Über Monywa nach Bagan: Tausende Buddhas und eine abenteuerliche Weiterreise

Über Monywa nach Bagan
Tausende Buddhas und eine abenteuerliche Weiterreise

 
Am nächsten Morgen wartete unser neuer Bekannter, der Guide, den wir am Abend zuvor getroffen hatten, wie versprochen in der Lobby unseres Hotels um uns für unseren Ausflug nach Monywa abzuholen. Er selbst hatte zwar keine Zeit für die Fahrt, hatte uns aber einen netten Fahrer mitgebracht. Einen kurzen Stopp legten wir daher erstmal noch bei dem Guide zu Hause ein, wo wir die Details der Tour klärten und zahlten. Es war ziemlich interessant, einmal zu sehen, wie man hier so lebte in Mandalay. Das Erdgeschoss bestand aus einem schlichten Betonboden und die Roller, der scheinbar wichtigste Gegenstand eines jeden Haushalts hier, standen mitten im Wohnbereich. Zwar mag die Einrichtung aus europäischer Sicht etwas spartanisch gewirkt haben, durch die vielen Familienfotos an den Wänden (zwischen unzähligen kreuz und quer verlaufenden Kabeln) und die freundlichen und neugierigen Bewohner machte es dennoch einen sehr heimeligen und einladenden Eindruck.
 

Fahrt nach Monywa
Ganz viele Eindrücke vom Leben dort, konnten wir dann auch auf unserer ca. zweieinhalbstündigen Fahrt nach Monywa sammeln. Unsere Fahrt führte uns vorbei an kleinen Wellblechhütten und großen Müllbergen – allerdings auch durch sehr schöne Natur. Auf halben Weg nach Monywa hörten wir dann plötzlich laute Musik und Gesang. Eine Karaokebar mitten in der Pampa? Nein. Am Straßenrand standen ein Dutzend Jugendliche in bunten Shirts und großen Silberschalen in den Händen, die sie im Takt schüttelten. Dazu sang jemand tatsächlich an einer Art Karaokemaschine. Eine sehr skurrile Partystimmung mitten im Nirgendwo. Solche Partycrews wiederholten sich dann alle paar Kilometer und unser Fahrer warf auch meistens etwas in eine der Schalen. Wir fragten ihn, für was das Geld war. Er konnte kaum Englisch, ich meine aber, er wollte uns erklären, dass es Spenden für die Erhaltung der Pagoden war. Da seine Englischkenntnisse wirklich nicht über 10 Wörter hinausgingen rief sogar irgendwann unser Guide auf dem Handy des Fahrers an und fragte uns, ob alles in Ordnung sei und dass wir ihn anrufen sollten, wenn wir irgendwelche Fragen hätten.

 

Bodhi Tataung
Nach etwa 3 Stunden kamen wir dann an der ersten Pagode für diesen Tag an. Diese besteht vor allem aus zwei großen Buddhastatuen – einem liegenden und einem stehenden weiter hinten. Schon von weitem stechen sie aus der Landschaft heraus und erinnern etwas an ein Klassenfoto. Seitlich der beiden weiß goldenen Statuen bauen sie sogar noch einen sitzenden Buddha.
Rechts von der Zufahrtsstraße befindet sich bereits ein großes Feld mit tausenden kleinen (fast identischen) Buddhastatuen, die in regelmäßigen Abständen angeordnet waren.
Auf der ersten Ebene kann man dann die  ca. 100 Meter des liegenden Buddhas entlanglaufen und hat einen guten Blick auf das Zusammenspiel der beiden Statuen.

 

Von dort aus geht es dann noch eine kurze Fahrt weiter hinauf zum stehenden Buddha. Dieser ist knapp 130 Meter hoch und steht auf einem schönen großen Platz, von dem aus man eine tolle Aussicht hat. Die Figur kann man sogar betreten und findet im Innern auf mehreren Ebenen, neben weiteren Buddhafiguren, vor allem sehr skurrile Wandbemalungen. In den unteren Ebenen sind die Motive recht makaber – mit Teufeln, die Menschen plattwalzen, dafür folgen in den oberen Ebenen folgen kitischig bunte und fröhliche Bilder.

 

Apropos Ebenen. Es sind ca. 25 Stockwerke und insgesamt gute 450 Stufen bis nach oben. Da wir nur 40 Minuten Zeit hatten, spurteten wir recht fix nach oben, denn von oben würde man sicherlich eine herrliche Aussicht haben. Pustekuchen. Unsere körperliche Anstrengung wurde am Ende lediglich mit einem semischönen Blick auf eine Gittertür mit dahinterliegendem Dachboden belohnt. Na gut dann eben wieder runter – der Weg ist das Ziel. Am Auto wartet unser Fahrer bereits mit zwei eiskalten Coladosen auf uns. Als hätte er es geahnt wie sehr wie die nötig haben werden…

 

Thanboddhay Pagode
Ein paar Kilometer weiter wartet die zweite unserer Monywa-Pagoden auf uns. Die Thanboddhay ist total bunt und sieht von außen ganz und gar anders aus, als die Pagoden, die wir bisher gesehen haben. Viele kleine bunte Verzierungen und sehr verspielt erinnert sie ein bisschen wie ein schönes altes Karussell (die hübschen aus Holz – nicht diese furchtbaren mit Feuerwehr-Autos!). Das Besondere ist aber vor allem die Vielzahl der kleinen und großen Buddhafiguren, die man hier zählen kann (mit ganz viel Zeit). Insgesamt sind es wohl um die 600.000! Leider hatten wir nur noch knapp 20 Minuten Zeit und konnten daher mal wieder nicht nachzählen, ob das auch so stimmt. Von Innen ist die Pagode sehr symmetrisch aufgebaut und die Ecken sind mehr oder weniger identisch. Wir wären hier trotzdem noch gerne länger geblieben und ich hätte dann wohl noch tausend kleine Detailaufnahmen von bunten Verzierungen gemacht…

 

 

Weiter nach Bagan?
Zurück bei unserem Fahrer empfing er uns mit einem zerknirschten Gesicht und erklärte uns, dass es wohl keinen Bus (mehr?) nach Bagan gäbe. Er begann wild hin und her zu telefonieren und drückte uns irgendwann sein Handy in die Hand. Am anderen Ende der Leitung war der Guide, der uns dann erklärte, dass es keine Möglichkeit gäbe an diesem Tag von Monywa nach Bagan zu gelangen. Wir könnten aber mit unserem Fahrer zurück nach Mandalay fahren und dann von dort aus einen Bus nach Bagan nehmen. Wir waren nicht gerade begeistert von so viel Stunden Fahrt (bei nur knapp zwei Stunden Besichtigungszeit) – aber was sollten wir schon anderes machen als ihnen zu vertrauen? Während wir schon losfuhren, fragten wir dann aber doch noch unseren Fahrer, ob nicht er uns nach Bagan fahren könnte und was uns das kosten würde. Statt einer Antwort rief er seine Agentur an und die Dame am anderen Ende erklärte uns dann, das würde uns zusätzliche 80 Dollar kosten. Das war uns echt zu viel. Dann lieber ein paar Stunden mehr unterwegs. Als ich ihr das erklärte, teilte sie mir aber dann noch mit, dass wir für die Fahrt zurück nach Mandalay dann nochmal 20.000 Kyat, also etwa 14 Euro kosten würde. Der Fahrer winkte ab und legte auf. Stattdessen rief er dann wild bei diversen anderen Menschen an und machte uns irgendwann deutlich, dass er nun zwei Bustickets von Mandalay nach Bagan für 17 Uhr reserviert habe.

 

Zurück in Mandalay
Gegen 4 Uhr waren wir zurück in Mandalay und sahen auf der Fahrt wenigstens noch das eindrucksvolle Steinmetzviertel, das wir bei unserer Tour durch die Stadt ausgelassen hatten.

Inmitten dieses Viertels hielten wir dann an einer Werkstatt, wo unser Guide arbeitete. Er erklärte uns dann etwas zerknirscht, dass seine Agentur nun die zusätzlichen Kyat bezahlt haben wollte und er zwischen uns und ihnen vermitteln solle. Wir einigten uns dann auf 15.000 – was wohl immer noch fair war, denn ein Tagesausflug hin und zurück kostete sonst laut anderer Blogs um die 95.000 Kyat.

 

Fahrt nach Bagan
Unser Fahrer setzte uns dann auch noch an der Busstation ab. Ein kleiner Verkaufstresen, halb auf der Straße, mit einigen Plastikstühlen davor. Dort warteten wir noch eine knappe halbe Stunde und relativ pünktlich kam dann unser Bus, eine Art Minivan, mit zwei Plätzen auf der einen Seite und einem Einzelsitz auf der anderen. Ziemlich heruntergekommen, aber gar nicht mal so unbequem. Unbequem wurde es dann allerdings, nachdem wir uns ca. eine Stunde durch den Verkehr aus Mandalay hinaus gekämpft hatten. Danach folgten Stunden mit geteerten Feldwegen, engen Kurven und einem wahnwitzigen Fahrstil. Irgendwo im Nirgendwo, an einer Art „Raststätte“ machten wir eine halbe Stunde Pause und genehmigten uns erstmal ein Bier auf den ganzen Trubel. Danach fiel es auch etwas leichter, Straßenverhältnisse und Fahrstil zu ignorieren und jegliches Hinterfragen der Situation beiseite zu schieben.

 

Wir waren trotzdem froh, als wir gegen halb elf in Bagan – im Stadtteil Nyaung-U eintrudelten, auch ohne Probleme ein Zimmer in dem Hotel bekamen, das wir uns während der Fahrt herausgesucht hatten. Als nächstes musste aber noch unbedingt ein Restaurant her, denn Mittag- und Abendessen waren unserem Reisetrubel zum Opfer gefallen. Das hatte sich übrigens unser Fahrer auf der Rückfahrt nach Mandalay wohl auch irgendwann gedacht und ohne großen Kommentar an einem Straßenstand gehalten um Reiscracker und Chips für uns zu kaufen.
Leider war Bagan nicht ganz so bemüht um unser leibliches Wohl und es wurde noch recht kompliziert überhaupt ein offenes Restaurant zu finden. Letztendlich landeten wir dann im „Bagan ZAY“, einem ziemlichen Touri-Schuppen, in dem sich schon eine Gruppe männlicher Briten und weiblicher Deutschen näherkamen. Auch hier hatte die Küche schon zu, so dass es nur noch ein paar kleine und überteuerte Snacks für uns gab. Wenn wir die Kellnerin richtig verstanden haben, war das aber nur ausnahmsweise so, da sie wegen der Examenszeit früh schließen müssten. (Darüber hatten wir schon von unserem Guide in Mandalay erfahren, der uns erklärte, dass in den Tagen der Examina viele Straßen gesperrt würden, damit die Kids nicht zu sehr gestört würden.) Das Restaurant können wir nicht weiterempfehlen, aber es füllte zumindest noch notdürftig unsere Mägen bis zum nächsten Morgen.

 

 

Lehre des Tages:
In Myanmar lassen sich Routen abseits der klassischen Touristenpfade noch nicht so einfach bestreiten. Für so etwas muss man zumindest viel Zeit und Flexibilität mitbringen. Ein so straffer Zeitplan wie wir ihn uns gesetzt hatten, ist da schwierig einzuhalten. Auf der anderen Seit fanden wir so heraus, dass die Burmesen unglaublich hilfsbereit und zuvorkommend sind. Unser Fahrer war so bemüht, uns irgendwie nach Bagan zu buchsieren, dass wir uns total gut aufgehoben gefühlt haben. Wir haben unseren Kurztrip nach Monywa jedenfalls total genossen und die Pagoden dort sind die Fahrt (die an sich schon total interessant ist) in jedem Fall wert.

Für den nächsten Tag stehen ganz viele alte Tempel und das erste Mal Roller-Fahren auf dem Programm. Es bleibt spannend!

 

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