Ayutthaya: Mit dem Zug von Bangkok zu alten Tempeln

Tagesausflug in Bangkok’s Norden
– Ayutthaya, die alte Königsstadt –

Nachdem wir bereits den Süden und den Westen von Bangkok’s Umgebung erkundet hatten, ging es am Ende unserer Zeit in Bangkok noch in den Norden: zu den Tempeln der alten Königsstadt Ayutthaya. Für unseren Roller Berta war die Tour mit gut 80 Kilometern Anfahrt ein bisschen zu viel und so entschieden wir uns für den Zug. Das geht nämlich einfacher als gedacht. 

 

Anreise nach Ayutthaya
Am frühen Morgen hing es mit Berta zum Bahnhof Hua Lamphong, wo wir die Gute stehen ließen. Die Abfahrtzeiten hatten wir uns online auf der thailändischen Zugfahrt-Seite herausgesucht und kauften am Bahnhofsschalter für nicht mal einen Euro zwei Tickets nach Ayutthaya. Das Abfahrtsgleis ist sogar recht übersichtlich auf einer Anzeigetafel ausgewiesen und so fanden wir uns schon nach wenigen Minuten am richtigen Abfahrtsgleis wieder. Die Abfahrtszeiten werden, wie so oft in Asien, nicht mit deutschem Pünktlichkeitsanspruch Ernst genommen und so schlenderten wir noch eine Weile entlang der alten Züge und skurrilen Bahnhofs-Dekoration. Zur vollen Stunde wurden über Lautsprecher allemann aufgefordert sich hinzustellen (zumindest haben wir das aus dem zeitlichen Zusammenhang zwischen thailändischer Ansage und kollektivem Erheben geschlossen) und es folgte eine musikuntermalte Andachtsminute für den König. Irgendwann kam dann auch der Zug und es folgte eine entspannte knapp zweistündige Fahrt nach Ayutthaya. Bei offenem Fenster schweiften unsere Blicke entlang der vorbeiziehenden Landschaften von Bangkok’s Umland, das schnell sehr ländlich wird (schnell kann man vom Zug übrigens nicht behaupten, denn dieser bewegte sich in der ersten Stunde mehr oder weniger im Schritttempo aus Bangkok heraus).

In Ayutthaya angelangt ignorierten wir die zahlreichen Angebote von Guides und Fahrern und flüchteten strammen Schrittes erstmal davon – nach links die Straße hinunter – Hauptsache erstmal raus aus dem Gewühl. Auf Googlemaps entdeckten wir dort eine Brücke über den  Fluss, auf dessen anderen Seite die alten Tempel lagen. An der Brücke angelangt stellten wir allerdings fest, dass das eine ziemlich schnell befahrene Autobrücke war. Bei dem  Fahrstil der Thailänder wäre eine Überquerung zu Fuß reiner Wahnsinn gewesen. Das konnte es ja wohl nicht sein. Also zurück Richtung Bahnhof. Dort angelangt und nun nicht mehr von heranstürmenden Verkäufern abgelenkt entdeckten wir auch unschwer, dass der richtige Weg direkt gegenüber des Bahnhofsausgangs in Richtung Fluss führte. Von dort aus brachte uns ein Boot in wenigen Minuten auf die andere Seite. Wenige Meter hinter dem Anlager wurden wir dann auch fündig in Sachen fahrbarer Untersatz und mieteten uns einen Roller für den Tag. Einige der Tempel liegen schon ein bisschen weiter von einander entfernt, so dass die Tour an einem Tag zu Fuß kaum machbar ist.

 

 

Wat Maha That
Wir starteten unsere Tour bei dem wahrscheinlich bekanntesten Tempel von Ayutthaya: dem Wat Maha That. Der Name sagt euch nichts? Nun aber vielleicht habt ihr schonmal das Bild eines Buddhakopfes in einem Baum gesehen. Den werdet ihr hier nämlich finden. Und zwar ohne danach zu suchen, denn natürlich wollen alle dorthin und jeder möchte ein Foto mit dem Gesicht im Baum machen. Es sieht ja auch wirklich wie eine tolle Filmkulisse aus. Die recht weitläufige Tempelanlage hat aber auch darüber hinaus noch schöne Motive zu bieten: Ruinen alter Bauten, alte Gemäuer und natürlich zahlreiche Buddhastatuen. 

 

 

Wat Ratchaburana
Direkt daneben befindet sich der Wat Ratchaburana, ein Tempel mit einem Turm, der denen des Angkor Wat ähnelt. Im Gemäuer lässt sich noch das ein oder andere Relief entdecken und von oben hat man eine schöne Sicht auf die umliegenden Ruinen. Im Inneren führt eine kleine Treppe hinunter zu ein paar verblassten Wandmalereien und einer eigenartigen, spielzeugartigen Ansammlung von Opfergaben. 

 

 

Wat Lokaya Sutharam
Ein paar Rollerminuten später erreichten wir den Wat Lokaya Sutharam, einen schönen liegenden Buddha, dessen Gestein in seinen verschiedenen, scheinbar ineinander verlaufenen Farben aussieht wie ein Aquarellbild. Dahinter befindet sich eine riesige Terrasse und ein Turm, auf den man allerdings nicht hinauf kann. 

 

 

Wat Phra Sri Sanphet
An der nächsten Tempelanlage, dem Wat Phra Sri Sanphet, wird es plötzlich ziemlich wuselig. Die Zahl der Touristen scheint hier besonders hoch zu sein und um den Tempel herum gibt es ein paar Verkaufsstände und kleine “Restaurants”, bei denen man gut eine kleine Mittagspause einlegen kann. 
Doch neben den weißgrauen, glockenförmigen Türmen scheint vor allem eins Attraktion zu sein: Elefantenreiten. Bitte schließt euch dem nicht an. Natürlich möchte man den süßen Dickhäutern gerne nah kommen, doch dafür gibt es ganz tolle Camps die darauf achten, dass es den Tieren gut geht. Wir haben ein solches Elefantencamp in Chiang Mai besucht und hatten ein wundervolles Erlebnis mit den Elefanten. Weder das Reiten, noch die Art und Weise in der dies in Ayutthaya angeboten wird, tut den Tieren jedoch gut. Sie trotten dort in einer Reihe direkt an der Straße entlang – während Roller, Autos und Busse an ihnen vorbei fahren und mindestens zwei Touris auf ihren Rücken sitzen. 

 

 

Wat Na Phra Men
Von Ruinen geht es als nächstes zu einem “aktiven” Tempel außerhalb des kleinen Ruinen-Vierecks. Der Wat Na Phra Men gleicht vielen der von uns bereits besuchten Tempel, aber empfängt uns auch mit einer besonders schönen, dunkelrot-goldenen Halle und goldenen Buddhafiguren, an die die Gläubigen kleine Goldblättchen für gutes Karma kleben. 

 

 

Wat Phu Khao Thong
Von dort aus geht es noch ein ganzes Stück weiter raus – zu Fuß wäre das wohl nicht mehr machbar an einem Tag. Ziel ist der Wat Phu Kaho Thong – eine Art Pyramide – dessen Gestein seinerzeit in einem schönen schwarz-weiß-Verlauf erstrahlte. Nun wird und wurde der Bau allerdings restauriert. Das Ergebnis ist ein makellos weißes Gemäuer, das von weitem ein bisschen aussieht wie eine unfertige Filmkulisse. Der Chedi (wohl Gold) war bei unserem Besuch eingetütet und die Stufen hinauf konnte man aufgrund der Bauarbeiten ebenfalls nicht.
Der Weg hatte sich aber dennoch gelohnt, denn wir entdeckten dort ein kleines Cafe mit Blick auf einen idyllischen Seerosenteich. Bei einem leckeren Eiskaffee ließen wir unsere Blicke über die recht verlassene Landschaft mit ihren saftig grünen Feldern, blauen Häusschen und bunten Wäscheleinen schweifen. 

 

 

Wat Yai Jaya Mongkhorn
Nach der Erfrischung düsten wir einmal quer durch den Geschichtspark Ayutthaya durch und auf die andere Seite zum Wat Yai Jaya Mongkhorn. Dort erwartete uns ein großer Tempel mit hohen Türmen aus rotem Gemäuer und der typisch orangenfarbenen Schärpe. Auf dem Tempel oben angelangt hat man einen tollen Blick und kann noch ein bisschen das Karma fördern, indem man Münzen einen Schacht hinab wirft und versucht, einen Behälter auf dem Boden zu treffen. Um den Tempel herum kann man wieder fleißig Buddhas zählen. Allen voran einen großen, liegenden Buddha, der gerade “umgezogen” wurde, indem eine Dame eine Lage des organgefarbenen Stoffes zu seinen Füßen schob und darunter eine weitere Lage Stoff zum Vorschein kam. Doch vor allem die akkurate Aneinanderreihung der sitzenden Buddhas rings herum um den Tempel lassen Fotografenherzen höher schlagen und Symmetrie-Liebhaber jubeln. 

 

 

Wat Phanan Choeng
Einen letzten Stopp legten wir am Wat Phanan Choeng ein. Der Tempel ist umgeben von einem monströsen Parkplatz und im Innern wartet ein ebenfalls überdimensionaler goldener Buddha. Bei unserem Besuch wurde gerade eine Art Zeremonie abgehalten, bei dem ganze Ballen des orangefarbenen Stoffes auf Tabletten herumgereicht wurden. Die Bedeutung dieses Brauchs kann ich euch leider nicht erklären, denn wir hatten nicht mehr genug Zeit um das Ende abzuwarten. Unser Zug zurück nach Bangkok wollte nicht verpasst werden und so brachten wir fix unseren Roller zurück und warteten natürlich noch eine Weile am Gleis auf das Eintreffen des Zuges (Abfahrtszeiten sind eben eher grobe Richtwerte…). 

Nach einer gemütlichen Fahrt zurück nach Bangkok konnten wir folgendes Fazit ziehen: Ayutthaya kann – zumindest was Größe und Pracht angeht – vielleicht nicht mit Bagan oder Angkor mithalten, aber für einen Tagesausflug lohnt es sich auf jeden Fall. Vor allem wenn man sich nicht nur in dem kleinen Geschichtspark aufhält sondern auch ein bisschen die äußeren Ecken erkundet. Und die Zugfahrt allein ist eigentlich schon die Reise wert, denn auf die Weise erhascht man zumindest einen kleinen Einblick in das Thailand abseits Bangkok’s und der Touristenziele. Ganz nach dem buddhistischen Motto “der Weg ist das Ziel”.  

 

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