Streifzüge durch Bangkok Teil 4
– Bars, Clubs und verrückte Erlebnisse – 

Nachdem ich euch zuletzt Geschichten aus dem Rotlichviertel erzählt habe, ist vielleicht ein Drink angebracht…
Ich geb es besser direkt offen zu: ich bin weder die Disco-Queen, noch die Cosmopolitan-Dame und am meisten gefehlt hat mir in Bangkok eine ehrliche Eckkneipe. Doch natürlich habe ich mich trotzdem in den einen oder anderen Club mitziehen lassen, habe ein paar Gin Tonics über den Dächern Bangkok geschlürft und mich dem allgemeinen Amusement der Stadt hingegeben. 

 

Khao San Road
Am bekanntesten ist hierfür wohl die Khao San Road. Allerdings gibt es in Bangkok wohl auch kaum einen Fleck, der touristischer ist und wir haben die Gegend nur aus obligatorischen Gründen einmal besucht. Das Ergebnis ist eher ernüchternd. Es reiht sich Bar an Bar, Biertürme, die Musik der Läden vermischt sich zu einem undefinierbaren Klang und man begegnet eigentlich nur Menschen in Elefantenhosen und Tanktops – oder denen, die diese verkaufen. Fliegende Händler versuchen ihre gebratenen Skorpione (und sonstiges Krabbelgeviehchs) loszuwerden und sind dabei erstaunlich erfolgreich. Eine Straße weiter, in der Rambuttri Alley geht es etwas ruhiger zu. Hier wechseln sich mitunter hübsch illuminierte Cocktailbars mit Massageläden ab.

Am Anfang der Straße befindet sich übrigens ein legendärer Streetfood-Stand, der “Banglumpoo Thaifood’1974”. Das Essen war glaube ich sehr lecker, leider war ich auch nach drei Monaten immer noch nicht an die thailändische Version von “scharf” gewöhnt, so dass ich nach dem ersten Bissen nicht mehr viel geschmeckt habe (also Augen auf bei der Essenswahl).

Für eine Entdeckung lohnte sich unser Besuch dann aber doch: in einer kleinen Verbindungsstraße zwischen den beiden erwähnten Straßen befindet sich die “Raggae Bar Bangkok”. Eine schummrige kleine Bar in der Ecke der Soi, mit bunten Graffitis, sehr guter Musik und grandiosen Barkeepern. Einer der Jungs sah dem Ukulele-spielenden Hawaiianer Iz verblüffend ähnlich und sein Kompagnon setzte sich für einen Klönschnack zu uns. Hatte der Kerl doch tatsächlich vor Jahrzehnten in Deutschland studiert und sprach noch erstaunlich gut Deutsch. 

 

 

Sukhumvit Soi 11
Etwas abwechslungsreicher und weniger “Bier-Turm-mäßig” lässt sich ein Abend an der Sukhumvit 11 verbringen. Hier reihen sich Bars verschiedenster Stile, Rooftop-Bars und Clubs aneinander. Tanktops und Elefantenhosen sind eher weniger vertreten, dafür versammelt sich offenbar die Expat-Gemeinde hier. Ein Abend hier ist sicherlich nicht typisch thailändisch, aber es gibt ein paar wirklich nette Läden: 

Havana Social
Längst kein Geheimtipp mehr, aber nach wie vor einen Besuch wert ist die “Havana Social” -Bar. Als hätte Doctor Who einen ganz persönlich mit seiner T.A.R.D.I.S. abgeholt, gelangt man in die Speakeasy-Bar nur durch Eingabe eines Codes am Münztelefon. Der Effekt geht aufgrund des regen Besuchs leider etwas flöten, denn die Türsteher/Eintritt-kassierer (ca. 8 Euro am Wochenende) sagen einem natürlich den Code und es ist ohnehin ein Kommen und Gehen. Aber das tut dem Besuch keinen Abbruch, denn die Bar ist wirklich mit viel Liebe eingerichtet und entführt einen ins alte Kuba. Der Putz scheint zu bröckeln, die Wandmalereien sind scheinbar verblasst, Wäscheleinen hängen von der Decke und Hüte an der Garderobe. Die Kellner sind kostümiert mit Hosenträgern und während man sich durch diverse Rumsorten durchprobiert, lässt sich die passende Live-Musik stilecht genießen.

 

Rooftop-Bars an der Sukhumvit Soi 11
Unweit der Havana Social warten zwei nette Rooftop-Bars auf einen Besuch. Das “Nest” ist zwar nur im 8. Stockwerk, dafür sehr gemütlich mit vielen Pflanzen und schöner Beleuchtung. Zwischen den ganzen leuchtenden Hochhäuser sitzt man wie in einem verwunschenen Dachgarten und kann dort ganz gemütlich sein Bier genießen. 
Nur um die Ecke, dafür ein paar Stockwerke höher in der 33. Etage, liegt das “Above Eleven”. Eine chice Rooftopbar mit guter Cocktailkarte und einem schönen Blick auf Bangkok’s Skyline. Das Foto der Aussicht ist zugegebenermaßen miserabel, aber besser als nix und die Kamera blieb bei solchen Abenden dann doch lieber zu Hause… 

 

Restaurant-Tipp
Wer den ganzen Fusel nicht auf leerem Magen trinken möchte, sollte seinen Abend im “Cabbages and Condoms” starten. Der Name ist Programm, denn das Restaurant hat es sich wohl auf die Fahne geschrieben, Aufklärung mal anders anzugehen. Wir erwarteten ein schrilles Restaurant mit Deko für die nächste Junggesellenparty – doch uns erwartete etwas völlig anderes. Ein wunderschöner Innenhof mit bunten Lampions un vielen Pflanzen, leiser Live-Nebenmusik auf einem traditionellen Saiteninstrument und hervorragender Service. Der Preis war für Bangkok’s Restaurant-Szene sogar beinah günstig. Das Essen war super lecker – nur habe ich abermals meine Geschmacks-Knospen herausgefordert und mir einen Papaya-Salat bestellt. Klingt jetzt erstmal nicht sehr aufregend – das Dressing hat es allerdings durchaus in sich. Ich habe noch nie etwas so Chilli-scharfes gegessen wie diesen Salat und irgendwann tropften tatsächlich salzige Tränen auf den Teller. Ein kulinarisches Erlebnis, das hängen blieb (ohne bleibende Schäden zu hinterlassen). 
Übrigens, wer genauer hinsieht entdeckt dann doch irgendwann die zahlreichen Kondome… Die Lampenschirme sind nämlich beklebt mit den noch eingerollten, farblich unterschiedlichen Gummis. 

 

 

Noch mehr Rooftop-Bars
Rooftop Bars gibt es in Bangkok wirklich viele und überall verstreut. Wir haben nicht mal annähernd alle in Augenschein genommen, was zum einen an den doch recht happigen Getränkepreisen liegt, zum anderen, waren wir dann meist doch eher auf der Suche nach der ehrlichen Eckkneipe… 
Neben den bereits erwähnten Rooftop-Bars an der Sukhumvit 11, dem“Nest” und dem“Above Eleven”, kann ich euch noch von den folgenden berichten. 

Eine ganze Ecke weiter im Osten liegt die “Vanilla Sky”-Bar, in die ich mehrfach wollte, aber jedesmal wenn wir in der Gegend waren, fing es an zu regnen. Eine Kollegin hat die Bar aber wärmstes empfohlen, also testet sie gern und erzählt mir davon! 

In der Altstadt Bangkok’s gibt es zwar keine sehr hohen Gebäude, dafür hat man dann aber auch vom 5. Stock einen schönen Blick über die umliegenden Dächer. Zum Beispiel von der “At-Mophere Bar” am Anfang der Rambuttri Alley, ganz in der Nähe des besagten Streetfood-Standes “Thaifood 1974”. 


Ein bisschen weiter südlich der Khao San Road, ganz versteckt befindet sich die
Phra Nakorn Bar & Gallery”. Von der aus hat man einen tollen Blick auf den beleuchteten “Golden Mount” und vor allem ist diese Bar so versteckt, dass sich kaum ein Nicht-Thai dorthin zu verirren scheint. 

 

Von einer weiteren, ganz besonderen Rooftop-Bar habe ich euch ja bereits in meinem ersten Bangkok Artikel erzählt. Im Norden, in der Nähe des Victory Denkmals, befindet sich die Sky Train Jazzbar”Mit Jazz hat es gar nicht so viel zu tun, aber das “Train” stimm – denn direkt am nicht-verglasten-Fenster und dem Balkon fährt die BTS auf ihren Hochbahn-Schienen vorbei. Und die ausgefallene Dekoration setzt dem ganzen noch die Kirsche drauf. 

 

Die Mutter aller Rooftop-Bars ist wohl nicht das “Lebua”, das durch Hangover 2 berühmt wurde, sondern die “Vertigo und Moon Bar” auf dem Banyan Tree Hotel. Das Hotel an sich ist schon etwas Besonderes mit seiner sehr charakteristische Architektur, denn es ist geschätzt mindest dreimal so breit wie tief und sieht dadurch beinahe zweidimensional aus. Außerdem hat es eine Art “Garten” in einem Stockwerk einige Meter unterhalb des Rooftops. So oft haben wir darauf geschaut und sind daran vorbei gefahren, denn unser Apartment lag direkt an der Rückseite des Monstrums, so dass wir eine atemberaubende Wand neben unserem Dachpool bewundern konnten. Das Hotel war auch der Grund dafür, dass wir uns einen Rolller angeschafft hatten, denn anstatt der wenigen Meter Luftlinie versperrte das Bauwerk sämtliche Shortcuts zur Hauptstraße, so dass wir immer einen laaaangen Weg durch die Hintergassen nehmen mussten. Aber das ist eine andere Geschichte, die euch schon in meinem ersten Bangkok Artikel erzählt habe. 
Aber wie das eben so ist, wenn man erstmal irgendwo wohnt und der Alltag kommt, schiebt man solche Dinge immer auf. Und so kam es, dass wir es fast nicht mehr hinauf geschafft hätten. Doch an einem unserer letzten Abende in Bangkok erwischten wir ein kleines regenfreies Zeitfenster zum Sonnenuntergang… 
Es war wunderschön! Das besondere an der Bar ist, dass man sich wie auf einem riesigen Schiff fühlt, denn nichts, nicht mal ein kleines Dächlein für den Tresen, ist noch höher als die Köpfe der Menschen auf ihr. Der sich dadurch bietende 360° Blick ist natürlich bombastisch. Für uns, die zu diesem Zeitpunkt schon so viele Straßen der Stadt befahren hatten, so viele Hochhäuser von unten bestaunt hatten, rundete es das Bild dieser aufregenden und vielseitigen Stadt noch einmal ab. 

 

 

Clubs
Ich hätte ja gedacht, Club ist Club – egal wo auf der Welt. Aber ich wurde eines besseren belehrt und diese Erfahrung führte beinahe zu einer filmreifen Schlägerei. Aber schön der Reihe nach…

Das erste Club-Erlebnis sammelten wir imInsanity” einem recht großen Club, der aus einer einzigen quadratischen Fläche besteht. Super- viel Platz zum Tanzen! Doch offenbar geht es den meisten Besuchern nicht darum. Ich werde euch in einem späteren Artikel nochmal etwas mehr über das Klischee “Thaifrau” erzählen, aber soviel sei nun schonmal gesagt: das Klischee bestätigt sich erstaunlich oft. Dementsprechend ist beinahe der gesamte Raum vollgestellt mit Cocktailtischen, an denen sich Thaifrau und Westler-Mann finden… Nebenbei werden Unmengen Alkohol bestellt zu saftigen Preisen, aber die Herren können es sich ja leisten (oder tun es zumindest für den Anlass). Das Ende vom Lied: ist man nicht Teil des Spiels, wird man schnell mal zum Alien und als Westler-Frau mitunter auch etwas kritisch beäugt. Man könnte ja zur Konkurrenz werden… Aber immerhin gibt es eine leicht erhobene Mini-Tanzfläche, mit einem Durchmesser von vielleicht drei Metern, auf der man einen herausragenden Blick auf das etwas abstruse Geschehen hat (fürs Tanzen reicht der Platz ja ohnehin nicht). 

Diese Erfahrung wurde dann tatsächlich noch durch einen Besuch im “CÉ LA VI” getoppt, offenbar einer der absolut angesagten Clubs zur Zeit unseres Besuchs. Der Club ist eigentlich mehr eine Bar/Lounge, mit einer kleinen Tanzfläche am Ende des schlauchförmigen Saals. Das besondere: das ganze befindet sich im 39. Stockwerk und vom Balkon hat man einen wahnsinnig tollen Blick über Bangkok. Aber nun zu unserem Besuch. 
Wir schafften es tatsächlich auch erst im zweiten Anlauf hinein, denn der Dresscode ist hier ernst zunehmen, keine kurze Hosen für Männer. Ein spontaner Besuch fiel daher aus, denn normalerweise läuft man abends eben in kurzen Hosen herum… Die strenge Handhabe ist im Übrigen eigentlich erstaunlich, denn wo es in den heimischen Clubs die weiblichen Besucher stets einfacher am Einlass haben, ist es in Bangkok aus berichteten Gründen andersherum. Beim zweiten Versuch (mit langer Hose) klappte es dann aber und wir fanden uns hoch oben auf der Tanzfläche wieder. Wir waren gemeinsam mit ein paar anderen deutschen Praktikanten und Referendaren dort und die Gruppe setzte sich aus zwei Frauen und etwa sechs Männern zusammen. Das führte dazu, dass bald schon eine sehr energische und ehrgeizige Thai in unserer Mitte war. Sagen wir mal so, sie ließ nichts anbrennen und war durchaus bereit ihr Revier zu markieren. Nachdem ich ein paar mal “versehentlich” ihren Ellenbogen zwischen die Rippen bekommen hatte, verkrümelte ich mich ein paar Schritte weiter zusammen mit meinem liebsten Reisebegleiter (so wirklich auf Abstand gehen konnte man allerdings nicht, denn dafür ist es dort einfach zu voll). Die Dame fühlte sich offenbar dennoch bedroht in ihrem Revier und ein sicherlich filmreifer Schubser von hinten ließ mich einen ordentlichen Satz nach vorn machen (soweit das in einem vollen Club eben geht). Nach einem kleinen Tumult (ohne Fäuste und Halleluja) und ein bisschen mehr Abstand glätteten sich die Wogen wieder und die Party konnte weitergehen. 

Wesentlich entspannter ging es dann im “Glow” zu, einem kleinen Laden in der Nähe der Sukhumvit 11. Hohe Decken, ein bisschen rustikaler, eine Galerie mit alten Sofas. Zugegebenermaßen scheint sich kein Local dorthin zu verirren, aber mir war das in dem Moment ganz recht. Irgendjemand entdeckte dann einen illegalen Weg durch das Treppenhaus hinauf auf das Dach, an dem Wäscheleinen und diverses Gerümpel stand. Wir feierten dort unsere kleine illegale Privatparty, bis wir irgendwann wieder hinuntergescheucht wurden. 

Absolutes Highlight der Club-Erfahrungen war dann aber ein Abend in der Schwulen-Szene Bangkoks. Mein Lieblings-Thai Gobo nahm uns eines Abends in sein Schlepptau und entführte uns in eine ganz andere Welt. Genau gesagt ging es in die “DJ Station” in der Silom Soi 2. Der Club ist eine Art kleine Mall, also ein überdachter Gang an dessen Seiten sich ein Club an den nächsten reiht. Eintritt gezahlt wird einmal vorne und danach beginnt eine einzige große Party. Während von links Hip Hop dröhnt, wummern von rechts Elektro-Bässe, aber egal wohin man sieht, es wird ausgelassen getanzt – teilweise auch mal halbnackt. Vornehme Zurückhaltung wurde in vielen Fällen an der Garderobe abgegeben und der ein oder andere ist recht touchy unterwegs (natürlich hauptsächlich gegenüber dem männlichen Teil unserer Gruppe). Ich glaube die Herren haben es mit Humor genommen und meine Freundin Marie und ich, die beinahe einzigen Frauen im Club, amüsierten uns über ihre anfänglich etwas erstaunten Gesichter. Doch unsere weibliche Minderheit schien keinen zu stören und bald schon hüpften wir mit einer Gruppe Thais wild über die Tanzfläche. Die Musik war gut, die Stimmung herausragend und ehrlich gesagt war es mal ganz entspannt, so ganz ohne reviermarkierende Thai-Damen oder plump-flirtende Herren.
Gegen 2 Uhr wurden wir dann rausgescheucht – Sperrstunde, wie in jedem Club Bangkok’s – es sei denn man kennt die kleinen Schlupfwinkel, wo man auch noch zu später Stunde weiter feiern kann. Gobo verfrachtete uns ins Taxi und wir fuhren recht weit in den Norden zum abgelegenen “Warehouse Bungalows”, einer sehr rustikalen und zugleich sympathischen Tanzbar mit Billardtisch. Wir waren die einzigen Westler, doch der Frauenanteil war nun merklich größer als zuvor. Dass es sich dabei trotzdem auch um eine Location der Schwulen-Szene handelte wurde uns erst gegen Ende bewusst, als die Herren von der Toilette kamen und von dem besonderen Service dort erzählten: Am Pissoir stehend hatten sie doch tatsächlich unaufgefordert eine Schulter- und Rückenmassage von einem jungen Thai erhalten (ich frage mich ja, ob man sich dabei überhaupt entspannen kann bzw. wie man die eigentliche Aufgabe dabei noch bewerkstelligt…) und danach ein warmes Handtuch wie im Flugzeug gereicht bekommen (natürlich war diese Sonderleistung, wie bei einem Ryanair-Flug, nicht umsonst und der Thai erwartete ein entsprechendes Trinkgeld). Mein Lachen über die Situation hielt glaube ich noch die gesamte Rückfahrt an… Was für ein Abend. 

 

 

Auf der Suche nach der ehrlichen Eckkneipe

So fancy diese ganzen Bars auch waren, zur Stammkneipe wurden sie nicht. Wo waren die einfachen Kneipen mit schummrigem Licht und Mobiliar, dem man die Spuren vieler vergangener Abende ansieht?

Ziemlich nah dran kam die kleine Bar “Wong’s Place”, die tatsächlich gar nicht so weit von unserem Apartment entfernt war. Die Wände tapeziert mit kleinen Polaroids, ein Billardtisch im oberen Stockwerk und eine schrullige, thailändische Stammkundschaft – gute Voraussetzungen für ein entspanntes Feierabendbier. Auch die “Sky Train Jazzbar” fällt definitiv in diese Kategorie, auch wenn das Publikum deutlich westlicher ist. 

Doch unser unangefochtener Liebling, Stammkneipe und Austragungsort so mancher feuchtfröhlicher Abende blieb “Jack’s Bar”. Am Ende einer dunklen Gasse, wenn man schon überzeugt ist, dass sich Googlemaps einen Spaß erlaubt, erreicht man eine kleine Ansammlung von Bierbänken, einen einfachen Tresen mit Zapfhahn und das alles direkt am Ufer des Chao Phraya. Wenn es voll wird, und das wird es öfter mal, werden die typisch asiatischen Plastikstühle bis hinunter auf den Steg und den Ponton gestellt (ein Wunder, dass wir niemals ins Wasser gefallen sind, denn bei vorbeifahrenden Schiffen oder ein paar Chang oder Leo  gerät der Boden schonmal ordentlich ins Wanken). Die Bar ist wirklich einfach, es gibt nur ein einfaches Klo-Häuschen, kein Schi-Schi und das Essen soll sein Geld nicht wert sein. Wer Instagram-tauglichen Chic, hippe DJs und ausgefallene Cocktailkarten sucht, ist hier falsch. Die Musik läuft im Sinne einer modernen Jukebox über Laptop und Youtube, an den jeder nach Herzenslust ran darf. Die Betreiber-Familie ist absolut liebenswürdig, die Stimmung stets entspannt, das Bier günstig und der Blick auf den Fluss einfach wunderschön.

 

 

 

 

Streifzüge durch Bangkok Teil 3
– Kino, Thaiboxen, Ladyboys und Rotlichtviertel – 

Bangkok: abenteuerliches Nachtleben, leichte Bekleidung und Entertainment für beinahe jeden Geschmack. Die Jungs in “Hangover 2” machen es vor – und so viele tun es ihnen nach… 
Was ich gesehen und vor allem erlebt habe folgt nun – Jugendfreiheit nicht garantiert. 

 

Kinoerlebnisse in Bangkok
Beginnen wir ganz sittlich beim Kinobesuch. Nun mag man sich denken, Kino ist Kino, wieso sollte ich in Bangkok ins Kino gehen?
Doch in Bangkok ist Kino nicht gleich Kino. Es gibt zum Beispiel diverse Luxus-Kinos, mit feinsten Ledersesseln und Bedienung, wobei die Karten da dann auch mal schnell über 20 Euro kosten. Wir haben’s uns gespart, aber für alle Luxus-Liebhaber unter euch gibt es hier eine gute Übersicht.

Was wir uns nicht gespart haben, ist ein vierdimensionales Kinoerlebnis im “Siam Paragon”. Wem schon bei 3D-Filmen schlecht wird, der sollte diese Fahrt vielleicht aussetzen, denn die Sessel bewegen sich passend zum Film, vibrieren, schütteln und wackeln und Düsen aus dem Vordersitz runden das Erlebnis mit Luft und Wasser ab. Einen anspruchsvollen Film sollte man sich auf diese Weise vielleicht nicht ansehen, denn zugegebenermaßen lenkt es schon ein bisschen vom eigentlichen Film ab. Aber bei “Fluch der Karibik 5” war es ein Heidenspaß. Zumindest, sobald wir erstmal im Sessel saßen. Denn wie das Glück so spielte, waren wir aufgrund einer verloren gegangen Kreditkarte etwas zu spät im Saal. (Verloren im Sinne von, ich habe sie vergessen aus dem Geldautomaten zu ziehen. Das ist mir übrigens gleich zweimal passiert, denn in Thailand ticken die Uhren anders und eben auch die Geldautomaten. Hier kommt ERST das Geld und DANN die Karte raus. Ein falscher Automatismus, der bei mangelnder Konzentration schnell mal zu hektischen Karten-Sperr-Anrufen im Kinofoyer führen kann…) Der Film hatte zwar noch nicht begonnen, aber auch die Werbung war vierdimensional. Man versuche mal, bepackt mit einem vollen Eimer Popcorn und einem Becher Cola auf einen konfus wackelnden Kinosessel zu steigen. Loriot hätte eine wahre Freude an unserem Anblick gehabt – und das restliche Publikum hatte es mit Sicherheit, als wir uns im Popcorn-Regen niederließen. 

Übrigens folgte auf das Setzen erstmal noch eine kleine Umziehaktion, denn zumindest eine Sache haben scheinbar alle Kinos in Bangkok gemein: es ist schweinekalt. So richtig. Während wir also sonst in der Freizeit auch Nachts nur in Shorts und Shirt herumgelaufen sind (und selbst dann noch geschwitzt haben…), sind wir an den Kinoabenden mit langen Hosen zum Kino gefahren und haben uns im Saal noch in die dicksten Pullis gehüllt. Und was hätte ich um Handschuhe und eine Decke gegeben. 

 

 

Muay Thai Boxen
Etwas abenteuerlicher wird es dann noch beim Muay Thai Boxen, dem Nationalsport der Thailänder. Die einst sehr traditionelle Sportart mit einem der härtesten Regelwerke der Welt, ist heutzutage beinahe zweitrangig neben dem Sport, den das Publikum betreibt – das Wetten. Doch dazu später mehr. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich Null Ahnung vom Kampfsport habe und noch nie einen Boxkampf gesehen habe (wenn man diverse Hollywood-Produktionen mal außen vor lässt). Doch wenn man in Bangkok lebt, sollte man sich dieses kulturelle Erlebnis gönnen. 

Was sich einem bietet, ist zunächst einmal sehr eindringliche rhythmische Musik, für unsere europäischen Ohren womöglich etwas unharmonisch, zu der sich die Jungs aufwärmen. Doch Aufwärmen bedeutet hier nicht Dehnen oder Schattenboxen. Wie bei einer buddhistischen Zeremonie knien sie zunächst in der Mitte des Rings und haben dabei eine Art Kopfschmuck auf. Danach beginnt das eigentliche Aufwärmen, bei dem sie zum Takt der Musik tänzeln und dabei die Fäuste über dem Kopf rotieren. (Das ist wirklich schwer zu beschreiben, aber zum Glück habe ich euch einen kleinen Film mitgebracht.)

Beim eigentlichen Kampf ist gefühlt alles erlaubt. Da wird getreten, das Knie eingesetzt und sogar das “Clinchen” ist erlaubt (für alle, die das jetzt wie ich googeln müssten: das ist das gegenseitige Umklammern, zum Beispiel um sich vorm K.O.-Gehen zu bewahren und ist ansonsten im Boxsport verboten.) Beim Thaiboxen wird es dafür umso mehr eingesetzt und meist folgt danach ein beherztes Knie-Hochziehen (angeblich war der Tiefschutz übrigens früher aus Kokosnüssen…). Ansonsten geht es eigentlich recht ähnlich zu wie bei einem Rocky-Film und mitunter kippen die Kämpfer auch mal aus dem Ring. Die K.O.-Quote ist wohl Glückssache. Bei unserem Besuch wurden alle Kämpfe durch Punktsieg entschieden. Als ein Freund zuvor dort war, sind 5 von 6 k.o. gegangen… 

 

Ein Kampf im Channel 7 Studio
Es gibt in Bangkok einige Stadien, in denen man sich das für viel Geld ansehen kann, oder man geht Sonntags Mittags zum Channel 7 in der Nähe des Chatuchak-Markts. Da die Kämpfe im Fernsehen übertragen werden, sollen die Ränge natürlich hübsch voll sein – und internationales Publikum ist natürlich besonders gern gesehen (vielleicht wird man aber auch einfach nur vom wild-wettenden Publikum getrennt).

So kam es, dass auch wir eines Sonntags die heiligen Hallen betraten und extra ganz früh kamen, damit wir auch noch gute Plätze ergattern könnten. Und tatsächlich landeten wir ganz oben auf der Tribüne, die stets im Hintergrund des Kampfes zu sehen ist und stellten uns auf ca. eine Stunde Wartezeit ein. Statt auf Reiseführer und Blogs zu vertrauen, hätten wir besser einfach mal das Programm des Senders gegoogelt, denn an diesem Tag begann der Kampf erst 2 Stunden später… Zum Glück hatten wir halbwegs vorgesorgt und uns mit Snacks und Getränken vom Seven Eleven ausgestattet. Nur ein Sitzkissen wäre ab irgendeinem Zeitpunkt ganz nett gewesen (kein Scherz…), denn die Tribüne besteht aus einer ausgewachsenen Hühnerstange aus Metall als Sitzen. Ich spüre noch heute, wie sich das Alu in die Haut “gebrannt” hat. 

Aber langweilig wurde uns dennoch kaum, denn es gab viel zu sehen. Skurril gekleidetes VIP-Publikum, eine asiatische Version von ZZ Top und vor allem die Vorbereitungen zum eigentlichen Geschehen – dem Wettsport des Puplikums. In für unsereins nicht nachvollziehbarer Weise werden durch diverse Handzeichen in alle Richtungen Wetten entgegen genommen und abgegeben. Einige liefen mit einer Ansammlung von drei Handys herum, die auf einer Platte montiert waren. Was genau damit gemacht wurde, weiß nur Buddha und die Thais… Aber auch wenn sich das System in keinster Weise erschlossen hat und ein Mitwetten damit ausgeschlossen war, ist es in jedem Fall ein höchst interessantes Schauspiel gewesen, das den eigentlichen Kampf beinahe in den Schatten stellte. 

Und nun noch das versprochene Video zum Kampf:

 

Ladyboys in Bangkok
Vom Ring auf die Bühne – ins Cabaret! Mindestens so bekannt wie das Muay Thai Boxen sind für Thailand die “Kathoey”, das “dritte Geschlecht”. Männer in Kleidern, aufwendig geschminkt und mit langen Haaren – so der ein oder andere Thailand-Besucher hat sich wohl auch schon mal täuschen lassen… 

Wer die Täuschung in (überwiegend) gesitteter Distanz auf sich wirken lassen möchte, könnte es mir gleichtun und das “Playhouse Bangkok” besuchen. Zum Ticketpreis von ca. 17 Euro gibt es eine gute Stunde Glamour, Tanz und Show. Von Michael Jackson, über Schwanensee (wobei statt Schwanenkostümchen Schweinsmasken angesagt waren…), zu einem überdrehten aber komischen Imitat einer Whitney Housten und Musical-Highlights wie Aladdin und Moulin Rouge – natürlich alles Playback. Das Bühnenbild ist für eine Show diesen Rahmens sehr aufwendig und liebevoll gemacht und die Kostüme sind eine wahre Pracht.

Das Ensemble – ca. zur Hälfte als Frauen verkleidet – ist zwar größtenteils durch keine Tanzausbildung gegangen, aber darum geht es wohl auch eher am Rande. Die Täuschung ist in ein paar Fällen tatsächlich ziemlich überzeugend – andere haben sich vielleicht ein paar Mal zu viel unters Messer gelegt und ihre Gesichter wirkten irgendwie seltsam deformiert… Insgesamt jedenfalls ein nettes Abendprogramm – nur schade, dass der große Saal mit nicht mal 10 Zuschauern sehr leer war. So kam es, dass auf einen Zuschauer ca. 2 Tänzer kamen – eine zwischenzeitlich etwas gruselige Situation, denn zu “Thriller” kamen die Zombis von der Bühne hinab. Nachdem sich ein Zombi-Kopf von hinten herangeschlichen hatte und sich plötzlich über mich beugte (mein Schrei übertönte wahrscheinlich für einen Moment die Musik…), wurden die Untoten noch recht touchy und vollführten einen etwas grotesken Lapdance, der zu einem leicht panischen Lachanfall führte… 

 

 

Tabledance Bars
Wer mit Cabaret nicht so viel anfangen kann und die Tänzerinnen lieber direkt vor der Nase hat, der wird wohl eines Tages in der Soi Cobwoy landen. Durch eine Aneinanderreihung diverser Umstände fand ich mich eines Abends im Kollegenkreis auf ein Feierabendbier in einer der Tabledance Bars in dieser berüchtigten Straße wieder. Die Situation erschien mir ehrlich gesagt nicht minder grotesk als der Lapdance des Zombis. Die Damen, noch recht sittlich gekleidet, umrundeten ihre Stangen mit einer Motivation, die ihresgleichen sucht. Aber wer will es ihnen verübeln, immerhin schien keiner der Anwesenden sie überhaupt anzusehen… Da fragt man sich ja schon, warum man überhaupt in so eine Bar geht. 

 

 

Ping Pong Shows
Der künstlerische Anspruch sinkt mit jedem Abschnitt und tadaaa, wir sind bei der wohl groteskesten Show angekommen, die man sich in Bangkok antun kann – der Ping Pong Show. “Leider” kann ich euch auch nur Infos vom Hörensagen berichten, denn ich habe mir diese kulturelle Erfahrung gespart. Ein paar meiner Kollegen machten dagegen den für viele obligatorischen Ausflug nach Patpong, einem weiteren Rotlichtviertel Bangkoks. Dort gibt es offenbar eine breite Auswahl an großen und kleinen Austragungsorten für diese Art von Show. Inhalt und Ablauf ist recht simpel und repetierend: Frau “schießt” diverse Gegenstände auf Zielscheibe oder mal mit einem Stift und das alles weder mit Händen, noch Füßen oder dem Mund…

Es sei dazu gesagt, dass diese Shows offenbar am Ende einer langen Karriereleiter im Rotlichtviertel stehen und die Darstellerinnen dementsprechend nicht mehr gerade jung und knackig sind. Dementsprechend sitzt wohl auch niemand im Publikum, der Gefallen an dem findet, was sich ihm bietet. Es scheint vielmehr die groteske Sensationsgier zu sein, die für scharenweise Zuschauer sorgt (vielleicht vergleichbar mit dem Dschungelcamp-Phänomen, ein Absurdum, das sich mir auch bis heute nicht erschließen möchte).

 

 

Wem das alles zu viel Show ist, der folge mir zur Fortsetzung des Streifzugs – durch Bangkok’s Bars und Clubs…

Parks in Bangkok
– Wiesen, Seen und Kontraste –

Wenn man an Bangkok denkt, hat man schicke Wolkenkratzer, kastenförmige Wohntürme und natürlich prachtvolle Tempel vor Augen. Doch inzwischen der zahlreichen architektonischen Meisterwerke (und Sünden) finden sich nicht nur verstopfte Straßen, sondern tatsächlich auch ein paar hübsche Parks. 
Eine kleine Tour am Nachmittag führt euch gleich zu zwei von ihnen – und zu Einblicken in ein ganz anderes Bangkok…

 

Lumphini Park
Ein bisschen wie New Yorks Central Park, liegt der Lumphini Park mitten in Bangkoks Zentrum. Umgeben von schicken Hotels und zahlreichen Botschaften liegt die quadratische Grünanlage mit ihren kleinen Seen. Ein schöner Rundweg führt vorbei an Palmen, fotogenen Gebäuden wie einem Uhrenturm oder einem Pavillon. Für alle, die bei der allgegenwärtigen Luftfeuchtigkeit noch nicht ausreichend ins Schwitzen kommen, warten Open-Air-Fitness-Geräte, hübsche Laufrouten und sogar eine abendliche Yoga-Stunde in der Park-Mitte. Wer es lieber ruhig angeht, setzt sich für ein Brettspiel an eine der Sitzgruppen oder mit einer Decke ans Seeufer. Von dort kann man eine wunderschöne Aussicht auf Bangkoks Skyline genießen. Aber Vorsicht: im Lumphini Park leben Warane! Und zwar nicht gerade wenige. Die etwa einen Meter langen Echsen tun zwar im Grunde niemanden etwas – aber ärgern sollte man sie besser nicht… 

 

 

The Green Mile
Von Bangkok’s “Central Park” geht’s zu einem außergewöhnlichen Weg, der “Green Mile”. Der grüne Fahrrad- und Fußgänger-Weg verläuft in einigen Metern über den Straßen Bangkoks und verbindet den Lumphini Park mit dem Benjakitti Park. Der Weg startet an der nordöstlichen Ecke (das ist rechts oben…) und bietet erstmal einen typischen Bangkok Blick: hinab auf bunte Taxis und knatternde Roller, Stromleitungs-Wirrwarr und Bauwerke in allen Größen und Formen. Doch schnell ändert sich die Kulisse und statt vorbei an modernen Bauten, wandert man über den Dächern von einfachen Hütten, winzigen Gassen und ursprünglichen Marktständen. Noch ein Stückchen weiter beginnt ein Kanal, dessen Ufer von Stelzenhütten und wuchernden Pflanzen gesäumt ist. Als ich da so alleine entlang spazierte (denn der Weg steht mit Sicherheit nicht auf der typischen Touristen-Route) schoss mir kurz ein Foto in den Kopf, das einige Tage zuvor ein Botschafter getwittert hatte. Von einem Baum auf dem Botschaftsgelände (mitten in Bangkok) hing eine Python herab, die gerade einen ziemlich großen Waran verspeiste (ließ sich dabei aber offenbar viel Zeit, denn die Mahlzeit hing noch zur Hälfte aus dem Maul der Schlange… 

Es blieb zum Glück bei dem Gedanken an die Schlange und ich erreichte irgendwann, beeindruckt von dem völlig neuen Bild, das ich von meinem neuen Zuhause entdeckt hatte, das Ende der “Green Mile”

 

 

Benjakitti Park
Vom Ende der “Green Mile” ist es nur noch eine Ecke weiter zum Benjakitti Park. Wer nun eine weitere Grünfläche erwartete liegt falsch. Vor einer weiteren Hochhaus-Skyline liegt ein künstlicher See – ähnlich eines Leichtathletik-Platzes. Drum herum führt ein Fußgänger-Weg und eine Fahrradbahn. Die 15 km/h werden von den meisten Zweirädern nicht ganz so genau genommen – also Obacht beim Überqueren der Fahrbahn… 
Am Ufer auf dem hübschen Holzsteg unter Palmen ist man allerdings vor jeglichen Rennraser sicher und kann entspannt auf einer der Bänke lesen. 

 

Wer dann noch nicht genug hat, der kann seine Spaziergänge im großen Park beim Chatuchak Markt oder aber einem kleinen Park ohne Namen in der Gegend um Suan Plu (unserer “Hood”) fortsetzen. 

Leben in Bangkok – Teil 2
– Seide, Street Art und Shopping – 

In meinem ersten Bericht über das Leben in Bangkok erzählte ich euch von unserer Ankunft, dem Apartment und dem Alltag (Leben in Bangkok – Teil 1). Heute vergrößere ich den Radius und führe euch durch das Moderne Bangkok – abseits der alten Tempel, den Tagestouristen und der berüchtigten Khao San Road. 

Seidenherstellung und Wunschgarten im Jim Thompson House
In vielen Reiseführern hoch gelobt und meist aufgeführt als Sightseeing-Ziel ist das “Jim Thompson House”. Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung einiger traditionell thailändischer Teakholzhäuser, umgeben von einem kleinen Dschungel-Garten. Hintergrund ist der amerikanische Unternehmer Jim Thompson, der Mitte des letzten Jahrhunderts die Seidenherstellung in Thailand kommerzialisierte und nebenbei zahlreiche Kunstgegenstände sammelte. Unter anderem ließ er besagte Häuser in Ayutthaya abbauen und in Bangkok neu errichten. 
Für 150 THB, also knappe 4 Euro, kann man die Häuser besichtigen. Allerdings nur im Zuge einer Führung, die im Preis mit inbegriffen ist. Während der 30-Minütigen Führung kann man die ein oder andere Holzstatue, bunt bemalte Schüsseln oder einen ausgefallenen Nachttopf bewundern. Nebenbei erfährt man von der sagenumwobenen Geschichte des Herren hinter dem Museum. Dieser ist nämlich offenbar eines Tages im malaysischen Dschungel verloren gegangen…
Wesentlich spannender ist dann fast schon das Treiben im Innenhof, denn hier kann man live sehen, wie die feinen Seidenfäden eigentlich entstehen – vom Kokon bis hin zum bunten Faden. Nebenan gibt’s noch ein paar Tänzerinnen und natürlich den obligatorischen Shop mit teuren Seidenprodukten. 
Fazit: Wer nur für ein paar Tage in Bangkok ist und ein ähnlich hohes Interesse an Geschirr hat wie ich, der sollte seine Zeit vielleicht lieber dem “echten” Bangkok widmen…

 

 

Street Art am Kanal
… Zum Beispiel direkt hinter dem Jim Thompson House. Dort fließt der Kanal “Phanfa Bridge Water Gate”, den man zu Fuß oder per Wassertaxi erkunden kann. Wer ein Herz für bunte Streetart hat, der sollte vom Jim Thompson House am Ufer entlang in Richtung Phayathai Road spazieren. Das Schild zu Beginn des Weges, mit dem Hinweis “No painting please”, scheinen einige als Aufforderung genommen zu haben, denn entlang des Wassers wurden so einige Liter Farbe kunstvoll versprüht.

 

 

Graffiti Park: Chalermla Park
Wer von Graffitis dann noch nicht genug hat, sollte über die Brücke mit den Elefantenköpfen “Saphan Chaloemla 56” nach Norden zum Chalermla Park weiterspazieren. Die Fassaden werden von dem ein oder anderen Motiv geschmückt und der Rest einer Hauswand wirkt wie ein überdimensionales Comicbuch. Wer auf die Suche geht, findet unweit des Parks vielleicht sogar den alten König…

 

 

Shopping-Überfluss in Siam
Vom Graffiti Park ist es dann auch nur noch ein kurzer Marsch zum Siam Square, einer Ansammlung von zahlreichen Einkaufszentren. Ganz im Westen das “MBK”, eine Ansammlung von trashigen Souvenirshops, kitschigen Handtaschen und billigem Plunder. Rings herum um die BTS-Station “Siam” reihen sich das kleine “Siam Discovery”, das “Siam Center” mit einigen bekannten Ketten und das “Siam Paragon”, das hauptsächlich für den vollen Geldbeutel ist. 
Inzwischen der ganzen Shopping Center gibt es übrigens noch ein riesig großes Graffiti: ein drei-äugiges Baby im Hasenkostüm. Die Figur mit dem Namen “Mardi” stammt aus der Feder (bzw. Sprühdose) eines der bekanntesten Streetart-Künstlers Thailands, Patcharapol Tangruen. Unter seinem Künstlernamen “Alex Face” hat er die ein oder andere Wand Thailands verziert und nicht nur in Bangkok lief mir Mardi über den Weg… Übrigens war er auch im Chalermla Park – habt ihr ihn entdeckt?

Auf der anderen Straßenseite befindet sich das “Siam Square One”, das ich vor allem wegen seines Dachgartens “Siam Green Sky”  besuchte. Nach langem Suchen (nur ein Aufzug von vielen fährt bis ganz nach Oben) musste ich feststellen, dass die Dachterrasse mittlerweile dauerhaft geschlossen ist. Den Garten konnte ich nur noch durch eine Glasscheibe bewundern… Bei dieser Gelegenheit gab es aber immerhin noch ein paar versteckte Graffitis zu entdecken. 
Noch mehr Klamotten (und Streetart) gibt es in den vielen kleinen Gassen am Siam Square – ein schier endloses Gewirr aus kleinen Lädchen, die weder H&M, noch Souvernirshop sind. 

 

 

Park @ Siam
Der Dachgarten blieb mir zwar verschlossen, doch dafür entdeckte ich einen kleinen gemütlichen Park, der zu einem kleine Campus gehört und von einem gemütlichen Coffee-Shop abgerundet wird. 

 

 

Shopping Center Terminal 21
Natürlich hat Bangkok noch weit mehr Shopping-Zentren zu bieten als nur die bereits erwähnten in Siam. Mich verschlug es eines Tages in das “Terminal 21”, denn dort ist jedes Stockwerk entsprechend eines Landes dekoriert. Von der römischen Statue im Erdgeschoss, über Geishas und Winkekatzen, marokkanische Lampen und vietnamesische Lampions – die Deko lässt sich sehen. 
Doch ich war nicht für die Deko gekommen: ich hatte eine Mission. Für einen schicken Empfang brauchte ich ein Kleid. Weder die mitgebrachten Strandkleider noch die Büro-Outfits erschienen mir passend, also musste ein neues her. Das sollte in Bangkok ja nun wirklich nicht schwierig sein…
In einer der Etagen des “Terminal 21” fand ich mehr oder weniger was mir vorschwebte. Elegante Kleider, aber nunmal nicht die bekannten Schnitte aus Deutschland, sondern eben thailändisch. Die Kleider hingen zum Begutachten an der Stange – verschieden Größen gab es nicht. Aber die Kleider schienen meiner Größe zu entsprechen und so fragte ich die Verkäuferin, ob ich es wohl irgendwo anprobieren könnte. Ihr kategorisches “Nein” verdutzte mich zunächst, doch schob ich es auf die nunmal oft bestehende Sprachbarriere (ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nur wenige thailändische Wörter gelernt habe). Also versuchte ich dem Problem auf den Grund zu gehen und war zumindest damit auch erfolgreich. Es stellte sich heraus, dass die Verkäuferin mir das Kleid tatsächlich nicht zur Anprobe geben wollten, da es die Kleider nicht in “europäischer Größe” gäbe. Als ich ihr zu verstehen gab, dass das ja kein Problem sei, denn das käme ja ungefähr hin, schüttelte sie vehement den Kopf und erklärte mir, das wäre auf gar keinen Fall meine Größe. Wumms. In diesem Moment war es vielleicht ganz gut, dass ich kein Thailändisch beherrschte… das wäre eher unschön geworden. Nachdem sich diese Situation auch noch in einem anderen Shop schräg gegenüber wiederholte gab ich auf. Sauer, frustriert und völlig entgeistert über das Erlebte kaufte ich Schmuck eine Etage höher (Schmuck passt ja immer…). 
Es wurde am Ende übrigens mal wieder ein Kleid von H&M – in Größe XS…

 

 

Sehnsucht nach Frühstück…
Ich probiere ja schrecklich gern fremde Küchen aus. Doch beim Frühstück bleibe ich gerne beim Vertrauten… In Bangkok kann man natürlich in mehreren Cafés hervorragend brunchen gehen. Ein ganz besonders leckeres und Frühstück und sündhaft leckere Kuchen gibt’s zum Beispiel im “(Not just) another cup”.

Koh Tao
– Bergauf, bergab und Unterwasser – 

Thailand hat sooo viele Inseln – und wir wollten zumindest eine davon sehen! Doch welche? Die meisten Inseln liegen vor der Westküste Thailands, doch im Sommer, während der Regenzeit besteht ein nicht zu verachtendes Risiko, dass der Kurztrip ins Wasser fällt.

Nachdem uns genau das in Krabi passiert war, hatten wir wenig Lust unser letztes langes Wochenende wieder nur im Bungalow zu verbringen. Also ab zu den Inseln im Golf von Thailand. Die Wahl auf eine der dreien fiel nicht schwer – wir wollten es möglichst klein und ruhig: Koh Tao.

 

Anreise nach Koh Tao
Nachdem die Entscheidung gefallen war, begann die nächste Qual der Wahl: wie kommen wir hin?
Man kann bequem nach Koh Samui fliegen und von dort aus die Fähre nehmen – allerdings kostet allein der Flug schon 200 Euro. Ein bisschen günstiger fliegt man nach Chumphon oder Surathani und steigt dort (nach einem Bustransfer) ins Boot um.
Da wir aber erst am Abend aufbrechen konnten und wir auf gar keinen Fall einen unserer Urlaubstage für Anreise verplempern wollten, blieb uns nur der lange Weg über Land.

 

Fahrender Schlafsaal mit Weckservice: Nachtzug von Bangkok nach Chumphon
Über die asiatischen Nachtzüge hatten wir bereits viel Gutes gehört und so zuckelten wir am Abend von Bangkok’s Hauptbahnhof los in Richtung Süden. [Hier geht’s zu den Abfahrtszeiten]
Das Schlafabteil sieht erst mal aus wie ein gewöhnlicher Zug, doch über den Sitzgruppen befinden sich Klappen, die ein bisschen wie die Gepäckfächer im Flugzeug aussehen. Darin befindet sich das obere Bett, das später durch die Zugbegleiter hinuntergeklappt wird. Das untere Bett (das übrigens sehr viel größer und gemütlicher ist und dadurch, wie leider auch in unserem Fall, bereits schnell ausgebucht ist) wird wie in einem Wohnwagen aus dem Vierersitz gebaut. Die Zugbegleiter beziehen in Windeseile Matratzen, haken Vorhänge ein und versehen jede Schlafkoje mit frischen Kissen und Decken. Verrückt.
Wir konnten darin jedenfalls erstaunlich gut schlafen – einzig die grelle Beleuchtung, der man im oberen Bett leider sehr nah ist, stört ein bisschen. Aber mit Schlafmaske (die ich natürlich in Bangkok liegen gelassen hatte) oder einer Kapuze kann man dem ganz gut ausweichen. Wer dann noch an Ohrenstöpsel denkt, kann sogar die Schnarchgeräusche ausblenden.
Rechtzeitig vor Ankunft beim gewünschten Bahnhof kommen die Zugbegleiter und wecken alle, die dort aussteigen müssen (man sollte also besser keine Betten tauschen, denn der Weckservice funktioniert anhand einer Liste mit Bettnummern).

 

Auf dem Sonnendeck: Mit der Fähre von Chumphon nach Koh Tao
Mitten in der Nacht, gegen halb vier, stolperten wir auf den Bahnsteig in Chumphon und wollten uns, verschlafen wie wir waren, erstmal in die lange Schlange reihen um unser Anschlussticket für die Fähre abzuholen. Von einer energischen Mitarbeiterin wurden wir dann allerdings mit vielsagenden Handbewegungen zu einem anderen Büro in 500 Metern Entfernung zum Bahnhof verwiesen, da wir kein Ticket des bekannten Anbieters Lomprayah hatten.
Etwas verwirrt wanderten wir die verlassenen Straßen entlang, wurden aber irgendwann fündig. In dem halboffenen Bistrobereich eines Hostels erhielten wir unsere Tickets und nach einer Stunde sogar einen Kaffee, gleichzeitig mit einem kleinen Van, der uns zur Fähre bringen sollte (dachten wir). Stattdessen parkten wir nach 5 Minuten Fahrt wieder am Bahnhof um nun in einen großen Doppeldecker-Bus umzusteigen (kein Scherz…). Nach etwa einer Stunde Fahrt gelangten wir endlich an den Pier und während der Himmel sich langsam von dunkel- zu hellgrau verwandelte, legten wir ab in Richtung Koh Tao. Umso näher wir der Insel kamen, desto schöner wurde das Wetter und einen Großteil der 2 Stunden an Board, ließen wir uns bei mittlerweile strahlend blauem Himmel auf dem „Sonnendeck“ die salzige Luft um die Ohren peitschen.
Irgendwann war es dann soweit: wir legten an und uns empfing klares türkisfarbenes Wasser vor einer Skyline aus dunkelgrünem Dschungel und hellgrauen Felsformationen. Wir hatten Koh Tao erreicht.

 

 

Bett mit Aussicht: Unser Bungalow im P. D. Beach Resort
Angekommen am Pier und einen Anruf später, holte uns ein Mitarbeiter unseres Resorts ab. Resort klingt jetzt erstmal schweineteuer und luxuriös, ist aber eher eine der günstigeren Alternativen auf Koh Tao. Auf der Fahrt dorthin bekamen wir dann bereits einen ersten Eindruck von den Straßen der Insel: steil bergauf und bergab, manchmal nur Schotter und scharfe Kurven. Wie bei einer (zum Glück langsamen) Achterbahnfahrt rollten wir über einen Kamm und konnten dabei nicht einmal mehr die Straße hinab sehen, so steil war es! Meine Reaktion zum liebsten Reisebegleiter: „Das Roller-Fahren kannst du hier vergessen!“
Wir erreichten unser Resort, eine einfache Bungalow-Anlage am Hang (in Koh Tao ist fast alles am Hang) an einer kleinen verlassenen Bucht. Der Restaurant-Bereich ist sehr schlicht: ein paar einfache Tische mit Stühlen und ein großer Balkon ohne Geländer, direkt am Meer. Für uns ist es perfekt.
Noch perfekter ist übrigens unser Timing, denn wir ergattern den mit Abstand besten Bungalow der Anlage: in erster Reihe, mit nur wenigen Metern Abstand zum Meer und eigenem Balkon. Eine kleine Katzenfamilie fand das übrigens auch und hielt sich am liebsten dort mit uns auf. (Mein morgendliches Yoga auf der Terrasse wurde dadurch allerdings zu einem kleinen Eiertanz, denn bei jedem Positionswechsel musste erst mal ein Fellknäuel beiseitegeschoben werden). Es gibt wohl kaum etwas schöneres als Abends zum Meeresrauschen, zu zweit auf dem gemütlichen Sessel mit einer schnurrenden Katze auf dem Bauch einzudämmern und am nächsten Morgen mit Blick aufs Meer im Bett zu erwachen…
Apropos Meeresrauschen: Obwohl Koh Tao ja im eher ruhigen Golf von Thailand liegt, hatten wir an einigen Abenden an unserer Bucht eine richtig starke Brandung mit lauten Wellen… Wunderschön.

 

 

Nachbarpool mit Aussicht: Das Pinnacle Resort
Einen Pool gab es in unserer Bungalow-Anlage zwar nicht, aber wenn man sich einen Cocktail in der benachbarten Poolbar des Pinnacle Resorts gönnt, darf man deren schönen Pool mit Blick aufs Meer nutzen. Das haben wir natürlich getan, auch wenn der Himmel immer mehr von Plantschwetter zu Weltuntergangsstimmung wechselte. Fröstelnd unterhielten wir uns mit drei anderen Hamburgern, die schon einige Mal auf Koh Tao zum Tauchen waren und uns dringlichst zuredeten, wir sollten uns doch einen Roller mieten. Anders wäre es sehr kompliziert und vor allem teuer, die Insel zu erkunden.

 

Mit dem Roller Koh Tao erkunden
Nach dem ersten Tag in der Anlage merkten wir dann schon sehr schnell: uns fehlte das Herumcruisen, das Auskundschaften und spontane Anhalten bei interessanten Plätzen. Also wagten wir es und mieteten uns einen Roller. (Mir ist dabei die Ironie durchaus bewusst, dass wir uns einerseits mittlerweile so lässig durch den verrückten Verkehr Bangkoks schlängelten, dass ich mich dabei hinten im Kleid seitlich sitzend, nicht mal mehr eine Hand zum festhalten brauchte, sondern entspannt auf Instagram postete, ich mir aber bei verlassenen Straßen ins Hemd machte… Aber unser Bremsen-Debakel in Chiang Mai hat sich eben eingebrannt.)
Schnell stellten wir fest, dass wir mittlerweile nun doch schon zu den erfahrenen Roller-Fahrern gehörten und so waren die steilen Straßen und Schotterpisten kein Problem mehr für uns und wir genossen das Herumfahren über die Insel voll und ganz. Die schönsten und steilsten Strecken habe ich euch übrigens im Koh Tao-Film am Ende des Beitrags mitgebracht, wobei ich zugeben muss, dass man die Steigungen darauf nur erahnen kann…
(Wenn du auch mit dir am Ringen bist, ob du dich dort auf einen Roller wagen sollst: mach es, wenn du schon ein bisschen Fahren kannst – lass es wenn du noch nie gefahren bist. Für Anfänger sind die Steigungen echt zu krass. Tipp: wenn du jetzt schon weißt, dass du bald nach Koh Tao reisen wirst, dann übe doch einfach jetzt schonmal in einfacher Umgebung das Rollerfahren. Die Kosten, die du vorher zum Üben investierst, werden sich auf der Insel an gesparten Taxikosten und schönen Erlebnissen rentieren.)

 

 

Außergewöhnlicher Ausblick: Der John Suwan Viewoint
Mit dem Roller ging es direkt zum ersten Viewpoint und es sollte auch der spektakulärste werden!
Ganz weit im Süden, auf einem kleinen Zipfel gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man in Richtung Norden auf die Insel schaut. Der Weg hinauf ist gut ausgeschildert und nach ca. 10 Minuten bergauf erreichten wir einen großen Fels, an deren Rückseite man mit Hilfe eines Taus hinaufklettern kann (Anmerkung: auch wenn es einige geschafft haben, ohne abzustürzen oder sich einen Fuß zu brechen – Flip Flops sind nicht so ganz das richtige Schuhwerk hierfür…).
Oben angelangt teilten wir den Stein mit etwa 8 anderen Leuten und genossen einen ganz besonderen Blickwinkel: Koh Tao ist an dieser Stelle so schmal, dass man vom Viewpoint nicht nur die Chalok Bay an der Westküste, sondern auch gleichzeitig die gegenüber liegende Shark Bay an der Ostküste bestaunen kann. Ein göttlicher Anblick für alle Symmetrie-Fanatiker.

 

Chillen und Essen am Freedom Beach
Nachdem wir den außergewöhnlichen Anblick in uns aufgesogen hatten machten wir noch einen kurzen Stopp am hübschen Freedom Beach. Der kleine Strand ist nahe des Viewpoints gelegen und von der nördlich gelegenen Chalok Bucht durch Felsen und Wald getrennt.
Uns erwartete hellweißer Sand und eine kleine fotogene Baumreihe, in der Hängematten und Korrallen-Ketten hingen. Am Ende des Strandes gibt es nur ein einziges Restaurant, das mit einer großen offenen Holzterrasse und gemütlichen Sitzkissen zu leckeren Burgern mit Blick auf den Strand einlädt.

 

Tauchen in der Tanote Bay
Von dort aus düsten wir über die Insel Richtung Norden und auf die andere Seite, zur Tanote Bay. Schnorcheln stand auf dem Programm. In einer Tauchschule leihten wir uns Schnorchel und Brille – Flossen darf man auf Koh Tao nicht benutzen, denn damit zerstört man schnell mal eine Koralle.
Die Bucht ist zwar nicht so hübsch wie der Freedom Beach, dafür ist sie durch die alten Boote und den großen Fels im Wasser sehr fotogen. Zum Schnorcheln eignet sie sich übrigens hervorragend und uns erwartete eine sagenhafte Landschaft aus Korallen und zahlreichen bunten Fischen von klein bis groß. Als wir um besagten großen Fels in der Bucht herumschwammen, wurden wir übrigens fast gefressen: dort gibt es ca. Handteller-große dunkelbraun/schwarze Fische, die das Gebiet offenbar zu ihrem Territorium gemacht haben. Wenn man da so nichtsahnend umher schwimmt und plötzlich so ein Fisch zielstrebig auf einen zu geschossen kommt um einen in den Zeh zu beißen ist das im ersten Moment gar nicht mal so witzig. Man weiß ja nie wieviele Brüder der hat…
Es sei dazu gesagt, dass ich das Schnorcheln generell faszinierend und unheimlich zu gleich finde. Man taucht komplett in eine andere Welt ab und durch die Taucherbrille hat man nicht nur ein eingeschränktes Sichtfeld – alles hat auch andere Proportionen. Oft sehen Dinge weiter entfernt aus, als sie sind und ZACK stößt man mit dem Fuß gegen eine scharfe Koralle. Man verliert auch einfach komplett die Orientierung Unterwasser und beim Auftauchen ist man manchmal verwundert wie man da jetzt hingekommen ist und dass man von oben nicht einmal ansatzweise die Welt unter einem ausmachen kann. Doch wahrscheinlich macht es genau das zu etwas so faszinierendem. Schau es dir doch selbst im Trockenen und ganz ohne Brille und Schnorchel in meinem Koh-Tao-Film am Ende an.

Wenn du nicht nur Schnorcheln, sondern sogar richtig Tauchen willst, bist du auf Koh Tao übrigens auch goldrichtig! Meine Bloggerkollegen Jasmin und Valentin vom Reiseblog Vakuya erzählen dir, wie du einen Tauchschein auf Koh Tao machen kannst.

 

Shark Bay mit blutigem Ende
Am nächsten Tag wollten wir einen zweiten Schnorchelgang in der Shark Bay starten, denn dort soll man am frühen Vormittag eine gute Chance auf Riffhaie (und mit ganz viel Glück sogar Schildkröten!) haben. Ich scheuchte meinen liebsten Reisebegleiter also schon früh aus den Federn und wir erreichten die Bucht gegen neun Uhr. Die Shark Bay besteht offenbar nur aus einem einzigen Riesen-Resort, der sogar eine eigene Tauchschule besitzt. Wir zahlten ein paar Euro Eintritt, mieteten uns Schnorchel und erreichten den Strand, als noch alle anderen Menschen am Frühstückstisch oder in ihren Betten lagen. Im Wasser war keiner. Die anfängliche Freude wurde schnell von Verwirrung verdrängt und als wir nah ans Wasser kamen, war auch klar, wieso: Ebbe. Na gut – dann laufen wir eben ein Stück raus. Zwei Meter später war klar: no Chance. Der Boden bestand komplett aus Korrallenflechten (ganz abgesehen davon, dass es das Riff zerstört, würde es auch einfach höllisch wehtun, darüber zu laufen). Also schwammen wir, bei einem Wasserstand so niedrig, dass wir gerade so mit der Bauchdecke drüber passten. Auf Dauer war das auch keine Lösung und das Wasser wurde einfach nicht tiefer.
Letzte Option: wir paddelten zurück an Land und kletterten gut 20 Minuten über Geröll und scharfe Felsen hinaus aus der Bucht. In der Hand Schnorchel, Brille und GoPro und stets darauf bedacht, nicht auszurutschen.
Vorn angelangt wollten wir gerade ins Wasser krabbeln, als ich (komplett stillstehend) auf einem flachen Stein ausrutschte. Wie im Comic zog es mir komplett die Füße unter dem Körper weg und ich landete mit einem schmerzhaften Krachen auf dem, lediglich in einem Bikini-steckenden Hinterteil. Die erste Sorge galt dem Rücken und den Handgelänken, doch das schien alles soweit in Ordnung zu sein. Doch als ich aufstehen wollte, bemerkte ich, wie sich der, von Algen ganz grüne, Stein plötzlich dunkeltrot verfärbte. Ein paar Sekunden später hatten wir die undichte Stelle gefunden: ich hatte mir den linken Fuß aufgeschlitzt. Nicht so ein bisschen. Das Blut schoss regelrecht hinaus.
Schnorcheln war so keine Option mehr (Blutend durch die Shark-Bay schwimmen… klingt wie das Drehbuch zu einem typischen Hollywood-Hai-Film). Leider war weit und breit auch kein Mensch oder Straße in Sicht. Also blieb nur: den Weg zurück klettern, den wir gekommen waren.
Während uns die Sonne so langsam auf den Rücken brannte, kletterte ich mit Händen und 1,5 Füßen über die Felsen zurück und verteilte meine DNA dabei in einer hübschen Spur entlang der Bucht. Im Gegenzug nahm ich gefühlt aber auch einen Eimer Sand und Dreck mit und verkrampfte mich schon bei dem Gedanken an die Schmerzen, die es verursachen würde, das alles wieder dort hinaus zu bekommen…
Ich erspare euch ein Foto (wir hatten ehrlich gesagt auch anderes im Sinn, als von Fuß oder der Bucht noch Fotos zu machen) und komme zum Ende des Blutbads: nach einer halben Stunde erreichten wir die Tauchschule und einer der Lehrer versorgte die Wunde recht fachmännisch (noch nie habe ich mir vormittags so sehr einen Schnaps herbei gesehnt). Danach ging es ab in die Klinik, wo eine zweite Säuberung und Antibiotika auf mich warteten.
Wasser (egal ob Meer oder Pool) war für den Rest der Zeit auf Koh Tao damit gelaufen. Die Entzündungsgefahr ist laut Ärztin einfach zu hoch. Stattdessen gab es in den folgenden eineinhalb Wochen einen täglichen Verbandswechsel inklusive Säuberung und antibiotischer Salbe. Aber ich hatte Glück (im Unglück): die Entzündung blieb aus, der Fuß ist noch dran und rechtzeitig für den Urlaub auf Bali war ich wieder fit für’s Meer. Und so ein bisschen Zwangspause auf unserem Balkon war übrigens auch ganz nett.

 

Touri-Trubel: Abends am Sairee Beach
So schön es abends auf unserem kleinen Balkon auch war, fuhren wir am Abend zum Sairee Beach, dem Hauptsttrand von Koh Tao. Dort merkt man dann recht schnell, dass die Insel mittlerweile auch schon komplett touristisch ist. Beachbars mit Tauchtouristen und Backpackern reihen sich aneinander und Restaraurants mit einem Angebot von Pizza bis Burger ziehen sich entlang der kleinen Straßen. Den Sonnenuntergang kann man aber dennoch ganz hübsch bei einem Cocktail im Sand betrachten.

Danach suchten wir eine Weil einen empfohlenen Italiener – und wurden irgendwann auch fündig. In einer kleinen versteckte Gasse, in einem düsteren Hinterhof, der an ein Rocky-Filmset erinnert gibt’s leckere Pizza bei „La Pizzeria“.

 

Humpelnd über Stock und Stein: Hinauf zum Koh Tao Viewpoint
Da ja Wasser nun tabu war, wollten wir die restlichen Aussichtspunkte von Koh Tao abklappern. Erster Anlaufpunkt des Tages sollte der Koh Tao Viewpoint inmitten der Insel sein. In scharfen Kurven ging es immer steiler hinauf, bis Googlemaps uns ca. 800 Meter vor dem Ziel aufforderte rechts abzubiegen. Und tatsächlich zeigte auch ein kleines Holzschild in diese Richtung.

Der „Weg“ war allerdings alles andere als befahrbar. Weg ist eigentlich auch zuviel gesagt. Trampelpfad mit plötzlich aufreißenden Erdlöchern, Felsen und Gewächs trifft es eher.
Mit anständigen Schuhen und einer normalen Fitness absolut machbar. Humpelnd mit Verband ein bisschen eine Herausforderung. Aber: Ich. Wollte. Da. Hoch. Also gingen wir hoch.
Oben erwartete uns eine Art Rohbau eines kleinen Hauses, von dessen unfertiger (aber bunt dekorierter) Dachterrasse man einen herrlichen Ausblick auf die Westküste von Koh Tao bis hin zu der kleinen Inselgruppe Ko Nang Yuan hat.
Nach einer kleinen Verschnaufpause und einem kühlen Wasser, das im Erdgeschoss verkauft wird, schlitterten wir den Weg wieder hinab zum Roller (was sich humpelnd tatsächlich noch schwieriger als hinauf herausstellte).

 

Essen mit Aussicht: Das Blue Heaven Restaurant
Ein weiterer schöner Punkt wäre wohl noch die Mango Bay im Nordern gewesen. Allerdings war die einzige Straße dorthin gerade gesperrt. Auf Warterei hatten wir wenig Lust und die zahlreichen Stufen hinab zur Bucht klangen mit besagtem Klumpfuß auch nicht gerade einladend.

Also folgten wir einer Empfehlung und fuhren zum Blue Heaven Restaurant, das man ebenfalls als Aussichtspunkt bezeichnen könnte. Von der Dachterrasse, die bei unserem Besuch wie leergefegt war, blickt man wunderschön auf die Bucht Ao Leuk, in der wir am liebsten auch nochmal geschnorchelt wären.
Stattdessen genossen wir leckeres Essen bei toller Aussicht – bis wir plötzlich schwarze Wolken in einer rasanten Geschwindigkeit auf uns zurasen sahen. In windeseile fuhren wir zurück zu unserem Resort und schafften es mit den ersten Tropfen gerade noch in unseren Bungalow.

 

Wunderschöne Atmosphäre: Der Sonnenuntergang im Dusit Buncha Resort
Der Regen hörte Richtung Abend zum Glück wieder auf und so machten wir uns auf die Suche nach einem netten Plätzchen für einen letzten Sonnenuntergang am Meer.
Wir ließen den überlaufenen Sairee Beach hinter uns und fuhren weiter nach Norden, bis wir am Ende einer Straße auf ein Schild mit der Aufschrift „Sunset Restaurant“ entdeckten.
Unter einem umgefallenen Felsen ging es hindurch und nach einem akzeptablen Eintrittsgeld schlenderten wir durch das schöne Resort vor zum Meer. Einen Strand gibt es dort zwar nicht, doch dafür wurden verschiedene Holzterassen auf die Felsküste gebaut, von deren Bambussitzgruppen man einen wunderschönen Ausblick auf die gegenüberliegende Inselgruppe Ko Nang Yuan hat. Einen ganz besonderen Platz gibt es der Terrasse vorgelagert: Auf einem großen Felsen steht eine einzelne kleine Sitzgruppe unter einem weißen Baldachin. Wir waren noch recht früh, doch natürlich war der Platz schon besetzt – blieb es zu unserem Glück allerdings nicht mehr lange. Und so konnten wir vom absoluten Prime-Spot bewundern, wie die Sonne langsam zwischen den kleinen Inseln gegenüber unterging.
Irgendwann wurden wir dann zwar doch noch von dort vertrieben, da den Mitarbeitern dann wohl eingefallen ist, dass sie den Platz nur mit Reservierung (und ich nehme mal an mit Mindestverzehr) hinausgeben. Wir hatten wohl einfach Glück gehabt…
Aber auch unten an den Felsen lohnte es sich noch eine Weil zu sitzen und dem lauten Meeresrauschen zu lauschen.

 

Drei Inseln und eine Sandbank: Ko Nang Yuan
Der letzte Tag war bereits angebrochen, doch wir hatten noch Zeit bis zum Nachmittag, wenn unsere Fähre zurück nach Chumphon ablegen würde. Also noch Zeit für einen Ausflug zur Inselgruppe Ko Nang Yuan. Die drei kleinen Erdhügel liegen vor der Nordwestküste von Koh Tao und sind durch eine breite Sandbank miteinander verbunden. Ein außergewöhnliches Bild und oft gepostetes Instagram-Motiv. Um dem Touristenstrom möglichst auszuweichen machten wir uns schon am Morgen auf den Weg. Wir checkten aus unserem Bungalow aus und wurden mit Sack und Pack zum Pier gebracht, wo wir uns Tickets für ein Longtailboot nach Ko Nang Yuan kauften. Die großen Rucksäcke konnten wir beim Ticketbüro lassen und los ging es. Vorbei an der Westküste von Koh Tao knatterten wir gen Norden und bereits nach ca. 20 Minuten legten wir am Steg der kleinsten der drei Inseln an. Uns erwartete klares Wasser, hellgraue Felsen und eine gleißendweiße Sandbank. Diese ließen wir allerdings erstmal hinter uns und stiegen auf den Viewpoint der südlichsten Insel. Nach einigen Stufen und einer großen Ladung Mückenspray erreichten wir einen kleinen Felsvorsprung, von dem aus man den bekannten – aber trotz dessen wunderschönen – Blick auf die Sandbank und die anderen Inseln hat. Wagemutig und trotz verbundenen Fußes kletterten wir über ein paar große Felsen noch weiter hinauf, denn dort kann man um einen großen Fels herum gehen und hat eine weitere sensationelle Aussicht Richtung Süden auf die Küste von Koh Tao.
Lange genossen wir den Blick allerdings nicht, denn gegen halb elf stürmten die ersten Touristengruppen hinauf und belagerten den ganzen Viewpoint. Da waren wir wohl gerade noch rechtzeitig gekommen.
Zurück auf der Sandbank war das klare Wasser beinah zu verlockend für den kaputten Fuß, doch die Touristenmassen im Wasser sorgten zum Glück für Abschreckung und so genossen wir den Blick bei einem (unfassbar überteuerten) Kaffee an der Beachbar.
Viel mehr schien es auch nicht zu geben auf der Attraktions-Insel, die uns immer mehr wie eine künstliche Resortlandschaft vorkam. Wir vergruben uns in unsere Bücher und warteten darauf, dass uns unser Longtailboot wieder abholen würde.
Auf dem Weg zurück sorgte ein gehöriger Wellengang noch für durchnässte Kleidung und zwischenzeitliche Befürchtungen, dass wir am Ende noch komplett im Wasser landen würden, denn unser Fahrer fuhr waghalsig parallel zu den Wellen, so dass sie uns jedes Mal drohten umzukippen.
Wir kamen dann doch irgendwie an und zogen als Fazit, dass sich ein kurzer Ausflug nach Ko Nang Yuan am frühen Vormittag zum Viewpoint lohnt, ein längerer Aufenthalt allerdings wohl kaum. Aber für uns war es ein netter Abschluss unserer Reise nach Koh Tao.

 

Mit dem Bus zurück nach Bangkok
Für den Rückweg nach Bangkok hatten wir die Alternative zum Nachtzug gewählt, denn mit diesem wären wir nicht rechtzeitig zum Dienstbeginn am nächsten Tag angekommen. Stattdessen fuhren wir Nachmittags mit der Lomprayah-Fähre zurück nach Chumphon, von wo aus wir ca. 8 Stunden mit einem Doppeldecker-Bus zurück nach Bangkok fuhren. Ziemlich lang, aber wir hatten wieder einmal verdammt viel Glück. Als erste im Bus stürmten wir im oberen Stockwerk ganz nach hinten zum Notausgang, vor deren Tür eine Sitzreihe fehlte und stattdessen eine Matratze lag (warum auch immer). Abwechselnd konnten wir auf dieser hervorragend schlafen, bis wir irgendwann nach Mitternacht Bangkok erreichten.

 

Bergauf, bergab und Unterwasser: Mein Koh Tao Film

 

Krabi
– Treppen, Tiere und Regen –

Strände, Palmen, Karstfelsen,  kleine Inseln und bunte Fische: Krabi. Wir hatten uns schon so lange darauf gefreut und bereits zweimal verschoben, da die Wetterprognose so schlecht war. Doch dann Mitte Mai war es endlich soweit. Die Wettervorhersage war gar nicht mal so schlecht und bevor die Regensaison so richtig kommt riskierten wir es.  Auf geht‘s in Thailands Süden.

 

Ankunft in Krabi – Bungalow mit Haustier
Am späten Abend erreichten wir nach einem (wieder mal verspäteten) Flug das Vipa Tropical Resort eine kleine Bungalow-Anlage, zwei Kilometer entfernt vom Ao Nang Beach, dem Hauptstrand von Krabi. Zum Glück erwischten wir noch jemanden an der Rezeption, denn bereits 15 Minuten später wäre dort Schicht im Schacht gewesen und wir hätten in die Röhre geschaut. Einen Nachtwächter gab es dort nämlich nicht.

Auf den ersten Blick (soweit sich das im Dunkeln einschätzen ließ) machte die kleine Bungalow-Anlage einen schönen Eindruck und während wir zu unserer Hütte liefen konnte ich schemenhaft eine monströse Felswand vor uns ausmachen, die sich vor den dunklen Nachthimmel schob und sich vor den Sternen abzeichnete. Unser Bungalow war gemütlich eingerichtet mit einer kleinen Veranda davor und wir ließen uns kurz auf’s Bett plumpsen um den knurrenden Magen gegen die Müdigkeit abzuwägen.
Die Entscheidung wurde uns in diesem Moment abgenommen – denn unter dem Bett kam eine Kakerlake hervorgeschossen, flizte ab ins Bad und verschwand in einem kleinen Spalt zwischen Wand und Türrahmen. Bums – wir waren wieder hellwach.
Es war tatsächlich nach 10 Wochen in Asien unser erstes Haustier (abgesehen von Geckos). Aber ich sag‘ euch: das war keine kleine niedliche Straßenkakerlake. Die muss derartig viel Essen bei den Gästen gemopst haben, dass es ein Wunder ist, dass sie überhaupt durch das schmale Loch neben der Tür gepasst hat! RIESIG. Das Loch wurde von uns erstmal fachmännisch mit Leukoplast-Tape und Flyern gestopft, damit da nicht über Nacht eine ganze Familie hinausspaziert. Danach war die Option raus aus dem Bungalow und etwas Essen aber doch eine begrüßenswerte Option.

Zum Strand hinunter war uns zu weit und ein Tuk Tuk-Fahrer, der egerade Gäste abgesetzt hatte, nutzte die Abgelegenheit des Resorts für seine Preisverhandlung. Er wollte allen Ernstes 15 Euro für eine Fahrt zum Strand (wie gesagt – 2 Kilometer) haben. Wir lehnten dankend ab und spazierten die verlassene Straße entlang, ziemlich sicher, dass wir eine Weile laufen würden, bis uns etwas Essbares begegnen würde. Aber wir hatten Glück. Ein kleiner 4 Tische-Laden, in dem sonst nur eine Gruppe gut gelaunter Locals saß, wurden wir fündig und verputzten leckeres Curry und das ein oder andere Bier (da schläft’s sich besser in Gesellschaft einer Kakerlake).
Zurück im Bungalow war unser neuer Freund nicht mehr zu sehen und ich schaffte es sogar zu schlafen, ohne dauern von einem Kribbeln am Körper aufzuwachen.

 

Auf zum Strand – aber welcher?
Am nächsten Morgen erwartete uns strahlend blauer Himmel und eine schöne grün bepflanzte Bungalow-Anlage direkt vor einem Kalksteinriesen. Der Pool sah zwar einladend ein, aber wir wollten endlich ab ans Meer. Also mieteten wir uns an der Rezeption einen Roller und düsten hinunter zum Strand auf der Suche nach Frühstück.


Wir fuhren am Ao Nang Beach vorbei und waren eher mäßig begeistert. Der Strand ist nicht gerade paradiesisch, direkt an der Straße, schmal und zugebaut. An der Straße reiht sich ein Restaurant ans nächste und alle bieten mehr oder weniger das gleiche Ensemble aus Italienisch und Asiatisch an. Wir fuhren weiter zum Nopparat Thara Beach, der nur unwesentlich schöner war. Immerhin gab es dort ein paar Restaurants auf der Strandseite und wir gaben den knurrenden Mägen nach und frühstückten mit Blick auf das Meer und die ersten Karstfelsen.

 

Während wir dort saßen, zogen langsam die ersten Wolken auf, aber wir nahmen es positiv – immerhin hatten wir für den ersten Tag einen Roller gemietet und wollten ein bisschen durch die Gegend fahren um einen schönen Strand zu finden.
Gesagt, getan – wir fuhren weiter und fanden tatsächlich ein schönes Fleckchen ganz am Ende des Küstenabschnitts an einer kleinen Flussmündung: Eine Mini-Landzunge mit ein paar Karstfelsen bildet einen kleinen Strandzipfel und die Straße endet an einem kleinen Parkplatz inzwischen von hohen Nadelbäumen. Der Sand ist relativ hell, aber zum Schwimmen eignet er sich weniger, denn das Wasser ist sehr sehr flach (und braun). So richtiges Strandwetter war auch nicht mehr, denn das Blau am Himmerl verschwand Stück für Stück. Der Strand eignet sich aber hervorragend für einen kleinen Spaziergang, denn man kann hier so einiges entdecken und dabei die Sicht auf die schönen entfernten Karstfelsen genießen.

 Als wir den Strand betraten, waren wir kurz verwundert über die vielen kleinen Erhebungen im Sand, die wie ein Flimmern bei starker Hitze in Bewegung waren. Bei genauem Hinsehen entdeckten wir, dass es tausende winzig kleine helle Krebse waren – kleiner als so manch eine Hausspinne – die in Schwärmen seitlich über den Sand flitzten und sich in Null komma Nix im Sand verbuddelten, sobald man sich näherte.
Neben dieser „Hauptattraktion“ konnten wir zahlreiche Meeresschätze in allen Größen und Formen finden. Teilweise waren ganze Felsen und ungewöhnliches Treibgut von Muscheln überwuchert und überall lagen kleine Seesternfossilien herum. Doch trotz der vielen Fotomotive – so richtig Begeisterung kam nicht auf, was mit Sicherheit am Wetter lag.

 

 

Tiger Cave Temple – Wo die Affen wohnen
Wir hüpften also zurück aufs Moped und machten uns auf den Weg zum Tiger Cave Temple, einem der wenigen Sightseeing-Optionen in Krabi. Die Anfahrt führte uns in Schlangenlinien an hohen Karstfelsen und einer dunkelgrünen Dschungelwelt vorbei. Irgendwann erreichten wir die Tempelanlage, die im ersten Moment ziemlich unfertig wirkte. Am vordersten Gebäude waren einige Teile  noch von einem Gerüst verdeckt und Maler lackierten die pompösen Wächter-Drachen. Doch obwohl unfertig und nicht begehbar, ist dieser Tempel schon jetzt ziemlich pompös mit einer gehörigen Note Asia-Kitsch. Drachen, Tempel, bunte Farben – ich bin gespannt wie es dort in ein paar Jahren aussieht.

Wir dachten erst, das war es schon und waren drauf und dran weiter zu fahren, als wir von einem Spektakel unbuddhistischer Art im hinteren Teil des Geländes angezogen wurden. Vor einem Turm-artigen Tempel tummelten sich Affen!
Vorsichtig näherten wir uns dem quirligen Rudel, das sich um das Futter der anderen Touristen prügelte und beobachteten wie eine aufmüpfige Taube, die sich auch am Buffet bedienen wollte, von einem Affen in den Schwitzkasten genommen wurde und sich erst nach ein paar panischen Flügelschlagen befreien konnte (auf ihrer Flucht flog sie mir fast in die Kamera…).
Auch wenn viele auf die frechen Makaken schimpfen, die Essen, Sonnenbrillen und Kameras klauen – mich faszinierte es dennoch, diesen kleinen Primaten dabei zuzusehen, wie sie Erdnüsse knackten oder Bananen schälten und miteinander bzw. gegeneinander agierten (beides nicht ganz jugendfrei).
Highlight waren allerdings zwei Affen-Weibchen mit ihren Affenbabies, die wie kleine Rucksäcke saugend an der Brust ihrer Mütter hingen. Zwischendurch lösten sie sich neugierig aus den Armen der beschützenden Mutter um Nüsse zu ergattern. Eines der Jungen hatte einen Heidenspaß, am Schwanz der Mutter, die auf einer Bank saß, hinauf und hinab zu klettern.
So niedlich solche Beobachtungen auch sind, sollte man aber dennoch vorsichtig sein. Einige andere Touristen ließen die Affen auf ihren Schultern und Köpfen herumturnen und lockten sie mit Essen. So was kann auch ganz schnell mal schief gehen und dann ist so ein Ohr auch mal ab… (nicht dass wir so etwas beobachtet hätten). Aber als ich einen Affen plötzlich durch die Linse auf mich zu rennen sah, nahm ich doch lieber die Beine in die Hand und nahm wieder etwas mehr Sicherheitsabstand ein (und war einmal mehr froh um die Tollwut-Impfung).

 

 

 

1237 Stufen – ohne Schweiß kein Preis
Nach einer halben Stunde Affenzirkus löste ich mich schweren Herzens von unseren kleinen Freunden, denn es galt noch einen Berg zu erklimmen. Das eigentliche Highlight des Tempels liegt nämlich gut 600 Meter höher: ein Buddha, der wohl eine herrliche Aussicht auf die Karstlandschaft Krabis genießt. Doch die Aussicht muss man sich erst verdienen, denn hinauf gelangt man nur über 1237 Stufen. Diese Angabe verschleiert allerdings ein bisschen die Realität, denn die Stufen sind viel höher als die “deutsche standard Normhöhe”. Erschwerend kommt eine Luftfeuchtigkeit von geschätzt 100% hinzu (auf einmal waren wir doch recht froh um die Wolken am Himmel).
So unschön das auch klingt, aber wir waren nach nicht mal einem Drittel durchgeschwitzt bis auf den letzten Stofffetzen. Im letzten Drittel machten wir fast an jedem Absatz eine Pause und teilten unser Leid mit den anderen triefenden Touristen. Doch irgendwann hatten wir es geschafft und stolperten die letzten Stufen hinauf.
Oben erwarte uns eine große Aussichtsplattform mit der obligatorischen Gold-Ausstattung “Stupa, großer Buddha, kleine Buddhas”. Doch neben den buddhistischen Heiligtümern war es vor allem die Aussicht, die uns beeindruckte und für den anstrengenden Aufstieg entschädigte. Zwar hatten wir keine klare Sicht und die Karstfelsen waren teilweise von Wolken verhangen, doch trotzdem – oder gerade deshalb – war es eine filmreife Kulisse die sich uns präsentierte.
Nach einem weiteren Handstandbild am Abgrund (“Wehe du gehst noch weiter!”) machten wir uns auf den Rückweg, der aufgrund der hohen Stufen auch nicht gerade ein Spaziergang war (ja, wir werden alt…).

 

 

 

Railay Beach – Krabi’s Vorzeigestrand: Wie im Film
Am nächsten Tag stand der Krabi’s Promi auf dem Programm: der Railay Beach. Das Motiv mit bunten Longtailbooten im türkisblauen Wasser vor hohen Karstfelsen schmückt wohl jeden zweiten Thailand-Reiseführer und wir freuten uns schon sehr auf einen Tag im hellen Sand mit dieser malerischen Aussicht.
Am Ao Nang Beach kauften wir zwei Tickets für knapp 3 Euro pro Person und schon wenige Minuten später wurden wir zu einem der wartenden Longtailboote geführt. Die Boote sehen ja auf den ersten Blick wirklich hübsch aus, wie sie mit ihrem Holzrumpf und bunten Tüchern am Bug im Wasser treiben. Wenn man dann allerdings  vorhat mit wasserscheuem Gepäck (Stichwort Kamera…) auf das Boot zu gelangen, kann das schon etwas kritisch werden.
Zwar wussten wir, dass man die Boote nicht trockenen Fußes erreichen würde, denn immerhin gibt es keinen Steg und man muss durch das flache Wasser waten um sie zu erreichen. Grundsätzlich ja überhaupt kein Problem. Allerdings kamen in unserem Fall ungewöhnlich hohe Wellen angeschwappt, so dass ich bereits bis zum Hals nass wurde und mein liebster Reisebegleiter den Rucksack mit Kamera hoch über seinen Kopf trug (wieso haben wir den blöden Drybag in Bangkok gelassen?…). Dabei mussten wir ständig aufpassen, dass uns die Schiffsschraube, die am Ende einer langen Stange aus dem Wasser ragte, nicht einen Kopf kürzer machte, denn durch die Wellen schwang diese wild durch die Gegend und bekam dadurch das Antlitz einer Guillotine.
Der Bootsmann hatte wohl Mitleid, oder war uns blöden Touris genervt, die da so übervorsichtig durchs Wasser  staksten, nahm den Rucksack ab und warf ihn ohne mit der Wimper zu zucken aus 3 Meter Entfernung ins Boot. Klasse. Liegt ja nur die Kamera ohne Hülle drin. Ich war stinksauer und zog kurz in Betracht den Kollegen ins Meer zu schubsen. Aber die Kamera überlebte und das Boot machte sich auf den kurzen Weg zum Railay Beach.
Die Fahrt war sogar ziemlich spaßig. Das lange Boot hüpfte über die Wellen und die Karstfelsen zogen an uns vorbei, während der Motor laut vor sich hin knatterte.

 

Kurze Zeit später erreichten wir die beliebte Bucht und fuhren auf den Railay Beach zu. Das Boot reihte sich zwischen den zahlreichen anderen Longtailbooten ein und wir hüpften durch das Wasser zum Strand. 
Ich schaute mich um und scannte den Strand in alle Richtungen, doch irgendwie blieb die erwartete Wirkung aus. Vielleicht hatte man das Motiv schon so oft gesehen, dass es einen nicht mehr aus den nassen Shorts haute. Oder aber es liegt schliechtweg daran, dass die gephotoshoppten Bilder die zahlreichen Restaurants, Resorts und Cafés ausblenden, die eine ununterbrochene Linie an der Strandrückseite bilden. Zwar sind die Gebäude nicht sonderlich hoch – aber das paradiesische Flair geht daduruch trotzdem flöten. Der Strand ist nun auch nicht riesig und so sitzt man sich schon ein bisschen auf der Pelle. Aber soweit waren wir ja noch gar nicht. 
Wir breiteten die Handtücher auf dem Sand aus und ließen uns darauf plumpsen um ein bisschen in der Sonne zu entspannen, als ZACK die ersten Tropfen kamen. Wir kamen uns vor wie in einem schlechten Film. 


Lager also wieder zusammengepackt und ab unter den nächsten Baum gestellt. Statt uns in der Sonne (welche Sonne) zu räkeln sprangen wir ins Wasser, denn beim Schwimmen ist es ja egal ob man auch von oben nass wird. Springen ist dort allerdings keine gute Idee, denn die vielen unverhofften Steine im Wasser lassen einen schnell mal aufjaulen. Schwimmen ist übrigens auch nicht, denn das Wasser ist so flach, dass man sich schon hinsetzen muss um mit dem Oberkörper im Meer zu verschwinden. 
Der Regen wurde mehr und wir suchten uns ein Café – Regenzeit in Asien: es hört bestimmt bald auf und dann scheint wieder die Sonne. 
Kaum hatten wir den Kaffee vor uns stehen, setzte so starker Wind ein, dass uns der Regen auch im halb offenen Café um die Ohren peitschte. 
Wir gaben die Hoffnung allerdings immer noch nicht auf und wechselten zu einem etwas geschützteren Restaurant. Ein Sandwich und 30 Minuten lesen später, war der Regen zwar weniger geworden, allerdings machte es nicht den Eindruck, als würde es nochmal besser werden.

Wir strichen die Segel und sprangen aufs nächste Boot zurück zum Ao Nang Beach. Die Abfahrt verzögerte sich allerdings noch einige Minuten, da zwei unserer etwas älteren Mitfahrer so mit ihrer starken Übergewichtigkeit zu kämpfen hatten, dass sie zwar irgendwie mit Hilfe des Bootsmannes auf das Boot gelangten, jedoch ziemlich an der Stufe hinab verzweifelten. Hinunter kam man aufgrund des niedrigen Dachs nur in gebückter Haltung – ein für die beiden schier unmögliche Bewegung. Letztendlich krochen sie mehr oder weniger hinab aber nahmen es mit viel Humor. Sehr sympathisch! 
Mittlerweile hatte sich der Regen zu einem kleinen Unwetter entwickelt und das Boot wurde von den Wellen ganz schön hin und her geschaukelt. Offenbar verhinderte das Wetter sogar eine Anfahrt zum Ao Nang Beach, so dass wir in der Nachbarbucht am Nopparat Thara Beach herausgeworfen wurden. Zum Glück wurden wir zwanzig Minuten später vom kostenlosen Shuttle-Service unseres Resorts abgeholt und konnten uns nach einer heißen Dusche unter der Decke aufwärmen (kein Scherz!).

 

 

Bei Regen in Krabi
Ich nehme das Ende mal vorweg: es hat auch die restlichen 24 Stunden bis zu unserem Abflug am nächsten Abend nicht mehr aufgehört zu regnen. Unsere Tour zur traumhaft schönen Hong Island sagten wir am nächsten Morgen ab und verließen unseren Bungalow nur noch für Essen, Trinken und Massage. 
Von allem waren wir am Ao Nang Beach übrigens positiv überrascht. Auf den ersten Blick versprach die Essens-Auswahl erstmal nichts Gutes. Lokale Küche gibt es in Krabi (zumindest an den Hauptstraßen) kaum und wenn dann nur in Kombination mit fremder Küche. Nach Über zwei Monaten in Asien hatten wir ohnehin mal wieder Lust auf ein bisschen westliches Essen und wagten uns an Pizza und Burger.
Im “Green Curry” saßen wir gemütlich auf der Dachterrasse (am ersten Abend, als die Welt noch nicht im Wasser verschwand) und verputzten richtig leckere Pizza, die für asiatische Verhältnisse sogar extrem günstig war. Im “Aning Restaurant”  gab es richtig gute Burger zu fairen Preisen und wir waren froh im Trockenen zu sitzen, während 3 Meter neben uns ganz Krabi unter ging. Bundesliga, gutes Bier und witzigen Smalltalk gab’s in “Mickey O’malley’s Irish Pub” und die Massage in einem Laden wenige Meter weiter war richtig erholsam (auch wenn wir auf dem Weg dorthin durch knöchelhohes Wasser marschieren mussten (mein liebster Reisebegleiter wurde daraufhin erstmal zum Füße waschen ins Bad geschickt).

 

 

Eine Nacht auf der Veranda
Zurück im Resort setzten wir uns mit ein paar 7-Eleven Bieren auf unsere überdachte Veranda und schauten dem Regen zu, wie er die großen Palmenblätter hinablief. Als auch der letzte Tropfen Leo-Bier genossen wurde und wir uns auf unser kuscheliges Bett freuten, kam die bittere Erkenntnis: wir hatten uns ausgesperrt. Es war eine dieser Türen, bei denen man den Knauf abschließt, der sich dann aber noch von Innen öffnen lässt – mit der Besonderheit, dass das Schloss von Außen verschlossen bleibt, auch wenn man von Innen die Tür geöffnet hatte. So waren wir also offenbar aus der verschlossenen Tür ausgetreten – und kamen nicht mehr hinein. 

Der Schlüssel lag im Innern, genauso wie Handy und Geld. Wir hatten nichts anderes bei uns als ein paar leere Bierflaschen. Nicht mal Schuhe hatten wir an. 
Mein liebster Reisebegleiter machte sich auf den Weg zur Rezeption, in der Hoffnung auch nach der Öffnungszeit noch irgendwo jemanden anzutreffen (natürlich vergeblichst). Ich versuchte derweil mit einem getrockneten Palmenblatt das Schloss aufzuknacken (nicht dass ich mit sowas Erfahrung hätte, aber in Filmen sieht das immer recht simpel aus). 
In unserer Not kam uns ein irrwitziger Gedanke: die kleine Luke im Badezimmer. Das kleine Schiebefenster lag in knapp 2 Metern Höhe über dem Boden und war zum Glück nicht verschlossen. Dort unten stehend kam mir die Idee auf einmal ziemlich aussichtslos vor, denn die Fensteröffnung war gerade mal 30 Zentimeter breit. Aber – trotz asiatischem Essen (und Bier) konnten wir mich reinbugsieren (schade, dass wir nun kein Bier mehr zum Anstoßen hatten. 

 

 

Krabi’s Abschiedsgeschenk
Nachdem ich einen ganzen Wälzer durchgelesen hatte, war es Zeit für die Abfahrt zum Flughafen. Der Regen hatte pünktlich zum Abflug aufgehört (so richtig strahlender Sonnenschein war es aber auch nicht).So war uns wenigstens beim Start des Flugzeugs noch ein kurzer Blick auf Krabi’s Skyline “gegönnt” (ich empfnad es allerdings eher als frech). 

Beim Verlassen des Resorts zeigte sich noch eine äußerst fotogene (und gar nicht fotoscheuer) Echsenart. Damit war es dann offiziell: ich habe in Krabi mehr Tiere als Landschaft fotografiert. (In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, huscht der erste tierischer Besucher durch unser Apartment in Bangkok – ein winzig kleiner Gecko! Jetzt ist er unter’m Bett… mal schauen ob er in ein paar Wochen als so eine große Echse hinauskommt, wie ich sie in Krabi fotografiert habe.

Doi Inthanon
– Hinauf zum höchsten Berg Thailands –

Mit dem Roller zum Nationalpark
Für unseren vierten Tag in Chiang Mai hatten wir noch einen längeren Ausflug mit dem Moped geplant. Wir wollten zum höchsten Berg Thailands, dem Doi Inthanon im gleichnamigen Nationalpark. Der Weg dorthin war zwar nicht gerade kurz, doch die Fahrt durch den Park versprach schön zu werden und ein paar sehenswerte Zwischenstopps warteten auf unseren Besuch.
Die ersten gut 50 Kilometer über die Mopedspur der Landstraße 108 waren machbar aber nicht gerade angenehm. Wir fuhren wesentlich langsamer als die Durchschnittsgeschwindigkeit und brauchten mit ein paar kleinen Pausen (für den Hintern) gute eineinhalb Stunden bis zum Eingang des Parks.
Ab dort machte die Fahrt tatsächlich Spaß und über gut asphaltierte Straßen, vorbei an hohen Bäumen und dichtem Urwald zuckelten wir Stück für Stück hinauf Richtung Doi Inthanon.

 

 

 

Wachirathan Wasserfall
Den ersten Stopp im Doi Inthanaon Nationalpark legten wir am Wachirathan Wasserfall ein. Von der Hauptstraße führte uns ein kleines Hinweisschild zum großen Parkplatz der Attraktion. Bei diesem Anblick hatten wir schon Sorge, dass uns Touristenmassen und Reisegruppen erwarten würden.
Doch nach einem kurzen Trampelpfad standen wir auf halber Höhe der hinabfallenden Wassermassen und konnten gerade einmal fünf weitere Touristen auf der untersten Ebene am Becken zählen (in dem man übrigens leider nicht schwimmen kann).
Statt hinab zu steigen, suchten wir uns einen Weg hinauf und kamen wenig später am flachen Felsplateau an, von dem aus das Wasser in die Tiefe stürzt. Da wir zum Ende der Trockenzeit dort waren, war der Fluss zwar eher ein flacher Bach, doch das hatte den Vorteil, dass wir auf dem Plateau herumspazieren konnten. Nicht nur hatten wir von dort aus eine spektakuläre Aussicht, es war auch einfach eine grandiose Atmosphäre, da wir dort oben ganz alleine waren.
Natürlich der perfekte Ort für ein weiteres obligatorisches Handstandbild…

 

 

Zwillingspagoden
Nach diesem atemberaubenden Aufenthalt stellten wir mit Schrecken fest, wie weit die Zeit schon vorangeschritten war und strichen weitere Zwischenstopps wie den zweiten Wasserfall des Doi Inthanon Nationalparks und ein kleines Dorf von der Liste. Stattdessen machten wir uns auf den Weg hinauf zum Gipfel des Doi Inthanon Berges.
Wenige Kilometer vor dem höchsten Punkt gab es für uns einen letzten Halt: die Zwillingspagoden „The Great Holy Relics Pagodas“ Nabhamethinidon und Nabhaponbhumisiri.
Die Pagoden sind weniger ein buddhistischer Tempel, als vielmehr eine Art Monument für das thailändische Königspaar. Die beiden Chedis stehen sich auf zwei Hügelspitzen gegenüber und sind im gleichen Stil erbaut, unterscheiden sich aber in ihren Details.

Der (meiner Meinung nach) hübschere der beiden ist der Chedi der Königin, der mit kleinen Fliesenmosaiken im femininen lila verziert ist. Wie Blütenblätter sind große „gerahmte“ Holzreliefs an der Außenseite angebracht und im Innern schmücken bunte Wandbemalungen, Blumen und goldene Verzierungen eine weiße Buddha-Statue.
Der Garten um den Chedi ist als hübscher Park angelegt, mit einer idyllischen Holzbrücke, die über einen kleinen See führt sowie zahlreichen Blumenbeeten. Von dort aus hat man eine spektakuläre Aussicht – nicht nur auf die gegenüberliegende Pagode – sondern vor allem auf die wunderschöne Landschaft des Doi Inthanon Nationalparks mit seinen grünen Bergen.

Der Chedi des Königs ist in dunkleren Brauntönen gehalten, doch changieren die Holzreliefs dafür in warmen Tönen. Im Innern wartet der obligatorische Buddha, der hier zwar nicht von einer bunten Wandbemalung flankiert wird, dafür scheinen kleine goldene Blätter von der Decke zu rieseln. Auch wenn der kleine Garten hier keinen Teich hat, steht die Aussicht vom Königs-Chedi dem anderen in nichts nach.

 

 

Im Schritttempo den Berg hinauf
Von den beiden Pagoden war es zwar nur noch ein kurzes Stück den Berg hinauf zum Gipfel des Doi Inthanon – doch der hatte es in sich. Die Straße war so steil, dass wir mit unserem Roller nur im Schritttempo hinaufkamen (wobei wir dabei noch ein „schwerer beladenes“ Moped überholten…).
Doch irgendwann, als wir schon dachten wir müssten bald schieben, erreichten wir endlich den höchsten Punkt Thailands.
So viel vorweg: eine Spitze hat er nicht, der Berg. Aber es gibt ein großes Holzschild im Wald, das einem bescheinigt, dass man nun ganz oben ist. Ist nicht ganz so spektakuläre wie ein Gipfelkreuz und beschämenderweise hat es uns auch nur 50 Meter Fußweg und knapp 10 Stufen Anstrengung gekostet – aber: wir sind dort gewesen. Check.
Hinter dem Schild gibt es noch einen kleinen Holzpfad durch den Wald, vorbei an einem überwucherten Schrein und großen Dschungelpflanzen. Das war’s dann aber auch schon und wir machten uns auf den Heimweg.

 

 

Adrenalin pur: Bergab und heim nach Bangkok
Immerhin mussten wir unseren Flug um halb sieben noch erwischen und hatten uns bereits für 16:30 ein Tuk Tuk zum Hotel bestellt. Es war 14 Uhr als wir vom Gipfel losfuhren – selbst bei nur 50 km/h sollten wir nicht länger als zwei Stunden für den Rückweg brauchen (immerhin geht es jetzt bergab…). Vielleicht hätten wir sogar noch Zeit um einen kurzen Stopp am „Grand Canyon“, einem kleinen Badesee auf dem Rückweg einzulegen. Wie sehr wir uns doch verschätzten…

Der steile Berg machte uns einen Strich durch die Rechnung. Obwohl wir (und damit meine ich meinen liebsten Reisebegleiter) die Bremse immer nur phasenweise und kurz anzogen – die Steigung war zu krass und die Luft drumherum zu heiß. Nach nicht mal 3 Kilometern versagte eine der beiden Bremsen.
Wir legten eine Pause ein – nicht nur um unseren Puls wieder auf unter 100 pro Minute zu bekommen, sondern auch um die Bremsen ein bisschen abkühlen zu lassen. Nach 15 Minuten war mein Kopf zwar alles andere als kühl, aber die Bremse funktionierte wieder. Um nicht irgendwann im Schuss den Doi Inthanon hinabzudüsen, legten wir alle paar Minuten eine neue Kühlpause ein und so zog sich der Weg hinab zum Fuß des Berges und wollte einfach kein Ende nehmen.

Roller und wir kamen heil unten an – jedoch viel später als erwartet und so wurde die zweite Hälfte, mit Gegenwind entlang der Landstraße, zu einer weiteren Tortur. Ich mach es mal kurz: wir erreichten das Hotel eine Stunde zu spät. Unser Tuk Tuk war schon weg und unsere Hotelbetreiberin in großer Sorge wo wir nur steckten. Sie beorderte den Fahrer zurück und ca. 45 Minuten vor Abflug waren wir unterwegs zum Flughafen. (Warum schaffen wir das eigentlich immer wieder so dermaßen knapp zu sein?!…)
Aber: die Strecke zum Flughafen ist denkbar kurz und unser Tuk Tuk gab richtig Stoff und schlängelte sich durch den Feierabendverkehr. Der Flughafen in Chiang Mai ist außerdem so klein, dass wir innerhalb von 5 Minuten durch sämtliche Kontrollen durch und am Gate waren – nur um dann zu erfahren, dass unser Flug eine Stunde Verspätung haben wird…
Naja besser so als andersherum!

 


Fazit zum Ausflug
Der Höllentrip war ein abenteuerlicher Abschluss eines wunderschönen Wochenendes in Chiang Mai mit ganz vielen verschiedenen Eindrücken und Erlebnissen. Der Weg mit all seinen Strapazen hatte sich auch absolut gelohnt, denn der Nationalpark ist wirklich schön und Touristen gab es dort nicht viele. Und: danach fühlten wir uns endlich gewappnet für den Verkehr in Bangkok und haben seitdem unser eigenes Moped, mit dem wir Thailands Hauptstadt unsicher machen!

 

 

 

 

Ein Tag mit den Elis
– Ein Traum wird wahr – 

Der Elefant ist das Nationaltier Thailands. In fast jedem Tempel kann man eine Nachbildung des Tieres entdecken. Mal in seiner natürlichen Form, mal als zweibeiniger Wächter oder aber in der Form des dreiköpfigen mythischen Elefanten Erawan. Sogar eines der populärsten Biere Thailands wurde nach dem Tier benannt: “Chang”, das thailändische Wort für Elefant. 
Doch unabhängig von der nationalen Bedeutung sind Elefanten meine unangefochtenen Lieblingstiere und so erfüllte ich mir zu meinem diesjährigen Geburtstag einen Traum: hautnah mit den Elis! 

 

Elefanten, ja! Aber wie?
Doch wohin? Welches Camp? Welche sind gut, welche soll man meiden? 

Natürlich gibt es in Südostasien zahlreiche Möglichkeiten mit Elefanten in Kontakt zu kommen, doch die meisten dieser Angebote sind alles andere als tierfreundlich. Gerade das Elefantenreiten, zu zweit im Korb auf dem Rücken des Dickhäuters, ist zum einen schädlich für die Wirbelsäulen der Tiere (so dickhäutig sind sie dann doch nicht) und zum anderen wurden diese Elefanten vorher Jahre lang unter quälenden Methoden “dressiert”.
Es gibt mittlerweile aber genug Camps, die die Elefanten abkaufen und ihnen ein neues Zuhause schenken, in dem sie tiergerecht leben können. Nach viel Recherche entschieden wir uns für denElephant Freedom – Single Day beim Elephant Nature Park.


Auf zu den Elefanten
Im typischen Van wurden wir morgens an unserer Unterkunft abgeholt und gemeinsam mit unserer ca. zehnköpfigen Gruppe zum kleinen Camp eine gute Stunde außerhalb Chiang Mai’s gefahren. Unterwegs gab es auf dem großen Bildschirm im Bus bereits ein kleines Willkommensvideo des Elephant Nature Parks mit den Do’s and Don’ts und einer tollen Kurzreportage über Elefanten. Die Aufnahmen der verschreckten Tiere, wie sie durch südostasiatische Großstädte zum Betteln am Straßenrand entlang geführt werden, waren wirklich traurig. Umso schöner war es zu sehen, wie rührend sich einige Campbetreiber und ihre Mahouts, die menschliche Bezugsperson eines Elefanten, um die Tiere kümmern. 

Im Camp angekommen bekamen wir alle “Uniformen”, weite Hose und Hemden aus groben Baumwollstoff, denn es würde “dreckig” werden. Und kaum standen wir da in Reih und Glied auf der Camp-Veranda, war auch erstmal Arbeit angesagt. Kiloweise Bananen und Kürbisse mussten gewaschen und grob mit dem Beil zerkleinert werden. Doch nachdem wir ein paar große Körbe gefüllt hatten ging es los zur Fütterung.

 

 

Fütterung der Elefanten
Die Elefanten erwarteten uns schon freudig am Zaun der großes Camp-Wiese. “Daddy, Mummy, Nanny, ein Teenager UND ein zehnmonatiges Baby warteten darauf, dass wir Ihnen Bananen und Kürbisse in den Rüssel legten. Es ist wirklich erstaunlich wieviel Muskelkraft so ein Rüssel hat! Wenn man die Hand ganz verträumt etwas zu lange am Rüssel verharren lässt um die Haut zu erfühlen, zieht der dickhäutige Freund auch ganz gern mal die ganze Hand zu sich heran (Hauptsache der Kürbis landet im Mund). Der Baby-Elefant bekam als einziger noch die “Hipp-Glässchen”-Version, kleine gelbe Bananen, die wir ihm sogar schälten. Wenn dieser kleine süße Rüssel vorsichtig nach dem Futter greift, kann sich glaube ich keiner ein breites Grinsen von einem Ohr zum anderen verkneifen. 
Nach dem Essen gab es noch eine ordentliche Ladung Wasser direkt aus dem Gartenschlauch und dann war die Elefanten-Gang bereit für einen kleinen Verdauungsspaziergang. 

 

 

Elefanten-Marsch
Wie im Dschungelbuch zogen wir los, Big Daddy mit einem kleinen “Snack” für unterwegs – eine große Ladung Gestrüpp, mit dem er uns fast vom Weg fegte. Schnell wurde uns bewusst: so furchtbar süß diese Tiere auch sind – sie sind richtig groß und schwer! Da möchte man echt nicht aus Versehen im Weg herumstehen. Für mich kleinen Träumer war das eine Herausforderung und ich fotografierte ab diesem Zeitpunkt nur noch mit zwei geöffneten Augen.
Ein bisschen wurden wir tatsächlich auch schon vorgewarnt: Big Daddy ist zwar groß aber total gemütlich – den bringt nichts aus der Ruhe. Mama ist meistens gechillt, es sei denn ihr Kleiner wird bedrängt. Bei der Nanny sollte man allerdings ein bisschen vorsichtig sein, denn sie hat die traumatische Zeit vor dem Camp wohl noch nicht überwunden und Vorsicht war auch beim Teeny geboten, der sich ganz gern mit jedem kabbelt.
Natürlich war das Baby meistens im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wie er verspielt um seinen Mahout herumtollte und neugierig mit seinem Rüssel auf uns zu tapste. Manchmal wurde es den Ladies wohl zuviel und mit einem lauten Töröö drängten sie sich einen Augenblick um den kleinen Elefanten um ihn in Schutz zu nehmen. Dort verharrten sie ein paar Minuten, gaben Geräusche wie eine Dampflok von sich und trotteten nach ein paar beruhigenden Worten der Mahouts wieder weiter.
Apropos trotten: obwohl so groß und schwer, hört man die Schritten der Elefanten nicht. Ihr Füße sehen beinahe aus wie große Kissen, die ihre Schritte dämpfen. Doch ich habe später am Tag mal eine Fußsohle in Augenschein genommen und gestreichelt: die sind allerdings gar nicht weich – sondern steinhart und durchfurcht wie eine Canyonlandschaft. Irre.
Genauso irre ist, dass die riesigen Tiere es fertigbringen auf steilen Hängen herum zu spazieren wie Bergziegen. Wir haben uns trotzdem lieber nicht in die Schusslinie gestellt… man weiß ja nie.

Nachdem sich die Elefanten mit Dreck beworfen hatten (das kühlt), der Teeny ein bisschen mit Big Daddy gerangelt hat und das Baby die ganzen Awwwws und Ohhhhhs über hatte, war Mittagspause angesagt. Die Tiere brauchten wohl mal Ruhe von uns und wir bekamen ein kleines Mittagessen (das wir diesmal zwar nicht selbst zubereiten mussten – gefüttert wurden wir allerdings auch nicht).

 

 

 

Schwimmen mit Elefanten
Das Highlight für Mensch und Tier folgte am Nachmittag: auf zum Wasserloch! Die Elis trabten munter voran durch die schöne Landschaft, vorbei an Bergen, über weite Felder und durch ein trockenes Flussbett bis hin zum kleinen Fluss, in dem die Tiere gebadet werden sollten. Die Mahouts und ihre Zöglinge marschierten direkt durch ins kühle (und dreckige) Nass und fütterten die Tiere eine weitere Ladung Bananen und Kürbisse. Wir wurden derweil ausgestattet mit Töpfen und rauen Bürsten und dann ging es los. Hinein ins Wasser, in das unsere lieben vierbeinigen Freunde gerade Kiloweise verwertetes Frühstück versenkt hatten. Doch beim Anblick der Dickhäuter, wie sie sich wohlig im Wasser suhlen und darauf warten, geduscht und geschrubbt zu werden, waren die hygienischen Umstände (und Ratschläge des Familien-Arztes) vergessen. Unsere Badesession artete schnelle in eine riesige Wasserschlacht aus und wir kamen den Elefanten dort noch viel näher als zuvor. Solange sie neben einem im Wasser liegen vergisst auch mal schnell wieder die unglaubliche Kraft, die dahinter steht. Wir kraulten die Köpfe der Tiere, die vorher in unerreichbarer Höhe waren und schrubbten ihre Rücken und Bäuche. Doch plötzlich, wenn sich Big Daddy und Mama direkt neben einem aus dem Wasser erheben, hofft man schon sehr, dass sie einen dort auch sehen…
Aber Highlight war dann ehrlich gesagt wirklich das kleine Elefanten-Baby, das super verspielt und verschmust durch die Gegend sprang und ohne Scheu auf uns zu kam um gekrault und verhätschelt zu werden. Der Moment, als er auf mich zukam, sich an mich schmuste und sich dann (halb mit mir) ins Wasser plumpsen ließ um zu toben, war so besonders, dass man ihn nicht mit Worten beschreiben kann. Es war eines der schönsten Reiseerlebnisse, die ich bisher sammeln durfte und ich habe gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. 

 

Damit ihr es euch ansatzweise vorstellen könnt (auch wenn man so etwas mit Sicherheit selbst erleben muss um es nachempfinden zu können) gibt’s einen kleinen Film unserer Wasserschlacht:

 

Photobombe
Am Ende gab es für uns noch ein kleines Erinnerungsfoto inmitten der Elefanten. Der Kleine hatte uns wohl so sehr ins Herz geschlossen, dass er plötzlich von hinten angelaufen kam, und mit einer perfekten Photobombe ins Bild platzte und uns beinahe umwarf! Der krönender Abschluss eines wunderschönen Tages!

Thailands Norden
– Kunst und Drogen –

Ein Tagesausflug von Chiang Mai
Für unseren zweiten Tag im Norden Thailands hatten wir uns nach langem Hin und Her für eine Gruppen-Tour in den Norden Chiang Mai’s entschieden. Anlass der Tour war vor allem der White Temple, der in der Nähe von Chiang Rai steht. Chiang Rai selbst schien uns aber weniger interessant zu sein, so dass wir den Tempel von Chiang Mai aus besuchen wollten. Eine Möglichkeit für den Besuch wäre der Local-Bus nach Chiang Rai gewesen. Wir hätten auf dem Hinweg am Tempel aussteigen können, aber für den Rückweg hätten wir erst ein Taxi nach Chiang Rai nehmen müssen, um dann per Bus zurück nach Chiang Mai zu fahren. Viel mehr als den White Temple hätten wir dann wohl nicht zu Gesicht bekommen. Wir entschieden uns also doch mal wieder für eine Touri-Tour, bei der wir morgens im Hotel abgeholte wurden und neben dem White Tempel noch ein paar andere Stopps einlegen würden. Vor allem würden wir auch zum Goldenen Dreieck und nach Laos fahren.

 

Heiße Quellen
Im großen Minivan ging es Morgens los Richtung Norden und nach gut einer Stunde Fahrt legten wir auch den ersten kurzen Stopp an den “Hot Springs” ein. Als ich davon hörte, hatte ich mir kleine natürliche Wasserbecken inmitten der Natur vorgestellt.
Stattdessen erwartete uns ein riesiger Parkplatz inmitten von zahlreichen Touri-Ständen und ganz am Ende ein winziger Wasserfall mit kleinem Wasserbecken. Auf dem Weg dorthin konnte man Eier kaufen um diese dann in dem heißen Wasser zu kochen. Wir haben es getestet: das Wasser ist wirklich schweineheiß und nur mit viel Überwindung konnte man die Beine eine Weile darin baumeln lassen. Unsere Pause war allerdings so kurz bemessen, dass wir die Eier gerade mal 2-3 Minuten im Wasser hatten. Verwunderlich, dass sie beim anschließenden Schälen dennoch beinahe hart gekocht waren… Es könnte natürlich sein, dass das alles ein riesen Schmu ist und die Eier schon vorher gekocht werden. Aber das würde dem ganzen natürlich komplett den “Zauber” nehmen

 


White Temple
Endlich kamen wir am eigentlichen Ziel unserer Tour an: dem White Temple mit dem offiziellen Namen Wat Rong Khun. Der Tempel ist noch ganz jung, denn sein Bau begann erst vor 20 Jahren und die gesamte Anlage soll erst in ca. 50 Jahren fertiggestellt sein.
Wer also einen historischen, streng buddhistischen Tempel sucht, der wird dort nicht fündig. Doch wenn man auf der Suche nach “etwas anderem” ist und die Anlage weniger als Heiligtum, sondern mehr als Kunstwerk betrachtet, wird begeistert sein! Ich kam aus dem fotografieren jedenfalls nicht mehr raus. Einzig die strenge zeitliche Begrenzung der Tour auf nur 40 Minuten Aufenthalt sorgte dafür, dass ich meine SD-Karte nicht komplett vollknipste.

Der Tempel ist schon von weitem eine echte Schönheit. Schneeweiß zeichnet er sich vom babyblauen Himmel ab und spiegelt sich im kleinen See davor. Als Kontrast steht links vom Eingang nicht nur eine Art goldener Schrein, sondern auch ein Baum mit Schrumpfköpfen. Doch noch skurriler als die Fratzen mit langen Haare ist eine Art Transformer/Power Ranger Figur mit goldener Krone, die für ein gemeinsames Foto auf einer Bank vor dem Tempel posiert. Und da es hier ja gerade um Kontraste geht, sitzt auch noch ausgerechnet ein Mönch daneben und lässt sich ein Andenken machen…

Der Fuß des Tempels ist “geschmückt” mit Dornenranken, Schlangen, die in menschliche Hände beißen und Gesichter, die von den Schlingpflanzen verschlungen werden – doch so gruselig das Motiv auch ist, ist es dennoch im strahlenden Weiß mit silbern glitzernden Steinchen. Eine Brücke führt hinauf zum Tempel, über eine Treibsandbecken, aus dem sich zahlreiche Hände hilfesuchend emporrecken. Auch die Hände sind alle gräulich weiß – bis auf eine Ausnahme: ein einzelner roter Fingernagel sticht aus der Menge heraus…

Auf dem Tempelplateau angelangt, erwarten einen hübsche Schnörkel, schöne Gesichter und Buddhafiguren. Doch im Innern wird es dann noch mal richtig abgefahren. Leider darf man dort nicht fotografieren, aber ich versuche es euch zu beschreiben: alles ist in Gold gehalten und auf der Rückwand des kleinen Tempelraumes befindet sich eine große Wandmalerei eines teuflischen Gesichts, das umgeben ist von zahlreichen gezeichneten Figuren. Bei den Zeichnungen handelt es sich aber nicht etwa um buddhistische Motive – stattdessen entdeckt man dort Superman und Batman, Kung Fu Panda, Elvis und Michael Jackson und sogar George W. Bush und Osama Bin Laden. Verrückt! Neben dem Tempel verläuft ein überdachter Weg, dessen Decke mit dünnen Silberplättchen vollhängt. Diese Anhänger kann man auch als Tempelspende kaufen und dann – mit Name und Datum versehen – an einer Art Metall-Baum aufhängen.

 


Black House
Vom Kunstwerk in Weiß ging es zum “Black House”, dem Bandaam Museum. Die Anlage, die aus mehreren schwarzen Holzhäusern besteht, wurde von einem thailändischen Künstler designt. Doch dreht es sich hier weniger um die Häuser selbst, als mehr um deren “Einrichtungsgegenstände”, bei deren Auswahl wohl die Themen Tod und Sex das Motto sind. Die Wände sind geschmückt mit ausgestopften Tierköpfen und statt eines Tischläufers dekorieren Schlange und Krokodil die Tafel. In einem seltsamen Iglu, das mit Augen bemalt ist, stehen Stühle aus Knochen oder Horn im Kreis um ein weiteres Krokodil. In einem weiteren Iglu sind nicht nur die Muscheln riesig…  eine Holzfigur streckt einem ihr überdimensionales Gemächt entgegen. Wie in einem Suchbild kann man übrigens im ganzen Museum Penisse in allen Größen und Formen entdecken. Highlights waren dabei ein Mobilée aus kleinen Penissen, die zugleich weibliche Oberkörper darstellen und eine Art Suppenlöffel mit Penisgriff, auf dem sich das Relief einer Frau räkelt. Zum Glück konnte man dort fotografieren – das würdet ihr mir doch sonst niemals glauben! 

 

 


Goldenes Dreieck
Während der Van Richtung Norden brauste, zogen Wälder und Berge an uns vorbei und wir legten eine Mittagspause bei einem Restaurant mitten im Nirgendwo ein. Uns erwartete ein überraschend leckeres und reiches Buffet mit Speisen aus Thailand und Myanmar, das sogar bereits im Preis der Tour enthalten war. 

Nach einer weiteren Fahrt erreichten wir am Nachmittag das Goldene Dreieck, die Ländergrenze zwischen Thailand, Myanmar und Laos. Wie so viele andere Reisegruppen wurden wir am Pier des Mekongs abgesetzt und wechselten mit der gesamten Reisegruppe den Van gegen ein Boot. Wir schipperten flussaufwärts zum Dreiländereck, der Mündung des Ruak in den Mekong. Rein optisch ist das nicht gerade spannend, denn die Grenze wird durch den Mekong selbst gebildet, der aus China kommend die drei Länder voneinander trennt, bis er durch das Mekong-Delta über Kambodscha und Vietnam nach ca. 4500 Kilometern im Südchinesischen Meer endet. Es war also nach Saigon, Cai Be und Phnom Penh nun schon unsere vierte Begegnung mit dem Riesen (und zweite Bootsfahrt darauf).
Doch die eigentliche Faszination für das Goldene Dreieck geht weder von der Ländergrenze, noch vom Fluss aus. Es ist die Droge Opium, die täglich zahlreiche Menschen dorthin zieht. Natürlich nicht um es zu kaufen oder zu rauchen, denn der Anbau ist zumindest in Thailand mittlerweile illegal. In den Siebzigern war es allerdings Hochburg für Opium- und Heroinherstellung, denn in dem abgelegenen Gebiet konnte seelenruhig Schlafmohn angebaut werden. Heute ist das anders und das thailändische Militär kontrolliert sehr gewissenhaft. In Laos und Myanmar ist das wohl nicht ganz so streng, doch die einstige Bedeutung für den Drogenmarkt hat die Region nicht mehr.  

 

 

Besuch in Laos
Von dem  Grenzpunkt der drei Länder fuhren wir flussabwärts und konnten ein paar Tempel an den beiden Uferseiten entdecken. Doch unser Ziel war diesmal weder buddhistischer noch künstlerischer Natur. Wir legten am laotischen Ufer an und hatten eine halbe Stunde Zeit über den Markt dort zu schlendern. So viel zum Programm. 
Es begann auch noch amüsant, denn unser sympathischer und durch und durch schwuler Guide zeigte uns verschiedene Schnäpse, die je nach “Inhalt” Wirkungen wie ein langes Leben, Potenz oder Fruchtbarkeit haben sollen. Die Inhalte, die er uns der Reihe nach präsentierte sind nichts für schwache Nerven: vom Tigerpenis, über Schlangen und Skorpion bis hin zur Schildkröte war alles dabei. Natürlich haben wir den ein oder anderen Tropfen probiert – ein guter Whisky oder Gin wäre wohl schmackhafter gewesen, aber es war trinkbar. Und wer sagt schon nein zu einem langen Leben? 
Der restliche Markt war dagegen eher enttäuschend. Die Stände verkauften dort nur billige Plagiate von Handtaschen und Koffern – ein schönes Mitbringsel war dort beim besten Willen nicht zu finden. Ein entspanntes Stöbern war auch schlichtweg nicht möglich, denn die Verkäufer waren dort noch wesentlich aufdringlicher und aggressiver, als wir sie bisher erlebt haben. Wir holten uns also einen Kaffee und warteten am Pier auf die Rückfahrt unseres Bootes. Immerhin: wir waren in Laos! 

 


Long Neck Karen Camp
Der letzte Stopp führte uns in ein Dorf, in dem die “Long-Neck-Frauen” leben. Jeder hat bestimmt schonmal das Bild einer Frau mit vielen goldenen “Ringen” um den Hals. Im Zweifel sogar im Guinness Buch der Rekorde. 
Natürlich ist es auch absolut reizvoll so ein Foto zu schießen. Aber man sollte sich bei solchen Dingen immer fragen, ob es das wirklich wert ist. Denn immerhin handelt es sich bei den Frauen um Flüchtlinge aus Myanmar, die in diesen Schaudörfern leben wie im Zoo… Was man so hört, werden sie regelrecht vorgeführt und teilweise sollen sie ihre Blusen am Rücken aufknöpfen, damit man ihre Knochenverschiebungen durch den spiralförmigen Schmuck sehen kann. Von den Eintrittsgeldern sehen sie natürlich nur einen absoluten Bruchteil und es wird vermutet, dass sie aufgrund der lukrativen Einnahmequelle (also für die anderen…) ihre Dörfer nicht verlassen dürfen. 
Einiges davon war mir schon vorher bewusst, doch auch unsere Hotelbetreiberin, die uns die Tour gebucht hatte, klärte uns nochmal über die Umstände auf. Ich war positiv überrascht dass sie sich (obwohl selbst Teil der Tourismusbranche) kritisch darüber äußerte und uns sogar bat, diesen Teil der Tour womöglich auszusetzen. Diese Bitte hätte es zwar nicht gebraucht, aber sie bestärkte uns in unserer Entscheidung, auf dieses Foto zu verzichten. 

Bei dem Dorf angekommen fragte unser Guide bestimmt noch dreimal nach, ob wir wirklich nicht mitkommen wollten. Wir waren die einzigen, die sich dagegen entschieden hatten, wobei man auch sagen muss, dass er den Programmpunkt natürlich komplett anders darstellte. Er erzählte doch tatsächlich, dass es sich bei den Frauen um Thailänderinnen handelte und dass es für sie kein Problem wäre, wenn man sie fotografiert (You can take as many pictures as you want…) oder gar den Schmuck anfasst. Wahnsinn. Wir blieben kopfschüttelnd am Parkplatz und warteten fast eine Stunde bis unsere asiatische Reisegruppe genug vom menschlichen Zoo hatte und wir uns auf die lange Rückfahrt nach Chiang Mai machten.

 

Fazit zum Ausflug:
Der White Temple ist schon wirklich sehr beeindruckend und wird jedes Fotografenherz höher schlagen lassen. Die anderen Sehenswürdigkeiten der Tour waren dagegen nicht so die Wucht, selbst das Goldene Dreieck war dann doch eher enttäuschend. Rückblickend wäre eine Tour auf eigene Faust nach Chiang Rai und zum White Temple wohl doch die bessere Alternative gewesen, dann hätten wir uns auch noch mehr Zeit beim eigentlichen Highlight nehmen können, der in der Tour leider viel zu kurz kam. 

Aber hinterher ist man ja meistens schlauer – und immerhin sind wir an einem Tag trotzdem ganz gut herumgekommen und konnten die Landschaft Nordthailands zumindest ein bisschen aus dem Fester beobachten. 

 

 

Chiang Mai
– Tempelmarathon und Nachtmärkte –

Nach gut einer Woche in der neuen Heimat Bangkok, wurde ich schon wieder hibbelig und der Vagabund in mir konnte es kaum erwarten, wieder loszureisen. Unser erstes Ziel für einen viertägigen Trip übers Wochenende war Nordthailand: Chiang Mai und seine Umgebung!

 

Das Quadrat Chiang Mai
Nach Feierabend düsten wir mit der Bahn zum Flughafen und landeten wenig später schon in Chiang Mai. Die Stadt hat einen besonderen Aufbau, denn das Zentrum hat die Form eines Quadrates, das von einem Wassergraben umschlossen ist. Unsere nette, familiäre Unterkunft befand sich im Nordosten der Altstadt und bei einem kleinen Spaziergang (bzw. Nahrungssuche) fanden wir einen netten kleinen Streetfood-Markt direkt außerhalb des Nordgates. Hier gab es leckeres Essen und viele Locals – Perfekt. Auf dem Rückweg lockte uns dann noch gute Livemusik an: in der Bar „The North Gate Jazz Co-Op“ spielte eine Gruppe Thais einen verdammt guten Mix aus Rock und Jazz. Unnötig zu erwähnen, dass wir uns trotz Müdigkeit noch für ein Bier zu den restlichen Zuhörern auf die Straße davor gesellten.

 

 

 

Tempeltour in Chiang Mai
Obwohl wir schon eine gewisse Tempelmüdigkeit verspürten, rafften wir sämtliche Sightseeing-Energie nochmal zusammen und klapperten einige der ca. 200 Tempel Chiang Mai‘s ab. Und ohne spoilern zu wollen: es hat sich gelohnt! Einige der buddhistischen Heiligtümer haben uns tatsächlich noch von den Socken gehauen.
Da die Tempel insgesamt zu weit auseinander liegen, um sie alle zu Fuß zu besichtigen, aber jeweils zu nah beieinander stehen, dass sich kein Taxi lohnt, gab es für uns nur eine logische Konsequenz: wir trauten uns endlich mal auf einen Roller. Die ersten Tage in Bangkok merkten wir bereits immer mehr, dass es auf Dauer im thailändischen Verkehr das praktischste Fortbewegungsmittel ist. Komplett unerfahren wie wir aber waren, hätten wir uns niemals direkt auf Bangkok’s Straßen gewagt. Da bot sich Chiang Mai als perfekter Übungsplatz an: weniger und überschaubarer Verkehr und kleinere Straßen. Die ersten Etappen legten wir noch in den kleinen Gassen zwischen den Tempeln des Zentrums zurück und am letzten Tag im Norden Thailands wagten wir uns sogar an eine längere Tour heran. Nach dem Wochenende in Chiang Mai fühlten wir gewappnet für Thailand’s Hauptstadt und seit dem schlängeln wir uns auch durch Bangkok’s Verkehr.

 
 
Wat Chiang Man
Der erste Tempel auf unserer Liste war nicht nur der nächstgelegene zu unserer Unterkunft – es ist auch der älteste Tempel Chiang Mai‘s und damit immerhin schon 720 Jahre alt. Besonders schön ist die Elefantenpyramide mit goldener Spitze im Hinterhof, umgeben von großen Durian-Bäumen und bunten Schachspiel-Sitzgruppen.

 

 

Wat Chiang Yuen
Auf der Suche nach einem großen Buddha und einem ebenso großen Stupa begaben wir uns nördlich des Zentrums und schlengelten uns mithilfe Googlemaps durch kleine Gassen. Und tatsächlich – versteckt zwischen Wohnhäusern steht der weiß-goldene Stupa und ein goldener Buddha, die beide inmitten der anderen Gebäude etwas untergehen. Abgesehen von uns hatte sich dort auch niemand anderes hinverirrt…

 

 

Wat Lok Mo Li
Ebenfalls nördlich des Zentrums entdeckten wir bei einer Tankpause (Benzin – nicht Chang-Bier…) einen weiteren beinahe verlassenen Tempel. Neben dem Hauptgebäude des Wat Lok Mo Li, ein dunkler Holztempel mit schönen Verzierungen, gibt es viele Kleinigkeiten zu entdecken. Im „Vorgarten“ stehen eine große Elefantenstatue und jeweils ein goldener und ein silberner „Baum“ (kleine Anhänger, die in den Tempeln als Spende gekauft und dann mit Name und Datum versehen aufgehängt werden). Auf dem Weg in den hinteren Teil des Tempelareals passierten wir eine Reihe verschiedener Ton-Tiere und kitschige, neonfarbene Mönchsfiguren…

Im hinteren Bereich steht ein steinerner Stupa, zu dessen Spitze man eine Art Vogel hinaufziehen kann, der einen kleinen Wasserbehälter trägt und diesen am Ende ausgießt (ich nehme an, das bringt Glück).
Am skurrilsten ist allerdings eine Reiterstatue auf der anderen Straßenseite, denn sie ist in Gesellschaft von ganz vielen bunten Hähnen…

 

 

Three King’s Monument
Mitten im Zentrum von Chiang Mai legten wir einen kurzen Fotostopp am Drei-Königs-Monument ein. Bei den drei Herren handelt es sich um die Tai-Könige, die im Jahr 1287 einen Pakt gegen die Mongolen geschlossen haben. Sie wird aber wohl kaum wegen des historischen Hintergrundes aufgesucht, sondern überwiegend am Sonntagabend, wenn dort auch der Sunday-Night-Market losgeht.

 

 

Wat Phan Tao
Eigentlich waren wir gerade auf dem Weg zum bekannten Wat Chedi Luang Worawihan, als wir zufällig beim kleinen, weniger besuchten Nachbarn hineinstolperten. Der Zufall hatte sich gelohnt, denn der Tempel ist mal echt was anderes. Das Gelände erinnert mit seinen Bambuswegen, kleinen Hütten und Buddha im Sand mehr an ein Strandresort als an einen Tempel und ist übersät mit leuchtend gelben Fähnchen. Im Innern des dunklen Holzgebäudes hängen weiße Wimpel mit goldenen Verzierungen (ebenfalls eine Art der Tempel-Spende). Doch damit nicht genug: der Stupa im Hinterhof ist weder gold, noch aus Backsteinen: er ist knallrot! Der Tempel-Architekt scheint ein kleiner Design-Liebhaber zu sein, denn das Rot wiederholt sich auch in den vielen roten Schirmchen, die Bäume und Wege schmücken, als wäre es kein Tempel, sondern ein riesiges Eis mit Sahne. Sogar der Baum auf der anderen Straßenseite fügt sich perfekt ins Farbkonzept ein, denn er ist übersät mit goldgelben Mangos!

 

 

Wat Chedi Luang Worawihan
Beim großen Nachbarn angekommen empfängt mich erst mal wieder ein „Frauen müssen draußen bleiben“-Schild, das ich eine Weile nicht gesehen habe. Doch diesmal wird wenigstens auch eine Erklärung mit geliefert: weil Frauen menstruieren, hat man(n) Sorge, dass sie das Heiligtum womöglich beschmutzen könnten… (Aha.) Zum Glück bezog sich das Verbotsschild lediglich auf einen kleinen Schrein und nicht den gesamten Tempel. Beim Innern des Tempels hat mein Fotografenherz vor allem wegen der zahlreichen bunten Wimpel aufgelacht (da fühlten sich die goldenen Buddhas womöglich etwas vernachlässigt). Hinter dem Tempel gibt es einen Backstein-Stupa, der zwar halb verfallen ist – das macht ihn allerdings nur noch fotogener. Ansonsten gibt es auf der Anlage noch viele weitere kleine Gebäude mit Buddhas in allen Größen und Formen – sogar mal ein etwas „beleibterer“ Kollege, wie er in thailändischen Tempeln eher selten anzutreffen ist.

 

 

Phra Singh Tempel
Buddhas in allen Formen gibt es auch im Phra Singh Tempel. Der goldene Buddhakopf am Eingang ist womöglich der hübscheste, den ich auf der bisherigen Reise durch Asien entdeckt habe und auch die seltsamen, Baby-Born-ähnlichen Mönchsfiguren sind dort wieder vertreten. Doch hierzu gesellt sich nun noch eine weitere Ausführung, die beinahe etwas unheimlich ist: die lebensechte Nachbildung berühmter Mönche à la Madame Tussauds (vielleicht sogar noch ein bisschen echter…). Während ich mit meiner Kamera vor der Nase der Figuren herumwedelte rechnete ich jeden Moment damit, dass mich doch mal einer von ihnen ansprechen würde (was sicherlich mit einem spitzen Schrei und einem großen Satz nach hinten quittiert worden wäre).
Neben der außergewöhnlichen Ansammlung skurriler Buddhafiguren beeindruckt das Tempelareal aber vor allem mit strahlend goldenen Stupas. In Myanmar haben wir ja schon einige der goldenen Riesen gesehen und ich muss sagen, dagegen wirkt die nordthailändische Version ein bisschen „billig“. Während die Stupas in Mandalay oder Yangon wirkten, als seien sie aus massivem Gold, scheinen die Stupas im Phra Singh Tempel aus dünnem Blech oder mit einer Art Alufolie überzogen zu sein! Aber dafür ragen dort goldene Elefantenköpfe hinaus – was definitiv einen Pluspunkt in der B-Note bekommt.

 

 

Wat Sri Suphan
Wir verließen das Zentrum Richtung Süden und nach einem kleinen Gassenirrweg erreichten wir das nächste Ziel: den „Silbertempel“ Sri Suphan. Auf diesen hatte ich mich ganz besonders gefreut, denn er unterscheidet sich ganz besonders von bisher gesehenen Tempeln. Er ist nämlich komplett aus Silber! Schon beim Betreten des Areals flippte meine Kamera ein bisschen aus, aber wir (also die Kamera und ich) hielten uns noch kurz zurück und statteten erstmal dem größeren „gewöhnlicheren“ Tempel im Vordergrund einen Besuch ab. In diesem geben einige Bilder bereits einen ersten Vorgeschmack auf den kleinen Nachbar-Tempel. Doch noch mehr als diese, zog eine eigenartige Installation den Fokus der Kamera an: Im Gitternetz waren weiße Schnüre quer durch den Tempel gespannt, an deren Enden kleine Wattebäusche oder Stoffknäuel hingen. Was genau es damit auf sich hatte konnte ich aber leider nicht herausfinden…
Doch nun auf zum eigentlich Kunstwerk! An einer Seite empfing uns eine silberne Statue eines vierarmigen Elefanten und ein groß gerahmtes Bild des verstorbenen Königs. Aufgeregt hopse ich zum Haupteingang, gespannt wie es im Innern aussieht und bremse plötzlich wie ein Vampir vor einer Kirche ab. Ein Verbotsschild. Für Frauen. Mal wieder. Ich bin stinksauer.
Während mein liebster Reisebegleiter für mich ein paar Fotos im Innern schießt schmolle ich draußen herum und bin drauf und dran mich über das Schild hinwegzusetzen und einfach hineinzuspazieren… Aber man möchte ja auch niemandem auf den Schlips treten – also hielt ich mich an diese absolut sinnvolle und nachvollziehbare Regel. Von außen hat der Tempel außerdem mindestens genauso viel zu bieten, wie von Innen. Es gibt tolle Statuen und Reliefs zu sehen – vor allem die Rückseite hat es in sich! Dort merkt man dann auch, dass der Tempel noch gar nicht so alt zu sein scheint, denn unter anderem schmücken die Namen verschiedener Großstädte den Sockel des Tempels.
Nachdem ich das Kunstwerk aus jedem erdenklichen Winkel abgelichtet hatte folgten wir dem lauten Geräusch von kleinen Hämmern. Es führte uns zu der „Werkstatt“ im hinteren Bereich und wir konnten dabei zusehen, wie die Reliefs mit Hammer und Meißel in Silberplatten geschlagen wurden. Man hätte auch die Möglichkeit gehabt, ein eigenes Stück Silber zu bearbeiten – aber auf unserer Liste standen noch ein paar weitere Tempel und so zogen wir weiter.

 

 


Wat Suan Dok
Unser Tempelmarathon führte uns nach Westen zum Wat Suan Dok, an dem wir die einzigen Besucher waren. Die Tempelanlage erinnert sehr an die Kuthodaw und Sandamuni Pagoden in Mandalay. Rund um den großen Chedi mit goldener Spitze stehen strahlend weiß gekalkte Mausoleen, so strahlend hell, dass man kaum die Augen offen halten kann. Der große Predigt-Pavillon ist dagegen von weitem eher unscheinbar, doch unter dem Dach warten Säulen aus Spiegelmosaiken, bunte Wimpel und ein goldener Buddha.
Mein ganz persönliches Highlight bei diesem Tempel war jedoch gar nicht religiöser Art… Auf dem Grundstück stand ein alter türkisfarbener VW-Bus! Ich hätte ihn am liebsten als Tommy’s großen Bruder adoptiert und mit genommen…

 

 

Wat Ched Yot
Nach einer kurzen Fahrt nach Norden gelangten wir zum Wat Ched Yot, ein großes Tempelareal mit schönen Bäumen und Blumen. Highlight ist der alte Wihan Maha Pho, der mit seinen sieben Türmen und teilweise verfallenen Thewada-Reliefs ein bisschen an die Ruinen in Angkor erinnert.
Ungewöhnlich ist der kleine Stupa, der mit so vielen bunten Bändern geschmückt ist (ein weiteres Tempel-Ritual), dass nur noch ein kleines Stück der Spitze herausblitzt.

 

 

 

Wat Umong
Unsere Tempeltour führte uns immer weiter weg von Chiang Mai’s Zentrum und tiefer in die Natur. Nach einer kleinen Fahrt den Berg hinauf, erreichten wir Wat Umong, eine Tempelanlage mitten im Wald inklusive kleinem See. Wir stiegen die Stufen hinauf zum großen gemauerten Chedi und entdeckten dort einen kleinen Tunnel, der darunter durchführt (Wie aufregend!). Er führte uns wieder zum Fuß des kleinen Hügels, an dem eine Art „Buddhafriedhof“ auf uns wartete: eine Ansammlung alter Buddhastatuen und –köpfe, teilweise noch super erhalten, teils aber auch verfallen und von Pflanzen bedeckt. Besonders skurril ist die kleine Figurensammlung auf einer der Mauern. Wie in einem Setzkasten für Ü-Eier-Figürchen reihen sich bunte Buddhas, Tiere und Vasen aneinander und grinsen um die Wette. Irgendein Scherzkeks hat den abgebrochenen Kopf einer Figur in dessen Hände gelegt – ganz im Sinne der „Kopflosen Reiter“ aus Harry Potter (der fast-kopflose Nick würde vor Neid erblassen…).

 

 

 

Wat Phra That Doi Suthep
Wir verließen das Stadtgebiet Chiang Mai’s und fuhren eine schöne Landstraße durch den Doi Suthep Pui National Park hinauf zu einem Tempel, der eine großartige Aussicht versprach. Nach einem steilen Treppenaufstieg erreichten wir den goldenen Stupa, um den sich zahlreiche Buddhafiguren und Betende tummelten. Einige der Gläubigen umkreisten den Stupa, während sie eine Art Sprechgesang ablasen. Wir verewigten unsere Namen auf einer orangenen Stoffrolle (ihr seht, es gibt wirklich viele Tempelrituale) und amüsierten uns ziemlich über die Wächterfigur des Tempels, dem Schild zufolge eine ziemlich biestige Drachenmutter…
Die Aussicht von der Terrasse ist tatsächlich ziemlich schön, allerdings war es so diesig, dass man gar nicht mal sooo weit blicken konnte.


 

 

Wat Phra That Doi Kham
Einen letzten gibt es noch: ebenfalls im Nationalpark gelegen, aber ganz im Süden liegt der, laut Internet weniger besuchte Wat Phra That Doi Kham. Langsam zuckelten wir den Berg hinauf und erreichten ein großes Tempelareal mit sitzendem Buddha, goldenem Stupa und ganz vielen Statuen: Elefanten in verschiedenster Ausführung – vom der „Standard“-Nachbildung, über Wächter auf zwei Beinen (der auch eine Star-Wars-Figur darstellen könnte) bis hin zum lässig-liegenden König. Aber nicht nur Tiere, auch Frauenstatuen, die über und über mit Perlenketten behängt sind und ein Mann der mit einem Drachen schmust. Am Balkon steht ein weiterer Buddha zwischen zwei sitzenden und blickt in die Ferne – die aufgrund der Luftverhältnisse ebenfalls begrenzt ist. Mit seinen pinken Verzierungen und den farblich abgestimmten Kirschblüten ist er zwar ein bisschen kitschig – aber zugleich auch sehr fotogen.
Leider habe ich nicht mehr die Massen von Jasmin-Blumen fotografiert (es fing an zu regnen und wir mussten zusehen, dass wir den Berg hinab und zurück nach Chiang Mai kommen), die dort von Gläubigen abgelegt werden. Aber von unserer lieben Hostelbetreiberin erfuhren wir später was es damit auf sich hat. Wenn man an dem Tempel für Glück (zum Beispiel im Job) betet und dann Erfolg hat, soll man zum Tempel zurückkehren und quasi als „Dankeschön“ Jasmin mitbringen. Bei der Menge der Blumen, muss der Tempel ja eine regelrechte Glücksmaschine sein!

Apropos „Berg hinab“… Ich erwähnte ja bereits, dass ich mich auf motorisierten Zweirädern nicht sooo wohl fühle. Ich ergänze diese Aussage:  Ich fühle mich extrem unwohl, wenn das Zweirad dann auch noch bergab fährt. Nicht dass mein liebster Reisebegleiter gerast wäre (das hätte er sich bei dem Beifahrer auch nicht getraut…), dennoch bekam ich bei den Kurven und der Steigung ein „bisschen“ kalte Füße (was so viel heißt wie: ich saß komplett aufgelöst auf dem Rücksitz und krallte mich panisch fest).

 

 

Nachtmärkte
In Chiang Mai gibt es nicht nur zahlreiche Tempel – auch Nachtmärkte gibt es gleich mehrere!
Der tägliche Nachtmarkt befindet sich außerhalb des Zentrums und von typischen Touri-Ständen bis Essen ist alles vertreten. Am besten gefiel uns dort der Anusarn Market, ein separater Bereich entlang der Marktstraße. Unter einer großen weißen Zeltkuppel gibt es mehr als nur die bekannten Souvenirs und man kann dort hübsche Mitbringsel finden – und nicht nur das: auch eine Gruppe Ladyboys stand eine Weile in aufwendigen Kostümen im Mittelpunkt des Markts und dessen Besucher.


Samstags und Sonntags gibt es jeweils einen weiteren Nachtmarkt. Wir sind den Sonntagsmarkt im Zentrum entlang geschlendert. Der Markt ist zwar ziemlich überfüllt, aber es gibt dort ebenfalls wirklich schöne und auch mal ausgefallene Stände. Von der Marktstraße in Richtung Drei-Königs-Denkmal gibt es ganz viele bunte Leinwände zum Bestaunen oder Kaufen und gegenüber der drei Statuen spielte eine kleine Gruppe gute Livemusik.

Ein paar Minuten Fußmarsch entfernt entdeckten wir noch die ausgefallene Freilichtbar „48 Garage“, dessen Musik und Getränke aus einem alten Bus kamen.

 

 

 

Ausflüge
Den Tempelmarathon haben wir innerhalb von eineinhalb Tagen hingelegt. Insgesamt waren wir aber vier Tage in Chiang Mai und haben noch ein paar tolle Ausflüge in die Umgebung unternommen. Was wir dort so gesehen und erlebt haben erfahrt ihr demnächst! Aber so viel sei bereits verraten: euch erwartet ein moderner Tempel, der mehr Kunstwerk als Heiligtum ist, ein wunderschöner Wasserfall und ELEFANTEN! Seid gespannt

 

Chiang Mai: Tempel im Quadrat Chiang MaiVon Chiang Mai nach Laos
Ein Tagesausflug zum White Temple, Black House und Goldenen Dreieck

 

Chiang Mai: Tempel im Quadrat Chiang MaiElefanten-Camp Chiang Mai
Hautnah: Füttern, Spazieren und Schwimmen mit Elis

 

DoiChiang Mai: Tempel im Quadrat Chiang Mai Inthanon Nationalpark
Hinauf zum höchsten Berg Thailands