Leben in Dublin

Nina erzählt von ihrem Auslandsaufenthalt

Hi, 

mein Name ist Nina. Ich bin 27 Jahre alt und auch so eine. “So eine” heißt Juristin. Ich bin da irgendwie reingerutscht. Und die auf jeden Fall populärste Antwort, nachdem ich dieses dunkle Kapitel meines Lebens offenbare lautet: “Jurisitin? Du? Das passt ja gar nicht. Hätte ich nicht gedacht.” Touché. Ich auch nicht. Aber es hatte sein Gutes, denn zumindest hab ich Kate dadurch kennen gelernt.

Und so wie sie, hat es auch mich für einen Teil meines Referendariats ins Ausland gezogen. Und zwar nach Dublin, der Hauptstadt Irlands. Ich sage das gerne dazu, weil Dublin so klein ist, dass man es oft vergisst. Jedenfalls musste ich es mir öfter mal klarmachen (“Nina, das ist hier die Hauptstadt. Nicht vergessen. Hauptstadt. Das brauchst du nochmal irgendwann. Und wenn es nur für irgendein dämliches TV-Quiz ist. HAUPTSTADT!”).

Es fühlt sich nämlich überhaupt nicht so an. Dublin ist anders, obwohl es so nah an uns dran ist. Anders, als in meiner Wahlheimat Hamburg oder in Berlin oder sogar meiner wirklichen Heimat Lingen (ein fröhliches Horido ans Emsland an dieser Stelle) kann man alles, wirklich ALLES zu Fuß erreichen. Mit Ausnahme des Flughafens. Aber so ist das bei Juristen: keine Regel ohne Ausnahme. Also nehmt es hin. Das ist sozusagen ein Juristenstilmittel.

Aber von vorn. Wieso eigentlich Irland, wieso eigentlich Dublin?

Dublin – Wieso, weshalb, warum

Ich könnte euch jetzt erzählen, wie romantisch ich die Vorstellung eines kleinen Cottages inmitten von saftigem grünen Gras fand, von Kaminen und dass mich die Kerrygold Werbung fasziniert hat. Oder ich erzähl euch einfach die Wahrheit: Ich habe mich auf Teufel komm raus überall beworben und wollte einfach mal raus. Egal wohin.

Unter anderem habe ich dabei eine Kanzlei im Herzen Dublins erspäht und mich einfach mal bei denen beworben. Ein Zufall kommt ja meistens nicht allein und so wurde aus allen anderen Optionen und Anstrengungen letzten Endes nichts und wie der letzte Bowlingpin auf der Bahn, war Dublin meine erste – wenn auch einzige – Wahl für einen Auslandsaufenthalt. Ist ja im Grunde auch mal schön, wenn einem eine Entscheidung abgenommen wird. Und ich hätte es nicht besser treffen können. Echt jetzt.

Nun, den Job hatte ich. Blieb natürlich noch die Suche nach einem Dach über dem Kopf. Ich schaute Monate vor meinem Abflug gelegentlich in einschlägige Portale und erkannte recht schnell: Nix is’ mit deutscher Planbarkeit. Ein Zimmer kannste ‘ne Woche vorher bekommen. Oder noch kurzfristiger. Na klasse, das gefiel der planungswütigen Kartoffel Nina ja gar nicht. Aber auch hier muss man die positiven Seiten sehen: Ich hatte mehr Zeit um für das Examen zu lernen (natürlich total ausgenutzt) und habe weniger Zeit auf die Wohnungssuche verschwendet, denn einer Sache war ich mir trotz alledem sehr sicher: Auf der Straße schlafen musste schon nicht.

Und so kam es auch. Kaum schaltete ich, knapp 2 Wochen vor dem Abreisetermin, erschöpft und glücklich nach der letzten Examensklausur (und natürlich ein bisschen angesoffen) mein Handy wieder ein, wurde mir über Facebook ein Zimmer in einer WG angeboten. Meine künftigen Vermieter und ich telefonierten kurz am selben Abend und das Wohnungsthema war geregelt.

Ich würde also in einem WG-Zimmer im Westen Dublins die nächsten Monate verbringen. Und das für “nur” 600 € pro Monat! Cool! Bei durchschnittlich 1.000 € für ein Zimmer, das man sich für gewöhnlich mit mindestens einem Mitbewohner teilt, ein echtes Juwel! Da blieb dann quasi sogar noch etwas über um sich mal ein Shampoo zu gönnen.

Was so absurd und komisch klingt ist leider kein Scherz – alles ist gnadenlos teuer. Aber nun zurück zum Thema: Das Zimmer war sehr klein, was ich super fand. Denn es war sauber, gemütlich und ich wollte mit so wenig Ballast wie möglich in Dublin ankommen. Und so reiste ich an Halloween mit 20kg Gepäck und ‘nem Rucksack an. (Ich geb ja zu, die Abreise sah anders aus – den letzten Gästen jeweils die dicksten Pullis und Schuhe aufgequatscht plus 30 € für’s Übergepäck – aber das sind ja wohl ganz normale Frauenprobleme und tut an dieser Stelle gar nix zur Sache!)

Bei mir hat sich dann auch schnell ein Alltag eingependelt. In der Woche habe ich täglich bis 17, manchmal 18 Uhr gearbeitet. Danach ging es eigentlich täglich zum Sport, denn um die Ecke habe ich ein tolles Gym mit Schimmbecken entdeckt und konnte beim Spinning mal richtiges Irisch hören und – kein Scheiß – die ersten 10(!) Stunden habe ich kein einziges Wort verstanden. Es wurde aber besser und der Sport war neben dem guten Ausgleich zum ganzen Gesitze in der Kanzlei eine super ‘listening comprehension’. So hieß das jedenfalls immer in meinen Englischbüchern in der Schule. 

Das Wochenende war dann immer zum Erkunden von Stadt, Land & Leuten reserviert. Es hat wirklich an nichts gefehlt. Ausnahme (da ist sie wieder, die teuflische Ausnahme, die die Regel bestätigt): Frisches Obst und Gemüse. Da sind wir in Deutschland wirklich besser versorgt. In Irland ist das zum einen teuer und zum anderen qualitativ nicht soooo der Hit. Und Weihnachtsmärkte können die auch nicht so gut. Was dafür besser ist, ist definitiv die Auswahl an Schokolade. Sauwichtiger Faktor bei der Auswahl meines Lebensmittelpunkts. 

Und in puncto Begeisterungsfähigkeit haben die Iren uns wahnsinnig was voraus. Halloween, Weihnachten, St. Patrick’s Day – egal. Die schmücken ihre Häuser, die schmücken die Straßen und: Die schmücken sich. Und mit schmücken, meine ich schmücken. Da werden die Pullis mit Lichterketten bestickt, die blinken und Elfensocken mit Glöckchen getragen. dazu sind die Iren wahnsinnig lieb, hilfsbereit und trinkfest. Eine super Kombination. Ihr merkt, ich gerate ins Schwärmen…

Das Beste in Dublin war das Bunte. Egal ob die zahlreichen Donut-Shops, Food-Märkte (Donnerstags am Grand Canal eine PokéBowl war uns HEILG!!), bemalte Fassaden (Häuser UND Menschen) oder Flohmärkte. In Dublin ist alles bunt und liegt rechts und links neben unserem deutsch-bescheidenen Normal. Fand ich geil. Muss ich mal so salopp sagen.

Und man kann sich in Dublin auch unmöglich verirren. Es ist nämlich so klein dass man immer wieder am Fluss, der Liffey, ankommt und die geht mitten durch die Stadt. Man kann es nicht verkehrt machen. Das fand ich persönlich auch voll charmant. Eventuell weil ich ein klitzekleines Orientierungsproblem habe. 

Tipps für Dublin

Für die unter euch, die darüber nachdenken, diesem wunderschönen Städtchen einen Besuch abzustatten, ganz kurz und knapp meine Hotspots der City:

 

Little Bird Yoga Café: nomen est omen, super Yoga Studio und toller Kaffee sowie 1 a gesundes Frühstück. Empfehlung: Avocado Toast! Zwei in eins, funktioniert besser als man denkt,

Sprouts (Dawson Street):  Für alle (veggie) Foodies unter euch ist das “Sprouts” ein MUSS. Sieht zwar nach nicht viel aus, aber der Salat mit Falafel ist ein Gedicht.

Brother Hubbard: Noch mehr gesundes Frühstück… 

Food Market am Grand Canal: Sieht vielleicht nicht so hübsch aus, ist aber total lecker

Bar en Seine (Dawson Street): Drei Worte – Baileys Coffee & Hogwarts. Mehr sage ich dazu nicht.

Queen of Tartes: Der beste Kuchen Dublins.

Beanhive Coffee: Portrait-Kaffee und Schoko-Schock.

Bewley’s Oriental Café: Ein Bild sagt mehr als Worte.

The Bernard Shaw: Football oder Fußball schauen, Foodmarket, Flohmarkt, (vegane) Pizza im Blue Bus – Bernard Shaw kann alles!

The George: Party mit ganz viel 90er Mukke, Drag Queens und ab und zu einer Poledance-Einlage der Girls von “FiercePole”. Lasst euch mal darauf ein. Es macht wahnsinnig Spaß!

Iveagh Gardens: ein verträumter kleiner Park etwas ‘off the beaten track’, direkt hinter der städtischen concert hall. Denn im St. Stephens Green landet man zwangsläufig. Auch ohne Tipp. Dieses kleine Juwel besticht vor allem im Sommer durch Wasserfälle und wunderschöne Jugendstil-Brunnen.

Phoenix Park: dieses Riesen-Areal liebt man, oder es gibt einem gar nichts. Probiert es, investiert in einen Sack Möhren (Geheimtipp: Bei LIDL regelmäßig im Angebot für fünfzig Cent) und ihr habt sprichwörtlich Spaß für ne Mark. Denn der Phoenixpark beherbergt ein Rudel Hirsche. (Heißt das Rudel? Herde?) – Egal Rudel ist ein witziges Wort. Rudel Rudel Rudelrudelrudel… ja okay ich hör auf.

Die laufen jedenfalls frei dort herum und freuen sich besonders morgens – wenn noch nicht halb Dublin Ihnen das orangene Gold entgegengestreckt hat – über einen kleinen Snack. Ich fand’s magisch! aber Achtung: wo sie sich aufhalten ist Glückssache. Also bei diesem Vorhaben vielleicht auf’s Rad zurückgreifen.

Äh hallo?! Sehenswürdigkeiten? : NEIN. Einfach nein – Glaubt mir, es lohnt sich nicht. Weder “Molly Malone”, deren Bronze-Brüste wohl schon von mehr Händen begrabbelt wurden als Heidi Klum (bot sich jetzt irgendwie an dieser kleine Seitenhieb – sorry Heidi, aber GNTM guck ich trotzdem fleissig) noch die berühmten “Book of Kells” oder St. Patricks Cathedral. Spart euch das teure Eintrittsgeld und trinkt ein Guiness. Zum Beispiel im “The Brazen Head” bei Livemusik – DAS ist eine Sehenswürdigkeit!

Dublins Umgebung und der Rest von Irland

 

Howth Cliffwalk

20 Minuten außerhalb Dublins, mit dem Zug für ca. 4 € zu erreichen. Wunderschöner Kontrast zur Stadt: Steilklippen, Wind, Natur und ein eher abenteuerlicher Trail ohne Zaun. Ich liebe es. Macht das! Unbedingt! Das ist was für jeden. Es gibt verschiedene farblich gekennzeichnete Strecken. Zwischen 2 bis 16 km kann man sich an der Küste und den Klippen entlang schlängeln und durchatmen.

Giant’s Causeway, Nordirland

Wer mehr Zeit hat, dem lege ich noch den Giants Walk in Nordirland ans Herz. Eine Sage, verwoben mit einem erstaunlichen Landschaftsbild. Verfeinert durch eine liebevoll durchdachte Audiotour. Total schön und die Reise dorthin echt wert.

Der Eintritt kostet 10 € – absolut verdient. Man sollte nur darauf achten nicht zu spät loszulaufen, denn mit Einbruch der Dunkelheit wird der Trail aus Sicherheitsgründen gesperrt. Anschließend hat man noch die Möglichkeit in dem eigens angelegten Museum sowohl die Sage, als auch wissenschaftliche Fakten der Steinformation detalliert zu erforschen.

Belfast

Belfast, “the capital of Northern Ireland” hingegen konnte mich nicht überzeugen. Zwar gibt es durchaus Stellen die sehr “picturesk” sind, wie mein irischer Chef immer sagte, viel Charme hat es meiner Meinung aber nicht.

Nichts desto trotz hat sich mein Titanic-Fan-Herz beim betreten des Titanic-Museums mindestens dreimal überschlagen. Die Tour startet mit einem Photo-Booth. Dort kann man dank Green Screen die Ich-bin-der-König-der-Welt-Szene am Bug des Schiffes nachspielen und das Foto anschließend beim Verlassen der Tour käuflich erwerben. An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen KEINE HELLGRÜNEN Klamotten zu tragen. Man nimmt die Farbe der Umgebung an (Hab das Foto trotzdem gekauft. Bzw gekauft bekommen – Danke an Felix an dieser Stelle, du bist das schönste Kate-Double, das es jemals gab!).

Mehr möchte ich über dieses wahnsinnige Bauwerk gar nicht vorwegnehmen, außer vielleicht das Fahrgeschäft(!) im Inneren und die interaktiven Möglichkeiten – das horrende Eintrittsgeld ist es definitiv Wert! Das ist das beste Museum der Welt. Schwör! (Es steht übrigens in Belfast, da die Titanic dort erbaut wurde – #Funfact)

Roadtrip durch Kerry

Roadtrip gefällig? Der Ring of Kerry im Frühjahr / Sommer ist euer Ding. Ganz viel Kerrygold-Irland wie man es sich vorstellt. Berge, Seen und das Meer. Bunte Dörfchen, kuriose Bauwerke, niedliche Kirchen und den besten Carrot-Cake meines Lebens hatte ich dort. Und viel Guiness in niedlichen Pubs. Livemusik immer all inclusive. Versteht sich von selbst.

Es gibt eine sogenannte Sternwarte – dort soll man einen der klarsten Blicke auf die Sterne in ganz Europa haben. Auf ca 150 km Strecke, für die man sich mindestens zwei Tage Zeit nehmen sollte, erlebt man Sandstrand, saftig grüne Wiesen, Seen die so still  daliegen wie ein Spiegel und und und… darf man eigentlich nicht nicht gemacht haben!

Und bei so vielen ‘glänzende-Augen’-Momenten war es letzten Endes auch nicht sooo schlimm, dass Dublin ein teures Pflaster war. Das Sparen und Schnäppchenjagen hat sogar richtig Spaß gemacht. Und für die unter euch, die überlegen sich mal länger dort aufzuhalten. Überlegt euch gut, wen ihr einladet. Irland ist nah. Die Flüge -komischerweise – günstig. Wen man einlädt, der kommt höchstwahrscheinlich auch. Das hat es für mich ganz besonders toll gemacht – denn ich konnte viel von dem, was ich jetzt geschrieben habe live und in Farbe mit meinen Lieben teilen. 

Also, auf mit euch nach Átha cliath (das war Gälisch. Denkt euch das in der Stimme von dem Kerl bei “Sendung mit der Maus”), dort wo man noch an Feen und Leprachauns glaubt und zwar in echt.

 

Viele Grüße!

Nina

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