Mui Ne: Dünen, Strandresort und Fischerdorf

Mui Ne
– Dünen, Strandresort und Fischerdorf –

 

Faul im Strandresort
Nachdem wir mitten in der Nacht in Mui Ne angekommen waren, klingelte nach wenigen Stunden Schlaf der Wecker, denn wir wollten ja in keinem Fall das Frühstück verpassen. Gespannt, was uns vor unserer Zimmertür erwarten würde, schleppten wir uns müde hinaus. Die Anlage des „Four Oceans Resort“ gefiel uns auf Anhieb! Die einzelnen Gebäude sind nicht zu groß und verteilen sich um eine hübsch angelegte Rasenfläche mit Palmen und bunt blühenden Pflanzen. Überall verteilt stehen kleine Schweinchen aus Ton (warum auch immer…) und inmitten der Pflanzen befindet sich ein hübscher ruhiger Pool, der zu einer Seite mit einer künstlichen Felswand umgrenzt ist. Der Restaurantbereich – eine große überdachte Veranda – liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt mit Blick auf das Meer und das Frühstücksbuffet ist die Wucht! Von frischen Omelettes und Pancakes über Obst und Baguette, bis hin zu verschiedenen warmen asiatischen Gerichten ist alles dabei was das Herz begehrt. Wir schlugen uns den Bauch voll und rollten zum Strand.

Es war zwar recht bewölkt und ziemlich windig, doch nachdem ursprünglich nur Regen und Gewitter angesagt war, beschwerten wir uns nicht und genossen es dennoch, faul am Strand zu liegen. Im Meer baden war aufgrund einer starken Strömung und der zahlreichen Kitesurfer allerdings eher unentspannt. In der näheren Umgebung gibt es einige Kiteschulen und kurz dachte ich darüber nach, diesen Wunsch endlich mal anzugehen. Doch die Kurse waren nur unwesentlich günstiger als in Deutschland und bei der kurzen Zeit die wir in Mui Ne verbringen würden, hätte sich das kaum gelohnt. Als es zu windig wurde verlagerten wir uns an den Pool und ich fand endlich mal etwas Ruhe zum Blog-Schreiben.


Am Abend begaben wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Das Resort-Restaurant war wie ausgestorben und die einzigen Mitarbeiter saßen versteckt im Halbdunkeln hinterm Tresen. Also liefen wir den Strand entlang. Auch hier war ziemlich tote Hose und wir wunderten uns über den Mangel an Beach-Bars und schönen Strandrestaurants. Ein paar Resorts weiter fanden wir dann doch noch ein Restaurant direkt auf dem Sand. Wir bestellten nur eine Kleinigkeit – zu einem recht hohen Preis – und waren bitter enttäuscht. Es war mit Abstand das schlechteste Essen, das wir bisher auf unserer Reise bekommen hatten. Die Frühlingsrollen trieften vor Fett und die Sommerrollen waren quasi nur mit Salat gefüllt und schmeckten nach nix.


Sonnenaufgang in den White Sand Dunes
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 4:00 Uhr (unser Biorhythmus war völlig verwirrt, war das doch genau die Uhrzeit, zu der wir die vorherige Nacht ins Bett gegangen waren). Doch da mussten wir durch, denn ich wollte unbedingt die Dünentour machen, von der ich vorher schon Wind bekommen hatte. Mit einem Jeep wurden wir um halb fünf vom Hotel abgeholt und brausten gemeinsam mit 7 anderen (überwiegend asiatischen) Touristen fast eine Stunde durch die Dunkelheit. Als es langsam begann zu dämmern erreichten wir die sandige Einfahrt und unser Guide brachte uns zum Eingang der White Sand Dunes, wo zahlreiche Quads auf uns warteten. Der Guide offenbarte uns nun, dass es nun (zusätzlich zu den ca. 6 Euro pro Person für die Tour) weitere 6 Euro pro Person kosten würde, sich zur Düne bringen zu lassen. Mir entwich ein sarkastisches Lachen und ich dachte mir nur „Good Morning Vietnam“, denn das entsprach nun tatsächlich komplett dem Klischee der Touristen-Abzocke. Auf unsere Frage ob man nicht einfach laufen könne, meinte er nur, dass das viel zu weit sei und man es auf keinen Fall rechtzeitig schaffen würde. Es war noch relativ dunkel und wir konnten nur bis zur ersten Sanderhebung blicken – also blieb uns nichts anderes übrig als ihm zu glauben. Wir entschieden uns dann aber dafür (in Erinnerung an das coole Herumcruisen in Bagan) einen eigenen Quad zu nehmen. Das sollte dann zwar fast 17 Euro kosten, aber so könnten wir wenigsten die eine Stunde, die wir an den Dünen verbringen durften, herumfahren.
Einer der Mitarbeiter warf das Ding an, während wir bei einem anderen bezahlten und los ging die wilde Fahrt. Nach dem ersten kleinen Hügel mussten wir dann schon feststellen, dass man den Weg ohne Probleme zu Fuß hätte meistern können. Die Düne, zu der alle hinaufgefahren wurden, war in ca. 15 Minuten Fußweg zu erreichen.
Aber die Fahrt machte ziemlich Spaß – also was soll’s. Leider endete sie dann aber auch schon, bevor wir die erste hohe Düne erreichten. Wir hatten uns festgefahren und auch nachdem wir den Quad hinausgezogen hatten, kamen wir den Berg nicht hinauf. Also drehten wir herum und probierten es eine Düne weiter, denn da wurden auch die meisten anderen hingefahren. Auch hier kamen wir nur knapp zur Hälfte und dann ging das Ding auch noch aus. Im Dämmerlicht suchten wir vergeblich nach dem Trick, unser Transportmittel wieder anzuschalten, wurden aber nicht fündig. Genervt und unter Zeitdruck ließen wir den Quad stehen und kraxelten die restlichen Meter zu Fuß hinauf. Oben angelangt hatte man zwar einen recht schönen Blick auf die umliegende Landschaft – aber wirklich spektakulär war der Sonnenaufgang von dort oben nicht, denn man befand sich genau auf dem Objekt, das man ja eigentlich im Licht der aufgehenden Sonne sehen wollte. Stattdessen ging die Sonne eben einfach über dem flachen Land dahinter auf. Aber wir machten es uns mit dem kleinen Frühstücks-Paket unseres Resorts im Sand gemütlich und beobachteten schmunzelnd die zahlreichen Asiaten, wie sie ihre privaten Fotoshootings vollführten (aus einem mir nicht ersichtlichen Grund posierte eine erstaunliche Zahl mit ihrem Smartphone am Ohr, als würden sie nun gerade auf der Düne telefonieren…).
Als sich unsere Treffpunkt-Uhrzeit langsam näherte, gingen wir zurück zum Quad und siehe da: nun im Tageslicht war es dann doch ziemlich offensichtlich, wo das Ding anzuschalten war. Der ca. ein Quadratzentimeter große gelbe Knopf war recht selbsterklärend – sofern man ihn erstmal sehen konnte… Enttäuscht, dass wir nun die ganze Zeit auf der Düne verplämpert hatten, anstatt durch die Gegend zu düsen, fuhren wir zurück – machten aber noch einen kleinen Schlenker zu dem westlichen Ende der White Sand Dunes. Dort, neben einem malerischen kleinen See war eine weitere hohe Düne, von der aus der Sonnenaufgang sicherlich wesentlich schöner gewesen wäre, denn dann hätte man die anderen Dünen im Blickwinkel vor der Sonne gehabt. Naja – hätte, hätte Fahrradkette. Half ja nix, wir mussten zurück zum Jeep.

 

 

Red Sand Dunes
Leider nahmen es nicht alle so genau mit der Pünktlichkeit und so wartete unsere Reisegruppe knapp 15 Minuten auf zwei Mitreisende, die irgendwann gemütlich angeschlendert kamen.
Weiter ging‘s (im Konvoi mit den restlichen Jeeps) zum nächsten Stopp der Tour: den Red Sand Dunes. Das Areal war deutlich kleiner als seine weißen Geschwister und direkt an der Straße gelegen. Doch wenn man sich ein bisschen vom Touristenstrom entfernte und in die andere Richtung ging, stapfte man auch recht allein durch ein kleines Mini-Namibia mit Blick auf das Meer.
Nach 20 Minuten mussten wir leider schon zurück sein – nur um wieder auf unsere beiden Grazien zu warten, die dann – zum Missmut unseres Guides – wieder mit 10 Minuten Verspätung eintrafen.

 

 

Fishing Village
Eine kurze Fahrt später hielten wir an einem höhergelegenen Straßenabschnitt, von dem aus wir einen tollen Blick hinab auf die Mui Ne Bucht hatten, in der zahlreiche bunte Fischerboote und die, für diese Gegend Vietnams typischen, kleinen Körbe, die anstatt eines Bootes genutzt werden. Am Ufer befindet sich ein kleiner Fisch-Markt, der zwar super fotogen ist, meiner Einschätzung nach aber nur als Show-Markt für Touristen fungiert. Auch bei den Fischerbooten würde ich darauf wetten, dass diese bei ihrer tadellosen bunten Lackierung mehr zur Deko im Wasser liegen. Aber es war trotzdem interessant, den Leuten beim Flicken der Netze zuzuschauen oder einfach entlang der Metallschalen zu schlendern, die mit allen möglichen Seafood gefüllt waren.

 

 

Fairy Stream
Zu guter Letzt hielten wir noch am Fairy Stream – einem winzig flachen Strom entlang roter und weißer Sandsteine. Das Wasser hat durch den roten Sand eine matschig braune Farbe – ist aber bei genauerem Hinsehen doch recht klar. Am Ufer des Stroms versuchte ein geschäftstüchtiger Vietnamese uns eine Gebühr für das Abstellen der Flip Flops zu entlocken. Doch unser Guide hatte uns bereits vor der Masche gewarnt und so steckten wir die Schuhe in unsere Tasche, erwiderten dem Verkäufer recht bestimmt, dass wir das nicht zu zahlen brauchten und marschierten los. Durch das knöchelhohe Wasser platschten wir im Gänsemarsch mit den bereits bekannten Gesichtern der anderen Jeeps los, während Marktfrauen an der Seite (ebenfalls im Wasser) versuchten Getränke und Obst an den Tourist zu bringen. Wenig später entdeckten wir eine Werbetafel für eine der skurrilsten Aktivitäten, die mir je auf Reisen begegnet ist: wer möchte, kann hier einen Strauß reiten. Ob durch den Fairy Stream oder im Gehege, kann ich leider nicht genau sagen, denn keiner schien das Angebot wahrnehmen zu wollen – und das obwohl der gruselige Vogel ganz neugierig über den Busch äugte.
Irgendwann wurde es dann aber doch noch richtig idyllisch und die meisten Besucher waren wohl noch weiter vorn bei Fotoshootings hängen geblieben (nicht dagegen die Kuh, die uns anstatt der Touris nun Gesellschaft leistete). Wir genossen die letzten Minuten sehr und wären gerne noch weiter geschlendert – doch wieder einmal tickte die Uhr und wir mussten zurück zum Jeep.
Nachdem unser Guide den beiden Zuspätkommern nach der Red Sand Dune einen kleinen Einlauf verpasst hatte, waren diese nun sogar vor uns da und wir machten uns auf den Rückweg in Richtung der Hotels.
So ganz konnte es sich unser Guide dann aber wohl doch nicht verkneifen, den beiden Damen (die auch in unserem Resort wohnten) noch eins auszuwischen. Als sie ihn fragten, ob es nahe des Resorts eine Touristeninfo gäbe, wo er sie rauslassen könnte, nickte er und  setzte sie auch vor einem solchen Büro ab. Von dort aus fuhren wir noch gut 10 Minuten… Ich wette die beiden haben später ganz schön geflucht…

 

 

Kurztrip nach Russland
Am Abend gingen wir dann tatsächlich doch noch (nach 2 Tagen Aufenthalt) auf der dem Meer abgewandten Seite hinaus und mussten lachend feststellen, dass da ja richtig was los war. Geschäfte, Restaurants und Bars – das Leben spielte sich offenbar mehr an der Straße als am Strand ab. Und nun bestätigte sich auch das, was wir über die beiden Strandgebiete Nha Trang und Mui Ne gehört hatten: es sind kleine russische Enklaven. Anstatt in vietnamesischen Schriftzeichen, sind fast alle Geschäftsnamen und Speisekarten in Kyrillisch geschrieben. Wir suchten ein Restaurant aus und bestellten irgendein russisches Fleischgericht und ich erlag meiner Lust nach einem Glas Wein. Letzteres war ein dummer Fehler – jedes Tetrapack vom Penny spendet einen feineren Tropfen als dieser vietnamesische Weißwein, der ein bisschen was von Essig hatte… Das Essen hatte eine ähnlich saure Note – war mit eine großen Menge Reis und Sojasoße aber essbar.

 

Weiterreise nach Saigon
Für den nächsten Morgen hatten wir uns Bustickets zurück nach Saigon gebucht. Wir hatten, wie bereits mehrfach auf unserer Reise, über die Website baolau.vn gebucht. Als ich ca. eine Stunde vor Abfahrt zur Rezeption ging um uns ein Taxi für später zu organisieren, fragte er mich verwirrt, warum wir denn zur Busstation fahren wollten – die Busse würden einen doch auch im Hotel abholen. Ich erklärte ihm, dass wir online gebucht hatten und es da keine Möglichkeit gegeben hatte, einen Abholpunkt anzugeben. Er rief kurzerhand bei der Bus-Gesellschaft an und wieder einmal hatten wir Glück und würden direkt vor Ort abgeholt werden.
Nicht so viel Glück hatte ein anderes Paar, die später mit uns vor dem Resort auf den Bus warteten. Sie hatten ihre Tickets bei einem Straßenverkäufer erworben und wurden offenbar abgezockt. Denn als der Bus mit uns an Bord losfuhr, standen die beiden immer noch vor dem Resort… Die Tickets sind offenbar eine komplette Fälschung gewesen und unser Fahrer hat sie nicht mitgenommen.
 
Fazit zu Mui Ne:
Mui Ne ist nun wirklich kein Strandparadies und deutsche Küsten können da durchaus mithalten. Uns hat ein bisschen Zeit zum Ausspannen an diesem Punkt der Reise aber dennoch gut getan, denn wir hatten davor schon so viel gesehen, dass wir eine gewisse Sehenswürdigkeits-Müdigkeit spürten. Nach den zwei Tagen faul am Strand freuten wir uns aber wieder auf Sightseeing in Saigon und vor allem die Tempel Angkors.
Die Tour zu den Dünen ist natürlich komplett touristisch – aber man sieht auch ein paar schöne Sachen und wenn man die Stunde in den Dünen zum Herumfahren nutzt, dann lohnt sich auch die Zusatzausgabe für den Quad. Wie cool das sein kein zeigt ein kurzes Video: 

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