Abschied von Bangkok

Das war Bangkok

Bangkok: Hauptstadt, Metropole, berühmt für Verkehrschaos und das Nachtleben. Berüchtigt aus Filmen – von Touristen geliebt oder gehasst. Eine Stadt der Gegensätze mit zahlreichen Facetten. Sie ist weder Ballkönigin noch das nette Mädchen von nebenan – vielmehr die Außenstehende, die man erst kennen lernen muss um sie zu verstehen und lieb zu gewinnen. 

Nach über drei Monaten in Bangkok kannten wir einander natürlich noch nicht in und auswendig. Doch wir hatten uns ganz gut aneinander gewöhnt und aufeinander eingestellt. Wir haben dort gewohnt, gearbeitet, gefeiert, den Alltag gelebt und die Stadt und ihre Bewohner ein bisschen kennen gelernt.

Was also ist Bangkok? 

Bangkok ist: 1000 Tempel

Ganz so viele vielleicht nicht, aber es sind sehr, sehr viele. Klein und versteckt, groß und prunkvoll, ruhig und idyllisch – für jeden Geschmack etwas.
Mein absoluter Liebling war der Golden Mount: ein kleiner Berg zwischen dem alten und dem modernen Bangkok. Wie Alice im Wunderland spaziert man entlang der zahlreichen Figürchen und Märchenwald-Pflanzen hinauf zur goldenen Spitze. An einem der letzten Tage musste ich unbedingt nochmal hinauf und mich beim wunderschönen 360° Blick von der tollen Stadt verabschieden, die in den letzten Wochen unsere Heimat geworden war. 

Bangkok ist: der König

Wir waren zur Zeit des Trauerjahres zu Ehren des verstorbenen Königs Bhumibol Adulyadej  in Bangkok und sein Gesicht war damals allgegenwärtig. Würdevoll blickte er von riesigen Bannern an Hochhaus-Fassaden hinab und schaute in vielen Läden und Restaurants freundlich aus Bilderrahmen hinüber. Ein Mann des Volkes, der von seinen Landsleuten nicht nur in hohem Maße respektiert, sondern auch geliebt wurde.

Im Kino läuft vor jedem Film ein schöner Kurzfilm mit Fotos aus seinem Leben und seinem Sohn als Kind, Jugendlicher und nun als neuer König. Ob er die Fußstapfen seines Vaters ausfüllen wird, kann man wohl noch nicht sagen. Mit Sicherheit wird man ihm nach außen den gleichen Respekt entgegen bringen, den auch der alte König genossen hat. Immerhin nehmen es die Thais mit dem „Gesicht verlieren“ sehr genau (dazu an anderer Stelle mehr…). Eben dies ist auch der Grund, warum der neue König von seinem Volk womöglich weniger geschätzt, wenn nicht hinter vorgehaltener Hand sogar etwas beschmunzelt wird. Wilde Partys, skurrile Frauengeschichten und teilweise recht eigenartige Kleidung – man könnte den Thronfolger wohl als „schillernde Persönlichkeit“ bezeichnen.

Den Palast des Königs kann man in Teilen besichtigen – er ist die wohl meistbesuchteste Sehenswürdigkeit Bangkoks. Wegen des Trauerjahres waren zwar viele Teile des Grand Palace für Touristen nicht zugänglich, sondern den Massen der trauernden Thais, die den Palast zum Kondolieren aufsuchten, vorbehalten.
Der jeweilige König residiert allerdings seit beinah 100 Jahren nicht mehr im Grand Palace, sondern in der etwas nördlicher gelegenen Dusit-Palastanlage. Auch hier kann man nur einen kleinen Teil besichtigen, ein kleines Museum mit viel Gold, Schätzen und Porzellan.

Bangkok ist: bunte Märkte

Bunt, lebendig und gut riechend: Bangkok’s Märkte ziehen scharenweise Menschen an. Zu Recht, denn dort lässt sich allerhand Schönes, Praktisches aber auch total unnützer Schnickschnack finden. Dazwischen stehen köstliche Streetfood-Stände und während man genüsslich einen Fleischspieß knabbert, kann man hervorragend das Treiben beobachten.

Am schönsten fand ich den Ratchada Night Train Market mit seinen vielen bunten Zelten, die man von einem kleinen – nicht ganz so geheimen – Spot super toll von oben bestaunen kann.

Bangkok ist: wildes Nachtleben

Berühmt für wilde Partynächte und berüchtigt für den fetten Hangover am nächsten Tag. Ob chice Rooftop-Bar oder einfache Bier-Kaschemme, Touri-Läden auf der Khao San Road oder Tabledance-Bars in der Soi Cowboy, Schwulen-Clubs und Szeneclubs. Es gibt wohl kaum etwas, das es nicht gibt und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Unsere Stammkneipe wurde ziemlich schnell “Jacks Bar”: versteckt, ohne Chi-Chi, atmosphärisch und direkt auf einem Steg des Chao Phraya.

Bangkok ist: Entertainment pur

Kino auf dem nächsten Level – von abgefahrenen VIP-Sälen zur vierten Dimension, inklusive Schütteln bis das Popcorn fliegt. Und das alles bei winterlichen Temperaturen… Oder ein paar live Thai-Box-Kämpfe am Sonntagnachmittag, während sich die harte Tribünenbank langsam ins Sitzfleisch prägt. Ein Ensemble Karaoke-singender und aufwendig kostümierter Ladyboys. Knapp bekleidete Table-Dancer oder Pingpong-Shows.

Langweilig wird einem wohl nicht in Bangkok.

Bangkok ist: voller Kontraste

Moderne Wolkenkratzer und kleine Siedlungen mit einfachen Behausungen. Architektonische Sünden und Meisterleistungen. Kreutz und quer verlaufende Straßen und Schienen auf mehreren Ebenen. Bunte StreetArt und Straßenstände. Ruhige Parks, grüne Wiesen und idyllische Seen. Ein Fluss mit beleuchteten Schiffen und goldene Tempel. 7 Eleven an jeder Ecke, dicke Stromleitungs-Bündel über den Gehwegen und Ratten-Kolonien in Müllbergen. Luxuriöse Hotels und pompöse Veranstaltungen.

Bangkok ist viel, aber jedenfalls nicht eintönig.

Bangkok ist: Multikulti

Chinatown und Little India, Arabisches Viertel und Kleines Tokio. Eine koreanische Passage und natürlich Touristen aus jedem Teil der Welt. Chinesische Streetfood-Stände mit undefinierbaren Gerichten. Rot leuchtende Schriftzeichen oder bunte Stoffballen neben Currygerichten. Saris und Thawbs. Korean Barbeque, Französische Restaurants oder Pizza.

Es gibt wohl kaum eine Kultur, die in Bangkok nicht vertreten ist.

Bangkok ist: Verkehrschaos

Pickepacke-volle Straßen. Mehr Stop als Go. 500 Metern in einer halben Stunde. Taxen in pink, rot, gelb und grün. Vorbeizischende Roller – sogar als Taxen. Zum Bus ausgebaute Pickups. Der Begriff „Berufsverkehr“ bekommt in Bangkok eine neue Bedeutung – die Stadt ist die Mutter des Verkehrschaos. Wer schnell von A nach B möchte, kommt um einen Roller nicht rum. Und Rollerfahren ist in Bangkok wirklich nichts für schwache Nerven. Vielleicht dann doch lieber auf eine der Bahnen ausweichen? Leider fahren die auch nur in einem begrenzten Teil von Bangkok. Aber irgendwie kommt man schon immer ans Ziel – früher oder später…

Bangkok ist: leckeres Essen

Bangkok’s Streetfood-Stände sind berühmt und hoffentlich noch lange vorhanden. Es gibt Diskussionen, dass die Stände ähnlich wie bereits in Singapur zu einer Art Food-Courts zusammen gefasst werden sollen und schärfere Regeln beachten müssen. Zwar würden sie dann etwas mehr dem europäischen Hygiene-Standard entsprechen (davon sind sie nämlich teilweise recht weit entfernt…) aber es würde zugleich ganz viel Charme und Vielseitigkeit verloren gehen. Viele Familien könnten sich ihren Stand dann sicherlich nicht mehr leisten. Die Preise würden in die Höhe schießen und bald schon wäre es nur noch Touristen-Attraktion und die Plastikstühle nicht mehr voll besetzt von Nachbarschaft und Leuten auf dem Weg zur Arbeit.

Bitte liebes Bangkok, behalte dir diese Tradition. Wir erzählen das mit den gelegentlich vorbeihuschenden Kakerlaken auch niemandem weiter. Versprochen!

Bangkok ist: unser Zuhause geworden

So anders und doch so gleich. Ich hatte mich auf eine große Umstellung eingestellt. Auf Kulturschock und Probleme im Alltag. Doch irgendwie war Bangkok dann doch schnell vertraut und gar nicht so viel anders als mein Leben in Deutschland.

Aufstehen, frühstücken, zur Arbeit fahren (okay, das war schon eine Umstellung mit dem Roller…), Mittagessen in der Kantine, nach Feierabend schnell nach Hause. Auf dem Weg einkaufen, raus aus den Büroklamotten, rein in die Shorts (zugegebenermaßen, das mit dem dauerhaften Shorts-tragen kommt in Hamburg leider zu kurz).

Abends irgendwo Essen gehen, weil es günstiger am Streetfood-Stand ist, als selbst zu Kochen (ist in Hamburg leider auch nicht so). Feierabendbierchen (das thailändische Bier vermisse ich jetzt nicht so) und vielleicht noch kurz in den Pool auf dem Dach gehüpft (vermisse ich schon eher).

An freien Tagen oder Nachmittagen die Stadt erkunden (sollte ich in Hamburg auch mal mehr machen…) und am Wochenende Ausflüge in die Umgebung oder Kurztrips in andere Länder (mache ich in Hamburg auch – und Dänemark ist vielleicht nicht Singapur, aber mir gefällt’s).

Ich glaube man hört es raus. Wir fanden’s toll in Thailands Hauptstadt und die Festplatte im Kopf ist voll mit tausend Eindrücken und Erlebnissen. Der Abschied fiel uns nicht leicht und ich bin mir sicher, dass wir zurück kommen werden.

Bis dahin,

Khob khun kha und sawadee kha Bangkok!
[Das war thailändisch und bedeutet Danke und Tschüss]