Surfen und Sightseeing
– Ein Kurztrip mit Tommy – 

Seebrücke Sellin

 

Ostwind! Nachdem der letzte Trip mit Tommy schon wieder ein paar Wochen zurücklag und der Winter nahte, wollten wir unbedingt nochmal los. Vor allem wollte ich aber nochmal unbedingt aufs Board – und auch mein liebster Reisegefährte hatte Lust, das mit diesem Stehen auf dem Brett im Wasser mal auszuprobieren. Tagelang verfolgte ich die Wind- und Wettervorhersagen auf der “windity-App”. Und dann ging es tatsächlich an einem Donnerstag mitten im Oktober los. 

Tag 1: Anreise aus Hamburg und erste Surf-Session
Mein Board aufs Dach geschnallt, sein Board auf Rügen bei einer Kite-Schule ausgeliehen, kamen wir Abends an der Ostküste Rügens an und suchten uns einen Campingplatz mit eigenem Strandzugang in Göhren. Wir hatten uns bewusst gegen das Wild-Campen entschieden, da es bereits so kalt war, dass wir auf eine heiße Dusche nach dem Surfen nicht verzichten wollten. Gesagt getan warfen wir uns noch für eine kurze erste Session in die Wellen – und die waren ordentlich. Mit viel Kraft und eiskalt kamen große schwere Brecher angerollt. Leider war der Sturm aber so stark, dass er mein Board sogar auf dem Wasser liegend herumwehte und eine starke Strömung verursachte. Das machte das Surfen nicht gerade leichter… Nach einer knappen Stunde waren wir durchgefroren und erschöpft und flitzten unter die heiße Dusche. Mit Kartoffeleintopf und einer Runde Scrabble machten wir es uns im Auto gemütlich und da war der Tag dann auch schon vorbei. Eingemümmelt in zwei dicke Decken übereinander hofften wir, dass es in der Nacht nicht zu kalt werden würde. 

Tag 2: Seebäder und Schlösser
Wir sind nicht erfroren. Aber bei 5 Grad am Morgen kostet es sehr viel Überwindung aus dem Auto zu krabbeln um Kaffee zu kochen. Nach einer weiteren (kalten) Runde Surfen brachen wir auf nach Sellin. Das schöne Seebad ist vor allem für seine beeindruckende Seebrücke bekannt, auf der ein hübsches schloss-ähnliches Restaurant steht. Im Innern fanden wir einen gemütlichen Tisch mit Blick auf die Wellen und wärmten uns bei Kuchen und heißer Schokolade auf. Nach einer kleinen Runde durch die (überschaubare) Ladenzeile fuhren weiter Richtung Norden. 

Einen nächsten Stop legten wir am Jagdschloss Granitz ein. Der Weg dorthin war recht abenteuerlich – da er zwar wunderschön durch Alleen führt – allerdings kilometerlang aus Kopfsteinpflaster besteht. Mit zwei Boards auf dem Dach und einem recht fragilen Holz-Dekor im Innern, tuckerten wir also mit ca. 20 km/h an Bäumen und Feldern vorbei, während die irren Rügener mit ihren X5-ern und 80 km/h an uns vorbeizogen. Für das Schloss lohnte sich der Weg allemal. Für ein paar Euro Eintritt konnte man durch das Innere laufen – und dabei zahlreiche Geweihe an Wänden, als Möbelstücke oder am ausgestopften Tier beobachten. Trifft nicht ganz meinen persönlichen Einrichtungsstil – aber vielleicht möchte sich IKEA ja mal für eine GEVIRER-Kollektion inspirieren lassen. Wirklich schön ist vor allem die schmiedeeiserne Treppe, die an der Innenseite des Aussichtsturms hoch führt. Von oben hat man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung bis hin zum Meer. 

Von Granitz ging es dann weiter nach Binz, ein weiteres schönes Seebad. Hier lohnt ein kleiner Bummel durch die Innenstadt und kleinen Läden, vorbei an hübschen Fassaden, die fast ein bisschen an ein (sehr sauberes) New Orleans erinnern. Auch hier führt ein Steg hinaus ins Meer – diesmal ohne Schloss, dafür mit vielen Surfern, die daneben und darunter hindurch ritten. Uns war es zu kalt um uns schon wieder in die kalten Neos zu werfen und so fuhren wir lieber noch etwas weiter (im warmen Auto) nach Prora.

Prora – als riesiges Feriendomizil der Nazis geplant – jedoch nie fertig gestellt (da kam wohl etwas dazwischen…) später dann als Kaserne der DDR militärisches Sperrgebiet und heute im Umbau für Wohnungen. Wer gerne in einem riesigen (2,5 km langen) Schuhkarton, gemeinsam mit tausenden anderen Menschen dicht an dicht leben möchte, für den wird das (irgendwann mal, wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt) eine ganz tolle Wohngegend. Immerhin gibt es einen kleinen Strand direkt hinter dem Gebäude. 
Viel schöner als die Betonblöcke ist allerdings der nächstgelegene See “Kleiner Jasmunder Bodden”. Ein kleiner Trampelpfad führt von der Landstraße durch das Schilf bis hin zum Wasser. Wir genossen für eine Weile die Rhe und beobachteten, wie die Sonne im Wasser verschwand, während sie die uns umgebende Natur in ein goldenes Licht tauchte. 

Tag 3: Kreidefelsen
Am nächsten Tag verließen wir unseren Campingplatz in Göhren und fuhren die Ostküste weiter nach Norden. Erster Stop Sassnitz. Die kleine Hafenstadt hat nicht gerade viel zu bieten, aber sie ist Ausgangspunkt für einen Ausflug auf den Königsfelsen – eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rügens. Bei schönem Wetter wären wir sicherlich hingelaufen, aber es war so kalt und stürmisch, dass wir dann doch lieber auf den Bus zurückgegriffen haben. Der bringt einen für ein paar Euro direkt zum Eingang des Areals. Eintritt muss man dort zum Glück nicht zahlen – lediglich wenn man in das dort gelegene Museum möchte. Der Blick vom gut 100 Meter hohen Felsen ist den kleinen Ausflug auf jeden Fall wert. Von hier aus kann man sehr schön die benachbarten Felsvorsprünge und das schneeweiße Kalkgestein bestaunen. Unten entlang laufen (wie wir es bereits an der dänischen Variante der “Mons Klint” getan hatten) ist verboten, seit vor einigen Jahren ein kleines Mädchen durch herabfallendes Gestein verunglückt ist. Länger als eine halbe Stunde muss man sich dann aber auch nicht dort aufhalten (so schön der Blick auch ist, irgendwann wurde uns einfach zu kalt), also ging es mit dem Bus zurück nach Sassnitz und von dort weiter Richtung Norden auf der Suche nach einem Campingplatz für die Nacht. 
Wir wurden fündig und ließen uns am Strand von Altenkirchen auf dem Campingplatz “Drewoldke” nieder. Auch hier hatten wir einen Strandzugang direkt am Auto und so ging es noch fix in die Wellen. Am Abend versuchten wir vergeblich ein Restaurant oder eine Bar zu finden, in der mein Lieblingsreisegefährte sein Bundesliga-Spiel schauen könnte… Nach fast einer Stunde des Herumfahrens mussten wir allerdings feststellen, dass Rügen ein wirklich verschlafenes Nest ist. Laut Aussagen der abgeklapperten Gastronomen gibt es sowas nur in Bergen. Nun gut. Dann eben Radio… 

Tag 4: alte Kirchen, viele Leuchttürme und eine weiße Stadt
Am letzten Tag unseres Trips drehten wir noch eine kleine Runde durch Altenkirchen – der Name ist Programm. Die Dorfkirche – ursprünglich sicherlich mal sehr schön und eindrucksvoll – ist ganz schön in die Jahre gekommen und in einem desolaten Zustand. Wir entdeckten diverse Löcher im Mauerwerk – die nur teilweise mit Holzplanken abgedeckt wurden  – fanden sie aber dennoch, oder gerade deswegen reizvoll. Umgeben von alten – wahllos verteilten – Grabsteinen und Kreuzen hat die verlassene Kirche in jedem Fall eine ganz besondere Stimmung. Besonders der externe Glockenturm aus Holz mit seiner blauen Uhr ist mal was anderes. 

Von Altenkirchen ging es dann bis zum nördlichsten Zipfel Rügens – dem Kap Arkona. Auch hier ließen wir Tommy wieder auf dem letzten Parkplatz davor stehen und nahmen die Touri-Bimmel-Bahn auf Rädern für die letzten Kilometer zum Kap (ich muss nicht nochmal auf die dauerhaft vorhandene Kälte hinweisen oder?). Am Kap selbst stehen dann gleich drei verschiedene Leuchttürme. Grundsätzlich muss ich ja immer auf jeden Turm und Berg hoch um die Aussicht zu genießen. Aber in diesem Fall fanden wir es dann doch zu dreist, neben der recht teuren Bimmelbahn auch noch für jeden Turm im Schnitt 5 Euro Eintritt zu zahlen. Bei vorherrschendem Nebel und Regenwolken wäre die Sicht dann auch nicht so schön. Wir liefen also nur eine kleine Runde an den Klippen entlang und erfreuten uns an dem Anblick der Leuchttürme von außen.

Vom Kap machten wir uns dann langsam auf den Weg zurück nach Hamburg. Unterwegs hatten wir noch das Glück, den “Rasenden Roland”, die alte Dampflok Rügens, abzupassen (eine Fahrt damit sparten wir uns). Einen kurzen Stop legten wir auch noch in Putbus ein. Die “Weiße Stadt” wurde Beginn des 19. Jahrhunderts von einem Fürsten im klassizistischen Stil geplant -alles sollte zum Schloss und zum Park passen. Die Stadt ist mehr oder weniger ausgestorben und mutet an wie ein Filmset, aber es ist schon sehr eindrucksvoll. Sie wird auch aus gutem Grund “Stadt der Rosen” genannt, denn vor gefühlt jedem zweiten Haus steht ein Rosenstock. Wir spazierten über den symmetrisch angelegt Platz mit Obelisk in der Mitte und durch den sehr schönen Park mit großem See. Vor blauem Himmel wäre es sicherlich noch schöner gewesen. 
Eigentlich wollten wir dann noch eine kleine Runde durch Rügens Hauptstadt Bergen drehen. Es war Spätnachmittag an einem Sonntag und wir freuten uns schon darauf, ein süßes gemütliches Cafe beim Bummel durch die Gassen zu finden. Leider war dort – obwohl sich ja hier scheinbar das Rügener Leben abspielen soll – tote Hose. Alles hatte schon zu. Kein Mensch war auf der Straße. Es hatte ein bisschen was von Weltuntergangsstimmung. Einzig die St. Marien Kirche war offen und wir legten noch eine kleine Stipvisite ein. Nichts herausragendes aber ganz nett. Den Kaffee holten wir uns an der letzten Tankstelle auf Rügen und dann ging es durch Nebel und Regen heim nach Hamburg. 
Insgesamt aber – trotz grauen Wetters noch ein schöner letzter Trip, bevor der Winter beginnt. Und immerhin waren wir jeden Tag mindestens einmal surfen – und darum ging es ja vor allem. 

 

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