Über Monywa nach Bagan

Tausende Buddhas und eine abenteuerliche Weiterreise

Boddhi Tataung Monywa
Monywa Karte

Unser neuer Freund, der Guide

Am Morgen erwartet uns im Foyer unseres Hotels in Mandalay unser neuer Freund, den wir am Vortag bei unserer Tour in die Umgebung Mandalays kennen gelernt haben. Am Abend, während eines wunderschönen Sonnenuntergangs an der U-Bein-Brücke in Amarapura, erzählten wir ihm von unserem Vorhaben von Mandalay ins unbekannte Monywa zu fahren und von dort einen Bus nach Bagan zu nehmen. Mangels Infos im Internet oder im Reiseführer, waren wir recht planlos. Als er uns anbot, er könne uns nach Monywa fahren und uns dort bei der Suche nach einem Bus unterstützen, mussten wir nicht lange überlegen. 

Unser Freund selbst hat dann zwar doch keine Zeit für die Fahrt, bringt uns aber einen netten Fahrer mit. Zu viert fahren wir zu  ihm nach Hause und lassen uns neugierig auf seinem Sofa nieder. Das Erdgeschoss besteht aus einem schlichten Betonboden, den nötigsten Einrichtungsgegenständen aber zahlreichen Familienfotos an den Wänden.

In der Mitte des Raums stehen die beiden Roller der Familie – sicher und wohl behütet. Der Roller ist nämlich – so scheint es jedenfalls – der wichtigste Gegenstand einer Familie in Myanmar. Kaum ein Meter wird ohne das Zweirad zurückgelegt, ganze Familien und Tierherden werden damit transportiert und an vielen Ecken sitzt man auch einfach entspannt auf seinem Roller mit den Füßen auf dem Lenker und wartet – worauf eigentlich?

Die etwa 12-jährige Tochter der Familie beobachtet uns neugierig aber auch iIch bin so fasziniert von meiner Umgebung, dass ich mich kaum auf das Besprechen unserer Tour und die Bezahlung konzentrieren kann.

Fahrt von Mandalay nach Monywa

Irgendwann müssen wir uns dennoch loseisen und uns auf den Weg nach Monywa machen. Doch auch auf der ca. zweieinhalbstündigen Fahrt sammeln wir zahlreiche Eindrücke vom Leben in Myanmar abseits der Sehenswürdigkeiten. 

Wir fahren vorbei an kleinen Wellblechhütten, großen Müllbergen aber auch wunderschöne Natur. Auf halben Weg nach Monywa hören wir plötzlich laute Musik und Gesang. Eine Karaokebar mitten in der Pampa? Nein. Am Straßenrand steht ein Dutzend Jugendliche in bunten Shirts und großen Silberschalen in den Händen, die sie im Takt schütteln und Geld sammeln. Dazu singt jemand tatsächlich an einer Art Karaokemaschine. Eine sehr skurrile Partystimmung mitten im Nirgendwo. 

Solche Partycrews wiederholen sich alle paar Kilometer und unser Fahrer wirft auch meistens etwas in eine der Schalen. Wir fragen ihn, für was das Geld bestimmt ist. Er spricht kaum Englisch, aber ich glaube er will uns erklären, dass es Spenden für die Erhaltung der Pagoden sind. Unsere Sprachbarrieren führen sogar dazu, dass uns irgendwann der Guide auf dem Handy des Fahrers anruft und uns fragt, ob alles in Ordnung ist. Er sagt, wir sollen ihn jederzeit anrufen, wenn wir eine Frage haben. Es soll nicht das letzte Telefonat bleiben. 

Bodhi Tataung: Riesenbuddhas in Monywa

Nach etwa 3 Stunden Fahrt erreichen wir unsere erste Pagode in Monywa. Diese besteht vor allem aus zwei großen Buddhastatuen – einem liegenden und einem stehenden weiter hinten. Schon von weitem stechen sie aus der Landschaft heraus und erinnern etwas an ein Klassenfoto. Seitlich der beiden weiß goldenen Statuen bauen sie sogar noch einen großen sitzenden Buddha.

Rechts von der Zufahrtsstraße zu den Riesenbuddhas befindet sich bereits ein großes Feld mit tausend kleinen Buddhastatuen (“Thousand Bhuddas”), die in regelmäßigen Abständen angeordnet sind. Sie sind beinah identisch, doch wer genau hinschaut, findet hier und da einen kleinen Unterschied.

Weiter geht es zur ersten Ebene der Pagode. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf das Zusammenspiel der beiden Statuen und kann den ca.. 100 Meter langen liegenden Buddha entlang laufen.

Unser Fahrer fährt uns noch ein kleine Stück weiter hinauf zum stehenden Buddha. Dieser ist knapp 130 Meter hoch und steht auf einem großen Platz, von dem aus man eine tolle Aussicht hat.

Die Figur kann man sogar betreten und findet im Innern auf mehreren Ebenen weitere Buddhafiguren und sehr skurrile Wandbemalungen: In den unteren Ebenen sind die Motive recht makaber – mit Teufeln, die Menschen plattwalzen oder kochen, dafür folgen in den oberen Ebenen kitschig bunte und fröhliche Bilder.

Apropos Ebenen. Der Buddha hat ca. 25 Stockwerke und insgesamt gute 450 Stufen bis nach oben. Unser Fahrer hatte uns in seinem Tagesplan lediglich 40 Minuten für den Buddha eingeräumt und so spurten wir recht fix nach oben um die sicherlich herrliche Aussicht zu genießen. Pustekuchen.

Unsere körperliche Anstrengung wird am Ende lediglich mit einem semi-schönen Blick auf eine Gittertür mit dahinterliegendem Dachboden belohnt. Na gut dann eben wieder runter – der Weg ist ja bekanntlich das Ziel. Am Auto wartet unser Fahrer bereits mit zwei eiskalten Coladosen auf uns. Als hätte er es geahnt wie sehr wie die nötig haben würden.

Thanboddhay Pagode: Tausende Buddhas in Monywa

Ein paar Kilometer weiter wartet die zweite unserer Monywa Pagoden auf uns. Die Thanboddhay Pagode ist sehr bunt und sieht von außen ganz und gar anders aus, als die Pagoden, die wir bisher gesehen haben. Viele kleine bunte Verzierungen und sehr verspielt, erinnert sie ein bisschen an ein schönes altes Karussell (die hübschen aus Holz – nicht diese furchtbaren mit Feuerwehr-Autos!). 

Das Besondere ist aber vor allem die Vielzahl der kleinen und großen Buddhafiguren, die man hier zählen kann (mit ganz viel Zeit). Insgesamt sind es wohl um die 600.000! Leider haben wir nur noch knapp 20 Minuten Zeit und können daher nicht nachzählen. Von Innen ist die Pagode sehr symmetrisch aufgebaut und die Ecken sind mehr oder weniger identisch. Wir würden gern noch länger bleiben aber es gilt noch einen Bus nach Bagan zu erwischen.

Monywa nach Bagan?

Zurück bei unserem Fahrer empfängt er uns mit einem zerknirschten Gesicht und erklärt uns, dass es wohl keinen Bus (mehr?) nach Bagan gäbe. Er beginnt wild hin und her zu telefonieren und drückt uns irgendwann sein Handy in die Hand. Am anderen Ende der Leitung ist unser Guide, der uns erklärt, dass es keine Möglichkeit gäbe an diesem Tag von Monywa nach Bagan zu gelangen. Wir könnten aber mit unserem Fahrer zurück nach Mandalay fahren und dann von dort aus einen Bus nach Bagan nehmen. 

Wir sind nicht gerade begeistert von so viel Stunden Fahrt und das für nur knapp zwei Stunden Besichtigungszeit. Aber offenkundig bleibt uns nichts anderes übrig als ihm zu glauben. Andere Informationsquellen zu Monywa gibt es schlichtweg nicht. Während wir schon losfahren, fragen wir in als letzten Strohhalm unseren Fahrer, ob nicht er uns nach Bagan fahren könne und was uns das kosten würde.

Anstatt einer Antwort ruft er seine Agentur an und die Dame am anderen Ende erklärt uns, das würde uns zusätzliche 80 Dollar kosten. Zu viel für unsere Reisekasse – dann lieber ein paar Stunden länger unterwegs. Als ich ihr das erkläre, teilt sie mir aber dann noch mit, dass sie uns für die Fahrt zurück nach Mandalay dann nochmal 20.000 Kyat, also etwa 14 Euro berechnen würde. Ich bin überrascht, unser Fahrer winkt ab und legt auf. Stattdessen ruft er wild bei diversen anderen Menschen an und macht uns am Ende deutlich, dass er nun zwei Bustickets von Mandalay nach Bagan für 17 Uhr reserviert habe.

 

Zurück in Mandalay: das Steinmetzviertel

Gegen 4 Uhr sind wir zurück in Mandalay und sehen auf der Fahrt noch das eindrucksvolle Steinmetzviertel, das wir bei unserer Tour durch die Stadt ausgelassen hatten. Hier werden Buddhas in allen Größen und Formen hergestellt.    

Inmitten dieses Viertels halten wir an der Werkstatt, wo unser Guide arbeitet. Er erklärt uns etwas zerknirscht, dass seine Agentur nun die zusätzlichen Kyat fordert und er zwischen uns und ihnen vermitteln solle. Wir einigten uns dann auf 15.000 – was wohl immer noch fair war, denn ein Tagesausflug hin und zurück kostet sonst laut anderer Blogs um die 95.000 Kyat.

Fahrt von Mandalay nach Bagan

Unser Fahrer setzt uns an der Busstation ab, einem kleinen Verkaufstresen, halb auf der Straße, mit einigen Plastikstühlen davor. Relativ pünktlich kommt unser Bus, eine Art Minivan, mit zwei Plätzen auf der einen Seite und einem Einzelsitz auf der anderen. Ziemlich heruntergekommen, aber gar nicht mal so unbequem. 

Unbequem wird es dann allerdings, nachdem wir uns ca. eine Stunde durch den Verkehr aus Mandalay hinaus gekämpft haben. Danach folgen Stunden mit geteerten Feldwegen, engen Kurven und einem wahnwitzigen Fahrstil. Irgendwo im Nirgendwo, an einer Art „Raststätte“, machen wir eine halbe Stunde Pause und genehmigen uns erstmal ein Bier auf den ganzen Trubel. Danach fällt es auch etwas leichter, Straßenverhältnisse und Fahrstil zu ignorieren und jegliches Hinterfragen der Situation beiseite zu schieben.

Ankunft in Bagan: Restaurant-Suche am späten Abend

Wir sind trotzdem froh, als wir gegen halb elf in Bagan – im Stadtteil Nyaung-U eintrudeln, auch ohne Probleme ein Zimmer in dem Hotel bekommen, das wir uns während der Fahrt herausgesucht hatten. 

Nun können wir uns der einzig verbleibenden Sorge widmen: Essen. Mittag- und Abendessen waren unserem Reisetrubel zum Opfer gefallen und so langsam wurden wir ungemütlich. Das hatte sich unser Fahrer auf der Rückfahrt nach Mandalay wohl auch irgendwann gedacht und kommentarlos an einem Straßenstand gehalten um Reiscracker und Chips für uns zu kaufen.

Leider ist Bagan nicht ganz so bemüht um unser leibliches Wohl und wir haben Probleme überhaupt ein offenes Restaurant zu finden. Letztendlich landen wir im „Bagan ZAY“, einem ziemlichen Touri-Schuppen, in dem sich gerade eine Gruppe männlicher Briten und weiblicher Deutschen näher kommt. 

Die Küche hat schon zu, so dass es nur noch ein paar kleine und überteuerte Snacks für uns gibt. Wenn wir die Kellnerin richtig verstanden haben, ist das aber nur ausnahmsweise so, da sie wegen der Examenszeit früh schließen müssen. Darüber hatten wir schon von unserem Guide in Mandalay erfahren, der uns erklärte, dass in den Tagen der Examina viele Straßen gesperrt würden, damit die Kids nicht zu sehr gestört würden. Verrückt – so was wäre in Deutschland undenkbar. 

Das Restaurant können wir dennoch nicht weiterempfehlen, aber es füllt zumindest noch notdürftig unsere Mägen bis zum nächsten Morgen. Für den nächsten Tag stehen ganz viele alte Tempel und das erste Mal Roller-Fahren auf dem Programm. Es bleibt spannend!

Fazit Monywa: Lohnt es sich und wenn ja wie?

In Myanmar lassen sich Routen abseits der klassischen Touristenpfade noch nicht so einfach bestreiten. Für so etwas muss man zumindest viel Zeit und Flexibilität mitbringen. Ein so straffer Zeitplan wie wir ihn uns gesetzt hatten, ist da schwierig einzuhalten.

Auf der anderen Seite finden wir so heraus, dass die Burmesen unglaublich hilfsbereit und zuvorkommend sind. Unser Fahrer war so bemüht, uns irgendwie nach Bagan zu buchsieren, dass wir uns total gut aufgehoben fühlten. Wir haben unseren Kurztrip nach Monywa jedenfalls total genossen und die Pagoden dort sind die Fahrt (die an sich schon total interessant ist) in jedem Fall wert.

Praktisches und Nützliches

  • Anfahrt

    Von Mandalay nach Monywa: 
    am einfachsten mit einem Fahrer, ca. 2,5 Stunden, ca. 60 Euro für Hin- und Rückfahrt

  • Unterkunft

    Wenn du mit einem Fahrer nach Monywa fährst, fährst du am einfachsten abends wieder zurück nach Mandalay. (Meinen Unterkunft-Tipp findest du im Artikel zu Mandalay)

  • Weiterfahrt nach Bagan

    Ist offenbar schwierig aus Monywa. Wenn du zeitlich flexibel bist, dann findest du aber wahrscheinlich irgendeine Fahrt von Monywa nach Bagan. Die Burmesen sind so bemüht, ihren Gästen zu helfen – im Zweifel fährt dich der Onkel eines Bruders vom Nachbarn.

    Wenn dir das zu unsicher ist, dann plane direkt eine Rückfahrt nach Mandalay und reise von Mandalay nach Bagan weiter. Für diese Strecke gibt es zahlreiche Busse und kleine Vans. 

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