Leben in Lagos

Rine erzählt von ihrem Auslandsaufenthalt in Portugal

auf dem Weg zur Ponta da Piedade

Hallo zusammen,

ich bin Rine, eine Freundin von Kate aus dem Referendariat. Als wir im April 2018 frohen Mutes gemeinsam darauf anstießen, die Klausuren vom Zweiten Staatsexamen hinter uns gebracht zu haben, fragte mich Kate, ob ich einen Gastartikel für ihren Blog über meine bevorstehende Wahlstation im schönen Portugal schreiben möchte.

Von mir gab es als Antwort direkt ein Ja. Kate war – wie der aufmerksame Blogleser sicherlich weiß – auch schon in Portugal unterwegs und konnte mir direkt einige Tipps geben.

Ab in den Süden – warum Portugal, warum Lagos

Aber fangen wir mal am Anfang an. Ich wollte gerne ins Ausland. Im Studium hatte das irgendwie nicht recht geklappt, daher war für mich klar, dass ich die Wahlstation im Referendariat nutzen werde. Zuerst wollte ich ins englischsprachige Ausland, gerne nach London um mein Englisch zu verbessern und die Briten mag ich irgendwie. Doch eines sonnigen Tages saß ich am Ostseestrand und fragte mich: Warum zur Hölle eigentlich? Die Großstadt hast du tagtäglich in Hamburg um dich herum, ebenso das trübe Wetter. *** auf British English, ab in den Süden!

Und so schaute ich nach möglichen Auslandsstationen im Süden Europas. Da ich 2014 für zwei Wochen in Lissabon war und es mir dort sehr gefallen hatte, war Portugal auch direkt in der engeren Auswahl. Ich fand recht schnell einen deutschen Rechtsanwalt in der Algarve, der zufällig jedes Jahr zahlreiche Referendare und Praktikanten aufnahm. Hochmotiviert bewarb ich mich, bekam schnell eine nette Antwort und freute mich riesig!

Ca. 4-5 Monate bevor es losging, kümmerte ich mich um eine Unterkunft. Die Kanzlei war in Lagos, deshalb wollte ich gerne dort in der Nähe wohnen. Ich mag es unkompliziert, daher wollte ich meinen Alltag am liebsten zu Fuß gestalten. Bei AirBnB und den üblichen Portalen sind viele Wohnungen und Zimmer in Lagos und Umgebung zu finden – immerhin ist die Gegend im Frühjahr und Sommer sehr beliebt bei Touristen. Nach einigen Verhandlungen fand ich eine schöne (und für mich allein viel zu große) Wohnung, die nur zehn Minuten zu Fuß von der Kanzlei und jeweils ca. 15 von Innenstadt und Strand entfernt war. Ein Traum! Die Vermieterin war super zuverlässig und wirklich nett. Sie schickte mir im Vorwege regelmäßig Fotos von der Landschaft, holte mich vom Bahnhof in Lagos ab und war die gesamte Zeit immer erreichbar, wenn was anlag. Die Mietpreise waren leider nicht so schön – im Grunde jedoch so, wie ich es aus Hamburg gewohnt war. Für meine zwei Zimmer und die vielen Quadratmeter bezahlte ich pauschal 1.000 € pro Monat. Wie ich vor Ort dann aber erfuhr, konnte ich mich damit wirklich nicht beklagen, immerhin war ich mitten in der Hauptsaison dort und hatte genug Ruhe und Platz für den zahlreich angekündigten Besuch.

Ein toller Start in Portugal

Ende April ging es dann los. Mit zwei Koffern (und damit viel zu viel Gepäck für mich Schwächling) startete ich. Ich buchte nur den Flug und informierte mich, wie ich vom Flughafen in Faro nach Lagos kam: erst mit dem Bus zum Bahnhof und dann mit der Bahn Richtung Westen – easy. Ich habe das Ganze leider ziemlich unterschätzt (insbesondere meine Pudding-Arme). Die ganzen Wege, insbesondere die Ein- und Ausstiege waren echt anstrengend. Doch es gab sehr viele hilfsbereite Portugiesen auf meiner Anreise, die mir beispielsweise bei Treppen und dem Durchrutschen im Bus behilflich waren. Man, war ich glücklich darüber! Noch in Hamburg hatte ich das Gefühl, immerzu angerempelt zu werden, da ich vermeintlich im Weg stand. Auch der Taxifahrer meckerte (übrigens auch der bei meiner Rückkehr nach Hamburg), weil mein Koffer zu schwer war (hat Ryanair beim Hinflug übrigens nicht bemerkt). Doch in Portugal waren die Leute nett zu mir. Was für ein guter Start!

Ich hatte zunächst einige freie Tage, bevor meine Station in der Kanzlei losging – genug Zeit also, um in Ruhe anzukommen. Meine Vermieterin zeigte mir mit dem Auto direkt die ersten wichtigsten Orte, sodass ich nicht so sehr herumirrte (haha, als ob). Ich ging zuerst in den Supermarkt – das mache ich zu gerne im Ausland. Anschließend erkundete ich die Innenstadt, aß einige Pasteís de Nata, kaufte mir ein Strandtuch und saß lange am Strand. Insbesondere die Meia Praia, der wunderbar große und weite Strand, wurde sofort zu einem meiner Lieblingsorte. Aber auch die weiteren tollen Strände rund um Lagos (ja, dort gibt es viele verschiedene) schaute ich mir direkt an.

Alltag in Portugal

Mein neuer Alltag war ansonsten sehr schnell da. Ich mag den südeuropäischen Lebensstil sehr. Die Arbeit beginnt etwas später, die Mittagspause ist schön lang und gegen 19 Uhr war dann Feierabend. Bei dem schönen Wetter (auch wenn sich viele über den für sie schlechten Sommer beklagten) fand ich das echt super! Cool war, dass ich während der Arbeit recht viel unterwegs war und zu sämtlichen Terminen mit durfte. Wir waren einige Male in Lissabon, ab und an in Portimão und in zahlreichen anderen Orten.

Auch außerhalb der Arbeit unternahm ich einige Ausflüge mit meinem Ausbilder. Besonders toll war ein Angelausflug an der Westküste (in der Nähe von Carrapateira und dem Praia do Amado) und eine off-road Fahrt quer durch die Landschaft. Er und seine Lebensgefährtin waren sehr gastfreundlich und herzlich. Ihnen lag viel daran, mir ihr Land und die Gepflogenheiten zu zeigen. Ich freue mich sehr, dass wir heute noch Kontakt haben.

Portugiesisch lernen: Sprachschule in Lagos

Noch von Deutschland aus meldete ich mich bei einem Sprachkurs beim Centro de Línguas in Lagos an. Auch mein Vorhaben, eine weitere Sprache zu lernen, hatte neben dem Studium nicht so recht geklappt. Daher also jetzt direkt vor Ort! Der Kurs sollte fünf Wochen, jeweils zwei mal die Woche am Vormittag stattfinden. Das Sprachenzentrum war mitten in der Innenstadt und auch ohne Probleme zu Fuß zu erreichen. Wir waren eine kleine, witzige und bunt gemischte Gruppe aus England, Irland, Holland und Deutschland. Wir hatten im Kurs, aber auch außerhalb echt viel Spaß zusammen. Ich hatte Glück, so inspirierende und offene Personen dort kennengelernt zu haben.

Witziger weise habe ich mir zuvor keine richtigen Gedanken gemacht, wie der Kurs so abläuft. Unterrichtet wurden wir – damit es auch jeder versteht – auf Englisch. Wie toll, also hatte ich direkt zwei Sprachkurse. Anfangs versuchte ich noch, mir Notizen auf Deutsch zu machen. Irgendwann war ich aber derart verwirrt, dass ich einfach auf Englisch mitschrieb. Am Abend nahm ich mir dann etwas Zeit und sortierte das Gelernte auf dem Papier und in meinem Kopf. Auch wenn ich die ganze Zeit über super unsicher war, konnte ich immerhin etwas Smalltalk auf Portugiesisch halten. In der Kanzlei lernte ich dann viele weitere Begriffe und zuletzt durfte ich sogar Verträge und Testamente aus dem Portugiesischen ins Deutsche übersetzen.

Unterwegs in Lagos

Immer wenn ich Besuch hatte, waren wir viel in Lagos unterwegs. Lagos ist eine sehr schöne Stadt, die für mich genau die richtige Größe hat. Es gibt viele kleine Shops, ein Kino, zahlreiche Restaurants und Bars und wunderbare Strände. Die Infrastruktur ist auch absolut ok. Recht zentral liegt der Bahnhof, von wo aus man gut nach Portimão und Faro kommt. Zudem fahren zahlreiche Busse in sämtliche Richtungen. 

Ich selbst koche sehr gern. Daher war ich im Laufe der Zeit Stammgast an der Fischtheke im Supermarkt. Hier gibt es tollen frischen Fisch und ganz tolle Meeresfrüchte. Lagos hat auch eine Markthalle, in der es täglich frischen Fisch gab. Ich habe jedoch kaum Unterschied zum Supermarkt bemerkt, um ehrlich zu sein. Samstags war ich dann regelmäßig auf dem Mercado do Levante (dem Landmarkt) am Busbahnhof. Hier gibt es wahnsinnig leckeres Obst und Gemüse direkt von Bauern der Region, aber auch eingelegte Oliven oder Nüsse. Ein Traum für mich! Das Essen ist eines der zahlreichen Dinge, die ich hier in Deutschland sehr vermisse.

Ich mochte die Art der Portugiesen direkt. Sie sind hilfsbereit, dabei aber nicht aufdringlich, zudem sind sie zuverlässig, fleißig und gleichzeitig unkompliziert und herzlich. Besonders schön und inspirierend fand ich die Naturverbundenheit. Das Meer, die Umwelt und die Tiere werden nicht ausgebeutet, sondern wertgeschätzt. Mit der Zeit entwickelte ich mich wieder zu dem Dorfkind, welches ich vor dem Jurastudium war. Ich liebte es, einfach die Natur zu genießen. Ein weiterer Punkt, für den ich echt dankbar bin!

Restaurants und Bars in Lagos

Wer sich lieber bekochen lässt, der wird in Lagos die Qual der Wahl zwischen zahlreichen tollen Lokalen haben. Hier eine kleine Auswahl meiner Lieblinge:

  • Linda The Beach Bar (tollste Terrasse und tollster Sangria)
  • A Barrigada (sehr authentisch und sehr guter Fisch)
  • Sweet & Temptation (Leckeres Toast und entspannte Atmosphäre)
  • The Garden (cooles Surfer-Restaurant)
  • Bora Café (lecker Frühstück)
  • Pastelaria Gombá (beste Natas)
  • Croissanteria (wie der Name schon sagt: super Croissants)
  • Maré (hammer Blick und hammer leckerer Fisch)

Das Wahrzeichen der Algarve: die Ponta da Piedade

Weil ich es so schön fand, spazierte ich mit jedem meiner Besucher zunächst zur Ponta da Piedade, einem super Aussichtspunkt (den Kate mir auch empfohlen hatte). Von Lagos aus kann man entweder oben an den Klippen beim Praia da Batata starten oder (bei Ebbe) unten am Strand entlang, über den Praia do Pinhão zur Praia Don Ana. Von dort ging es dann an der Straße weiter.

Umgebung von Lagos: Portugals Südwesten

Im Juli dann, hatte ich einige Tage Urlaub. Ich bekam passenderweise Besuch, sodass ich nicht alleine war. Meine Kollegin war so lieb und lieh uns ihr Auto für einige Tage, damit wir auf eigene Faust die Gegend erkunden konnten. Ich sammelte zahlreiche Tipps von meinen Kollegen, die wir fast allesamt nutzten.

Oben auf dem Plan stand selbstverständlich Sagres. Von hier kommt das allseits bekannte Bier. Steht man hier an den Klippen, hat man das Gefühl, am Ende der Welt zu stehen. Zumindest ist es ja das letzte Ende vom europäischen Festland. Sagres ist ein süßer und entspannter Surferort. Ganz anders als Lagos. Ich war gerne dort.

Ansonsten erkundeten wir – wie von den Kollegen empfohlen – viel die Küste. Wir fuhren von Lagos aus Richtung Westen und als man nicht mehr weiter kam (in Sagres), ging’s die Westküste hoch bis Aljezur. Zwischendrin hielten wir hier und dort an und sprangen ins Wasser oder schlenderten durch die Dörfer. Besonders schön war es hier:

  • Praia do Monte Clérigo
  • Praia da Arrifana
  • Praia da Salema
  • Praia da Boca do Rio
  • in Luz

Zwar etwas touristisch, aber sehr empfehlenswert war eine Delfin-Tour, die direkt in der Marina Lagos startete. Ich hatte noch nie Delfine in freier Wildbahn gesehen und fand es großartig. Wir waren mit “Days of adventures” unterwegs und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Zur Abwechslung fuhren wir auch einen Tag nach Monchique, ein sehr süßer Ort in der Bergkette des Serra de Monchique. Hier gibt es wunderschöne Gärten und natürliche Wasserquellen. Die Luft durftet hier wunderbar frisch und war ganz klar. Eine Weiterfahrt zum Gipfel des Fóia lohnte sich auch! Der Weg war mit den engen Kurven nichts für schwache Nerven, aber der Blick zwischendrin und schließlich hoch oben (immerhin 902 Meter) war sensationell.

Jeden letzten Sonntag im Monat ist in Baraõ de Saõ João ein Hippie Markt. Ich war zweimal dort und fand’s großartig. Tolle Stimmung, verrückter Krimskrams, viele Freidenker und Hippies (90% kamen übrigens aus Deutschland) und nicht zuletzt sehr viel leckeres Essen gab’s dort. Definitiv einen Besuch wert!

Wie man sicherlich merkt, hatte ich viele viele schöne Erlebnisse in den drei Monaten. Lagos ist eine wirklich schöne Stadt, auch wenn’s im Juli sehr voll dort ist. Ich habe das Gefühl, dank meiner lieben Kollegen, die portugiesische Lebensweise gut kennen- und liebengelernt zu haben. Ich bin definitiv nicht fertig mit dem doch recht unterschätzen Land in Südeuropa und fliege ganz bestimmt bald wieder hin!

 

Liebe Grüße,

Rine