Ring of Kerry und Dingle Halbinsel

Roadtrip durch den Südwesten Irlands

Ring of Kerry und Dingle

Zu einer Reise in den Südwesten von Irland gehört eine Tour entlang des “Ring of Kerry” dazu wie das Guinness am Abend. Der Ring of Kerry ist eine knapp 180 Kilometer lange Panoramastraße, die von Kenmare zum Killarney National Park und entlang der Küste der Iveragh Halbinsel führt. 

Doch wir wollen nicht nur die Iveragh Halbinsel, sondern auch die nördlich gelegene Dingle Halbinsel erkunden. Und das alles in einem Tag. 

So viel schon vorab: wir haben uns total verzettelt. Die beiden Touren über die Halbinseln bieten so viele schöne Orte, dass man sie in jedem Fall auf zwei Tage Tage aufteilen sollte.

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Karte Kerry Cork

Nordküste der Dingle Halbinsel

Von unserer Unterkunft in Kenmare fahren wir am frühen Morgen nach Norden. Wir möchten mit der Nordseite der Dingle Halbinsel starten, diese umrunden und dann über den Ring of Kerry auf der Iveragh Halbinsel zurück nach Kenmare fahren. So viel zum Plan. 

Wir starten in der Nähe von Tralee, wobei wir die Stadt selbst links liegen lassen und nur einen kurzen ersten Stopp an der Blennerville Windmill einlegen. Die weiß gekalkte Windmühle steht direkt an der Mündung des River Lee in den Atlantischen Ozean und markiert somit für uns den Beginn der Dingle Halbinsel. 

Am Camp Beach werfen wir einen ersten Blick auf das Meer. Der Strand ist wild und naturbelassen aber eignet sich gut für einen kleinen Strandspaziergang. 

Von hier aus fahren wir quer über die Dingle Halbinsel Richtung Südwesten zum See Lough AnnascaulDer See liegt inmitten einer typisch irischen Hügellandschaft und keine einzige Menschenseele ist neben uns zu sehen. Einzige Gesellschaft – eben auch ganz typisch irisch – ist eine Herde Schafe, die uns verwundert entgegenblickt.

Der Obermacker der Bande stolziert vor unsere Motorhaube und streckt uns seine Hörner entgegen. Als wir es offenkundig nicht auf seine Herde abgesehen haben, nickt er uns freundlich zu und zieht von dannen. Am Ufer des Sees genießen wir die Idylle und Ruhe bevor es weiter zur Stadt Dingle geht.

Dingle

Dingle ist eine kleine Hafenstadt an der Südküste der Halbinsel. Unter Touristen ist sie vor allem wegen “Fungi” bekannt, ein Delfin, der seit 1984 in der Bucht von Dingle lebt. Es gibt sogar Bootstouren, um dem kleinen Meeressäuger “Hallo” zu sagen, doch wir bleiben an Land.  

Fungi selbst sehen wir dadurch zwar nicht, trotzdem sind wir begeistert von der Hafenstadt. Dingle bietet eine riesige Auswahl an Postkartenmotiven: strahlend bunte Häuserfassaden, kleine Cafés und Cupcake-Verkäufer, süße Lädchen und natürlich die fotogenen Fischerboote am Hafen. Besonders urig ist es im Dick Macks Pub, zu dessen gemütlicher Ausstattung auch der alte Verkaufstresen eines Schuhmachers gehört. Ein ähnliches Prinzip verfolgt auch der Pub Foxy John’s, der neben Bier auch Werkzeug verkauft. 

Slea Head Drive

Hinter der Stadt Dingle beginnt der Slea Head Drive, eine Ringstraße ähnlich des Ring of Kerry, die um die Spitze der Dingle Halbinsel führt. Wir folgen der Straße entlang der  Südküste nach Westen. 

Einen weiteren kurzen Strandstopp legen wir am langen Ceann Trá Beach ein. Der Strand liegt am Ende einer großen Bucht im Südwesten von Dingle und es gibt einen Parkplatz mit Meerblick. 

Hinter der Bucht, direkt an der Südküste gelegen, befindet sich das Dunberg Fort, eine Ruine aus der Eisenzeit – also gute 2000 Jahre alt. Wir haben allerdings noch einiges an Strecke vor uns und werfen wir nur von der Straße einen Blick auf die alten Mauern. Durch einen Erdrutsch sind große Teile des Forts zerstört worden. 

Einen der schönsten Plätze unserer Tagestour finden wir zwischen Slea Head und Dunmore Head, dem südwestlichsten Zipfel der Dingle Halbinsel. Dort befindet sich der winzige Strand Coumeenoole Beach. Den schönsten Blick hat man oberhalb von der Steilküste am Parkplatz Slea Head Parking. Von einer saftig grünen Wiese blicken wir hinab auf den türkisfarben leuchtenden Ozean, die dunklen Felsen der Steilküste und sachten Erhebungen der irischen “Kerrygold”-Hügel.

Zu unserer Rechten ragen die “Devils Horns” aus dem Ozean, große Felsen, die wahrscheinlich irgendwann mal mit dem Dunmore Head verbunden waren. Auf dem großen Plateau des Dunmore Head kann man herrlich umher streunen und auf die Westküste der Dingle Halbinsel Richtung Norden blicken.

Südküste der Dingle Halbinsel

Wir folgen dem Slea Head Drive nach Norden, bis er uns zurück Richtung Osten führt. Dort stoßen wir auf das Gallarus Oratory, ein etwa 37m² großes und 4 Meter hohes Bethaus aus Stein. Es stammt aus dem 8. Jahrhundert und gilt damit als eines der ältesten frühchristlichen Kirchen. Das Haus sieht ein bisschen aus wie der umgedrehte Rumpf eines Schiffes und ist mit Trockenmauertechnik – also ohne Mörtel – errichtet worden. Umso erstaunlicher, dass es immer noch so unversehrt in der irischen Landschaft steht. 

Von hier aus fahren wir zurück an die Südküste der Dingle Halbinsel und Richtung Osten zum Ring of Kerry. Bevor wir die Dingle Halbinsel verlassen, gibt es noch einen besonderen Strandstopp am Inch Beach. Der Inch Beach liegt an der Westseite eine Landzunge, die fast bis an die Küste der Iveragh Halbinsel ragt. Dadurch hat er einer Länge von ca. 5,5 Kilometern und – ähnlich wie in St. Peter Ording oder auf der dänischen Inseln Rømø – kann man mit dem Auto auf den Strand fahren.

Wäre ich schon Surfer, ich würde mich glatt mit Brett in die Wellen werfen. Doch mit dem Surfen werde ich erst zwei Wochen nach unserem Trip beginnen. Stattdessen sprinte ich ohne Surfboard, dafür im Bikini durch den irischen Oktober in den kalten Atlantik. Erfrischend!

Ring of Kerry

Mit dieser spontanen Schwimmeinlage sind wir am Ende unserer Route über die Dingle Halbinsel angekommen und fahren auf den Ring of Kerry um die Iveragh Halbinsel zu erkunden. Wir realisieren langsam, dass wir uns mit der Zeit komplett verzettelt haben. Es ist schon Nachmittag, als wir den Ring of Kerry erreichen. Viel zu wenig Zeit bleibt noch bis es dunkeln werden wird. Wir beschließen, dass wir in den Ring of Kerry trotzdem auf jeden Fall befahren wollen und unser Tagesziel heißt: die Steilklippen am westlichen Ende der Iveragh Halbinsel bei Tageslicht zu erreichen. 

Ohne weitere Pausen fahren wir auf der Nordseite des Ring of Kerry’s nach Westen. In Caherciveen steigen wir nur kurz aus für einen Pitstop, einen Kaffee und einem schnellen Blick in die schöne Daniel O’Connell Kirche. 

Kerry Cliffs

Kurz hinter Caherciveen wechseln wir vom Ring of Kerry auf die R 565 / R 566, den Skellig Ring, der sich wie eine kleinere Seifenblase an den Ring of Kerry schmiegt und zu den Klippen im Westen führt.

Es dämmert bereits als wir den Parkplatz der Kerry Cliffs erreichen. Gegen den Wind laufen wir – rennen beinah schon – den Hang hinauf zu den Klippen und es verschlägt uns die Sprache. Vor uns fällt die Küste steil hinab und ragt, in wilden Zacken, hinein ins Meer. Schroffe Felsen in hellen und dunklen Schichten, mit grünem Gras überwuchert, zwischen dem tiefen Blau des Altantiks – ein Bild der Kontraste. Am Horizont sehen wir die Skellig Islands – dahinter der noch dezent vom Sonnenuntergang beleuchtete Himmel.

Uns peitschen die ersten Regentropfen entgegen, doch wir bleiben noch eine Weile. Wir sind die einzigen Menschen weit und breit – kein Wunder bei dem Wind und Wetter. Doch dieses Gefühl, hoch oben über dem rauen Atlantik inmitten der Elemente zu stehen, ist pure Energie, Abenteuer und Freiheit. 

Durch die Dunkelheit fahren wir auf dem Ring of Kerry zurück nach Kenmare. Manchmal können wir schemenhaft die südliche Küste der Iveragh Halbinsel erahnen und stellen fest, dass da noch viele tolle Ecken auf uns gewartet hätten. Doch auch wenn wir auf dieser Reise vom Ring of Kerry nur einen kleinen Ausschnitt gesehen haben, war dieser wunderschön. Und der Rest wird eben auf der nächsten Reise erkundet – und diese kommt bestimmt. 

Praktisches und Nützliches

  • Unterwegs in Kerry

    Am einfachsten mit einem Mietwagen.

    Keine Angst vor dem Linksverkehr – da gewöhnt man sich schnell dran.

  • Highlights der Tour

    Wenig Zeit? Das sind meine drei absoluten Highlights:

    Dingle

    Coumeenoole Beach

    Kerry Cliffs

Karte Irland

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