Atlantikküste Frankreich

Eine Woche Vanlife und Surfen

Atlantikküste Frankreich

Pinienwald an der Atlantikküste Frankreich

Dieser Reisebericht beschreibt meine Jungfernfahrt im Sommer 2016 mit meinem Van Tommy: Eine Woche Surfen und Campen entlang der Atlantikküste Frankreichs. 

Hier zeige ich dir meine Reiseroute durch die Region Aquitanien – von Bordeaux an die Atlantikküste nach Lacanau und von dort nach Süden bis über die Grenze nach Spanien. Pinienwälder, kleine Küstenorte und Seen begleiten mich auf dem ersten Teil der Reise. Im Baskenland werden sie abgelöst von einer hügeligen Landschaft und einer Felsenküste mit traumhaften Buchten. 

Ich werde dir auch von den Problemen der Stellplatzsuche berichten. Für einen schnellen Überblick findest du alle Campingplatztipps für Frankreichin diesem separaten Artikel. 

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Karte Atlantikküste Frankreich

Karte Atlantikküste Frankreich (Aquitanien)

Prolog

Im Sommer 2016 kaufte ich mir – mehr oder weniger spontan – einen kleinen blauen Kastenwagen und baute ihn zu meinem Van Tommy um. Viel Zeit blieb nicht, denn der Urlaub rückte näher und die erste Jungfernfahrt stand an. Doch mit ein paar Nachtschichten wurde Tommy pünktlich fertig und urgemütlich. 

Unsere Jungfernfahrt soll uns an die Atlantikküste Frankreichs führen: eine Woche Vanlife, Campen, Roadtrip und Surfen. Und wenn ich schreibe “uns” meine ich nur meinen Van und mich – den liebsten Reisebegleiter werde ich nämlich erst kurz danach kennen lernen. 

Ein spannendes Abenteuer, die erste richtige Reise allein, liegt vor mir und aufgeregt starte ich nach Frankreich. 

Anreise

Mein Plan: zunächst einmal Richtung Bordeaux, von dort aus an die Atlantikküste und dann immer nach Süden. Die Anfahrt von Frankfurt nach Bordeaux wäre zu viel für einen Tag und so plane ich, eine Nacht am Puy de Dôme, einem knapp 1500 Meter hohen Vulkan einzulegen. So viel zum Plan. 

Zugleich hatte ich mir allerdings vorgenommen, keine Maut in Frankreich zu bezahlen. In der Vorbereitung erschien das auch sehr sinnvoll, denn laut Googlemaps würde die Fahrt nach Bordeaux ohne Mautstraßen zwar 1,5 Stunden  länger dauern, wäre dafür aber auch 100 Kilometer kürzer. Selten lag Googlemaps so falsch. Die Straßenverhältnisse abseits der Mautstraßen sind entweder so katastrophal, dass man nur im gemütlichen Tuckertempo fahren kann oder Baustelle. 

Nach 12 Stunden Fahrt habe ich nicht mal annähernd den Puy de Dôme erreicht und biege bei Nieselregen in den nächstbesten Campingplatz mitten im Nirgendwo ein.

Bordeaux

Nach meiner ersten Nacht in meinem Van breche ich am nächsten Morgen früh auf Richtung Bordeaux. Das Wetter spielt heute mit und zu Sonnenschein cruise ich über leere Landstraßen, bergauf, bergab an leuchtenden Sonnenblumenfeldern vorbei. Irgendwann wird aus den kleinen Landstraßen eine neu asphaltierte, breite und dennoch mautfreie Schnellstraße und so erreiche ich endlich gegen 14 Uhr Bordeaux. 

Bordeaux ist eine hübsche Stadt kurz vor der Atlantikküste, die sich für einen kleinen Bummel auf dem Weg zur Atlantikküste lohnt. Ich parke recht zentral am Flussufer und statte zunächst dem Monument aux Girondins einen Besuch ab. Der schöne Brunnen mit Siegessäule soll an die Opfer während der Französischen Revolution erinnern. Mich erinnert es allerdings vor allem an einen Familienurlaub als Kind, als ich völlig fasziniert vor den sich aufbäumenden Pferden stand. 

Über den Cours du 30 Juillet kommt man an schönen historischen Gebäuden vorbei. Vor allem die Opéra National de Bordeaux besticht durch ihre schöne Fassade. An der Oper beginnt außerdem Bordeaux’s quirlige Fußgängerzone Rue Sainte-Catherine.

Am Eingang der Fußgängerzone steht außerdem die Skulptur “Sanna” des spanischen Künstlers Jaume Plensa. Das Besondere: es ist eine optische Täuschung. Von der Seite wirkt der Frauenkopf wie eine  dreidimensionale Büste, doch von vorn sieht man, dass sie gestaucht und ganz flach ist. Skultpuren wie diese stehen übrigens auch noch anderen Orten auf der Welt – unter anderem in Plensas Heimstadt Barcelona

Eines der Highlights ist mit Sicherheit die Kathedrale Saint-André de Bordeaux. Der Glockenturm Tour Pey-Berlan steht isoliert gegenüber des Kirchengebäudes und kann mit entsprechender Wartezeit bestiegen werden. Direkt hinter der Kathedrale befindet sich das Museum Mairie de Bordeaux mit einer tollen Fassade und pompösen Säulen. 

Besonders schön ist die weitläufige Flusspromenade von Bordeaux, der Quai Richelieu. Sie führt vorbei an beeindruckenden historischen Gebäuden. Highlight für Jung und Alt ist der Place de la Bourse, der über kleine Düsen ca. einen Zentimeter hoch unter Wasser gesetzt wird. Hier kann man herrlich die warm gelaufenen Füße abkühlen und dabei die Spiegelung des pompösen Palais de la Bourse im Wasserspiegel bewundern.

Nach knapp drei Stunden in Bordeaux breche ich auf Richtung Atlantikküste. Für diejenigen, die keinen Stopp in Bordeaux einlegen möchte empfiehlt es sich übrigens, Bordeaux sehr weit zu umfahren. Um die Stadt führt eine Ringautobahn, die gerne mal komplett verstopft ist. Ist man erstmal im Dunstkreis von Bordeaux angelangt, lohnt sich auch kein Ausweichen mehr, denn sämtliche Schnellstraßen führen sternförmig nach Bordeaux. Auf unserer Rückfahrt von unserem Roadtrip durch Nordspanien hingen wir geschlagene drei Stunden auf der Ringautobahn um Bordeaux fest. Kein Zuckerschlecken bei heißen Temperaturen.

Lacanau

Mein erstes Ziel an der Atlantikküste Frankreichs lautet Lacanau. Der Touristenort sieht auf den ersten Blick nicht gerade einladend aus und empfängt mich mit riesigen Hotelanlagen und Werbeplakaten. Zur Orientierung und für einen ersten, obligatorischen Blick aufs Meer, fahre ich erst einmal an den Strand. Ich hoffe, irgendwo in der Nähe des Strands einen Parkplatz zu finden, an dem ich für eine Nacht campen kann. Am Hauptstrand von Lacanau finde ich zwar einen Parkplatz, allerdings auch ein Parkverbotsschild für 20 bis 6 Uhr. Ich ahne noch nicht, wie häufig mir das Schild an der Atlantikküste Frankreichs begegnen und mir damit meinen Plan des Wildcampens durchkreuzen wird.

Hilfreiche Apps zur Stellplatzsuche wie Park4Night gibt es noch nicht (oder sind mir unbekannt) und so bleibt mir nichts anderes übrig als per Googlemaps die nächste Straße zur Küste abzufahren und auf einen Stellplatz zu hoffen. Leider ist die „nächste“ Straße keine Küstenstraße im klassischen Sinn, sondern eine Landstraße in 1,5 Kilometern Entfernung zum Meer. Die kleinen Stichstraßen enden entweder in Wohnsiedlungen oder an monströsen Campingplätzen mit Stellplatzmieten von durchschnittlich 40 Euro pro Nacht. Es gibt einige Parkbuchten direkt an der Landstraße, doch diese sind weder idyllisch, noch fühle ich mich dort sicher.   

Am Ende einer langen, emotionalen Suche, finde ich in Carcans einen einfachen Stellplatz für Wohnmobile. Idylle sucht man dort zwar auch vergebens und anstatt Meeresrauschen erfüllen laute Straßengeräusche die abendliche Luft, doch ich bin froh einfach irgendeinen bezahlbaren, legalen Stellplatz zum campen gefunden zu haben. Nur 6,50 Euro kostet die Nacht, doch die Küste ist mit 3 Kilometern Entfernung zu weit weg für einen Spaziergang zum Sonnenuntergang. Unter dem geöffneten Schiebedach meines Vans versuche ich, Autos und Nachbarn auszublenden und kann es nicht erwarten, am nächsten Tag endlich Surfen zu gehen.

Bucht von Arcachon

Am nächsten Morgen erwache ich vom Vogelgezwitscher und blicke durch mein geöffnetes Dachfenster hinauf in Baumkronen der Pinien über mir. In heller Vorfreude springe ich Schlafanzug auf den Fahrersitz und fahre Richtung Carcans Plage. Ich parke am Straßenrand und während der Kaffee kocht, bereite ich mein Surfboard vor. Endlich ins Meer! Anstatt erstmal einen Blick auf die Wellen zu werfen, gehe ich sofort mit Surfbrett unter dem Arm zum Strand – und finde eine spiegelglatte See vor. Gemeinsam mit drei anderen Dickköpfen paddel ich eine Stunde herum, ohne eine einzige kleine Welle zu erhaschen. Etwas frustriert packe ich zusammen und breche auf zur Bucht von Arcachon

Mein erstes Ziel ist Cap Ferret, ein kleiner Ort auf der Landzunge, die die Bucht einrahmt. Eine idyllische Straße führt durch den Pinienwald bis zum Leuchtturm Phare du Cap Ferret.  Ein Aufstieg lohnt sich – von oben hat man einen tollen Blick aufs Meer und die gesamte Bucht bis hin zur großen Dune de Pilat. 

Am Fuß des Leuchtturmes befindet sich der kleine Strand Plage du Phare, der durch eine Sandbank von der restlichen Bucht geschützt wird. Das Wasser ist dort so flach, dass man einfach auf die Sandbank  zum Strand “Plage du Mimbeau” hinüber laufen und sich dort ein ruhiges Plätzchen suchen kann. Von dort lassen sich die vorbeifahrenden Segelboote und Yachten sehr schön beobachten.

Mit meinem aufblasbaren SUP (*Affiliate Link) paddel ich aus dem flachen Bereich heraus in die Bucht. Mein Plan, die Sandbank einmal zu umrunden, endet mit einem Kampf gegen die Strömung, vielen freundlichen Franzosen und einem Spaziergang über die Sandbank zurück zum Auto. Bevor ich an der Sandbank an Land gehe, bahne ich mir noch einen Weg durch die zahlreichen Austernzucht-Bänke. Meterlange Gitter, in denen zahlreiche, der Muscheln liegen und darauf warten, als Delikatesse serviert zu werden. 

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Nun ist die Gelegenheit diese ganz frisch und zu bezahlbaren Preisen zu probieren. Im kleinen Fischerdorf Port Larros, auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Arcachon, gibt es einfache kleine Restaurants, die Kostproben der Austern anbieten. Auf der bunten Terrasse desLe Routioutiou genieße ich 6 Austern mit Brot, Butter und Wein für nur 9 Euro. 

Auf dem Weg zum Ziel des Tages, der Dune de Pilat, lege ich noch einen kurzen Stopp in Arcachon ein. Die Kleinstadt ist hübsch herausgeputzt aber auch sehr touristisch. Der Strand ist vor allem für Familien mit kleinen Kindern geeignet, denn die Bucht von Arcachon ist wie ein riesiges Plantschbecken ohne Wellen.

Das Highlight der Gegend um die Bucht von Arcachon ist allerdings die Dune de Pilat. Ein monströser Sandhaufen, der (variierend) bis zu 110 Meter hoch, 500 Meter breit und etwa 2,7 Kilometer lang ist. Man sollte es sich nicht entgehen lassen, einen Sonnenuntergang von dort oben zu genießen. Damit ich nicht danach im Dunkeln einen Spot für die Nacht suchen muss, entscheide ich mich kurzerhand für einen Campingplatz direkt am Fuß der Düne. Der Preis ist mit 26 Euro zwar recht happig – im Vergleich zum Durchschnittspreis jedoch ein Schnäppchen. Ich ergattere ein Plätzchen in letzter Reihe und parke meinen Van, nachdem ich ihn erstmal Sand festgefahren habe, mit Bettblick zur Düne. 

Zum Sonnenuntergang kletter ich auf die Düne und bin beinah sprachlos von der traumhaften Aussicht. Paraglider gleiten durch die Luft und alles leuchtet orange von der untergehenden Sonne. Ich erinnere mich daran, dass ich diesen Ort bereits in einem Frankreich-Urlaub als Kind besonders schön fand und – wie damals – springe ich nach dem Sonnenuntergang mit einem Riesensprung von der Dünenkante hinab in den Sand. Zufrieden rolle ich mich in meinem Van unter dem Sternenhimmel zusammen.

Biscarosse

Am nächsten Morgen fahre ich weiter nach Biscarosse. Am Biscarosse Plage gehe ich eine Runde Surfen – doch die Strömung zieht mich immer wieder Richtung Schwimmerzone und so gebe ich irgendwann auf.

Biscarosse selbst bietet nicht sonderlich viel, doch außerhalb des Ortes befinden sich drei Seen. Der schönste und idyllischste ist der kleinste der Gruppe, der Petit Étang de Biscarosse. Am Südufer des Sees parke ich auf einer großen Picknickwiese. Die Einfahrt wird von zwei Pollern eingefasst und nur schmale Autos passen hindurch. Bullis und Wohnmobile müssen draußen bleiben. Und so sind es nur eine Handvoll Menschen, mit denen ich mir diesen schönen Ort teile. 

Für noch mehr Ruhe und Idylle, pumpe ich das SUP auf und paddel über den kleinen See und seine Seitenarme. Durch einen Dschungel von dichtem Grün treibe ich über das Wasser und beobachte riesige blaue Libellen, die um mich herum flitzen. 

Zurück am Ufer packe ich zusammen und möchte mich auf den Weg zu einem günstigen Campingplatz machen, denn an dem See darf man nachts leider nicht stehen. Als ich mich gerade wieder zwischen den beiden Pollern hindurch zwänge, kommt mir ein großer, alter VW-Bus “Sven Hedin” entgegen. Die Crew an Board: eine Deutsche und zwei Schweizer auf Surftour, die mich kurzerhand einladen, mich ihnen für den Abend anzuschließen. 

Sie hatten einen schönen Platz nördlich von Biscarosse gefunden. Ein einfacher Wohnwagen-Stellplatz mitten im Wald an der Atlantikküste Frankreichs – ohne TamTam und ChiChi unter Pinien für 8-17 Euro pro Nacht. Er liegt am Plage du Vivier, der sich super zum Surfen eignet.

Mit den Longboards fahren wir zum Hauptstrand und der Strandpromenade von Biscarosse. Ein kleiner Bummel durch die Surfshops, einen Stopp im Supermarkt und dann zurück zum Camp. Wir grillen, trinken und beobachten zahlreiche Sternschnuppen. Mitten in der Nacht hüpfen wir ins Meer, das im hellen Mondlicht schimmert. Die Gischt leuchtet wie unter Schwarzlicht und Wassertropfen glitzern auf der Haut. Ein magischer Moment.

Mimizan

Am nächsten Morgen gehen wir noch gemeinsam Surfen, ehe es mich weiter nach Süden zieht. Das nächste Ziel ist Mimizan, ein weiterer kleiner Strandort an der Atlantikküste Frankreichs. Der Strand ist zwar sehr voll, allerdings kommen sich Surfer und Schwimmer nicht ins Gehege. Denn dem Strand ist eine kleine Sandbank vorgelagert, die eine natürliche Grenze für Welle und Surfer ist. Ich sehe den Surfern eine Weile zu, doch ich bin zu platt von der morgendlichen Session und begebe mich lieber rechtzeitig auf Schlafplatz-Suche. Es gibt  zwar einen einfachen Caravan-Stellplatz direkt am Strand, sogar mit eigenem Strandaufgang – einladend ist er allerdings nicht. Dicht an dicht stehen die Wohnmobile nebeneinander auf Asphalt wie Hennen in der Legebatterie.

Mittlerweile habe ich es ehrlich gesagt aufgegeben, auf Spots zum Wildcampen an der Atlantikküste Frankreichs zu hoffen. Ich steuere den See Étang d’Aureilhanan, der allerdings weitaus touristischer und überlaufener ist, als der kleine See in Biscarosse. Fast das gesamt Ufer besteht aus offiziellen Liegeplätzen mit teuren Parkplätzen oder ebenso überteuerten Campingplätzen. Auf der ruhigeren Seite des Sees werde ich dann aber doch noch fündig: beimCamping Municipal de Lac“ ergattere ich für 11 Euro ein kleines Plätzchen Wiese in hinterster Reihe und damit beinah direkt am Seeufer.

Nach einer Runde mit dem SUP in der Abendsonne lasse ich den Abend auf meinem Sitzsack vor dem Van ausklingen. Irgendwann gesellen sich meine Camping-Nachbarn zu mir. Sie kommen aus Groningen – nur mit Fahrrad und Zelt und campen die meiste Zeit wild. Auch wenn es vielleicht einfacher mit Zelt als mit Auto ist: sie sind empört, als sie hören, dass ich bisher nur auf Campingplätzen war und so verabreden wir uns zur gemeinsam Spotsuche am nächsten Abend. 

Contis Plage

Am nächsten Tag steht Biarritz auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin lege ich noch einen kleinen Stopp in Contis Plage ein. Der winzige Ort an der Atlantikküste Frankreich ist noch nicht so touristisch wie seine Nachbarn und so bin ich während meines Strandspaziergangs beinah allein. Einen kleinen Bummel über den winzigen Markt und ein Café au lait später, fahre ich weiter nach Biarritz.

Biarritz

In Biarritz beginnt das Baskenland und auch die Natur ändert sich hier schlagartig. Die Pinienwälder und weitläufigen Strände werden hier abgelöst von schroffen Felsformationen und hügeliger Landschaft. Biarritz selbst ist sehr chic und bietet genug zu sehen für einen längeren Aufenthalt. Das Stadtzentrum lebt von alten Jugendstilfassaden und kleinen Geschäften, die kleinen Gassen, die sich schlangenlinienförmig den Hügel hinaufziehen sind sehr hübsch und herausgeputzt. 

Der südlichste Strand Plage de la Côtes des Basques ist ein perfekter Surfspot für Anfänger. Lange, nicht allzu steile Wellen laufen auf den langen Strand zu. Allerdings ist es auch so voll, dass man bereits beim Drehen des Boards an seinen Nachbarn stößt. Nach einigen brenzligen Situationen und kleineren Zusammenstößen wird es mir zu bunt und schweren Herzens sage ich Adieu zu den perfekten Wellen. 

Stattdessen spaziere ich den schönen Küstenweg zwischen “Plage du Port Vieuxund “Grande Plage entlang. Der “Plage du Port Vieux” ist ein winziger Strand mitten am Zentrum und perfekt zum Schnorcheln über den schroffen Felsen im klaren Wasser. Der Küstenweg führt über eine Brücke aus der Feder Gustav Eiffels hinaus auf das Riff “Rocher de la Vierge”. Von hier aus hat man den wahrscheinlich schönsten Blick auf Biarritz. Durch ein großes Loch in einem Felsbrocken blickt man auf den Grande Plage im Norden der Stadt.

Saint-Jean-de-Luz

Wie gerne würde ich noch eine Weile im hübschen Biarritz verbringen, doch für eine Stellplatzsuche muss man weiter raus. Also steuere ich zwei Campingplätze in Saint-Jean-de-Luz, 12 Kilometer südlich von Biarritz an. Doch der eine ist ausgebucht, der andere mit 40 Euro pro Nacht schon wieder viel zu teuer. Ich fahre auf einen großen Parkplatz in der Nähe um im Internet nach Alternativen zu suchen. Der Parkplatz liegt oberhalb einer Bucht und dem Strand  “Plage de Lafitenia” direkt neben einer kleinen Wiese. Ein Food-Truck verkauft dort Drinks zu chilliger Musik. Surfer sitzen auf der Wiese verteilt und genießen den Blick auf das Meer. Ein perfekter Spot.

Neben mir steht ein Bulli mit deutschem Kennzeichen und die Bewohnerin verkündet mir die frohe Botschaft: man darf hier auch Nachts stehen! Ich richte mein Lager ein, schnappe mit Bier und Kamera und spaziere hinunter zum Strand. Es ist nur eine kleine Bucht und der Strand ist recht leer. Paraglider gleiten von der Klippe hinab und über die Baumwipfel. Als die Sonne langsam im Meer versinkt, stoßen die beiden Radfahrer dazu. Zusammen mit meinen Bulli-Nachbarn grillen und klönen wir noch bis spät in die Nacht. Mit Blick auf das dunkle Meer und dem letzten roten Streifen der untergegangenen Sonne schlafe ich ein. Es ist perfekt. 

San Sebastián

Als ich am nächsten Tag erwache, bin ich etwas ratlos. Es ist der letzte Tag meines Roadtrips entlang der Atlantikküste Frankreichs, danach muss ich die Heimreise antreten. Wohin also, soll es am letzten Tag gehen? Nachdem mir einige meiner Reisebekanntschaften von der Stadt San Sebastián vorgeschwärmt haben, beschließe ich, dort meinen letzten Reisetag zu verbringen. San Sebastián ist Teil des Baskenlandes, liegt allerdings schon in Spanien. Von Biarritz ist die Stadt trotzdem nur etwa 40 Minuten mit dem Auto entfernt. 

Unterwegs Richtung französisch-spanischer Grenze unternehme ich noch einen spontanen Abstecher in die Pyrenäen. Ich habe kein konkretes Ziel, hoffe aber auf den ein oder anderen tollen Ausblick. Und tatsächlich erhasche ich während der Fahrt den ein oder anderen Blick auf grün bedeckte Berge und schmale Schluchten. Doch nicht eine Parkbucht um Anzuhalten und den Blick zu genießen. Auf einen Gipfel fährt eine alte Zahnradbahn, doch an der Station angelangt, entdecke ich eine nicht endende Besucherschlange. Ich beschließe, dass mir das die lange Wartezeit am letzten Tag nicht wert ist und fahre über die Grenze nach Spanien. 

In San Sebastián angelangt, begehe ich dann einen fatalen Fehler. Mit meinem Van steuere ich Richtung Zentrum und hänge bereits nach kurzer Zeit so im Stau fest, dass es kein Zurück mehr gibt. Geschlagene 1,5 Stunden fahre ich im Stop-and-Go durch enge Gassen und schaue frustriert dabei zu, wie sich die letzten Minuten meines Urlaubs in Luft auflösen. Am Nachmittag habe ich es dann endlich geschafft und die Stadt spuckt mich und mein Auto wieder aus. Ich parke außerhalb des Zentrums im Parkhaus und spaziere noch eine Weile durch die Gegend. 

Highlight von San Sebastián ist das “Castillo de La Mota”, eine Burgruine auf einem recht hohen Hügel, von dem aus man einen atemberaubenden 360° Blick auf die Stadt, die entfernten Pyrenäen und das Meer hat. Auf der Spitze der Burg steht eine Jesus-Statue – ein bisschen wie in Rio de Janeiro, nur um einiges kleiner.

Aber auch die Stadt selbst ist sehr schön. Bei einem Streifzug durch die urigen, engen Gassen rund um die “Iglesia de Santa Maria” und die “Iglesia San Vicente”, entdeckt man schöne alte Fassaden und kleine Läden laden zum Essen und Verweilen ein. Der große Park an der Ostseite der Bucht ist sehr schön angelegt und wird von vielen pompösen Gebäuden mit beeindruckenden Fassaden umgrenzt. Der Stadtstrand “Playa de la Concha” ist zwar alles andere als ruhig, aber man hat von dort einen schönen Blick auf die kleine Insel “Santa Clara” in der Mitte der Bucht und das offene Meer dahinter.

Am frühen Abend verlasse ich San Sebastian nach Süden. Mein Busnachbar vom Vorabend hatte mir erzählt, dass man in Orio und Zarautz gut surfen und dort auf dem Parkplatz campen könne. Dort angekommen finde ich den Parkplatz nicht. Die Campingplätze alle voll. Ich merke wie sich mein Urlaubsfeeling langsam in Luft auflöst – zu viel hektische Städte und Chaos. Ich drehe um und düse zurück über die Grenze nach Frankreich zum Parkplatz in Saint-Jean-de-Luz.

Für eine Runde Surfen ist es zwar schon zu spät, doch ich ergatter den selben Stellplatz wie am Vorabend. Während ich mit Meerblick im Bett liege sinniere ich über den Tag nach. Der Spontanausflug nach Spanien war vielleicht einfach ein bisschen zu viel für den letzten Urlaubstag. Aber irgendwann würde ich die Tour dort fortsetzen…

Rückfahrt nach Deutschland

Am nächsten Morgen gehe ich noch eine Runde im benachbarten Bidart surfen. Zurück am Parkplatz ein kleiner Schreckmoment: während ich surfen war, wurde eine Durchfahrtsbegrenzung aufgestellt. In Zentimeter Schritten fahre ich unter der 1,80 Meter hohen Schranke durch. Es passt – gerade so. 

Knapp 1.400 Kilometer bis Frankfurt liegen vor mir und ich mache mich auf die erste Etappe des Rückwegs. Der Vulkan Puy de Dôme soll nun nochmal eine Chance bekommen. Doch die Straße endet viel zu weit entfernt vom Gipfel und kein Stellplatz weit und breit in Sicht. Es ist 19 Uhr, ich habe keine Lust einen mittelmäßigen Stellplatz ohne Meerblick zu suchen und beschließe durchzufahren. Keine kluge Idee – aber zum Glück geht’s gut. Nach einem Höllenritt komme ich hundemüde um 3 Uhr Nachts in Frankfurt an. 

Epilog: zurück an die Atlantikküste

Der Trip entlang der Atlantikküste Frankreichs war der Auftakt vieler Trips mit meinem Van. Nur zwei Tage nach meiner Rückfahrt lernte ich übrigens meinen liebsten Reisebegleiter kennen. Nach unseren großen Reisen durch Südostasien und Südamerika kehrten wir drei Jahre nach meinem Frankreich-Trip zurück zu dem Parkplatz in Saint-Jean-de-Luz.

Von hier aus führten wir den Trip entlang der Atlantikküste nach Spanien fort, über San Sebastián, Zarautz und alles was dahinter liegt. Und so viel kann ich schon verraten: wir waren nicht einmal auf einem Campingplatz, sondern campten jede Nacht wild mit Meerblick.

Praktisches und Nützliches

  • Fahrt durch Frankreich

    Du hast die Qual der Wahl zwischen Geld oder Zeit: 
    Schnell geht’s über die Mautautobahnen, die dir allerdings Stück für Stück das Geld aus der Tasche ziehen. Insgesamt solltest du mit ca. 90 Euro rechnen. 
    Wenn du die Mautstraßen meidest, sparst du zwar Geld, verlierst aber einige Stunden Zeit. 

  • Nachtlager

    Wild Campen ist in Frankreich – jedenfalls in der Region Aquitanien – nicht so einfach wie in anderen europäischen Küstenregionen. Jedenfalls dann, wenn man gern in der Nähe vom Wasser stehen möchte. 

    Campingplätze sind meistens recht teuer. Bezahlbare und schöne Alternativen findest du in meinen Campingplatztipps für Frankreich.

    Ansonsten helfen Apps wie Park4Night. 

  • Highlights Aquitanien

    Wenig Zeit? Das sind meine drei absoluten Highlights:

    Dune de Pilat

    Biarritz

    Petit Étang de Biscarosse und Plage du Vivier in Biscarosse

  • Camping-Equipment

    Tipps für Utensilien zum Kochen, Backen, Waschen und Strom findest du in meinem Artikel zum Campingzubehör.

Karte Frankreich

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