La Palmas Südwesten

Vulkangestein, Salinen und Weinanbau

Wie eine umgedrehte Träne verjüngt sich La Palma Richtung Süden zu einer spitzen Landzunge, die ins Meer hineinragt. Dort, ganz am Ende der Insel, wird in Felsbecken aus Lavagestein Salz gewonnen. Auf dem Weg dorthin nimmt die Bebauung der Insel mit jedem Kilometer weiter ab und wird erst von Wein, später von Nadelwäldern und irgendwann von einer kargen Vulkanlandschaft abgelöst. Viele Straßen führen nicht in den Süden – genau genommen gibt es nur zwei: eine entlang der Westküste und eine im Osten. Verkehrschaos gibt es trotzdem nicht. Dafür ist La Palma vielleicht einfach noch nicht touristisch genug – zum Glück! 

Ein bisschen touristisch wird es nur in Puerto de Naos, die einzige Stadt auf La Palma, die im Ansatz ihren Geschwistern Gran Canaria oder Fuerteventura ähnelt: ein paar Bettenburgen und eine herausgeputzte Strandpromenade, aber alles noch in einem vertretbaren Rahmen. Zwischen Puerto de Naos und Tazacorte gibt es einen wunderschönen wilden Küstenabschnitt aus schwarzen Steinen und tiefblauem Ozean vor saftig grünen Palmenmeeren, die nur durch einige wenige kleine Fischerdörfer unterbrochen werden.

Playa Los Guirres

Eigentlich waren unterwegs und auf der Suche nach einem Restaurant oder Bistro für eine Mittagspause. Mal wieder dem Essens-Symbol auf Googlemaps zum “Kiosco El Guirre” gefolgt und dabei einen echt abenteuerlichen Weg durch die Palmenplantagen genommen, weil der Hauptweg durch einen LKW blockiert war. Dort angekommen war das Kiosk zwar leider geschlossen, dafür offenbarte sich uns eine traumhaft schöne Küste. Wir spazierten einen Weg am Meer entlang, vorbei an zerklüfteten schwarzen Steinen. Neben uns der blaue Ozean, der in riesigen Wellen herangerollt kam, die sich am Fels in einer großen Fontäne zerschlugen. 

Restaurant Las Norias

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Nachdem wir am Strand Los Guirres nur ein geschlossenes Kiosk vorgefunden hatten, entdeckten wir unterwegs ein tolles Restaurant. In einem kleinen, von Pflanzen umgebenen Innenhof gibt’s einen großen Grill in einem eigenen kleinen Steinhäuschen mit Kamin! Die Fleischspieße sind die Wucht und man sitzt dort sehr gemütlich. 

La Bombilla

Die Küste weiter gen Süden, folgten wir einem Tipp meiner Freundin Ylva, deren Eltern mal eine Weile auf La Palma gewohnt haben: eigentlich eignet sich La Palma gar nicht zum Surfen, aber wenn, dann findet man am Strand “La Bombilla” vielleicht mal ein paar Locals im Wasser. Hin da! Soviel vorweg: Surfer waren keine weit und breit und ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, wie man bei dieser felsigen Küste surfen möchte… 

Trotz allem war es ein super Tipp, denn völlig unerwartet fanden wir ein etwas abgerocktes, aber total charmantes Fischerdörfchen vor. Ein riesiger Felsbrocken empfängt einen am Parkplatz, davor stehen zwei in die Jahre gekommene Fußballtore. Ein kleiner Spaziergang über die schwarzen, warmen Steine am Meer ist einfach nur herrlich. Die salzige Luft in den Haaren und mit Sicherheitsabstand zu den handtellergroßen schwarzen Krebsen, die sich am Ufer tümmeln, lässt es sich eine ganze Weile dort aushalten.

Puerto de Naos

Eigentlich verrückt, dass La Palma sich bisher seinen Charme so gut erhalten konnte. Im Gegensatz zu einigen der Nachbarinseln, gibt es hier überwiegend kleine, niedrige Häuser. Einziges Zugeständnis an den Tourismus findet man in Puerto de Naos, im Westen der Insel. 

Hier gibt es ein paar wenige hohe Plattenbauten, die die Bucht einrahmen. An der Strandpromenade selbst, stehen allerdings überwiegend normale Häuser – teilweise sogar sehr hübsch im Kolonialstil. Am Strand warten einige Liegen und Sonnenschirme auf Sonnenanbeter, für Sonnenbad-Pausen gibt es das ein oder andere Café und Bistro. Wenn das hier das touristischste Fleckchen von La Palma ist, dann kann ich damit wirklich gut leben. 

Plaza La Glorieta Las Manchas

Von Puerto de Naos ist es nur ein Katzensprung zu einem kleinen Weinanbaugebiet im Zentrum der Insel. Las Manchas liegt schon recht weit oben in den “Vulkanbergen” und bietet offenbar sehr gute Bedingungen für die Pflanze, aus der unser liebster Tropfen besteht. 

Das Dorf selbst ist ein sehr verschlafenes Nest, doch ein kleiner Stopp am kleinen Platz “La Glorieta” lohnt sich – zum Fotografieren, Inspirieren oder für eine kleine Pause mit einem guten Buch. Der Platz könnte so auch in Barcelona anzutreffen sein, denn er ähnelt den Kunstwerken Gaudis: bunte Fliesenmosaike, Säulen und eine schöne Pflanzenvielfalt. 

Casa Museo del Vino Las Manchas

Für die, die sich nicht nur für Geschmack und Wirkung des Weins interessieren, sondern auch für seinen Herstellungsprozess, lohnt sich ein kurzer Besuch im Weinmuseum unweit des Platzes La Glorieta. Groß ist es nicht, kostet aber nur ein paar wenige Euro Eintritt. Auf Infotafeln wird der Anbau auf La Palma erklärt. Für Lesefaule gibt’s im Garten eine Auswahl an verschiedenen Weinsorten (die Pflanzen, nicht das fertige Getränk…) und eine alte Weinpresse zu begutachten. 

Fuencaliente

Je weiter man Richtung Süden fährt, desto karger wird das Landschaftsbild. Schwarzes Lavagestein, geformt wie abstrakte Kunst, so weit das Auge sehen kann. Kein Wunder – denn im Zentrum des Südzipfels von La Palma befindet sich der Vulkan San Antonio. Man kann ihn besichtigen und auf seinem Kraterrand spazieren – allerdings wirkte das ganze Areal so touristisch und herausgeputzt, dass wir lieber weiterfuhren. 

Beim Vulkan-“Eingang” gibt es auch noch ein Restaurant, das inmitten einige Weinreben und der Vulkanlandschaft sehr einladend wirkte. Allerdings waren wir wohl nicht die einzigen, die das so empfanden – und vielleicht ist es auch der Mangel an Konkurrenz im Süden – die Hütte war jedenfalls proppenvoll. Stattdessen gab es für uns dann ein Eis am südlichen Ende der Insel. 

Leuchttürme von Fuencaliente

Wenn man die südliche Spitze der Insel erreicht, glaubt man wahrhaftig, das Ende der Welt erreicht zu haben – oder durch ein Wurmloch auf dem Mond gelandet zu sein. Schwarze Zacken mit nur wenigen kleinen hellgrünen Farbtupfern dazwischen. Das alles vor dem Hintergrund des weiten Ozeans. 

Inmitten dieses Bildes thronen zwei Leuchttürme: ein alter, kleinerer aus Backsteinen und ein neuerer im klassischen Rot-Weiß. Hinter den Türmen warten schwarze Felsen im Meer darauf, dass Hobby-Fakire auf ihnen herumspazieren. Das Vulkangestein ist nämlich derart spitz, dass man beim barfuß kraxeln echt die Zähne zusammen beißen muss (Warum barfuß?! Mit Birkenstock-Sandalen klettert es sich noch blöder…)

Salinas de Fuencaliente

Noch kontrastreicher als der rot-weiße Leuchtturm, sind die Salinen direkt nebendran. In rechteckigen Becken im Vulkangestein wird aus dem Meerwasser Salz gewonnen. Hat man vielleicht schonmal irgendwo gesehen: das Wasser verdunstet, übrig bleiben die Salzkristalle, die dann abgetragen werden. 

Hier im Süden La Palmas sieht die ganze Sache aber ganz besonders spektakulär aus. Denn das weiße Salz wirkt auf dem schwarzen Stein wie Schnee. Als wäre das noch nicht genug Kontrast, kommt noch das tiefblaue Meer und die rötliche Verfärbung in den Salzbecken hinzu. Die wird übrigens von kleinen Salinenkrebsen verursacht, hab ich irgendwo mal gelesen. Vor allem von oben sieht diese surreale Komposition absolut bombastisch aus. 

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