Von Bangkok in den Westen: ein Tagesausflug zum Drachentempel

Tagesausflug in Bangkok’s Westen
– monumentale Parkanlage und Drachentempel –

Nachdem wir bereits den Süden von Bangkok erkundet hatten, ging es am Ende unserer Reise noch in den Westen zu – ihr werdet es vielleicht erraten – zwei weiteren Tempeln. Doch keine Sorge, auch diese beiden Exemplare sind ziemlich außergewöhnlich! 
Auf dem Roller war ich mittlerweile übrigens tiefenentspannt, so dass die 50 Kilometer Hinweg kein Problem mehr waren.

 

Phutthamonthon Park
Das erste Etappenziel erreichten wir nach ca. 30 Kilometern, den Phutthamonthon Park. Hierbei handelt es sich um eine buddhistische Parkanlage, die sogar größer als der Central Park in New York ist. In der Mitte des Quadrats befindet sich eine hohe Buddhastatue, die über die umliegenden symmetrisch angelegten Rasenflächen und Springbrunnen wacht. Von dort aus führt ein kleiner Weg zu einem Bodhi-Baum, der für die Erleuchtung Buddhas steht. Eingezäunt und auf einer Anhöhe umgibt auch ihn eine symmetrische weite Rasenfläche. Der Park ist erstaunlich wenig besucht und man findet herrliche ruhige Plätzchen zum entspannen.

Gegenüber der großen Buddhastatue befindet sich eine Insel in einem See, auf der ein Marmor-Wihan (eine Art halboffene Halle) steht. In dessen Mitte steht ein kleines Marmorgebäude mit goldenen Stupas umgeben von einer Art Kreuzgang mit knallblauen Dachziegeln. Doch nicht nur Wände und Boden sind dort aus hellem Marmor, der die Sonne reflektiert. Im Innern sind außerdem 1418 Marmortafeln wie Dominosteine aneinandergereiht, auf denen in goldenen Lettern der Pali-Kanon (die Lehren Buddhas, nicht in der vielleicht bekannteren Sanskrit-Sprache, sondern in Pali) eingraviert ist. Durch kreisrunde Fenster in der rote und bunt bemalten Decke fällt das Sonnenlicht und taucht den Marmor-Irrgarten in ein mystisches Licht. Zu drei Seiten ist die Halle in Richtung See geöffnet und lädt dazu ein, sich eine Weile auf die Stufen zu setzen.  

Man hätte ohne Probleme den gesamten Tag in der Parkanlage verbringen können. Wir hätte mit Sicherheit noch einiges mehr entdecken können oder einfach (wie ein paar Familien) am See picknicken können. Leider hatten wir keinen Proviant dabei und wir wollten ja sowieso noch zum Drachentempel…

 

Don Wai Markt
Für den knurrenden Magen legten wir einen Zwischenstopp an einem Markt unterwegs ein. Der Don Wai Markt ist in Googlemaps als “floating market” gekennzeichnet und wir waren gespannt was uns erwarten würde. Tatsächlich befinden sich die Stände direkt an einem Fluss – aber nicht darauf. Vielleicht waren wir auch einfach zu spät… 
Dennoch lohnte sich der Besuch, denn uns erwarteten viele bunte Obst-Sorten und Stände mit allerhand gebratenem Getier.  

 

Samphran Tempel – der Drachentempel
Am Nachmittag erreichten wir das Ziel des Tages: den Samphran Tempel – auch bekannt als “Drachentempel”. 
Nach all den bisher gesehenen Tempeln, gewinnt dieser wohl den Preis des Ungewöhnlichsten. Ein ca. 80 Meter hoher pinker Turm, an dessen Fassade sich ein großer Drache empor schlängelt (nein, wir haben keine halluzinogenen Stoffe zu uns genommen…). Eigentlich war der Tempel wegen einer Feier geschlossen, doch wir hatten Glück: die Feiernden waren so begeistert davon, dass zwei Westler den weiten Weg aus Bangkok hergekommen waren, dass sie uns eine private Führung gewährten. 

Wir folgten einer Dame in das Innere des Turmes, wo sich uns eine Art Fratze offenbarte, in dessen Mund sich ein schmiedeeisernes Tor befand. Sie schloss es für uns auf und wir wagten uns in den dunklen Gang, der sich dahinter auftat. Unser Schuhe hatten wir – wie bei buddhistischen Tempeln üblich – am Eingang gelassen und so tappsten wir barfuß im Dunkeln durch den modrig riechenden Tunnel. Als mir im dämmrigen Licht plötzlich die Hundertschaften an Kakerlaken auf Boden, Wänden und Decke auffielen, fühlte ich mich wie in einem Indiana Jones Film und sehnte mir ein bisschen meine Schuhe herbei…

Mit blindem Vertrauen (was anderes blieb uns ja nicht übrig) und einer ordentlichen Portion Glück erreichten wir das Dach des Turmes und den Kopf des Drachen, ohne unterwegs in eins der Krabbelviecher getreten zu sein. Dieser blickte auf eine wunderschöne weite Landschaft und wir taten es ihm eine Weile gleich…

Irgendwann mussten wir natürlich wieder den Rückweg des Grauens antreten und streiften noch eine Weile durch das dschungelartige Gelände ringesherum um den Drachentempel (nunmehr mit Schuhen). Wir warfen ein paar Münzen auf Karma-Zielscheiben (ein bisschen wie auf einem Jahrmarkt, nur dass man statt einer Plastikblume Erfolg im Job, Geld, Glück in der Liebe und was der Mensch sich eben noch so wünscht gewinnen kann). Im kleinen Urwald kann man dann noch allerhand Schönes und Skurriles entdecken. Da gibt es goldene Drachen, einen weißen Elefanten, Delphine und einen riesigen Pfau. An einer Stelle führte eine steiler Weg hinab zu einem weiteren Tunnel. Wir liefen ein Stück hinein, aber es wurde schnell ziemlich dunkel und wir hatten ja keine Ahnung was dort auf uns warten würde… (ich war noch immer im Indiana-Jones-Modus). 

Auf dem Weg zurück zum Roller entdeckten wir noch eine riesige Schildkröte, die aussieht wie Morla in “Die unendliche Geschichte”. Offenbar konnte man auch in ihr Inneres und zwei Damen bedeuteten uns hineinzukommen. Also betraten wir das Maul des Riesenreptils und entdeckten diverse Schlafstätten im höhlenartigen Bauch. Die Damen wiesen uns per Fingerzeig tiefer ins Innere – und wir wagten uns weiter vor. Durch einen (mal wieder) dunklen Tunnel gelangten wir hinab zu einer Art Andachtsstätte. Von dort aus führte der Weg wieder nach oben – und siehe da, plötzlich kamen wir genau dort heraus, wo wir uns zuvor nicht hineingetraut hatten. Was Buddha uns damit wohl sagen wollte? 

 

 

 

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