Potosí

Silbermine, Kirchen und Münzproduktion

Kathedrale Potosi

Potosi: eine Stadt auf 4000 Metern Höhe, die mit ihren gut 150.000 Einwohnern vor etwa 400 Jahren zu einer der größten Städte der Welt zählte. Die Frage, wieso gerade eine entlegene Anden-Stadt zahlreiche Menschen anzog ist einfach zu beantworten: SILBER. 

Das menschliche Streben nach Reichtum zieht sich wie immer als roter Faden durch die Geschichte. Nicht vom Tellerwäscher sondern vom Minenarbeiter zum Millionär –  dieser “Bolivian Dream” zog Menschenmassen nach Potosi und seinen “Reichen Berg”. Der Cerro Rico, an dessen Fuß die Stadt liegt, sieht mit seiner perfekten Dreiecks-Form aus wie eine Kinderzeichnung. Für die Kinder von Potosi war und ist es jedoch kein buntes Bild aus Wachsmalstiften, sondern gefährliche Realität. Sie arbeiten in den Stollen, legen Schicht um Schicht mit Werkzeug frei und wenn sie es sich leisten können auch mal mit einer Stange Dynamit. Millionär wird sicherlich keiner von ihnen werden – sehr viel wahrscheinlich ist es, in einem zusammenstürzenden Stollen begraben zu werden.

Ein Besuch in der Silbermine von Potosi

“Die Zwerge haben zu tief gegraben. Du weißt was sie entdeckt haben und du fürchtest dich davor.” Zwar wartet nicht, wie im Herr der Ringe, ein lodernder Balrog in den Tiefen des Berges, doch sehr viel realere Gefahren lauern in in der Mine. Einsturzgefahr, weil der Berg wahrscheinlich schon durchlöcherter ist als ein Schweizer Käse und ständig irgendwo Dynamit explodiert. Oder vorbeirasende Schienenwagen, die ohne Vorwarnung aus den dunklen Gängen schießen und hoffentlich genug Platz links und rechts lassen um sich vor ihnen zu retten. 

Kurzum: wir haben diese “Sehenswürdigkeit” ausgelassen. Nicht, dass ich nicht auch mal das ein oder andere Risiko in Kauf nehme für eine besondere Erfahrung – doch in diesem Fall versprach ich mir zu wenig auf der Nutzen-Seite. Natürlich wäre es eine verrückte Situation gewesen, auf einem kleinen Markt Dynamit und Koka-Blätter zu kaufen um sie den Minenarbeitern mitzubringen. Aber die beängstigende Vorstellung, durch die engen Tunnel zu kriechen, wog dann doch schwerer. Und die Koka-Blätter, die kann man ja trotzdem auf dem Markt kaufen.

Zu den getrockneten Blättern kauft man noch eine Stange “Lejia”, das man stückchenweise gemeinsam mit dem Grünzeug in den Mund legt. Das weiße Zeug mildert die Bitterstoffe und ist leicht süßlich und soll den ganzen Prozess erträglicher machen. Wofür überhaupt? Die Blätter helfen wohl gegen einige der Höhenkrankheits-Symptome und in rauen Mengen halten sie wohl auch wach und aktiv. Kein Wunder, dass die Minenarbeiter (und auch der ein oder andere Anden-Bewohner außerhalb der Mine) die Backen voll wie ein Hamster hat. 

Von Sucre nach Potosi

Aber zurück auf Anfang: wir mussten von Sucre ja erstmal nach Potosi gelangen. Am liebsten wären wir ja mit dem Schienenbus gereist. Das einzigartige Fahrzeug hatten wir in irgendeiner Doku entdeckt: einmal die Woche fährt nämlich ein Bus, der zum Schienenfahrzeug umgebaut wurde, auf einer wunderschönen Strecke durch die Anden von Sucre nach Potosi. Leider war die Strecke während unserer Reise allerdings gerade wegen Sanierungsarbeiten gesperrt und der Zug fuhr nicht. 

Aber auch die Strecke mit dem Bus bot herrliche Ausblicke auf die Landschaft und war dafür angenehm unkompliziert. Mehrmals am Tag gibt es eine Verbindung und so fuhren wir einfach irgendwann am Nachmittag zum Busbahnhof von Sucre. Wir hatten Glück und ergatterten noch die letzten beiden Plätze auf einem Bus, der 2 Minuten später abfuhr. Langsam kroch der Bus die Anden hinauf und drei Stunden später erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein den Stadtrand von Potosi. 

Geheimtipp: Unterkunft mit Traum-Aussicht

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Während die Sonne Stück für Stück hinter den Häusern verschwand, brachte uns ein Taxi zu einem unserer Glücksgriffe unter den Unterkünften der Reise: das “Eukalyptus Hostel”. Das Treppenhaus im überdachten Innenhof mit den verschiedenfarbigen Fassaden der einzelnen Stockwerke sah nicht nur fotogen aus, es führte auch hinauf zum schönsten Sonnenuntergangs-Spot der Stadt. 

Vom Dach des Hostels hat man nämlich einen grandiosen Rundumblick auf das koloniale Zentrum von Potosi, den Cerro Rico zur Linken und die Anden-Skyline am Horizont, hinter der gerade die Sonne verschwand. Mit dem Untergehen der Sonne wird es schlagartig schweinekalt: hatten wir eben noch im T-Shirt ein Taxi herangewunken, brauchte man wenig später einen dicken Pulli, Softshelljacke und Daunenweste wenn man sich draußen aufhalten möchte. Doch zum Glück gibt’s auf dem Dach der Unterkunft eine Art Wintergarten: ein kleines Häuschen komplett aus Glas, das sich durch die Sonne über den Tag aufwärmt, so dass man es hier am Abend ganz gut zum Sonnenuntergangs-Kino aushalten kann. Am nächsten Morgen ist es allerdings auch darin wieder ziemlich frostig und beim morgendlichen Yoga muss man aufpassen, dass man nicht im herabschauenden Hund festfriert.

Die perfekten Sonnenuntergangs-Logen-Plätze muss man dagegen nicht mal dann verlassen, wenn man plötzlich Lust auf einen Sundowner bekommt. Highlight ist nämlich der kleine Aufzug, über den per Gegensprechanlage Bier bestellt werden kann!

Unterwegs in Potosi

Auch wenn man den Besuch der Silbermine auslässt, lohnt sich Potosi jedenfalls für einen kleinen Zwischenstopp von ein bis zwei Tagen. Bei einem Spaziergang durch das Zentrum kann man schöne alte Fassaden entdecken – mal top in Schuss, oft aber auch auf eine pittoreske Art verfallen. Kleine Gassen, bunte Häuser, Holzbalkone wie auf La Palma – die spanische Feder der Kolonialzeit ist noch deutlich zu erkennen. 

Kirchen

Die Menge an Edelmetallen steht offenbar in Korrelation mit der Anzahl von Kirchen – der Zyniker mag darin einen kausalen Zusammenhang sehen. Klar ist jedenfalls: Potosi ist mit seinen angeblich 36 Gotteshäusern ziemlich gut ausgestattet. Von der großen pompösen Kathedrale bis hin zur kleinen Kirche ist alles vertreten und ein neugieriger Blick hinein lohnt sich fast immer. 

Wir waren wohl an einem besonderen kirchlichen Feiertag in der Stadt, denn zahlreiche Bewohner von Potosi bauten kleine Altare vor ihren Häusern auf. Mit spärlichem Spanisch, Händen und Füßen verstand ich, dass eine große Prozession stattfinden würde und beinah jedes Haus entlang der Route wurde entsprechend geschmückt. 

Potosis Zentrum: rund um den Hauptplatz 

Wie bereits in jeder noch so kleinen Stadt auf unserer Bolivienreise ist auch Potosi nach dem klassischen Kolonial-Schema aufgebaut: das Zentrum ist da, wo der große Hauptplatz ist. Drumherum die obligatorische Kathedrale und die repräsentativen Gebäude der Stadt. In Potosi ist der Platz nach dem 10. November 1810 benannt, dem Beginn des Unabhängigkeitskrieges in Potosi. Man stelle sich das süffisante Grinsen der Bolivianer dabei vor, wie sie ausgerechnet dem städtebaulichen Markenzeichen des Kolonialismus den Namen ihres Obsiegens hierüber geben. 

Die politische Bedeutung des Hauptplatzes ist nach wie vor aktuell, denn Demonstrationen und Protestmärsche finden auf und um ihn herum statt. Unter einer großen Flagge marschierten abends zahlreiche Quechuas um den bunt-illuminierten Platz herum. Wofür und wogegen sich der Marsch richtete, ließ sich in Ermangelung offenkundiger Plakate leider nicht herausfinden. Hoffentlich wussten wenigstens die Adressaten der Aktion Bescheid.

Kathedrale von Potosi

Die Kathedrale von Potosi heißt Catedral Metropolitana de Santiago Apóstol und ist ein echtes Prachtstück. Weiß mit Blau und Gold, pompöse Säulen, kitschig pinkfarbene Altare und bunte Fenster. Nur die Jesusfigur als Pappaufsteller fällt dagegen irgendwie ab. In einem kleinen Seitenraum – nicht viel größer als eine Besenkammer – befindet sich die Krypta mit den Grabstätten einiger wichtiger Persönlichkeiten. Und ein Schrank, in den offenbar all das reinkommt, was keinen Platz mehr gefunden hat…

Über den Orgel-Balkon gelangt man hinauf in den Turm der Kathedrale, von wo aus man einen tollen Blick hinab auf den Hauptplatz, den Silberberg und das Häusermeer von Potosi hat. Dabei sollte man aufpassen, dass man sich nicht den Kopf an den riesigen Glocken stößt und nur mit einer Portion Wagemut darunter stehen bleiben. Die Aufhängung der tonnenschweren Kolosse sieht nämlich alles andere als vertrauenswürdig aus. 

Info: Die Kathedrale kann für 20 Bolivianos (etwa 2,50 Euro) Mo-Sa von 9 bis 12 und 14:30 bis 18 Uhr besichtigt werden. Gottesdienste finden gar nicht so häufig statt, damit auch die anderen kleinen Kirchen regelmäßig besucht werden.

Turm mit Aussicht

Eine weitere schöne Aussicht kann man nur wenige Meter weiter vom Torre de la Compañía de Jesús genießen. Vielmehr als die Aussicht gibt’s zwar auch nicht zu sehen – aber für ca. 1,25 Euro lohnt sich der Blick allemal. 

Marktbesuch und Zufallsfund

Zu einer Tour durch eine südamerikanische Stadt gehört ein Markt-Besuch einfach dazu. Der Mercado Central von Potosi ist zwar nicht so groß und interessant wie der von Sucre, aber kurz hinüber schlendern schadet nicht – wer weiß was man dann doch zufällig entdeckt. 

Wir entdeckten jedenfalls gegenüber auf dem Park del Estudiante eine Art Schulfest. Dort gab es neben einer langen Reihe Kickertische vor allem zahlreiche Essensstände, wo wir zwischen Schülern und ihren Familien das erste mal Lama-Fleisch kosteten. Anlass des Ganzen war eine Art Modenschau, wo Schülerinnen in traditioneller Anden-Tracht gegeneinander antraten und zu schriller Musik vor dem Publikum im Kreis liefen. 

Münzen aus Potosi

Die Minen haben wir zwar ausgelassen, doch im (wesentlich ungefährlicheren) Münz-Museum Casa Nacional de la Moneda erfährt man viel über die prunkvolle Zeit von Potosi. Laut Schild am Eingang kann das Museum Dienstags bis Samstags von 9 bis 10:30 und 14:30 bis 17:30 sowie Sonntags von 9 bis 10:30 besichtigt werden. Wir waren an einem Samstag dort und warteten bis ca. 16:10 darauf, dass das Kartenverkaufs-Häuschen geöffnet wurde. Die Führung (und nur auf diese Weise kann man das Museum besichtigen) ging dann von 16:30 bis 18 Uhr. Ob das ein Versehen, Irrtum, Unfall oder das bolivianische Verständnis von Pünktlichkeit ist, ließ sich nicht aufklären. Aber es lehrt wie so oft: mit enger Zeittaktung und haargenauer Planung schießt man sich auf einer Reise meistens nur selbst ins Knie. 

Hat man erstmal die Hürde des Einlasses genommen, sieht man auf einer etwa 1,5-stündigen Führung alte Maschinen für die Münzprägung, diverse Münzen und Kunstwerke aus Silber (oder solche, die mit diesem gekauft werden konnten). Wir hatten großes Glück mit unserem Guide. Die Führung war nämlich eigentlich auf Spanisch, doch wiederholte er uns die wichtigsten Sachen auch noch auf Englisch. Viele Dinge werden zwar auch absolut selbsterklärend durch Puppen dargestellt, doch der ein oder andere historische Fun-Fact lässt sich dann doch nur durch den Guide erfahren. 

So zum Beispiel die Geschichte des Dollars, der offenbar auf Potosi zurück geht. In dem heutigen Museum wurden nämlich Münzen nicht nur für Bolivien oder Spanien geprägt, sondern für die ganze Welt. Was heute “Made in Germany” ist, war damals für Münzen das “Made in Potosi” – abgekürzt durch die übereinander gelegten Buchstaben P, T und S. Aus diesem Symbol entstand (so der Mythos) später das Dollarzeichen. 

Info: Der Eintritt kostet 40 Bolivianos (ca. 5 Euro) plus weitere 20 Bolivianos, wenn man fotografieren möchte. Die Öffnungszeiten – nun ja, ich würde sagen, die sind irgendwann am Vormittag und irgendwann am Nachmittag.

Weiterreise nach Tupiza

Nach 1,5 Tagen in Potosi ging die Reise weiter nach Tupiza, wo wir unsere Jeep-Tour zum Salar Uyuni starten würden. Was genau wir dort erlebt haben, ist eine andere Geschichte. Aber schonmal soviel: der Abstecher in den Süden von Bolivien zum Canyon in Tupiza lohnt sich absolut und die kleine Stadt hat als Startpunkt für die Uyuni-Tour viele Vorteile gegenüber der Stadt Uyuni. Aber dazu später mehr! 

Von Potosi erreicht man Tupiza in etwa 5-6 Stunden mit einem großen Bus. Die Tickets kosten 30-40 Bolivianos und können direkt am Busbahnhof “Nuevo” vor Abfahrt gekauft werden. Der Busbahnhof ist übrigens ein Erlebnis für sich, denn durch die leer gefegte Halle hallt aus allen Ecken Verkaufsgeschrei für Bustickets durchs ganze Land. Wer vor der Fahrt noch etwas essen will, sollte das machen, bevor er zum Busbahnhof aufbricht. Dort gibt’s nämlich nur noch einige kleine Snack-Stände. 

Film zum Spaziergang durch Potosi

Wie immer seid ihr hautnah dabei: folgt mir auf meinem Weg durch Potosi und erlebt den wohl praktischsten Aufzug der Welt…

Praktisches und Nützliches

  • Bus Sucre nach Potosi

    20 Bolivianos, ca. 3 Stunden, mehrmals täglich

  • Taxi

    vom Stadtrand ins Zentrum: 10 Bolivianos
    vom Zentrum zum Busbahnhof Nuevo: 20 Bolivianos

  • Potosi nach Tupiza

    5-6 Stunden mit dem großen Bus, 30-40 Bolivianos, Abfahrt vom Busbahnhof “Nuevo”

  • Unterkunft

    Eukalyptus Hostel

  • Sehenswürdigkeiten

    Kathedrale (20 Bolivianos)

    Torre de la Compañía de Jesús (10 Bolivianos)

    Münzmuseum Casa Nacional de la Moneda (40 Bolivianos) 

  • Für Abends

    La Casona 1775
    gemütlicher Pub; Essen für 30-60 Bolivianos