Phnom Penh – ein Tag in Kambodschas Hauptstadt

Phnom Penh
– verschlossene Türen und historische Einblicke  –

Gegen vier Uhr morgens erreichten wir Kambodschas Hauptstadt und mussten den armen Nachtportier aus dem Bett klingeln, der uns mit dick verquollenen Augen aufs Zimmer ließ. Einige Stunden Schlaf und ein leckeres Frühstück auf der schönen Terrasse später, machten wir uns auf den Weg unserer Sightseeingrunde.

Königspalast und Silberpagode
Den ersten Stopp legten wir am Königspalast ein, denn dieser hat über die Mittagszeit einige Stunden geschlossen. Uns erwarteten ein kleiner, hübsch angelegter Park und viele einzelne Gebäude mit schnörkeligen Dächern und Goldverzierungen. Das Innere der einzelnen Bauten war der Öffentlichkeit in den überwiegenden Fällen nicht zugänglich und so schlenderten wir die Wege entlang zur angrenzenden Silberpagode.

Das Areal der Silberpagode fügt sich perfekt in das Bild des Königstempels ein, denn auch der Haupttempel ist mit den typischen goldenen Dachverzierungen ausgeschmückt. Um ihn herum stehen kleine silberne Stupas und eine Miniaturdarstellung von Angkor Wat. In der Mitte des Pagodengartens gibt es einen winzigen Hügel, der mit seinen dichten Pflanzen und kleinen Wasserbrunnen ein schöner Ort zum Abkühlen und Ausruhen ist.

 

 

Wat Ounalom
Durch den hübschen Royal Palace Park am Flussufer des Tonle Sap Flusses spazierten wir zum Wat Ounalom. Der Tempel ist laut Internetrecherche der wichtigste religiöse Ort und einer der wenigen erhaltenen urpsünglichen Kloster von Phnom Penh. Wenn es um die Öffnungszeiten geht, so war die Recherche leider weniger ergiebig, denn als wir den Tempel um die Mittagszeit erreichten, war dieser geschlossen… Vielleicht war dies aber auch zum Anlass des bald bevorstehenden Khmer Neujahrs, denn der gesamte Tempel war mit kleinen Fähnchen geschmückt.
Wir konnten aber immerhin auf einen turmartigen goldenen Stupa steigen, der neben dem Haupttempel steht. Von oben hat man einen netten Blick auf das Flussufer und die Wohnhäuser rund um den Tempel.

 

 

Foltermuseum „Tuol-Sleng“
Ein Tuk Tuk brachte uns vom Tempel zum Tuol-Sleng-Museum, das ehemalige Gefängnis der Roten Khmer. Einst diente das Gebäude mit dem hübschen Innenhof und Frangipani-Bäumen als Gymnasium, bis zum Jahr 1975, als es unter der Pol Pot Führung zum Gefängnis der „Verräter“ umfunktioniert wurde. In den vier Jahren bis zur Entdeckung durch die vietnamesischen Streitkräfte waren dort 14.000 bis 20.000 Menschen inhaftiert. Es gab 14 Überlebende.
Das Museum zeigt die Zellen – teilweise noch im ursprünglichen Zustand – sowie Fotografien der Inhaftierten, der Machthaber und ihrer Foltermethoden. Der deutschsprachige Audioguide führte uns durch die Gedächtnisstätte, erklärte die historischen Hintergründe und erzählte von besonderen Einzelschicksalen. Normalerweise bin ich ehrlich gesagt kein Fan solcher Audioguides, doch in diesem Fall ist es ein absolutes Muss, denn die Fotografien und das Gebäude wirken nicht von selbst. Doch mit der wirklich guten Audio-Führung erfährt man nicht nur sehr viel, sondern es geht auch wahnsinnig unter die Haut. Ich für meinen Teil, brauchte nach den knapp 2 Stunden erstmal eine Weile um die Eindrücke zu verarbeiten.

 

 

Wat Moha Montrey
Durch die aufgeheizten Straßen liefen wir zum Wat Moha Montrey, einem noch sehr jungen Tempel, der angeblich (so sagt das Internet) durch die vielen Mönche und Studenten einer der belebtesten Phnom Penhs ist. Wir schienen wirklich Pech zu haben, denn auch hier standen wir wieder Mal vor verschlossenen Türen und weit und breit war niemand zu sehen.
Doch auch von außen ist der Tempel mit seiner bronzefarbenen und reich verzierten Fassade sehr eindrucksvoll. Um das riesige würfelförmige Gebäude stehen zahlreiche Stupas – doch keiner passt zum anderen. Die Stupas sind alle so verschieden, als hätte man sie aus dem ganzen Land entführt und dann dort dicht gedrängt nebeneinander aufgestellt – wie ein großes Lager für Tempelbedarf.

 

 

Independence Monument
Mit vor Hitze angeschwollenen Füßen schlurften wir die Straße entlang, auf der Suche nach einem freien Taxi. Irgendwann hatten wir endlich Glück und ließen uns im fahrenden Kühlschrank zum Independence Monument bringen. Die Form des turmartigen Gebildes aus rotbraunen Steinen erinnert an die Türme von Angkor Wat und steht inmitten eines großes Kreisverkehrs. Durch das Tor hindurch laufen kann man nicht, denn das gesamte Monument inklusive der kleinen Springbrunnenanlage mit LEDs ringsherum ist abgesperrt (so langsam gewöhnten wir uns an dieses Phänomen Phnom Penhs…). Doch in diesem Fall war es nicht weiter schlimm und wir spazierten eben drum herum. An das Monument schließt ein langer Grünstreifen an, auf dem eine Statue des ehemaligen Staatsoberhauptes Norodom Sihanouk steht, der 1953 Kambodscha zur Unabhängigkeit von Frankreich verhalf.

 

 

Cambodia-Vietnam Friendship Monument
Das Unabhängigkeits-Denkmal grenzt geographisch direkt an das nächste historische Denkmal Phnom Penhs an, dem Cambodia-Vietnam Friendship Monument. Es erinnert an den Einmarsch vietnamesischer Truppen in Kambodscha im Jahr 1979, wodurch die Schreckensherrschaft der Roten Khmer beendet wurde.

 

 

 
Wat Botum
Am Ende des Kambodscha-Vietnam-Denkmals befindet sich ein kleiner Park mit einem hübschen Teich, der zum angrenzenden Tempel, dem Wat Botum, gehört. Die Anlage sah von außen sehr vielversprechend aus, denn hinter der Mauer lugten schon viele Stupas hervor. Der rote Faden unserer Sightseeing-Tour blieb jedoch bestehen und so war – na ratet mal – der Tempel auch hier geschlossen. Aber immerhin gelangten wir noch durch ein Seitentor zu einem Gebäude, das offenbar so halb zu dem Areal dazugehörte. Die Tür stand offen und wir schlichen uns hinein (die wenigen Mönche, die dort entlang spazierten, schien das auch nicht weiter zu stören).
Im Inneren des Gebäudes empfing uns eine recht düstere, ausgestorbene Halle, deren Decke großflächig bemalt war und sich im Marmorboden spiegelte. An einem Ende lag ein goldener Buddha vor einer Art Dschungelmotiv im Hintergrund. Ein älterer Herr, der kein Wort Englisch sprach, kam plötzlich auf uns zu und zog uns vor zum „Altar“. Bevor wir wussten, wie uns geschah, drückte er uns jeweils ein Räucherstäbchen in die Hand, nahm sich selbst eines und begann zu beten. Dabei hielt er das Räucherstäbchen zwischen seinen, flach aneinander gedrückte Handflächen und wippte leicht vor und zurück. Er animierte uns dazu, es ihm gleich zu tun – und so standen wir zu dritt nebeneinander und beteten zu Buddha (wobei ich nicht garantieren kann, dass er nicht einfach nur einen Schwank aus seinem Leben erzählte…). Wir steckten die Räucherstäbchen zu den restlichen in die kleine, mit Sand befüllte Vase und unser „Zeremonie-Guide“ nahm zwei rote geflochtene Wollbändchen und beschmierte mit einer Paste. Dabei murmelte weiter ein Gebet vor sich hin und legte uns die Bändchen dann nacheinander um. Nach dieser Zeremonie entfernte er sich leise (wies allerdings noch dezent auf den Spendenteller hin) und schaltete nun auch noch das Licht an, damit wir den Buddha in seiner goldenen Pracht bestaunen konnten.

 

 

Night Market
Nach diesem spontanen und (zumindest gefühlt) untouristischen Erlebnis stand für abends der Nachtmarkt auf dem Programm. Nach unseren Erlebnissen in Siem Reap erwarteten wir nun Touristenmassen und die üblichen Souvenir-Stände. Doch am Markt angekommen (nachdem wir an zahlreichen Camps obdachloser Familien vorbeigelaufen waren… die Armut begegnet einem in Phnom Penh ganz besonders krass) stellten wir freudig fest, dass Phnom Penh offenbar wirklich noch recht untouristisch geblieben ist. Der Nachtmarkt wird überwiegend von Einheimischen besucht. An den Ständen werden normale Alltagsklamotten und –gegenstände verkauft und am westlichen Ende gibt es einen kleinen Streetfood-Bereich, mit leckeren Spießen. Die Stände stehen im Kreis und die Fläche in ihrer Mitte ist mit großen Matten ausgelegt, auf denen sich Familien und kleine Gruppen jeglichen Alters niederlassen und das leckere Essen verputzen. Wir gesellten uns dazu und die Verkäuferin der Spieße strahlte uns an, als würden gerade zwei Hollywood-Stars bei ihr Essen bestellen.

 

 

 
Am Flussufer
Ausgestattet mit Dosenbier setzten wir uns ans Flussufer (wobei wir von der Kai-Mauer schnell zu einer Parkbank wechselten, nachdem wir einen spontanen Besuch einer fetten Ratte bekommen hatten). Die breite Uferpromenade ist bereits ganz hübsch angelegt, bietet aber noch viel Potential für einen lauschigen Treffpunkt, ähnlich des Seeufers in Hanoi. Wir sind gespannt, wie es dort in zehn bis zwanzig Jahren aussieht!
Auch der “Foreign Correspondents Club” ist dort und wir gönnten uns auf der Dachterrasse eine (teure) aber leckere Pizza und genossen vor allem den schönen Blick.

 

 

Apsara-Tanz
Ein Geheimtipp, den ich mir mit einer großen Glühbirne notiert hatte, sollte ein Besuch der Schule der schönen Künste sein. Jeden Morgen soll man (gegen eine Spende) beim Unterricht der Apsara-Tänzerinnen zusehen können. Das wollte ich unbedingt sehen! In der Reiseführerkarte war die Schule im Norden der Stadt, unweit eines großen Sees markiert. Als ich vergeblichst versuchte, diesen Punkt in Googlemaps zu finden, musste ich irgendwann feststellen, dass es diesen See einfach nicht mehr gab. Offenbar wurde er vor einigen Jahren zugeschüttet! (Nachteil an gebrauchten, älteren Reiseführern…) Nach viel Recherche und Befragen des Rezeptionisten unseres Hotels, war der einzige Ansatz die “Schule der schönen Künste” in der Nähe des Königspalastes. Also stiefelten wir am frühen Morgen dorthin, fanden nach etwas Sucherei auch irgendwann den Eingang und erfuhren dann von einem Studenten vor Ort, dass wegen des Khmer Neujahrs Ferien seien und der Unterricht erst wieder in einer Woche stattfinden würde. Der rote Faden unseres Besuchs… Also gab es für uns nur zwei Tänzerinnen aus Stein zu fotografieren, aber immerhin die Gewissheit, dass wir wenigstens den Ort gefunden hatten – alles andere war nun einfach Pech.

 

 

 

Wat Phnom
Der letzte Stopp unseres Phnom Penh Besuchs führte uns einen kleinen „Berg“ (genau genommen ist es ein ca. 30 Meter hoher Hügel) hinauf zum Wat Phom. Bereits am Abend waren wir an dem hübsch beleuchteten Tempel vorbeispaziert, der wie eine kleine, von Pflanzen überwucherte Oase, mitten im Verkehrschaos Phnom Penhs steht (es gibt dort sogar Affen!)
Der Tempel ist der älteste (und angeblich schönste) Tempel der Stadt. Er wurde der Legende nach von „Frau Penh“ errichtet und ist dadurch Namensgeber der Hauptstadt Kambodschas: Phnom Penh, der „Hügel von Penh“. Und endlich hatten wir dann doch nochmal Glück und standen nicht vor verschlossenen Türen! Stattdessen fanden wir ein großflächig, in dunklen Farben bemaltes Inneres vor, in dem gerade eine Zeremonie mit Musikern stattfand.

 

 

 

Weiterreise nach Sihanoukville
Nach diesem schönen Abschluss und einer erneuten last Minute Ankunft an der Busstation (ich weiß auch nicht warum uns das immer wieder passiert… als würde uns ohne Adrenalin langweilig werden) machten wir uns auf den Weg in Kambodschas Süden zur letzten Etappe unserer fünfwöchigen Rucksackreise: ab auf die Insel!

 

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