Die Bucht von Arcachon
– Austern und ganz viel Sand –

Heute früh wurde ich vom Vogelgezwitscher wach und der erste Blick war auf die Baumkronen der Pinien über mir. Ich wurde also nicht von einem runtergefallenen Tannenzapfen erschlagen (das wäre irgendwie auch ein beschämender Abgang…). Der erste Gedanke war der übliche am Morgen: Kaffee! Gerade wollte ich schon das Wasser für die Frenchpress kochen, als ich mich kurzentschlossen umentschied und stattdessen auf den Fahrersitz hüpfte (im Schlafanzug) um schnell zum Strand zu kommen und mich endlich mit dem neuen Board in die Wellen zu stürzen. Ich fuhr die 10 Minuten zurück zum Campingplatz (dessen Platz für 40 Euro ich lächelnd abgelehnt hatte) und fand einen Parkplatz am Straßenrand nahe des Strandzugangs. Während ich mir dann endlich meinen Kaffee kochte (am Straßenrand) wachste ich das Board und zwängte mich in den Neo. Und dann endlich ab ins Meer. Entgegen dessen, wie ich es eigentlich gelernt hatte, ersparte ich mir den obligatorischen Gang zum Strand um die Wellenlage abzuchecken und nahm das Board direkt mit. Leider war da tatsächlich nicht viel mit Wellen. Nun war ich aber schon da und so probierte ich trotzdem mein Glück. Ich bin ein Dickkopf… Das Ende vom Lied war ca. 1 Stunde Rumgepaddel zusammen mit 3 anderen Surfern (oder welche, die es in diesem Moment gerne wären). Nicht eine Welle kam zur richtigen Zeit am richtigen Ort, so dass ich bald unverrichteter Dinge wieder zurück zum Auto tapste. Naja sind ja noch ein paar Tage und wenigstens bekam ich so ein ersten Gefühl für das unbekannte Board.

 

Weiter ging es dann nach Cap Ferret zum Leuchtturm, von wo aus ich einen wunderschönen Ausblick genoss. Mittlerweile war es Mittag und ich wollte unbedingt wieder ins Wasser. Nachdem das Surfboard heute morgen seine Chance hatte, war nun StandUp-Paddling in der Bucht von Arcachon dran. Nach 5 Minuten mühsamen Aufpumpens ging es endlich los. Dazu sei gesagt, ich stand noch nie auf so einem Ding. Sah ja eigentlich einfach aus. Erstmal auf Knien ging es entlang der angelegten Yachten und Motorboote raus auf die Bucht. Ich wollte an der Sandbank entlang fahren, die kurz vor dem Strand von Cap Ferret war. So könnte ich jederzeit an Land gehen und notfalls zurück laufen. Schnell gestand ich mir ein, dass das “StandUp” bei der Geschichte doch schwerer war als gedacht. Zumindest bei den doch recht großen Wellen, die durch die Boote entstanden (die Ironie hinter der Wellengröße im Vergleich zum Morgen muss ich nicht betonen denke ich… ?) Da ich dennoch meine Runde um die Sandbank drehen wollte, setzte ich mich kurzerhand im Schneidersitz aufs Board und funktionierte es somit als Kanu um. Das funktionierte dank langjähriger Paddel-Erfahrung auf der Lahn auch einwandfrei. Zwar schmunzelten einige der vorbeifahrenden Motorboote, aber ab morgen machen das alle so – wartet nur ab! Ziemlich schnell kam ich am Ende der Sandbank an. Zurückerinnert an eine Fahrradtour als Kind, die zunächst mit dem Wind und später gegen den Wind zurück erfolgte (ich musste damals auf dem Rückweg mit Keksen bestochen werden) ahnte ich, dass der Rückweg etwas länger dauern würde. Leider gab es diesmal nicht einmal Kekse… dafür jede Menge freundlicher Franzosen, die von ihren Booten aus fragten, ob ich Hilfe bräuchte. Tapfer paddelte ich gegen den Strom an. Aber nach der Hälfte ging es dann gar nicht mehr und ich paddelte nur noch auf der Stelle (ihr glaubt nicht wie blöd man sich dabei vorkommt….). Also kam mein Notfallplan ins Spiel, der sich rückblickend als gar nicht so schlecht erwies. Durch die Austern-Zucht-Bänke ging es an Land. Diese mal von Nahem zu sehen war es auf jeden Fall wert. Eine der Muscheln wurde auch eingepackt und thront nun auf dem Armaturenbrett. Der Marsch über die Sandbank war dann zwar so heiß, dass ich mir die Füße verbrannte, ging aber recht flott, so dass ich mit meiner dickköpfigen Idee im Ergebnis doch noch sehr zufrieden war.

Ich sattelte wieder die Pferde und fuhr um die Bucht herum in ein kleines Fischerdorf namens Port Larros, in dem Kostproben der Austern verkauft werden. Da ich noch nie Austern gegessen hatte, musste dies hier auf jeden Fall sein. Lauffaul schnappte ich mir mein Longboard und fuhr die Hafen-Straße entlang, auf der Suche nach einem netten Laden. Ich wurde fündig und genoss bei schöner Atmosphäre 6 Austern, mit Brot, Butter und Wein für nur 9 Euro. Zugegeben, es wird wohl nie vorkommen, dass ich mir Abends beim Kochen überlege: “ach Austern könnte man mal wieder essen”, aber lecker und in Kombi mit dem langsam entstehenden Urlaubsfeeling war es in jedem Fall. Einen weiteren kurzen Stop legte ich in Arcachon ein. Mit einem Litschi-Eis in der Hand, schlenderte ich durch die Straßen. Viel zu sagen gibt es nicht. Ein hübsches aber ziemlich touristisches Städtchen.

Nach diesem letzten Stop ging es zur Düne von Pilat. Ich wollte hier unbedingt den Sonnenuntergang sehen, so dass ich zwangsläufig in der Umgebung etwas zum Campen finden musste. Dass das hier mit Parken ein Ding der Unmöglichkeit würde, war schnell klar, da sogar die normalen Parkplätze für die Besucher der Düne horrende Preise verlangten. Ich fuhr also den ersten der beiden Campingplätze an. 40 Euro pro Nacht. Ich lehnte genauso lächelnd dankend ab wie am Vorabend und fuhr weiter. Beim nächsten waren es nur 26. Ich schaute mir den Platz kurz an und stellte fest, dass dieser DIREKT an der Düne lag. Großes Plus. Als ich dann lieb fragte, ob sie einen Spot direkt an der Düne für mich hätten, nahm der nette Mitarbeiter den Golfcaddy und fuhr mich zu einem freien Spot. Er war perfekt und wirklich direkt an der Düne. Ich musste ihn haben. Manko: der Spot war auf Sandboden. Der Mitarbeiter fragt, was für ein Auto ich hätte und meinte, dass es gut sein könnte dass ich stecken bleibe. Ich Dickkopf. Muss. Den. Platz. Haben. Nicht den nebendran. DIESEN. Als der Mitarbeiter versprach, er würde mich notfalls mit einem Traktor rausziehen, war die Sache geritzt. Ich fuhr mit Schwung rein. Soweit alles gut. Aber die Hecktür musste ja zur Düne ausgerichtet sein. Also drehte ich. Und das wars. Festgefahren im Sand, eine große Wurzel direkt hinter mir und die Hecke vor mir. Hervorragend. Ich war schon drauf und dran zerknirscht zur Rezeption zu laufen, als zwei Franzosen fragten, ob sie mir helfen könnten. Mit viel Lärm, Gestank, und Drücken stand Tommy irgendwann so wie er sollte. Hoffentlich geht’s ihm gut. Ich bedankte mich mit einem Bier und nahm das Versprechen entgegen, dass sie mich morgen auch rausschieben würden. Der Spot ist den Aufwand auf jeden Fall wert gewesen. Mit weniger als 50 Metern zu diesem 100 Meter hohen Koloss ein Bier zu trinken und dabei die Sonne zu beobachten, wie sie langsam dahinter verschwindet… beeindruckend. Zum Sonnenuntergang ging es auf die Düne. Wunderschön! Nun liege ich unterm Sternenhimmel (diesmal ohne Fliegennetz) und bin gerade ziemlich happy. 

Wie es weiterging…

 

 

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