Streifzüge durch Bangkok Teil 3
– Kino, Thaiboxen, Ladyboys und Rotlichtviertel – 

Bangkok: abenteuerliches Nachtleben, leichte Bekleidung und Entertainment für beinahe jeden Geschmack. Die Jungs in “Hangover 2” machen es vor – und so viele tun es ihnen nach… 
Was ich gesehen und vor allem erlebt habe folgt nun – Jugendfreiheit nicht garantiert. 

 

Kinoerlebnisse in Bangkok
Beginnen wir ganz sittlich beim Kinobesuch. Nun mag man sich denken, Kino ist Kino, wieso sollte ich in Bangkok ins Kino gehen?
Doch in Bangkok ist Kino nicht gleich Kino. Es gibt zum Beispiel diverse Luxus-Kinos, mit feinsten Ledersesseln und Bedienung, wobei die Karten da dann auch mal schnell über 20 Euro kosten. Wir haben’s uns gespart, aber für alle Luxus-Liebhaber unter euch gibt es hier eine gute Übersicht.

Was wir uns nicht gespart haben, ist ein vierdimensionales Kinoerlebnis im “Siam Paragon”. Wem schon bei 3D-Filmen schlecht wird, der sollte diese Fahrt vielleicht aussetzen, denn die Sessel bewegen sich passend zum Film, vibrieren, schütteln und wackeln und Düsen aus dem Vordersitz runden das Erlebnis mit Luft und Wasser ab. Einen anspruchsvollen Film sollte man sich auf diese Weise vielleicht nicht ansehen, denn zugegebenermaßen lenkt es schon ein bisschen vom eigentlichen Film ab. Aber bei “Fluch der Karibik 5” war es ein Heidenspaß. Zumindest, sobald wir erstmal im Sessel saßen. Denn wie das Glück so spielte, waren wir aufgrund einer verloren gegangen Kreditkarte etwas zu spät im Saal. (Verloren im Sinne von, ich habe sie vergessen aus dem Geldautomaten zu ziehen. Das ist mir übrigens gleich zweimal passiert, denn in Thailand ticken die Uhren anders und eben auch die Geldautomaten. Hier kommt ERST das Geld und DANN die Karte raus. Ein falscher Automatismus, der bei mangelnder Konzentration schnell mal zu hektischen Karten-Sperr-Anrufen im Kinofoyer führen kann…) Der Film hatte zwar noch nicht begonnen, aber auch die Werbung war vierdimensional. Man versuche mal, bepackt mit einem vollen Eimer Popcorn und einem Becher Cola auf einen konfus wackelnden Kinosessel zu steigen. Loriot hätte eine wahre Freude an unserem Anblick gehabt – und das restliche Publikum hatte es mit Sicherheit, als wir uns im Popcorn-Regen niederließen. 

Übrigens folgte auf das Setzen erstmal noch eine kleine Umziehaktion, denn zumindest eine Sache haben scheinbar alle Kinos in Bangkok gemein: es ist schweinekalt. So richtig. Während wir also sonst in der Freizeit auch Nachts nur in Shorts und Shirt herumgelaufen sind (und selbst dann noch geschwitzt haben…), sind wir an den Kinoabenden mit langen Hosen zum Kino gefahren und haben uns im Saal noch in die dicksten Pullis gehüllt. Und was hätte ich um Handschuhe und eine Decke gegeben. 

 

 

Muay Thai Boxen
Etwas abenteuerlicher wird es dann noch beim Muay Thai Boxen, dem Nationalsport der Thailänder. Die einst sehr traditionelle Sportart mit einem der härtesten Regelwerke der Welt, ist heutzutage beinahe zweitrangig neben dem Sport, den das Publikum betreibt – das Wetten. Doch dazu später mehr. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich Null Ahnung vom Kampfsport habe und noch nie einen Boxkampf gesehen habe (wenn man diverse Hollywood-Produktionen mal außen vor lässt). Doch wenn man in Bangkok lebt, sollte man sich dieses kulturelle Erlebnis gönnen. 

Was sich einem bietet, ist zunächst einmal sehr eindringliche rhythmische Musik, für unsere europäischen Ohren womöglich etwas unharmonisch, zu der sich die Jungs aufwärmen. Doch Aufwärmen bedeutet hier nicht Dehnen oder Schattenboxen. Wie bei einer buddhistischen Zeremonie knien sie zunächst in der Mitte des Rings und haben dabei eine Art Kopfschmuck auf. Danach beginnt das eigentliche Aufwärmen, bei dem sie zum Takt der Musik tänzeln und dabei die Fäuste über dem Kopf rotieren. (Das ist wirklich schwer zu beschreiben, aber zum Glück habe ich euch einen kleinen Film mitgebracht.)

Beim eigentlichen Kampf ist gefühlt alles erlaubt. Da wird getreten, das Knie eingesetzt und sogar das “Clinchen” ist erlaubt (für alle, die das jetzt wie ich googeln müssten: das ist das gegenseitige Umklammern, zum Beispiel um sich vorm K.O.-Gehen zu bewahren und ist ansonsten im Boxsport verboten.) Beim Thaiboxen wird es dafür umso mehr eingesetzt und meist folgt danach ein beherztes Knie-Hochziehen (angeblich war der Tiefschutz übrigens früher aus Kokosnüssen…). Ansonsten geht es eigentlich recht ähnlich zu wie bei einem Rocky-Film und mitunter kippen die Kämpfer auch mal aus dem Ring. Die K.O.-Quote ist wohl Glückssache. Bei unserem Besuch wurden alle Kämpfe durch Punktsieg entschieden. Als ein Freund zuvor dort war, sind 5 von 6 k.o. gegangen… 

 

Ein Kampf im Channel 7 Studio
Es gibt in Bangkok einige Stadien, in denen man sich das für viel Geld ansehen kann, oder man geht Sonntags Mittags zum Channel 7 in der Nähe des Chatuchak-Markts. Da die Kämpfe im Fernsehen übertragen werden, sollen die Ränge natürlich hübsch voll sein – und internationales Publikum ist natürlich besonders gern gesehen (vielleicht wird man aber auch einfach nur vom wild-wettenden Publikum getrennt).

So kam es, dass auch wir eines Sonntags die heiligen Hallen betraten und extra ganz früh kamen, damit wir auch noch gute Plätze ergattern könnten. Und tatsächlich landeten wir ganz oben auf der Tribüne, die stets im Hintergrund des Kampfes zu sehen ist und stellten uns auf ca. eine Stunde Wartezeit ein. Statt auf Reiseführer und Blogs zu vertrauen, hätten wir besser einfach mal das Programm des Senders gegoogelt, denn an diesem Tag begann der Kampf erst 2 Stunden später… Zum Glück hatten wir halbwegs vorgesorgt und uns mit Snacks und Getränken vom Seven Eleven ausgestattet. Nur ein Sitzkissen wäre ab irgendeinem Zeitpunkt ganz nett gewesen (kein Scherz…), denn die Tribüne besteht aus einer ausgewachsenen Hühnerstange aus Metall als Sitzen. Ich spüre noch heute, wie sich das Alu in die Haut “gebrannt” hat. 

Aber langweilig wurde uns dennoch kaum, denn es gab viel zu sehen. Skurril gekleidetes VIP-Publikum, eine asiatische Version von ZZ Top und vor allem die Vorbereitungen zum eigentlichen Geschehen – dem Wettsport des Puplikums. In für unsereins nicht nachvollziehbarer Weise werden durch diverse Handzeichen in alle Richtungen Wetten entgegen genommen und abgegeben. Einige liefen mit einer Ansammlung von drei Handys herum, die auf einer Platte montiert waren. Was genau damit gemacht wurde, weiß nur Buddha und die Thais… Aber auch wenn sich das System in keinster Weise erschlossen hat und ein Mitwetten damit ausgeschlossen war, ist es in jedem Fall ein höchst interessantes Schauspiel gewesen, das den eigentlichen Kampf beinahe in den Schatten stellte. 

Und nun noch das versprochene Video zum Kampf:

 

Ladyboys in Bangkok
Vom Ring auf die Bühne – ins Cabaret! Mindestens so bekannt wie das Muay Thai Boxen sind für Thailand die “Kathoey”, das “dritte Geschlecht”. Männer in Kleidern, aufwendig geschminkt und mit langen Haaren – so der ein oder andere Thailand-Besucher hat sich wohl auch schon mal täuschen lassen… 

Wer die Täuschung in (überwiegend) gesitteter Distanz auf sich wirken lassen möchte, könnte es mir gleichtun und das “Playhouse Bangkok” besuchen. Zum Ticketpreis von ca. 17 Euro gibt es eine gute Stunde Glamour, Tanz und Show. Von Michael Jackson, über Schwanensee (wobei statt Schwanenkostümchen Schweinsmasken angesagt waren…), zu einem überdrehten aber komischen Imitat einer Whitney Housten und Musical-Highlights wie Aladdin und Moulin Rouge – natürlich alles Playback. Das Bühnenbild ist für eine Show diesen Rahmens sehr aufwendig und liebevoll gemacht und die Kostüme sind eine wahre Pracht.

Das Ensemble – ca. zur Hälfte als Frauen verkleidet – ist zwar größtenteils durch keine Tanzausbildung gegangen, aber darum geht es wohl auch eher am Rande. Die Täuschung ist in ein paar Fällen tatsächlich ziemlich überzeugend – andere haben sich vielleicht ein paar Mal zu viel unters Messer gelegt und ihre Gesichter wirkten irgendwie seltsam deformiert… Insgesamt jedenfalls ein nettes Abendprogramm – nur schade, dass der große Saal mit nicht mal 10 Zuschauern sehr leer war. So kam es, dass auf einen Zuschauer ca. 2 Tänzer kamen – eine zwischenzeitlich etwas gruselige Situation, denn zu “Thriller” kamen die Zombis von der Bühne hinab. Nachdem sich ein Zombi-Kopf von hinten herangeschlichen hatte und sich plötzlich über mich beugte (mein Schrei übertönte wahrscheinlich für einen Moment die Musik…), wurden die Untoten noch recht touchy und vollführten einen etwas grotesken Lapdance, der zu einem leicht panischen Lachanfall führte… 

 

 

Tabledance Bars
Wer mit Cabaret nicht so viel anfangen kann und die Tänzerinnen lieber direkt vor der Nase hat, der wird wohl eines Tages in der Soi Cobwoy landen. Durch eine Aneinanderreihung diverser Umstände fand ich mich eines Abends im Kollegenkreis auf ein Feierabendbier in einer der Tabledance Bars in dieser berüchtigten Straße wieder. Die Situation erschien mir ehrlich gesagt nicht minder grotesk als der Lapdance des Zombis. Die Damen, noch recht sittlich gekleidet, umrundeten ihre Stangen mit einer Motivation, die ihresgleichen sucht. Aber wer will es ihnen verübeln, immerhin schien keiner der Anwesenden sie überhaupt anzusehen… Da fragt man sich ja schon, warum man überhaupt in so eine Bar geht. 

 

 

Ping Pong Shows
Der künstlerische Anspruch sinkt mit jedem Abschnitt und tadaaa, wir sind bei der wohl groteskesten Show angekommen, die man sich in Bangkok antun kann – der Ping Pong Show. “Leider” kann ich euch auch nur Infos vom Hörensagen berichten, denn ich habe mir diese kulturelle Erfahrung gespart. Ein paar meiner Kollegen machten dagegen den für viele obligatorischen Ausflug nach Patpong, einem weiteren Rotlichtviertel Bangkoks. Dort gibt es offenbar eine breite Auswahl an großen und kleinen Austragungsorten für diese Art von Show. Inhalt und Ablauf ist recht simpel und repetierend: Frau “schießt” diverse Gegenstände auf Zielscheibe oder mal mit einem Stift und das alles weder mit Händen, noch Füßen oder dem Mund…

Es sei dazu gesagt, dass diese Shows offenbar am Ende einer langen Karriereleiter im Rotlichtviertel stehen und die Darstellerinnen dementsprechend nicht mehr gerade jung und knackig sind. Dementsprechend sitzt wohl auch niemand im Publikum, der Gefallen an dem findet, was sich ihm bietet. Es scheint vielmehr die groteske Sensationsgier zu sein, die für scharenweise Zuschauer sorgt (vielleicht vergleichbar mit dem Dschungelcamp-Phänomen, ein Absurdum, das sich mir auch bis heute nicht erschließen möchte).

 

 

Wem das alles zu viel Show ist, der folge mir zur Fortsetzung des Streifzugs – durch Bangkok’s Bars und Clubs…

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.