Bago
– Bigger is Better: Riesen-Buddhas und Myanmars größter Stupa – 

 

Zugfahrt nach Bago
Nachdem wir uns bereits am Vortag (nach einer kleinen Odyssee) Tickets für den Zug nach Bago gekauft hatten, ging es dann auch um Punkt Acht am Bahnhof in Yangon los. Der schon ziemlich in die Jahre gekommene Zug war schon eine Sehenswürdigkeit für sich. Die Decke war zugepflastert mit alten verstaubten Ventilatoren und die Sitze schon recht durchgesessen, mit deutlich mehr als nur „leichten Gebrauchsspuren“ – aber tatsächlich gar nicht mal so unbequem (wir hatten uns für die Softseats entschieden… bei einem Ticketpreis von unter einem Euro ist das sogar beim Budget-Reisenden noch drin). Zur Begrüßung huschte dann noch eine Maus an meinem Fuß entlang und dann rollten wir auch langsam los. Langsam sollten wir die restlichen knapp zwei Stunden auch bleiben – doch das war auch gut so! Denn die Landschaft, durch die sich die alten Schienen schlängeln ist so wunderschön, dass die Fahrt auch gerne doppelt so lang hätte sein können! Vorbei zogen Reisfelder, Palmen, kleine Wälder und Flüsse und winzige Dörfer – total idyllisch!

 

 

Bago erkunden
Am Bahnhof in Bago angekommen, wollten wir uns zunächst einmal um unsere Weiterreise kümmern. In Bago bleiben wollten wir nämlich nicht, da das Städtchen – von den Sehenswürdigkeiten im Umreis einmal abgesehen – nicht gerade einladend ist. Stattdessen wollten wir noch am gleichen Tag nach Kinpun weiterreisen, um uns am nächsten Tag den „Golden Rock“ anzusehen. Im Vorfeld konnten wir keine verlässlichen Informationen dazu finden, wie genau man von Bago nach Kinpun kommt, doch wir waren optimistisch, dass sich schon irgendeine Transportmöglichkeit finden würde.
Während wir uns noch versuchten im Bahnhof zu orientieren, sprach uns bereits ein älterer glatzköpfiger Burmese an um uns eine Rundfahrt entlang der Sehenswürdigkeiten zu verkaufen. Eine solche Tour hatten wir bereits eingeplant, also fragten wir ihn kurzerhand, ob er uns vorher mit Tickets nach Kinpun helfen könne. Natürlich konnte er. Wir vereinbarten, dass wir erst an dem Bus-Stop halten würden um Tickets zu kaufen und er uns nach den Sehenswürdigkeiten (die ich kurz anhand meiner Liste mit ihm abglich… wir hatten ja bereits in Mandalay gelernt, dass das mitunter sinnvoll ist) zum Bus bringen würde.
Als wir mit ihm den Bahnhof verließen steuerte er allerdings einen Roller an. Wir beide – bepackt mit jeweils einem großen Backpack und einem kleinen Daypack – plus ihm, auf einem Zweirad. Keine Ahnung wie er sich das vorgestellt hatte, aber das war uns dann doch etwas zu viel (bzw. zu wenig). Wir machten ihm deutlich, dass wir eigentlich ein Tuk Tuk gesucht hatten und er, der seine frisch gewonnen Kunden nicht verlieren wollte, schleifte uns kurzerhand zum nächsten Tuk Tuk und nach kurzem Verhandeln (?) zwischen ihm und dem Fahrer zogen wir zu viert los. Unterwegs – außerhalb von Bago – gab es schöne Natur und kleine Dörfer zu sehen und wir bekamen endlich mal einen Elefanten zu Gesicht! (Naja genau genommen nur das Hinterteil des Dickhäuters. Der Rest steckte im Pflanzen-Gestrüpp…). 

 

 
Kyaikpun Pagode
Den ersten Stopp legten wir (nachdem wir erfolgreich zwei Tickets für einen Bus nach Kinpun gekauft hatten) an der Kyaikpun Pagode ein. Diese besteht aus vier ca. 30 Meter hohen Buddhas, die Schulter an Schulter um eine quadratische Säule sitzen. Dabei sehen die Figuren auf den ersten Blick alle identisch aus – beim genaueren Hinsehen kann man aber durchaus ein paar kleine Unterschiede entdecken (Spieltipp für Buddha-müde Reisende: Finde den Fehler). 

 

 

Shwegugale Pagode
64 weitere Buddhas findet man in einem schmalen Korridor in der Shwegugale Pagode, ähnlich wie in der U Min Thonze Pagode in Sagaing. Daneben gibt es einen Goldstupa und ein paar (mitunter witzige) Figuren zu entdecken. 

 

 

Mahazedi Pagode
Der weiß-goldene Stupa der Mahazedi Pagode ist dagegen deutlich beeindruckender und kann sogar bestiegen werden. Leider jedoch (mal wieder) nur von Männern. „Frauen müssen draußen bleiben“… Die Aussicht konnte ich daher nur um Nachhinein anhand der Fotos vom liebsten Reisebegleiter genießen. Während sich dieser die Treppen unter der Mittagssonne bei 37 Grad hochquälte, blieb ich mit unserem Guide (der uns immer in die Pagoden begleitete und eine helle Freude daran zu haben schien, bei jeder Sehenswürdigkeit Fotos von uns zu machen). Ich nutzte die Gelegenheit und fragte ihn recht direkt, warum Frauen bei einigen Pagoden in gewisse Bereiche nicht hinein durften. Aufgrund der sprachlichen Barrieren bekam ich zwar keine ausführliche Erklärung, jedoch zumindest eine Antwort: „Das ist nichts für Frauen, so viele Treppen hinaufzusteigen.“ Ich verkniff mir jeglichen ironischen Kommentar darauf und machte ihn auch nicht darauf aufmerksam, dass es nur die Frauen in Myanmar sind, die kiloweise Dinge auf ihren Köpfen herumtragen…

 

 

Shwethalyaung Buddha
Eine recht anschauliche Geschichte über eine Frau, die – nachdem ihr vor der Hochzeit versprochen wurde, dass sie nach ihrer eigenen Religion leben dürfe – fast zum Tode verurteilt wurde, als sie dieses Versprechen dann auch in Anspruch nahm, findet man auf der Rückseite des 55 Meter langen liegenden Shwethalyaung Buddhas.

 

 

Myathalyaung Buddha
Noch größer ist der im Freien liegende Myathalyaung Buddha. Insbesondere seine riesigen Fußsohlen sind ein Hingucker, denn sie sind übersät von dünnen Goldlinien.

 

 

Shwemawdaw Pagode
Doch es wird noch größer: der nächste Stop ist die Shemawdaw Pagode, die mit ihrem 114 Meter Stupa die größte von ganz Myanmar ist. Sie ist also tatsächlich noch größer als die Shwedagon Pagode in Yangon, auch wenn ihr Gesamt-Areal nicht ganz so spektakulär ist. Die Pagode wurde durch Erdbeben mehrmals zerstört und wieder errichtet, wobei einige der alten Steine mit verbaut wurden. Die Ecke, in der die roten Steine den goldenen Stupa einfassen, ist besonders stark frequentiert und fast alle Burmesen halten hier für ein kurzes Gebet inne. Einige tummeln sich auch bei der großen Glocke (ein Gegenstand der in den meisten Pagoden anzutreffen ist) um dreimal mit einem Bolzen dagegen zu schlagen. 
Neben den obligatorischen Spendenboxen haben sich die Erbauer hier sogar richtig was einfallen lassen: An vielen Stellen auf dem Areal findet man kleine Karussells oder Schießanlagen-ähnliche Konstruktionen. Die Kunst ist dann, einen zusammengeknüllten Geldschein in eines der sich bewegenden Behältnisse zu werfen (Münzen gibt es in der schwachen Währung nicht). Ein bisschen Jahrmarkt-Feeling, aber es macht Spaß und kommt den Pagoden zu Gute (Wir haben beide knapp daneben geworfen…). 

 

 

Hinthagone
Einen tollen Blick auf den Stupa der Shwemawdaw Pagode hat man von der Hinthagone Pagode, eine flache Halle auf einem Hügel. Die Pagode selbst ist nicht gerade eine Augenweide – die Rundumsicht auf Bago und die Umgebung dafür umso mehr. Mit etwas Glück kann man in einem kleinen Seitengebäude ein paar Tänzerinnen beobachten, die zu relativ unmelodischen Trommelklängen und mit Kostümen, die an den Karneval in Rio erinnern, wild herumtanzen.

 

 

Seinthalyaung Pagode
Einen weiteren liegenden Buddha gibt es in der Seinthalyaung Pagode zu besichtigen. Der Buddha selbst ist nicht ganz so beeindruckend wie seine Vorgänger, doch die Pagode hat noch einiges mehr zu bieten. Am Eingang befindet sich ein kleiner Stupa aus dunkelroten Backsteinen, der sich von den bisherigen Stupas erheblich absetzt. Rechts von dem Pagoden-Komplex befindet sich außerdem ein wunderschöner kleiner Seerosen-Teich mit einem hübschen kleinen Pavillon.  

 

 

Kanbawzathadi Palast
Den letzten Stopp legten wir am Kanbawzathadi Palast ein, der auch „Golden Palace“ genannt wird. Der Name ist Programm, denn sowohl von außen, als auch im Innern, erstrahlt das Gebäude in einem warmen Goldton.

 

 

Weiterreise nach Kinpun
Unser Guide setzte uns zu Guter Letzt an der „Busstation“ ab, einem etwas schäbigen Restaurant, von dem aus wir später nach Kinpun weiterreisen würden. Das Essen verkniffen wir uns lieber und auch der WC-Gang wurde abgebrochen, als beim Öffnen der Tür eine Ratte vorbeihuschte, die ganz dem Motto Bagos entsprach: Bigger is better.

Der Zwischenstopp hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn wir konnten hier noch einige beeindruckende Pagoden sehen und die Anreise durch die schöne Landschaft stand den eigentlichen Sehenswürdigkeiten in Nichts nach.

 

 

 

2 Kommentare

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  1. […] selten. Ratten haben wir zum Glück nur auf der Straße (und in der einen besagten Toilette in Bago) angetroffen. Kakerlaken sind uns in den Hostels bisher (knock on wood) erspart geblieben – […]

  2. […] Unterkunft am Golden Rock Nach unserer Halbtagestour durch Bago reisten wir am Nachmittag per Bus Richtung Kinpun, dem Basislager der Kyaikto Pagode – dem […]

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