Mandalay – die Stadt des Goldes: Highlights für einen Tag

Mandalay
– Die Stadt des Goldes –  

Nach einem Frühstück, bestehend aus asiatischer Reispfanne und Marmeladen-Toast, dazu Kaffee mit Milchpulver (an richtige Milch trauten wir uns nicht heran) und einem grandiosen Blick aus dem neunten Stockwerk über die Stadt, brachen wir zu unserer ersten Tour durch Mandalay auf. An der Rezeption unseres Hotels baten wir um ein Taxi – und 2 Minuten später waren wir bereits mitten im Straßenchaos der Stadt, auf dem Weg nach Süden.

 

Mahamuni Pagode
Unser erster Stopp sollte die Mahamuni Pagode sein. Um uns den Gepflogenheiten der heiligen Orte hier anzupassen, musste aber noch eine Bein-Bedeckung für meinen Reisebegleiter her. Also ab zum ersten Shop und nach kurzer Erklärung mit Händen und Füßen, ging es – eingewickelt in einen dunkelroten Longyi – wieder hinaus. So ganz richtig schien das aber noch nicht zu sein, denn auf den hundert Metern zur Pagode sorgten wir für gehöriges Gelächter seitens der Burmesen. War es vielleicht unüblich als Fremder so etwas zu tragen? Oder saß das Ding einfach falsch? Wir nahmen es mit Humor und betraten die Pagode, ein großes Areal, in dessen Mitte ein goldener Buddha steht, der mit so vielen Schichten Blattgold übersät ist, dass man seine ursprüngliche Form kaum mehr erkennen kann. Die hauchdünnen Goldplättchen werden als Ritus von den männlichen Gläubigen (und Schaulustigen) dort dran geklebt. Frauen haben allerdings keinen Zugang zu dem Buddha. Sie dürfen aber immerhin – mit einem Sicherheitsabstand von gut 10 Metern – davor beten (und den Buddha auf einem Bildschirm beobachten). Mein Reisebegleiter kam zumindest kurz in den Genuss des nahen Goldes und wurde beim Durchschreiten der Sicherheitskontrolle von einem der Securities (der wohl Mitleid hatte) erstmal korrekt eingekleidet. Nach der Musterung gab es noch einen freundlichen Klaps auf die Schulter und dann war er offenbar ordentlich genug, um dem Heiligtum gegenüber zu treten. Noch viel eindrucksvoller war (für mich als Frau, die der Figur ja nicht zu nahe kommen darf) das ganze Geschehen rings herum um den goldenen Koloss. Der Gang zum Zentrum der Pagode ist übersät mit Ständen, an denen allerhand Souvenirs, Ramsch aber auch Opfergaben für die Gläubigen wie zum Beispiel Blumenketten verkauft werden. Als wäre das nicht schon genug Jahrmarkt-Feeling, blinken zudem zahlreiche bunte LEDs um die Wette. Bei einem kleinen Rundgang um das Gebäude kann man noch ein paar Glocken entdecken, die insbesondere von den burmesischen Kids voller Elan geschlagen werden. An einem der Seiteneingänge schließt sich ein hübscher kleiner Park an und vor dem Haupteingang kann man an einem kleinen Springbrunnen-Teich kleine Schildkröten und eine riesige Tauben-Schar beobachten.

 

 

Goldschläger
Nachdem wir so viel Goldplättchen gesehen hatten, wollten wir nun auch ihre Herstellung in live sehen. Also nahmen wir ein Taxi zur Schauwerkstatt „King Galon“, in der man vier junge Männer dabei beobachten kann, wie sie in einem festen Rhythmus Minute um Minute auf ihr Päckchen voll Gold einschlagen. Eine schweißtreibende aber auch feinfühlige Arbeit, denn die Plättchen dürfen nicht an der falschen Stelle getroffen werden, sonst gehen sie kaputt. Bei dem melodischen Klang der Hammerschläge sitzen eine Gruppe Frauen im Zimmer nebenan und schneiden die hauchdünnen Goldstücke in kleine Quadrate. Danach werden mehrere dieser Goldplättchen, getrennt durch dünnes Bambuspapier, zu kleinen Pakete verpackt und an Gläubige oder Touristen verkauft. Da die Ehre des Beklebens von Heiligtümern zu meinen Lebzeiten wohl keiner Frau mehr zuteil werden wird, entschied ich mich gegen die Quadrate und kaufte stattdessen ein kleines goldenes Blatt fürs Reisetagebuch.

 

 

Shwenandaw Kloster
Von dort aus ging es dann per Taxi in den Norden der Stadt, wo eine ganze Batterie an Sehenswürdigkeiten auf uns wartete. Diese liegen alle so dicht beieinander, dass die Übergänge fließend sind und man alles in einer Tour abklappern kann. Als erstes schlenderten wir durch das Shwenandaw Kloster, das komplett aus Holz erbaut ist. Das Dach mit seinen vielen filigranen Spitzen ist echt beeindruckend und die Schnitzereien in den Wänden wunderschön. Das Innere ist etwas düster, aber das Holz schimmert im Halbdunkeln in einem warmen Goldton und die Decke ist beeindruckend hoch.

 

 

Atumashi Kloster
Das direkt daneben gelegene Atumashi Kloster ist nicht ganz so spannend, aber wenn man schon mal dort ist, kann man zumindest einen kurzen Blick auf die recht pompöse Außenfassade und in die riesige leere Halle werfen.

 

 

Kuthodaw Pagode
Ein paar hundert Meter weiter gelangt man zur Kuthodaw Pagode. Sie ist wegen ihrer 729 Marmortafeln, die jeweils in einem kleinen weißen Stupa stehen, das wohl größte Buch der Welt. Laut Wikipedia erzählt es die Lehren Buddhas, wir haben es aber leider nicht geschafft es durch zu lesen… Auf den Stupas sind kleine goldene Glöckchen angebracht, die leise vor sich hin klingeln und die vielen ruhigen und schattigen Ecken zwischen den weißen Türmen zu perfekten Orten für ein kleines Päuschen machen.

 

 

Sandamuni Pagode
Unser Liebling des Tages war allerdings die Sandamuni Pagode, die direkt an die Kuthodaw anschließt. Sie besteht auch aus zahlreichen weißen Stupas, die allerdings mit ihren filigranen goldenen Spitzen noch etwas eindrucksvoller aussehen. Vor allem aber hat man von dem zentralen Goldstupa einen tollen Blick auf das Meer aus weiß-goldenen Spitzen und bis hinauf zum Mandalay Hill. Wir wären gern noch länger dort verweilt, vor allem da wir fast die einzigen Menschen dort waren. Doch die Sonne begann langsam unterzugehen und den Sonnenuntergang wollten wir unbedingt vom Mandalay Hill aus genießen.

 

 

Mandalay Hill
Etwa 1 Stunde vor offiziellem Sonnenuntergang machten wir uns auf den Weg hinauf auf den Hügel. Wir hatten in unser Reisebuch notiert, dass der Aufstieg ca. 30 Minuten dauern würde und es auf der langen Treppe so einiges zu sehen gäbe. Wir entschieden uns daher gegen ein Taxi und begannen, die Straße hinauf zu laufen. Nach einer ganzen Weile stand die Sonne schon ziemlich weit unten aber dem Gipfel waren wir gefühlt noch nicht nähergekommen und auch von einer Treppe war nichts zu sehen. Kurzentschlossen winkten wir einen vorbeifahrenden SUV heran. Der Fahrer hielt an, machte ohne großen Kommentar die Kofferraumklappe auf und von der Ladefläche (Sitze gab es in dem Gefährt nicht mehr) schaute uns eine burmesische Großfamilie mit breiten Grinsen in den Gesichtern entgegen. Sie rückten auf die letzten Millimeter zusammen und wir krabbelten dazu, ohne groß weiter nachzudenken. Auf der rasanten Serpentinenfahrt den Berg hinauf landeten wir in der ein oder anderen iPhone-Galerie unserer völlig faszinierten Mitfahrer – ein Trinkgeld lehnten sie bei unserer Ankunft auf dem Plateau allerdings vehement ab.

Vom Plateau ging es dann noch ein paar Rolltreppen nach oben und schon waren wir (dann tatsächlich noch früher als gedacht) an der Sutaungpyi Pagode, dem obersten Punkt des Mandalay Hill. Die Aussicht ist schon wirklich genial – wobei die dauerhaft anhaltende diesige Luft keine klare Sicht auf die umliegende Landschaft zulässt. Wir drehten eine Runde um die Pagode und ließen uns dann zwischen den Säulen im Schatten der schräg stehenden Sonne nieder. Diese tauchte die Pagode mit ihren reflektierenden Spiegeln und Fliesen in ein wunderschönes goldenes Licht. Der Sonnenuntergang selbst war nicht der grandioseste, aber die Stimmung dort oben auf dem Berg, fern von Autohupen und Staub, ist sehr schön.

 

Auf dem Weg hinab fanden wir dann auch endlich die zuvor übersehene Treppe. Sie führt zunächst herab zur Byadaikpay Pagode, eine weitere kleine Ebene mit einem schönen Blick von kleinen Bänken unter Rundbögen. Auf einer dieser Bänke saß ein Mönch in unserem Alter, der uns im Vorbeigehen ansprach. Wir kamen ins Gespräch, wobei dies hauptsächlich aus Phrasen-Fragen seinerseits und einfachen Antworten von uns bestand. Der Mönch lernte nämlich erst seit gerade mal einem Monat Englisch und nutzte gern solche Gelegenheiten, die Sprache zu üben. Auf unsere Fragen danach, wieso er sich entschied ins Kloster zu gehen und ob er vorhabe dort sein ganzes Leben zu bleiben, bekamen wir leider aufgrund der sprachlichen Barrieren keine Antwort. Er erzählte aber zumindest, dass seine Familie in Yangon lebt und sie sehr reich seien, wobei er „no money in my pockets“ habe. Außerdem versuchte er uns zu erklären, er könne ja keine Freundin haben – auf seinem Handy prangte aber als Hintergrund das Foto einer hübschen Asiatin. Das soll mir mal jemand erklären…

 

Während wir uns mit ihm unterhielten, stiegen wir den Hügel über die Treppen hinab. Das sind nicht nur wirklich viele – es ist auch sehr weitläufig und geht durch mehrere heruntergekommene Zwischenebenen, vorbei an kleinen Holzverschlägen, die tagsüber als kleine Läden genutzt werden. Durch Zufall erspähte ich aber im Vorbeigehen, dass sie nachts zum Schlafen für ganze Familien herhalten müssen. Auf dem Boden reihten sich alte Matratzen aneinander und kleine Kinder lagen bereits in ihren bunten Schlafanzügen darauf…

 

 

Abendprogramm
Am Fuß des Mandalay Hill suchten wir uns eines der Sammeltaxis, mit teilweise offener Laderampe, um uns zum Mintha Theater bringen zu lassen. Dort sollte man eine schöne Show mit traditionellem Tanz ansehen können. Dem Taxifahrer war das Theater leider kein Begriff und so zeigten wir es ihm in der Karte unseres Reiseführers. Bei Ankunft an der genannten Kreuzung mussten wir leider feststellen, dass es das Theater nicht mehr gab. Nach einer kurzen Google-Suche (leider etwas zu spät) fanden wir heraus, dass sich die Adresse erst kürzlich geändert hatte. Nicht bereit, nochmal ein Taxi zu nehmen oder noch weitere 20 Minuten zu laufen, strichen wir das Theater und suchten uns auf dem Heimweg ein Restaurant. Wir wurden fündig und setzten uns in das gemütliche Gartenrestaurant „Ginkyi Mandalay“. Das Essen war zwar wohl auf Touristen angelegt, aber dennoch lecker und vor allem die Atmosphäre war wirklich schön.


 

Für den nächsten Tag ist eine Tour durch die Umgebung Mandalays, nach Sagaing, Inwa und Amarapura geplant. Wir sind gespannt wie das wird! 

 

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