La Palmas Zentrum

Roque des Los Muchachos
und Caldera de Taburiente

Der Roque de Los Muchachos ist mit seinen 2.436 Metern die höchste Erhebung von La Palma. Ich sage extra “Erhebung”, denn ein Berg im klassischen Sinn ist es nunmal nicht. La Palma ist eine Vulkaninsel und der “Roque” ist der Gipfel des Vulkankegels.  

Wenn schon sonst überall auf La Palma eine gute Chance auf einen traumhaften Sternenhimmel besteht, so ist er auf dem höchsten Punkt der Insel beinahe garantiert. Das haben sich einige Astrophysiker aus verschiedenen Ländern Europas auch gedacht und in den letzten 30 Jahren gemeinsam das ein oder andere Observatorium auf dem Roque de Los Muchachos errichtet. 

Wo bei einem Vulkan der Gipfel ist, ist meistens auch ein Krater. Im Spanischen heißt das “caldera” (= Kessel). Der Name des Nationalparks im Zentrum von La Palma “Caldera de Taburiente” erklärt sich damit dann schon von selbst. Die riesige Vulkanmitte nimmt einen großen Teil der Insel ein und ist ein Paradies für Wanderer.

Hinauf zum Roque de Los Muchachos

Während unseres Urlaubs auf La Palma war klar: wir müssen unbedingt auf den Roque. Unklar war nu das WANN und um WIEVIEL UHR. Ersteres machten wir vom Wetter abhängig und warteten auf einen möglichst wolkenfreien Tag. Die Uhrzeit war Gegenstand einiger Verhandlungen, denn mein Sonnen-Herz (oder ist es die Erziehung?) ist auf Reisen immer auf der Suche nach besonderen Sonnenauf- und untergängen.

Die Faktoren “Öffnungszeit des obersten Bereichs des Roques” und “unbeleuchteter, unbekannter, kurviger Weg hinauf” spielten meinem liebsten Reisebegleiter (und – fairerweise gesagt – auch Fahrer) allerdings in die Hände. Wir fuhren dennoch ganz früh im Dämmerlicht los und  bereits der Weg hinauf hatte etwas magisches. Die morgendliche Sonne blinzelte durch die Nadelbäume und oben angelangt wirkte die Szenerie mit ihren Observatorien wie eine Mondlandschaft. Das lag vielleicht auch ein bisschen daran, dass wir um diese Uhrzeit die einzigen Menschen dort oben waren – was für ein Glück! 

Auf dem Roque de Los Muchachos

Oben angelangt, stellten wir das Auto ab und liefen die letzten ca. 5 Meter hinauf (ein bisschen faul, ich weiß…). Der Blick, der uns erwartete, war so monumental, dass man beinahe einen bombastisches Hans Zimmer Soundtrack dazu erwartete.

Stattdessen herrschte eine mystische Stille – kein Menschen- oder Autogeräusch, keine wehende Blätter im Wind und kein Meeresrauschen. Die Sonne kletterte langsam den Himmel hinauf und brachte den leichten Nebel im Tal zum Schimmern. 

Wir spazierten einen kleinen Weg entlang, der von weitem ein bisschen aussah wie die chinesische Mauer und sich auf eine surreale Art und Weise dennoch ins Landschaftsbild einfügte. Er führte uns vor zu einer Felskante, von der aus man einen wunderschönen Blick in das Tal und auf die Skyline des Vulkanschlunds hat.

Über unseren Köpfen zogen zwei Raubvögel ihre Kreise – neben uns beiden die einzigen Lebewesen, die wir wahrnehmen konnten. Als nach 5 Minuten oder 5 Stunden – die Zeit stand irgendwie still – ein weiterer Besucher den Gipfel erreichte, machten wir uns langsam wieder aus dem Staub. 

Die Straße ein bisschen weiter Richtung Osten, erreichten wir noch einen weiteren Aussichtspunkt, den Mirador des Los Andenes. Der Blick ist zwar nicht ganz so überwältigend wie der vom Roque, aber dennoch sehr schön. Vor allem von der gegenüberliegenden Straßenseite hat man einen herrlichen Blick über die weite Landschaft La Palmas, über die gerade eine Nebeldecke hinweg waberte. 

Von hier aus versuchten wir übrigens einen Shortcut Richtung Norden zu finden um nicht den selben Weg zurück zu fahren, den wir bereits am Morgen gekommen waren. Ein schmaler geteerter Weg führt dort querfeldein durch die Pampa ohne ein Verbotsschild für Autos. Also los. 

Nach einigen Minuten wurde der Boden allerdings schnell immer unebener. Wie die Bodenwellen in einer 30er Zone wölbte sich der Weg nach oben und zwar irgendwann so hoch, dass man sogar beim langsamen Darüberfahren mit dem Unterboden hängen blieb… Selbst der Spruch “Don’t be gentle, it’s a rental” gerät da an sein Ende. Da blieb uns nur umzukehren und den bekannten Weg zurück zu fahren. Was soll’s, war ja eine schöne Strecke! 

Wandern in der Caldera de Taburiente

Nachdem wir auf den Roque ganz faul hochgefahren waren und nur einen Mini-Spaziergang zur Felskante hingelegt hatten, stand noch eine Wanderung auf dem Programm. Immerhin ist La Palma DIE Wander-Insel der Kanaren… 

Also reservierten wir einen Tag für den Nationalpark in der Caldera de Taburiente. Reservieren?! Richtig. Es kostet zwar keinen Eintritt, aber damit der Park nicht zu voll wird, wird nur eine gewissen Anzahl an Menschen pro Tag hineingelassen. Eigentlich eine gute Art, den Tourismus auf ein gesundes Maß zu beschränken. Problem ist dabei nur, dass man dann nicht mehr so flexibel auf das Wetter reagieren kann. Und so kam es wie es kommen musste, an unserem auserwählten Tag sollte es kühl und regnerisch werden. 

Am Morgen blieb der Regen allerdings noch aus, also fuhren wir einfach drauf los. Allein der Weg zum Parkplatz La Cumbrecita führte uns bereits wunderschön durch Nadelwälder und entlang einer hohen Fels-Skyline. Als wir am Parkplatz ankamen, lachte uns sogar noch die Sonne entgegen. Also los!  

Wir starteten mit einem kleinen Rundweg – etwa 3 Kilometer und nur knappe 100 Höhenmeter – ein perfekter Spaziergang. Entlang einer steilen Abbruchkante führt der Weg vorbei an Bäumen, die schon halb in der Luft schweben und nur noch durch ein paar Wurzeln über den Köpfen der Wanderer gehalten werden. Zur anderen Seite bietet sich ein spektakulärer Blick nach dem anderen, auf den weitläufigen Wald im Krater und die gezackte Kante des Vulkans am Horizont. Man möchte so oft stehen bleiben und die Aussicht genießen, dass man für die kurze Strecke schon eine Weile braucht…

 

Der Rückweg führt über kleine Holzbrücken und durch den Wald zurück zum Parkplatz. Ein paar steile Stufen hinauf und schon ist die kleine Wanderung vorbei. Unsere ursprüngliche Idee, danach noch eine längere Route in Angriff zu nehmen, löste sich gemeinsam mit unserer Wander-Motivation beim Anblick des Autos plötzlich in Luft auf. Bewegung und frische Luft waren wir wohl beide durch die Examenszeit nicht mehr gewöhnt. Außerdem zogen so langsam die ersten Wolken auf… Wirklich! 

Es gibt aber noch ganz viele längere und anspruchsvolle Touren durch die Caldera. Teilweise starten sie an anderen Parkplätzen, also sollte man sich am besten schon bei der Reservierung im Infocenter eine Wanderkarte besorgen und sich seine Route heraussuchen. 

Reit(alb)traum auf La Palma

Mein liebster Reisebegleiter hatte schon vor dem Urlaub vorgeschlagen, dass wir doch einen Ausritt auf La Palma machen könnten. Er hatte das vor einigen Jahren schonmal gemacht und schwärmte davon, dass das eine ganz tolle Tour gewesen sei. Klar, das Kopfkino spielt einen atmosphärischen Film ab, in dem wir gemeinsam über die Hochebene von La Palmas Zentrum galoppieren, die Haare wehen im Wind, wir jauchzen vor Freude, sind mit Pferd und Natur im Einklang… Die Realität könnte sich kaum mehr von dieser Vorstellung unterscheiden.

Denn: ich bin noch nie geritten. Irgendwann als Kind hab ich mal auf einem Pony einen Rundgang an der Longe gemacht. Aber das zählt wohl kaum. Allerdings, wer überall und in jedem Zustand einen Handstand macht, sich auf jeder Art von Brett bewegen kann oder über eine Slackline spaziert, der wird wohl auch auf einem Pferd sitzen können. Also stimmte ich zu. 

Der liebste Reisebegleiter buchte bei einem Palmero telefonisch die Tour und als dieser fragte, ob wir Reiterfahrungen hätten, antwortete er mit ja. Warum? Weil wir ansonsten nicht den schönen weiten Ausflug hätten machen können. Das wird schon. Was soll schon passieren? 

Auf dem Weg zum Hof fiel mir dann plötzlich ein, warum ich so ein flaues Gefühl im Bauch bekam. Es war nicht die Sorge herunterzufallen oder nicht den Rhythmus zu finden und wie ein nasser Sack durchgeschüttelt zu werden. Nein. Mir fiel ein, dass ich ja super viel Respekt vor den meisten Tieren habe, die größer als eine Katze sind… Das Gesicht des liebsten Reisebegleiters, als ich ihm beichtete, dass ich Angst vor Pferden habe, hätte ich rückblickend gern auf Video gehabt. Meinen Gesichtsausdruck, als ich wenig später panisch neben ebendiesen Tieren stand, hätte meine Familie wohl ebenfalls gern als Video. Gibt es aber nicht.

Ich versuche das Drama mal zusammenzufassen: ich stand da zwischen drei Pferden, die sich neben mir offenbar genauso unwohl fühlten, wie ich mich neben ihnen und einem riesigen Hund, der “ganz lieb und nur spielend” ständig an mir klebte. Pferdegebiss, Hundemaul, Hufen… “Ich will zurück ins Auto! Sofort!” Der Reitlehrer war so empathisch wie ein Grashalm, aber irgendwann kam er auf die Idee, dass ich mich vielleicht wohler AUF einem der Pferde fühlen würde, anstatt zwischen ihnen eingepfercht zu sein. Das war dann auch kurz so, bis mein laufender Untersatz meinte, er müsste sich lieber den Hals verrenken um nach mir zu schnappen, als einfach brav geradeaus zu gehen. 

Irgendwann gewöhnten wir uns zwar nicht wirklich aneinander, aber wir akzeptierten wohl beide, dass wir aus der Nummer für die nächsten Stunden wohl nicht mehr herauskommen würden. Ich entspannte mich langsam und fing an, mir die surreale Landschaft anzusehen, durch die wir spazierten (Galopp traute der Reitlehrer uns wohl nicht zu. Warum nur?). Eine zerklüftete Vulkanlandschaft, schwarzes spitzes Gestein, kaum Pflanzen und das Meer am Horizont. Steil hinab und herauf, kraxelten sich die Pferde durch die unebene Landschaft wie Bergziegen. Immerhin bewahrheitete sich meine Vermutung, dass das Reiten selbst, durch gutes Körpergefühl kein Problem sein würde. Als der Reitlehrer irgendwann meinte, ich wäre ein Naturtalent, fühlte ich mich allerdings trotzdem etwas veräppelt… 

Am Ende war es dann eigentlich doch noch eine ganz schöne Tour. Ein Pferdemädchen war ich zwar noch nie und werde ich mit Sicherheit auch nicht mehr in diesem Leben werden. Aber man soll sich seinen Ängsten ja immer stellen, anstatt vor ihnen wegzulaufen. Und nun verrate ich euch in diesem Zusammenhang gleich noch ein Geheimnis: ich habe auch höllischen Respekt vor dem Meer und den Wellen und frage mich beim Anpaddeln auf meinem Surfboard manchmal, ob ich gerade wirklich versuche die Welle zu erwischen oder ihr nicht eigentlich entkommen möchte. Aber der Moment, wenn man dann auf dem Brett steht und über die Wasseroberfläche düst, ist die Überwindung bisher stets wert gewesen.

 

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