Interview mit den Sailing Conductors

4 Jahre segeln, 31 Länder, 200 Musiker, 130 Songs

Was tut man, wenn man seinen Rückflug von Australien nach Deutschland verpasst? Man segelt einfach nach Hause! Und wenn man gar nicht segeln kann? Dann erst recht! 

Captain Ben und Smutje Hannes haben es jedenfalls getan: vier Jahre segelten die beiden auf ihrer Marianne über drei Ozeane, bereisten unterwegs 31 Länder, sammelten unzählige Erfahrungen, Eindrücke – und Tonspuren! Statt Souvenirs zu kaufen, nahmen die beiden über 200 Musiker an den verrücktesten Orten auf und fügten sie zusammen. 

Das Ergebnis: ein wunderschönes Album zahlreicher Musiker, die sich (bis dahin) noch nie gesehen hatten. Ihre Geschichte erzählen sie in ihrem Buch “Sailing Conductors” (übersetzt: segelnde Dirigenten) und seit einigen Wochen auch im Kinofilm “Blown Away”

Moin, moin ihr beiden! Stellt euch doch mal kurz vor!

Ahoi!

Ich bin der Ben, 1986 in Bonn geboren, dort zur Schule gegangen und dann nach Schule nach Berlin zum Tontechnikstudium gezogen. Dort habe ich auch Hannes kennengelernt. Nach einem Jahr bin ich nach Australien gegangen um dort meinen Bachelor zu beenden.

Ich bin Hannes , geboren 1988 in Rostock. Ich habe nach der Schule meinen Zivildienst in der geschlossenen Psychiatrie gemacht und bin dann 2008 zum Studium nach Berlin gekommen, wo ich Benni kennengelernt habe. Da sieht man es schon: unser Projekt war von Anfang an ein Völkerverständungsprojekt, denn wir wurden ja beide in unterschiedlichen Ländern geboren.

Ich habe übrigens meinen Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz gemacht und am Flughafen Köln-Bonn Rollstühle durch die Gegend geschoben und hab viel Trinkgeld bekommen von den alten Damen und Herren.

Wie kam es zu eurer Reise?

Das kann ich dir gut erklären. Ich war zum Studium in Australien und habe nach eineinhalb Jahren meinen Rückflug nach Deutschland verpasst. Erstmal war ich richtig genervt und bin zum Strand runter und hatte überhaupt kein Bock ein neues Flugticket zu kaufen. In dem Augenblick sehe ich am Horizont ein Segelboot vorbei segeln – weiße Segel, weißer Rumpf, die Sonne ging gerade unter und schien so in die Segel rein. Alles war so romantisch und ich dachte mir „Hm – warum nicht einfach ein kleines Segelboot kaufen und damit nach Hause segeln, anstatt ein neues Flugticket zu kaufen?“

Es war eine spontane Idee – ich fand’s mega geil – einziges Problem war: ich konnte gar nicht Segeln. Aber das war erstmal egal… Dann hab ich mit Freunden gesprochen und Hannes du warst dann irgendwann dabei.

Ich war anscheinend der einzige, der noch weniger segeln konnte als Benni und keine Ahnung hatte, keine Freundin hatte und auch am Ende meines Studiums war. Ich wollte Musikproduzent werden und hatte eigentlich nie was mit Reisen am Hut. Aber als Benni mich anrief, war uns beiden sofort klar: wir würden überall Musik aufnehmen, von Land zu Land reisen, einzelne Musiker miteinander verbinden, so dass am Ende Musik entsteht, mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die sich nie begegnet sind.

Das hat in mir so ein ganz tolles Gefühl ausgelöst – so einen Instinkt, dass das ein ganz tolles Projekt werden kann – und wenn wir es tatsächlich schaffen, zurück nach Deutschland zu segeln, uns Türen und Tore offen stehen und wir die besten Musikproduzenten der Welt sein können.

Jetzt sind wir angekommen in Deutschland und nun sind es zwar keine Tonstudios, die uns die Türen aufgemacht haben, aber dafür die Kinos – auch nicht schlecht.

Wie habt ihr euch auf die Reise vorbereitet? 

Wir haben uns eigentlich so gut wie gar nicht vorbereitet. Hauptsächlich haben wir versucht Sponsoren zu bekommen und haben ganz viele Sponsoring-Proposals rausgeschickt.

Ich hatte 15.000 Euro geerbt von Opa und davon wollten wir ein günstiges Segelboot kaufen. In Australien waren die aber alle viel zu teuer und haben alle über 20.000 gekostet – also weit außerhalb unsere Budgets. Ungefähr einen Monat bevor wir los sind, habe ich dann auf Ebay das günstigste Boot gesehen, das wir finden konnten: für 11.600 Euro. Unsere Marianne – da haben wir sofort zugeschlagen und flogen dann auf die Salomon-Inseln. Da war das Boot nämlich zum Verkauf – und die liegen halt mitten im Pazifik.

Ich habe dann noch schnell einen Online-Segelkurs gemacht um das Gewissen von Hannes und seinen Eltern zu beruhigen und war dann auch für die Routenplanung verantwortlich. Die Reise sollte eigentlich neun Monate dauern – maximal ein Jahr. Wir sind im März 2011 los und wollten eigentlich Weihnachten 2011 zu Hause sein. Wie kommen wir auf die neun Monate? Tja wir hatten ja keine Ahnung, wie schnell man überhaupt segeln kann und wie lange so etwas dauert.

Ich habe mir dann mit Google-Earth die Route zurecht geflickt. Punkt für Punkt gesetzt. Die ursprüngliche Route sollte auch immer an der Küste entlang – man kann von Australien nach Deutschland tatsächlich immer mit Blick auf Land fahren, um Indien herum und durch den Suezkanal. Für den Fall, dass wir untergehen sollten, hätten wir dann einfach an Land schwimmen können… Das war für uns die sicherste Methode um nach Hause zu segeln.

Das hat natürlich gleich nicht hin gehauen, als wir das Boot auf den Salomon-Inseln gekauft haben. Da hieß es dann erstmal Jungfernfahrt, drei Wochen über den Pazifik ohne Land in Sicht. Da haben wir dann richtig Segeln gelernt – alle Segel sind gerissen, alles ist kaputt gegangen an Bord, Batterien und GPS sind ausgefallen. Eine Zeit lang wussten wir nicht mehr wo wir herumtreiben im Pazifik. Sehr spannend – wir haben beide sechs Kilo abgenommen und waren ziemlich fertig. Aber irgendwie haben wir es geschafft und konnten dann auch immer besser segeln.

Und wie sah dann eure tatsächliche Route aus?

Unsere erste Planung war ja durch den Suezkanal, aber da haben uns die Somalia-Piraten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als wir in Sri Lanka waren – das ist im Prinzip der letzte Stopp davor – haben alle unsere Nachbarboote Söldner mit Maschinengewehren an Bord genommen zur Absicherung und sich elektrische Zäune um ihr Boot gebaut. Das war schon ziemlich krass. Wir haben auch mit einigen Söldnern abends ein Bierchen getrunken, aber genug Geld für einen eigenen Söldner hatten wir nicht – die bekommen etwa 350 Pfund am Tag.

Unser Plan B war dann, um Südafrika drumrum zu segeln und so einen großen Bogen um das Piratengebiet zu machen. In Südafrika angekommen, war es dann noch ganz schön weit bis nach Hause, als wir mal so auf die Karte geschaut haben – tierisch weit. Was war näher? Rio de Janeiro wäre doch ganz schön…

Also Plan C – noch über den Atlantik. 44 Tage – unsere längste Strecke ohne Land zu sehen. Von Kapstadt bis nach Rio. Von dort aus ging es hoch in die Karibik, nach Amerika und dann über den Nordatlantik zurück bis nach Deutschland, wo wir dann am 30. Oktober 2015 angekommen sind.

Was war die brenzligste Situation während eurer Reise?

Das war auf unserer zweite Fahrt, in der Torres-Straße. Die Jungfernfahrt ging ja von den Salomon-Inseln nach Papua Neuginea, was wir mit Ach und Krach geschafft haben. Von dort ging es weiter nach Australien und da muss man durch die Torres-Straße. Das ist ein Kanal, durch den alles durch muss um vom Pazifik in den Indischen Ozean zu kommen – also auch wir.

Dann war da auch noch Nacht. Es wurde zwar in einem Buch davor gewarnt, nicht bei Nacht zu segeln, aber Hannes meinte, „Ist doch quatsch, wir haben ja GPS und das Buch ist eh aus den Siebzigern.“ Also haben wir nicht drauf gehört und sind einfach drauf los.

Außerdem würde nur am Tage segeln bedeuten, dass wir Nachts Ankern müssten – und das hatten wir bis dahin noch so gut wie nie gemacht. Insofern war es sicherer weiter zu segeln.

Also sind wir eben Nachts dadurch und es war wie auf einer Autobahn – man hat nur Lichter gesehen: grün und rot. Grün ist für die Steuerbord-Seite, rot für die Backbord-Seite eines Schiffes. Wenn man beide gleichzeitig sieht, hat man ein Problem, dann kommt das Ding nämlich genau auf einen zu. Und genau das passierte uns dort.

Wir waren extra abseits vom Kanal, fühlten uns eigentlich ganz sicher, aber plötzlich kamen diese zwei Lichter auf uns zu, wurden immer größer, kamen im näher. Wir haben versucht auszuweichen, Wenden gemacht, Halsen gemacht, alles gemacht, was man mit so einem Segelboot machen kann. Die Lichter kamen trotzdem immer näher und waren irgendwann so groß und so direkt vor uns dass ich dachte „jetzt ist es vorbei“. Ich habe nur noch die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, mich ins Cockpit geschmissen und dachte nur „Scheiße, jetzt ist wirklich alles aus“. Aber der Tanker hat uns Millimetergenau verfehlt. Ich weiß immer noch nicht genau wie – aber auf einmal fuhr da diese Wand an uns vorbei.

Benni hat das eigentlich gar nicht richtig gesehen. Der hockte nämlich in Embryonalstellung vor mir. Ist sehr schön, wenn ein Captain das Boot aus dem Ruder laufen lässt und man manövrierunfähig ist… Aber irgendwie ging dieses Schiff haarscharf an uns vorbei. Da standen zwei Dudes auf der Brücke und die haben überhaupt nicht runtergeschaut. Die haben uns einfach überhaupt nicht gesehen. Da hatten wir wahnsinnig viel Glück, dass wir da nicht einfach über den Haufen gefahren worden sind.

Normalerweise würde man vorher das Schiff einmal anfunken und mal nachfragen ob die uns hören. Aber das haben wir nicht gemacht. Immer wenn ich das machen wollte, hat Benni mich zurück gehalten.

Ja… ich habe nämlich auf meinen Funkschein verzichtet. Bei dem Online-Segelschein konnte man auch einen Funk-Schein machen, aber der hätte dann nochmal 250 Dollar extra gekostet, also habe ich großzügig auf diesen Schein verzichtet.

Hat ja dann auch so gereicht, ohne sie vorher anzufunken, aber es war mir ehrlich gesagt ein bisschen zu knapp. Keine 15 Minuten später – die Knie haben gerade aufgehört zu schlottern – kam das nächste Schiff auf uns zu. Da hab ich zu Benny gesagt „So, das war’s. Ich funk den jetzt an.“ Und dann wurde es zum Glück nie wieder so knapp – außer das eine Mal, als wir aus Versehen zwei Flaschen Wein geleert haben während der Fahrt…

Und was war der besonderste Moment?

Wir hatten natürlich viele besondere Momente auf unserer Reise. Die Musiker, die wir getroffen haben – über 200 Musiker in 31 Ländern, mit denen wir Musik aufgenommen haben. Teilweise konnten wir gar nicht richtig mit denen kommunizieren, weil die kein Englisch konnten. Da haben wir versucht, mit Händen und Füßen zu erklären, was wir machen, was unser Projekt überhaupt ist. Das waren immer krasse und coole Begegnungen.

Ansonsten war es auch immer ein toller Moment wieder aufs Boot zu steigen und wieder die Segel zu hissen nach einigen Wochen Landgang. Die Landgänge waren zwar immer schön und spannend, aber natürlich auf Dauer auch anstrengend und ermüdend. Da war es schön, dann auch wieder auf dem Wasser zu sein, die ersten Tage nur die Welt zu beobachten, draußen zu liegen, ein Buch zu lesen, einfach nur zu genießen, den Geräuschen zuzuhören und den Wind zu spüren. Und einfach zuzusehen, wie das Boot nur durch Wind gesteuert tage- und wochenlang vor sich hinsegelt. Das hat uns immer sehr glücklich gemacht und war eine schöne Abwechslung zum Land- und Lotterleben.

Auch jetzt gerade ist es wirklich ein wunderschöner Moment. Wir sind ja gerade auf unserer Kinotour, wo wir den Film zeigen und dürfen danach immer noch einen Song spielen. Dabei schauen wir oft in strahlenden Augen von den Zuschauern, die durch unseren Film irgendwie verzaubert sind und so glücklich und bewegt aussehen. Es ist schön zu sehen, dass wir die Menschen bewegen mit dem, was wir gemacht haben, weil man ja doch viele Jahre dafür gekämpft hat.

Was waren die Highlights eurer Reise?

Wir haben so viele tolle Länder gesehen, da ist es schwer zu sagen, welches das schönste war. Jedes Land für sich ist ja besonders.

Ich muss auch sagen, dass man Deutschland nach 31 gesehenen Ländern mit anderen Augen sieht – und Deutschland ist echt schön! Wenn Mädels um drei Uhr nachts betrunken mit dem Fahrrad fahren können, ohne Sorge zu haben, vergewaltigt zu werden, ist das schon ein schönes, sicheres Land, was wir hier haben. Das war in einigen Ländern, die wir besucht haben, nicht so.

Auf Kuba hatte ich das erste Mal den Gedanken, wenn ich Geld über hätte, könnte man sich mal überlegen ein Hostel aufzubauen und eine Weile in Kuba zu verbringen. Und ansonsten fand ich Kanada sehr schön – eine schöne Mischung aus Europa und den USA. Da waren auch einfach tolle Leute.

Darauf kommt es ja immer so sehr an: wen man trifft, wen man vor Ort hat. Das ganze Land kann man ja sowieso nie erfassen. Wir sind immer so drei Wochen an Land und drei Wochen auf See gewesen. Da ist man ja dann nur in einer Gegend und lernt nicht das ganze Land kennen.

Ich fand Vietnam auch ziemlich cool. Wir kamen gerade aus Thailand und das war zwar auch toll aber irgendwie schmutzig und unorganisiert. Und in Vietnam sahen die Märkte dann so super gepflegt aus, das Essen war super lecker und die Leute sind super miteinander umgegangen. Vor allem Männer mit Frauen – da haben glaube ich echt die Frauen die Hosen an. Und wie sich die Frauen da auch anziehen – so aufreizend. Da ist einfach eine coole Stimmung. Also nach Vietnam würde ich auch auf jeden Fall nochmal ohne mit der Wimper zu zucken hin.

Vor allem auch wegen der Muscheln, die Hannes nicht essen konnte. Wir haben dort auf einem Markt die geilsten Muscheln in Knoblauch gegessen. Wir haben es zwei- dreimal ausprobiert, aber Hannes musste dann leider feststellen, dass er eine Muschelallergie hat. Das ist vielleicht der Grund, warum die nicht nur positiv an Vietnam zurückdenkst… 

Wie habt ihr eure Musiker gefunden?

Musiker finden war eigentlich immer total einfach – also fast immer. Wir haben am Anfang ganz viele Musiker getroffen, indem wir den Leuten erzählt haben, was wir machen. Wir hatten damals lange Bärte, verknotete zausrige Haare und sahen ziemlich wild aus. Da kamen die Leute oft schon direkt auf uns zu, wenn wir an Land gegangen sind. Oft haben wir auch direkt vorm Strand geankert und sind nur noch in unseren Badeshorts mit dem Schlauchboot rüber gepaddelt. Da haben die Leute oft schon neugierig geschaut und sich wahrscheinlich gefragt, „was sind das denn für Vögel?“.

Dann haben wir von unserem Projekt erzählt: „Wir sind gerade über den indischen Ozean gesegelt und nehmen jetzt Musik auf und suchen nach Musikern.“ Da hatten die Leute eigentlich immer einen Tipp. Irgendwie kennt jeder mindestens einen Musiker – es gibt einfach zu viele Musiker auf der Welt, vor allem so viele Gitarristen. Meistens hatten wir dann schon direkt für den nächsten Tag ein Date zum Musik aufnehmen, mit einem Bruder, einer Freundin, Oma oder Tante.

Wir haben uns dann die Leute genommen und uns von ihnen zu ihrer Lieblingsstelle bringen lassen – an den Strand, auf einen Berg, auf einen Baum, in eine Kirche… und dann haben wir die Musiker dort aufgenommen. Erstmal haben wir Ihnen dann Musik vorgespielt – oft wussten wir auch schon, was jetzt passen könnte. Wenn es z.B. ein Geiger war, dann hat man direkt schon ein paar Songs im Ohr von den Ländern davor. Das war ja unsere Mission: Musiker aus unterschiedlichsten Ländern miteinander spielen zu lassen. 

Später, als das Projekt etwas bekannter wurde, haben wir Nachrichten über Facebook oder E-Mails bekommen mit Tipps a lá „Wenn ihr Rio seid, müsst ihr unbedingt Juan am Schlagzeug aufnehmen, der ist mega gut.“ So war es relativ easy an die Leute zu kommen und man wusste dann schon, dass die auch gut sind. Aber natürlich haben wir auch einige Gurken aufgenommen. Aber jeder hat irgendwo einen Platz bekommen in einem Song – auch wenn er vielleicht nur 1-2 Töne richtig getroffen hat, hat es den Song weitergebracht und ein Stück schöner gemacht.

Am einfachsten war es immer, wenn wir Tipps von Freunden bekommen haben, die schon dort gewesen waren. Dann wussten wir schon, dass das gute Musiker sind. Aber letztendlich – sobald man einfach irgendwo vor Ort ist und etwas unternimmt, trifft man unweigerlich auf Leute, die irgendwie cool sind – im Prinzip sind wir wie so Magneten durch die Gegend gelaufen und hin und wieder hat es gepasst, dass jemand lang gelaufen kam, der sich von uns angezogen fühlte. Und so haben wir Leute auch teilweise ganz zufällig kennengelernt.

Was habt ihr auf der Reise vermisst? 

Bier. Deutsches Bier!

Und Döner.

Essen auf jeden Fall – Muttis Kartoffelsalat und das „Viel-Tier-Gericht“ von deiner Oma.

Freunde und Familie natürlich und ganz schlimm war dann natürlich das Essen, das man vermisst hat, wenn man lange auf See war. Ein bisschen besser wurde es dann bei mir als wir angefangen haben, Raviolis zu kaufen in den französischen Kolonien.

Ach herrlich so eine schöne Dose Ravioli – schön kalt – da kommen direkt Festival-Erinnerungen hoch.

Nach Wochen auf See vermisst man auch Sachen wie eine schöne Dusche oder ein weiches Bett, das nicht nass oder salzig ist. Wir haben da teilweise auch so geschwitzt, weil wir die meiste Zeit am Äquator entlang gesegelt sind – da waren es auch nachts so um die 35 Grad. Die Matratzen sind einfach nie wirklich trocken geworden.

Wie hat euch die Reise verändert?

Wenn man sich so im Nachhinein anschaut, was wir so gemacht haben… Das waren schon zwei andere Typen – zwei verrückte Vögel.

Die Zeit war für uns reif, das zu machen, mit einer sehr erweiterten Komfortzone – unendlich weiter Komfortzone – unsere  Mission durchzuführen auf Biegen und Brechen. Man wird offener gegenüber allem. Ich konnte vorher nicht wirklich Englisch sprechen – das hat sich mittlerweile zum Glück geändert. Jetzt habe ich über die Sprache die Möglichkeit, mich mit vielen anderen Menschen austauschen zu können. Das ist was wahnsinnig Schönes. Ich war vorher nicht viel reisen, mittlerweile habe ich Freunde auf der ganzen Welt.

Wir sind am Ende des Studiums losgefahren und sind dann peux a peux in die Selbstständigkeit gerutscht. Wir haben viele Erfahrungen gemacht, viel lernen dürfen. Wir haben früher immer gehofft, dass wir einen großen Sponsor finden würden, der uns fett rausbringt. Mittlerweile bin ich froh, dass das nicht passiert ist und wir alles selbst miterleben und selbst lernen durften.

Was mich am meisten verändert hat: wir wurden überall mit offenen Armen empfangen, völlig ohne Vorbehalte. Die Leute haben uns die Türen zu ihren Wohnzimmern und Herzen aufgemacht, überall hin eingeladen und auch die ärmsten Leute der Welt haben uns noch für einen Dollar ein Bier gekauft, obwohl das für die richtig teuer ist. Das war immer ein bisschen so, wie wenn sich Oma und Papa um die Rechnung streiten – „Ich bezahl“, „Nein, ich bezahl“.

Mittlerweile, wenn man wieder zurück in Deutschland ist, merkt man, dass man oftmals nicht so offen durch die Welt geht, wie das uns entgegengebracht wurde. Ich hoffe, das bekomme ich noch hin. Aber wir sind glaube ich auf einem guten Weg.

Wie sieht euer Leben seit eurer Rückkehr aus? 

Wir sind am 30. Oktober 2015 angekommen und entweder am selben oder am Tag danach ging schon die dreimonatige Vortragstour los. Danach kamen direkt die nächsten Termine. Wir sind also quasi aus der Koje von Bord in das Wohnmobil gestiegen und sind durch die Straßen Deutschlands gesegelt.

Seitdem haben wir über 300 Vorträge gemacht und wir haben eine dreimonatige Musik-Tour organisiert. Das war unser größter Traum: dass wir die besten Musiker, die wir unterwegs getroffen hatten, nach Deutschland einfliegen und gemeinsam auf Tour gehen. Dass die sich dann endlich mal treffen, sehen und mit einander spielen können. Das war vor zweieinhalb Jahren.

Seit eineinhalb Jahren sind wir dabei diesen Kinofilm fertig zu machen. Das hat lange gedauert und war viel Arbeit. Wir haben zum Glück nicht alles selbst gemacht – unser Produzent Micha Schulze hat viel Arbeit, Fleiß und Schweiß reingesteckt, Hannes hat das Voiceover und die Musik gemacht. Und seit März bis Ende des Jahres sind wir auf Kinotour, Promotour und versuchen den Menschen von unserem Projekt zu erzählen.

Wir glauben, wir können viele Leute bewegen, auch rauszugehen. Das ist unsere Motivation – jeden Abend wenn wir aus den Kinos gehen und wir noch die Möglichkeit haben, mit den Leuten zu reden. Glückliche Gesichter zu sehen. Gesichter, die irgendwas verändert hat.

Wir haben gestern jemanden getroffen in Braunschweig, der Typ hat uns schonmal vor vier Jahren bei unserem Vortrag gesehen. Er hat daraufhin seinen Segelschein gemacht und ist nun über den Atlantik gesegelt. Ein Typ ist neulich auf uns zugekommen und hat gesagt „Danke, ich weiß jetzt was ich mache. Ich kündige morgen meinen Job. Danke euch. Macht’s gut. Tschüss“ und ist einfach weggegangen

Es gibt solche Leute. Man sieht es in ihren Augen, dass sie vielleicht einen Schritt wagen, den sie vorher nicht gewagt hätten. Das beflügelt uns und das lässt uns weitermachen.

Wir sind jetzt angekommen in Hannover und gleich ist Soundcheck. In diesem Sinne,

Ahoi und bis bald!

Mehr Geschichten von der Reise findet ihr übrigens im (B)Logbuch auf www.sailingconductors.com. Oder ihr stöbert euch durch den Instagram-Kanal der Sailing Conductors.

“Blown Away” im Kino

… mit anschließendem Live-Konzert. Hier geht’s zu deutschlandweiten Kino-Tour.

Das Buch zur Reise

… schmöker ich gerade mit viel Spaß durch und kann es jetzt schon empfehlen!

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Das Album “Songs vor Marianne”

… klingt großartig, ist abwechslungsreich und perfekt für Unterwegs

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