Rügen

Ein Roadtrip mit Campen und Surfen im Oktober

Oktober 2016, Ostwind!

Nachdem der letzte Trip mit meinem Van Tommy schon wieder ein paar Wochen zurückliegt und der Winter naht, wollen wir unbedingt nochmal los. Vor allem nochmal aufs Surfbrett – wahrscheinlich das letzte Mal für dieses Jahr.

Auch mein liebster Reisegefährte hat Lust, das mit diesem Stehen auf dem Brett im Wasser mal auszuprobieren. Tagelang verfolge ich die Wind- und Wettervorhersage. Und dann geht es tatsächlich an einem Donnerstag mitten im Oktober los.

Ziel: Rügens Ostküste! Warum Rügen? Als Kind habe ich mit meiner Familie einen stürmischen Sommerurlaub auf der größten Insel Deutschlands verbracht. Da ich mich an nicht viel mehr als das Drachenfliegen auf der Wiese und das Radfahren gegen den Sturm erinnern kann, will ich nochmal hin und mir die Sehenswürdigkeiten auf Rügen ansehen.

Passenderweise wieder bei Wind und Wetter…

Rügen Sehenswürdigkeiten

Tag 1: Von Hamburg nach Rügen und Surfen in der Ostsee

Die Boards aufs Dach geschnallt, kommen wir Abends an der Ostküste Rügens an und suchen uns einen Campingplatz mit eigenem Strandzugang in Göhren. Wir entscheiden uns bewusst gegen das Wild-Campen, da es bereits so kalt ist, dass wir auf eine heiße Dusche nach dem Surfen nicht verzichten wollen. Gesagt getan werfen wir uns noch für eine kurze erste Session in die Wellen – und die sind ordentlich. Mit viel Kraft und eiskalt kommen große schwere Brecher angerollt. 

Leider wird der Sturm schnell so stark, dass er mein Board sogar auf dem Wasser liegend herumweht und eine starke Strömung verursacht. Das macht das Surfen nicht gerade leichter… Nach einer knappen Stunde sind wir durchgefroren und erschöpft und flitzen unter die heiße Dusche. Mit Kartoffeleintopf und einer Runde Scrabble machen wir es uns im Auto gemütlich und lassen den ersten Tag ausklingen. Eingemummelt in zwei dicke Decken übereinander hoffen wir, dass es in der Nacht nicht zu kalt werden würde. 

Tag 2: Seebäder und Schlösser auf Rügen

Sellin

Wir sind nicht erfroren. Aber bei 5 Grad am Morgen kostet es sehr viel Überwindung aus dem Auto zu krabbeln um Kaffee zu kochen. Nach einer weiteren sehr kalten Runde Surfen brechen wir auf nach Sellin.

Das schöne Seebad ist vor allem für seine beeindruckende Seebrücke bekannt, auf der ein hübsches schloss-ähnliches Restaurant steht. Die Seebrücke mit dem Schloss ist schon seit meinem ersten Besuch als Kind eine meiner Lieblings Rügen Sehenswürdigkeiten.

Im Innern finden wir einen gemütlichen Tisch mit Blick auf die Wellen und wärmen uns bei Kuchen und heißer Schokolade auf. Nach einer kleinen Runde durch die überschaubare Ladenzeile fahren wir weiter Richtung Norden. 

Jagdschloss Granitz

Einen nächsten Stopp legen wir am Jagdschloss Granitz ein – mein Geheimtipp unter den Rügen Sehenswürdigkeiten. Der Weg dorthin ist recht abenteuerlich: auf wunderschönen kilometerlangen Alleen – die allerdings aus Kopfsteinpflaster bestehen. Mit zwei Boards auf dem Dach und einem recht fragilen Holz-Dekor im Innern, tuckern wir also mit ca. 20 km/h an Bäumen und Feldern vorbei, während die irren Rügener mit ihren X5-ern und 80 km/h an uns vorbeiziehen.

Aber das Schloss ist die Mühe tatsächlich wert! Für ein paar Euro Eintritt kann man durch das Innere laufen – und dabei zahlreiche Geweihe an Wänden, als Möbelstücke oder am ausgestopften Tier beobachten. Trifft nicht ganz meinen persönlichen Einrichtungsstil – aber vielleicht möchte sich IKEA ja mal für eine GEVIRER-Kollektion inspirieren lassen. Wirklich schön ist vor allem die schmiedeeiserne Treppe, die an der Innenseite des Aussichtsturms hoch führt. Von oben hat man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung bis hin zum Meer. 

Binz

Von Granitz geht es dann weiter nach Binz, ein weiteres schönes Seebad. Hier lohnt ein kleiner Bummel durch die Innenstadt und kleinen Läden, vorbei an hübschen Fassaden, die fast ein bisschen an ein sehr sauberes New Orleans erinnern.

Auch hier führt ein Steg hinaus ins Meer – diesmal ohne Schloss, dafür mit vielen Surfern, die daneben und darunter hindurch reiten. Uns ist es zu kalt um uns schon wieder in die kalten Neos zu werfen und so fahren wir lieber noch etwas weiter im warmen Auto nach Prora.

Prora

Prora – als riesiges Feriendomizil der Nazis geplant – jedoch nie fertiggestellt (da kam wohl etwas dazwischen…) später dann als Kaserne der DDR militärisches Sperrgebiet und heute im Umbau für Wohnungen. Wer gerne in einem riesigen, 2,5 km langen Schuhkarton gemeinsam mit tausenden anderen Menschen dicht an dicht leben möchte, für den wird das (irgendwann mal, wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt) eine ganz tolle Wohngegend. Immerhin gibt es einen kleinen Strand direkt hinter dem Gebäude. 

Es ist vielleicht keine der klassische Rügen Sehenswürdigkeiten, aber mit ein bisschen Hintergrundwissen durchaus interessant.

Kleiner Jasmunder Bodden

Viel schöner als die Betonblöcke ist allerdings der nächstgelegene See “Kleiner Jasmunder Bodden”. Ein kleiner Trampelpfad führt von der Landstraße durch das Schilf bis hin zum Wasser. Wir genießen für eine Weile die Ruhe und beobachten, wie die Sonne im Wasser verschwindet, während sie die uns umgebende Natur in ein goldenes Licht taucht.

Tag 3: Hafen und Kreidefelsen

Sassnitz

Am nächsten Tag verlassen wir unseren Campingplatz in Göhren und fahren die Ostküste weiter nach Norden. Erster Stopp: Sassnitz. Die kleine Hafenstadt hat nicht gerade viel zu bieten, aber sie ist Ausgangspunkt für einen Ausflug auf den Königsstuhl – eine der bekanntesten Rügen Sehenswürdigkeiten.

Bei schönem Wetter würden wir sicherlich hinlaufen, aber es ist so kalt und stürmisch, dass wir lieber auf den Bus zurückgreifen. Der bringt einen für ein paar Euro direkt zum Eingang des Areals. Eintritt muss man dort zum Glück nicht zahlen – lediglich wenn man in das dort gelegene Museum möchte. 

Königsstuhl

Der Blick vom gut 100 Meter hohen Felsen ist atemberaubend! Von hier aus kann man sehr schön die benachbarten Felsvorsprünge und das schneeweiße Kalkgestein bestaunen. Unten entlang laufen (wie wir es bereits an der dänischen Variante der “Mons Klint” getan haben) ist verboten, seit vor einigen Jahren ein kleines Mädchen durch herabfallendes Gestein verunglückt ist.

So schön der Blick auch ist, irgendwann wird es uns einfach zu kalt und wir nehmen den Bus zurück nach Sassnitz. Unseren Roadtrip setzen wir weiter nach Norden fort, auf der Suche nach einem Campingplatz für die Nacht. 

Wir werden fündig und lassen uns am Strand von Altenkirchen auf dem Campingplatz “Drewoldke” nieder. Auch hier haben wir einen Strandzugang direkt am Auto und so geht es nochmal fix in die Wellen.

Am Abend versuchen wir vergeblich ein Restaurant oder eine Bar zu finden, in der mein liebster Reisebegleiter das Bundesliga-Spiel schauen könnte… Nach fast einer Stunde des Herumfahrens müssen wir allerdings feststellen, dass Rügen ein wirklich verschlafenes Nest ist. Laut Aussagen der abgeklapperten Gastronomen gibt es sowas nur in Bergen, das im Zentrum der Insel liegt. Nun gut. Dann eben Radio…

Tag 4: Rügens Norden – alte Kirchen, Lokomotiven und Leuchttürme

Altenkirchen

Am letzten Tag unseres Trips drehen wir noch eine kleine Runde durch Altenkirchen – der Name ist Programm. Die Dorfkirche, ursprünglich sicherlich mal sehr schön und eindrucksvoll, ist ganz schön in die Jahre gekommen und in einem desolaten Zustand. Wir entdecken diverse Löcher im Mauerwerk, die nur teilweise mit Holzplanken abgedeckt wurden, finden sie aber dennoch oder gerade deswegen reizvoll.

Umgeben von alten, scheinbar wahllos verteilten Grabsteinen und Kreuzen, hat die verlassene Kirche in jedem Fall eine ganz besondere Atmosphäre. Besonders der externe Glockenturm aus Holz mit seiner blauen Uhr ist mal was anderes.

Kap Arkona

Von Altenkirchen geht es dann weiter zu den nördlichsten Rügen Sehenswürdigkeiten. Wir fahren zum nördlichsten Zipfel von Rügen, dem Kap Arkona. Auch hier lassen wir Tommy wieder auf dem letzten Parkplatz stehen und nehmen die Touri-Bimmel-Bahn auf Rädern für die letzten Kilometer zum Kap (ich muss nicht nochmal auf die dauerhaft vorhandene Kälte hinweisen oder?).

Am Kap selbst stehen dann gleich drei verschiedene Leuchttürme. Grundsätzlich muss ich ja immer auf jeden Turm und Berg hoch um die Aussicht zu genießen. Aber in diesem Fall finden wir es dann doch zu dreist, neben der recht teuren Bimmelbahn auch noch für jeden Turm im Schnitt 5 Euro Eintritt zu zahlen. Bei vorherrschendem Nebel und Regenwolken wäre die Sicht dann auch nicht mal besonders schön. Wir laufen also nur eine kleine Runde an den Klippen entlang und erfreuen uns an dem Anblick der Leuchttürme von außen.

Der Rasende Roland

Vom Kap machen wir uns dann langsam auf den Rückweg nach Hamburg. Unterwegs haben wir noch das Glück, den “Rasenden Roland”, die alte Dampflok von Rügen, abzupassen. Die Fahrt mit dem alten Zug sparen wir uns, auch wenn sie zu einer der bekanntesten Rügen Sehenswürdigkeiten zählt. Womöglich ist der alte Zug aber von außen sogar ein bisschen eindrucksvoller.

Mit lautem Gezische und Gepfeife setzt sich das schwarz rote Ungetüm gemächlich in Bewegung. Ein großer Schwall weißer Dampf schießt aus dem Schornstein und lässt die Lok kurz verschwinden. Doch dann Rumpelt und Schnauft der Roland vorbei. Wir winken und sagen Tschüss Rügen.

Rückweg: Rügens ausgestorbene Städte

Putbus

Kurzentschlossen legen wir noch einen kurzen Stopp in Putbus ein. Die “Weiße Stadt” wurde Beginn des 19. Jahrhunderts von einem Fürsten im klassizistischen Stil geplant: alles sollte zum Schloss und zum Park passen. Die Stadt ist mehr oder weniger ausgestorben und mutet an wie ein Filmset. Sie wird auch aus gutem Grund “Stadt der Rosen” genannt, denn vor gefühlt jedem zweiten Haus steht ein Rosenstock. Wir spazieren über den symmetrisch angelegt Platz mit Obelisk in der Mitte und durch den sehr schönen Park mit großem See. Vor blauem Himmel wäre es sicherlich noch schöner gewesen. 

Bergen

Eigentlich wollen wir dann noch eine kleine Runde durch Rügens Hauptstadt Bergen drehen. Es ist Spätnachmittag an einem Sonntag und wir freuen uns schon darauf, ein gemütliches Cafe beim Bummel durch die Gassen zu finden. Leider ist dort aber – obwohl sich ja hier scheinbar das Rügener Leben abspielen soll – tote Hose. Alles hatte schon zu. Kein Mensch ist auf der Straße. Hat irgendwie was von Weltuntergangsstimmung. Einzig die St. Marien Kirche ist offen und wir legen eine kleine Stippvisite ein. Nichts herausragendes, aber ganz nett. 

Den Kaffee holen wir uns an der letzten Tankstelle auf Rügen und dann geht es durch Nebel und Regen heim nach Hamburg. Insgesamt aber – trotz grauen Wetters – ein schöner Kurztrip, bevor der Winter endgültig beginnt. Knapp drei Tage haben wir auf der Insel verbracht. Genug Zeit um die schönsten Rügen Sehenswürdigkeiten zu besuchen und sogar ein paar Mal mit dem Board ins Wasser zu springen. 

Praktisches und Nützliches

  • Surfspots Rügen

    Spots zum Wellenreiten auf Rügen findest du in Binz, Sellin, Baabe oder Göhren. Vor allem an der Seebrücke in Binz ist oft was los. 

  • Wellenreiten in der Ostsee

    Damit es in der Ostsee zu einer surfbaren Welle kommt, braucht es Wind. Das klappt meistens erst ab Herbst – also nix für Warmduscher.

    Doch auch als hartgesottender solltest du dich warm einpacken. Ein 4.3er Neo ist Minimum, besser wäre ein 5.3er/5.4er. Eine Haube ist eigentlich unverzichtbar – vor allem aufgrund des Windes. Schuhe und Handschuhe solltest du dir auch gönnen.