Mekong Delta
– eine Tagestour mit Booten, Rädern und Popreis – 

 

Eine Tour zum Mekong Delta
Während unseres Besuchs in Saigon unternahmen wir einen Tagesausflug ins Mekong Delta. Im Vorhinein hatten wir lange hin und her überlegt, in welcher Form wir uns diese Gegend am besten ansehen sollten. Würde ein Tagesausflug reichen? Wenn ja, wohin sollten wir am besten fahren? Oder wäre es doch sinnvoller, eine Übernachtung – vielleicht bei einem Homestay – einzuplanen? Unsere Internet-Recherche lieferte keine so richtig überzeugenden Touren und schlussendlich ließen wir uns auf dem Weg in den Süden dann doch so viel Zeit, dass uns auch nur noch ein Tag für das Mekong Delta blieb. In einer Bar in Hoi An hatten wir ein deutsches Pärchen getroffen, die gerade aus Saigon gekommen waren. Sie schwärmten von ihrer Unterkunft und der Tagestour, die sie darüber gebucht hatten. Also vertrauten wir kurzerhand auf die Empfehlung und entschieden uns für die gleiche Unterkunft und gleiche Tour.#

 

 

Fahrt nach Cai Be
Am Morgen wurden wir um 7:30 im Hotel zu Fuß abgeholt und folgten dann dem Tourguide eine knappe halbe Stunde durch das Backpacker-Viertel, wo wir sämtliche andere Mitreisenden einsammelten. Gegen 8:15 ging es dann endlich mit dem Bus Richtung Mekong Delta und unser Guide erklärte uns kurz den Ablauf der Tour. Neben uns saß eine Belgierin, die ihren Magen-Darm-geplagten Mann im Hotel gelassen hatte und offenkundig nach einem Gesprächspartner suchte. Wobei, eigentlich suchte sie vor allem einen Zuhörer für ihre sehr detailliert Erzählung darüber, wie sie ihr Gepäck verloren und es nach viel Hick Hack irgendwann wieder bekommen hatte. Danach offenbarte sie uns dann noch, dass wir keine hohen Erwartungen an die Tour haben sollten, denn der schwimmende Markt, den wir als erstes besuchen würden, sei dann wahrscheinlich schon vorbei.

 

 

Schwimmender Markt in Cai Be
Gegen elf Uhr erreichten wir den Bootsanleger in Cai Be und tuckerten einige Zeit später mit einem motorisierten langen Holzboot los. Das Boot war überdacht und bestuhlt – doch mein liebster Reisebegleiter und ich wechselten bald nach Hinten auf die kleine Holzfläche am Heck und ließen uns die Sonne ins Gesicht strahlen und Mekong-Wasser an die Füße spritzen.
Die Fahrt führte uns vorbei an einfachen bis heruntergekommen Hütten und sogar einer kleinen Dorfkirche, die inmitten von kleinen Verschlägen stand, die drohten, jeden Moment ins Wasser zu kippen.
In der Mitte des Kanals lagen einige größere Holzboote und als wir schon fast vorbei waren, vernahmen wir die Erklärung des Guides: das war er, der schwimmende Markt. Okay – also man hatte uns gesagt es sei ein „kleiner“ Markt… aber der war ja wirklich einfach schon tot. Später offenbarte mir eine Google-Bild-Suche, dass der Kanal am Morgen zumindest voll mit kleinen Holzbooten ist und man dann auch ein reges Handeln zwischen den Menschen beobachten kann. Tja, hatte die Belgierin wohl Recht gehabt.

 

 

Coconut Island
Wir machten uns nicht allzu viel daraus – solche Märkte kann man sich ja auch nochmal in Thailand ansehen… Stattdessen genossen wir die nunmehr idyllische Bootsfahrt über den breiten braunen Arm des Mekong, entlang eines überwucherten grünen Ufers. So hätte ich auch gut und gern den ganzen Tag verbringen können.
Leider viel zu schnell erreichten wir bereits unseren nächsten Stopp: Coconut Island. Was erstmal nach einem kleinen Robinson Crusoe Paradies klingt, war nicht viel mehr als ein kurzer Besuch in einer großen Hütte, in der unter anderem die typisch vietnamesischen Coconut-Candys hergestellt werden. Doch nicht nur die kleinen Bonbons, die so klebrig sind, dass sie einem die Kronen aus den Zähnen ziehen (sofern man welche hat), auch die knusprigen Popreis-Cracker gibt’s dort. Unser Guide führte uns zu den einzelnen Stationen des Herstellungsprozess und wir konnten beobachten, wie der Reis zunächst in einen großen heißen gusseisernen Wok kam und innerhalb von knapp 10 Sekunden aufpoppte. Danach kamen die Popkorn-ähnlichen Kugeln in einen großen Topf mit einer Mischung heißem Zucker, Fett und Gewürz. Es braucht dann zwei Menschen, die mit großen Holzlöffeln die immer klebriger werdende Masse durchmischen, bist sie beinahe fest wird. Zu guter Letzt wird der Inhalt des Topfes auf einer Matte glatt gestrichen und später in kleine Stücke gebrochen. Diese schmecken übrigens echt ziemlich lecker.


Auch die Herstellung des Reispapiers für die Sommerrollen kann man hier beobachten. Aber darin waren wir ja selbst schon halbe Profis durch unsere Kochschul-Erfahrungen aus Hoi An. Die Coconut-Candys entstehen übrigens aus einer klebrigen braun marmorierten Masse (so wie jedes Bonbon), die sogar von einer Maschine durchgeknetet wird. Danach werden lange Schlangen in eine Form gedrückt und danach in kleine Quadrate geschnitten, die dann ein in sorgfältiger Handarbeit in Papier eingewickelt werden (die unterste Lage ist übrigens Reispapier und kann gegessen werden. Aber nur die!)

 

 

Mittagspause
Nach einer weiteren kurzen Bootsfahrt wechselten wir auf das wohl ursprünglichste vietnamesische Fortbewegungsmittel: das Fahrrad. Die alten Drahtesel bestanden aus mehr Rostflecken als Metall und sahen aus, als würden sie nach spätestens 10 Metern auseinanderbrechen.  Der schwarze Sattel war dermaßen heiß, dass ich Sorge hatte, meine Haut könnte sich daran festbrennen. Doch im Stehen zu fahren war auch keine Option, denn die Pedale lagen eher schräg im Gewinde und machten nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck. Außerdem wollte ich dem Boden auch so nahe wie möglich bleiben, denn nach wenigen Metern musste ich nach einer kurzen Schrecksekunde feststellen, dass meine Bremse nicht funktionierte. Na gut, ist ja nicht weiter schlimm – geht ja nur gerade aus. Die Strecke war tatsächlich ganz nett entlang von Plantagen und kleinen einzelnen Häuschen. Irgendwann kreuzte der Weg dann einen Kanal und eine kleine Brücke führte hinüber. Mein liebster Reisebegleiter meinte noch, ich solle die GoPro wegstecken, damit ich beide Hände frei hätte. Doch ich hatte das Problem „Bremse“ schon wieder komplett vergessen und trat stattdessen so richtig in die Pedale um entspannt die Brücke hinauf zu rollen. Blöd nur, dass es auf der anderen Seit ja wieder hinunter geht! Was soll ich sagen – mit den Fußspitzen am Boden schleifend und mit genug Ausroll-Weg kam ich irgendwann zum Stehen. Mein Puls 20 Minuten später dann auch. 
Die Radtour dauerte leider (oder zum Glück?) nur knapp 10 Minuten und dann hieß es erstmal Mittagspause. Wir hielten an irgendeinem Haus mit großem Garten und hatten vorher im Boot schon a la Flugzeug-Sandwich-Bestellung die Wahl zwischen Huhn und Fisch gehabt. Das Essen war okay und wir unterhielten uns ganz nett mit zwei Holländerinnen. Wer wollte, hielt ein kleines Mittagsschläfchen in einer der Hängematten oder beobachtete die große Python, die im Garten (im Käfig) ebenfalls vor sich hinschlummerte. Mir persönlich war die Pause mit über eine Stunde viel zu lang – aber irgendwann war dann endlich wieder Aufbruch angesagt und wir marschierten zu einem kleinen Steg.

 

 

Kanalfahrt
Als nächstes wurden wir jeweils zu viert in ein kleines Ruderboot verfrachtet. Auf dem Heck balancierte jeweils ein Vietnamese, der uns durch den Kanal paddelte. Doch bevor es losging, wurden erstmal an jeden einen der typisch vietnamesischen Strohhüte verteilt… Ich stellte aber schnell fest, dass es trotz der knallenden Sonne angenehmer ohne Hut war, denn darunter staute sich die Luft doch sehr. Die ca. 20 Minuten auf dem Kanal waren ganz nett – allerdings ist es als Teil einer langen Kette von Booten nun auch nicht übermäßig atmosphärisch. Und ehrlich gesagt – auch wenn da links und rechts Palmen und sonstiges Grün wächst: ich fand unsere Familien-Kanutouren auf der Lahn mitunter wesentlich idyllischer… (Jammern auf ganz hohem Niveau). Am Ende des Kanals wartete bereits das größere Holzboot auf uns und wir gingen direkt von den kleinen Paddelbooten aus an Bord.

 

 

Tea-Time
Einen kurzen Stopp legten wir noch in einem netten kleinen Garten-Café ein, wo bereits leckerer Tee und Früchte auf uns warteten. Dazu wurde uns knapp 20 Minuten vietnamesische „Volksmusik“ präsentiert. Hierzu wurde zur Musik einer Gitarre und einem Harfen-ähnlichen Instrument gesungen, wobei der Gesang eher eine Art Sprechgesang und wenig melodisch war. Es erinnerte ein bisschen an die musikalische Untermalung des Wasserpuppentheaters in Hanoi. Die Sänger waren zugleich Schauspieler und untermalten ihre Sprechgesänge mit Kostüm und Gesten.
Leider konnte man sich auf die Vorführung nicht so recht einlassen, denn der überwiegende Teil der Mitreisenden saß einem gelangweilt im Blickfeld und tuschelte, kicherte und verdrehte die Augen. Der absolute Knaller war aber eine Gruppe Primaten-ähnlicher Schweizer in unserem Alter, die lautstark redeten und lachten, als wäre es eine Hüttengaudi. Wir schämten uns derartig fremd, dass mein liebster Reisebegleiter (der sonst die Ruhe in Person ist) nach einer Weile energisch dazwischen ging und die Affen zur Raison rief. Sie verdrehten die Augen, wurden leiser und verkrümelten sich dann. Peinlich…


Hiernach endete unsere Tour dann auch schon. Mit dem Boot ging’s zurück zum Bus und dann fast vier Stunden Fahrt zurück nach Saigon.

 

Fazit
Der Ausflug ins Mekong-Delta war vielleicht nicht unser Highlight der Reise, aber dennoch war es ein schöner Ausflug. Natürlich war es schade, dass wir den schwimmenden Markt nicht erlebt haben, aber das ist wohl nur möglich, wenn man dort über Nacht bleibt und dann früh morgens aufschlägt. Die Tour war auf jeden Fall gut um einen Eindruck von der Gegend zu bekommen und die Bootsfahrt entlang der Hütten, Reisfelder und Plantagen war richtig entspannend.

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  1. […] Mekong selbst gebildet, der aus China kommend die drei Länder voneinander trennt, bis er durch das Mekong-Delta über Kambodscha und Vietnam nach ca. 4500 Kilometern im Südchinesischen Meer endet. Es war also […]

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