Nordbali
– Wassertempel, Vulkansee und Wasserfall – 

Ein Tagesausflug von Ubud
Die meisten Besucher Balis führt es nach Ubud. Zu Recht, denn das kleine Städtchen und seine nahe Umgebung ist wirklich hübsch. Allerdings teilt man sich die Gegend auch mit zahlreichen anderen Touristen, Bloggern und Yogis. Deshalb ließen wir Ubud am frühen Morgen unseres zweiten Tages hinter uns und machten uns mit dem Roller auf in Richtung Norden.
Wir folgten einem Tipp meiner lieben Untermieterin Pia, die ein Semester auf Bali studiert hatte. Ziel, nach ca. 65 Kilometern Fahrt, sollte ein Wasserfall sein, der nicht so überlaufen ist, wie so viele andere in Südostasien. Die Strecke ist für einen Tag mit dem Roller nicht gerade wenig, doch es lohnt sich. Und wir ahnten ja noch nicht, welch wunderschöne Landschaften und Blicke sich uns unterwegs bieten würden! Auf dem Weg zum Wasserfall liegt außerdem ein wunderschöner Wassertempel, der wegen seiner außergewöhnlichen Lage das Titelbild des einen oder anderen Reiseführers schmückt.

 

Kaffee mit Aussicht
Der Weg dorthin führt durch eine immer grüner werdende Landschaft und stetig geht es höher hinauf. Doch kurz bevor wir den Tempel erreichten, musste mein liebster Reisegefährte und Rollerfahrer plötzlich in die Eisen gehen. Der Grund dafür befand sich nicht so sehr auf, als vielmehr neben der Straße und trug den vielsagenden Namen Warung Kopi D’Tegale. Der kleine Kaffee-Junkie auf dem Rücksitz quiekte laut auf und suggerierte dem Fahrer, der solche Anwandlungen zum Glück schon kennt, mit hektischen Bewegungen einen Boxenstop. Doch das kleine Café mit simplem Tresen und gemütlicher Holzveranda bot weit mehr als nur leckeren Kaffee und sündhafte Leckereien. Herangetreten an die Brüstung, offenbarte sich uns ein spektakulärer Blick über Palmen und kleine Reisterrassen, ein grünes Tal vor einer Skyline der Vulkanlandschaft Indonesiens. Ganz links der kleine „Batur“, daneben sein großer Bruder „Agung“ und plötzlich zeigte sich weit oben zwischen den Wolken die Spitze des riesigen “Rinjani” auf der Nachbarinsel Lombok. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut bei der Erinnerung an diesen Moment.

 

 

Ein Tempel am Vulkansee
Nachdem der Kaffeedurst befriedigt und der Blick aufgesaugt war, erreichten wir wenig später den Wassertempel Ulun Danu Bratan. Das besondere und wunderschöne des Tempels ist seine Lage, denn er liegt in ca. 1200 Metern Höhe an einem Vulkansee. Doch der Tempel besteht nicht nur aus dem kleinen Haus, das auf einer kleinen Insel steht und dessen Dach an eine waghalsig hohe Hochzeitstorte erinnert. Die gesamte parkähnliche Anlage am Seeufer ist einfach malerisch und ein perfekter Ort zum Entspannen. Nach einem kleinen Nickerchen auf der riesigen Wiese, lösten wir uns von dem schönen Ort und setzten unsere Fahrt fort in Richtung Wasserfall.

 

 

Zufallsentdeckungen
Wenige Kilometer weiter, führte uns die Straße an einem weiteren See vorbei und immer weiter hinauf. Am Ende der Steigung bogen wir aus Versehen falsch ab. Noch nie hatte sich meine stellenweise Verpeiltheit bei der Navigation (ich bin einfach meistens so abgelenkt von der Landschaft, dass ich vergesse auf die Route zu schauen…) so sehr ausgezahlt wie hier. Denn am Straßenrand befand sich der kleine Rastplatz Danau Buyan Bedugul standen kleine Pavillons mit Tischen, die zu einer Mittagspause einluden. Denn von dort aus hatte man einen herrlichen Blick auf den weit unter uns liegenden See, dessen knalliges Blau beinah surreal wirkte. Wir bestellten Essen bei einem der Warungs und stellten freudig fest, dass sich offenbar nicht viele Touristen her verirrten, denn ausnahmsweise gab es mal keine Übersetzung für das angebotene Essen. Wir bestellten auf gut Glück – das war bisher ja auch meistens gut gegangen – und bekamen eine Suppe mit allerhand Sachen darin, die ich euch leider nicht benennen kann. Das Ei habe ich erkannt. Der Reist bleibt eurer Phantasie oder Fachkenntnis überlassen. Aber es schmeckte und bei dem Blick hätte ich sowieso beinahe alles genießen können.

 

 

Traumhafte Reisterrassen
So wunderschön die Strecke bis hierhin bereits war, die letzte Etappe zum Sekumpul Wasserfall setzte noch einmal einen oben drauf. Auf einer schmalen Straße ging es gut 15 Kilometer mitten durch den balinesischen Dschungel, bergauf und bergab durch das Nirgendwo. Über klapprige Brücken mit grandiosen Blicken und dunkelgrüne Schluchten erreichten wir irgendwann das Ende der Straße. Ein balinesischer Junge winkte uns auf einen der Parkplätze, wo wir den Roller abstellen sollten. Ein älterer Herr wartete dort bereits. Wir zahlten eine kleine Parkgebühr und wurden dann von dem fröhlichen Jungen über einen Schleichweg zum eigentlichen Weg geführt. Er führte uns über saftig grüne Reisfelder, einen kleinen Trampelpfad, vorbei an ein paar Balinesen, die gerade auf dem Feld arbeiteten. Die Sonne ließ das Wasser auf den Feldern wunderschön glitzern und purpurfarbene Pflanzen bildeten einen beinahe künstlichen Kontrast zum all gegenwärtigen Grün. In der Ferne zeichneten sich Berge ab und wir kamen uns vor wie im Paradies.
Am Hauptweg angelangt, stießen wir nur selten auf andere Menschen und schlenderten hinab ins Tal, berauscht von der paradiesischen Landschaft. Irgendwann lichtete sich der Weg für ein paar Meter und gab den Blick frei auf die gegenüber liegenden Fiji Reisterrassen. Die grüne Treppenlandschaft war vielleicht nicht so groß wie die Tegalalang Reisterrassen, doch dafür erstrahlten sie in einer unberührten Pracht, ohne matschig getretene Wege und Touristenmassen. Die Aussicht lässt sich dort übrigens hervorragend bei einer frischen Kokosnuss genießen, denn auf einem kleinen Grasfleck steht das winzige Warung Fiji“.

 

 

Wassermassen soweit das Auge reicht
Für uns ging es aber erstmal weiter hinab zum Wasserfall. Die letzte Strecke mussten wir steile Stufen hinabsteigen und uns graute dabei schon vor dem Weg zurück, erinnert an unseren harten Aufstieg in Krabi
.
Und dann hatten wir das Tal endlich erreicht. Uns empfing ein plätschernder Bach und ein Schild offenbarte uns, dass es sogar zwei verschiedene Wasserfälle gibt. Nach ein paar Metern und einer Ecke empfingen uns bereits die ersten Wassertropfen. Der zweiströmige Wasserfall prallte mit so viel Wucht auf das Wasserbecken hinab, dass man auch bei ca. hundert Metern Abstand nass wurde. Ein schnelles Foto von Weitem und dann wurden Klamotten, Rucksack und Kamera hinter einen Felsen gepackt und mit Gopro und Badesachen ging es ab ins Wasser. Wer jetzt einen lauschigen See unter einem Wasserfall vor Augen hat, der irrt. Durch die umherfliegenden Wassertropfen konnte man kaum die Augen offen halten und die gesamte Szenerie war wie in Nebel getaucht. Wir hüpften kurz unter den Strahl – doch lange hält man es unter den Wassermassen nicht aus.
Pitschnass spazierten wir zum zweiten Wasserfall, der mit seinen drei Strömen noch gewaltiger war. Auf dem Weg dorthin wurde noch ein kleiner Eintritt fällig und über die Felsen eines Bachs erreichten wir unser Endziel. In einem kleinen Wasserbecken, in sicherem Abstand zu dem hinabfallenden Wasser, schwammen balinesische Familien, doch wir kletterten über die Felsen weiter nach vorn. Durch das aufprallende Wasser und die kanalförmige Schlucht entstand ein richtiger Sturm, der uns feine Wassertröpfchen um die Ohren fegte. Dort zu stehen, die Wassermassen zu allen Seiten, mitten im Dschungel, war schlichtweg berauschend.

 

 

Der eiserne Rückweg
Voll geladen mit Energie traten wir irgendwann am späten Nachmittag unseren Rückweg an. Die Treppen waren dann doch gar nicht so schlimm (wie gesagt, voll geladen mit Energie…) und nach einer Kokusnuss im Warung Fiji  fuhren wir entspannt zurück Richtung Ubud.
Der Rückweg wurde dann nochmal recht knackig, denn als die Sonne so langsam hinter der bergigen Landschaft verschwand, wurde es auf dem Roller echt kalt. Wir wickelten uns in alles ein, das wir dabei hatten, doch als wir endlich in Ubud ankamen, waren wir ziemlich durchgefroren.
Dem Tag hat das natürlich in keinster Weise Abbruch getan, denn dieser Ausflug war definitiv einer der schönsten Erlebnisse auf unserer Südostasienreise.

 

Wer dem geschriebenen Wort nicht glaubt, lässt sich vielleicht vom bewegten Bild überzeugen. Und wer dann immer noch nicht direkt dorthin möchte, nun, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen. 😉

 

 

 

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  1. […] Bilderbuchreisterrassen im Norden von Bali: Völlig unerwartet, auf dem Weg zu einem Wasserfall entdeckten wir diese wunderschöne Landschaft […]

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