Leben in Thailand

Mein Auslandsaufenthalt in Bangkok

Leben in Thailand

Ein Leben in Thailand – davon träumen viele. Für mich wurde es für vier Monate Realität. 15 Wochen, die ich in Bangkok leben und arbeiten durfte. Auf diesem Blog habe ich schon viel über meine Zeit in Bangkok und Thailand geschrieben und meine Reisetipps verraten. 

Heute – zwei Jahre nach meiner Rückkehr – lasse ich meine Erfahrungen zum Leben im Ausland nochmal Revue passieren und werde dir erzählen wie es eigentlich zu meinem Auslandsaufenthalt kam, wieso ich mich für Bangkok entschieden hatte und wie ich mich auf mein Leben in Thailand vorbereitet habe. 

Vor allem aber erzähle ich dir von meinen zwei Hauptproblemen im Zusammenhang mit einem Leben im Ausland: einerseits, dass auch im Ausland schnell ein Alltagstrott entsteht und andererseits von den Schwierigkeiten, die einem bei der Rückkehr nach Deutschland begegnen. 

4 Monate Referendariat bei der Deutschen Botschaft in Bangkok

Man möchte es ja eigentlich kaum glauben: aber wenn ich nicht gerade mit Rucksack oder Van, Surfboard und Yogamatte durch die Welt reise, bin ich eigentlich Anwältin. Verrückt oder?

Nachdem ich mich durch ein langes Jura-Studium gekämpft hatte, stand der Endspurt an: Referendariat. Wie auch die Lehrer müssen wir Juristen zwei Jahre Referendariat machen. 24 Monate, in denen wir möglichst viele der Praxisgebiete eines Juristen kennen lernen dürfen.

Vier Monate davon sollen in der Verwaltung absolviert werden. Verwaltung klingt in meinen Ohren übrigens genauso langweilig wie für jeden Nichtjuristen. Bei der Vorstellung, vier Monate – das ist immerhin länger als ein viertel Jahr! – in irgendeinem verstaubten Bezirksamt abzusitzen, rollten sich mir die Fußnägel hoch.

Also blieb nur eine Option: alles auf eine Karte setzen und eine Bewerbung ans Auswärtige Amt schicken. Sechs Wochen Daumen drücken, hoffen und minütliches Briefkasten checken (on- und offline). Doch dann endlich die Zusage: 4 Monate an der Deutschen Botschaft in Bangkok!

Damit hatte ich nicht nur meine erste Wahl bekommen – auch mein liebster Reisebegleiter hatte dort einen Platz ergattert. Schicksal oder unverschämtes Glück? Egal! Bangkok, wir kommen!

Warum gerade Bangkok?

Der ein oder andere wird sich fragen, warum ich gerade Bangkok als Favoriten wählte. Nicht, dass nicht viele von einem Leben in Thailand träumen. Doch die meisten haben da doch eher weiße Strände und türkisblaues Wasser im Sinn. Zugegebenermaßen hätte ich damit auch hervorragend leben können – doch eine Botschaft gibt’s auf den thailändischen Inseln leider nicht.

Wieso also Bangkok?

Die Kurzfassung: ich wollte Südostasien bereisen und Bangkok ist als Basisstation hierfür einfach ideal: ziemlich zentral in der Region gelegen, Flughafen-Drehkreuz für viele günstige Flüge und geringe Lebenshaltungskosten. Außerdem reizte mich die Stadt, ihre Andersartigkeit, die Mythen und wilden Geschichten.

Vorbereitungen für mein Leben in Thailand

Die folgenden 5 Monate waren unsere Köpfe herzlich wenig an Jura interessiert. Zwischen die Aktenberge schlichen sich immer mehr Reiseführer zu Südostasien und To-Do-Listen. 

Hier eine knappe Übersicht zu meinen Vorbereitungen für mein Leben in Thailand und die Reise durch Südostasien:

Reiseroute

Das wichtigste zuerst: Urlaub beantragen. Und zwar den gesamten Jahresurlaub klug um die Auslandsstation herum. Mit ein paar günstig gelegenen Feiertagen kamen wir auf insgesamt 7 Wochen reine Reisezeit.

Danach wurden Reiseführer und Blogs gewälzt. Favoriten herausgeschrieben und zu einer Reiseroute durch Myanmar, Vietnam und Kambodscha notiert. Diese drei Länder würden wir noch vor unserem Leben in Thailand bereisen. 

Die Reiseroute findest du übrigens hier

Visa

Es folgte ein regelrechter Visa-Marathon. Reisepass verschicken, mit eingeklebtem Visum zurück bekommen und direkt an die nächste Botschaft schicken.

Am Ende wurde es doch noch so knapp, dass wir sogar in einer Nacht und Nebel-Aktion nach Berlin zur Botschaft von Thailand fuhren um unser spezielles Jahresvisum rechtzeitig zu bekommen.

Hier gibt’s mehr Infos und Tipps rund ums Thema Visum. 

Impfungen

Zwischendurch wurden wir Dauergäste im Tropeninstitut und sammelten fleißig Aufkleber in unseren Impfpässen. Tollwut, Typhus, japanische Enzephalitis: teilweise mehrere Spritzen pro Impfstoff wurden uns Woche um Woche unter die Haut gejagt.

Hier gibt’s mehr Infos rund ums Thema Impfungen. 

Wichtige Anschaffungen für Südostasien

In den Wochen vor Abflug wurde der Paketbote beinahe zum Familienmitglied. Backpack, Daypack, Reisekissen, Schlafsack, Fliegennetz, Reisehandtuch und was mir nicht noch alles praktisches einfiel, das ich „unbedingt brauchen“ würde für meine Zeit in Südostasien.

Umzug organisieren

Zwischen all den Vorbereitungen für die Reise vergaßen wir beinah, die wesentlichen Dinge für unser Leben in Thailand vorzubereiten:

Es musste ein Apartment in Bangkok gefunden werden und wir mussten einen Paketversand vor unserer Ankunft organisieren. Unsere ganzen Büroklamotten wollten wir nämlich ungern 5 Wochen im Backpack durch halb Südostasien schleppen.

Wie wir ein Apartment in Bangkok gefunden haben und den Umzug organisiert haben, erfährst du hier. 

Auf den letzten Drücker fand ich sogar noch eine Untermieterin für meine Hamburger Wohnung und organisierte noch schnell einen Postnachsendeauftrag zu meinem Bruder. Wichtige Unterlagen wurden noch fix eingescannt und digital mitgenommen, andere beim Bruder geparkt.

Abgehakt wurden irgendwann auch noch Auslandskrankenversicherung, Auslandskreditkarte und einen Tag vor Abflug sogar noch der internationalen Führerschein. Doch dann endlich war es soweit: alles war vorbereitet und unser viermonatiges Leben in Thailand konnte beginnen.

Leben in Thailand: Erwartungen und Realität

Nach über 5 Wochen durch Myanmar, Vietnam und Kambodscha erreichten wir am Spätabend unser Apartment in Bangkok.

Die Gefühle waren gemischt: die Köpfe voll mit Erlebnissen der Reise und tiefenentspannt von fünf Tagen auf einer Insel, klang der Gedanke an Schreibtisch und Bürozeiten gar nicht mal so schön. Andererseits war ich neugierig auf die Botschaft, auf einen Alltag im verrückten Bangkok und wie das Leben in Thailand werden würde.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn ich nun von der gesamten Zeit in Bangkok und meinem viermonatigen Leben in Thailand erzählen würde. Das gibt’s ja auch schon thematisch sortiert in einzelnen Artikeln.

Was ich aber mit dir teilen möchte, sind die Erkenntnisse, die ich durch meine Zeit in Bangkok gewonnen habe. Erkenntnisse zum Leben im Ausland, zum Alltagstrott und zur schwierigen Rückkehr.

Ich hatte große Erwartungen, freute mich auf einen kleinen Kulturschock und war gespannt darauf, wie ich auf die Andersartigkeit vom Leben in Thailand reagieren würde. Ich war mir sicher, dass es gewisse Anpassungsschwierigkeiten geben würde und mich die Zeit total verändern würde.

Natürlich ist ein Leben in Thailand auch anders als ein Leben in Deutschland – aber einen Kulturschock gab es nicht. Vielleicht lag es daran, dass ich mit viel mehr Andersartigkeit gerechnet hatte, als ich es dann letztendlich vorfand.

Das ist gar nicht negativ zu verstehen, war für mich allerdings eine Überraschung. Natürlich gibt’s in Bangkok noch verrückte Dinge zu entdecken und absurdes zu erleben. Es gelten andere Regeln und Gepflogenheiten. Das beginnt beim Thema König und Buddhismus und endet beim Taxifahren. Aber am Ende ist es eben doch eine moderne Großstadt, in der die Uhren einfach nur ein bisschen anders ticken.

Auch ein Leben in Thailand wird zum Alltag

Und ehe man sich versieht, kehrt auf einmal der Alltag in einer völlig neuen Umgebung ein. Man geht regelmäßig in den gleichen Supermarkt und es hat sich ein neuer Standard-Einkaufskorb entwickelt. Man hat seine Lieblings-Streetfood-Stände und -Bars gefunden, weiß wo man seinen Roller reparieren lässt und wie man mit den Taxifahrern umgeht. Auch die Arbeit wird schnell zu Routine und man freut sich auf die freien Tage.

Aber gerade das ist ja das Spannende an einem Leben im Ausland – egal ob es in Amerika, Afrika, Australien oder eben ein Leben in Thailand ist: nicht als Reisender sondern als Mitbewohner durch die Straßen zu laufen und dabei zu verstehen, wie sich das Leben an anderen Orten anfühlt.

Natürlich kratzt man dabei nach vier Monaten nur an der Oberfläche. Aber man lernt vor allem ganz viel über sich selbst, seine eigene Kultur, Verhaltens- und Denkweisen. Denn egal wohin man reist und wie sehr sich die Kultur und Umgebung vom bekannten unterscheidet, eine Konstante bleibt ja doch immer: man selbst, mit all seinen Marotten.

Rückkehr nach Deutschland: unerwartete Schwierigkeiten

Deshalb ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass die Rückkehr nach einem Auslandsaufenthalt ganz schön schwer sein kann. Durch die vielen Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen, hat man sich verändert. Es ist einem vielleicht gar nicht bewusst, denn man war ja die ganze Zeit „mit dabei“. Vielleicht sind es auch nur Kleinigkeiten, winzige Veränderungen, die das Puzzleteil, das man vor der Abreise war, leicht verformt haben.

Die Lücke im Puzzle, die man vor dem Leben im Ausland zurück gelassen hat, hat sich aber meistens gar nicht verändert. Man hat sein Leben in Deutschland ja einfach nur kurz in ein paar Kartons verpackt und holt es danach vermeintlich einfach wieder vom Dachboden runter. Falsch gedacht.

Das Puzzleteil „Ich“ passt aufgrund der kleinen Veränderungen nämlich nicht mehr so nahtlos in das Puzzle „Mein Leben in Deutschland“. Da kann so eine Rückkehr mitunter recht holprig werden.

Aber genau das ist der „Casus Knacksus“ eines Auslandsaufenthaltes. Wir wollen ja gerade, dass so eine Erfahrung mehr als nur ein paar Fotos im Album sind. Wir wollen, dass wir dadurch Erfahrungen sammeln, die uns und unser Leben prägen.

Leben in Thailand - Rückkehr

Wie du mit Rückkehr-Schwierigkeiten umgehst

Und damit kommen wir zum philosophischen Teil der ganzen Geschichte: diese Reise endet nicht im Flughafen oder am Bahnhof bei deiner Rückkehr. Vielmehr beginnt dort gerade erst die zweite Hälfte.

Du kannst dich entweder wieder zurück in deine Lücke im Puzzle quetschen. Das drückt vielleicht ein bisschen, aber irgendwie wirst du auch wieder hineinpassen. Du warst ja schonmal drin.

Oder du behältst die neue Form und baust das Puzzle so um, dass das neue Ich hineinpasst. Vielleicht weißt du nicht sofort, welche Teile du austauschen willst und wo in dem ganzen Teilchen-Chaos du sitzen möchtest. Aber wenn du genauso neugierig und offen durch dein Leben in Deutschland spazierst, wie du es wahrscheinlich auf deiner Reise und in deinem Leben im Ausland getan hast, dann wird sich das neue Puzzle Stück für Stück zusammen setzen.

Ich kann daher nur jedem empfehlen, mindestens einmal im Leben eine Zeit lang ein Leben „woanders“ einzuschieben. Vielleicht reicht  es dafür sogar schon, einige Monate in einer anderen Stadt in Deutschland zu leben. Einfach mal raus aus den gewohnten Strukturen und sich überraschen lassen, wohin das ganze führt.

Mein Leben in Thailand kam mir erstmal gar nicht so andersartig vor und schien eigentlich keine großen Auswirkungen hinterlassen zu haben. Doch heute, 2 Jahre später, erkenne ich, welche Veränderungen hierdurch angestoßen wurden. Und die finde ich allesamt ziemlich großartig.

Dieser Artikel ist Teil einer Blogparade des Blogs “Imprintmytravel”

zum Thema “Leben im Ausland”