Rückweg antreten. Doch ein Stopp stand für den Tag noch auf dem Programm: die kalte Höhle „Cold Cave“. Diese schmale aber sehr lange Höhle kann nur über einen unterirdischen Gang, der halb unter Wasser steht erreicht werden. Es heißt also: hineinschwimmen, wobei der Name der Höhle nicht viel Hoffnung auf die Wassertemperatur lässt. Mit Schwimmwesten und Helmen kletterten wir einen kleinen Pfad hinab und durch ein kleines Loch hinein in die Höhle. Nach einem weiteren Schritt stand uns das Wasser bis zur Brust und wir schwammen los durch die Dunkelheit. Die kleinen Lichtkegel unserer Helme rückten bizarre Felsformen und glitzernde Gesteine in unsere Blickfelder und in den von Wellen verwaschenen Wänden konnten wir schöne filigrane Fossilien entdecken. Je tiefer in der Höhle, desto niedriger wurde das Wasser, bis es bald nur noch kleine flache Bäche waren, die über Tropfsteinformationen hinwegplätscherten und kleine Wasserfälle bildeten. Am Ende unseres Marschs schalteten wir für eine Minute unsere Lampen aus und spürten wie die Dunkelheit uns umhüllte so dass man nicht mal mehr die Hand vor Augen erkennen konnte.

 

 

Wie Alice durchs Wunderland
Von hier aus traten wir den Rückweg an (obwohl die Höhle noch um einiges länger ist) und wurden im Lager erstmal mit heißem Kaffee (und einem Schuss Reiswein) empfangen. Nach einer großen Portion heißer Pho und scharfen Frühlingsrollen waren wir wieder halbwegs aufgewärmt und machten uns in noch triefend nassen Klamotten auf den Heimweg. Unsere Route führte uns entlang von kleinen Flüssen und leuchtend grünen Palmen und zahlreichen riesen große bunte Schmetterlinge flatterten an uns vorbei (ich habe vergeblichst versucht einen der zarten Falter fotografisch festzuhalten – beim Marschieren in der Gruppe allerdings ein aussichtsloses Unterfangen). Wie Alice im Wunderland spazierte ich verträumt durch die Landschaft, in der alles viel größer war – als hätte ein Zauber Pflanzen und Schmetterlinge wachsen lassen. Doch nicht nur die hübschen Dinge des Dschungels – auch Grashüpfer und Spinnen nahmen eine beängstigende Größe an. Ein tiefschwarzes hatte sich bei einer letzten Snack-Pause direkt neben uns niedergelassen und war drauf und dran in unseren Klamotten Dschungel-Taxi zu fahren. Die restliche Pause verlief nach dieser Entdeckung dann doch eher stehend.

 

 

Die letzte Etappe: Steil bergauf und tropische Hitze
Die letzte Etappe unseres Dschungel-Treks hatte es dann nochmal ordentlich in sich. Durch die mittlerweile schwüle Hitze ging es einen schmalen Trampelpfad steil hinauf. Uns lief der Schweiß in Bächen hinab und auch die Palmenblätter, die wir als Fächer benutzten, konnten dagegen kaum etwas ausrichten. Irgendwann kramte einer der Guides, der das Schlusslicht bildete, eine Machete aus seinem Rucksack. Unsere fragenden Blicke kommentierte er schlicht mit einem „For the tiger“. Ich gebe ehrlich zu: auch wenn mein Verstand sich recht sicher war, dass er uns auf den Arm nahm (denn ansonsten hätten sie uns doch davon in der Einführung erzählt, anstatt 5 Minuten über juckende Blätter und knabbernde Würmchen aufzuklären) ein ganz bisschen unheimlich war der Gedanke dann doch, dass sich irgendein großes Tier aus dem dichten Dschungel heranschleichen könnte. Es hat jedenfalls dabei geholfen, flott und ohne lange Pausen den Berg hinauf zu marschieren und irgendwann – als wir schon dachten wir gehen im Kreis – kamen wir ziemlich fertig aber stolz an der Straße an, wo bereits der Bus mit kühlem Bier auf uns wartete. Wir genossen einen letzten schönen Blick auf den Dschungel und ließen uns dann eine knappe Stunde lang vom Bus zurück zur Oxalis-Station kutschieren.

 

 

Weiter nach Dong Hoi
Mit dem Pärchen aus New York teilten wir uns einen Transfer nach Dong Hoi, der nächstgrößeren Stadt. Bei leckeren Burgern und einer Partie Billard in unserem Hostel entschieden wir, dass wir beide einen Chill-Tag gebrauchen könnten. Da Dong Hoi ja am Meer liegt würden wir am nächsten Tag mit Sicherheit einen netten Strand finden und dort nochmal Energie für weiteres Sightseeing auftanken können. 
Unser Plan ging leider nicht so ganz auf. Das Wetter war ziemlich bewölkt und frischer Wind wehte uns um die Ohren, während wir durch das (nicht gerade hübsche) Dong Hoi spazierten – auf der Suche nach dem Strand. Auf einer vorgelagerten Halbinsel wurden wir zwar fündig was Sand und Meer anging, allerdings war der Strand (und die gesamte Umgebung) derart ausgestorben, dass man nicht einmal etwas zu trinken hätte finden können.

Also nahmen wir ein Taxi zu einer etwas außerhalb gelegenen Hostel-Empfehlung aus dem Lonely Planet, das wohl direkt am Strand liegen sollte. Vielleicht könnten wir ja dort gemütlich sitzen, essen und uns entspannen. Das Hostel war zu. Auch hier war die gesamte Gegend wie leergefegt. Als wir gerade schon aufgeben wollten, kam uns ein Vietnamese entgegen, der uns zu einem Hostel verwies, das tatsächlich noch offen hatte. Es war kein Traumstrand, aber die Sessel gemütlich und der Blick aufs Meer trotz Wind und Wolken sehr entspannend.

 

Mal was anderes: „Blind Massage“ in Dong Hoi
Die ultimative Entspannung suchten wir dann noch spontan in einer Massage. Die Zeit bis zu unserem Zug nach Hue war zwar knapp, aber eine Stunde sollte noch gerade so drin sein. Der Empfehlung unseres Hostels folgend, gingen wir in eine kleine Gasse und fanden dort auch ein Schild mit der Aufschrift „Blind Massage“. Wir gingen in das ziemlich heruntergekommene Gebäude mit dem Namen „Quôc Nhân“ und wurden von einigen blinden Männern empfangen, die uns den Weg in den Massageraum – ein „schlichtes“ Zimmer mit nicht mehr als zwei einfachen Bänken im Dachgeschoss. Ohne meinen liebsten Reisebegleiter wäre ich wahrscheinlich wieder gegangen… Doch unabhängig von der etwas unheimlichen Atmosphäre erhielten wir eine sensationell gute Massage – und das für 3,50 € pro Stunde. Was die beiden Herren ohne Sehvermögen und in einem Fall sogar mit verkrüppelter Hand fertigbrachten, war beeindruckend und so langsam löste sich der Muskelkater unseres Dschungel-Trekkings. Doch da wir offenbar (wie in unserer Familie kürzlich angemerkt wurde) nicht ohne unsere tägliche Ration Adrenalin auskommen, wurde es dann doch noch stressig. Denn die super lieben und bemühten Herren hielten sich nicht an die Stunde. Im Gegensatz zum Rest der Welt ließen sie nicht auf die Sekunde alles stehen und liegen, sondern massierten einfach weiter. Als wir 5 Minuten über der Zeit waren, versuchten wir das erste Mal ihnen zu bedeuten, dass wir losmüssten. Doch die beiden wollten uns wohl nicht gehen lassen, bevor nicht jeder Muskel weich war und massierten weiter. Nach weiteren 5 Minuten half dann aber nichts mehr. Wir hatten nur noch knapp 20 Minuten bis zur Abfahrt unseres Zuges, der mit dem Taxi eine viertel Stunde vom Hostel entfernt lag (und wir mussten ja noch unser Gepäck vom Hostel holen). Eindringlich und vehement versuchten wir den beiden Vietnamesen die Situation zu erklären. Doch die beiden konnten kein Wort Englisch und Zeichensprache war ganz offensichtlich auch keine Möglichkeit sich zu verständigen. Letztendlich mussten wir uns mehr oder weniger aus ihren Griffen befreien und die völlig verdatterten Herren mit ganz vielen „Sorrys“ und einem ordentlichen Trinkgeld stehen lassen. Es tat uns so leid, denn ich glaube sie haben wirklich nicht verstanden warum wir so plötzlich weggerannt sind. Hoffentlich glauben sie nicht, dass es an der Massage lag, denn die war wirklich hervorragend.

Bei unserem Sprint zurück zum Hostel gab’s dann auf einmal noch einen lauten Knall. Als ich mich im Rennen umdreht musste ich mit Schrecken feststellen, dass meine Spiegelreflex (ohne Hülle) zu Boden gegangen war. Sie war irgendwie aus dem Rucksack gefallen…
Ich nehme mal das Ende vorweg: Wir haben mit Ach und Krach nach einer wilden Taxifahrt noch unseren Zug nach Hue erwischt und der Kamera geht es vorerst gut. Ob sie nicht doch irgendwas abbekommen hat, wird die Zeit zeigen…

 

Fazit zu unserem Dschungel-Abenteuer:
Die Tour mit Oxalis war der Hammer und absolut ihr Geld wert. Die Nacht in der Höhle war eine ganz besondere Erfahrung und der Marsch durch den beeindruckenden Nationalpark ein tolles Erlebnis. Alles war hervorragend organisiert und sehr professionell. Und das Essen! Das Essen war herausragend lecker. 
Einen Stopp in Dong Hoi kann man sich sparen, denn die Stadt hat wirklich nichts Schönes zu bieten. Für uns war es okay, da wir einen Tag Paus brauchten, aber vielleicht ist es schöner in Phong Nha selbst zu bleiben, denn dort hat man zwar nicht das Meer, dafür aber schöne Natur. 
Die faszinierende Landschaft und beeindruckenden Höhlen wirken natürlich am besten in live! Doch bis du selbst dorthin fährst gibt’s jetzt noch einen kleinen Vorgeschmack in bewegten Bildern. 

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