Murphy’s Law
„Anything that can go wrong will go wrong.“

5 Monate Südostasien
Wow! 
Als wir im Herbst letzten Jahres die Zusagen für unsere Station in Bangkok erhielten, flippte ich (natürlich) erstmal komplett aus. 4 Monate in einer asiatischen Metropole und 6 Wochen Backpacking. Und das auch noch mit meinem liebsten Reisebegleiter – ein Sechser im Lotto. Die folgenden Wochen verschlang ich tonnenweise Reiseführer, schrieb unzählige To-Do-Listen und machte wichtige Erledigungen. Stück für Stück wurden Dinge wie Visa und Impfungen abgehakt und eine Untermieterin für meine Wohnung war auch schnell gefunden. Die Reiseroute fügte sich so langsam und die Verbindungsflüge zwischen den einzelnen Ländern wurden gebucht.

Doch Herr Murphy sollte zunächst Recht behalten und so legte uns der gute Mann noch den ein oder anderen Stein in den Weg. Von Notaufnahme und OP drei Wochen vor Abflug, bis hin zu einem Leck im Autodach bei strömenden Regen war alles dabei. Zu allem Überfluss überlegte sich mein Laptop dann spontan, dass er lieber nicht nach Asien mitmöchte und sein Scharnier zerbrach. Ersatzteile: Fehlanzeige. Die Reparatur (vom Fachmann) bestand aus Heißkleber und Panzertape und hielt ganze drei Tage. So kaufte ich dann also drei Tage vor Abflug noch mal eben ein neues Notebook. Adieu Ballonfahrt in Bagan. Aber irgendwie bekamen wir dann doch noch alles gewuppt und konnten am letzten Abend vor Abflug entspannt die letzten Haken an unsere To-Do-Liste setzen. Doch nun sollte das Chaos erst richtig losgehen.

Unser Plan: Flug nach Bangkok und noch am gleichen Tag entspannt weiter über Chiang Mai nach Mandalay. Mit sechs Stunden Zeit zwischen Ankunft und Abflug alles kein Problem. Leider cancelte die asiatische Airline aber dann den Zubringer nach Chiang Mai und der einzig verfügbare Ersatz an diesem Tag war ein Direktflug exakt 1,5 Stunden nach Ankunft in Bangkok. Wir setzten alles auf eine Karte und hofften, dass wir unser Gepäck am Hamburger Flughafen durchchecken könnten – dann sollte es klappen…

Abflugtag 
Euphorisch, aufgedreht und noch voller Optimismus standen wir dann einige Stunden später vor dem Check-In-Schalter und sahen unsere Felle dahin schwimmen. Durchchecken? No Chance. Egal – Kopf nicht hängen lassen und improvisieren. Vielleicht finden wir ja in Bangkok eine Möglichkeit im Transit-Bereich unser Gepäck weiterchecken zu lassen. Und wenn das nicht klappt, dann heißt es eben Rennen zum Gepäckband, Rennen zur Visakontrolle, Rennen zum Check-In, Rennen durch die Sicherheitskontrolle, Rennen zum Gate. In unter 90 Minuten. 

 

In dem Wissen, dass unsere Chancen denkbar schlecht stehen und wir uns wahrscheinlich spontan eine Unterkunft in Bangkok suchen müssten, traten wir unsere Reise trotzdem voller Freude an. Wir wollten ein Abenteuer – und genau das bekamen wir nun.
Bei einem kurzen Stopp in Zürich, kurz vor dem Einsteigen in den Flug nach Bangkok gönnten wir uns dann noch ein schönes letztes Bier um auf unsere bevorstehende Zeit anzustoßen. Genau genommen gönnte ich mir zwei Bier, denn das erste landete nach dem ersten Schluck auf meinem Schoß und dem halben Gate. Es gibt doch nichts Schöneres als 10 Stunden Flug mit Biergeruch am Körper… Auch das nahmen wir mit Humor und spazierten (mit nasser Hose) in den großen Vogel, der uns nach Asien bringen sollte. Dort spielte das Glück dann endlich mal wieder mit und meine Eincheck-Taktik war aufgegangen. Wir hatten uns auf den Fenster- und Gang-Platz eingecheckt und den dazwischen freigelassen. Und BÄM, niemand hatte sich auf den Sitz gebucht und so fühlten wir uns wie die Könige der Eco, mit fast so viel Luxus wie in der Business-Class. 

 

10,5 Stunden später landeten wir in Bangkok – wir standen in den Startlöchern. Kaum war der Parkplatz erreicht, sprinteten wir los (und ernteten dabei so einige missgünstige Blicke der Stewardessen und Mitreisenden). Wir schafften immerhin die Hälfte des Weges, bis sich die undurchdringbare Menschenmasse im Gang bildete. Langsam schoben wir uns also zum Ausgang und scharrten schon mit den Hufen. Wie das jamaikanische Staffel-Team spurteten wir die Gänge des Flughafens entlang zum Transfer-Schalter. Plötzlich standen wir vor einer neuen Sicherheitskontrolle. Auf unsere Frage nach unserem Gepäckproblem, erhielten wir von den Mitarbeitern dort nur ein freundliches Nicken und ein „Yes! Yes!“. Ich glaube, sie haben unser Problem nicht ganz verstanden… Also alles auf eine Karte setzen und hindurch – hoffend, dass sich das Rucksackproblem schon irgendwie lösen wird. Irgendwann (und völlig durchgeschwitzt) kamen wir am Transfer-Schalter unserer Airline an. Die beiden freundlichen Damen sahen uns schon angedüst kommen und ließen alles stehen und liegen um uns zu helfen. Wir erklärten unser Problem und anstatt dass wir ein „Sorry, that is not possible“ erhielten, nickten die beiden motiviert und legten los. Da wurden in Windeseile Dokumente ausgefüllt, Anrufe getätigt und Funksprüche ins Walky-Talky gesprochen. Irgendwann (das war dann das erste zu uns gewandte Wort) teilten Sie uns mit, Sie hätten alles veranlasst, könnten es aber nicht hundertprozentig garantieren, dass das Gepäck rechtzeitig dort sein würde. Ansonsten würde es morgen nachkommen. Das war so viel mehr, als wir erwartet hatten. Und so schlenderten wir nach einem High-Five zum vorerst letzten Flug.

Der ging dann auch sehr schnell mit einem kleinen Nickerchen und einer leckeren ersten asiatischen Mahlzeit vorbei. Auch die Einreise ging super fix, da wir unser Visum schon vorab per Post in Berlin beantragt hatten. Und dann fielen wird endgültig vom Glauben (an Murphy’s Gesetz) ab: Unsere Rucksäcke waren tatsächlich angekommen. Ich legte einen kleinen Jubel-Tanz am Gepäckband hin. Am Flughafen besorgten wir uns dann einen ersten Stapel burmesischer Scheine und eine SIM-Karte für mobiles Internet (keine 10 Euro für 3,5 GB in einem Monat).

 

Mandalay
Von dort aus teilten wir uns mit 3 weiteren Touris ein Sammeltaxi (für ca. 2,50 € pro Person), das uns zu unserem Hotel in Mandalay brachte. Die etwa 40-Minütige Fahrt war abenteuerlich und besser als jeder Film! Man kann es kaum in Worte fassen, was sich hier auf den Straßen abspielt. Wobei Straße schon kaum die richtige Bezeichnung ist – asphaltierte Feldwege trifft es eher. Es wird nahezu durchgehend gehupt (ein System dahinter konnten wir noch nicht herausfinden) und von allen Seiten mit einer Handbreit Abstand überholt. Und Mopeds. Es gibt davon unzählige. Aber das wirkliche erstaunliche ist, was man alles auf so einem Roller transportieren kann… Von einer vierköpfigen Großfamilie bis hin zu drei (lebenden!) Schafen, die auf den Hintersitz festgezurrt sind, war alles dabei. Wir wussten gar nicht wo wir zuerst hinschauen sollen. Unglaublich!

 

Unser Hotel macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck und es liegt recht zentral. Unser Zimmer liegt im achten Stock und die Klimaanlage ist ein Segen. Wir suchen uns noch in der Umgebung was zu essen und entscheiden uns für das “Shan Ma Ma Restaurant”. Direkt an der Straße gelegen, wird vor dem Haus gekocht und im Laufe des Abends immer mehr Plastiktische und -stühle davor aufgereiht. Vom Buffet sucht man sich drei Komponenten aus. Dazu gibt es dann Reis und Salat (letzteren haben wir lieber stehen gelassen… die Magen-Probleme werden noch früh genug kommen). Das Essen war jedenfalls super lecker und kostete uns zusammen nur knapp 3 Euro. Auf dem Heimweg erwischte uns dann unser erster kleiner Monsunregen und pitschnass fielen wir bereits um 7 Uhr ins Bett. Die Folge davon waren dann zwei Folgen Game of Thrones um Mitternacht herum, um noch die restlichen Stunden bis zum Morgen Schlaf zu bekommen. Morgen schauen wir uns dann Mandalay an und sind tierisch gespannt was uns erwartet.

 

3 Kommentare
  1. M
    M sagte:

    Hallo Katha und liebster Reisebegleiter,

    eure Reise hatte ja gleich einen turbulenten Anfang. Habt ihr noch ein Plätzchen im Rucksack für mich, ich reise dann mal mit…und freue mich über weitere Abenteuer an dieser Stelle.
    Meintest du nicht die Hose sei schnelltrocknend? …. Das Bier hat bestimmt trotzdem geschmeckt. ..
    Eure ersten Eindrücke sind ja schonmal super. Da fliegt man ein paaaar Stunden und findet sich in einem völlig anderem Kulturkreis wieder.
    Ich wünsch euch eine tolle Zeit in Mandalay,
    liebe Grüße,
    M

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  1. […] Tag 1: Ankunft in Mandalay Tag 2: Mandalay  Tag 3: Umgebung Mandalay: Tagesausflug nach Sagaing, Inwa und […]

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