Roadtrip Portugal

Surfen, Campen und Sehenswürdigkeiten zwischen Porto und Algarve

Wild Campen Portugal Rundreise

Schönstes Camp der Portugal Rundreise

Portugal Rundreise, April 2016:

Ich habe endlich mein erstes Examen in der Tasche und zwei Wochen Zeit bis zum Jobstart. Ein Spontantrip nach Dänemark mit dem Bulli von Bekannten im Oktober hatte mich angefixt und so ist die Art des Reisens schonmal klar: ein Roadtrip mit einem Van soll es sein.

Einen eigenen Van habe ich noch nicht und Geld und Zeit reichen auch nicht aus, um sich noch mal eben einen Van anzuschaffen und auszubauen. Also muss ein gemieteter Van her.

Das Ziel des Campingtrips ist auch schnell klar: in Dänemark Surfen hat trotz Oktober-Wetter so viel Spaß gemacht, dass ich weiter üben möchte. Und welches Land in Europa wäre für einen Surftrip besser geeignet als Portugal? Also ist die Sache geritzt: eine Portugal Rundreise von Porto bis an die Algarve mit Campen und Surfen.

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Karte Portugal

Karte Portugal Rundreise

Portugal Rundreise: An- und Rückreise mit dem Flugzeug

Dadurch, dass wir den Van in Portugal mieten, sparen wir uns die lange Anfahrt über Frankreich und Spanien und fliegen direkt nach Porto. Dort bleiben wir zunächst 2 Tage in einem Air BnB und erkunden die Stadt. Meine Tipps für Sehenswürdigkeiten in Porto verrate ich dir in einem separaten Artikel, doch so viel schon vorab: die Stadt hat wahnsinnig viel Charme und mir gefällt es dort sehr gut!

Nach 2 Tagen in Porto übernehmen wir den Van und fahren Portugals Atlantikküste von Porto in Richtung Süden. Lissabon umfahren wir und setzen die Portugal Rundreise Richtung Algarve fort. Unser Ziel sind die bekannten Felsformationen „Ponta de Piedade“ bei Lagos. Von hier aus geht es nach knapp 2 Wochen zurück nach Norden, wo wir in Lissabon unseren gemieteten Van abgeben und nochmal für 3 Tage ein AirBnB mieten um Lissabon zu Fuß zu entdecken. Von Lissabon fliegen wir nach guten 2 Wochen Portugal Rundreise zurück nach Deutschland.  

Alternativ zu unserer Route kann man natürlich auch von der Algarve direkt zurückfliegen. Allerdings sind die Flüge von dem kleinen Flughafen meistens deutlich teurer. Außerdem würde der Van dann während des Besuchs von Lissabon stören, da man entweder außerhalb auf einem Campingplatz schlafen würde oder den Van irgendwo stehen lassen müsste, während man in einer zentralen Unterkunft schläft. Dadurch entstehen am Ende mehr Kosten, als wenn man die paar Stunden von der Algarve zurück nach Lissabon fährt. Für uns hat diese Route für die Portugal Rundreise jedenfalls am meisten Sinn ergeben.

Campingplätze Portugal

Wild Campen ist in Portugal – wie in fast allen Ländern Europas – grundsätzlich verboten. Ich bin bei meiner Portugal Rundreise 2016 noch ein Camping Neuling und die hilfreiche Apps gibt es in der Form noch nicht oder sind noch unbekannt. 

Wir nutzen daher fast nur Campingplätze als Nachtlager auf unserer Portugal Rundreise – allerdings sind diese auch sehr schön! Meistens liegen die Plätze mitten in der Natur und so merkt man in Punkto Idylle kaum einen Unterschied zum Wild Campen. So ist es jedenfalls bei uns, als wir Ende April und damit außerhalb der Ferienzeiten durch Portugal reisen. 

Oft haben die Campingplätze in Portugal einen eigenen Strandzugang und liegen direkt hinter der Düne. Ein Bier zum Sonnenuntergang am Strand ist somit garantiert und gratis. Im Gegensatz zu den sehr teuren Campingplätzen in Frankreich, sind die Campingplätze in Portugal auch noch bezahlbar und kosten meistens unter 20 Euro pro Nacht (Stand 2016). 

Wenn du denn trotzdem Wild Campen möchtest empfehle ich dir die Apps “park4night” und “iOverlander” zum Finden von geeigneten Orten. 

Aveiro und Costa Nova: bunte Urlaubsörtchen

Wir starten unsere Portugal Rundreise und fahren von Porto wir Richtung Süden. In Fouradouro werfen wir den ersten Blick aufs Meer. Auf einem Parkplatz mit pittoreskem Blick auf ein altes Holzboot im Gras legen wir eine Mittagspause ein, bevor es weitergeht nach Aveiro, das „Venedig von Portugal“. Gondeln schippern über die Kanäle, vorbei an schmucken, alten Fassaden. Wir bummeln durch die schmalen Gassen und genießen ein Eis unter Palmen.

Die erste Nacht unserer Portugal Rundreise verbringen wir auf dem „Campingplatz da Costa Nova“. Der Campingplatz ist nicht viel mehr als eine große Wiese, doch genau das macht ihn so sympathisch. Der zum Campingplatz gehörende Strandabschnitt ist nur von einer Düne getrennt und so klingt der erste Campingabend bei Sonnenuntergang und einem kühlen Bier im Sand aus.

Am nächsten Tag erkunde ich den kleinen Ferienort Costa Nova und finde eine ausgestorbene Szenerie vor, die einem Filmset gleicht. Bunt gestreifte Häuser im Strandkorb-Look, eine strahlend saubere Fußgängerzone aber keine Menschenseele weit und breit – Nebensaison. Schade für den Tourismus in Portugal, gut für mich: der gesamte Strand ist leergefegt und bei einem ausgedehnten Spaziergang über einen vom Sand bedeckten Dünenweg, entdecke ich allerhand angeschwemmtes Strandgut.

Zurück am Campingplatz lädt uns der einzige andere Camper in seinen quietschgelben, alten VW-Bus ein. Hans ist Schweizer, hat Dreadlocks bis zum Gürtel und verkörpert den Klischee-Bulli-Fahrer in Perfektion.  In seinem gemütlichen Van züchtet er das ein oder andere Grünzeug, kocht Kaffee in einer rostigen Espressokanne und dreht derweil ein neues Tütchen.

Seine Mission: das perfekte Plätzchen finden zum Bleiben und zum Anlegen eines eigenen Biogartens. Zum Abschied überlässt er mir einen seiner schweren Steinmörsel inklusive eines Salzkristalls aus der Schweiz. „Für deinen eigenen Bulli, bald“. Er wusste offenbar bereits vor mir, dass ich wenige Wochen später meinen eigenen Van ausbauen würde. 

Universität Coimbra: zauberhafte Sehenswürdigkeit in Portugal

Der folgende Tag der Portugal Rundreise führt uns zur ersten Sehenswürdigkeit auf der Route. Die beschauliche Universitätsstadt Coimbra erwartet unseren Besuch. Den Van lassen wir außerhalb stehen und laufen am Ufer des Mondego zum Zentrum.

Die Universität ist die älteste Portugals und liegt oben auf einem kleinen Berg. Durch verwinkelte Gassen mit süßen Lädchen schrauben wir uns hinauf und werden von einem atemberaubenden Blick belohnt. Vor dem Hauptgebäude der Universität befindet sich ein riesiger Platz, der zu einer Seite jäh hinab zu fallen scheint. Die Coimbra Universität ist eine eigene kleine Stadt mit wunderschönen alten Gebäuden, mit Azulejos verzierten Kreuzgängen und von Arkaden umschlossenen Innenhöfen.

Selbst die Studenten sind ein Hingucker, denn viele von ihnen tragen die in Portugal traditionellen schwarzen Studentenumhänge. Ich fühle mich, als sei ich geradewegs in Hogwarts hineinspaziert und die Ähnlichkeit ist auch kein Wunder. J. K. Rowling, die Autorin der Zauberersaga, lebte einige Jahre in Portugal, während sie die ersten Bücher der Reihe schrieb.

Figuera da Foz: Campen im Wald

Von Coimbra geht es zurück ans Meer nach Figuera da Foz. Hier finden wir einen der schönsten Campingplätze der Portugal Rundreise. Der Campingplatz „Gala Gala São Pedro“ gehört zwar zu einer größeren Kette in Portugal und ist nicht gerade klein, allerdings ist er sehr naturbelassen mitten in einem Pinienwald gelegen. Erneut ein Hoch auf die Nebensaison, denn wieder sind wir beinah die einzigen Camper.

Wir suchen uns ein abgelegenes Plätzchen zwischen den Pinien und nur einen Katzensprung entfernt vom Strandübergang. Zwischen Hängematte, loderndem Feuer im Grill und der offenen Küche im Van genießen wir unser Wohnzimmer in der Natur. Nach einem perfekt gegrillten Lachs geht’s mit Bier an den Strand zum Sonnenuntergang. Auf der Düne sitzend, beobachten wir die Fischer, wie sie die großen Netze einholen.

Portugal Sehenswürdigkeiten: Christliche Stätten abseits der Küste

Tomar

Der nächste Tag unserer Portugal Rundreise steht ganz unter dem Motto „christliche Stätten“ und wir besichtigen drei sehr besondere Sehenswürdigkeiten in Portugal. Zuerst geht es nach Tomar, zum Convento de Cristo, einer riesigen Wehr-Klosteranlage, die einst von den Tempelrittern erbaut wurde.

Für die Besichtigung sollte man 2-3 Stunden einplanen, denn es lohnt sich ganz in Ruhe durch die Kreuzgänge und Innenhöfe zu spazieren. Der Gebäudekomplex ist riesig und man kann sich herrlich in den vielen Gängen verirren. Die Verschwörungstheoretiker unter euch können ja mal – ganz im Sinne von Dan Brown – nach versteckten Tempelkreuzen Ausschau halten. Viel Spaß beim Zählen!

Fátima

Von Tomar ist es nur ein Katzensprung zum Wallfahrtsort Fátima. Hier soll vor 100 Jahren ein paar Hirtenkindern die Jungfrau Mario erschienen sein. Daraufhin baute man eine Kirche an dieser Stelle, zu der jährlich mehrere Millionen Menschen pilgern.

Um diese alle unterzubringen, wurde 2007 eine riesige Halle, die Basílica da Santíssima Trindade, als neue Kirche eingeweiht. Diese fasst nunmehr ca. 9.000 Sitzplätze und ist damit die viertgrößte katholische Kirche der Welt. Der Kirchenvorplatz, der zwischen der alten Basilika und dem Neubau liegt, ist übrigens der größte weltweit (also noch größer als der Petersplatz in Rom!). Das Innere des Neubaus ist sehr schlicht und modern, die alte Basilika, die Santuário de Fátima, ist während unserer Portugal Rundreise wegen Umbaumaßnahmen leider geschlossen.

Der Ort Fátima lebt offenbar nur von dem Pilgergeschäft. In beinah jedem Laden werden verschiedene Marienstatuen oder Nippes mit kirchlichem Zusammenhang verkauft. Sogar Papst-Roben kann man dort erwerben.

Batalha

Nach unserem etwas skurrilen Stopp in Fátima steuern wir das Kloster Mosteiro da Batalha an. Der Bau wurde leider nie fertiggestellt, da man sich irgendwann einem neuen Projekt in Portugal, dem Mosteiro de Jerónimos in Belém in der Nähe von Lissabon widmete.

Die Unvollständigkeit des Klosters Batalha tut ihm als Sehenswürdigkeit jedoch keinen Abbruch, denn bereits die Fassade ist sehr beeindruckend. Dramatische Farbverläufe im Stein, Reliefs und ein verziertes Portal zieren das Äußere des imposanten Gebäudes. Das Innere der Kirche kann man sich ohne Eintritt ansehen und die besondere Stimmung im Kerzenschein auf sich wirken lassen. Für die Besichtigung der Klosteranlage war leider keine Zeit mehr, doch das Prospekt sah sehr vielversprechend aus. Es lohnt sich wahrscheinlich, den Stopp in Fátima kurz zu halten und dafür mehr Zeit in Batalha zu verbringen.

Surfen Portugal: Nazaré, Peniche und Ericeira

Nazaré

Nach den drei Sehenswürdigkeiten im Inland von Portugal fahren wir zurück ans Meer und setzen unsere Portugal Rundreise an der Küste fort. Wir befinden uns mittlerweile im Paradies zum Surfen in Portugal und das erste Ziel heißt Nazaré, der Ort der Riesenwellen. Bei den richtigen Bedingungen – vor allem im Winter, erreichen die Wellen eine Höhe von über 20 Metern – und werden von einigen Verrückten sogar gesurft. Jetskis ziehen die Surfer auf ihren riesigen Brettern die Wellen hinauf und überlassen sie dann ihrer wagemutigen Fahrt hinab.

Leider ist der Ozean bei unserem Besuch so platt wie ein See und nicht ein Surfer zu sehen. Doch die Aussicht vom Miradouro do Suberco ist dennoch atemberaubend – auch ohne Riesenwelle. Von hier aus kann man vor zum Leuchtturm auf der Klippe spazieren oder mit der Standseilbahn hinab zum Stadtzentrum fahren.

Peniche

Wie die Katholiken nach Fátima pilgern, so tun es die Surfer nach Peniche. Leider ist die Stadt vom Surf-Tourismus-Boom ziemlich verschandelt und eine Bettenburg reiht sich an die nächste. Schön ist es allerdings rund um das Fort of Peniche. Hier stehen noch einige bunte Fischerhäuschen und der Blick vom Ufer ist toll. Besonders viel Spaß haben wir daran, auf den schroffen Felsen an der Ringstraße von Peniche herumzuklettern.

Die Campingplätze in Peniche sind eher hässlich. Wir durften damals neben einer der Surfschulen am Strand Praia do Baleal direkt am Strand wild campen. Wir teilen uns den Strand mit Tom und Lisa aus Hannover, die die gesamte Strecke mit ihrem alten Postbus hergekommen sind. Der Bulli ist mit viel Liebe ausgebaut und super gemütlich. Bunte Stoffe, Lichterketten und viele Kissen – ein richtiges Zuhause. Ich spüre, wie ich immer mehr denke „das möchte ich auch“. Wir versacken bei einer Flasche Wein vor unseren Vans und beobachten dabei einen traumhaften Sonnenuntergang. Bei offener Tür schlafen wir irgendwann zum Rauschen des Meeres ein.

Am nächsten Morgen leihe ich mir ein Surfbrett in der Surfschule und wir genießen perfekte und anfängerfreundliche Wellen in der großen Bucht. Von einem der Strandcafés beobachten wir noch eine Weile die anderen Surfer und genießen einen Galão bevor wir unsere Portugal Rundreise weiter nach Süden zum nächsten Surferort fortsetzen.

Ericeira

Unser nächstes Ziel heißt Ericeira, ein hübsches Fischerdorf, 50 Kilometer entfernt von Lissabon. Mit seinen weiß-blau getünchten Fassaden könnte es auch auf einer griechischen Insel oder in Marokko liegen. Hier treffen wir Vivien, deren Zimmer ich in den vorausgegangenen 6 Wochen in Köln gemietet hatte. Vivien arbeitet nämlich gerade in einem Surfhostel in Eirceira und freiberuflich im Marketing-Bereich. Über ihr Leben in Ericeira hat sie hier auch schon einen Gastartikel geschrieben.

Vivien führt uns in ihr Lieblingsrestaurant „Tasca da Boa Viagem“, das etwas versteckt liegt und dadurch vor allem von den Locals besucht wird. Es ist urgemütlich, bietet hervorragenden Fisch und köstlichen Wein und man könnte in der heimeligen Atmosphäre einen ganzen Abend verbringen. Doch wir lassen uns von Vivien mit ins quirlige Nachtleben von Ericeira ziehen, trinken Bier in lebendigen Gassen, philosophieren mit Surfern aus aller Herren Länder über die Welt im Generellen und das Meer im Speziellen. Wir tanzen durch die Nacht, verlieren uns in der Musik und stolpern irgendwann in die pechschwarze Nacht.

Unser Van steht 2 Kilometer außerhalb auf einem Campingplatz und aus einer Cocktail-geschwängerten Laune heraus, befinden wir es für eine großartige Idee, am Strand entlang zu laufen. Es ist stockdunkel, rechts von uns ragen Klippen steil nach oben und verlieren sich im Nachthimmel. Zu unsere Linken tost das Meer und klettert mit jeder Welle ein Stückchen weiter den schmalen Strand hinauf.

Wir waten durch knöcheltiefes Wasser, suchen uns mit allen Vieren den Weg über die Felsen entlang der Klippen. Ich verbanne die Frage, wie hoch das Wasser wohl noch steigen wird, in die nebligen Tiefen meines Kopfes. Nach einer Ewigkeit erreichen wir den Van und ich falle in die Hängematte. Nur einen kurzen Moment die Augen schließen, … nur ganz kurz noch… . Minuten oder Stunden später erwache ich vom Vogelgetzwitscher im Morgenlicht.  

Sintra und Cascais: Märchenwelten

Von Ericeira ist es nur eine kurze Fahrt nach Sintra, dem nächsten Ziel auf unserer Portugal Rundreise. Sintra ist ein hübsches Städtchen in der Nähe von Lissabon mit süßen Läden, die ausgefallenen Schnickschnack verkaufen und einer ausgefallenen, beinah schon märchenhaften Architektur. Das hübsche Rathaus Câmara Municipal oder der Palácio Nacional de Sintra mit seinen markanten weißen Schornsteinen sind in jedem Fall einen Besuch wert.

Bekannteste Sehenswürdigkeit in Sintra ist allerdings der Palácio Nacional da Pena, einem bunten Schloss, das aus dem Disneyland stammen könnte. Wir verzichten auf eine Besichtigung des Schlosses, doch ich habe mir von Freunden sagen lassen, dass es sehr hübsch ist. Wenn du Zeit hast und die ca. 25 Euro für den Eintritt ausgeben möchtest, wirst du auf dem Gelände sicherlich ein paar tolle Fotomotive finden. 

Kostenlos und absolut sehenswert ist dafür der Parque das Merendas um die Vila Sassetti. Wir starten am Eingang zum Schloss und laufen den Park bergab. Der Weg geht zunächst relativ wild über Stock und Stein durch die Natur, bis man zum Eingang des Anwesens gelangt. Ab hier findet man hübsch angelegte Beete mit vielen verschiedenen bunten Pflanzen und kleine Bächlein die dahin plätschern. Der Park erinnert ein bisschen an den Park Güell in Barcelona.

Vom märchenhaften, aber recht vollen und touristischen Sintra fahren wir durch den Parque Natural de Sintra-Cascais zum Leuchtturm Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlands. Hier fegt uns der Wind ordentlich um die Ohren und ich beobachte, wie einige Menschen gefährlich dicht an der Klippenkante entlanglaufen. Auf einmal kommen mir die Surfer der Riesenwellen in Nazaré gar nicht mehr so verrückt vor.

Nur wenige Fahrminuten weiter wartet in Cascais bereits die nächste Sehenswürdigkeit auf uns: der Boca do Inferno, ein Schlund in den Küstenklippen, in den sich der Atlantik mit viel Getöse hineindrückt. Ich laufe bis ganz nach unten zu der natürlichen Steinplattform, wo auch einige Fischer ihr Glück versuchen, denn von dort aus hat man den besten Blick auf die Küste mit ihren steilen Klippen. 

Unser Nachtlager schlagen wir auf dem Campingplatz “Guincho” auf. Er gehört zu der selben Campingplatzkette wie der schöne Campingplatz in Figuera da Foz. Er liegt ebenso schön inmitten von Bäumen und Natur, allerdings ist hier ein kleiner Marsch zum Meer.

Doch der abendliche Spaziergang lohnt sich, denn am Strand Praia da Arriba erlebe ich den schönsten Sonnenuntergang der Portugal Rundreise. Von den steilen Klippen hat man bereits einen wunderschönen Blick auf die Küste und die Ruine Forte da Cresmina ist ein schönes Fotomotiv vor der schräg stehenden Sonne.

Der perfekte Spot für den Sonnenuntergang ist allerdings unten am Strand an dieser Stelle: 38°43’11.6″N 9°28’45.3″W. Eine Art Rampe eignet sich gut zum hinunter klettern und unten befindet sich eine kleine Höhle, aus der heraus man ein super schönes Sonnenuntergangs-Bild schießen kann! 

Portugal Rundreise in den Süden: Von Lissabon an die Algarve

Unsere Portugal Rundreise führt uns vorbei an Lissabon über die Ponte 25 de Abril nach Setúbal. Von hier aus nehmen wir die Fähre nach Troia. Das ist deutlich schneller als um die Bucht herumzufahren und eine schöne Abwechslung. 

Wir wollen zum abgelegenen Strand Praia do Malhão, der nur mit einer ca. 15-Minütigen Fahrt über eine rotsandige, holprige Schotterpiste erreicht werden kann. Die Tassen klappern in den Schränken und eine Packung Nudeln tanzt durch das fahrende Wohnzimmer, doch irgendwann öffnet sich die staubige Landschaft und am Horizont taucht der tiefblaue Ozean auf.

Der Strand ist wunderschön, mit hellem Sand und unbebaut inmitten der Natur. Ich kann es kaum erwarten mich mit einem Board in die perfekten Wellen zu werfen und halte Ausschau nach der auf Goolgemaps entdeckten Surfschule. Besagte Surfschule hat dort allerdings offenbar nur eine kleine Lagerhütte, die an diesem Tag leider nicht besetzt ist. So abgeschieden wie der Strand ist, ist so schnell auch nicht anderweitig an ein Board zu kommen. Lektion des Tages: für die nächste Portugal Rundreise ein eigenes Surfboard mitnehmen.

Stattdessen gehe ich eine gute Stunde Fahrtzeit später, am Praia da Arrifana surfen. Der Strand ist zwar nicht so schön wie der Praia do Malhão, denn es gibt nur einen sehr schmalen Sandstreifen, der auch nicht so hell und feinsandig ist. Dennoch hat der Strand eine besondere Atmosphäre. Gelegen in einer Bucht, umgeben von hohen Klippen, gelangt man nur über einen steilen Weg und eine noch steilere Treppe hinunter. Mit Surfboard und Neoprenanzug ist das zwar kein Vergnügen, doch es lohnt sich. Der Praia da Arrifana ist ein super Surfspot mit schönen, klaren Wellen.

Zu einer Portugal Rundreise gehört eigentlich auch die „Letzte Bratwurst vor Amerika“, einem Wurststand am Leuchtturm Farol Cabo de São Vicente. Leider kommen wir zu spät am Abend und der Stand ist schon geschlossen. Die Nacht verbringen wir erneut auf einem Orbitur Campingplatz etwas außerhalb von Sagres. Er liegt zwar nicht am Meer und ein Sonnenuntergang am Strand fällt somit aus, doch er ist mal wieder sehr schön im Grünen, inmitten vom Bäumen gelegen. Statt Düne muss das Dach des Vans herhalten und bei einem kühlen Bier beobachte ich, wie die Sonne hinter den Baumwipfeln verschwindet. 

Felsformationen an der Algarve

Die letzte Etappe unserer Portugal Rundreise führt zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Portugals: die Ponta da Piedade bei Lagos an der Algarve. Die markanten, rötlichen Felsformationen ragen eindrucksvoll aus dem Ozean heraus und lassen sich am besten bei einem Spaziergang entlang der Klippen erkunden.

Es werden auch Bootsfahrten entlang der malerischen Küste angeboten, doch wir entscheiden uns dagegen und finden stattdessen einen Geheimgang hinunter zum Wasser. Kurz vor dem Steg, wo die Boote anlegen, biegen wir rechts ab und klettern den Hang hinunter. Dort ist ein kleiner Tunnel, durch den wir hindurch krabbeln und an der kleinen Lagune herauskommen, wo die Boote ablegen. So kommt man den Felsen auch ein bisschen näher und das ohne Ticket und andere Touristen.

Mehr Infos zu Lagos, der Umgebung und viele Insidertipps findest du übrigens in einem Gastartikel von Rine, die dort einige Monate gelebt hat.

Wir lassen den Rest von Lagos aufgrund der langsam endenden Portugal Rundreise allerdings unbeachtet und fahren zurück nach Sagres. Am Praia da Mareta lege ich noch eine schöne Surfsession ein – die letzte der Portugal Rundreise. 

Schönstes Camp der Portugal Rundreise

Das letzte Nachtlager wird das Highlight unserer Portugal Rundreise. Durch einen Geheimtipp erfahren wir von einer abgelegenen Bucht, in der wir Wild Campen möchten. Der Strand innerhalb der Bucht heißt „Praia do Barranco“ und liegt Nordöstlich von Sagres. Das Straßenschild, das zum Strand weißt, ist passenderweise mit Graffiti übersprüht worden und während der 20-Minütigen Fahrt durch die Landschaft fragen wir uns einige Male, ob wir wirklich richtig sind. Doch irgendwann erreichen wir es, ein kleines Paradies ohne Handyempfang oder sonstige Infrastruktur.

Die Bucht ist offenbar ein kleines Aussteigercamp und auf dem Weg zum Strand passieren wir den ein oder anderen Bulli oder alten Mercedes-Bus. Wir suchen uns ein idyllischen Plätzchen am Rand des Strandes mit perfekten Blick auf den Ozean. Die Bucht wird von zwei hohen Klippen begrenzt und die Aussicht von oben ist atemberaubend schön. „Zum Glück“ gibt es keine Wellen, andernfalls müsste ich mir erneut in den Hintern beißen, dass ich kein eigenes Surfboard dabei habe. Stattdessen schwimmen wir im klaren Wasser, genießen die Ruhe und schlafen bei offener Tür und Meerblick ein.

Zurück nach Lissabon: Ende der Portugal Rundreise

Am nächsten Morgen, nachdem ich einen traumhaften Sonnenuntergang von der Klippe genossen habe, denke ich tatsächlich darüber nach, noch eine Weile hier zu bleiben. Wir könnten die Zeit in Lissabon einfach ein bisschen abkürzen und stattdessen hier im Paradies bleiben. Doch der Van muss zurück gebracht werden und ohne Handynetz können wir auch nicht fragen, ob wir die Miete verlängern können. Schweren Herzens verlassen wir daher die Bucht und brechen auf Richtung Lissabon.

Den letzten Stopp unserer Portugal Rundreise mit dem Van legen wir in Alvor ein. Alvor ist ein hübsches, kleines Städtchen westlich von Lagos. Über einen Pfad spazieren wir durch das Naturschutzgebiet entlang einer Lagune zum weißen Sandstrand. Ein letzter Blick aufs Meer, noch einmal tief einatmen und die Freiheit spüren, bevor wir das trubelige Lissabon erreichen.

Nach knapp drei Stunden Fahrt beenden wir schweren Herzens unsere Portugal Rundreise in Lissabon und geben unsere Van ab. Wie bereits in Porto, haben wir uns ein zentral gelegenes AirBnB gemietet und erkunden die Stadt zu Fuß. Noch zwei Tage bleiben uns für die Hauptstadt von Portugal – nicht viel, doch wir werden noch einige Sehenswürdigkeiten erkunden. Die schönsten Orte und Tipps für Lissabon verrate ich die aber in einem separaten Beitrag.

Epilog: was nach der Portugal Rundreise geschah

Die Portugal Rundreise, das Campen und das Surfen haben so viel Spaß gemacht, dass ich danach endgültig vom Vanlife-Virus infiziert war. Ich glaube es ist vor allem das intensive Freiheitsgefühl und die Naturverbundenheit, die den Reiz daran ausmachen.

Wenige Wochen später kaufte ich mir deshalb meinen eigenen Van, einen Renault Kangoo, und taufte ihn Tommy. In Windeseile ausgebaut, startete ich bereits 12 Wochen nach der Portugal Rundreise in das nächste Vanlife Abenteuer: allein mit meinem eigenen Van an die Atlantikküste Frankreichs. Doch das ist eine andere Geschichte…

Der Film zur Portugal Rundreise

Während der Portugal Rundreise habe ich richtig fleißig gefilmt und euch so einen mehrteiligen Roadtrip Film mitgebracht. Die einzelnen Teile folgen den einzelnen Etappen der Portugal Rundreise. 

Viel Spaß!

Teil 1: Porto

Eine Stadt mit Charme

Teil 2: Zur Küste

Von Porto nach Figuera da Foz

Teil 3: Christliche Stätten

Tomar, Fátima und Batalha

Teil 4: Surferparadies

Nazaré, Peniche, Ericeira und Sintra

Teil 5: Nach Süden

An die Algarve

Teil 6: Lissabon

Abschluss der Portugal Rundreise

Bücher für deine Portugal Rundreise

Die folgenden Buchempfehlungen sind die perfekte Reiselektüre für eine Portugal Rundreise. Entweder zum Schmökern auf deiner Reise oder schon vorher zum Informieren und Inspirieren. 

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Stormrider Surf Guide (Englisch)

Portugal Rundreise: 2 Wochen Roadtrip, Campen und Surfen von Porto bis an die Algarve Portugal RundreisePortugal Rundreise: 2 Wochen Roadtrip, Campen und Surfen von Porto bis an die Algarve Portugal RundreiseDas perfekte Nachschlagewerk für eine Portugal Rundreise mit Surfen: hier findest du geeignete Surfspots mit wichtigen und nützlichen Infos zu den Gegebenheiten, Schwierigkeiten und Gefahren. 

Am Anfang des Buches findest du außerdem allgemeine Infos zu Wellen und Swell. 

“Immer links der Atlantik” (Marcus Haid)

Portugal Rundreise: 2 Wochen Roadtrip, Campen und Surfen von Porto bis an die Algarve Portugal RundreisePortugal Rundreise: 2 Wochen Roadtrip, Campen und Surfen von Porto bis an die Algarve Portugal RundreiseMarcus nimmt dich mit auf seine Bulli-Reise entlang des Atlantiks mit seiner vierköpfigen Familie. Gemeinsam bereisen sie Spanien, Portugal, Frankreich, England, Irland, Schottland und Norwegen.

Ein schöner Roadtrip mit Pech und Pannen, Reiseinfos, kleinen Geschichten und tollen Fotos. 

“Schrauben, Schlafen, Surfen” (Martin Röhrig)

Portugal Rundreise: 2 Wochen Roadtrip, Campen und Surfen von Porto bis an die Algarve Portugal RundreisePortugal Rundreise: 2 Wochen Roadtrip, Campen und Surfen von Porto bis an die Algarve Portugal RundreiseMartin Röhrig wirft seinen sicheren Job in Hamburg hin, kauft sich einen alten Bulli T2 und fährt mit seinem Kite-Equipment ein Jahr entlang der Atlantikküste von Spanien, Portugal und Frankreich.

Neben persönlichen Reiseanekdoten gibt es auch Stellplatztipps mit Koordinaten und viele Bilder, die Lust auf die eigene Reise machen. 

Karte Portugal

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