Mekong Delta
– eine Tagestour mit Booten, Rädern und Popreis – 

 

Eine Tour zum Mekong Delta
Während unseres Besuchs in Saigon unternahmen wir einen Tagesausflug ins Mekong Delta. Im Vorhinein hatten wir lange hin und her überlegt, in welcher Form wir uns diese Gegend am besten ansehen sollten. Würde ein Tagesausflug reichen? Wenn ja, wohin sollten wir am besten fahren? Oder wäre es doch sinnvoller, eine Übernachtung – vielleicht bei einem Homestay – einzuplanen? Unsere Internet-Recherche lieferte keine so richtig überzeugenden Touren und schlussendlich ließen wir uns auf dem Weg in den Süden dann doch so viel Zeit, dass uns auch nur noch ein Tag für das Mekong Delta blieb. In einer Bar in Hoi An hatten wir ein deutsches Pärchen getroffen, die gerade aus Saigon gekommen waren. Sie schwärmten von ihrer Unterkunft und der Tagestour, die sie darüber gebucht hatten. Also vertrauten wir kurzerhand auf die Empfehlung und entschieden uns für die gleiche Unterkunft und gleiche Tour.#

 

 

Fahrt nach Cai Be
Am Morgen wurden wir um 7:30 im Hotel zu Fuß abgeholt und folgten dann dem Tourguide eine knappe halbe Stunde durch das Backpacker-Viertel, wo wir sämtliche andere Mitreisenden einsammelten. Gegen 8:15 ging es dann endlich mit dem Bus Richtung Mekong Delta und unser Guide erklärte uns kurz den Ablauf der Tour. Neben uns saß eine Belgierin, die ihren Magen-Darm-geplagten Mann im Hotel gelassen hatte und offenkundig nach einem Gesprächspartner suchte. Wobei, eigentlich suchte sie vor allem einen Zuhörer für ihre sehr detailliert Erzählung darüber, wie sie ihr Gepäck verloren und es nach viel Hick Hack irgendwann wieder bekommen hatte. Danach offenbarte sie uns dann noch, dass wir keine hohen Erwartungen an die Tour haben sollten, denn der schwimmende Markt, den wir als erstes besuchen würden, sei dann wahrscheinlich schon vorbei.

 

 

Schwimmender Markt in Cai Be
Gegen elf Uhr erreichten wir den Bootsanleger in Cai Be und tuckerten einige Zeit später mit einem motorisierten langen Holzboot los. Das Boot war überdacht und bestuhlt – doch mein liebster Reisebegleiter und ich wechselten bald nach Hinten auf die kleine Holzfläche am Heck und ließen uns die Sonne ins Gesicht strahlen und Mekong-Wasser an die Füße spritzen.
Die Fahrt führte uns vorbei an einfachen bis heruntergekommen Hütten und sogar einer kleinen Dorfkirche, die inmitten von kleinen Verschlägen stand, die drohten, jeden Moment ins Wasser zu kippen.
In der Mitte des Kanals lagen einige größere Holzboote und als wir schon fast vorbei waren, vernahmen wir die Erklärung des Guides: das war er, der schwimmende Markt. Okay – also man hatte uns gesagt es sei ein „kleiner“ Markt… aber der war ja wirklich einfach schon tot. Später offenbarte mir eine Google-Bild-Suche, dass der Kanal am Morgen zumindest voll mit kleinen Holzbooten ist und man dann auch ein reges Handeln zwischen den Menschen beobachten kann. Tja, hatte die Belgierin wohl Recht gehabt.

 

 

Coconut Island
Wir machten uns nicht allzu viel daraus – solche Märkte kann man sich ja auch nochmal in Thailand ansehen… Stattdessen genossen wir die nunmehr idyllische Bootsfahrt über den breiten braunen Arm des Mekong, entlang eines überwucherten grünen Ufers. So hätte ich auch gut und gern den ganzen Tag verbringen können.
Leider viel zu schnell erreichten wir bereits unseren nächsten Stopp: Coconut Island. Was erstmal nach einem kleinen Robinson Crusoe Paradies klingt, war nicht viel mehr als ein kurzer Besuch in einer großen Hütte, in der unter anderem die typisch vietnamesischen Coconut-Candys hergestellt werden. Doch nicht nur die kleinen Bonbons, die so klebrig sind, dass sie einem die Kronen aus den Zähnen ziehen (sofern man welche hat), auch die knusprigen Popreis-Cracker gibt’s dort. Unser Guide führte uns zu den einzelnen Stationen des Herstellungsprozess und wir konnten beobachten, wie der Reis zunächst in einen großen heißen gusseisernen Wok kam und innerhalb von knapp 10 Sekunden aufpoppte. Danach kamen die Popkorn-ähnlichen Kugeln in einen großen Topf mit einer Mischung heißem Zucker, Fett und Gewürz. Es braucht dann zwei Menschen, die mit großen Holzlöffeln die immer klebriger werdende Masse durchmischen, bist sie beinahe fest wird. Zu guter Letzt wird der Inhalt des Topfes auf einer Matte glatt gestrichen und später in kleine Stücke gebrochen. Diese schmecken übrigens echt ziemlich lecker.


Auch die Herstellung des Reispapiers für die Sommerrollen kann man hier beobachten. Aber darin waren wir ja selbst schon halbe Profis durch unsere Kochschul-Erfahrungen aus Hoi An. Die Coconut-Candys entstehen übrigens aus einer klebrigen braun marmorierten Masse (so wie jedes Bonbon), die sogar von einer Maschine durchgeknetet wird. Danach werden lange Schlangen in eine Form gedrückt und danach in kleine Quadrate geschnitten, die dann ein in sorgfältiger Handarbeit in Papier eingewickelt werden (die unterste Lage ist übrigens Reispapier und kann gegessen werden. Aber nur die!)

 

 

Mittagspause
Nach einer weiteren kurzen Bootsfahrt wechselten wir auf das wohl ursprünglichste vietnamesische Fortbewegungsmittel: das Fahrrad. Die alten Drahtesel bestanden aus mehr Rostflecken als Metall und sahen aus, als würden sie nach spätestens 10 Metern auseinanderbrechen.  Der schwarze Sattel war dermaßen heiß, dass ich Sorge hatte, meine Haut könnte sich daran festbrennen. Doch im Stehen zu fahren war auch keine Option, denn die Pedale lagen eher schräg im Gewinde und machten nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck. Außerdem wollte ich dem Boden auch so nahe wie möglich bleiben, denn nach wenigen Metern musste ich nach einer kurzen Schrecksekunde feststellen, dass meine Bremse nicht funktionierte. Na gut, ist ja nicht weiter schlimm – geht ja nur gerade aus. Die Strecke war tatsächlich ganz nett entlang von Plantagen und kleinen einzelnen Häuschen. Irgendwann kreuzte der Weg dann einen Kanal und eine kleine Brücke führte hinüber. Mein liebster Reisebegleiter meinte noch, ich solle die GoPro wegstecken, damit ich beide Hände frei hätte. Doch ich hatte das Problem „Bremse“ schon wieder komplett vergessen und trat stattdessen so richtig in die Pedale um entspannt die Brücke hinauf zu rollen. Blöd nur, dass es auf der anderen Seit ja wieder hinunter geht! Was soll ich sagen – mit den Fußspitzen am Boden schleifend und mit genug Ausroll-Weg kam ich irgendwann zum Stehen. Mein Puls 20 Minuten später dann auch. 
Die Radtour dauerte leider (oder zum Glück?) nur knapp 10 Minuten und dann hieß es erstmal Mittagspause. Wir hielten an irgendeinem Haus mit großem Garten und hatten vorher im Boot schon a la Flugzeug-Sandwich-Bestellung die Wahl zwischen Huhn und Fisch gehabt. Das Essen war okay und wir unterhielten uns ganz nett mit zwei Holländerinnen. Wer wollte, hielt ein kleines Mittagsschläfchen in einer der Hängematten oder beobachtete die große Python, die im Garten (im Käfig) ebenfalls vor sich hinschlummerte. Mir persönlich war die Pause mit über eine Stunde viel zu lang – aber irgendwann war dann endlich wieder Aufbruch angesagt und wir marschierten zu einem kleinen Steg.

 

 

Kanalfahrt
Als nächstes wurden wir jeweils zu viert in ein kleines Ruderboot verfrachtet. Auf dem Heck balancierte jeweils ein Vietnamese, der uns durch den Kanal paddelte. Doch bevor es losging, wurden erstmal an jeden einen der typisch vietnamesischen Strohhüte verteilt… Ich stellte aber schnell fest, dass es trotz der knallenden Sonne angenehmer ohne Hut war, denn darunter staute sich die Luft doch sehr. Die ca. 20 Minuten auf dem Kanal waren ganz nett – allerdings ist es als Teil einer langen Kette von Booten nun auch nicht übermäßig atmosphärisch. Und ehrlich gesagt – auch wenn da links und rechts Palmen und sonstiges Grün wächst: ich fand unsere Familien-Kanutouren auf der Lahn mitunter wesentlich idyllischer… (Jammern auf ganz hohem Niveau). Am Ende des Kanals wartete bereits das größere Holzboot auf uns und wir gingen direkt von den kleinen Paddelbooten aus an Bord.

 

 

Tea-Time
Einen kurzen Stopp legten wir noch in einem netten kleinen Garten-Café ein, wo bereits leckerer Tee und Früchte auf uns warteten. Dazu wurde uns knapp 20 Minuten vietnamesische „Volksmusik“ präsentiert. Hierzu wurde zur Musik einer Gitarre und einem Harfen-ähnlichen Instrument gesungen, wobei der Gesang eher eine Art Sprechgesang und wenig melodisch war. Es erinnerte ein bisschen an die musikalische Untermalung des Wasserpuppentheaters in Hanoi. Die Sänger waren zugleich Schauspieler und untermalten ihre Sprechgesänge mit Kostüm und Gesten.
Leider konnte man sich auf die Vorführung nicht so recht einlassen, denn der überwiegende Teil der Mitreisenden saß einem gelangweilt im Blickfeld und tuschelte, kicherte und verdrehte die Augen. Der absolute Knaller war aber eine Gruppe Primaten-ähnlicher Schweizer in unserem Alter, die lautstark redeten und lachten, als wäre es eine Hüttengaudi. Wir schämten uns derartig fremd, dass mein liebster Reisebegleiter (der sonst die Ruhe in Person ist) nach einer Weile energisch dazwischen ging und die Affen zur Raison rief. Sie verdrehten die Augen, wurden leiser und verkrümelten sich dann. Peinlich…


Hiernach endete unsere Tour dann auch schon. Mit dem Boot ging’s zurück zum Bus und dann fast vier Stunden Fahrt zurück nach Saigon.

 

Fazit
Der Ausflug ins Mekong-Delta war vielleicht nicht unser Highlight der Reise, aber dennoch war es ein schöner Ausflug. Natürlich war es schade, dass wir den schwimmenden Markt nicht erlebt haben, aber das ist wohl nur möglich, wenn man dort über Nacht bleibt und dann früh morgens aufschlägt. Die Tour war auf jeden Fall gut um einen Eindruck von der Gegend zu bekommen und die Bootsfahrt entlang der Hütten, Reisfelder und Plantagen war richtig entspannend.

Saigon
– Straßenüberquerungen, Gassengewirr und Nobelhotels –

 

Der Name der Stadt
Am frühen Nachmittag kamen wir nach einer entspannten Busfahrt (mit einem Bettenbus am helllichten Tag!) in Saigon’s Backpackerviertel an.
Doch bevor ich euch von der größten Stadt Vietnams erzähle, stellt sich erstmal die wichtigste Frage: Saigon oder Ho-Chi-Minh-City?
Mein liebster Reisebegleiter und ich waren uns davor sehr uneinig, wie wir unser nächstes Reiseziel eigentlich nennen sollen. Für mich klingt Saigon schöner, aufregender, asiatischer und nach alter Kultur. Doch politisch korrekt ist seit der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam 1976 der Name Ho-Chi-Minh-City. Um unseren Disput beiseitezuschaffen fragten wir die einzigen Menschen, die es wissen können: die Einwohner der Stadt. Und egal wen man fragte, ob Taxifahrer, Hotelbetreiber oder Nageltante: für sie war es immer noch Saigon (Ha! gewonnen!).


 

Durch den Irrgarten des Backpacker-Viertels
Der Bus fuhr in das Büro (kein Scherz) der Bus-Gesellschaft hinein, denn meistens handelt es sich bei dieser Art von Büros auch einfach nur um einen Schreibtisch in einer großen Garage. Von dort aus waren es nur knapp 100 Meter Luftlinie zu unserem Hostel. Wir schulterten unsere Rücksäcke und bogen auf gut Glück in die erste Gasse, die grob in die richtige Richtung verlief. Doch auch wenn Saigon riesig groß und modern ist: es gibt sie noch, die kleinen engen verwinkelten Gassen. Wir verliefen uns erst einmal komplett. Standen plötzlich vor einer Hauswand, mussten wieder umdrehen, kamen irgendwo heraus und verließen uns dummerweise aufs GPS, das zwischen den engen Häuserschluchten gern mal komplett falsch liegt. Irgendwann erreichten wir im Irrgarten dann doch ein Tor, an dem ein kleines Schild mit dem Namen unserer kleinen Unterkunft angebracht war. Nur leider war es verschlossen… Etwas verwirrt – vor allem, da wir das erste Mal keine Bestätigungsmail erhalten hatten – gingen wir erstmal weiter… immerhin hatten wir auf dem Weg bereit ein weiteres Hostel mit einem sehr ähnlichen Namen gesehen. Doch 10 Minuten später, nachdem wir aus Versehen im Kreis gegangen waren, hatte das Tor auf und unser netter Gastgeber empfing uns bereits überschwänglich. Er gab uns ein paar Tipps und führte uns dann zu unserem Zimmer (das Beste des Hauses, wie er erklärte, denn weil seine Tochter in Deutschland lebt, wollte er es uns besonders schön machen).

 

Unterwegs ins Zentrum
Nach einer Pho (die nicht annähernd an unseren Liebling in Hanoi herankam) machten wir uns auf den Weg ins Zentrum. Doch was ist eigentlich das Zentrum Saigons? Die Stadt hat so viele Stadtteile, die Übergänge sind fließen und man fragt sich: wo spielt es sich ab, das Leben in Saigon? Wohl wissend, dass wir das in der kurzen Zeit die wir in der Stadt hatten nicht herausfinden würden, konzentrierten wir uns erstmal auf die Sehenswürdigkeiten des ehemaligen Kolonialviertels. Der Weg dorthin war bereits ziemlich abenteuerlich, denn wir mussten so einige Straßen überqueren. Was jetzt für jeden in Deutschland erstmal komisch klingt, lässt einem in der jeweiligen Situation dann doch mal schnell den Puls nach oben schnellen und ein Adrenalinjunkie wird hierbei so richtig auf seine Kosten kommen. Die Straßen sind voll mit Autos und Rollern, die sich alle irgendwie kurz und quer ihren Weg suchen. Schön und gut, denkt man sich womöglich, aber es gibt ja Zebrastreifen und Ampeln. Ihr könnt euch ja gern mal wie ein braves Schulkind an den Straßenrand stellen und darauf warten, dass da an einer sechsspurigen Straße jemand anhält! Nein, so einfach ist das leider nicht. Wie einer von Ocean’s Eleven muss man die Autos wie Laserstrahlen beobachten, den Rhythmus erkennen und dann – nach einem tiefen Atemzug – den ersten Schritt auf die Straße setzen. Was danach kommt, gleicht einem gefährlichen Tango übers Tanzparkett. Bloß im Takt bleiben, nicht stehen bleiben, dann schlängeln sich Roller, Autos und Busse um einen herum, als würde man eine durchsichtige Kugel um sich herum tragen. Es ist in jedem Fall ein Erlebnis und wer es noch nicht selbst gemacht hat, der kann das euphorische High-Five an der anderen Straßenseite einfach nicht verstehen…
Nach unserem ersten Kreisverkehr waren wir aber dennoch froh um den schönen Tao Dan Park, eine kleine ruhige Oase inmitten des Verkehrschaos. Zwischen hohen Bäumen findet man eine kleine Miniaturdarstellung eines Tempels, der ein bisschen an Angkor Wat erinnert und es gibt einen recht großen Open-Air-Fitness-Bereich, der hier rege genutzt wird. Selbst Anzugträger schwingen sich eine Weile auf den Crosstrainer oder an die Klimmzugstange.

Einige Minuten weiter stolperten wir plötzlich über einen Panzer. Er steht, gemeinsam mit Helikoptern und kleinen Bombern der U.S. Army vor dem Museum für Kriegsrelikte (War Remnants Museum). Der Eintritt ist spottbillig, also gönnten wir uns ein Ticket – auch wenn wir uns nur den Außenbereich anschauen wollten. Neben der alten Kriegsmaschinerie gibt es auch noch ein kleines Seitengebäude, in dem “anschaulich” die Verhältnisse der Gefangenschaft und Foltermethoden dargestellt werden. Wer Zeit (und Nerven) hat, für den lohnt sich bestimmt auch noch der Besuch der Hauptausstellung, aber wir wollten erstmal was von der Stadt sehen.

 


Saigons Kolonialviertel
Vorbei am großen Wiedervereinigungspalast schlenderten wir durch eine Allee zur nahegelegenen Kathedrale Notre Dame. Es ist beinahe surreal, wie sich die 60 Meter hohe klassisch katholische Kirche aus roten Steinen zwischen asiatischen Straßen und modernen Glasbauten erhebt.  Natürlich wollten wir das Vermächtnis der französischen Kolonisten auch von innen anschauen – brauchten dafür aber ganze drei Anläufe. Am ersten Abend waren wir zu spät und die Pforten waren bereits verschlossen. Am letzten Tag kamen wir am späten Vormittag dort an – nur um festzustellen dass sie erst wieder um 14 Uhr öffnen würde. Doch dann, endlich, 2 Stunden vor Abfahrt, schafften wir es. Leider mussten wir dann feststellen, dass sich der ganze Aufwand nicht so recht gelohnt hatte, denn von Innen ist die Kirche eher unspektakulär. Am interessantesten sind da tatsächlich die vielen kleinen gravierten Steintäfelchen, die die großzügigen Spender nennen.

Der Besuch der Postfiliale (Hôtel des Postes) schräg gegenüber war dann sogar etwas eindrucksvoller. Das schöne alte und vor allem ziemlich große gelbe Kolonialgebäude ist von Innen wirklich schön. Am Kopfende thront ein großes Portrait des ehemaligen Präsidenten Ho-Chi-Minh und die Seitenwände sind mit schönen alten Karten bemalt. Wir kauften ein paar Postkarten Vietnams und schickten sie am letzten Tag von einem der Schalter los nach Deutschland.  

Von hier aus schlenderten wir die Dong Khoi, die Hauptader des Kolonialviertels, hinunter Richtung Saigon-Fluss. Auf dem Weg entdeckt man zahlreiche wunderschöne Fassaden der Kolonialzeit – allen Voran natürlich die Nobelhotels. Ein paar Meter von der Dong Khoi entfernt liegt das Rathaus Saigons, ein wunderschöner Bau, mit einem sehr langen schmalen Platz, dem Ho-Chi-Minh-Square. Das Bronze-Abbild von Onkel Ho winkt einem freundlich zu, während er in Richtung Flussufer hinabblickt und wahrscheinlich – so wie ich – die vielen Wolkenkratzer und Hochhäuer bewundert, die hinter den kleinen Springbrunnen emporschießen.
Zurück auf der Dong Khoi lädt das hübsche Opernhaus zu einem schicken Abend ein – leider sind die Vorstellungszeiten allerdings so früh, dass wir es nicht unterbekamen. Nebenan steht das Hotel Continental mit seiner weißen Jugendstilfassade, das zur Zeit des Vietnamkrieges zahlreiche Kriegsberichterstatter beherbergte.


 

 

Zum Ufer des Saigon-Fluss
Kurz bevor wir zum Ende der Dong Khoi gelangten, entdeckten wir ein Hotel, das zwischen den ganzen schicken Kolonial- und Glasbauten herausstach. „The Mist“ ist ein recht schlichter weißer Bau, aus deren Öffnungen allerdings so viele Pflanzen sprießen, dass es von weitem aussieht, als befände sich ein Urwald darin. Von dort aus gelangt man zum Platz Công viên Cảng Du Lịch Bạch Đằng, wo die Statue des vietnamesischen Generals Tran Hung Dao steht. Doch nicht wegen der Statue, sondern wegen des Blicks, der sich dort offenbart, lohnt sich ein Abstecher dorthin. Wunderschön aufgereiht – aber alle ganz verschieden – stehen sie dort nebeneinander, die Wolkenkratzer Saigons.
Nach einem weiteren Tango über die Straße, schlenderten wir am Flussufer entlang. Das Wasser muss man am Ufer aber durchaus suchen, denn es ist komplett zugewuchert mit Wasserpflanzen. Die andere Seite des Flusses ist noch recht unbebaut, dafür zugepflastert mit riesig großen Werbeplakaten. Auf dem Rückweg ins Zentrum funkelten uns die goldenen Portale des Majestic Hotels entgegen und vor dem mittlerweile azurblauen Himmel zeichnete sich der 265 Meter hohe Bietxo Financial Tower ab, dessen außergewöhnliche Form mit seinem Ufo-förmigen Hubschrauberlandeplatz aus der Skyline Saigons heraussticht.

 

 

 

Ein Abend im Backpackerviertel
Auf dem Rückweg ins Backpackerviertel wollten wir uns eigentlich noch den Benh-Tanh-Markt anschauen, doch leider waren wir zu spät dran und die Verkäufer räumten bereits alle ihre Stände zusammen. Der Kreisel vor dem Marktgebäude ist dann auch wirklich nur noch was für Fortgeschrittene Fußgänger, denn er ist nicht nur riesig groß mit vielen Ausfahrten, sondern auch noch zu einem Großteil mit Bauzäunen zugepflastert, so dass einem nichts anderes übrig bleibt als am Straßenrand entlang zu balancieren.
Das Essen im empfohlenen „Cơm Chay Định Ý“ war leider nicht so der Knaller und die Atmosphäre war eher Klasse Mensa. Richtig schön war es allerdings in der Rooftop-Bar „The View“, mitten im Backpackerviertel. Die Bar ist zwar nur im neunten Stock, aber da alles andere drum herum recht niedrig ist, hat man trotzdem einen tollen Blick auf die abendliche Skyline. Der Außenbereich ist schön gemütlich mit vielen Lampions und auf der unteren Etage der Terrasse gibt es Livemusik, die in ziemlich hoher Lautstärke auch nach oben übertragen wird.

 

 

 

Massage in Saigons Backpackerviertel
Auch am zweiten Abend, geschafft von einem Tagesausflug zum Mekong-Delta, stöberten wir durch das Backpackerviertel. An einem kleinen Streetfood-Stand in der lebendigen Bui Vien Straße, aßen wir leckere (aber ziemlich teure) Spieße, die frisch gegrillt wurden und sau scharf waren. Danach wollten wir uns noch die müden Beine massieren lassen und die Auswahl der Massageläden war ja groß in der Gegend.
Wir schlenderten also die Straße entlang, verglichen Preise und entschieden uns dann letztendlich für einen der Läden direkt an der Bui Vien – wobei die sich wahrscheinlich alle nicht wirklich unterscheiden. Wir wurden von zwei Vietnamesinnen in den zweiten Stock geleitet, wo wir in einer kleinen kargen Kammer zwei Bänke vorfanden, die jeweils zu zwei Seiten in der Ecke standen. Da kommt schon ein bisschen die Frage auf, wie man da eigentlich massieren soll… An Entspannung war auch nicht zu denken, denn der Partylärm der Straße drang durch Fenster und Wände. Unabhängig davon hatten wir nach der Massage aber den starken Verdacht, dass die Damen in diesem Etablissement auch Dienstleistungen fernab der Preisliste anbieten. 
Auf dem Weg zurück sahen wir die kleine „charmante“ Gasse, in der unsere Unterkunft war, dann plötzlich mit ganz anderen Augen. Vor den zahlreichen Nagel- und Massagestudios saßen beinah ausschließlich aufgetakelte Vietnamesinnen in viel zu knappen Kleidern und wir waren uns nunmehr recht sicher, dass wir in einer kleinen Puff-Straße gelandet waren…

 

 

Cafès und Aussicht
Am letzten Morgen entdeckten wir das schöne „What’s up Cafe“ ganz in der Nähe unserer Unterkunft, bei dem wir für wenig Geld ein hervorragendes Frühstück bekamen. Für knapp 5 Euro kann man sich 3 Gerichte aussuchen und der Kaffee wurde sogar nachgeschenkt. Nach Pancakes, Omelett und Obstsalat mit Joghurt und Müsli rollten wir wieder in Richtung Notre Dame, die  – wie bereits erzählt – dann schon wieder zu hatte.


Wir suchten uns also direkt das nächste Café, denn es mussten ja noch Postkarten geschrieben werden. Ganz in der Nähe, versteckt in einem Mini-Geschäftshaus, das im Erdgeschoss eine kleine unscheinbare Galerie beherbergt, wurden wir zufällig fündig. Im dritten Geschoss ist das „1st Garden Café“, ein kleiner wunderschöner Ort der Ruhe! Der Boden ist mit großen Natursteinen gefliest und die Decke mit einer Baumkrone geschmückt, in der kleine Lichter hängen. Die wenigen kleinen Tische und Stühle sind aus dunklem Holz und über der Bar gibt es eine kleine Ebene wie auf einem Hochbett. In den Ecken gibt es zwei kleine Mini-Wasserfälle, die stetig vor sich hinplätschern und wem das noch nicht reicht, dem offenbart sich aus den bodentiefen Fenstern und dem Balkon noch ein toller Blick auf Dong Khoi und die Wolkenkratzer des Kolonialviertels. Dort verbrachten wir zwei gemütliche Stunden mit Postkarten und Blog-schreiben während wir leckeren Eiskaffee schlürften.

Nachdem wir die Postkarten auf den Weg gebracht hatten und endlich das unspektakuläre Innenleben der Kathedrale gesehen hatten, gab es noch einen Punkt auf der Saigon-Liste, den wir kurz vor Abreise auf jeden Fall noch mitnehmen wollten: die Aussicht von einem der Wolkenkratzer, hinab auf Saigon. Wir entschieden uns für das höchste der Stadt, den Bitexo Financial Tower. Für gut 7 Euro fuhren wir hinauf in die Aussichtsetage im 49. Stockwerk. Was soll ich sagen – das Geld war es wert! Der 360°-Blick auf Saigon ist schlichtweg beeindruckend. Erst jetzt wurde uns bewusst WIE groß die Stadt eigentlich ist und wie unfassbar klein der Ausschnitt ist, den wir gesehen haben. Für uns war es ein perfekter Abschluss unserer Reise durch Vietnam, denn danach ging es mit dem Taxi zum Flughafen. Bei Abflug verabschiedete sich Saigon dann noch mit einem spektakulären Lichtermeer und wir nahmen Kurs auf Siem Reap in Kambodscha.

Mui Ne
– Dünen, Strandresort und Fischerdorf –

 

Faul im Strandresort
Nachdem wir mitten in der Nacht in Mui Ne angekommen waren, klingelte nach wenigen Stunden Schlaf der Wecker, denn wir wollten ja in keinem Fall das Frühstück verpassen. Gespannt, was uns vor unserer Zimmertür erwarten würde, schleppten wir uns müde hinaus. Die Anlage des „Four Oceans Resort“ gefiel uns auf Anhieb! Die einzelnen Gebäude sind nicht zu groß und verteilen sich um eine hübsch angelegte Rasenfläche mit Palmen und bunt blühenden Pflanzen. Überall verteilt stehen kleine Schweinchen aus Ton (warum auch immer…) und inmitten der Pflanzen befindet sich ein hübscher ruhiger Pool, der zu einer Seite mit einer künstlichen Felswand umgrenzt ist. Der Restaurantbereich – eine große überdachte Veranda – liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt mit Blick auf das Meer und das Frühstücksbuffet ist die Wucht! Von frischen Omelettes und Pancakes über Obst und Baguette, bis hin zu verschiedenen warmen asiatischen Gerichten ist alles dabei was das Herz begehrt. Wir schlugen uns den Bauch voll und rollten zum Strand.

Es war zwar recht bewölkt und ziemlich windig, doch nachdem ursprünglich nur Regen und Gewitter angesagt war, beschwerten wir uns nicht und genossen es dennoch, faul am Strand zu liegen. Im Meer baden war aufgrund einer starken Strömung und der zahlreichen Kitesurfer allerdings eher unentspannt. In der näheren Umgebung gibt es einige Kiteschulen und kurz dachte ich darüber nach, diesen Wunsch endlich mal anzugehen. Doch die Kurse waren nur unwesentlich günstiger als in Deutschland und bei der kurzen Zeit die wir in Mui Ne verbringen würden, hätte sich das kaum gelohnt. Als es zu windig wurde verlagerten wir uns an den Pool und ich fand endlich mal etwas Ruhe zum Blog-Schreiben.


Am Abend begaben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Das Resort-Restaurant war wie ausgestorben und die einzigen Mitarbeiter saßen versteckt im Halbdunkeln hinterm Tresen. Also liefen wir den Strand entlang. Auch hier war ziemlich tote Hose und wir wunderten uns über den Mangel an Beach-Bars und schönen Strandrestaurants. Ein paar Resorts weiter fanden wir dann doch noch ein Restaurant direkt auf dem Sand. Wir bestellten nur eine Kleinigkeit – zu einem recht hohen Preis – und waren bitter enttäuscht. Es war mit Abstand das schlechteste Essen, das wir bisher auf unserer Reise bekommen hatten. Die Frühlingsrollen trieften vor Fett und die Sommerrollen waren quasi nur mit Salat gefüllt und schmeckten nach nix.


Sonnenaufgang in den White Sand Dunes
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 4:00 Uhr (unser Biorhythmus war völlig verwirrt, war das doch genau die Uhrzeit, zu der wir die vorherige Nacht ins Bett gegangen waren). Doch da mussten wir durch, denn ich wollte unbedingt die Dünentour machen, von der ich vorher schon Wind bekommen hatte. Mit einem Jeep wurden wir um halb fünf vom Hotel abgeholt und brausten gemeinsam mit 7 anderen (überwiegend asiatischen) Touristen fast eine Stunde durch die Dunkelheit. Als es langsam begann zu dämmern erreichten wir die sandige Einfahrt und unser Guide brachte uns zum Eingang der White Sand Dunes, wo zahlreiche Quads auf uns warteten. Der Guide offenbarte uns nun, dass es nun (zusätzlich zu den ca. 6 Euro pro Person für die Tour) weitere 6 Euro pro Person kosten würde, sich zur Düne bringen zu lassen. Mir entwich ein sarkastisches Lachen und ich dachte mir nur „Good Morning Vietnam“, denn das entsprach nun tatsächlich komplett dem Klischee der Touristen-Abzocke. Auf unsere Frage ob man nicht einfach laufen könne, meinte er nur, dass das viel zu weit sei und man es auf keinen Fall rechtzeitig schaffen würde. Es war noch relativ dunkel und wir konnten nur bis zur ersten Sanderhebung blicken – also blieb uns nichts anderes übrig als ihm zu glauben. Wir entschieden uns dann aber dafür (in Erinnerung an das coole Herumcruisen in Bagan) einen eigenen Quad zu nehmen. Das sollte dann zwar fast 17 Euro kosten, aber so könnten wir wenigsten die eine Stunde, die wir an den Dünen verbringen durften, herumfahren.
Einer der Mitarbeiter warf das Ding an, während wir bei einem anderen bezahlten und los ging die wilde Fahrt. Nach dem ersten kleinen Hügel mussten wir dann schon feststellen, dass man den Weg ohne Probleme zu Fuß hätte meistern können. Die Düne, zu der alle hinaufgefahren wurden, war in ca. 15 Minuten Fußweg zu erreichen.
Aber die Fahrt machte ziemlich Spaß – also was soll’s. Leider endete sie dann aber auch schon, bevor wir die erste hohe Düne erreichten. Wir hatten uns festgefahren und auch nachdem wir den Quad hinausgezogen hatten, kamen wir den Berg nicht hinauf. Also drehten wir herum und probierten es eine Düne weiter, denn da wurden auch die meisten anderen hingefahren. Auch hier kamen wir nur knapp zur Hälfte und dann ging das Ding auch noch aus. Im Dämmerlicht suchten wir vergeblich nach dem Trick, unser Transportmittel wieder anzuschalten, wurden aber nicht fündig. Genervt und unter Zeitdruck ließen wir den Quad stehen und kraxelten die restlichen Meter zu Fuß hinauf. Oben angelangt hatte man zwar einen recht schönen Blick auf die umliegende Landschaft – aber wirklich spektakulär war der Sonnenaufgang von dort oben nicht, denn man befand sich genau auf dem Objekt, das man ja eigentlich im Licht der aufgehenden Sonne sehen wollte. Stattdessen ging die Sonne eben einfach über dem flachen Land dahinter auf. Aber wir machten es uns mit dem kleinen Frühstücks-Paket unseres Resorts im Sand gemütlich und beobachteten schmunzelnd die zahlreichen Asiaten, wie sie ihre privaten Fotoshootings vollführten (aus einem mir nicht ersichtlichen Grund posierte eine erstaunliche Zahl mit ihrem Smartphone am Ohr, als würden sie nun gerade auf der Düne telefonieren…).
Als sich unsere Treffpunkt-Uhrzeit langsam näherte, gingen wir zurück zum Quad und siehe da: nun im Tageslicht war es dann doch ziemlich offensichtlich, wo das Ding anzuschalten war. Der ca. ein Quadratzentimeter große gelbe Knopf war recht selbsterklärend – sofern man ihn erstmal sehen konnte… Enttäuscht, dass wir nun die ganze Zeit auf der Düne verplämpert hatten, anstatt durch die Gegend zu düsen, fuhren wir zurück – machten aber noch einen kleinen Schlenker zu dem westlichen Ende der White Sand Dunes. Dort, neben einem malerischen kleinen See war eine weitere hohe Düne, von der aus der Sonnenaufgang sicherlich wesentlich schöner gewesen wäre, denn dann hätte man die anderen Dünen im Blickwinkel vor der Sonne gehabt. Naja – hätte, hätte Fahrradkette. Half ja nix, wir mussten zurück zum Jeep.

 

 

Red Sand Dunes
Leider nahmen es nicht alle so genau mit der Pünktlichkeit und so wartete unsere Reisegruppe knapp 15 Minuten auf zwei Mitreisende, die irgendwann gemütlich angeschlendert kamen.
Weiter ging‘s (im Konvoi mit den restlichen Jeeps) zum nächsten Stopp der Tour: den Red Sand Dunes. Das Areal war deutlich kleiner als seine weißen Geschwister und direkt an der Straße gelegen. Doch wenn man sich ein bisschen vom Touristenstrom entfernte und in die andere Richtung ging, stapfte man auch recht allein durch ein kleines Mini-Namibia mit Blick auf das Meer.
Nach 20 Minuten mussten wir leider schon zurück sein – nur um wieder auf unsere beiden Grazien zu warten, die dann – zum Missmut unseres Guides – wieder mit 10 Minuten Verspätung eintrafen.

 

 

Fishing Village
Eine kurze Fahrt später hielten wir an einem höhergelegenen Straßenabschnitt, von dem aus wir einen tollen Blick hinab auf die Mui Ne Bucht hatten, in der zahlreiche bunte Fischerboote und die, für diese Gegend Vietnams typischen, kleinen Körbe, die anstatt eines Bootes genutzt werden. Am Ufer befindet sich ein kleiner Fisch-Markt, der zwar super fotogen ist, meiner Einschätzung nach aber nur als Show-Markt für Touristen fungiert. Auch bei den Fischerbooten würde ich darauf wetten, dass diese bei ihrer tadellosen bunten Lackierung mehr zur Deko im Wasser liegen. Aber es war trotzdem interessant, den Leuten beim Flicken der Netze zuzuschauen oder einfach entlang der Metallschalen zu schlendern, die mit allen möglichen Seafood gefüllt waren.

 

 

Fairy Stream
Zu guter Letzt hielten wir noch am Fairy Stream – einem winzig flachen Strom entlang roter und weißer Sandsteine. Das Wasser hat durch den roten Sand eine matschig braune Farbe – ist aber bei genauerem Hinsehen doch recht klar. Am Ufer des Stroms versuchte ein geschäftstüchtiger Vietnamese uns eine Gebühr für das Abstellen der Flip Flops zu entlocken. Doch unser Guide hatte uns bereits vor der Masche gewarnt und so steckten wir die Schuhe in unsere Tasche, erwiderten dem Verkäufer recht bestimmt, dass wir das nicht zu zahlen brauchten und marschierten los. Durch das knöchelhohe Wasser platschten wir im Gänsemarsch mit den bereits bekannten Gesichtern der anderen Jeeps los, während Marktfrauen an der Seite (ebenfalls im Wasser) versuchten Getränke und Obst an den Tourist zu bringen. Wenig später entdeckten wir eine Werbetafel für eine der skurrilsten Aktivitäten, die mir je auf Reisen begegnet ist: wer möchte, kann hier einen Strauß reiten. Ob durch den Fairy Stream oder im Gehege, kann ich leider nicht genau sagen, denn keiner schien das Angebot wahrnehmen zu wollen – und das obwohl der gruselige Vogel ganz neugierig über den Busch äugte.
Irgendwann wurde es dann aber doch noch richtig idyllisch und die meisten Besucher waren wohl noch weiter vorn bei Fotoshootings hängen geblieben (nicht dagegen die Kuh, die uns anstatt der Touris nun Gesellschaft leistete). Wir genossen die letzten Minuten sehr und wären gerne noch weiter geschlendert – doch wieder einmal tickte die Uhr und wir mussten zurück zum Jeep.
Nachdem unser Guide den beiden Zuspätkommern nach der Red Sand Dune einen kleinen Einlauf verpasst hatte, waren diese nun sogar vor uns da und wir machten uns auf den Rückweg in Richtung der Hotels.
So ganz konnte es sich unser Guide dann aber wohl doch nicht verkneifen, den beiden Damen (die auch in unserem Resort wohnten) noch eins auszuwischen. Als sie ihn fragten, ob es nahe des Resorts eine Touristeninfo gäbe, wo er sie rauslassen könnte, nickte er und  setzte sie auch vor einem solchen Büro ab. Von dort aus fuhren wir noch gut 10 Minuten… Ich wette die beiden haben später ganz schön geflucht…

 

 

Kurztrip nach Russland
Am Abend gingen wir dann tatsächlich doch noch (nach 2 Tagen Aufenthalt) auf der dem Meer abgewandten Seite hinaus und mussten lachend feststellen, dass da ja richtig was los war. Geschäfte, Restaurants und Bars – das Leben spielte sich offenbar mehr an der Straße als am Strand ab. Und nun bestätigte sich auch das, was wir über die beiden Strandgebiete Nha Trang und Mui Ne gehört hatten: es sind kleine russische Enklaven. Anstatt in vietnamesischen Schriftzeichen, sind fast alle Geschäftsnamen und Speisekarten in Kyrillisch geschrieben. Wir suchten ein Restaurant aus und bestellten irgendein russisches Fleischgericht und ich erlag meiner Lust nach einem Glas Wein. Letzteres war ein dummer Fehler – jedes Tetrapack vom Penny spendet einen feineren Tropfen als dieser vietnamesische Weißwein, der ein bisschen was von Essig hatte… Das Essen hatte eine ähnlich saure Note – war mit eine großen Menge Reis und Sojasoße aber essbar.

 

Weiterreise nach Saigon
Für den nächsten Morgen hatten wir uns Bustickets zurück nach Saigon gebucht. Wir hatten, wie bereits mehrfach auf unserer Reise, über die Website baolau.vn gebucht. Als ich ca. eine Stunde vor Abfahrt zur Rezeption ging um uns ein Taxi für später zu organisieren, fragte er mich verwirrt, warum wir denn zur Busstation fahren wollten – die Busse würden einen doch auch im Hotel abholen. Ich erklärte ihm, dass wir online gebucht hatten und es da keine Möglichkeit gegeben hatte, einen Abholpunkt anzugeben. Er rief kurzerhand bei der Bus-Gesellschaft an und wieder einmal hatten wir Glück und würden direkt vor Ort abgeholt werden.
Nicht so viel Glück hatte ein anderes Paar, die später mit uns vor dem Resort auf den Bus warteten. Sie hatten ihre Tickets bei einem Straßenverkäufer erworben und wurden offenbar abgezockt. Denn als der Bus mit uns an Bord losfuhr, standen die beiden immer noch vor dem Resort… Die Tickets sind offenbar eine komplette Fälschung gewesen und unser Fahrer hat sie nicht mitgenommen.
 
Fazit zu Mui Ne:
Mui Ne ist nun wirklich kein Strandparadies und deutsche Küsten können da durchaus mithalten. Uns hat ein bisschen Zeit zum Ausspannen an diesem Punkt der Reise aber dennoch gut getan, denn wir hatten davor schon so viel gesehen, dass wir eine gewisse Sehenswürdigkeits-Müdigkeit spürten. Nach den zwei Tagen faul am Strand freuten wir uns aber wieder auf Sightseeing in Saigon und vor allem die Tempel Angkors.
Die Tour zu den Dünen ist natürlich komplett touristisch – aber man sieht auch ein paar schöne Sachen und wenn man die Stunde in den Dünen zum Herumfahren nutzt, dann lohnt sich auch die Zusatzausgabe für den Quad. Wie cool das sein kein zeigt ein kurzes Video: 

Hoi An
– Kochen, Essen und Lampions – 

Von Hue nach Hoi An
Nach einem hervorragenden Frühstück in unserem Hotel in Hue wurden wir von einem kleinen Van des Touren-Anbieters „TNT“ abgeholt. Mit sechs Mitreisenden ging es los Richtung Hoi An, wobei wir einige schöne Stopps auf dem Weg einlegen würden. Unser Guide erklärte uns in sehr gutem Englisch den Ablauf der Tour und schon waren wir an unserem ersten Halt angelangt: der Thanh Toan Tile Brücke.
Die überdachte Holzbrücke in einem kleinen Dorf außerhalb Hues ähnelt der wesentlich bekannteren Japanischen Brücke in Hoi An. Sie führt über einen Kanal zu einem kleinen Markt, der allerdings weniger für Locals als mehr für Touristen gedacht ist. Wir wollten den Verkäufern entgehen und spazierten lieber auf der anderen Kanalseite entlang des idyllischen Kanals, vorbei an kleinen Feldern zu einem verlassenen Tempel.

 

 

Lang Co Strand
Nach einer Stunde Fahrt hielten wir an dem schicken Lang Co Beach Resort und konnten von dort aus einen kleinen Strandbesuch einlegen. Der Strand war wunderschön hell und weitläufig und das Meer rollte in hellblauen Wellen heran. Im Hinterland zeichneten sich die hohen Berge des Bach Ma Nationalparks ab und die Sonne strahlte mit mir um die Wette. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, endlich in das erfrischende Nass zu hüpfen – auch wenn wir nur insgesamt 20 Minuten Aufenthalt hatten. Dem Rest war das wohl nicht genug Zeit (oder vielleicht hat auch nicht jeder grundsätzlich Badesachen dabei, nur für den Fall der Fälle…) und so hatte ich das Meer (naja zumindest den Abschnitt) ganz für mich allein.

 

 
Wolkenpass
Vom Meer aus machten wir uns auf den Weg bergauf zum Hai-Van-Pass, dem “Wolkenpass”. Nach einem kurzen Fotostopp am Fuß des Berges fuhren wir in Schlangenlinien hinauf zum Gipfel, von wo aus wir eine spektakuläre Rund-Um-Aussicht genießen konnten. Wobei – wohl eher fotografieren – zum richtigen Genießen  fehlte wieder mal die Zeit, denn schon nach wenigen Augenblicken wurden wir bereits zurück in den Van gescheucht um unsere Tour fortzusetzen.

 

 

Marmorberge
Nachdem wir unterwegs noch leckere Sandwiches ausgegeben bekamen, erreichten wir den letzten Stopp unserer Tour: die Marmorberge bei Da Nang. Dort bekamen wir die Möglichkeit, eine knappe Stunde den Wasserberg zu besichtigen. Der Eintritt war noch nicht in der Tour enthalten und auch für den Aufzug (der uns nahegelegt wurde aufgrund der knappen Zeit) zahlten wir noch ein paar Dong. Im Glaskasten ging es dann ein einige hundert Meter in die Höhe und schon waren wir inmitten einer idyllischen Welt angelangt. Schmale gewundene Pfade schlängelten sich durch Pflanzen und vorbei an kleinen Tempeln oder Statuen. Gelegentlich entdeckt man dazwischen auch ein „Hakenkreuz“, was einem im ersten Moment etwas verwunderlich vorkommen mag. Doch wer schon mal in Indien war, weiß vielleicht, dass es sich hierbei um „Swastika“ handelt, das hinduistische Symbol des Glücks. Am Ende des Areals befindet sich die Huyen-Khong-Grotte, eine kleine aber hohe Höhle, in deren Decke sich drei Löcher befinden, durch die das Sonnenlicht schräg hineinfällt und wie ein Follow-Spot das Höhlen-Innere beleuchten.
Von hier aus gelangten wir über eine schmale (etwas versteckte Treppe) hinauf auf den  Aussichtspunkt Dinh Thuong Thai. Der Anstieg war zwar nur kurz, aber in der prallen Mittagssonne dennoch sehr schweißtreibend. Doch die kurze Anstrengung lohnt sich: aus über 500 Metern Höhe hat man einen grandiosen 360°-Blick auf die Umgebung, das Meer und die anderen Marmorberge der restlichen Elemente. Danach mussten wir dann auch bereits zurück zum Van und waren dann doch etwas erleichtert unsere Daypacks mit unseren Wertsachen vorzufinden, die wir aufgrund der Hitze diesmal im Fahrzeug gelassen hatten.

 

 

Ankunft in Hoi An
Am frühen Nachmittag erreichten wir Hoi An und wurden an einer kleiner Gasse hinausgelassen, die uns zu unserem Homestay führten. Uns erwartete ein kleines schickes Wohnhaus und ein großes Zimmer mit Blick auf ein kleines Reisfeld. Alles war noch total neu und das Bad stach mit seinen anthrazitfarbenen Fliesen und dem schicken Waschtisch aus allen bisherigen Hotels in Asien heraus.

 

Am Nachmittag machten wir uns zu Fuß in die Innenstadt auf und passierten dabei die zahlreichen Schneider. Wir hatten unsere nette Gastgeberin bereits gefragt, was das so kosten würde und uns dann dagegen entschieden. Zwar sind die Kleidungsstücke sicherlich ihr Geld wert, kosten aber dennoch so viel wie Kleidung von der Stange in Deutschland. Wir steckten das jedenfalls lieber in unsere Reisekasse.
Die Innenstadt ist winzig klein und schnell durchlaufen. Die gelben Fassaden und kleinen Häuser mit teilweise sehr schönen Verzierungen sind dabei hübsch anzusehen. Gewohnt wird in den Häusern aber offenbar kaum, denn stattdessen reihen sich Restaurants, Cafés und Souvenirshops aneinander.

 

Durch Zufall entdeckten wir das süße gemütliche Tee-Haus „Reaching Out“, das liebevoll wie eine Puppenstube eingerichtet war. Wir ergatterten eines der kleinen Separés, in denen man auf Sitzkissen an einem niedrigen Tisch sehr gut Entspannen kann. Das Besondere ist allerdings, dass dort nur Taubstumme arbeiten. Um sich zu verständigen liegen die wichtigsten Wörter als kleine Holzsteine auf dem Tisch bereit und die Bestellung füllt man selbst auf einem kleinen Zettel aus. Wir bestellten den lokalen Kaffee und erhielten wenig später jeder ein kleines goldenes Tablett mit Keksen, einer goldenen Tasse und einem dazu passenden Filter, der auf der Tasse steht, bis der Kaffee hindurchgelaufen ist (was durchaus eine Weile dauern kann). Später fanden wir heraus, dass diese Art der Zubereitung typisch für Vietnam ist – auch wenn die Filter für gewöhnlich nicht so hübsch aussehen. 

 

Nach einem kleinen Wolkenbruch wurde es bereits Abend und die kleinen Gassen wurden durch unzählige bunte Lampions erhellt. Auf dringende Empfehlung zweier Mitreisender während der Höhlentour in Phong-Nha entschieden wir uns dafür, wenigstens einmal richtig essen zu gehen. Die Restaurantpreise sind hier zwar mit ca. 10 Euro pro Hauptgericht für asiatische Verhältnisse ziemlich hoch, aber andererseits waren wir in einer Stadt, die für ihre Kochschulen bekannt ist. Wir entschieden uns (nach Lonelyplant-Recherche) für den „Cargo Club“ und hatten Glück, dass wir noch einen Tisch auf dem Balkon mit Blick auf den Hoi An Fluss ergattern konnten. Das Essen war wirklich gut und die Atmosphäre sehr schön.

 

 

„Red Bridge“- Kochschule
Am nächsten Tag „mussten“ wir dann selbst den Kochlöffel schwingen, denn wir hatten uns telefonisch eine Halbtagestour bei der „Red Bridge Cooking School“ organisiert. Am späten Vormittag trafen wir im „Hai Café“ die restlichen 10 Teilnehmer und erhielten einen kleinen Begrüßungsdrink. Danach wurden wir auf zwei kleinere Gruppen aufgeteilt und folgten unserem Guide über den Markt. Er erklärte uns woran wir frischen von altem Fisch unterscheiden konnten, zeigte uns spezielles asiatisches Gemüse und führte uns zu der Fleischabteilung, wo wir so ziemlich jedes Körperteil eines Schweins sehen und wer wollte auch fühlen konnten. So eine Zunge fühlt sich schon ziemlich eigenartig an… An einem kleinen Stand führt er uns ein kleines Werkzeug vor, mit dem man aus Möhren kleine Blumen formen kann und wies auch hier darauf hin, woran wir Billigvariante von Qualität unterscheiden können.

Nach dem Marktbesuch gingen wir zum kleinen Hafen und wurden per Boot über den Hoi An Fluss zur Kochschule gefahren. Die ca. halbstündige Fahrt führte uns schnell hinaus aus Hoi An und vorbei an schöner Natur und den typischen Fischernetzen, die dort in der Gegend überall in den Flüssen aufgespannt sind.
Die Kochschule selbst ist sehr idyllisch an einem kleinen Kanal inmitten einer dichten Pflanzenwelt gelegen und ein knallroter Steg führt durch den Garten hinauf zum Restaurant auf einer Veranda mit schönem Blick. Nach einer kurzen Lehrstunde im Gewürzgarten warteten im Kochbereich bereits leckere Begrüßungscocktails auf uns. Der Kochbereich ist hübsch am Wasser gelegen und durch saftig grüne Pflanzen vom Rest des Gartens abgetrennt. An einem langen Tisch zeigte der Koch zunächst die Zubereitung des ersten Gerichts, während wir in zwei Stuhlreihen davor zusahen. Um auch wirklich nichts zu verpassen, befindet sich an der Decke sogar ein großer schräger Spiegel, mit dessen Hilfe man auch vom Stuhl aus in den Topf hineinschauen kann. Nach jeder Vorfühung durch den Koch traten wir selbst an eine Herdplatte und kochten sein Werk nach. Hierzu waren lange Tische im „U“ aufgestellt und diese mit Camping-Gas-Platten ausgestattet. Die Zutaten erhielten wir jeweils schon in richtiger Menge und fertig geschnitten, so dass die Arbeit hauptsächlich im Zusammenfügen und Anrichten bestand.

Als erstes gab es einen kleinen herzhaften Pfannkuchen (Bánh Xèo), der in ein Reispapier gelegt und dann aufgerollt wurde. Zusammen mit einem leckeren Dip schmeckte dieser Snack schon ziemlich gut. Beim zweiten Gericht hieß es für uns dann nur Gemüse raspeln. Dies wurde dann vom Koch zu einem Green-Mango-Salat vermischt und gemeinsam mit Seafood in eine aufgeschnittene Ananas gefüllt. Das sah nicht nur hübsch aus, sondern schmeckte auch hervorragend.

Danach wurde es dann handwerklicher: wir stellten jeder unser eigenes frisches Reis-Papier her. Hierzu wird ein Baumwolltuch über einen großen Topf mit kochendem Wasser gespannt, wobei an einer Seite ein kleines Loch zum Dampf entweichen hineingeschnitten wird. Auf das Tuch wird eine große Kelle des Reisteiges gegeben und wie ein Crèpe kreisförmig verteilt. Den Teig haben wir schon fertig bekommen, denn den herzustellen ist wohl eine kleine Odyssee, in der man den Reis mehrfach waschen muss bis er gut Wasser gezogen hat und ihn dann zum cremigen Teig püriert. Doch auch so war die Kausa Reis-Papier noch eine kleine Herausforderung, denn man musste beim Verteilen des Teiges auf dem Tuch echt fix sein, da der Teig durch den Wasser dampf ganz schnell fest wird. Wer dann noch mit der Kelle herumkreis zerreist sich das Werk und bekommt es auch kaum noch geflickt… Sobald der Teig fest ist, wird ein ganz dünner Holzstab in das Wasser getaucht und damit der Crepe angehoben und direkt (nicht wenden!) auf den Teller gelegt. Füllen kann man das nach Belieben aber besonders lecker ist ein Mix aus Kräutern mit grüner Mango und ein bisschen Seafood.


Die Nudeln für die legendären vietnamesischen Nudelsuppen werden übrigens genauso hergestellt. Die Pfannkuchen werden dann auf einander gelegt und in kleine Streifen geschnitten. In einem kleinen gusseisernen Pott brieten wir Hähnchen an und fügten Ei und Gemüse hinzu. Die Nudeln kommen am Ende hinzu und werden mit frischen Kräutern und Erdnüssen garniert.


Während die Suppe noch vor sich hinköchelte, erhielten wir noch eine kleine Einweisung zum Thema Food-Decoration. Aus einer Tomate wurden kleine Röschen geschnitzt und eine Art Zucchini in ein stacheliges Band verwandelt. Gar nicht mal so einfach – aber ich war zufrieden mit meinem Werk!


Am Ende ließen wir uns jeder unser Süppchen auf der Veranda des Restaurants schmecken und wurden noch mit weiteren Salaten in Ananas und einem leckeren gedünsteten Fisch auf einem Gemüsebett überrascht. Zum Nachtisch gab’s noch Obst und danach rollten wir den Steg hinunter zum Boot, das uns zurück zum Markt brachte.

Noch mehr zum Vietnamesischen Essen und den typischen Gerichten erfährst du übrigens bei meinem Bloggerkollegen Henrik von Fernweh Koch.

 

 

Abendprogramm in Hoi An
Am Abend schlenderten wir durch die Lampion-Gassen und entdeckten den kleinen BBQ-Laden Nướng khói“, der (nach einem neugierigen Blick in die Küche) wohl gerade noch als Street-Food Laden durchgehen dürfte. Wir setzten uns an einen der Plastiktische im Puppenformat und bestellten Spieße, die wir auf einem eigenen Grill brieten – sehr lecker und super gemütlich! Danach verschlug es uns noch in die „Dive Bar“, wo der Name echt Programm ist. Die Bar ist sehr cool designed: neben einem Billardtisch und einem idyllischen Innenhof gibt es eine „Lümmelecke“ auf zwei Etagen wie bei einem Hochbett. Gegenüber laufen grandiose Filme von Tauchern, die man stundenlang, Cocktail-schlürfend schauen könnte.

 

 

Sightseeing in Hoi An
An unserem letzten Tag in Hoi An lösten wir dann endlich das gekaufte Sightseeing-Ticket ein. Auf dem Programm standen die Japanische Brücke und jeweils eine Versammlungshalle, ein Tempel und eines der „Old Houses“. Ich weiß nicht ob es an unserer Sightseeing-Müdigkeit, dem Regen oder an Hoi An lag, aber es haute uns echt nicht aus den Socken. Die Brücke nahe Hue fanden wir deutlich schöner und idyllischer als die völlig überlaufene Japanische Brücke in Hoi An. Das „Tan Ky Old House“ war in 3 Minuten durchschritten und auch der Quan Công Tempel war eher langweilig. Einzig die Phuoc Kien Versammlungshalle bot uns ein bisschen was Neues. Mit ihren vielen pinken Blüten und dem verzierten Tor war der Innenhof trotz Regentropfen sehr hübsch und im Innern hingen von der Decke zahlreiche Räucherstäbchen in langen Spiralen hinab.

 

 

Weiterreise nach Mui Ne
Am Abend sollte es dann weiter in Richtung Mui Ne gehen. An Vietnams Ostküste gibt es zwei bekannte Strandgegenden: Mui Ne und Nha Trang. Nachdem wir von letzterem bereits gehört hatten, dass es sehr überlaufen und quasi der vietnamesische Ballermann sei, hatten wir uns für ein paar Tage Relaxen in Mui Ne entschieden. Während unserer Reise wurde dieser Plan dann beinahe über Bord geworfen, denn der Wetterbericht war gelinde gesagt zum davon laufen. Die ganze Zeit sollte es gewittern und regnen – da macht Strand dann nicht so viel Spaß. Doch wie bereits zuvor hatten wir dann doch noch Glück und genau in der Zeit, die wir dort verbringen wollten, sollte es sonnig werden. Also hin. Doch wie genau?
Die günstigste Variante wäre ein Nachtbus von Hoi An gewesen. Dieser braucht aber ca. 19 Stunden. Keine schöne Vorstellung. Wir hatten mehrfach gehört, dass die Züge in Vietnam extrem gut zum schlafen sind, da man dort ein richtiges Bett hat. Leider war der Zug für die kommenden Tage bereits ausgebucht. Also entschieden wir uns dann für die letzte verbleibende Lösung: mit einem Transfer ließen wir uns zum Flughafen in Da Nang bringen, würden von dort aus nach Saigon fliegen und von dort aus mit einem kurzen Nachtbus ca. 5 Stunden nach Mui Ne fahren. So weit zum Plan.

Leider hatte unser Flug dann aber fast 2 Stunden Verspätung, so dass der zeitliche Puffer bis zur Abfahrt des Nachtbusses immer geringer wurde. Als wir losflogen hakte ich innerlich schon Mui Ne ab. Doch angekommen in Saigon wollten wir noch nicht aufgeben und stellten uns ganz an den Beginn des Gepäckbandes. Wir hatten Glück: unsere Rucksäcke waren eine der ersten und wir spurtete los. Ab ins Taxi und mit Vollgas zum Busbahnhof. Es wurde ein knappes Höschen, aber wir schafften es wieder einmal: wenige Minuten vor Abfahrt erreichten wir den Bus.
Dieser war dann auch noch so gut wie leer und wir breiteten uns auf den vier nebeneinander gelegenen Liegen ganz hinten aus. Da fand man tatsächlich ein bisschen Schlaf (obwohl der Bus fuhr wie der „Fahrende Ritter“). Knapp 3 Stunden später hielten wir an und der Busfahrer gab uns zu verstehen, dass wir aussteigen müssten. Nanu? Eine Pause mitten in der Nacht war für einen Nachtbus eher unüblich. Doch bei einem kurzen Check auf Googlemaps stellten wir lachend fest, dass wir bereits direkt vor unserem Resort in Mui Ne standen (nach der Hälfte der Zeit…). Zum Glück ließ uns der Rezeptionist bereits (für den Preis einer halben Nacht) auf unser Zimmer und wir kippten ins Bett, gespannt wie Strand und Resort bei Tageslicht aussehen würden.

 

 

Fazit zu Hoi An:
Wir konnten ehrlich gesagt nicht verstehen, warum Hoi An so extrem gelobt wird. Klar, es ist hübsch anzusehen – aber es ist eine künstliche Stadt. Man kommt sich vor wie in einem Themenpark und alles, wirklich alles ist auf den Tourismus ausgelegt. Auch die Sehenswürdigkeiten fanden wir eher überbewertet. Streetfood gibt es dort leider kaum und die Restaurants sind recht teuer. Im Marktgebäude kann man günstig und recht lecker essen – und dort findet man dann tatsächlich auch noch ein paar Locals. Rückblickend wären wir besser nur einen Tag hier geblieben, anstatt zweieinhalb…
Die Kochschule war aber wirklich eine schöne Sache und auch an den vielen Lampions kann ich mich nicht sattsehen.

 

 

Hue
– Die alte Kaiserstadt – 

 

Ankunft in Hue
Nach einer (mangels Tageslicht) recht unspektakulären Zugfahrt erreichten wir am Abend Hue, eine Stadt in der Mitte Vietnams. In unserem Hotel wurden wir mit frischem Obst empfangen und bekamen wieder ein kleines Info-Gespräch, das zufällig auch in dem Vermitteln einer Tour endete. Allerdings kam uns diese in dem Fall gelegen, denn wir ohnehin vorgehabt hatten, zwei Tage später nach Hoi An zu fahren und dabei dem Wolkenpass und den Marmorbergen bei Danang einen Besuch abzustatten. Da wir bisher nur von einer Zugfahrt nach Danang gehört hatten und noch etwas ratlos waren, wie wir mit unseren großen Backpacks auf den Berg steigen sollten, waren wir schnell von der Halbtagestour mit einem Minivan überzeugt.

Danach schlenderten wir zum Nachtmarkt in der Hoffnung, dort bei schöner Stimmung am Flussufer gutes Streetfood zu bekommen. Das Flussufer ist auch tatsächlich sehr fotogen mit seiner bunt beleuchteten Brücke und den bunten Lichtern an der Promenade. Nur leider besteht der recht kleine Markt überwiegend aus Souvenirständen und teuren Restaurants. Die einzigen kleinen Streetfood-Stände befanden sich unter der Brücke aber das Essen war für uns nicht recht identifizierbar. Wir wurden dann allerdings ein paar Straßen weiter vom Fluss entfernt fündig und aßen hervorragendes Bún thịt nướng in dem kleinen Streetfoodladen „Phuon Trinh“. Unterwegs wurden wir übrigens das erste Mal auf unserer Reise angesprochen, ob wir wohl Gras kaufen möchten.

 

 

 

Zitadelle
Am nächsten Tag stand mal wieder intensives Sightseeing auf dem Programm. Den ersten Stopp legten wir an der Zitadelle – der ehemaligen Kaiserstadt – ein und kauften dort ein Ticket für 4 Attraktionen, inklusive der drei zentralen Kaisergräber. Die Kaiserstadt selbst ist ein großes Areal nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking (oh- dahin könnte man ja auch mal reisen…), das sehr hübsch angelegt und musikalisch von laut zirpenden Grillen untermalt ist (teilweise ist es so laut, dass man seinen Gesprächspartner kaum noch hört). Zahlreiche Frangipani-Bäume werfen mit Blüten um sich und insbesondere am nordwestlichen Ende ist es sehr idyllisch. Mit uns war auch die Sonne in Hue angekommen und so versuchten wir der Hitze in Tempeln oder Kolonnaden-Gängen zu entfliehen. Die zahlreichen Tore und Tempel sind sich zwar recht ähnlich, aber wirklich hübsch verziert und dadurch auch noch nach einer Runde durch den Park nicht langweilig anzusehen.

 

 

 

Tu Duc Grab
Von der Zitadelle nahmen wir ein Taxi zum ersten Kaisergrab, dem Tu Duc . Wir hatten uns gegen eine Gruppentour für ca. 15 Euro pro Kopf entschieden, da wir keine Lust hatten mit ca. 30 Mann durch Hue zu tingeln. Ein privater Fahrer für 40 Euro erschien uns zu teuer – also hofften wir, dass wir die weiten Strecken zu den Gräbern preiswerter durch Taxifahrten bekommen würden.
Der riesige Park ist inmitten eines Waldes und hat einen kleinen See in seiner Mitte. Drum herum sind mehrere aufwendige Mausoleen erbaut und mit gelben Steinen verziert. Vor den Gräbern stehen große Wächterfiguren aus Stein in Form von Elefanten, Pferden und Mandarinen. In einem kleinen Wasserbecken streiten sich verfressene Goldfische um das Futter und im kleinen See befindet sich eine idyllische überwucherte Insel, die man zwar leider nicht betreten, aber von der Veranda des kleinen Pavillons einen schönen Blick darauf genießen kann.

 

 

Khai Dinh Grab
Nach einer Portion Bratnudeln an einem der wenigen Stände, die sich in der Umgebung der Königsgräber befinden, suchten wir uns erneut ein Taxi, das uns zum nächsten Grab, dem des ehemaligen Kaisers Khai Dinh bringen sollte. Unterwegs fragten wir unseren Fahrer nach einem Geldautomaten, denn unser Bargeld reichte nur noch knapp für diese Fahrt. Irgendwie hatten wir bei unserer Bargeld-Kalkulation den Eintrittspreis nicht bedacht. Leider mussten wir dann erfahren, dass es keine ATMs in der Umgebung der Gräber gab, die nächsten seine in Hue selbst. Dumm gelaufen…
Das Khai Dinh Grab ist das genaue Gegenteil des ersten Königsgrabes. Statt einer weitläufigen Anlage ist dieses hier auf recht kleiner Fläche erbaut, geht dafür aber viele steile Treppen hinauf. Anstatt von Pflanzen und Wasser ist hier alles aus grauem Stein und wirkt dadurch sehr majestätisch und ein bisschen einschüchternd. Einzig die Steinfiguren sind auch hier zu finden und wirken in dem Gesamtbild wie ein überdimensionales Schachbrett. Von der obersten Ebene hat man einen grandiosen Ausblick auf die Landschaft.
Wieder unten angelangt hatten wir die Lösung für unser Bargeldproblem gefunden: Wir suchten einen Taxifahrer, der mit uns die restliche Tour fahren würde und vereinbarten einen Fixpreis, den wir ihm am Ende in Hue (an einem ATM) zahlen würden.

 

 

 

Minh Mang Grab
Das letzte Grab auf unserer Route war zugleich das idyllischste. An einem großen See gelegen, im Hintergrund Berge und ringsherum nur Bäume, war dieses Areal nur spärlich bebaut und strahlte dadurch eine tiefe Ruhe aus. Nach einem kleinen Rundgang durch die kleinen Tempel und die abermalige Begegnung mit den typischen Steinfiguren, saßen wir noch eine Weile am Seeufer und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Wunderschön!

 

 

 

Thien Mu Pagode
Unser letzter Stopp führte uns zurück nach Hue, zur Thien Mu Pagode, wo wir den Sonnenuntergang beobachten wollten. Ursprünglich hatten wir angedacht auf dem Parfümfluss eine Sonnenuntergangs-Bootsfahrt zu machen, doch auf Nachfragen im Hotel erfuhren wir, dass die Boote an diesem Tag wegen eines Festes nicht fahren würden.
Während wir durch die Gartenanlage der Pagode schlenderten, tauchte die schräg stehende Sonne die kleinen Bonsaibäumchen und pinke Blüten in ein goldenes Licht.
Zurück am Flussufer war die Sonne immer noch nicht ganz untergegangen, doch es schob sich bereits eine dicke Wolkendecke davor und wir machten uns auf den Rückweg.

 

 

 

Nina’s Cafe
Am Abend statteten wir Nina’s Cafe” noch einen Besuch ab. Das Café ist sehr versteckt und nicht ganz leicht zu finden. Aber die Suche lohnt sich, denn es ist gemütlich und das Essen sehr lecker. Von der Hùng Vương kommend, biegt man in die Nguyễn Tri Phương hinein und läuft dabei auch an dem sympathischen kleinen Streetfoodladen „Phuon Trinh“ vorbei. Nach ca. 50 Metern biegt man links in eine kleine Gasse ein (tatsächlich ist Nina’s Café sogar am Eingang ausgeschildert, wenn man weiß wonach man sucht… Das pinke Logo eines Frauenkopfes mit wehendem Haar sieht allerdings auf den ersten Blick eher nach einem Friseurladen aus).

 

 

 

Fazit zu Hue:
Die Stadt selbst mag vielleicht nicht sehr viel zu bieten haben, doch in der Zitadelle kann man schon gut 2-3 Stunden verbringen. Die Fahrt zu den Kaisergräbern lohnt sich auf jeden Fall, denn sie sind entweder wirklich beeindruckend oder eine idyllische Oase. Auch die Landschaft unterwegs ist hübsch anzusehen im klimatisierten Auto.
Wir waren mit Taxen (nach Taxameter) übrigens immer noch wesentlich günstiger als mit einem gebuchten Fahrer für einen ganzen Tag. Eine Gruppentour ist zwar günstiger, aber gerade bei den Sehenswürdigkeiten die es hier zu sehen gibt, gehen die Geschmäcker sicherlich sehr schnell auseinander. Wenn du dir nicht jeden Tempel im Detail ansehen möchtest, dafür aber lieber ein bisschen an einem der Seen entspannen möchtest, dann ist eine Gruppen-Tour wohl nicht so geeignet.

Hang En Cave Camp im Phong Nha Nationalpark
– Dschungeltrekking und zelten am Höhlen-See –

Bei der Reiseplanung war ich auf einer Instagram-Seite Vietnams auf ein Bild gestoßen, das kleine Iglu-Zelte in einer Höhle an einem unterirdischen See zeigte. Völlig angefixt von dem Foto fand ich auch schnell heraus, dass es sich um eine Tour im Phong Nha Nationalpark handelte, der zwischen Hanoi und Hue liegt. Nach einer kurzen Recherche war klar: nur ein einziger Anbieter (Oxalis) hat offenbar die Lizenz für diese außergewöhnliche Tour und lässt sich diese auch ziemlich gut bezahlen. Das Bild hatte sich aber auf der inneren Festplatte festgebrannt – es half nix: Wir mussten dahin.
Also verkniffen wir uns dafür die Ballonfahrt in Bagan (die tatsächlich noch teurer gewesen wäre…) und investierten in zwei Tage Dschungel-Trekking und Höhlen-Campen. Da die Touren nicht täglich angeboten werden und recht schnell ausgebucht sind, war es auch das einzige (neben unseren Flügen), das wir im Voraus buchten und unsere Reise entsprechend daran ausrichteten. Um wenigstens zwei Tage in Hanoi zu haben, entschieden wir uns für eine Busfahrt in der Nacht vor der Tour. Blöde Idee. Ganz, ganz blöde Idee…

 

Nachtbusfahrt von Hanoi nach Phong Nha
Auf den ersten Blick war ich mir sicher, dass ich in dem Bus, der an den „Fahrenden Ritter“ aus Harry Potter erinnerte, hervorragend schlafen würde. In drei Reihen und auf zwei Etagen standen schmale Liegen, die zwar nicht flach, aber zumindest 45 Grad schräg und mit einer gewinkelten Beinfläche geformt waren. Klingt erstmal ganz gut – nur blöd, wenn man Seitenschläfer ist. Ich rollte mich in jeder erdenkbaren Position zusammen – an der Stelle, wo man sitzt und irgendwann halb im Fußraum. Ich wurde immer kreativer mit meinen Verrenkungen und lag irgendwann wie ein Fakir im (in die Luft gerichteten) Schneidersitz und versuchte bei den extremen Schwankungen nicht aus meiner oberen Etage zu purzeln. Aus dem Bett ist übrigens, wie ein gefällter Baum, ein sternhagel-voller Mitreisender gefallen, der sich danach über eine Stunde lang auf der Bord-Toilette einschloss. Er reagierte weder auf besorgtes Klopfen von Mitreisenden, die Sorge hatten, er könne dort womöglich bewusstlos geworden sein, noch auf den weniger besorgten Bus-Steward. Irgendwann kam er aber doch halbwegs lebendig zurück aus seinem Kabuff und saß dann die restliche Fahrt ziemlich apathisch im Gang. Wenigstens behielt er den Alkohol an Ort und Stelle….

Trotz all meiner verzweifelten Versuche: mehr als eine Stunde leichtes Dösen kam dabei nicht herum und so war ich ziemlich gerädert (und sah wahrscheinlich nicht viel besser aus als der alkoholisierte Mitfahrer), als wir am frühen Morgen gegen 5 Uhr das Dorf Phong Nha erreichten. Abgesetzt wurden wir vor dem Easy Tiger Hotel, wo wir drei Stunden später von einem Oxalis-Pick-Up abgeholt werden sollten. Drei Stunden, die wir irgendwie (ohne Bett) herumbekommen mussten, so wie die ca. anderen 30 Mann, die ähnliches Schicksal teilten. Ich entschied mich gegen ein Nickerchen auf dem Fußboden und für Kaffee. Zum Glück konnten wir die kreativ gestalteten Duschen im Garten nutzen und auch zwei leckere Schokoladen-Pfannkuchen gönnten wir uns noch vor unserer Abholung durch Oxalis.

 


Vorbereitungen für den Dschungel
‘In der Oxalis-Station in Phon Nha angekommen, gab es erstmal eine kurze Einführung von unserem Tour-Guide Ken, einem ausgesprochen gut Englisch sprechenden Vietnamesen. Er erklärte uns den Ablauf der bevorstehenden zwei Tage und wies uns auf „Gefahren“ wie Poison Ivy und Leeches hin. Auch die Toiletten-Situation im Camp wurde anschaulich anhand eines Fotos erklärt und für derartige Probleme unterwegs die Codewörter „Fischen gehen“ und „Blumen pflücken“ aufgestellt.

Das eigentliche Problem folgte dann aber erst: Schuhe. Zur Wahl standen die eigenen, extra dafür mitgebrachten Walkingschuhe oder die einfachen Army-Treter (eine Art hohe Chucks mit dicker Profilsohle). Bequeme Schuhe mit der Gefahr ständig auszurutschen oder guter Gripp mit der Gefahr sich Blasen zu laufen… Während die Männer sich ziemlich flott für die Army-Boots entschieden, überlegten und fachsimpelten wir Frauen natürlich ewig hin und her. Probierten sämtliche Größen an, entschieden uns fünfmal um und entschieden uns dann letztendlich alle für die sicherste Lösung: wir nahmen einfach beide mit (Klischees sind doch dazu da, eingehalten zu werden – und warum auch nicht mit drei Paar Schuhen (inklusive Flip Flops) auf eine zweitägige Höhlen-Tour gehen?). An dieser Stelle sei kurz noch (mit einer angemessenen Portion beschämenden Kopfschüttelns) angemerkt, dass sämtliche Dinge, die wir erst am Abend im Camp benötigten von Portern getragen wurden…

 

 

Aufbruch zum Dschungel
Gegen 10 ging es endlich los: mit einem Bus wurden wir zum Ausgangspunkt unserer Tour gebracht. Die 45-minütige Fahrt durch den Nationalpark war bereits wunderschön und gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf die folgenden Stunden. Vorbei an dicht bewachsenen Bergen fuhren wir eine Serpentinenstraße hinauf und genossen die Aussicht auf die Landschaft während einer obligatorischen Vorstellungsrunde. Neben uns mit an Bord: eine Deutsche, die als Privatlehrerin eine Familie ein Jahr lang auf Weltreise begleitete (mein neuer Traumjob), jeweils ein Paar aus der Schweiz, New York und Canada, eine Vierergruppe Amis, die sich noch aus der Schulzeit kannten, zwei Inder und eine Kanadierin, die für eine Alkohol-orientierte Reiseseite (vor allem über Festivals und Craftbeer) schreibt.

 

Erste Etappe: Zum Doong Dorf mitten im Dschungel
In langen Hosen, Hemden und Fleecepulli traten wir unseren Marsch an. Die ersten zwei Stunden ging es dann durch dicke Matschschichten steil bergab. Wurzeln wurden als Treppen genutzt, Baumstämme als Geländer und ich war heilfroh mich doch noch für die Army-Boots entschieden zu haben. Zur Mittagszeit wurde es flacher und wir erreichten das Doong Village, ein kleines Dorf inmitten von hohen Bergen mitten im Dschungel. Die Kids spielten gerade mit einem Ball, doch wir marschierten recht flott hindurch und machten Mittagspause im Gebäude des Dorfältesten – ohne dessen Anwesenheit, dafür mit einer Ladung leckerer Summerrolls, die wir uns mit Reispfannkuchen, Gemüse und Fleisch selbst rollten. Nach einer kleinen Unterrichtsstunde in den Basics der vietnamesischen Sprache in der kleinen Dorfschule durch unseren Guide Ken (der sich zunehmend als Animateur und Klassenclown der Gruppe herauskristallisierte), traten wir die zweite Hälfte unseres Trekking-Pfades an.

 

 

Zweite Etappe: Durch Flüsse zur Hang En Höhle
Statt bergab ging es nun über weite Ebenen mit wunderschöner Natur, vorbei an Wasserbüffeln und durch glasklare Flüsse mit teils starker Strömung Richtung Hang En, der wohl drittgrößten Höhle der Welt. Schon von weitem konnten wir den weit oben im Fels gelegenen Schlund erkennen, durch den die Höhle ihr weniges Tageslicht erlangt.


Dort hinaufklettern muss (bzw. darf) man leider nicht – stattdessen befindet sich der Eingang zur Hang En einige Minuten weiter in einem schmalen Durchgang unter dem Felsen. In der Dunkelheit watet man durch einen unterirdischen Fluss und klettert dann einige große Felsen hinauf. Was einen dann – ganz plötzlich aus dem Nichts – erwartet, verschlägt einem den Atem: Eine riesige Halle, so hoch, dass man kaum die Decke ausmachen kann, am Fuße der großen Felsbrocken ein Türkis schimmernder kleiner See und an seinem Ufer ein großer heller Sandstrand. Auf diesem – hübsch und fotogen aufgereiht – eine Gruppe bunter kleiner Zelte, wie man sie als Kind von IKEA hatte. Staunend kletterten wir die letzten Meter hinab, über eine schmale wacklige Planke überquerten wir den See und sicherten uns eins der Zelte in erster Reihe. Die Sonne fiel schräg durch den Schlund hinein und tauchte die Höhle in ein schummriges Licht. Über unseren Köpfen kreisten hunderte Schwalben und das Geräusch ihrer Flügel und ihres Zwitscherns würden wir die nächsten knapp 18 Stunden als Dauerschleife hören.

 

 

Unser Camp in der Hang En Höhle
Nach einer kleinen Kaffeepause im Camp am See traten wir den letzten Marsch des Tages an: durch die Höhle ans andere Ende. Wieder geht es durch Dunkelheit und Flüsse, einen steilen Pfad hinauf und dann öffnet sich Hang En mit einem großen Loch dem Dschungel. Von einer Anhöhe blickt man aus der Höhle hinaus und genießt einen atemberaubenden Blick. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen genau hier das obligatorische Handstandbild der Reise aufzunehmen (ich bin gespannt, mit welchem Handstandbild aus Norwegen mein Bruder demnächst dagegen anstänkern wird).

Zurück in unserem Camp angelangt, nehmen wir dieses erstmal genauer in Augenschein. Die Toiletten-Situation ist tatsächlich besser als gedacht: In hohen schmalen Zelten (abseits des Haupt-Camps) steht ein großer Bottich, der mit einer Art Hasenstreu gefüllt wird, darüber ein Metallgestänge, auf das sogar tatsächlich ein Toilettensitz gelegt wurde. Doch bei all dem Luxus ist ein kurzer Taschenlampen-Check dennoch empfehlenswert, denn mitunter verirrt sich eine Riesenspinne ans stille Örtchen (und mit riesig meine ich riesig!). Ich zog es in diesem Fall vor, mich höflich bei dem Achtbeiner zu entschuldigen und ihm sein Reich zu überlassen. Es gibt ja auch noch andere schöne Orte… (zum Glück gab es noch ein zweites Toiletten-Zelt).
Nach einer kleinen Schwimmsession in dem kühlen dunklen See (ein bisschen unheimlich war es schon…) gab es dann auch schon Abendessen – wobei das Wort „Tafel“ es wohl besser trifft. Die Porter und Köche hatten undenkbares fertiggebracht und mit Campingkochern ein Essen aus fast einem Dutzend verschiedener Gerichte gezaubert – eines leckerer als das andere. Als „Verteiler“ gab es Reiswein, eine vietnamesische Spezialität, die ähnlich wie ein Kümmel mehr aus Prinzip als dem Geschmack wegen getrunken wird. Mit vollen Bäuchen kraxelten wir noch einen kleinen Felshügel hinauf um die beleuchteten Zelte mit Langzeitbelichtung fotografisch festzuhalten. Leider fiel mir erst oben auf, dass ich noch mein Weitwinkelobjektiv drauf hatte und dieses aufgrund der Entfernung völlig ungeeignet war. Naja – ich habe dann einen zweiten Anlauf vom Strand aus gestartet, der deutlich erfolgreicher war.

Ohne Zeitgefühl fielen wir alle (meiner Vermutung nach) sehr früh ins Bett und ich für meinen Teil schlief tief und fest wie ein Baby. Am nächsten Morgen wurden wir vom hineinfallenden Licht geweckt und mit hervorragenden Pancakes und French Toast mit Früchten, Honig und Schokoladensoße empfangen. Angeblich (nach Aussage unseres leicht überdrehten Guides Ken) werden sämtliche Eier, einzeln eingewickelt in Papier, in die Höhle getragen um den Teig dort frisch zuzubereiten. Das nenne ich mal Liebe zum Essen!

 

 

Etappe 3: Auf zur “Cold Cave”
Danach hieß es: zurück in die nassen Klamotten und Schuhe und den Rückweg antreten. Doch ein Stopp stand für den Tag noch auf dem Programm: die kalte Höhle “Cold Cave”. Diese schmale aber sehr lange Höhle kann nur über einen unterirdischen Gang, der halb unter Wasser steht erreicht werden. Es heißt also: hineinschwimmen, wobei der Name der Höhle nicht viel Hoffnung auf die Wassertemperatur lässt. Mit Schwimmwesten und Helmen kletterten wir einen kleinen Pfad hinab und durch ein kleines Loch hinein in die Höhle. Nach einem weiteren Schritt stand uns das Wasser bis zur Brust und wir schwammen los durch die Dunkelheit. Die kleinen Lichtkegel unserer Helme rückten bizarre Felsformen und glitzernde Gesteine in unsere Blickfelder und in den von Wellen verwaschenen Wänden konnten wir schöne filigrane Fossilien entdecken. Je tiefer in der Höhle, desto niedriger wurde das Wasser, bis es bald nur noch kleine flache Bäche waren, die über Tropfsteinformationen hinwegplätscherten und kleine Wasserfälle bildeten. Am Ende unseres Marschs schalteten wir für eine Minute unsere Lampen aus und spürten wie die Dunkelheit uns umhüllte so dass man nicht mal mehr die Hand vor Augen erkennen konnte.

 

 

Wie Alice durchs Wunderland
Von hier aus traten wir den Rückweg an (obwohl die Höhle noch um einiges länger ist) und wurden im Lager erstmal mit heißem Kaffee (und einem Schuss Reiswein) empfangen. Nach einer großen Portion heißer Pho und scharfen Frühlingsrollen waren wir wieder halbwegs aufgewärmt und machten uns in noch triefend nassen Klamotten auf den Heimweg. Unsere Route führte uns entlang von kleinen Flüssen und leuchtend grünen Palmen und zahlreichen riesen große bunte Schmetterlinge flatterten an uns vorbei (ich habe vergeblichst versucht einen der zarten Falter fotografisch festzuhalten – beim Marschieren in der Gruppe allerdings ein aussichtsloses Unterfangen). Wie Alice im Wunderland spazierte ich verträumt durch die Landschaft, in der alles viel größer war – als hätte ein Zauber Pflanzen und Schmetterlinge wachsen lassen. Doch nicht nur die hübschen Dinge des Dschungels – auch Grashüpfer und Spinnen nahmen eine beängstigende Größe an. Ein tiefschwarzes hatte sich bei einer letzten Snack-Pause direkt neben uns niedergelassen und war drauf und dran in unseren Klamotten Dschungel-Taxi zu fahren. Die restliche Pause verlief nach dieser Entdeckung dann doch eher stehend.

 

 

Die letzte Etappe: Steil bergauf und tropische Hitze
Die letzte Etappe unseres Dschungel-Treks hatte es dann nochmal ordentlich in sich. Durch die mittlerweile schwüle Hitze ging es einen schmalen Trampelpfad steil hinauf. Uns lief der Schweiß in Bächen hinab und auch die Palmenblätter, die wir als Fächer benutzten, konnten dagegen kaum etwas ausrichten. Irgendwann kramte einer der Guides, der das Schlusslicht bildete, eine Machete aus seinem Rucksack. Unsere fragenden Blicke kommentierte er schlicht mit einem „For the tiger“. Ich gebe ehrlich zu: auch wenn mein Verstand sich recht sicher war, dass er uns auf den Arm nahm (denn ansonsten hätten sie uns doch davon in der Einführung erzählt, anstatt 5 Minuten über juckende Blätter und knabbernde Würmchen aufzuklären) ein ganz bisschen unheimlich war der Gedanke dann doch, dass sich irgendein großes Tier aus dem dichten Dschungel heranschleichen könnte. Es hat jedenfalls dabei geholfen, flott und ohne lange Pausen den Berg hinauf zu marschieren und irgendwann – als wir schon dachten wir gehen im Kreis – kamen wir ziemlich fertig aber stolz an der Straße an, wo bereits der Bus mit kühlem Bier auf uns wartete. Wir genossen einen letzten schönen Blick auf den Dschungel und ließen uns dann eine knappe Stunde lang vom Bus zurück zur Oxalis-Station kutschieren.

 

 

Weiter nach Dong Hoi
Mit dem Pärchen aus New York teilten wir uns einen Transfer nach Dong Hoi, der nächstgrößeren Stadt. Bei leckeren Burgern und einer Partie Billard in unserem Hostel entschieden wir, dass wir beide einen Chill-Tag gebrauchen könnten. Da Dong Hoi ja am Meer liegt würden wir am nächsten Tag mit Sicherheit einen netten Strand finden und dort nochmal Energie für weiteres Sightseeing auftanken können. 
Unser Plan ging leider nicht so ganz auf. Das Wetter war ziemlich bewölkt und frischer Wind wehte uns um die Ohren, während wir durch das (nicht gerade hübsche) Dong Hoi spazierten – auf der Suche nach dem Strand. Auf einer vorgelagerten Halbinsel wurden wir zwar fündig was Sand und Meer anging, allerdings war der Strand (und die gesamte Umgebung) derart ausgestorben, dass man nicht einmal etwas zu trinken hätte finden können.

Also nahmen wir ein Taxi zu einer etwas außerhalb gelegenen Hostel-Empfehlung aus dem Lonely Planet, das wohl direkt am Strand liegen sollte. Vielleicht könnten wir ja dort gemütlich sitzen, essen und uns entspannen. Das Hostel war zu. Auch hier war die gesamte Gegend wie leergefegt. Als wir gerade schon aufgeben wollten, kam uns ein Vietnamese entgegen, der uns zu einem Hostel verwies, das tatsächlich noch offen hatte. Es war kein Traumstrand, aber die Sessel gemütlich und der Blick aufs Meer trotz Wind und Wolken sehr entspannend.

 

 

Mal was anderes: “Blind Massage” in Dong Hoi
Die ultimative Entspannung suchten wir dann noch spontan in einer Massage. Die Zeit bis zu unserem Zug nach Hue war zwar knapp, aber eine Stunde sollte noch gerade so drin sein. Der Empfehlung unseres Hostels folgend, gingen wir in eine kleine Gasse und fanden dort auch ein Schild mit der Aufschrift „Blind Massage“. Wir gingen in das ziemlich heruntergekommene Gebäude mit dem Namen „Quôc Nhân“ und wurden von einigen blinden Männern empfangen, die uns den Weg in den Massageraum – ein „schlichtes“ Zimmer mit nicht mehr als zwei einfachen Bänken im Dachgeschoss. Ohne meinen liebsten Reisebegleiter wäre ich wahrscheinlich wieder gegangen… Doch unabhängig von der etwas unheimlichen Atmosphäre erhielten wir eine sensationell gute Massage – und das für 3,50 € pro Stunde. Was die beiden Herren ohne Sehvermögen und in einem Fall sogar mit verkrüppelter Hand fertigbrachten, war beeindruckend und so langsam löste sich der Muskelkater unseres Dschungel-Trekkings. Doch da wir offenbar (wie in unserer Familie kürzlich angemerkt wurde) nicht ohne unsere tägliche Ration Adrenalin auskommen, wurde es dann doch noch stressig. Denn die super lieben und bemühten Herren hielten sich nicht an die Stunde. Im Gegensatz zum Rest der Welt ließen sie nicht auf die Sekunde alles stehen und liegen, sondern massierten einfach weiter. Als wir 5 Minuten über der Zeit waren, versuchten wir das erste Mal ihnen zu bedeuten, dass wir losmüssten. Doch die beiden wollten uns wohl nicht gehen lassen, bevor nicht jeder Muskel weich war und massierten weiter. Nach weiteren 5 Minuten half dann aber nichts mehr. Wir hatten nur noch knapp 20 Minuten bis zur Abfahrt unseres Zuges, der mit dem Taxi eine viertel Stunde vom Hostel entfernt lag (und wir mussten ja noch unser Gepäck vom Hostel holen). Eindringlich und vehement versuchten wir den beiden Vietnamesen die Situation zu erklären. Doch die beiden konnten kein Wort Englisch und Zeichensprache war ganz offensichtlich auch keine Möglichkeit sich zu verständigen. Letztendlich mussten wir uns mehr oder weniger aus ihren Griffen befreien und die völlig verdatterten Herren mit ganz vielen „Sorrys“ und einem ordentlichen Trinkgeld stehen lassen. Es tat uns so leid, denn ich glaube sie haben wirklich nicht verstanden warum wir so plötzlich weggerannt sind. Hoffentlich glauben sie nicht, dass es an der Massage lag, denn die war wirklich hervorragend.

Bei unserem Sprint zurück zum Hostel gab’s dann auf einmal noch einen lauten Knall. Als ich mich im Rennen umdreht musste ich mit Schrecken feststellen, dass meine Spiegelreflex (ohne Hülle) zu Boden gegangen war. Sie war irgendwie aus dem Rucksack gefallen…
Ich nehme mal das Ende vorweg: Wir haben mit Ach und Krach nach einer wilden Taxifahrt noch unseren Zug nach Hue erwischt und der Kamera geht es vorerst gut. Ob sie nicht doch irgendwas abbekommen hat, wird die Zeit zeigen…

 

Fazit zu unserem Dschungel-Abenteuer:
Die Tour mit Oxalis war der Hammer und absolut ihr Geld wert. Die Nacht in der Höhle war eine ganz besondere Erfahrung und der Marsch durch den beeindruckenden Nationalpark ein tolles Erlebnis. Alles war hervorragend organisiert und sehr professionell. Und das Essen! Das Essen war herausragend lecker. 
Einen Stopp in Dong Hoi kann man sich sparen, denn die Stadt hat wirklich nichts Schönes zu bieten. Für uns war es okay, da wir einen Tag Paus brauchten, aber vielleicht ist es schöner in Phong Nha selbst zu bleiben, denn dort hat man zwar nicht das Meer, dafür aber schöne Natur. 
Die faszinierende Landschaft und beeindruckenden Höhlen wirken natürlich am besten in live! Doch bis du selbst dorthin fährst gibt’s jetzt noch einen kleinen Vorgeschmack in bewegten Bildern. 

Hanoi
– lebhafte Straßen, schöne Seen und Onkel Ho –

Ankunft in Hanoi
Nach einem sehr luxuriösen Flug mit Emirates landeten wir am Nachmittag in Hanoi, dem Ausgangspunkt unserer Reise durch Vietnam. Wir waren gespannt was uns erwarten würde und hofften, dass die oft sehr negativen Meinungen zu Vietnam („Der Tourismus hat dem Land nicht gut getan“, die Standard-Aussage des Durchschnitts-Backpackers) sich nicht bewahrheiten würden. Jedenfalls die Wettervorhersage behielt Recht – uns empfing grauer Himmel und auch die nächsten Tage sollte es immer wieder regnen.
Vor dem Flughafen angekommen, suchten wir uns einen der zuvor als empfohlen (ohne Abzocke) notierten Flughafen-Shuttles zum Hotel (die übrigens erst dann losfahren, wenn sie voll sind – es kann also schonmal passieren, dass man eine Weile warten muss. Da kann man dann ausnahmsweise mal auf das Verkaufsgeschick seines Fahrers hoffen…). Wir hatten zwar noch keines gebucht, wollten aber während der Fahrt bei unserem Favoriten anrufen um uns anzukündigen. Leider hatten die Vietnamesen nicht mit unserem Besuch gerechnet und so konnten wir erst beim fünften Telefonat ein freies Zimmer ergattern. 
Auf unserer Fahrt vom recht weit außerhalb gelegenen Flughafen zum Backpacker-Viertel in Hanois Altstadt konnten wir mit Erstaunen feststellen, dass es hier zwar mindestens genauso viele Roller gab, wie in Myanmar, allerdings trug hier fast ausnahmslos jeder einen Helm! Später fanden wir heraus, dass es in Vietnam eine Helmpflicht gibt, an die sich (unserer statistischen Erhebung zufolge, die wir an einem Street-Food-Tisch bei einem kühlen Bier erstellten) 95 Prozent der erwachsenen Fahrer halten. Für Kinder scheint das leider nicht zu gelten, und so fahren sie meist als „Knautschzone“ zwischen behelmten Fahrer und Lenker mit.

 
Ankunft im Hotel
Irgendwann wurden die Straßen immer enger und die Dichte an Bars und Restaurants immer höher – wir waren in Hanois “Old Quarter” angekommen. Unser Shuttle setzte uns dann am ein Eingang einer derart winzigen Gasse ab, durch die wahrscheinlich nicht einmal ein Smart gepasst hätte und entschuldigte sich bei uns, dass er uns nicht ganz bis zum Hotel bringen könnte (den weiten Weg von knapp 50 Metern zu Fuß schafften wir gerade noch so).

In unserem Hotel wurden wir nett empfangen und erstmal zu einem der Frühstückstische gebeten. Dort begann dann unser „Verkaufsgespräch“, von denen wir bereits gehört hatten. Die Wände waren großflächig mit Touren-Vorschlägen tapeziert und der ziemlich gut Englisch sprechende Mitarbeiter gab uns zunächst einen kleinen Überblick über die Altstadt Hanois (leider keine Insider-Tipps, sondern die absoluten Basics, die eigentlich jedem Reisenden bekannt sein sollten, der sich eine fremde Stadt anschauen möchte). Danach versuchte er uns recht vehement davon zu überzeugen, dass man Hanoi an einem Tag erkunden kann und es danach langweilig wäre. Wir sollten daher unbedingt eine der Touren für den zweiten Tag unseres Aufenthaltes buchen. Wir hatten uns nach langem Hin- und Her-Überlegen aber bereits gegen eine Tagestour zur Halong-Bucht oder nach Ninh Binh (der „trockenen Halong-Bucht“) entschieden. Zum einen hatten wir über die günstigen Tagestouren so viel Schlechtes gehört (Kaum Zeit in der Bucht, absolute Massenabfertigung, Ratten an Bord…) und dann sagte uns Google auch noch überwiegend Regen und Gewitter an. Keine überzeugenden Argumente für einen Ausflug. Wir wollten es lieber ganz entspannt angehen lassen und nachdem wir das unserem „Verkäufer“ auch dreimal freundlich aber bestimmt mitgeteilt hatten, gab er auf und wir durften auf unser Zimmer.

 

Ein Abend im “Old Quarter”
Nachdem ich mir meine (seit drei Tagen regelmäßige) Ration Pillen gegen Magenbeschwerden eingeworfen hatte, warfen wir uns in das abendliche Gewühl von Hanois Altstadt: dem „Old Quarter“. Nur schnell was Essen gehen und einen kleinen Spaziergang – dann aber zurück ins Hotel, denn mein Bauch sehnte sich in regelmäßigen Abständen nach der Fötusstellung…
Doch völlig unverhofft verschlang uns Hanoi mit unglaublich viel Charme und Atmosphäre so sehr, dass wir an diesem und am nächsten Abend jegliche Zeit und körperliche Beschwerden vergaßen und uns von dem Viertel mit seinen wunderschönen Lampions anziehen ließen wie die Mücken vom Licht.

Die meisten Straßen des Old Quarter sind abends für Fahrzeuge gesperrt und werden zur „Walking Street“. Dort tummeln sich Verkäufer der typischen Souvenirs, kleine schrille Straßentheater und Open-Air-Prediger, zahlreiche Streetfood-Stände und Fässer mit „Bia Hoi“, einem Bier, das täglich frisch gebraut wird und sich nur sehr kurz hält. Bei dem unschlagbar günstigen Preis von ca. 20 Cent pro Becher ist es gut, dass der Alkoholanteil bei nur 3 Prozent liegt… Wer noch mehr für einen lustigen Abend braucht, der kann sich einen der „Happy Balloons“ kaufen, einen Luftballon, der mit Lachgas gefüllt wird. Wir haben es ausprobiert – aber nichts gespürt. Die Situation von uns beiden, auf einer Stufe am Straßenrand sitzend und ziemlich verwirrt den schlaffen leeren Ballon in der Hand anschauend, war aber bereits komisch genug um uns (mit zugegebenermaßen nicht unwesentlicher bia-hoi-Grundlage) zum Lachen zu bringen. Später erfuhren wir, dass man in den Ballon mehrfach ein-und ausatmen muss, damit es funktioniert…


Das Beste an unserem Streifzug durch die engen Gassen des Old Quarter waren jedoch weder Bier, noch Essen oder Lachgas. Es waren die Straßenmusiker, sehr talentierte Vietnamesen in unserem Alter, die mitten auf einer Kreuzung und einer Straße hervorragende Live-Musik zum Besten gaben. Die abwechslungsreichen Konzerte zogen die Menschen in ihren Bann und so blieben wir über eine Stunde bei einem Trio hängen, die tollen Crossover mit Geige, Gitarre und Percussion spielten und einen David Garrett beinahe in den Schatten stellten.


Wer dem Gassen-Gewirr dennoch für kurze Zeit entfliehen möchte oder einfach mal die Stadt von oben betrachten will, der sollte die Rooftop-Bar „Skyline“ im Old Quarter besuchen. Für 5 Euro gibt’s hervorragenden Gin-Tonic und die Bar ist sehr schön und schlicht gestaltet mit einem einzelnen Baum in der Mitte, der mit Glühbirnen verziert ist. Die Aussicht ist toll – auch wenn Hanoi nicht die spektakulärste Skyline hat.

 

 

Das “Old Quarter” bei Tageslicht
Auch am nächsten Morgen erkundeten wir nochmal die Gassen des Old Quarters, den Blick nach oben gerichtet um die zahlreichen alten Fassaden der schmalen Tunnelhäuser zu betrachten. In der kleinen Gasse Ngõ Trung Yên zog es uns zu einem kleinen Streetfood-Laden – nicht viel größer als eine Garage, mit zwei winzigen Tischen im Innern und zwei weiteren davor. Serviert wurde (ohne dass man nach einer Bestellung gefragt wurde) “Pho Bo”, die typische Nudelsuppe Hanois mit Rindfleischstücken und Reisnudeln. Es war die erste Pho die wir probierten und es sollte die Beste unsere gesamten Vietnam-Reise bleiben. Wir haben zwar noch mindestens ein Dutzend andere Versionen dieser Suppe gegessen – doch keine war so gut wie diese aus diesem kleinen Verschlag versteckt in einer winzigen Gasse. Vollgepackt mit ganz viel frischer Minze und einer großen Ladung gerösteter Erdnüsse speckte sie einfach fabelhaft.


Zum Glück hatten wir bereits vor dem anschließenden Markt-Besuch gegessen, denn unsere Beobachtungen am Don Xuan Markt im Norden des Old Quarter können einem schon schnell den Appetit schmälern. In der „Fischabteilung“ konnten wir neben zahlreiche Aquarien auch eine Frau dabei beobachten, wie sie die zuvor geköpften Frösche aus einem großes Sack nahm und ihnen innerhalb von knapp 2 Sekunden die Haut vom Leib riss – als würde sie jemandem eine Socke ausziehen. Die noch zuckenden Körper landeten alle auf einem Haufen, direkt neben einem Käfig voller Schildkröten, die als nächstes dran glauben mussten. Dazu wurde ihnen der Hals (nur halb) durchtrennt und die fast kopflose Kröte dann ins kochende Wasser geworfen um die oberste Hautschicht lösen zu können… Kein schöner Anblick. 

 

 

Rund um den Hoan-Kiem See
Nach diesem makaberen Auftakt ging es zu dem schönen Hoan-Kiem See, einem kleinen See mitten in Hanoi. Die Uferpromenade ist sehr hübsch angelegt und verkehrsberuhigt – ein schöner Ort für einen Spaziergang oder eine Pause an einer der Bänke. Am Nordufer des Sees ist ein großer Platz, auf dem sich Jung und Alt trifft. In Gruppen wird mit einer Art Federball (mit metallischen Elementen, die ein klapperndes Geräusch von sich geben) Hackysack gespielt – beachtlicherweise spielen Jungs und Mädels das hier gleichermaßen. Eine Gruppe hatte sich mit ein paar Bambusstöcken auf dem Boden aufgestellt und durch rhytmisches Schlagen und Bewegen der Stöcke eine Art Hüpf-Spiel für jeden der es ausprobieren wollte errichtet und ein Orchester gab ein Flashmob-Konzert (das wir leider erst mit den letzten Takten mitbekamen).


Ebenfalls am Nordufer gelangt man über eine fotogene knallrote Brücke zur Jadeberg Insel, auf der ein kleiner hübscher Tempel steht.


Auch das bekannte Wasserpuppen-Theater befindet sich am nördlichen Ufer des Hoan-Kiem Sees. Vorstellungen gibt es mehrmals am Tag und sie sind ein amüsantes Spektakel. Anstatt einer Bühne gibt es in dem Theatersaal einen kleinen Teich, auf dem sich die Figuren aus Holz bewegen und typische Geschichten aus Vietnam erzählen. Gelenkt werden die Holzfiguren von Puppenspielern, die am Ende des Teichs hinter einem Bambusvorhang stehen. Bauern und Fabelwesen wie Drachen sind die Hauptfiguren des Stücks – eine wirkliche Handlung gibt es aber nicht, dafür asiatische Klänge von Musikern, die an der Seite des Teichs sitzen.

 

Von hier aus gelangt man über einen Spaziergang entlang des Ostufers in das französisch geprägte Kolonialviertel, wo man noch einige schöne Prachtbauten entdecken kann. Auf dem Rückweg zum See sollte man unbedingt durch die Dinh Le laufen, eine Straße mit zahlreichen Buchläden und kleinen Straßenständen mit Büchern. Hier gibt es auch das schöne „Mayfair Café“, dessen Tischplatten auf alten eisernen Singer-Nähmaschinen stehen. Bei der Gelegenheit stellte ich dann auch mit Freude fest, dass Vietnam – im Gegensatz zu Myanmar – eine Kaffee-Trinker-Nation ist und man hier durchaus hervorragenden Kaffee bekommen kann.


Ein weiterer Tipp – weniger wegen des Kaffees (wobei auch der lecker war) – sondern vor allem wegen der Lage ist das Café “Pho Co”, das man mit etwas Sucherei am Nordufer des Hoan-Kiem Sees findet. Zwischen zwei Läden gelangt man durch einen schmalen Flur in einen kleinen stimmungsvollen Innenhof, der mit vielen Pflanzen und einen Vogelkäfig verziert ist. Über eine Wendeltreppe gelangt man mehrere Stockwerke hinauf – an einer Zwischenebene vorbei, die über eine Brücke erreichbar ist – und endet auf einer kleinen Dachterrasse mit Blick auf den See.

 
 

Literaturtempel
Am zweiten Tag in Hanoi starteten wir unsere Sightseeing-Tour am Hoam-Kiem-See in Richtung Westsee und legten auf dem Weg einige Besichtigungs-Stopps ein. Sehr vielversprechend klang unser erster Stopp am Literaturtempel, ein sehr langes Areal mit vielen Toren, Wasserbecken und einigen Tempelgebäuden. Attraktion für uns war bei unserem Besuch jedoch weniger der Tempel, als die vietnamesischen Studenten, die hier in Abschluss-Roben und -Hüten Gruppenfotos und Einzelaufnahmen anfertigen ließen und somit überall auf dem Areal verteilt waren.


 

 

Ho-Chi-Minh
Eigentlich ein Pflichtbesuch ist das Ho-Chi-Minh Mausoleum, ein großer grauer Klotz vor dem sich eine große, von kleinen symmetrischen Steinwegen durchzogene Rasenfläche befindet. Von Innen haben wir das Mausoleum nicht besichtigt – das geht nur wenige Stunden am Vormittag und ist wohl mit langen Wartezeiten verbunden.

 

Stattdessen besichtigten wir den Präsidentenpalast – besser gesagt einen Teil des Geländes. Den Palast kann man nur von Weitem sehen, aber man kann an dem einfachen Holzhaus, das der bescheidene Onkel Ho dem Palast vorgezogen hatte vorbeigehen und seine (nicht ganz so bescheidenen) Autos begutachten. Der Gang um den Springbrunnen ist ganz nett (wobei der große Pfau im winzigen Vogelkäfig die idyllische Atmosphäre ziemlich schnell relativiert), doch viel mehr kann man dann auch nicht sehen von dem großen Park, der den Palast umgibt. Unsere ursprüngliche Idee, durch den Park zum Westsee zu gelangen, mussten wir in Anbetracht der zahlreichen Verbotsschilder daher leider an den Nagel hängen.

 

 

Westsee
Irgendwann kamen wir dann aber doch noch mit müden Beinen (die Nächte im Old Quarter forderten ihren Tribut) am Westsee an. Über einen breiten Damm, der Park-ähnlich angelegt ist, gelangen Fußgänger, Fahrräder, Autos und natürlich die zahlreichen Roller auf die andere Seite. Ein bisschen erinnert es an Binnen- und Außenalster unseres geliebten Hamburgs. Anstatt eines Atlantik-Hotels steht hier allerdings die Tran Quoc Pagode am Ende des Übergangs, die sich für einen kurzen Besuch lohnt. Der markante Turm sticht in jedem Fall heraus und auch sonst ist die farbenfrohe Anlage nett anzusehen.

 

 

Weiterreise
Nach diesem letzten Stopp nahmen wir ein Taxi zurück ins Old Quarter, wo wir uns noch eine weitere Pho gönnten und die erste Massage unserer Reise durch Südostasien.

Ziemlich entspannt traten wir am frühen Abend unsere Nachtbusfahrt nach Phong Nha an, wo wir eine zweitägige Höhlen- und Dschungeltour durch den Nationalpark antreten würden.