Was mich mein 4-monatiges Leben in Thailand gelehrt hat: wichtige Vorbereitungen, Alltag finden im Ausland und Schwierigkeiten bei der Rückkehr nach Deutschland

Leben in Bangkok – Teil 3
– Unterwegs mit Taxi, Bahn und Roller – 

Verkehr in Bangkok 
Bangkok ist Verkehrschaos. Berufsverkehr gibt es wohl in jeder Stadt. Doch Bangkok ist die Mutter des Berufsverkehrs. Der Todesstern für Autofahrer, die schnell von A nach B möchten. Ich glaube unser Rekord war einmal eine Stunde für knapp 800 Meter an einer Autobahnauffahrt auf dem Weg zum Flughafen. Wahnsinn.

Aus diesem Grund verweigern Taxifahrer auch oftmals Fahrten im und durch den Berufsverkehr auf bestimmten Routen. Aber dazu gleich mehr… 
(Das folgende Bild ist zu einer sehr ruhigen Zeit aufgenommen worden. Zur Berufsverkehrzeit war ich meistens inmitten des Chaos, so dass es davon kein Bild gibt…) 

 

Rollerfahren in Bangkok
Aus diesem Grund ist ein Roller wohl stets die schnellste Lösung. Auf zwei Rädern lässt es sich hervorragend durch den stehenden Verkehr hindurch fahren. Aber Vorsicht: die Autos werden dabei als kleine Slalomhütchen verwendet und von allen Seiten kommen Roller angedüst. 

So praktisch der Roller auch im Berufsverkehr ist, in der Regenzeit verteufelt man ihn dann aber doch das ein oder andere mal. Doch auch hierfür gibt es eine Lösung: sie nennt sich Regencape, gibt’s für ca. einen Euro in jedem 7-Eleven und sieht total bescheuert hast. Wie eine Mülltüte, wird das dünne Plastik übergezogen, Helm über die Kapuze und los geht’s. Wer hinten drauf sitzt, am besten noch die Schuhe in die Hand nehmen, andernfalls kann man nach der Fahrt erstmal eimerweise Spritzwasser heraus wringen. 

 

Taxi fahren in Bangkok
Sie sind pink, rot, gelb oder grün und überall: Bangkok’s Taxen. Man könnte wohl ein eigenes Buch nur über das Taxifahren schreiben, aber ich fasse es mal zusammen. 
Taxifahren in Bangkok ist für unsere Verhältnisse ziemlich günstig (die unterschiedlichen Anbieter unterscheiden sich dabei übrigens lediglich in der Lackierung, nicht jedoch im Preis). Auch wenn es mal länger dauert, so ist es mehr die Zeit um die es einem Leid tut, als das überschaubare Geld, das dabei flöten geht.
Das wissen die Taxifahrer allerdings auch und versuchen einem daher oft einen Festpreis anzudrehen, der sich für unerfahrene Ohren erstmal fair anhört – oftmals aber das doppelte des eigentlichen Fahrpreises ist. In solchen Fällen hilft nur vehementes Verlangen des Taxameters oder aussteigen und ein neues Taxi suchen. Allerdings – und auch das wissen die Fahrer natürlich nur zu gut – kann es in bestimmten Situationen recht schwierig werden ein anderes Taxi zu finden und dann steht man am Ende ganz ohne da. 
Solche Situationen sind der besagte Berufsverkehr und Regen. Es scheint eigentlich unmöglich, doch trotz der unfassbar hohen Anzahl von Taxen in Bangkok, scheinen bei Regen sämtliche der bunten Vehikel besetzt zu sein. 
Besonders wucherisch sind die Angebote der Taxifahrer übrigens an Stellen, an denen Touristen ankommen – so zum Beispiel der Busbahnhof bei Ankunft mitten in der Nacht aus dem Süden Thailands. Eine Ansammlung von Fahrern stürmte quasi auf den ankommenden Bus zu und stellte sich an der Tür bereit um Kunden zu gewinnen. Mit Festpreisen, die uns regelrecht zum Lachen brachten, versuchten sie uns vergeblichst anzuwerben. Die Lösung für das Problem: Einfach 2 Straßen weiter gehen und ein fahrendes Taxi anhalten – und schwups ist man mit Taxameter und für einen Bruchteil des Festpreises zu Hause angekommen. 
Apropos ankommen: es ist mitunter gar nicht so einfach, das gewünschten Ziel zu erreichen, denn viele Taxifahrer können kein bis nur sehr wenig Englisch (und leider können ja auch nur die wenigsten unter uns ausreichend Thailändisch). Nun könnte man meinen, das Problem ließe sich ja einfach mit einem Smartphone umgehen, indem man den Ort auf Googlemaps zeigt… Leider können viele Taxifahrer damit nur wenig anfangen. Highlight war unser Versuch zum Königspalast zu gelangen, dem wohl meistbesuchtesten Ort in Bangkok – egal ob von Touristen oder Bewohnern der Stadt. Auch mit Bild des Palastes und dem thailändischen Namen auf Googlemaps endeten wir am Ende doch erstmal wo anders… Für dieses Problem gibt es nur folgende Lösung: Zeit mitbringen und den Umweg mit Humor nehmen. Wer weiß, was man dafür unterwegs entdeckt… 

Ein Funfact noch zu den Taxen: an den Fensterscheiben kann man teilweise sehr amüsante Verbotsschilder entdecken: Das zweite von rechts ist eine Durian – auch Stinkfrucht genannt – deren Beisichführen nicht nur in Taxen, sondern auch in vielen Gebäuden und den U-Bahnen verboten ist. 

 

Bangkok’s Rollertaxi
Für alle die es eilig haben, aber nicht selbst Roller fahren können oder wollen, gibt es eine Alternative: das Rollertaxi. 
Überall in der Stadt sind sie zu finden und erkennbar an ihren orangefarbenen Westen: Rollerfahrer, die dich in Windeseile durch den Verkehr ans Ziel bringen.
Einen Helm gibt es in der Regel nur auf Nachfrage, aber eigentlich haben sie immer einen zweiten unter dem Sitz. Egal wie kurz die Strecke ist: tut euch den Gefallen und fragt nach einem Helm. Auch wenn die Fahrer sehr sicher und erfahren sind – so ist der Verkehr in Bangkok eben manchmal unvorhersehbar chaotisch. Außerdem sind die meisten Rollertaxifahrten nicht unbedingt etwas für schwache Nerven – da gibt einem so ein Helm ein zusätzliches kleines Nervenkostüm.
Die Rollertaxen sind in etwa so teuer wie ein normales Taxi – tendenziell auch ein bisschen mehr (schwer zu sagen, so ohne Taxameter). Zu zweit ist man daher meist günstiger mit einem gewöhnlichen Taxi, es sei denn man quetscht sich zu zweit auf ein Rollertaxi. Das geht im Notfall schonmal (wir haben es natürlich getestet), ist aber recht kuschelig und ich würde es nur im Ausnahmefall und nur für eine kurze Strecke empfehlen.

 

Bahnfahren in Bangkok
Am schnellsten ist es natürlich abseits der vollen Straßen auf Schienen. Allerdings ist das Bahn-Netz in Bangkok noch nicht umfassend ausgebaut und vor allem in Richtung der “Altstadt”, also rund um den Königspalast und des Touristenmagnets Khaosan Road, gibt es keine Bahnverbindung. Der zentrale Teil Bangkoks ist dafür ganz gut abgedeckt – skurrilerweise mit drei eigenständigen Bahn-Systemen – der BTS, MRT und ARL – deren Tickets allesamt nicht miteinander kompatibel sind.

Logo BTSDie BTS (Bangkok Mass Transit System) ist ein Skytrain, also eine Art Straßenbahn die einige Meter über der Straße entlang verläuft. Die BTS gibt’s seit 1999 und besteht aus zwei Linien (der Sukhumvit und der Silom Linie) und verbindet damit die wesentlichen Gegenden des Alltags in Bangkok. 

MRT LogoDie MRT (Mass Rapid Transit) ist eine ziemlich schnelle U-Bahn, die seit 2004 vom Hauptbahnhof Hua Lumpong mit einem kleinen Schlenker in den Norden führt. Sowohl die Stationen als auch die Bahnen sind ziemlich modern aber auch sehr klimatisiert. Bei einer längeren Fahrt hilft ein Pulli vor dem Erfrieren… 

ARL LogoDer ARL (Airport Rail Link) wurde 2010 eröffnet und verbindet Bangkok’s Zentrum mit dem neuem Flughafen “Suvarnabhumi”. 


BRT LogoUnd dann gibt es noch den Schnellbus BRT (Bus rapid transit system), der noch ein paar Haltestellen im Süden abklappert. 

 

Plan Bahnnetz Bangkok

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Eines haben jedoch alle Bahnsysteme gemeinsam: die Pfeile auf den Bahnsteigen. 
Diese zeigen nämlich an, wo sich die Türen der Bahn befinden werden und bedeuten, dass man sich dort anstellen soll – und zwar nicht direkt vor der Tür, sondern daneben. Daran hält sich auch tatsächlich jeder – mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass ein aggressives Gedränge und Geschubse, wie es gelegentlich an heimischen Bahnstationen zu beobachten ist, ausbleibt. Liebe Deutsche Bahn und Fahrgenossen: wie wäre es, wenn wir uns daran mal ein Beispiel nehmen? 

 

Bahtbus
Die Bahnen sind zwar allesamt günstiger als der Nahverkehr in Deutschland. Für thailändische Verhältnisse sind die Tickets allerdings recht teuer. Deshalb fahren viele Bewohner Bangkoks lieber mit dem Bus. Es gibt gewöhnliche Busse, wie man sie bei uns kennt (nur wesentlich älter) und es gibt die “Baht-Busse” (“Baht” ist der Name der thailändischen Währung). Letzteres sind rote Pick-Ups, auf deren Ladefläche zwei einfache Sitzbänke angebracht sind. Sie halten auf Zuwinken an den Busstationen und kosten 7 Baht pro Fahrt (egal wie weit man fährt), also ca. 18 Cent, die beim Aussteigen dem Fahrer durch das Fenster gereicht werden. Teilweise sind sie sogar in den Googlemaps-Bahnverbindungen aufgeführt, auch wenn die Abfahrtszeiten natürlich eher ein Richtwert sind… 
Die Baht-Busse fahren selten lange Strecken, meistens nur in einem kleinen Radius im Kreis, und sind daher ideal für die kurzen Strecken zur nächsten Metro oder BTS. 

 

Zu Fuß durch Bangkok 
Man kann natürlich auch auf sämtliche Transportmittel pfeifen und einfach zu Fuß gehen. Für gewöhnlich habe ich ja gegen eine kleinen Gang nie etwas einzuwenden, denn immerhin kann man zu Fuß auch viel mehr Dinge entdecken als beim Fahren. In Bangkok habe ich allerdings ziemlich schnell die Lust am Laufen verloren. Es ist einfach zu heiß, schwül und unangenehm. Zum Glück gibt es aber alle paar Meter einen 7-Eleven, deren Kühlschranktemperaturen hervorragend geeignet sind um sich kurz abzukühlen…

Zu Fuß durch Bangkok’s Straßen kann aber immer ein bisschen abenteuerlich werden. Alle paar Meter passiert man Berge aus Müllsäcken, in denen teilweise ganze Rattenkolonien leben. Und wenn ich Ratte sage, dann meine ich nicht so kleine Maus-ähnliche Geschöpfe, sondern Ausgeburten des Bösen, deren Größe eher mit einer Katze als einer Maus vergleichbar ist. Diese Höllentiere sind übrigens bestens befreundet mit ähnlich beliebten Tieren, die nur unwesentlich kleiner, dafür ein paar Beine mehr haben: Kakerlaken. 
Aber Spaß beiseite, was jetzt klingt wie ein Filmset von Indiana Jones, ist nur halb so schlimm. Mit einem gesunden Sicherheitsabstand zu den Müllbergen und offenen Augen, sollte sich eine Bekanntschaft in der Regel vermeiden lassen.

Die Müllberge werden übrigens regelmäßig abtransportiert und beinahe jeden Morgen werden die Gehwege gefegt. Aber in Bangkok wird einfach derartig viel Abfall produziert, dass der Berg zum Abend hin schon wieder neu entstanden ist und seine Bewohner erfreuen sich erneut an seinem Inhalt.

 

 

 

 

 

Tagesausflug in Bangkok’s Norden
– Ayutthaya, die alte Königsstadt –

Nachdem wir bereits den Süden und den Westen von Bangkok’s Umgebung erkundet hatten, ging es am Ende unserer Zeit in Bangkok noch in den Norden: zu den Tempeln der alten Königsstadt Ayutthaya. Für unseren Roller Berta war die Tour mit gut 80 Kilometern Anfahrt ein bisschen zu viel und so entschieden wir uns für den Zug. Das geht nämlich einfacher als gedacht. 

 

Anreise nach Ayutthaya
Am frühen Morgen hing es mit Berta zum Bahnhof Hua Lamphong, wo wir die Gute stehen ließen. Die Abfahrtzeiten hatten wir uns online auf der thailändischen Zugfahrt-Seite herausgesucht und kauften am Bahnhofsschalter für nicht mal einen Euro zwei Tickets nach Ayutthaya. Das Abfahrtsgleis ist sogar recht übersichtlich auf einer Anzeigetafel ausgewiesen und so fanden wir uns schon nach wenigen Minuten am richtigen Abfahrtsgleis wieder. Die Abfahrtszeiten werden, wie so oft in Asien, nicht mit deutschem Pünktlichkeitsanspruch Ernst genommen und so schlenderten wir noch eine Weile entlang der alten Züge und skurrilen Bahnhofs-Dekoration. Zur vollen Stunde wurden über Lautsprecher allemann aufgefordert sich hinzustellen (zumindest haben wir das aus dem zeitlichen Zusammenhang zwischen thailändischer Ansage und kollektivem Erheben geschlossen) und es folgte eine musikuntermalte Andachtsminute für den König. Irgendwann kam dann auch der Zug und es folgte eine entspannte knapp zweistündige Fahrt nach Ayutthaya. Bei offenem Fenster schweiften unsere Blicke entlang der vorbeiziehenden Landschaften von Bangkok’s Umland, das schnell sehr ländlich wird (schnell kann man vom Zug übrigens nicht behaupten, denn dieser bewegte sich in der ersten Stunde mehr oder weniger im Schritttempo aus Bangkok heraus).

In Ayutthaya angelangt ignorierten wir die zahlreichen Angebote von Guides und Fahrern und flüchteten strammen Schrittes erstmal davon – nach links die Straße hinunter – Hauptsache erstmal raus aus dem Gewühl. Auf Googlemaps entdeckten wir dort eine Brücke über den  Fluss, auf dessen anderen Seite die alten Tempel lagen. An der Brücke angelangt stellten wir allerdings fest, dass das eine ziemlich schnell befahrene Autobrücke war. Bei dem  Fahrstil der Thailänder wäre eine Überquerung zu Fuß reiner Wahnsinn gewesen. Das konnte es ja wohl nicht sein. Also zurück Richtung Bahnhof. Dort angelangt und nun nicht mehr von heranstürmenden Verkäufern abgelenkt entdeckten wir auch unschwer, dass der richtige Weg direkt gegenüber des Bahnhofsausgangs in Richtung Fluss führte. Von dort aus brachte uns ein Boot in wenigen Minuten auf die andere Seite. Wenige Meter hinter dem Anlager wurden wir dann auch fündig in Sachen fahrbarer Untersatz und mieteten uns einen Roller für den Tag. Einige der Tempel liegen schon ein bisschen weiter von einander entfernt, so dass die Tour an einem Tag zu Fuß kaum machbar ist.

 

 

Wat Maha That
Wir starteten unsere Tour bei dem wahrscheinlich bekanntesten Tempel von Ayutthaya: dem Wat Maha That. Der Name sagt euch nichts? Nun aber vielleicht habt ihr schonmal das Bild eines Buddhakopfes in einem Baum gesehen. Den werdet ihr hier nämlich finden. Und zwar ohne danach zu suchen, denn natürlich wollen alle dorthin und jeder möchte ein Foto mit dem Gesicht im Baum machen. Es sieht ja auch wirklich wie eine tolle Filmkulisse aus. Die recht weitläufige Tempelanlage hat aber auch darüber hinaus noch schöne Motive zu bieten: Ruinen alter Bauten, alte Gemäuer und natürlich zahlreiche Buddhastatuen. 

 

 

Wat Ratchaburana
Direkt daneben befindet sich der Wat Ratchaburana, ein Tempel mit einem Turm, der denen des Angkor Wat ähnelt. Im Gemäuer lässt sich noch das ein oder andere Relief entdecken und von oben hat man eine schöne Sicht auf die umliegenden Ruinen. Im Inneren führt eine kleine Treppe hinunter zu ein paar verblassten Wandmalereien und einer eigenartigen, spielzeugartigen Ansammlung von Opfergaben. 

 

 

Wat Lokaya Sutharam
Ein paar Rollerminuten später erreichten wir den Wat Lokaya Sutharam, einen schönen liegenden Buddha, dessen Gestein in seinen verschiedenen, scheinbar ineinander verlaufenen Farben aussieht wie ein Aquarellbild. Dahinter befindet sich eine riesige Terrasse und ein Turm, auf den man allerdings nicht hinauf kann. 

 

 

Wat Phra Sri Sanphet
An der nächsten Tempelanlage, dem Wat Phra Sri Sanphet, wird es plötzlich ziemlich wuselig. Die Zahl der Touristen scheint hier besonders hoch zu sein und um den Tempel herum gibt es ein paar Verkaufsstände und kleine “Restaurants”, bei denen man gut eine kleine Mittagspause einlegen kann. 
Doch neben den weißgrauen, glockenförmigen Türmen scheint vor allem eins Attraktion zu sein: Elefantenreiten. Bitte schließt euch dem nicht an. Natürlich möchte man den süßen Dickhäutern gerne nah kommen, doch dafür gibt es ganz tolle Camps die darauf achten, dass es den Tieren gut geht. Wir haben ein solches Elefantencamp in Chiang Mai besucht und hatten ein wundervolles Erlebnis mit den Elefanten. Weder das Reiten, noch die Art und Weise in der dies in Ayutthaya angeboten wird, tut den Tieren jedoch gut. Sie trotten dort in einer Reihe direkt an der Straße entlang – während Roller, Autos und Busse an ihnen vorbei fahren und mindestens zwei Touris auf ihren Rücken sitzen. 

 

 

Wat Na Phra Men
Von Ruinen geht es als nächstes zu einem “aktiven” Tempel außerhalb des kleinen Ruinen-Vierecks. Der Wat Na Phra Men gleicht vielen der von uns bereits besuchten Tempel, aber empfängt uns auch mit einer besonders schönen, dunkelrot-goldenen Halle und goldenen Buddhafiguren, an die die Gläubigen kleine Goldblättchen für gutes Karma kleben. 

 

 

Wat Phu Khao Thong
Von dort aus geht es noch ein ganzes Stück weiter raus – zu Fuß wäre das wohl nicht mehr machbar an einem Tag. Ziel ist der Wat Phu Kaho Thong – eine Art Pyramide – dessen Gestein seinerzeit in einem schönen schwarz-weiß-Verlauf erstrahlte. Nun wird und wurde der Bau allerdings restauriert. Das Ergebnis ist ein makellos weißes Gemäuer, das von weitem ein bisschen aussieht wie eine unfertige Filmkulisse. Der Chedi (wohl Gold) war bei unserem Besuch eingetütet und die Stufen hinauf konnte man aufgrund der Bauarbeiten ebenfalls nicht.
Der Weg hatte sich aber dennoch gelohnt, denn wir entdeckten dort ein kleines Cafe mit Blick auf einen idyllischen Seerosenteich. Bei einem leckeren Eiskaffee ließen wir unsere Blicke über die recht verlassene Landschaft mit ihren saftig grünen Feldern, blauen Häusschen und bunten Wäscheleinen schweifen. 

 

 

Wat Yai Jaya Mongkhorn
Nach der Erfrischung düsten wir einmal quer durch den Geschichtspark Ayutthaya durch und auf die andere Seite zum Wat Yai Jaya Mongkhorn. Dort erwartete uns ein großer Tempel mit hohen Türmen aus rotem Gemäuer und der typisch orangenfarbenen Schärpe. Auf dem Tempel oben angelangt hat man einen tollen Blick und kann noch ein bisschen das Karma fördern, indem man Münzen einen Schacht hinab wirft und versucht, einen Behälter auf dem Boden zu treffen. Um den Tempel herum kann man wieder fleißig Buddhas zählen. Allen voran einen großen, liegenden Buddha, der gerade “umgezogen” wurde, indem eine Dame eine Lage des organgefarbenen Stoffes zu seinen Füßen schob und darunter eine weitere Lage Stoff zum Vorschein kam. Doch vor allem die akkurate Aneinanderreihung der sitzenden Buddhas rings herum um den Tempel lassen Fotografenherzen höher schlagen und Symmetrie-Liebhaber jubeln. 

 

 

Wat Phanan Choeng
Einen letzten Stopp legten wir am Wat Phanan Choeng ein. Der Tempel ist umgeben von einem monströsen Parkplatz und im Innern wartet ein ebenfalls überdimensionaler goldener Buddha. Bei unserem Besuch wurde gerade eine Art Zeremonie abgehalten, bei dem ganze Ballen des orangefarbenen Stoffes auf Tabletten herumgereicht wurden. Die Bedeutung dieses Brauchs kann ich euch leider nicht erklären, denn wir hatten nicht mehr genug Zeit um das Ende abzuwarten. Unser Zug zurück nach Bangkok wollte nicht verpasst werden und so brachten wir fix unseren Roller zurück und warteten natürlich noch eine Weile am Gleis auf das Eintreffen des Zuges (Abfahrtszeiten sind eben eher grobe Richtwerte…). 

Nach einer gemütlichen Fahrt zurück nach Bangkok konnten wir folgendes Fazit ziehen: Ayutthaya kann – zumindest was Größe und Pracht angeht – vielleicht nicht mit Bagan oder Angkor mithalten, aber für einen Tagesausflug lohnt es sich auf jeden Fall. Vor allem wenn man sich nicht nur in dem kleinen Geschichtspark aufhält sondern auch ein bisschen die äußeren Ecken erkundet. Und die Zugfahrt allein ist eigentlich schon die Reise wert, denn auf die Weise erhascht man zumindest einen kleinen Einblick in das Thailand abseits Bangkok’s und der Touristenziele. Ganz nach dem buddhistischen Motto “der Weg ist das Ziel”.  

 

Tagesausflug in Bangkok’s Westen
– monumentale Parkanlage und Drachentempel –

Nachdem wir bereits den Süden von Bangkok erkundet hatten, ging es am Ende unserer Reise noch in den Westen zu – ihr werdet es vielleicht erraten – zwei weiteren Tempeln. Doch keine Sorge, auch diese beiden Exemplare sind ziemlich außergewöhnlich! 
Auf dem Roller war ich mittlerweile übrigens tiefenentspannt, so dass die 50 Kilometer Hinweg kein Problem mehr waren.

 

Phutthamonthon Park
Das erste Etappenziel erreichten wir nach ca. 30 Kilometern, den Phutthamonthon Park. Hierbei handelt es sich um eine buddhistische Parkanlage, die sogar größer als der Central Park in New York ist. In der Mitte des Quadrats befindet sich eine hohe Buddhastatue, die über die umliegenden symmetrisch angelegten Rasenflächen und Springbrunnen wacht. Von dort aus führt ein kleiner Weg zu einem Bodhi-Baum, der für die Erleuchtung Buddhas steht. Eingezäunt und auf einer Anhöhe umgibt auch ihn eine symmetrische weite Rasenfläche. Der Park ist erstaunlich wenig besucht und man findet herrliche ruhige Plätzchen zum entspannen.

Gegenüber der großen Buddhastatue befindet sich eine Insel in einem See, auf der ein Marmor-Wihan (eine Art halboffene Halle) steht. In dessen Mitte steht ein kleines Marmorgebäude mit goldenen Stupas umgeben von einer Art Kreuzgang mit knallblauen Dachziegeln. Doch nicht nur Wände und Boden sind dort aus hellem Marmor, der die Sonne reflektiert. Im Innern sind außerdem 1418 Marmortafeln wie Dominosteine aneinandergereiht, auf denen in goldenen Lettern der Pali-Kanon (die Lehren Buddhas, nicht in der vielleicht bekannteren Sanskrit-Sprache, sondern in Pali) eingraviert ist. Durch kreisrunde Fenster in der rote und bunt bemalten Decke fällt das Sonnenlicht und taucht den Marmor-Irrgarten in ein mystisches Licht. Zu drei Seiten ist die Halle in Richtung See geöffnet und lädt dazu ein, sich eine Weile auf die Stufen zu setzen.  

Man hätte ohne Probleme den gesamten Tag in der Parkanlage verbringen können. Wir hätte mit Sicherheit noch einiges mehr entdecken können oder einfach (wie ein paar Familien) am See picknicken können. Leider hatten wir keinen Proviant dabei und wir wollten ja sowieso noch zum Drachentempel…

 

Don Wai Markt
Für den knurrenden Magen legten wir einen Zwischenstopp an einem Markt unterwegs ein. Der Don Wai Markt ist in Googlemaps als “floating market” gekennzeichnet und wir waren gespannt was uns erwarten würde. Tatsächlich befinden sich die Stände direkt an einem Fluss – aber nicht darauf. Vielleicht waren wir auch einfach zu spät… 
Dennoch lohnte sich der Besuch, denn uns erwarteten viele bunte Obst-Sorten und Stände mit allerhand gebratenem Getier.  

 

Samphran Tempel – der Drachentempel
Am Nachmittag erreichten wir das Ziel des Tages: den Samphran Tempel – auch bekannt als “Drachentempel”. 
Nach all den bisher gesehenen Tempeln, gewinnt dieser wohl den Preis des Ungewöhnlichsten. Ein ca. 80 Meter hoher pinker Turm, an dessen Fassade sich ein großer Drache empor schlängelt (nein, wir haben keine halluzinogenen Stoffe zu uns genommen…). Eigentlich war der Tempel wegen einer Feier geschlossen, doch wir hatten Glück: die Feiernden waren so begeistert davon, dass zwei Westler den weiten Weg aus Bangkok hergekommen waren, dass sie uns eine private Führung gewährten. 

Wir folgten einer Dame in das Innere des Turmes, wo sich uns eine Art Fratze offenbarte, in dessen Mund sich ein schmiedeeisernes Tor befand. Sie schloss es für uns auf und wir wagten uns in den dunklen Gang, der sich dahinter auftat. Unser Schuhe hatten wir – wie bei buddhistischen Tempeln üblich – am Eingang gelassen und so tappsten wir barfuß im Dunkeln durch den modrig riechenden Tunnel. Als mir im dämmrigen Licht plötzlich die Hundertschaften an Kakerlaken auf Boden, Wänden und Decke auffielen, fühlte ich mich wie in einem Indiana Jones Film und sehnte mir ein bisschen meine Schuhe herbei…

Mit blindem Vertrauen (was anderes blieb uns ja nicht übrig) und einer ordentlichen Portion Glück erreichten wir das Dach des Turmes und den Kopf des Drachen, ohne unterwegs in eins der Krabbelviecher getreten zu sein. Dieser blickte auf eine wunderschöne weite Landschaft und wir taten es ihm eine Weile gleich…

Irgendwann mussten wir natürlich wieder den Rückweg des Grauens antreten und streiften noch eine Weile durch das dschungelartige Gelände ringesherum um den Drachentempel (nunmehr mit Schuhen). Wir warfen ein paar Münzen auf Karma-Zielscheiben (ein bisschen wie auf einem Jahrmarkt, nur dass man statt einer Plastikblume Erfolg im Job, Geld, Glück in der Liebe und was der Mensch sich eben noch so wünscht gewinnen kann). Im kleinen Urwald kann man dann noch allerhand Schönes und Skurriles entdecken. Da gibt es goldene Drachen, einen weißen Elefanten, Delphine und einen riesigen Pfau. An einer Stelle führte eine steiler Weg hinab zu einem weiteren Tunnel. Wir liefen ein Stück hinein, aber es wurde schnell ziemlich dunkel und wir hatten ja keine Ahnung was dort auf uns warten würde… (ich war noch immer im Indiana-Jones-Modus). 

Auf dem Weg zurück zum Roller entdeckten wir noch eine riesige Schildkröte, die aussieht wie Morla in “Die unendliche Geschichte”. Offenbar konnte man auch in ihr Inneres und zwei Damen bedeuteten uns hineinzukommen. Also betraten wir das Maul des Riesenreptils und entdeckten diverse Schlafstätten im höhlenartigen Bauch. Die Damen wiesen uns per Fingerzeig tiefer ins Innere – und wir wagten uns weiter vor. Durch einen (mal wieder) dunklen Tunnel gelangten wir hinab zu einer Art Andachtsstätte. Von dort aus führte der Weg wieder nach oben – und siehe da, plötzlich kamen wir genau dort heraus, wo wir uns zuvor nicht hineingetraut hatten. Was Buddha uns damit wohl sagen wollte? 

 

 

 

Fernab der Touristenpfade: ein Tagesausflug in Bangkok’s Süden
– mit dem Roller ans Meer –

Nun waren wir bereits ein paar Wochen in Bangkok angekommen und hatten schon Wochenendtrips nach Chiang Mai und Krabi unternommen, da wurde es mal Zeit für einen kleinen Ausflug in Bangkok’s Umgebung. Ziel der Tour sollte ein Tempel im Süden Bangkok’s werden. Schon wieder ein Tempel? Hatten wir denn immer noch nicht genug davon? Nun, dieser hier war ein bisschen anders als die bisherigen – außerdem wollten wir auch ein bisschen das Umland fernab der Touristenpfade erkunden. Und tatsächlich, soviel nehme ich mal vorweg, trafen wir auf unserer Tour und den einzelnen Zwischenstopps keinen einzigen Touristen. 

Dementsprechend ist die Gegend auch nicht gerade touristisch erschlossen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die Tour mit dem Roller zu machen. Als Beifahrer auf auf dem kleinen Zweirad war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz so souverän und lässig wie einige Wochen später – aber wir wollten nunmal dorthin. Vor uns lagen etwa 60 Kilometer bis zum Tempel. Das sollte ja wohl machbar sein… 

 

Erawan Museum
Einen ersten Zwischenstopp legten wir außerhalb Bangkok’s am Erawan Museum ein. Das Museum selbst haben wir uns gar nicht angeschaut, aber die riesige Statue des dreiköpfigen Elefanten wollten wir uns auf unserem Tagesausflug nicht entgehen lassen. Der Bereich vor dem eigentlichen Eingang zum Museum ist auch wirklich hübsch angelegt und bei einem Kaffee tankten wir im lauschigen Garten noch ein bisschen Kraft für die bevorstehenden Kilometer. 

 

 

Bangpoo Resort
Danach wurde es fies. Die Straße, die uns in den Süden führte war eine recht befahrene Schnellstraße, an deren Seitenstreifen die Roller fuhren. Während die LKW an uns vorbei brausten versuchte mein liebster Reisebegleiter den Rissen und Löchern im Asphalt auszuweichen. Ich versuchte derweil nicht in Panik zu geraten. Ich endete nicht wieder als Heulboje (so wie in Chiang-Mai, als die Bremsen versagten…), aber wirklich glücklich machte mich diese Fahrt nicht. Nach nicht einmal dem halben Weg tat mir schon alles weh, so verkrampft saß ich auf dem lütten Roller. Wir legten immer mal wieder kleine Po-Pausen ein und erreichten irgendwann unser erstes Etappenziel: der Bangpoo Resort.

Wir hatten den Ort rein aus geografischen Gründen gewählt, denn es ist der erste Punkt, nachdem der Chao Phraya in den Golf von Thailand mündet. Von dem “Resort” hatten wir noch nichts gehört, hofften aber, dass es nicht zu touristisch sein würde. Das Gegenteil war der Fall. Bei dem Bangpoo Resort handelt es sich offenbar um eine Location für Festivitäten und zugleich einem Restaurant für sämtliche Bewohner Bangkok’s, die am Wochenende der Stadt entfliehen. Zu dem Gebäude führt eine lange Seebrücke – doch wer jetzt ein hübsches Schlösslein wie das auf Rügen vor Augen hat, der könnte kaum weiter von der Realität entfernt sein. Tatsächlich ähnelt das riesige Gebäude eher einem Prunkbau des 70er-Jahre-Sozialismus (um beim Vergleich mit Rügen zu bleiben: stellt euch vor, man würde die Plattenbauten von Prora auf dem Seeschloss in Sellin abwerfen). 
Übrigens heißt Golf von Thailand nicht gleich weißer Strand und türkisblaues Meer – stattdessen erinnert die Küste dort eher an eine Norddeutsche Wattlandschaft – nur die steife Briese fehlt. 

Gegessen haben wir in diesem ungewöhnlichen Bau übrigens nicht. Mangels englischer Karte und ausreichend Thailändisch-Kenntnisse unsererseits hätten wir höchstens per Fingerzeig bestellen können. Grundsätzlich ja eine spannende Idee – doch meine Nerven lagen vom Rollerfahren schon ordentlich blank. Stattdessen gab’s am nächsten Streetfoodstand etwas leckeres zu essen. 

 

 

Wat Hong Thong
Mittlerweile war es schon recht spät und wir hatten gerade mal die hälfte der Strecke zum eigentlichen Ziel des Ausflugs zurückgelegt. Aber – ihr könnt es euch denken – ich wollte den Tempel trotzdem immer noch sehen. Also zurück auf die Berta (so haben wir unseren Roller in Bangkok getauft) und entlang der Küste Richtung Wat Hong Thong. Nachdem wir endlich die nicht so schöne Hauptstraße verlassen hatten und auf die Stichstraße in Richtung Tempel einbogen, offenbarte sich uns eine Ansammlung mehrerer bunter Häuser entlang eines kleinen Kanals. 

 

Und dann erreichten wir endlich unser Ziel des Tages: einen Tempel am Ende eines Stegs im Wasser. Das außergewöhnliche und skurrile sind die Figuren, die aus dem Wasser ragen – vor allem das grüne weibliche Seeungeheuer mit pinkem Top war mal was Neues.

Entlang des Stegs hängen ganz viele kleine Glöckchen, die vor sich hin klimpern. Vorne angelangt erwartete uns ein wunderschöner Blick auf die einsame Küste. Skurril und anders offenbarte sich uns auch die Rückseite des Tempels, wo sich ein Miniatur-Schiff mit Seemanns-Figuren befand. Wo sich das Schiff noch halbwegs in das Bild eines Tempels am Meer einfügt, so kann man das über den bunten “Welcome”-Schriftzug nicht gerade sagen. Dieser wird nämlich – ohne Witz – flankiert von kleinen Schafsfiguren und einem rothaarigen Pärchen… Das Innere des goldenen Stupas ist mit bunten Wandbemalungen geschmückt und von oben hat man einen tollen Blick aufs Meer. Skurril wird es dann erneut im gegenüber liegenden Tempelgebäude, an dessen Wand buddhistische Meerjungfrauen von Seeungeheuern sehr anzüglich betatscht werden… 

 

Das war doch echt mal anderes, oder? Wir fanden jedenfalls, der Weg hatte sich mehr als gelohnt. Auf dem Rückweg nach Bangkok suchten wir uns eher kleinere Straßen und ich entspannte mich langsam auch immer mehr (man gewöhnt sich offenbar an alles). Der nächste Ausflug sollte kein Problem mehr werden! 

Streifzüge durch Bangkok Teil 6
– Der Tempel der Morgenröte – 

In meinem ersten Streifzug durch Bangkok habe ich euch schon von ganz vielen Tempeln erzählt – doch fürs Pflichtprogramm fehlt noch einer: “Der Tempel der Morgenröte”.
Hierfür muss man allerdings über den Chao Phraya zum anderen Ufer. Das lässt sich ganz einfach mit dem Boot machen, denn der Tempel hat einen eigenen Fähranleger. Natürlich geht’s auch mit Roller, sofern man sich über die ziemlich große und befahrene Autobrücke traut. Zu Beginn unserer Zeit in Bangkok wäre ich wohl lieber vom fahrenden Roller abgesprungen, als neben schnellen LKW und Autos hoch über einem Fluss auf einem kleinen Roller zu sitzen. Doch mittlerweile war mein Fahrer so souverän und ich vor allem so entspannt, dass wir in luftiger Höhe ans andere Ufer flogen. Wenn ich entspannt sage, meine ich das übrigens wortwörtlich: während ich mich anfangs noch panisch festklammerte, wenn wir uns mal wieder durch Bangkok’s Höllenverkehr schlängelten, saß ich mittlerweile auch seitlich im Rock darauf und schrieb parallel auf dem Handy Nachrichten (natürlich nur, wenn der Verkehr einen sowieso am schnellen fahren hinderte…). Man gewöhnt sich wohl an alles.

 

Wat Arun
Von weitem sieht die Tempelanlage ja bereits eindrucksvoll aus, mit ihrem weißen, elegant geformten Prang (Tempelturm). Doch erst wenn man davor steht, erkennt man das eigentliche Kunstwerk: das Bauwerk ist übersät mit einem bunten Blumenmuster. Blüten, Blätter und Girlanden schmücken die Türme und die „Yaksha“, Dämonen mit bunten Fratzen und Wächter der Tempel. Die Stufen des Tempels kann man hinauf gehen und hat von oben einen schönen Blick auf den Fluss und Bangkok’s andere Uferseite. Doch nicht nur die weißen Türme, auch die gesamte parkähnliche Tempelanlage ringsherum ist sehr schön. Wer des Herumlaufens müde ist, kann sich hier auch sehr gut einfach ans Ufer setzen und die vorbei fahrenden Schiffe beobachten.

 

 

Prayurawongsawas Waraviharn
Durch Zufall entdeckten wir in der Nähe des Wat Arun noch einen weiteren Tempel, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Die weiße Spitze des Prayurawongsawas Waraviharn ist zwar nicht so hoch wie die seines bekannten Nachbarn, aber als verträumter Beifahrer und untalentierter Navigator kann es einem schonmal passieren, dass man die falsche Spitze ansteuert. Doch wie so oft führte das Verfahren nur dazu, dass man eine weitere tolle Entdeckung machte. In diesem Fall eine Tempelanlage, die mit einem verwunschenen Garten und idyllischen Teich auf uns wartete, in dessen Mitte ein Felsen mit einem kleinen Tempelgebäude steht. Ein super lauschiges Plätzchen!
Und das tollste: in dem kleinen See schwimmen ganz viele ca. 40-50 cm große Schildkröten. Sie tümmeln sich im Wasser, recken ihre Köpfchen heraus und versuchen gaaanz langsam an der schrägen Teichmauer empor zu klettern. Dabei zuzusehen hat durchaus etwas meditatives und ich hätte da stundenlang am Ufer sitzen können um mein Zen zu finden…

 

Streifzüge durch Bangkok Teil 5
– Durch China, Indien, Korea und Arabien –

Chinatown
Das wohl bekannteste Viertel der fremden Kulturen ist Bangkok’s Chinatown. Auf der Hauptstraße Yaowarat Road leuchten bunte chinesische Schriftzeichen um die Wette und ein Streetfood-Stand reiht sich an den nächsten. Abends wird ein Streifen der Straße mit Verkehrshütchen abgesperrt und regelrechte Menschenmassen drängen sich entlang der Stände um ihr Abendessen zu ergattern. Wer kulinarisch probierfreudig ist, wird hier voll auf seine Kosten kommen – denn bei einigen Sachen ist es ein ziemliches Ratespiel, was man da wohl gerade zu sich nimmt. Ein Rätsel war auch einer der Stände, an den sich so viele Menschen drängten, dass wir schon vermuteten es gäbe etwas umsonst. Für ein Anstehen knurrten die Mägen jedoch zu laut, so dass wir dieses Rätsel leider nicht mehr lösen konnten…

 

Wat Traimit
Wenn man schonmal in Bangkok’s Chinatown ist, sollte man dem Wat Traimit noch einen Besuch abstatten. Der “Tempel des goldenen Buddha” steht am Ende des Yaowarat Road und wartet mit zahlreichen Stufen und vor allem viel Gold auf den Besuch der Gläubigen und Touristen. Wir waren am Asanha Bucha dort, einem buddhistischen Feiertag, was den Besuch besonders schön machte. An den buddhistischen Feiertagen sind die Tempel auch abends geöffnet und Austragungsort für diverse buddhistische Rituale. Da werden kleine Scheiben aus Wachs gefertigt, in die man etwas hineinritzt und dann wieder zum Einschmelzen gibt, Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet. Bei einem anderen Feiertag, dem Vesakh, baute man sogar Sandburgen am Wat Yannawa (hier geht’s zum Bericht). Das Besondere sind jedoch immer die Kerzenprozessionen, bei denen man mit einer Kerzen drei Runden um den Tempel schreitet. Die Atmosphäre ist bei diesen Anlässen wunderschön und wer zu einem der Feiertage in Bangkok ist, sollte sich das nicht entgehen lassen!

 

 

Little India
Gar nicht so weit entfernt von Chinatown liegt Bangkok’s Little India. Wir stattetem dem Viertel eines Tages auf dem Rückweg eines Ausflugs einen Besuch zum Essen ab. Wir starteten unsere Tour im Shopping Center “India Emporium”, das auf mehreren Etagen zugepackt mit bunten und glitzernden Stoffrollen für Saris ist. Dahinter beginnt ein kleines Gassen-Wirr-Warr und wir streunerten umher auf der Suche nach einem authentischem Street-Food-Stand. Authentisch war dabei kein Problem – nur fehlte uns etwas die kulinarische Probierfreudigkeit bei all den für uns nicht recht identifizierbaren Speisen. Mangels ausreichender Indisch- oder Thailändisch-Kenntnisse half auch keine Erklärung weiter und so landeten wir am Ende in der oberen Etage des “India Emporium” und bestellten per Fingerzeig Curry, das zwar scharf aber lecker war. Während wir unsere Naans in die Schalen tunkten, wurden wir von der einzig mit uns anwesenden kleinen Gruppe Inder (oder indischer Thais) interessiert und zugleich etwas verwundert beäugt. Vielleicht war das ganze Shopping-Center doch authentischer als es auf uns wirkte – andere Touristen haben wir dort jedenfalls nicht entdeckt…

 

 

Korea Town
Mein liebster Reisebegleiter hat mir schon viel von seiner Zeit in Südkorea erzählt, wo er ein Semester studiert hat. Doch unabhängig von seinen Erlebnissen und Reisen durch das Land (vielleicht erzählt er euch ja irgendwann mal davon), schwärmte er am meisten vom “Korean Barbeque”. Dabei sitzt man um eine in den Tisch integrierte Grillplatte, die von einem darunter liegenden Kohleblock erhitzt wird und bestellt – ähnlich wie beim Fleischfondue oder “Heißen Stein”, falls ihr das kennt – eine Auswahl verschiedener Fleischarten und Marinadevariationen. Dazu gibt’s allerhand Beilagen wie im Tapasladen. Das kleingeschnittene Fleisch “schmeißt” man dann selbst, gemeinsam mit einem Stück Fett auf die Grillplatte und wickelt es am Ende in eine Rolle aus Salatblatt und Reis, dippt es in eine der Soßen und – happs – in den Mund. Lecker! 
Nun waren wir ja aber nicht in Korea, sondern in Thailand. Es gibt zwar auch ein Thai-Variation dieses kulinarischen Events, aber nach so vielen Erzählungen musste ich natürlich auch das Original probieren. Zum Glück gibt es in Bangkok nicht nur ein kleines China und Indien sondern auch ein Korea. Die kleine Passage “Korea Town” befindet sich unweit der Sukhumvit Soi 11 und beherbergt vor allem koreanische Restaurants. Wir fanden’s lecker und vom liebsten Reisebegleiter wurde es als authentisch klassifiziert – für noch mehr Original müssten wir dann wohl mal wieder ins Flugzeug steigen…

 

 

Soi Arab
Auf die Gefahr hin, dass sich dieser Beitrag nur ums Essen dreht: ich liebe ja Hummus und verdrücke wöchentlich eine nicht unwesentliche Menge pürierter Kichererbsen. Nach ein paar Monaten in Asien war es mal wieder an der Zeit und wir machten einen Abstecher ins arabische Viertel, auf der Suche nach Falafeln, Shawarma und Hummus. Die “Soi Arab” liegt ebenfalls an der Sukhumvit Road und zwar in der Soi 3 und einigen kleinen Gassen ringsherum. Dort reihen sich libanesische, ägyptische und jemenitische Restaurants aneinander und statt thailändischer Schrift blinken uns nun arabische Zeichen entgegen. Wir entschieden uns für den einfachsten Imbiss, denn die großen klimatisierten Restaurants wirkten mit gähnend leeren Räumen überteuert und wenig authentisch. Endlich bekam ich meinen ersehnten Hummus und Falafel, auch wenn der lange nicht mit dem Falafelstern auf der Hamburger Schanze mithalten kann…
Eine Sache wurde mir übrigens an diesem Abend bewusst: in den ganzen Monaten in Südostasien war ich in der Freizeit meistens in Shorts oder Röcken unterwegs und hab mich dabei nie unwohl gefühlt. Soll heißen, da war nie ein gaffender Blick, Pfiff oder sonstiges Gebärden, dessen man als Frau im Sommer nunmal gelegentich Zeuge wird. Das mag daran liegen, dass die Südostasiaten grundsätzlich eher zuückhaltend sind – oder schlichtweg daran, dass europäische Frauen nicht dem Attraktivitäts-Bild der südostasiatischen Männer entspricht (was mir widerum mein schwuler Thaifreund Gobo erzählte, ohne dass er eine Erklärung dafür hatte – wie auch?…). Das macht das Reisen als Frau in dieser Gegend so entspannt (und auch sicher). An diesem Abend im arabischen Viertel wurde mir das einmal mehr bewusst, denn plötzlich fehlte genau das und ohne meinen liebsten Reisebegleiter hätte ich mich hier und da vielleicht etwas unwohl gefühlt…

 

 

Leben im Flugzeug
Natürlich gibt es noch diverse andere kleine Viertel in dieser riesigen Metropole – doch statt zu noch mehr fremden Kulturen, führe ich euch noch zu einem Ort, der das Entdecken der fremden Kulturen überaupt möglich macht: Flugzeuge. Für ein paar ausgediente (nicht abgestürzte…) Flugzeuge gibt’s in Bangkok sogar einen Friedhof und der Vergleich mit dem Elefantenfriedhof aus Disney’s “König der Löwen” drängt sich irgendwie auf….
Ein bisschen außerhalb der Stadt, jedoch immer noch inmitten des typischen Straßenchaos und hoher Gebäude, befindet sich eine Art “Lost Place”, ein großes brach liegendes Grundstück, auf dem die Reste einiger Aluminiumvögel liegen. Unter anderem auch das vordere Drittel einer Boeing 747. Diese werden sogar bewohnt und angeblich hat man manchmal Glück und die Bewohner laden dazu ein, sich ihre Behausungen anzusehen. Als wir dort waren, schienen aber alle ausgeflogen zu sein. Ich weiß auch nicht, ob ich mich bei so einer Besichtigung vielleicht etwas unwohl gefühlt hätte. Das etwas skurrile Bild lässt sich aber jedenfalls auch wunderbar vom Zaun aus begutachten. Für uns war es mit dem Roller auch nur ein Katzensprung bzw. ein kleiner Umweg nach einem Ausflug in den Süden Bangkoks. Wenn man nicht lange in Bangkok ist und auf ein Taxi angewiesen ist, lohnt sich die Anfahrt vielleicht nicht unbedingt. Denn Bangok hat ja bereits im Stadtkern sooo viel Spannendes zu bieten…