Kitesurfen lernen

Anfängerkurs bei den Windgeistern auf Fehmarn

Kitesurfen: ein Wassersport, bei dem man einen Drachen steuert und dabei auf einem Surfbrett steht. Klingt absurd? Ist es vielleicht auch ein bisschen. Allerdings ist “absurd” meistens die Grundlage für eine coole neue Erfindung. 

Dabei ist das Kitesurfen schon längst nicht mehr neu – die ersten Baby-Schritte gab’s schon Anfang der Neunziger. Kurz vor der Jahrtausendwende folgte dann der Durchbruch auf Maui (wo auch sonst…) und seitdem gewinnt die Sportart jedes Jahr mehr Anhänger. 

Eigentlich kaum verwunderlich, immerhin kann man beim Kitesurfen unabhängig von Wellen über das Wasser gleiten und – wer möchte – sogar hoch durch die Lüfte fliegen. Dabei wird die Sportart durch immer neuere und ausgetüftelte Systeme mit jedem Jahr sicherer und so kann man den Sport eigentlich in jedem Alter erlernen. 

Apropos Alter: seit ca. 8 Jahren möchte ich diesen Sport lernen. Vom Kunstturnen kommend, fixte mich die Idee von Saltos auf dem Wasser total an. Kitesurfen ist allerdings alles andere als günstig. Kurse und Equipment kosten ordentlich Geld und sprengen so manches Studentenbudget. Natürlich lässt es sich irgendwie zusammensparen – aber bei mir landete das Geld dann doch jedes Jahr vorrangig in Reisen und dem weitaus günstigeren Wellenreiten. 

Dieses Jahr bin ich allerdings 30 geworden und diese magische Zahl führt ja oft zu einer individuellen Bucket List. Was wollte man eigentlich bis zum 30. alles erreicht haben? Beim einen ist es Job, Haus, Kind – beim anderen eben Kitesurfen lernen. Und so machte ich Nägel mit Köpfen und meldete mich endlich zu meinem ersten Kitesurf-Kurs an.

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Dieser Beitrag ist mit Unterstützung der Windgeister entstanden.  Ich hatte mich allerdings bereits vor unserem Deal für diese Kite-Schule entschieden, da sie einen top Ruf hat und Fehmarn nunmal einfach ein idealer Spot ist. Warum und wieso, dazu gleich.

Nachdem ich mich nun also endlich zu meinem ersten Kite-Kurs angemeldet hatte, kam mir die Idee: warum nicht darüber schreiben? Die Jungs von den Windgeistern fanden die Idee super und so tauschten wir Kurs gegen Artikel. Voilà! Wie immer kann man bei mir aber davon ausgehen, dass ich nichts als die ungeschönte, unverblümte Wahrheit schreibe.

Vielen Dank liebes Windgeister-Team für den tollen Kurs, die witzige Atmosphäre und die sorgfältige Betreuung. Ich bin total angefixt und komme bald wieder! 

Kitesurfen lernen auf Fehmarn

Die Antwort auf die Frage “Wo lernt man am besten Kitesurfen?” hatte ich für mich schnell beantwortet: Fehmarn. Aus Hamburg ist es schnell erreicht – wobei das natürlich auch für St. Peter-Ording gilt. Fehmarn hat allerdings einen großen Vorteil: es ist eine Insel und so fährt man eben je nach Windrichtung an ein anderes Ufer. Fehmarn hat außerdem ein riesiges Stehrevier – wofür das gut ist, wird dir bald klar werden. 

Am frühen Samstag Morgen Mitte Mai düse ich aus einem sonnigen Hamburg Richtung Norden. Kurz vor der Überfahrt nach Fehmarn wird es immer nebliger und die Fehmarnsundbrücke  scheint einfach ins Nirgendwo zu führen. Noch ein schnelles Frühstück am Hafen von Orth, denn hier sitzt die Windgeister-Kiteschule.

Um 10 Uhr geht’s dann endlich los! Also fast. Erst einmal gibt es ein wildes Getümmel im Surfshop: die anderen Teilnehmer der Vierergruppe kennenlernen, der eine braucht noch Neoprenschuhe, der andere berichtet schon von der ersten Camping-Nacht auf Fehmarn. Zwischen all dem Geschnatter unser noch etwas verschlafener Kite-Lehrer Stephan, der versucht, sich irgendwie Gehör zu verschaffen. 

Im Schulungsraum bekommen wir erst einmal das nötige Theorie-Know-How für den ersten Tag. Wie ist so ein Kite aufgebaut und wie steuer ich ihn? Wo ist das Windfenster? Wichtige Grundkenntnisse – aber wir sind trotzdem alle hibbelig und können es nicht erwarten, endlich zum Wasser zu kommen. 

Los geht’s: ab ans Wasser!

Mit brummenden Köpfen sammeln wir das Material für den Tag zusammen: jeder bekommt einen Neoprenzanzug – oder schmeißt sich fix in den eigenen. Helm, Trapez und einige Kites in verschiedenen Größen. Nicht zu vergessen zwei Boards, damit man auch sieht, was wir hier eigentlich machen wollen. 

Im Gänsemarsch und bepackt bis oben hin, stiefeln wir über den Deich zur Bucht. Die Schafe scheint das nicht weiter zu stören und nach einem neugierigen Blick wird einfach weiter gefrühstückt.

Vorbereitungen fürs Kitesurfen: Wie baut man einen Kite auf?

Am Wasser angekommen wird mir schnell eines klar: den bekannten Impuls vom Wellenreiten (zum Wasser gehen, Leash ans Bein und ab dafür) muss ich beim Kitesurfen ganz schnell lernen zu unterdrücken. Denn bis alles vorbereitet ist, geht ein bisschen Zeit ins Land. Vor allem, wenn man noch keine Ahnung oder jedenfalls keine Routine darin hat. 

Wir rollen die Kites aus, pusten die Tube auf (ein Schlauch an der Front, also der Vorderseite, der dem Kite die Stabilität gibt) und wickeln die Leinen ab. Stephan erklärt uns wie die Bar (das ist die Lenkstange vom Kite) aufgebaut ist, wie man damit steuert und vor allem wie das Sicherheitssystem funktioniert. Spätestens hier wird klar: ohne einen Kurs einfach aufs Wasser zu gehen, wäre der blanke Wahnsinn und einfach sau gefährlich. Doch mit all dem Wissen ausgestattet und ein paar Mal Ausprobieren des Safety-Systems (um sich im Notfall, wenn man die Kontrolle über den Kite verliert, davon zu lösen – quasi der Schleudersitz des Düsenjets) fühlen wir uns gut vorbereitet um uns endlich ins Wasser zu wagen und loszulegen. 

Endlich ins Wasser mit den Kites!

Ein paar letzte Vorbereitungen noch. Noch fix dehnen, die Wind- und Wettervorhersage nochmal checken, mit dem Rücken in den Wind stellen und das Windfenster überprüfen. Doch dann geht es endlich los. Vorsichtig reichen wir die Kites über die Steine ins Wasser und laufen ein ganzes Stück vom Ufer weg.

Nun wird auch klar, wieso ein großes Stehrevier so wichtig ist. Man möchte so weit weg vom Ufer sein, dass der Kite mit seinen 24 Meter langen Leinen nicht darauf aufprallt. Noch einiges an Sicherheitsabstand, weil er einen vor Absturz ja vielleicht auch noch ein Stück in die Richtung zieht – also insgesamt gute 50 Meter weg vom Ufer. Man stelle sich vor, wie ätzend es wäre, den Kite schwimmend zu steuern und sich parallel das Brett unter die Füße zu schnallen… 

Mit dem zweiten fliegt man besser

Der Kite-Unterricht erfolgt meistens im Zweier-System. Das heißt, dass sich zwei Schüler einen Kite teilen und abwechselnd dran sind. Klingt erstmal doof, denn man will ja soviel Zeit wie möglich üben. Am Anfang ist die ganze Sache aber doch ein bisschen unheimlich und so ist man schnell sehr glücklich über seinen Buddy, der einen am Trapez festhält, wenn es mal einen unvorhergesehenen Ruck nach oben oder vorn gibt.  Bei mir ist dieser Ruck am ersten Tag so stark, dass es mich komplett aus dem Wasser zieht. Kathrin hängt zwar wie Anker an mir, wird aber trotzdem noch halb heraus gezogen. Mit einem großen Satz landen wir unelegant im Wasser, gehen eine Runde den Fischen Moin sagen und tauchen prustend und lachend wieder auf. 

Auch wenn man den Kite nicht die gesamte Zeit selber steuert, lernt man auch viel in der Zeit dazwischen. Indem man den anderen beim Steuern zwangsläufig von hinten zusieht, erkennt man schneller typische Fehler und kann sich gegenseitig Korrektur-Tipps gegen. Und mit Glück wird man mit jemandem zusammengewürfelt, mit dem man sich auch noch richtig gut versteht. 

Durchs Wasser

Nach dem ersten ungewollten Tauchgang üben wir gegen Ende des ersten Tages den “Bodydrag”. Dabei lässt man sich von der Zugkraft des Kites auf dem Bauch durchs Wasser ziehen. Die erste Runde hängen wir uns hintereinander an Stephan ran – mit dem Ergebnis, dass er mit drei jauchzenden Hühnern durchs Wasser cruist. Ich nehme stark an, das sind die Situationen, über die sich die Windgeister-Jungs abends beim Bierchen beäumeln vor Lachen. Und zwar vollkommen zu Recht. 

Vollkommen berechtigt ist allerdings auch unser Gejauchze, denn es bringt einfach schon so viel Spaß, sich durchs Wasser ziehen zu lassen, dass ich es nun noch weniger erwarten kann, endlich aufs Brett zu kommen. In schnellen liegenden Achtern steuere ich den Kite durch die Luft und flitze am anderen Ende der Leinen im Zick-Zack durch die Ostsee. Herrlich!

Fortsetzung, Flaute und Frust

Nachdem uns am ersten Tag starker Wind und Böen ungewollt und gewollt durchs Wasser gezogen hatten, herrscht am 2. Tag totale Flaute. Mit großen Kites ausgestattet, sind wir beinahe die einzigen auf dem Wasser. Wir tun was wir können, aber ständig fällt der Kite einfach vom Himmel, landet verkehrt herum im Wasser und wir ziehen uns einen Wolf an der Leine um ihn zum Drehen zu ermuntern. Doch ohne Wind bleibt er träge im Wasser liegen und bei uns steigt der Frust. Eigentlich würden wir ja gern so langsam aufs Board klettern und versuchen einen ersten Start hinzulegen. Aber so wird das nix. 

Auch jetzt ist es Glück im Unglück nicht allein im Wasser rumzudümpeln sondern gemeinsam mit seinem Buddy den Kite anzuschreien, er möge sich bitte aus dem Wasser verkrümeln, aus Frust aufs Wasser einzuschlagen und statt Kite-Surfen eine Wasserschlacht anzuzetteln. 

Ab aufs Board

Das mit dem Stehen auf dem Board können wir mangels Wind echt haken. Aber wir wollen uns wenigstens liegend ein bisschen ziehen lassen. Also quasi ein seitlicher Bodydrag, während man sich seitlich auf das Board legt und mit einer Hand den Kite möglichst stabil auf ca. 10/11 Uhr bzw. 1/2 Uhr hält. Wir holen uns einen noch größeren Kite vom Strand (je größer der Kite, desto mehr Angriffsfläche für den Wind, desto eher fliegt er auch bei wenig Wind). 

Doch auch das riesige Schiff am Himmel will bei dem lauen Lüftchen kaum auf einer Stelle bleiben. Ein paar Mal gelingt uns aber dennoch und wir gleiten die ersten paar Meter mit Board durchs Wasser. 

 

Abschlussprüfung und Abschied auf Zeit

Auch wenn der zweite Tag etwas mau war – so ist das eben beim Wassersport… – war es ein toller Start! Total angefixt vom Kitesurfen, legen wir in der Sonne noch alle unsere Theorie-Prüfung ab und bekommen unsere Kite-Lizenz. Die braucht man um irgendwo im Kite-Shop Material auszuleihen. Wie beim Schwimmen früher, kann man sich sein jeweiliges Level darauf bescheinigen lassen. 

Level 3 erreichen wir zwar ohne Stehen auf dem Board nicht mehr (das gibt’s erst ab 50 am Stück gefahrenen Metern), aber eins ist klar: wir kommen schon bald wieder und dann folgen auch ganz schnell die ersten Saltos in der Luft!

Fortsetzung folgt…

Mitte Juni geht’s für mich und meinen Kite-Buddy Kathrin zurück nach Fehmarn. Zwei weitere Kurse bei den Windgeistern sollen uns aufs Board bringen. Daumen drücken, dass der Wind mitspielt! Ich werde berichten… 

Praktisches und Nützliches

  • Sicherheit

    Bitte komme nicht auf die Idee, dir Material zu kaufen und mit angelesenem Halbwissen ins Wasser zu gehen. Dort gefährdest du nicht nur dich, sondern auch alle anderen. Mach einen Kurs. Es lohnt sich! 

  • Wo Kitesurfen?

    Natürlich gibt es noch viele andere Orte, wo du Kiten lernen kannst. Fehmarn und St. Peter-Ording sind wahrscheinlich die Klassiker. Aber auch an größeren Seen gibt es Kite-Schulen. Allerdings ist der Wind auf Binnengewässern immer instabiler und böiger als am Meer. Gerade für den Anfang ist es besser, möglichst stabile Windbedingungen zu haben.

    Fehmarn kann ich rundum empfehlen. Es ist eine kleine schöne Insel, es gibt ganz viele Spots zum Kiten und vor allem auch viele Spots zum umsonst oder günstigen Campen. Dort wirst du viele andere Kitesurfer kennenlernen und kannst dir beim gemeinsamen Grillen abends Tipps und Mitfahrer für die nächste Tour suchen. 

  • Kursempfehlung

    Es gibt zahlreiche Kite-Schulen und die Auswahl fällt gar nicht so leicht. Die “Windgeister” kann ich wirklich empfehlen und werde selbst auch meine nächsten zwei Kurse wieder dort machen! 

    Du kannst zwar auch einen einzelnen Tages-Kurs buchen, aber ich empfehle dir, direkt mit einem Wochenende zu starten. So festigst du am zweiten Tag direkt deine ersten Erfahrungen und hast eine höhere Chance auf gute Windbedingungen. 

    Die Kursauswahl bei den Windgeistern findest du hier.

  • Packliste Kitekurs

    Neoprenanzug: Wenn du einen hast. Ansonsten Badehose/Bikini zum Unterziehen für einen Leihanzug. 

    Neoprenschuhe: Musst du meistens aus Hygienegründen selber mitbringen oder vor Ort kaufen. Schau also vielleicht schon vorher nach günstigen Alternativen. 

    Sonnenbrille: am besten eine einfache aus Kunststoff, die nicht leicht verrutscht und zur Not auch verloren/kaputt gehen kann. 

    Sonnencreme: auch wenn es neblig ist und du keinen Fitzel Sonne am Himmel siehst. Das Wasser reflektiert. Versprochen. 

    Snacks: du wirst über den Mittag die ganze Zeit am Wasser sein. Bananen, Müsliriegel und Wasser solltest du also mitnehmen. 

    Pulli/Jacke: an Land in Pausen oder beim Auf- und Abbau.

    Neoprenjacke: Wenn du eine hast oder günstig eine findest, nimm sie mit. Wenn es kalt ist und du gerade nicht selber den Kite steuerst, kühlst du schnell aus. Oder frage in der Kite-Schule, ob sie welche verleihen. 

    Spaß, Neugier und gute Laune: Hilft auch gegen Windflauten.