Kambodscha, das Land der Gegensätze
– Ein Fazit –

 
Kambodscha war das dritte und letzte Land unserer Backpacking-Route und uns blieb dort leider nicht mehr so viel Zeit. Insgesamt haben wir zwar immerhin noch knappe 10 Tage in diesem Land verbracht, allerdings waren wir die überwiegende Zeit hiervon auf der Insel Koh Rong Samloem. Die Eindrücke des Landes „beschränken“ sich daher auf Siem Reap und die Tempel Angkors, die Hauptstadt Phnom Penh, die Küstenstadt Sihanoukville und das Paradies Koh Rong Samloem. Auch wenn wir auf dem Weg zur Insel kurz wehmütig wurden, dass wir „typischere“ Ort wie Kampot oder Battambang nicht mehr besucht hatten, stellte ich rückblickend fest, dass ich trotzdem mehr über Land und Leute zu erzählen hatte, als gedacht. Und gerade bei unserer Reiseziel-Auswahl wurde uns klar: Kambodscha ist das Land der Gegensätze.
Von alten Tempeln und Dschungel, über Großstadt mit Palästen und Pagoden bis hin zur paradiesischen Insel war alles dabei. Doch nicht nur beim Sightseeing stößt man auf gegensätzliche Bilder…

Geschichte: Vom stolzen Khmer-Königreich zum „Steinzeitkommunismus“
Jeder kennt ihn – den größten Tempelkomplex der Welt: Angkor Wat. Vor ca. tausend Jahren war dort, wo heute täglich massenweise Touristen durchtrampeln (wobei eigentlich wird man ja eher hindurch-chauffiert), der Mittelpunkt des riesigen Khmer-Reiches, das sich über große Teile Südostasiens erstreckte. Doch nach dem letzten großen König, unter dessen Herrschaft die „Große Stadt“ Angkor Thom entstanden war, wurden die Gebiete des heutigen Kambodschas Stück für Stück von den Nachbarländern Thailand und Vietnam zurückerobert und besiedelt, bis es sich irgendwann selbst unter den Schutz Frankreichs stellte.
Blöd nur, dass bei so einem „Deal“ schnell die Unabhängigkeit flöten geht – im Fall Kambodscha dann auch erstmal für beinahe hundert Jahre. Gerade hatte man sich (ausgerechnet durch die Verbündung mit Vietnam) von Frankreich losgesagt und unter Sihanouk eine Regierung aufgebaut, wurde diese bereits wieder im Zuge des Vietnam-Kriegs gestürzt und der federführende General Lon Nol rief als Präsident die „Republik Khmer“ aus. Dieses Ereignis zog drei Jahre Guerillakämpfe nach sich und endete letztendlich in der Machtergreifung der Roten Khmer.
Während im Rest der Welt Apple und Microsoft gegründet wurden und die ersten VW Golfs auf den Markt gingen, wurde Kambodscha unter Pol Pot zu einer Rückwärts-Entwicklung zur kommunistischen Agrarwirtschaft gezwungen. Die „Bourgeoisie“ sollte abgeschafft werden und so wurden Intellektuelle (die Definition war damals etwas „großzügiger“: es reichte womöglich schon, wenn man lesen konnte oder Brillenträger war) in Vernichtungslagern gefoltert und ermordet, ebenso die gesamte Familie – denn man durfte ja niemanden zurücklassen, der sich womöglich rächen würde. Religionsausübung war verboten und sämtliche Menschen wurden aus den Städten deportiert und auf die Felder gezwungen, wo sie arbeiten mussten, bis sie an Erschöpfung starben und damit den „Killing Fields“ ihren Namen gaben.
Letztendlich war es erneut Vietnam, das Kambodscha „half“ – auch wenn das Land dadurch nur wieder einmal seine Unabhängigkeit einbüßte. Erst zur Jahrtausendwende schaffte es Kambodscha mit Hilfe der UN, sich von politischer Abhängigkeit und den Roten Khmer zu befreien und erstmalig Wahlen durchzuführen.

 
Geld
Die Tage in Kambodscha haben unsere Reisekasse tatsächlich am meisten beansprucht. Essen war dort wesentlich teurer als zuvor in Vietnam oder Myanmar und vor allem die Eintrittspreise waren sehr hoch.
Gleichzeitig ist Kambodscha aber das ärmste Land Südostasiens – sogar noch ärmer als Myanmar.
In den Touristen-Hochburgen Siem Reap und Sihanoukville kann man der Armut vielleicht mit Scheuklappen aus dem Weg gehen, doch vor allem in der Hauptstadt Phnom Penh begegnet man ihr – ob man will oder nicht.
Rund um den Nachtmarkt campieren zahlreiche Familien auf dünnen Matten und es wird sehr viel mehr gebettelt. Besonders krass und unangenehm war für uns eine Situation im Tuk Tuk, während wir darauf warteten, dass die Ampel grün wurde. Unser Fahrer drehte sich herum und wollte uns unbedingt eine weitere Tour andrehen. Während er beinahe darum bettelte und uns erklärte, er müsse doch irgendwie seine Familie ernähren, kam ein kleiner Junge angelaufen und setzte sich auf die Kante des Tuk Tuks. Ohne etwas zu sagen sah er uns nur stumm an, hielt seine Hände auf und verharrte eine gefühlte Ewigkeit. Als sich dann auch noch von der anderen Seite ein Kind näherte wurde die Ampel zum Glück wieder grün.
Übrigens: Was das Geld angeht, so hat sich Kambodscha nach Frankreich und Vietnam in die nächste „Abhängigkeit“ begeben, denn die eigene Währung wird quasi nicht mehr genutzt. Stattdessen sind sämtliche Preisangaben, ob im Restaurant, Hotel oder Straßenstand in Dollar. Wir, die in „alter Gewohnheit“ am Flughafen erstmal einen Batzen der neuen Währung abgehoben hatten (die sehr an Monopoly-Geld erinnert…), mussten teilweise richtig verhandeln um die unbeliebten Riel loszuwerden…

 
Kommunikation
Am erstaunlichsten ist allerdings, dass die Menschen, die wir in Kambodscha trafen, wesentlich fitter in der englischen Sprache waren, als die in Vietnam oder Myanmar. In Vietnam haben wir zwar einige Angehörige der Tourismusbranche kennengelernt, die wirklich sehr gutes Englisch sprachen, dafür verstand aber der überwiegende Teil kaum bis gar kein Englisch.

Die wohl skurrilste – beinahe slapstickartige – Situation zum Thema Verständigungsproblemen hatten wir übrigens nicht etwa auf dem Land, sondern mitten in Hanoi, als wir unsere Rechnung in einem Café bezahlen wollten. Die arme Kellnerin verstand uns leider überhaupt nicht und offenbar verunsicherte sie diese Situation dermaßen, dass sie auch komplett auf dem Schlauch stand und unsere wilden Gesikulationen (wir zeigten auf unseren Kassenbeleg, der bereits in einem kleinen Regal unter unserer Tischnummer auf Bezahlung wartete) nicht verstand. Wie bei einem komplizierten „Activity“-Begriff versuchten wir mit Händen und Füßen (ich war wirklich schon drauf und dran über den Tresen zu hopsen) unser Anliegen zu erklären, bis ihr irgendwann, nachdem die imaginäre Sanduhr gefühlt 5 Mal abgelaufen war, ein Licht aufging.
Auf die Idee, es einfach mal in Google-Translator einzugeben, kamen wir in diesem Moment übrigens nicht, aber dann wäre uns auch diese wirklich witzige Situation durch die Lappen gegangen.
Doch gerade in Kambodscha – einem Land, in dem man vor vierzig Jahren für diese Fähigkeit noch getötet wurde – überraschten uns vor allem die Taxi- und Tuk Tuk Fahrer mit sehr gutem Englisch.
Dieses Phänomen spiegelt allerdings nicht das Bildungsniveau Kambodschas wieder, denn es ist nach Laos in Südostasien das Land mit der höchsten Analphabetenrate. Wahrscheinlich ist die Tourismusbranche dort aber oft die beste Möglichkeit Geld zu verdienen, so dass der Stellenwert der englischen Sprache wohl wesentlich höher ist, als der Fähigkeit Lesen und Schreiben zu können…

 

Sextourismus
Die Fähigkeit Englisch zu sprechen, ist dabei leider nicht das einzige um das es dort geht.

Prostitution ist in Kambodscha zwar gesetzlich verboten – doch wie das nunmal mit gesetzlichen Verboten so ist, bedeutet das nur, dass es eben „unter der Hand“ geschieht. Wer jetzt glaubt, dass diese Gewerbe irgendwo versteckt vor sich gehen, liegt leider völlig falsch. In Phnom Penh stolperten wir zufällig mitten in ein Rotlichviertel hinein und auch auf dem Nachtmarkt in Siem Reap wird mit Sicherheit nicht nur Fisch- und Fußmassage angeboten.

Doch einmal abgesehen vom klassischen Sexgewerbe lebt in Sihanoukville das echte Klischee des Europäers, der seinen Lebensabend am asiatischen Strand in netter Begleitung verbringt. Vor allem in Sihanoukville war das die mit Abstand am häufigsten angetroffene Kombination auf den Straßen und in Restaurants. Bei diesem „Deal“ geht es zwar wohl um mehr als nur Körperliches, dennoch ist es irgendwie befremdlich, dem so offenkundig und in dieser Häufigkeit zu begegnen. Die Altersunterschiede liegen da mitunter schon bei einigen Jahrzehnten… Aber so lange beide Parteien was davon haben und beide erwachsen sind, kann man wohl kaum etwas dagegen sagen.
Dass es aber dennoch katastrophal viel Kinder-Prostitution in Kambodscha gibt ist bekannt, doch ist das wohl wirklich eine Sache, der man nicht auf offener Straße begegnet. Allerdings begegnet man durchaus Warnungen, (uns begegnete sie bei Ankunft in Sihanoukville an einem Mann in Form einer Warnweste) die auf das Problem aufmerksam machen sollen.
Gerade deshalb sprang uns an unserem letzten Abend in Kambodscha, in einem englisch geführten Restaurant in Sihanoukville, eine ungewöhnliche Konstellation ins Auge. Ein paar Tische weiter saßen zwei ältere Herren (schätzungsweise aus Europa) gemeinsam mit einem knapp 10 Jahre alten kambodschanischen Kind. In Deutschland wäre mir die Situation womöglich gar nicht seltsam vorgekommen – doch dort in Sihanoukville, wo der Sextourismus ganz besonders offensichtlich ist, drängte sie sich geradezu auf. Nach einem kurzen Hin und Her konnten wir es dann doch nicht ignorieren und fragten den Restaurantbetreiber danach. Dieser kannte den einen Herrn tatsächlich und erzählte uns, dass es sich bei dem Mädchen um dessen Stieftochter handelte – und tatsächlich wirkten die beiden (der andere Herr verschwand getrennt) beim Gehen auch familiär vertraut…
Letztendlich ja eine logische Folge des beschriebenen Klischees, doch lieber einmal zuviel gefragt.

 

Fazit:
Doch all die Beobachtungen und kritischen Themen sollen nicht in den Schatten stellen, wie gut es uns in Kambodscha gefallen hat. Wir sind sehr vielen netten Menschen begegnet und Phnom Penh hat uns als Stadt wirklich gut gefallen. Rückblickend hätten wir vielleicht ein bisschen unserer Vietnam-Zeit für Kambodscha sparen sollen um auch noch weniger touristische Orte wie Battambang oder Kampot besuchen zu können. Aber dann machen wir das eben nächstes Mal!

 

Koh Rong Samloem 
– paradiesischer Strand in Kambodscha –

Nach etwa viereinhalb Wochen Speed-Travelling durch Myanmar, Vietnam und Kambodscha, mit ganz vielen Eindrücken und Erlebnissen, war die Festplatte (nicht nur des Laptops) randvoll und wir waren reif für die Insel! Aber welche sollte es nun sein? Wir hatten unsere Route so geplant, dass wir am Ende an die Küste Kambodschas, nach Sihanoukville fahren würden um von dort aus zu einer der Inseln überzusetzen. Zur Auswahl standen für uns Koh Ta Kiev, Koh Rong und die kleine Schwester Koh Rong Samloem. Wir wollten Ruhe, brauchten keine Beachparties und entschieden uns für das kleine Eiland Samloem. Nun musste nur noch das Wetter mitspielen…
Bereits zwei Wochen vorher begannen wir täglich den Wetterbericht zu verfolgen und waren irgendwann schon drauf und dran den Inselaufenthalt doch noch zu canceln, denn Google versprach Regen und Gewitter non-stop. Doch dann, einen Tag vorher (wir waren mittlerweile bei fast stündlichen Google-Vorhersagen) wurde uns Petrus dann doch mal wieder gnädig und die Regenwahrscheinlich sank auf ein vertretbares Minimum. Also los!

Von Phnom Penh nach Sihanoukville
Zu spät (einen Tag vorher) hatten wir uns um einen Bus von Phnom Penh nach Sihanoukville bemüht und so war der empfohlene Bus von Giant Ibis morgens schon ausgebucht. Ich wollten aber ohnehin noch gerne die Apsara-Tanzschule besuchen (wie gut das geklappt hat, erfährst du hier…) und so fuhren wir erst um die Mittagszeit Richtung Sihanoukville.
Auf dem Weg stellte ich unsere Entscheidung dann doch nochmal in Frage, denn während wir durch die wunderschöne Natur fuhren, wurde mir bewusst, dass wir Kambodscha nicht so richtig kennengelernt hatten. In Sieam Reap haben wir nur die Touristenattraktion Angkor gesehen und Phnom Penh, als einzige große Stadt, spiegelt wohl kaum „Land und Leute“ wider. Vielleicht hätten wir doch noch einen Besuch in Kampot einschieben sollen, denn darüber hatten wir wirklich schönes gehört. Aber nach so vielen Orten in der recht kurzen Zeit, hätten wir es wohl nicht mehr richtig aufnehmen können…

Sihanoukville
Stattdessen erreichten wir am frühen Abend eine weitere Touristen-Hochburg: Sihanoukville. Wir hatten uns eine einfache Unterkunft fußläufig zum Pier gesucht, da wir direkt am nächsten Morgen zur Insel aufbrechen wollten. Während die Sonne über dem Meer unterging, informierten wir uns am Pier über die verschiedenen Fähren. Unsere Internet-Recherche bestätigte sich: viel Auswahl gab es nicht und fast alle Boote fuhren nur zum Hauptstrand im Osten und zur nördlichen Bucht von Koh Rong Samloem. Wir hatten uns allerdings (auch wegen der nur noch begrenzten Auswahl aufgrund recht später Unterkunfts-Suche) für den Strand auf der Westseite entschieden. Da es auf der Insel keine Straßen gibt, ist diese Seit nur per Boot oder zu Fuß erreichbar. Im Internet fanden wir eine einzige Fähre, die auch diesen Strand anfuhr – allerdings nur einmal täglich am Nachmittag. Wir wollten aber direkt morgens los und so versuchten wir unser Glück bei einem Ticketshop, bei dem wir von einem älteren Herrn angesprochen wurden. Dieser war nicht etwa der Verkäufer, sondern ein Rentner aus der Schweiz, der sich offenbar in einer wie auch immer gearteten Beziehung mit der kambodschanischen Ticketverkäuferin befand. Er schwärmte uns vor „sie könne uns alles besorgen“ und tatsächlich schien es für die Dame kein Problem zu sein, uns Tickets für eine Fähre um acht Uhr morgens zu organisieren, die uns auch zu unserem Strand bringen würde…

 

 

Ein Abend in Sihanoukville
Am Abend entdeckten wir einen kleinen Falafel-Laden, mit super leckerem Essen und nettem Service, den ich absolut empfehlen kann.
Danach schlenderten wir den Ochheuteal Beach entlang um uns einen schönen Cocktail am Meer zu gönnen. Auf dem Weg wurden wir alle paar Meter sehr vehement von den Kellnern angesprochen (teilweise gingen sie neben uns her, bis wir den nächsten erreichen… ich weiß nicht, wem es noch so geht, aber mir drängte sich da sehr der Vergleich mit der Hamburger Reeperbahn auf…). Irgendwann ließen wir uns dann aber doch auf einem der (wirklich gemütlichen) Bambussofas mit dicken Polstern nieder und bestellten eine Runde Cocktails, die zwar unglaublich günstig aber auch unfassbar ungenießbar waren. Doch bei unserer Vorfreude auf die Insel, dem Meerrauschen und die gelegentlich am Himmel explodierenden Feuerwerkskörper, die am Strand verkauft wurden, konnte uns nichts die Laune verderben.
Nach nur halb ausgetrunkenen Gläsern wechselten wir dennoch auf den Serendipity Beach, der im Lonely Planet hoch gelobt wurde. Der kleine Abschnitt ist tatsächlich angenehmer als der Occheuteal Strand und wir setzten uns in die letzte Strandbar ganz am Ende. Dort ist zwar kein Sand mehr, die Atmosphäre mit den großen Steinen und vielen Pflanzen aber sehr viel idyllischer.

Auch bei unserer Rückkehr von der Insel hatten wir nochmal einen Abend Aufenthalt in Sihanoukville. Zum Abschluss unserer Reise und als Geburtstagsfeier für meinen liebsten Reisebegleiter gönnten wir uns ein (für asiatische Verhältnisse) sündhaft teures Steak am Serendipity Beach. Leider war es recht zäh und in Kombination mit denkbar schlechtem Service sein Geld nicht wert. Wären wir doch lieber bei der lokalen Küche geblieben – die war auf unserer gesamten Reise nämlich nicht nur viel günstiger sondern auch richtig lecker!

 

 

Von Sihanoukville nach Koh Rong Samloem
Am nächsten Morgen frühstückten wir noch fix am Serendipity Beach und los ging’s zum Steg. Typisch Deutsch waren wir eine halbe Stunde (so wie uns gesagt wurde…) am Steg und warteten dann knapp 40 Minuten bis unser Boot kam (wobei wir den Steg dreimal hin und her geschickt wurden, da jeder Mitarbeiter eine andere Meinung hinsichtlich des Abfahrtsortes hatte…). Beim Einsteigen wurde dann klar: die Dame des Ticketshops hat bestimmt viele Fähigkeiten, aber die erhoffte Fährverbindung konnte sie dann doch nicht herbeizaubern. Natürlich war es nun doch das gewöhnliche Boot, das nur den Hauptstrand anfahren würde – das andere gibt es (das kann ich nun zu hundert Prozent sagen) wirklich nur einmal am Nachmittag.
Na gut, hilft ja nix, wir sind ja „Backpacker“ – dann können wir die Rucksäcke nun auch endlich mal sinnvoll nutzen und laufen eben zu unserer Bucht.
Die Fahrt mit dem Speedboot ging fix und nach einem schönen Sprint über das Meer legten wir am Hauptstrand von Koh Rong Samloem an. Der strahlend blaue Himmel wetteiferte mit dem helltürkisfarbenen Wasser, während sich der helle feine Sand und der saftig grüne Dschungel davor abzeichneten wie auf einem Postkartenmotiv. Ich war begeistert!

 

 

Durch den Dschungel –  das Inselinnere von Koh Rong Samloem
Voll beladen mit großem Rucksack hinten, kleinen Rucksack vorn, Kamera an der Seite marschierten wir den langen schmalen Steg entlang und – Platsch – fiel die volle Wasserflasche hinab ins Meer. Na gut – wir hatten ja noch einen kleinen Rest. Muss der eben reichen bis zur Unterkunft. Am Hauptstrand von Koh Rong Samloem wiesen uns zwei Kambodschaner den Weg (allein die Tatsache, dass uns niemand anbot, für viel Geld auf die andere Seite zu bringen, bestätigte für uns nochmal: wir müssen mitten durch. Irgendwo am Ende des Strands entdeckten wir einen kleinen Holzpfeil mit der Aufschrift „Robinson Bungalows“. Da wollten wir hin. Der Pfad begann schon recht abenteuerlich und ohne das Schild, wäre ich überzeugt gewesen, dass es dort nicht langgehen könnte… Als wir wenig später auf eine Tafel trafen, die vor Schlangen warnte, wechselten wir dann doch noch von FlipFlops zu Turnschuhen und gönnten uns nochmal eine ordentliche Ladung Mückenspray.

Die nächste halbe Stunde quälten wir uns bei schwüler Hitze einen kaum vorhandenen Pfad steil hinauf. Der Schweiß rann uns in Strömen hinab und der vordere Rucksack war schon bald pitschnass. Das Wasser war natürlich viel zu wenig und irgendwann versagten die Muskeln nahezu. An Hinsetzen und Ausruhen war aufgrund der Schlangenwarnung nicht zu denken. Irgendwann ging es dann endlich wieder bergab – doch war das auch nicht weniger anstrengend. Der sandige steile Boden war rutschiger als gedacht und nur ein locker gespanntes Seil verhinderte, dass man die Felsen hinab purzelte. Doch irgendwann, als ich schon beinah sicher war, dass wir uns verlaufen hatten, sah ich die erste Holzhütte. Erleichterung pur!

 

 

 

Ankunft im Paradies – Robinson Bungalows auf Koh Rong Samloem
Wir standen auf einer großen Holzveranda inmitten der dichten Dschungelpflanzen, die so am Hang gebaut ist, dass man sich dort wie in einem Baumhaus fühlt. Dort stehen ein paar kleine Bambustische mit Stühlen und zwischen den Holzpfeilern baumeln Hängematten. An der Balustrade liegen dicke Matten mit Dreiecks-Kissen um kleine Holztischchen und man hat einen wunderschönen Blick auf das kristallklare Meer. Vom Baumhaus führt eine kleine, mit Muscheln verzierte Treppe hinab zum Wasser, vorbei an kleinen einzelnen Sitzecken. Unten angelangt befindet sich die schönste der Sitzecken: ein paar gemütliche Bambussessel und –sofas mit dicken blauen Polstern, von denen man wunderschön auf das Wasser schaut. An dieser Stelle ist zwar kein Sand sondern Steine, doch der Strand beginnt drei Meter weiter und verschlug mir die Sprache. Heller, feiner Sand, glasklares türkisfarbenes Wasser, keine Bebauung – sondern Dschungel, soweit das Auge reicht. Zwischen einigen Bäumen sind Hängematten gespannt und die malerisch verfallenen Reste eines Holzsteges trennen den Strandabschnitt unseres Camps von den restlichen drei kleinen Camps. Wir waren im Paradies angekommen – und das gefühlt allein, denn nur eine Hand voll andere Menschen verteilen sich über den Strand. Wahnsinn!

 

 

 

 

Fünf Tage Entspannung auf Koh Rong Samloem
Der schweizer Inhaber der „Robinson-Bungalows“ empfing uns mit eiskalter Limo und wir trockneten so langsam im Schatten des Baumhauses. Vom Baumhaus führte er uns einen kleinen Trampelpfad durch den Wald zu unserem Bungalow, ein kleines Holzhäuschen mitten im Wald. Es sieht ganz gemütlich aus und ein Mückennetz hängt auch darin – doch so ganz ohne Fenster ist es auch etwas düster (ich fragte mich, ob es womöglich sogar besser ist, wenn man die Krabbelviecher gar nicht sieht, die da so durch die vielen Schlitze in Wand und Boden kommen…). Auf dem Weg zurück zum Baumhaus kamen wir an einem großen weißen Zelt vorbei , das einzeln inzwischen der Pflanzen, aber direkt am Strand stand – mit Blick aufs Meer! Ich lugte hinein und verliebte mich sofort: durch den hellen Stoff und die kleinen Öffnungen fiel viel Licht hinein. Auf dem Boden lag eine dicke Matratze und am Zeltdach hingen kleine bunte Stoffwimpel. Viiiiiel schöner als das düstere Bungalow! Wir hatten Glück: wir durften wechseln und das zum gleichen Preis! 

 
Die folgenden fünf Tage auf Koh Rong Samloem sind schnell zusammengefasst, waren aber der Himmel auf Erden:

 

Barfuß über Waldboden, Steine, Holz und Sand – fünf Tag ohne Schuhe

Im Schneidersitz im Baumhaus – leckeres Essen schmausend oder Blog schreibend

In der Hängematte baumelnd – ein hervorragendes Buch lesend, das total zerfleddert (das muss ja gut sein!) in einem kleinen Bücherregal im Baumhaus stand [„Die Zeit, die Zeit“ – absolut empfehlenswert!]

Im gemütlichen Sessel am Wasser – Bier-trinkend traumhafte Sonnenuntergänge beobachtend

Im kristallklaren Wasser – herumtobend und schnorchelnd

Im hellen Sand – unter strahlender Sonne und blinkenden Sternen

Im Zelt – zum Geräusch des Meeres, des nächtlichen Regens (aber immer nur Nachts!) einschlafen und aufwachen

 

 

Auch wenn die Insel kein berühmtes Tauchgebiet ist, so war das Schnorcheln auf Koh Rong Samloem für mich ein echtes Erlebnis! Direkt an unserem Strand – jeweils am Ende der Bucht – offenbarte sich unter der Wasseroberfläche eine andere Welt! Zahlreiche Fische in jeder Farbe und Größe, bunte Steine und andere Unterwasserlebewesen. Komm mit und sieh es dir an:

Wir verließen unser Camp nicht ein einziges Mal – warum auch? Wir hatten dort ja alles was wir brauchten. Wir vermissten weder das Internet, noch unseren Handyempfang. Den Laptop konnte man zum Laden im Baumhaus abgeben. Es gibt sogar richtige Toiletten in kleinen gefliesten Hütten, in denen auch jeweils eine kleine Dusche ist. Spiegel gibt es nirgendwo, stattdessen steht über den Waschbecken bunt bemalte Holzschilder mit der Aufschrift „You are beautiful“.

 
Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so tiefen-entspannt war, wie auf dieser Insel….
Es war der perfekte Abschluss einer großartigen Reise!

 

Phnom Penh
– verschlossene Türen und historische Einblicke  –

Gegen vier Uhr morgens erreichten wir Kambodschas Hauptstadt und mussten den armen Nachtportier aus dem Bett klingeln, der uns mit dick verquollenen Augen aufs Zimmer ließ. Einige Stunden Schlaf und ein leckeres Frühstück auf der schönen Terrasse später, machten wir uns auf den Weg unserer Sightseeingrunde.

Königspalast und Silberpagode
Den ersten Stopp legten wir am Königspalast ein, denn dieser hat über die Mittagszeit einige Stunden geschlossen. Uns erwarteten ein kleiner, hübsch angelegter Park und viele einzelne Gebäude mit schnörkeligen Dächern und Goldverzierungen. Das Innere der einzelnen Bauten war der Öffentlichkeit in den überwiegenden Fällen nicht zugänglich und so schlenderten wir die Wege entlang zur angrenzenden Silberpagode.

Das Areal der Silberpagode fügt sich perfekt in das Bild des Königstempels ein, denn auch der Haupttempel ist mit den typischen goldenen Dachverzierungen ausgeschmückt. Um ihn herum stehen kleine silberne Stupas und eine Miniaturdarstellung von Angkor Wat. In der Mitte des Pagodengartens gibt es einen winzigen Hügel, der mit seinen dichten Pflanzen und kleinen Wasserbrunnen ein schöner Ort zum Abkühlen und Ausruhen ist.

 

 

Wat Ounalom
Durch den hübschen Royal Palace Park am Flussufer des Tonle Sap Flusses spazierten wir zum Wat Ounalom. Der Tempel ist laut Internetrecherche der wichtigste religiöse Ort und einer der wenigen erhaltenen urpsünglichen Kloster von Phnom Penh. Wenn es um die Öffnungszeiten geht, so war die Recherche leider weniger ergiebig, denn als wir den Tempel um die Mittagszeit erreichten, war dieser geschlossen… Vielleicht war dies aber auch zum Anlass des bald bevorstehenden Khmer Neujahrs, denn der gesamte Tempel war mit kleinen Fähnchen geschmückt.
Wir konnten aber immerhin auf einen turmartigen goldenen Stupa steigen, der neben dem Haupttempel steht. Von oben hat man einen netten Blick auf das Flussufer und die Wohnhäuser rund um den Tempel.

 

 

Foltermuseum „Tuol-Sleng“
Ein Tuk Tuk brachte uns vom Tempel zum Tuol-Sleng-Museum, das ehemalige Gefängnis der Roten Khmer. Einst diente das Gebäude mit dem hübschen Innenhof und Frangipani-Bäumen als Gymnasium, bis zum Jahr 1975, als es unter der Pol Pot Führung zum Gefängnis der „Verräter“ umfunktioniert wurde. In den vier Jahren bis zur Entdeckung durch die vietnamesischen Streitkräfte waren dort 14.000 bis 20.000 Menschen inhaftiert. Es gab 14 Überlebende.
Das Museum zeigt die Zellen – teilweise noch im ursprünglichen Zustand – sowie Fotografien der Inhaftierten, der Machthaber und ihrer Foltermethoden. Der deutschsprachige Audioguide führte uns durch die Gedächtnisstätte, erklärte die historischen Hintergründe und erzählte von besonderen Einzelschicksalen. Normalerweise bin ich ehrlich gesagt kein Fan solcher Audioguides, doch in diesem Fall ist es ein absolutes Muss, denn die Fotografien und das Gebäude wirken nicht von selbst. Doch mit der wirklich guten Audio-Führung erfährt man nicht nur sehr viel, sondern es geht auch wahnsinnig unter die Haut. Ich für meinen Teil, brauchte nach den knapp 2 Stunden erstmal eine Weile um die Eindrücke zu verarbeiten.

 

 

Wat Moha Montrey
Durch die aufgeheizten Straßen liefen wir zum Wat Moha Montrey, einem noch sehr jungen Tempel, der angeblich (so sagt das Internet) durch die vielen Mönche und Studenten einer der belebtesten Phnom Penhs ist. Wir schienen wirklich Pech zu haben, denn auch hier standen wir wieder Mal vor verschlossenen Türen und weit und breit war niemand zu sehen.
Doch auch von außen ist der Tempel mit seiner bronzefarbenen und reich verzierten Fassade sehr eindrucksvoll. Um das riesige würfelförmige Gebäude stehen zahlreiche Stupas – doch keiner passt zum anderen. Die Stupas sind alle so verschieden, als hätte man sie aus dem ganzen Land entführt und dann dort dicht gedrängt nebeneinander aufgestellt – wie ein großes Lager für Tempelbedarf.

 

 

Independence Monument
Mit vor Hitze angeschwollenen Füßen schlurften wir die Straße entlang, auf der Suche nach einem freien Taxi. Irgendwann hatten wir endlich Glück und ließen uns im fahrenden Kühlschrank zum Independence Monument bringen. Die Form des turmartigen Gebildes aus rotbraunen Steinen erinnert an die Türme von Angkor Wat und steht inmitten eines großes Kreisverkehrs. Durch das Tor hindurch laufen kann man nicht, denn das gesamte Monument inklusive der kleinen Springbrunnenanlage mit LEDs ringsherum ist abgesperrt (so langsam gewöhnten wir uns an dieses Phänomen Phnom Penhs…). Doch in diesem Fall war es nicht weiter schlimm und wir spazierten eben drum herum. An das Monument schließt ein langer Grünstreifen an, auf dem eine Statue des ehemaligen Staatsoberhauptes Norodom Sihanouk steht, der 1953 Kambodscha zur Unabhängigkeit von Frankreich verhalf.

 

 

Cambodia-Vietnam Friendship Monument
Das Unabhängigkeits-Denkmal grenzt geographisch direkt an das nächste historische Denkmal Phnom Penhs an, dem Cambodia-Vietnam Friendship Monument. Es erinnert an den Einmarsch vietnamesischer Truppen in Kambodscha im Jahr 1979, wodurch die Schreckensherrschaft der Roten Khmer beendet wurde.

 

 

 
Wat Botum
Am Ende des Kambodscha-Vietnam-Denkmals befindet sich ein kleiner Park mit einem hübschen Teich, der zum angrenzenden Tempel, dem Wat Botum, gehört. Die Anlage sah von außen sehr vielversprechend aus, denn hinter der Mauer lugten schon viele Stupas hervor. Der rote Faden unserer Sightseeing-Tour blieb jedoch bestehen und so war – na ratet mal – der Tempel auch hier geschlossen. Aber immerhin gelangten wir noch durch ein Seitentor zu einem Gebäude, das offenbar so halb zu dem Areal dazugehörte. Die Tür stand offen und wir schlichen uns hinein (die wenigen Mönche, die dort entlang spazierten, schien das auch nicht weiter zu stören).
Im Inneren des Gebäudes empfing uns eine recht düstere, ausgestorbene Halle, deren Decke großflächig bemalt war und sich im Marmorboden spiegelte. An einem Ende lag ein goldener Buddha vor einer Art Dschungelmotiv im Hintergrund. Ein älterer Herr, der kein Wort Englisch sprach, kam plötzlich auf uns zu und zog uns vor zum „Altar“. Bevor wir wussten, wie uns geschah, drückte er uns jeweils ein Räucherstäbchen in die Hand, nahm sich selbst eines und begann zu beten. Dabei hielt er das Räucherstäbchen zwischen seinen, flach aneinander gedrückte Handflächen und wippte leicht vor und zurück. Er animierte uns dazu, es ihm gleich zu tun – und so standen wir zu dritt nebeneinander und beteten zu Buddha (wobei ich nicht garantieren kann, dass er nicht einfach nur einen Schwank aus seinem Leben erzählte…). Wir steckten die Räucherstäbchen zu den restlichen in die kleine, mit Sand befüllte Vase und unser „Zeremonie-Guide“ nahm zwei rote geflochtene Wollbändchen und beschmierte mit einer Paste. Dabei murmelte weiter ein Gebet vor sich hin und legte uns die Bändchen dann nacheinander um. Nach dieser Zeremonie entfernte er sich leise (wies allerdings noch dezent auf den Spendenteller hin) und schaltete nun auch noch das Licht an, damit wir den Buddha in seiner goldenen Pracht bestaunen konnten.

 

 

Night Market
Nach diesem spontanen und (zumindest gefühlt) untouristischen Erlebnis stand für abends der Nachtmarkt auf dem Programm. Nach unseren Erlebnissen in Siem Reap erwarteten wir nun Touristenmassen und die üblichen Souvenir-Stände. Doch am Markt angekommen (nachdem wir an zahlreichen Camps obdachloser Familien vorbeigelaufen waren… die Armut begegnet einem in Phnom Penh ganz besonders krass) stellten wir freudig fest, dass Phnom Penh offenbar wirklich noch recht untouristisch geblieben ist. Der Nachtmarkt wird überwiegend von Einheimischen besucht. An den Ständen werden normale Alltagsklamotten und –gegenstände verkauft und am westlichen Ende gibt es einen kleinen Streetfood-Bereich, mit leckeren Spießen. Die Stände stehen im Kreis und die Fläche in ihrer Mitte ist mit großen Matten ausgelegt, auf denen sich Familien und kleine Gruppen jeglichen Alters niederlassen und das leckere Essen verputzen. Wir gesellten uns dazu und die Verkäuferin der Spieße strahlte uns an, als würden gerade zwei Hollywood-Stars bei ihr Essen bestellen.

 

 

 
Am Flussufer
Ausgestattet mit Dosenbier setzten wir uns ans Flussufer (wobei wir von der Kai-Mauer schnell zu einer Parkbank wechselten, nachdem wir einen spontanen Besuch einer fetten Ratte bekommen hatten). Die breite Uferpromenade ist bereits ganz hübsch angelegt, bietet aber noch viel Potential für einen lauschigen Treffpunkt, ähnlich des Seeufers in Hanoi. Wir sind gespannt, wie es dort in zehn bis zwanzig Jahren aussieht!
Auch der “Foreign Correspondents Club” ist dort und wir gönnten uns auf der Dachterrasse eine (teure) aber leckere Pizza und genossen vor allem den schönen Blick.

 

 

Apsara-Tanz
Ein Geheimtipp, den ich mir mit einer großen Glühbirne notiert hatte, sollte ein Besuch der Schule der schönen Künste sein. Jeden Morgen soll man (gegen eine Spende) beim Unterricht der Apsara-Tänzerinnen zusehen können. Das wollte ich unbedingt sehen! In der Reiseführerkarte war die Schule im Norden der Stadt, unweit eines großen Sees markiert. Als ich vergeblichst versuchte, diesen Punkt in Googlemaps zu finden, musste ich irgendwann feststellen, dass es diesen See einfach nicht mehr gab. Offenbar wurde er vor einigen Jahren zugeschüttet! (Nachteil an gebrauchten, älteren Reiseführern…) Nach viel Recherche und Befragen des Rezeptionisten unseres Hotels, war der einzige Ansatz die “Schule der schönen Künste” in der Nähe des Königspalastes. Also stiefelten wir am frühen Morgen dorthin, fanden nach etwas Sucherei auch irgendwann den Eingang und erfuhren dann von einem Studenten vor Ort, dass wegen des Khmer Neujahrs Ferien seien und der Unterricht erst wieder in einer Woche stattfinden würde. Der rote Faden unseres Besuchs… Also gab es für uns nur zwei Tänzerinnen aus Stein zu fotografieren, aber immerhin die Gewissheit, dass wir wenigstens den Ort gefunden hatten – alles andere war nun einfach Pech.

 

 

 

Wat Phnom
Der letzte Stopp unseres Phnom Penh Besuchs führte uns einen kleinen „Berg“ (genau genommen ist es ein ca. 30 Meter hoher Hügel) hinauf zum Wat Phom. Bereits am Abend waren wir an dem hübsch beleuchteten Tempel vorbeispaziert, der wie eine kleine, von Pflanzen überwucherte Oase, mitten im Verkehrschaos Phnom Penhs steht (es gibt dort sogar Affen!)
Der Tempel ist der älteste (und angeblich schönste) Tempel der Stadt. Er wurde der Legende nach von „Frau Penh“ errichtet und ist dadurch Namensgeber der Hauptstadt Kambodschas: Phnom Penh, der „Hügel von Penh“. Und endlich hatten wir dann doch nochmal Glück und standen nicht vor verschlossenen Türen! Stattdessen fanden wir ein großflächig, in dunklen Farben bemaltes Inneres vor, in dem gerade eine Zeremonie mit Musikern stattfand.

 

 

 

Weiterreise nach Sihanoukville
Nach diesem schönen Abschluss und einer erneuten last Minute Ankunft an der Busstation (ich weiß auch nicht warum uns das immer wieder passiert… als würde uns ohne Adrenalin langweilig werden) machten wir uns auf den Weg in Kambodschas Süden zur letzten Etappe unserer fünfwöchigen Rucksackreise: ab auf die Insel!

 

Angkor
– Tempel, Dschungel und Siem Reap – 

Ankunft in Siem Reap
Nach einem kurzen Flug von Saigon landeten wir am Abend auf kambodschanischen Boden. Der Blick hinaus aus dem Fenster brachte mich zum Schmunzeln. Wie ein Auto hatten wir einfach so vor einer kleinen Reihe Holzhäuser „geparkt“.


Wir stiegen die Treppen des Flugzeugs hinab und traten in den „International Airport“ ein – eine mehr oder weniger verlassene, kleine aber sehr hübsche Halle – und reihten uns in die lange Schlange der Immigration ein. Zum Glück hatten wir unsere Visa schon an der Botschaft in Berlin per Post beantragt, denn die Reihe vor dem Visa-Schalter war seeeehr lang. Unsere Rucksäcke erwarteten uns bereits am Gepäckband, ebenso unser Tuk-Tuk-Fahrer, der uns gratis vom Hotel geschickt wurde. Die Tuk Tuks sind hier ganz anders als die von uns in Myanmar liebgewonnenen Fahrzeuge. Während sie dort eher einem Mini-Traktor glichen, auf deren Ladefläche zwei schmale Holzbänke montiert sind, ähnelt die kambodschanische Variante vielmehr einer kleinen Kutsche mit gepolsterter Sitzbank, wobei der Wagen mit einer Art Anhängerkupplung am Motorrad befestigt wird. Bequemer ist das ja schon… Doch die Traktor-Variante hatte irgendwie mehr Flair.

Unser Fahrer versuchte uns dann noch recht vehement für den nächsten Tag als Kundschaft zu gewinnen und bei ihm eine Rundfahrt für die Tempel zu buchen. Wir hatten zwar schon vor per Tuk Tuk durch Angkor zu düsen, hatten uns aber Uhrzeit und Route noch nicht genau überlegt. Unabhängig davon empfanden wir sein beinahe bettelndes und nachdrückliches Fragen als sehr aufdringlich und verspürten daher nicht so viel Lust auf seine Gesellschaft für den folgenden Tag. In unserem Hotel empfing uns ein kleiner Pool, laut quakende Frösche und ein riesiges Zimmer. Doch wir marschierten schnell wieder los, denn Freitagabends soll es im „Ivy Guesthouse“ leckere und günstige asiatische Tapas geben. Leider waren wir zu spät und als wir endlich ankamen, war der Laden gerade schon am Schließen… In der Kneipenstraße wurden wir zwar noch fündig und konnten unsere Mägen füllen, viel mehr als Touri-Läden und Karaokebars war dort allerdings nicht zu finden und so verkrümelten wir uns bald ins Hotel.

 

Bei Angkors Tempeln
Am nächsten Morgen bestellten wir uns an der Hotelrezeption ein Tuk Tuk und wurden wenig später von einem zurückhaltenden aber netten Fahrer abgeholt. Ohne großes Hin und Her fragte er uns, was wir sehen wollten – wir zeigten ihm unsere geplante Route und schon ging’s los. Den ersten Stopp mussten wir noch am Ticketoffice einlegen, wo wir einen Dreitagespass für Angkor kauften. Wir wussten zwar bereits, dass wir nur zwei Tage bleiben würden, aber es gibt nur Tickets für einen oder drei Tage (natürlich…). Da der Dreitagespass etwas günstiger ist als zwei einzelne Tickets und man sich so am zweiten Tag auch das Ticketoffice sparen kann, hieß es für uns also gute 60 Dollar Eintrittsgeld (pro Person!). Das sprengte sämtliche Eintrittspreise, die wir zuvor gezahlt hatten. Es stand auch in krassem Widerspruch zum notierten Preis von ca. 40 Dollar in meinem schlauen Notizbuch. Am Ticketschalter konnten wir auch herausfinden wieso: im Februar diesen Jahres haben die Kambodschaner offenbar eine Preiserhöhung von ca. 50% vorgenommen… Naja, was soll man sagen? Es ist eben eine der berühmtesten Tempelstätten der Welt…
Ausgestattet mit zwei personalisierten Tickets inklusive Fotos (damit man auch ja nicht sein Ticket nach zwei Tagen weiterverkauft…) tuckerten wir also los zu den einzelnen Tempeln. Die Fahrt zwischen unseren Stopps führte uns über asphaltierte Straßen durch schöne Natur, vorbei an Seen und riesigen Bäumen. Wir überquerten kleine Flüsse über Brücken, die von großen Steinfiguren flankiert wurden und wir trafen die ersten Elefanten! Es war allerdings keine sehr schöne Begegnung, denn die wunderschönen Tiere werden hier mit Touris beladen, die sich in den Holzkörben auf ihnen herumtragen lassen – ohne sich darüber Gedanken zu machen, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden und dass  ihnen das Reiten in den Körben sehr schadet.

 

 

Angkor Thom
Wir begannen die Route des ersten Tages am Angkor Thom, eine Tempelanlage, die sogar noch wesentlich größer ist als der berühmte Angkor Wat. Berühmt ist die Anlage vor allem für den „Gesichtertempel“ Bayon. Den Spitznamen trägt er völlig zu Recht, denn die einzelnen Türme des Tempels bestehen jeweils aus riesigen Stein-Gesichtern, die in alle vier Richtungen schauen. Ob sich die Macher des Mount Rushmore dort Inspiration gesucht haben?
Leider sind die Steingesichter natürlich nicht die Einzigen die man dort antrifft. In den schmalen Gängen und auf den kleinen Zwischenebenen drängeln sich zahlreiche Menschen und so richtig atmosphärisch ist es daher nicht.
Trotz allem kann man sich in den kleinen verwinkelten Gängen und vielen Zwischenebenen hervorragend verlaufen, mehrfach im Kreis laufen und hat wahrscheinlich trotzdem nicht alles gesehen, während die Steinköpfe einen amüsiert von oben dabei beobachten.


Wir schafften es mithilfe der Googlemaps-Kompassnadel irgendwann dann doch, den richtigen Ausgang zu finden und schlenderten weiter zum Baphuon, einem riesigen Tempelberg der über eine Art antiken „Laufsteg“ erreicht wird. Das pyramidenförmige Gebäude (ohne Spitze) hat zu allen vier Seiten Treppen und natürlich sind wir – in der Hoffnung auf einen Wahnsinnsblick – hinauf gekraxelt. Eine schöne Aussicht hat man – keine Frage. Allerdings stellt man auch recht schnell fest, dass ein Weitblick, wie man ihn in Bagan hat, in Angkor nicht zu finden ist. Dafür gibt es dort einfach viel zu viele große Bäume. Aber keine Sorge – auch der Blick auf den kambodschanischen Dschungel sind die Stufen wert!  


Auf dem Weg zurück zur Straße entdeckten wir noch einen kleinen Gang, der sich als die „Terrasse des Lepra-Königs“ herausstellte. Hohe Steinwände bilden einen Zickzack-förmigen Flur und sind übersät mit wunderschönen Reliefs.

 

 

Ta Prohm
Nach dem weitläufigen Areal Angkor Thoms ging es tiefer in den Dschungel zu Ta Prohm. Hier hat sich die Natur ein Stückchen Erde über Jahrhunderte zurückerobert und die ursprüngliche Form des Tempels ist kaum mehr zu erkennen. Überall  verlaufen riesige Wurzeln (und wenn ich riesig sage, dann meine ich wirklich richtig richtig groß!) entlang und sind teilweise so eng mit dem Mauerwerk verbunden, dass man Tempel und Pflanze kaum mehr voneinander trennen könnte. Aber ganz ehrlich: wer würde dieses Wunderwerk der Natur auch verändern wollen? Der Ort hat etwas Magisches – auch wenn man natürlich in reger Gesellschaft anderer Touristen ist. Die Magie hat übrigens auch der Regisseur von Lara Croft erkannt und den Tempel zum Drehort des Filmes gemacht.

 

 

Angkor Wat
Nach unserem Besuch beim Hollywood-Star, steuerten wir am Nachmittag den unangefochtenen Welt-Star an: Angkor Wat. Wie ein pompöser Palast erheben sich die Türme aus der Landschaft und über einen langen, schnurgeraden Weg läuft man durch einen symmetrisch angelegten Garten auf den beeindruckenden Tempel zu. Im Innern erwarten einen zahlreiche Apsara-Tänzerinnen, die als Reliefs über die Sandsteinmauern tanzen. Der Aufbau des Tempels gleicht ein bisschen dem eines Klosters, mit kleinen Innenhöfen und Kollonnadengängen, deren Säulen und Decken mit roten Verzierungen geschmückt sind. Von einer großen Freifläche auf einer Zwischenebene gelangt man hinauf in die Turm-Ebene. Ein bisschen Geduld muss man für die Aufstieg allerdings mitbringen, denn es darf (zur Erhaltung des Tempels) nur eine gewisse Zahl von Menschen gleichzeitig hinauf. Wer keine Lust hat lange in der Sonne anzustehen, verpasst aber auch nicht sooo viel. Der Blick auf den „Vorgarten“ ist zwar ganz schön, aber im Vordergrund sieht man vor allem den recht überlaufenen Innenhof und diverse Baugerüste.
Den schönsten Blick auf den Tempel hat man übrigens vom kleinen See davor, auf dessen Wasseroberfläche sich die markanten Türme sehr schön spiegeln.

 

 

Sonnenuntergang in Angkor
In meinem schlauen Notizbuch hatte ich mir fett „Sonnenuntergang: Phnom Bakheng“ notiert. Vom kleinen Berg im Nordwesten von Angkor Wat soll man einen tollen Blick haben. Ein Geheimtipp ist das allerdings nicht… Unser Tuk Tuk Fahrer setzte uns deshalb bereits um kurz nach vier am Fuß des Hügels ab und erklärte uns, dass auch hier nur eine gewisse Anzahl auf den kleinen Bergtempel hinauf dürften. Wir marschierten also (mit den restlichen Menschenmassen) hinauf und reihten uns in die Schlange ein. Die Sonne brannte hinunter und auch zwanzig Minuten später hatten wir uns kaum weiter bewegt. Gegen fünf Uhr (also etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang) lief einer der dort Angestellten die Schlange entlang und erklärte, dass man gerne stehen bleiben könne, es aber aussichtslos sei, dass man noch zum Sonnenuntergang hinauf käme. Und tatsächlich – in der gesamten Zeit die wir dort gestanden hatten, waren gerade mal eine Hand voll Menschen – unter lautem Gejubel der Vordersten in der Schlange – hinabgestiegen. Vor uns standen noch gut hundert Menschen in der Schlange. Dass so viele Menschen in der letzten Stunde vor dem Sonnenuntergang wieder hinabkommen würden, war in der Tat völlig aussichtslos. Also verließen wir die Schlange und spazierten (naja zugegebenermaßen schlurfte ich etwas schmollend) um den kleinen Tempel herum. Auf der Rückseite hatten wir immerhin einen schönen Blick auf Angkor Wat und uns wurde bewusst (es hätte uns ja aufgrund der Himmelsrichtungen schon klar sein müssen), dass man die untergehende Sonne jedenfalls nicht hinter Angkor Wat sehen würde. Trotzdem wollten wir so gern noch auf den Tempel hinauf und zogen tatsächlich kurz in Erwägung, auf der Rückseite einen der Angestellten zu bestechen… (Wir haben uns dann aber doch nicht getraut, die blickten schon so grimmig drein).

Kurz vor knapp beschlossen wir dann, dass der Blick vom Berg nun auch nicht der Oberknaller ist und marschierten schnell hinab zum Tuk Tuk Fahrer. Wir klagten ihm unser Leid und er zauberte schnell noch eine Notlösung hervor und setzte uns an einer der Statuen-Brücken ab. Von hier aus konnten wir die Spiegelung der untergehenden Sonne im Fluss bewundern und fanden den Blick ehrlich gesagt wesentlich schöner als vom Berg. In den letzten Momenten schob sich dann ohnehin noch eine fette Wolke davor und unser Tuk Tuk Fahrer kommentierte augenzwinkernd „die Leute auf dem Tempel sehen jetzt auch nur eine Wolke“. Recht hatte er…

 

 

Cellokonzert in Siem Reap
Mein Schmollmund hatte sich jedenfalls verzogen und ich freute mich auf das geplante Abendprogramm: ein Cellokonzert des schweizer Arztes Dr. Beat Richner „Beatocello“ im Kinderkrankenhaus in Siem Reap. Jeden Samstagabend gibt er – gegen eine Spende –  ein kleines Konzert und erzählt von seiner Arbeit in Kambodscha. Jeden?…
Wir ließen uns vom Tuk Tuk Fahrer vor dem Krankenhaus absetzen und sahen bereits die Plakate, die auf das wöchentliche Konzert hinwiesen. Wir liefen zum Eingang und fragten, wo genau das Konzert stattfinden würde und erfuhren dort, dass der Doktor diese Woche nicht da sei… Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass mein Schmollmund da ganz schnell wieder zurück war, war es doch nun nach Tapas-Laden und Sonnenuntergang die dritte Sache innerhalb von 24 Stunden, die nicht geklappt hatte (wieder einmal Jammern auf hohem Niveau!). Im Gegensatz zum Schmollmund war unser Tuk Tuk Fahrer natürlich schon längst weg…
Statt Musik gab es dann leckeres Curry im Restaurant „Lillypop“, ein kleiner Laden fern der Touri-Gegend und eine super entspannende Fußmassage.
[Anmerkung zu Bild Nr. 1: Neben dem ehrlich gesagt etwas gruseligen Plakat für das Cello-Konzert, beachte man bitte den Roller, der vollgepackt mit Hühner ist und die Kühe, die einfach so am Straßenrand chillen.]

 

 

Preah Khan
Für den zweiten Tag hatten wir uns die etwas kleineren und weiter entfernten Tempel vorgenommen und hofften, dem Touristenstrom dort zumindest etwas entgehen zu können. Nach langem hin und her überlegen und Internetrecherche hatten wir uns auch gegen einen Sonnenaufgang bei Angkor Wat entschieden. Was man so liest, ist es dort derartig überlaufen, dass man eigentlich nur Köpfe sieht und eine ruhige Atmosphäre sucht man dort vergeblich.
Stattdessen ließen wir uns entspannt am Vormittag von unserem Tuk Tuk Fahrer des Vortages abholen und starteten unsere Tour am Preah Khan. Der kleine Tempel ist ähnlich wie Ta Prohm von großen Baumwurzeln überwuchert. In einem Kreuzgang steht ein kleiner, glockenförmiger Stupa und ein paar Meter weiter seilt sich eine fette Wurzel durch das Tempeldach ins Innere hinab. Und tatsächlich: uns begegneten hier nur eine gute Hand voll anderer Menschen!
Am Ausgang des Tempels wartete unser Tuk Tuk und ein großer See, der ein bisschen an eine Sumpflandschaft erinnerte.

 

Neak Pean
Unsere Fahrt führte uns am See entlang zu einem langen Holzsteg, der zu einer kleinen Insel inmitten der Sumpflandschaft führte. In der Mitte der Insel befindet sich ein kleines, künstlich angelegtes Wasserbecken, in dessen Mitte wiederum ein kleiner Tempel steht. Zu dem Tempel selbst gelangt man zwar nicht hinüber, doch die Atmosphäre am Wasser inmitten von Dschungel-Pflanzen ist wunderschön ruhig und eignete sich hervorragend für eine kleine Tempel-Pause.

 

 

Ta Som
Den nächsten Stopp legten wir an einem weiteren kleinen, überwucherten Tempel ein. Der Ta Som kann zwar nicht ganz mit Ta Prohm mithalten, doch dafür ist es hier auch deutlich ruhiger. Unser Tuk Tuk Fahrer gab uns noch den Tipp, zum Tor auf der Rückseite des Tempels zu gehen. Der Tipp war gut! Das Tor ist komplett vom Wurzelwerk überwuchert und an der Seite blitzt gerade noch so das Relief einer Figur hervor.

 

Pre Rup
Der letzte Stopp unserer Route führte uns nochmal hoch hinauf auf die Pre Rup Pyramide. Die roten Steine erheben sich zwischen kleinen Türmen empor und werden von Sphinx-ähnlichen Löwen-Statuen bewacht. Der Blick von oben ist sehr schön und im Vergleich zu den vorherigen Aussichtspunkten auch recht weitläufig. Von oben erinnert das Areal mit seinen verfallenen Säulen fast ein bisschen an das Forum Romanum

 

Banteay Kdei
Ein bisschen Zeit und Lust hatten wir noch, also fragten wir unseren Tuk Tuk Fahrer kurzerhand, welchen Tempel er noch in der Nähe empfehlen könnte. Er fuhr uns zum Banteay Kdei, einem kleinen Tempel, der ein bisschen was von allem hatte: ein bisschen Wurzelwerk, ein kleiner Steinweg und ein Tor mit einem Steingesicht. Doch bereits nach der Hälfte des Weges durch das Areal hielten wir an und kamen zu dem Ergebnis, dass wir nun genug Tempel gesehen hatten. Versteht mich nicht falsch, es waren faszinierende, wunderschöne und bombastische Motive, die wir innerhalb von zwei Tagen geboten bekamen. Doch irgendwann ist die Festplatte im Kopf nunmal voll und alles sieht mit der Zeit gleich aus. Um uns nicht komplett zu überfrachten sagten wir also “Tschüss Angkor” und ließen uns vom Fahrtwind trocken pusten (bei schwülen 38 Grad ist man nämlich sehr schnell komplett durchgeschwitzt…).

 

Abendprogramm in Siem Reap
Nach einer kleinen Abkühlung im Hotelpool stand für den letzten Abend in Siem Reap noch ein bisschen Kultur auf dem Programm. Da das Konzert sich ja erledigt hatte, hatten wir uns stattdessen Tickets für den „Phare – the Cambodian Circus“ gekauft.   
Doch vorher gab es noch ein kleines Entertainment kulinarischer Art, denn wir gönnten uns ein leckeres „Cambodian BBQ“. Mein liebster Reisebegleiter, der ein Semester in Seoul studiert hatte, hat mir schon so oft vom Korean BBQ vorgeschwärmt, dass wir diese gemütliche Art des Essens nun mal in Kambodscha ausprobieren mussten.  Auf jedem Tisch steht eine Schale, die von unten mit Kohle erhitzt wird. In der Schalenmitte wölbt sich eine Metall-Kuppel nach oben, auf der man die kleinen Fleischstücke grillt. Um die Kuppel herum wird heißes Wasser gefüllt (also wie ein „Hot Pot“-Ring) in dem die Beilagen, bestehend aus Gemüse und Reisnudeln, gedünstet werden. Als Fleisch gab es eine wilde Auswahl aus Hühnchen, Rind und Schwein, aber auch Hai, Kalmare, Schwertfisch und Krokodil. Toll so viele auszuprobieren!


Nach diesem kulinarischen Erlebnis nahmen wir ein Tuk Tuk zum außerhalb gelegenen Zirkuszelt. Der Zirkus stammt ursprünglich aus Battambang, wo junge Kambodschaner an der Schule „Phare Ponleu Selpak“ verschiedene Künste erlernen können. Wir hatten die günstigsten Tickets ganz oben und seitlich – doch waren die völlig ausreichend um alles sehen zu können. Die Show wurde mit einem kleinen Intro auf Leinwänden eingeleitet, in der man ein bisschen von der Schule und dem Projekt erfuhr. Danach folgten etwa 90 Minuten Unterhaltung pur! Ich bin als Ex-Turnerin und Musical-Nerd wirklich recht picky, was derartige Shows angeht und muss sagen: die Jungs und Mädels waren wirklich top! Mit sympathischer Ausstrahlung und  hervorragender Mimik schafften sie es, eine kleine Geschichte zu erzählen – ohne dass es zum Verständnis noch einer Erklärung bedurft hätte. Neben Feuerfackeln und Partnerakrobatik gab es kleine Einlagen am Tuch-Trapez, der Stange und dem Schleuderbrett. Auch wenn die artistischen Kunststücke vielleicht nicht das Niveau eines Cirque du Soleil erreichen, so war es aber dennoch eine tolle Show, die einfach Spaß brachte und deren Stimmung auch für den letzten Banausen ansteckend ist.


Zurück in Siem Reap schlenderten wir noch über den wirklich hübschen Nachtmarkt und ich versuchte vergeblich, heimlich ein Geburtstagsgeschenk für meinen liebsten Reisebegleiter zu besorgen. In Siem Reap gibt es nämlich an jeder Ecke große Leinwände mit abstrakten bunten Abbildungen von Buddhaköpfen. Doch es war aussichtslos, gerade als ich den Preis verhandelt hatte, bog das Geburstagskind in spe schon wieder um die Ecke.

 

Fisch-Kur in Siem Reap
Statt Bild gab es für uns aber noch einen Besuch bei „Dr. Fish“. Nein, wir sind nicht bei „Findet Nemo“ gelandet – aber in Siem Reap gibt es zahlreiche Aquarien mit der Aufschrift „Dr. Fish can do massage too“. Alles klar – das mussten wir ausprobieren. Man zahlt pro halbe Stunde, setzt sich an eine der Bänke am Beckenrand und taucht die Füße ins Wasser. Die Fische knabbern dann die alte Haut ab und nach 30 Minuten werden die  platten Tempel-Treter wieder zu samtweichen Baby-Füßen. Wir hatten unterwegs schon so einige Touris gesehen, deren Füße entspannt im Wasser baumelten – also musste es ja gut sein! Also ab auf die Bank, Beine hochgeschwungen und rein – NEIN! Doch nicht!…
In dem Moment, als die Füße fast die Wasseroberfläche berührten kamen die Fische angeschossen und wie eine Horde wilder Piranhas tobten sie unter einem in ihrer unbändigen Gier nach Haut… Es kostete uns dann doch erstaunlich viel Überwindung die Füße (dann doch erstmal zu den kleinen Fischen) ins Wasser zu stecken. Und dann ging es los: von wegen Entspannung! Das geknabber kitzelte so sehr, dass wir es anfangs immer nur wenige Sekunden aushielten, bis wir den verfressenen Mäulern unsere Zehen wieder entreißen mussten. Die ganze Situation war so urkomisch, dass uns irgendwann vor Lachen die Tränen kamen. Wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, wie die anderen Menschen sich dabei entspannen konnten… Doch irgendwann gewöhnte man sich tatsächlich dran und ich wagte es am Ende dann doch noch ins Becken zu den „großen“ Fischen hinein. Die Zehen sind dran geblieben und die Füße waren danach wirklich samtig weich. Aber vor allem war es einfach ein saukomisches Erlebnis!


Vor lauter Fischen hätten wir dann übrigens fast vergessen, dass wir die Nacht ja gar nicht mehr im Hotel verbringen würden, sondern einen Nachtbus nach Phnom Penh gebucht hatten. Aber diesmal lief mal alles glatt und für unsere Verhältnisse fast schon langweilig so ganz ohne Zeitstress und Sprint zum Fortbewegungsmittel.  

 
Fazit zu Angkor:
Die Tempel sind schon wirklich eine Wucht! Insbesondere die überwucherten Ruinen und großen Wurzeln haben etwas Zauberhaftes. Ein Tag ist dafür wirklich nicht genug Zeit, denn die reicht gerade mal so für die drei bekanntesten Tempel. Wer auch mal ein paar weniger überlaufene Tempel sehen möchte, der braucht einen zweiten Tag.
Wir waren schon ziemlich vollgefrachtet von unseren 4 Wochen Reise durch Myanmar und Vietnam und konnten es dadurch vielleicht nicht mehr ganz so sehr aufsaugen, wie man es am Anfang einer Reise gekonnt hätte. Aber trotz einer gewissen Tempelmüdigkeit hat uns einiges in Angkor doch noch völlig aus den Socken gehauen! Das Eintrittsgeld ist den Besuch daher in jedem Fall wert und es ist schön zu sehen, dass man hier darum bemüht ist, dieses Weltkulturerbe zu erhalten – auch wenn das eben bedeutet, dass man dann vielleicht mal nicht auf einen Tempel hinauf kommt. Vielleicht sollte man das in Bagan auch einführen… sonst stehen Pagoden wie die Shwesandaw wahrscheinlich in wenigen Jahren nicht mehr.