Hanoi – Nachtleben und Sightseeing: Ein Wochenende im Old Quarter

Hanoi
– lebhafte Straßen, schöne Seen und Onkel Ho –

Ankunft in Hanoi
Nach einem sehr luxuriösen Flug mit Emirates landeten wir am Nachmittag in Hanoi, dem Ausgangspunkt unserer Reise durch Vietnam. Wir waren gespannt was uns erwarten würde und hofften, dass die oft sehr negativen Meinungen zu Vietnam („Der Tourismus hat dem Land nicht gut getan“, die Standard-Aussage des Durchschnitts-Backpackers) sich nicht bewahrheiten würden. Jedenfalls die Wettervorhersage behielt Recht – uns empfing grauer Himmel und auch die nächsten Tage sollte es immer wieder regnen.
Vor dem Flughafen angekommen, suchten wir uns einen der zuvor als empfohlen (ohne Abzocke) notierten Flughafen-Shuttles zum Hotel (die übrigens erst dann losfahren, wenn sie voll sind – es kann also schonmal passieren, dass man eine Weile warten muss. Da kann man dann ausnahmsweise mal auf das Verkaufsgeschick seines Fahrers hoffen…). Wir hatten zwar noch keines gebucht, wollten aber während der Fahrt bei unserem Favoriten anrufen um uns anzukündigen. Leider hatten die Vietnamesen nicht mit unserem Besuch gerechnet und so konnten wir erst beim fünften Telefonat ein freies Zimmer ergattern. 
Auf unserer Fahrt vom recht weit außerhalb gelegenen Flughafen zum Backpacker-Viertel in Hanois Altstadt konnten wir mit Erstaunen feststellen, dass es hier zwar mindestens genauso viele Roller gab, wie in Myanmar, allerdings trug hier fast ausnahmslos jeder einen Helm! Später fanden wir heraus, dass es in Vietnam eine Helmpflicht gibt, an die sich (unserer statistischen Erhebung zufolge, die wir an einem Street-Food-Tisch bei einem kühlen Bier erstellten) 95 Prozent der erwachsenen Fahrer halten. Für Kinder scheint das leider nicht zu gelten, und so fahren sie meist als „Knautschzone“ zwischen behelmten Fahrer und Lenker mit.

 
Ankunft im Hotel
Irgendwann wurden die Straßen immer enger und die Dichte an Bars und Restaurants immer höher – wir waren in Hanois “Old Quarter” angekommen. Unser Shuttle setzte uns dann am ein Eingang einer derart winzigen Gasse ab, durch die wahrscheinlich nicht einmal ein Smart gepasst hätte und entschuldigte sich bei uns, dass er uns nicht ganz bis zum Hotel bringen könnte (den weiten Weg von knapp 50 Metern zu Fuß schafften wir gerade noch so).

In unserem Hotel wurden wir nett empfangen und erstmal zu einem der Frühstückstische gebeten. Dort begann dann unser „Verkaufsgespräch“, von denen wir bereits gehört hatten. Die Wände waren großflächig mit Touren-Vorschlägen tapeziert und der ziemlich gut Englisch sprechende Mitarbeiter gab uns zunächst einen kleinen Überblick über die Altstadt Hanois (leider keine Insider-Tipps, sondern die absoluten Basics, die eigentlich jedem Reisenden bekannt sein sollten, der sich eine fremde Stadt anschauen möchte). Danach versuchte er uns recht vehement davon zu überzeugen, dass man Hanoi an einem Tag erkunden kann und es danach langweilig wäre. Wir sollten daher unbedingt eine der Touren für den zweiten Tag unseres Aufenthaltes buchen. Wir hatten uns nach langem Hin- und Her-Überlegen aber bereits gegen eine Tagestour zur Halong-Bucht oder nach Ninh Binh (der „trockenen Halong-Bucht“) entschieden. Zum einen hatten wir über die günstigen Tagestouren so viel Schlechtes gehört (Kaum Zeit in der Bucht, absolute Massenabfertigung, Ratten an Bord…) und dann sagte uns Google auch noch überwiegend Regen und Gewitter an. Keine überzeugenden Argumente für einen Ausflug. Wir wollten es lieber ganz entspannt angehen lassen und nachdem wir das unserem „Verkäufer“ auch dreimal freundlich aber bestimmt mitgeteilt hatten, gab er auf und wir durften auf unser Zimmer.

 

Ein Abend im “Old Quarter”
Nachdem ich mir meine (seit drei Tagen regelmäßige) Ration Pillen gegen Magenbeschwerden eingeworfen hatte, warfen wir uns in das abendliche Gewühl von Hanois Altstadt: dem „Old Quarter“. Nur schnell was Essen gehen und einen kleinen Spaziergang – dann aber zurück ins Hotel, denn mein Bauch sehnte sich in regelmäßigen Abständen nach der Fötusstellung…
Doch völlig unverhofft verschlang uns Hanoi mit unglaublich viel Charme und Atmosphäre so sehr, dass wir an diesem und am nächsten Abend jegliche Zeit und körperliche Beschwerden vergaßen und uns von dem Viertel mit seinen wunderschönen Lampions anziehen ließen wie die Mücken vom Licht.

Die meisten Straßen des Old Quarter sind abends für Fahrzeuge gesperrt und werden zur „Walking Street“. Dort tummeln sich Verkäufer der typischen Souvenirs, kleine schrille Straßentheater und Open-Air-Prediger, zahlreiche Streetfood-Stände und Fässer mit „Bia Hoi“, einem Bier, das täglich frisch gebraut wird und sich nur sehr kurz hält. Bei dem unschlagbar günstigen Preis von ca. 20 Cent pro Becher ist es gut, dass der Alkoholanteil bei nur 3 Prozent liegt… Wer noch mehr für einen lustigen Abend braucht, der kann sich einen der „Happy Balloons“ kaufen, einen Luftballon, der mit Lachgas gefüllt wird. Wir haben es ausprobiert – aber nichts gespürt. Die Situation von uns beiden, auf einer Stufe am Straßenrand sitzend und ziemlich verwirrt den schlaffen leeren Ballon in der Hand anschauend, war aber bereits komisch genug um uns (mit zugegebenermaßen nicht unwesentlicher bia-hoi-Grundlage) zum Lachen zu bringen. Später erfuhren wir, dass man in den Ballon mehrfach ein-und ausatmen muss, damit es funktioniert…


Das Beste an unserem Streifzug durch die engen Gassen des Old Quarter waren jedoch weder Bier, noch Essen oder Lachgas. Es waren die Straßenmusiker, sehr talentierte Vietnamesen in unserem Alter, die mitten auf einer Kreuzung und einer Straße hervorragende Live-Musik zum Besten gaben. Die abwechslungsreichen Konzerte zogen die Menschen in ihren Bann und so blieben wir über eine Stunde bei einem Trio hängen, die tollen Crossover mit Geige, Gitarre und Percussion spielten und einen David Garrett beinahe in den Schatten stellten.


Wer dem Gassen-Gewirr dennoch für kurze Zeit entfliehen möchte oder einfach mal die Stadt von oben betrachten will, der sollte die Rooftop-Bar „Skyline“ im Old Quarter besuchen. Für 5 Euro gibt’s hervorragenden Gin-Tonic und die Bar ist sehr schön und schlicht gestaltet mit einem einzelnen Baum in der Mitte, der mit Glühbirnen verziert ist. Die Aussicht ist toll – auch wenn Hanoi nicht die spektakulärste Skyline hat.

 

 

Das “Old Quarter” bei Tageslicht
Auch am nächsten Morgen erkundeten wir nochmal die Gassen des Old Quarters, den Blick nach oben gerichtet um die zahlreichen alten Fassaden der schmalen Tunnelhäuser zu betrachten. In der kleinen Gasse Ngõ Trung Yên zog es uns zu einem kleinen Streetfood-Laden – nicht viel größer als eine Garage, mit zwei winzigen Tischen im Innern und zwei weiteren davor. Serviert wurde (ohne dass man nach einer Bestellung gefragt wurde) “Pho Bo”, die typische Nudelsuppe Hanois mit Rindfleischstücken und Reisnudeln. Es war die erste Pho die wir probierten und es sollte die Beste unsere gesamten Vietnam-Reise bleiben. Wir haben zwar noch mindestens ein Dutzend andere Versionen dieser Suppe gegessen – doch keine war so gut wie diese aus diesem kleinen Verschlag versteckt in einer winzigen Gasse. Vollgepackt mit ganz viel frischer Minze und einer großen Ladung gerösteter Erdnüsse speckte sie einfach fabelhaft.


Zum Glück hatten wir bereits vor dem anschließenden Markt-Besuch gegessen, denn unsere Beobachtungen am Don Xuan Markt im Norden des Old Quarter können einem schon schnell den Appetit schmälern. In der „Fischabteilung“ konnten wir neben zahlreiche Aquarien auch eine Frau dabei beobachten, wie sie die zuvor geköpften Frösche aus einem großes Sack nahm und ihnen innerhalb von knapp 2 Sekunden die Haut vom Leib riss – als würde sie jemandem eine Socke ausziehen. Die noch zuckenden Körper landeten alle auf einem Haufen, direkt neben einem Käfig voller Schildkröten, die als nächstes dran glauben mussten. Dazu wurde ihnen der Hals (nur halb) durchtrennt und die fast kopflose Kröte dann ins kochende Wasser geworfen um die oberste Hautschicht lösen zu können… Kein schöner Anblick. 

 

 

Rund um den Hoan-Kiem See
Nach diesem makaberen Auftakt ging es zu dem schönen Hoan-Kiem See, einem kleinen See mitten in Hanoi. Die Uferpromenade ist sehr hübsch angelegt und verkehrsberuhigt – ein schöner Ort für einen Spaziergang oder eine Pause an einer der Bänke. Am Nordufer des Sees ist ein großer Platz, auf dem sich Jung und Alt trifft. In Gruppen wird mit einer Art Federball (mit metallischen Elementen, die ein klapperndes Geräusch von sich geben) Hackysack gespielt – beachtlicherweise spielen Jungs und Mädels das hier gleichermaßen. Eine Gruppe hatte sich mit ein paar Bambusstöcken auf dem Boden aufgestellt und durch rhytmisches Schlagen und Bewegen der Stöcke eine Art Hüpf-Spiel für jeden der es ausprobieren wollte errichtet und ein Orchester gab ein Flashmob-Konzert (das wir leider erst mit den letzten Takten mitbekamen).


Ebenfalls am Nordufer gelangt man über eine fotogene knallrote Brücke zur Jadeberg Insel, auf der ein kleiner hübscher Tempel steht.


Auch das bekannte Wasserpuppen-Theater befindet sich am nördlichen Ufer des Hoan-Kiem Sees. Vorstellungen gibt es mehrmals am Tag und sie sind ein amüsantes Spektakel. Anstatt einer Bühne gibt es in dem Theatersaal einen kleinen Teich, auf dem sich die Figuren aus Holz bewegen und typische Geschichten aus Vietnam erzählen. Gelenkt werden die Holzfiguren von Puppenspielern, die am Ende des Teichs hinter einem Bambusvorhang stehen. Bauern und Fabelwesen wie Drachen sind die Hauptfiguren des Stücks – eine wirkliche Handlung gibt es aber nicht, dafür asiatische Klänge von Musikern, die an der Seite des Teichs sitzen.

 

Von hier aus gelangt man über einen Spaziergang entlang des Ostufers in das französisch geprägte Kolonialviertel, wo man noch einige schöne Prachtbauten entdecken kann. Auf dem Rückweg zum See sollte man unbedingt durch die Dinh Le laufen, eine Straße mit zahlreichen Buchläden und kleinen Straßenständen mit Büchern. Hier gibt es auch das schöne „Mayfair Café“, dessen Tischplatten auf alten eisernen Singer-Nähmaschinen stehen. Bei der Gelegenheit stellte ich dann auch mit Freude fest, dass Vietnam – im Gegensatz zu Myanmar – eine Kaffee-Trinker-Nation ist und man hier durchaus hervorragenden Kaffee bekommen kann.


Ein weiterer Tipp – weniger wegen des Kaffees (wobei auch der lecker war) – sondern vor allem wegen der Lage ist das Café “Pho Co”, das man mit etwas Sucherei am Nordufer des Hoan-Kiem Sees findet. Zwischen zwei Läden gelangt man durch einen schmalen Flur in einen kleinen stimmungsvollen Innenhof, der mit vielen Pflanzen und einen Vogelkäfig verziert ist. Über eine Wendeltreppe gelangt man mehrere Stockwerke hinauf – an einer Zwischenebene vorbei, die über eine Brücke erreichbar ist – und endet auf einer kleinen Dachterrasse mit Blick auf den See.

 
 

Literaturtempel
Am zweiten Tag in Hanoi starteten wir unsere Sightseeing-Tour am Hoam-Kiem-See in Richtung Westsee und legten auf dem Weg einige Besichtigungs-Stopps ein. Sehr vielversprechend klang unser erster Stopp am Literaturtempel, ein sehr langes Areal mit vielen Toren, Wasserbecken und einigen Tempelgebäuden. Attraktion für uns war bei unserem Besuch jedoch weniger der Tempel, als die vietnamesischen Studenten, die hier in Abschluss-Roben und -Hüten Gruppenfotos und Einzelaufnahmen anfertigen ließen und somit überall auf dem Areal verteilt waren.


 

 

Ho-Chi-Minh
Eigentlich ein Pflichtbesuch ist das Ho-Chi-Minh Mausoleum, ein großer grauer Klotz vor dem sich eine große, von kleinen symmetrischen Steinwegen durchzogene Rasenfläche befindet. Von Innen haben wir das Mausoleum nicht besichtigt – das geht nur wenige Stunden am Vormittag und ist wohl mit langen Wartezeiten verbunden.

 

Stattdessen besichtigten wir den Präsidentenpalast – besser gesagt einen Teil des Geländes. Den Palast kann man nur von Weitem sehen, aber man kann an dem einfachen Holzhaus, das der bescheidene Onkel Ho dem Palast vorgezogen hatte vorbeigehen und seine (nicht ganz so bescheidenen) Autos begutachten. Der Gang um den Springbrunnen ist ganz nett (wobei der große Pfau im winzigen Vogelkäfig die idyllische Atmosphäre ziemlich schnell relativiert), doch viel mehr kann man dann auch nicht sehen von dem großen Park, der den Palast umgibt. Unsere ursprüngliche Idee, durch den Park zum Westsee zu gelangen, mussten wir in Anbetracht der zahlreichen Verbotsschilder daher leider an den Nagel hängen.

 

 

Westsee
Irgendwann kamen wir dann aber doch noch mit müden Beinen (die Nächte im Old Quarter forderten ihren Tribut) am Westsee an. Über einen breiten Damm, der Park-ähnlich angelegt ist, gelangen Fußgänger, Fahrräder, Autos und natürlich die zahlreichen Roller auf die andere Seite. Ein bisschen erinnert es an Binnen- und Außenalster unseres geliebten Hamburgs. Anstatt eines Atlantik-Hotels steht hier allerdings die Tran Quoc Pagode am Ende des Übergangs, die sich für einen kurzen Besuch lohnt. Der markante Turm sticht in jedem Fall heraus und auch sonst ist die farbenfrohe Anlage nett anzusehen.

 

 

Weiterreise
Nach diesem letzten Stopp nahmen wir ein Taxi zurück ins Old Quarter, wo wir uns noch eine weitere Pho gönnten und die erste Massage unserer Reise durch Südostasien.

Ziemlich entspannt traten wir am frühen Abend unsere Nachtbusfahrt nach Phong Nha an, wo wir eine zweitägige Höhlen- und Dschungeltour durch den Nationalpark antreten würden.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.