Rurrenabaque

ab in den Dschungel Boliviens

Rurrenabaque

Eine Südamerika-Reise ohne Regenwald-Besuch ist wie ein Kinobesuch ohne Popcorn: irgendwie unvollständig. Also war auch für uns ganz klar, dass wir unsere Reiseroute irgendwie auch zum Dschungel lenken mussten. Tatsächlich sollte unser Abstecher zum Regenwald am Ende sogar der organisatorisch und logistisch komplizierteste Teil der Route werden – aber ein Streichen von der Liste kam für uns nicht in Frage. 

Schon sehr früh hatten wir uns auf das Stückchen Regenwald nördlich von La Paz, dem “Madidi National Park” festgelegt. Von dem kleinen Ort Rurrenabaque starten mehrtägige Touren mit Camping im Regenwald, die (so hörten wir) noch deutlich günstiger seien als in den Nachbarländern Boliviens. 

Doch nicht nur der Regenwald, auch ein Pampas-Gebiet lässt sich aus Rurrenabaque besuchen. Bei idyllischen Bootsfahrten lassen sich dort eine Vielzahl von Tieren entdecken. 

Problem: Anreise nach Rurrenabaque

Am einfachsten lässt sich Rurrenabaque mit dem Flugzeug erreichen, denn die Straßen dorthin sind (egal auf welchem Weg) in so schlechtem Zustand, dass eine Anreise per Bus ewig dauert. Einziges Problem hierbei: der abenteuerliche Flughafen von Rurrenabaque wird nur von einer Airline – und von dieser auch nur aus La Paz – angeflogen. Die lässt sich das zum einen natürlich ganz gut bezahlen, zum anderen schränkt es Freiheiten in der Reiseroute ein klein wenig ein. Wir hatten nämlich extra unseren Flug aus Hamburg nach Santa Cruz de la Sierra gebucht um uns von dort aus ganz gemächlich über Land nach Westen und die Anden hinauf zu arbeiten und so der Höhenkrankheit ein Schnippchen zu schlagen. 

Wenn wir nun also von La Paz, das auf ca. 4000 Metern liegt, wieder für einige Tage hinab in den Regenwald fliegen würden um dann wieder zurück nach La Paz zu fliegen und dort die Reise nach Peru fortzusetzen, wäre Höhenkrankheit vorprogrammiert. 

Nach langem Hin und Her, wenige Tage vor Abflug, entschieden wir uns daher für eine wahnwitzige Reiseroute – dich sich allerdings als absolut goldrichtig herausstellte: nach einem Tag in Santa Cruz de la Sierra stiegen wir wieder ins Flugzeug, überquerten damit einen Großteil des Landes nach La Paz und flogen von dort – nach wenigen Stunden Aufenthalt – weiter nach Rurrenabaque. Nach fünf Tagen Regenwald und Pampas nahmen wir die gleiche Route zurück nach Santa Cruz de la Sierra und setzten dort unsere Reise auf dem Landweg fort. 

Wir haben die Route keine Minute bereut, denn bereits bei unserem etwa zwei- bis dreistündigen Aufenthalt in La Paz setzte die Höhenkrankheit vom plötzlichen Anstieg ein. Bereits der Anflug auf die Stadt, die an den Hängen einer zerklüfteten Felslandschaft liegt, ist zwar atemberaubend, hinterlässt aber auch einen flauen Magen (und ich komme aus einer Lufthansa-Familie, in der man Anflug und Turbulenzen kennen lernte, bevor das erste Wort gesprochen wurde…). Bei einem Coca-Tee versuchten wir Kopf und Magen wieder friedlich zu stimmen und lenkten uns mit einer Partie auf dem selbst gebastelten Reise-Backgammon ab. 

Flug von La Paz nach Rurrenabaque 

Der Flug von La Paz nach Rurrenabaque entschädigte allerdings für den unangenehmen Zwischenstopp und die Höhenkrankheit war schneller vergessen, als sie gekommen war. Auf dem ca. 30-minütigen Flug ziehen wunderschöne Landschaften vorbei. Die Anden, die so oft einer Mondlandschaft gleichen, schneebedeckte Berggipfel, so hoch, dass sie teilweise auf einer Höhe mit dem Flugzeug sind, Flüsse, die sich wie eine Schlange und glitzernd vom Sonnenlicht durch den dunkelgrünen Regenwald winden und Berglandschaften, die im Nebel liegen. Im Anflug auf Rurrenabaque fliegt das winzige Flugzeug noch eine Kurve – so dicht entlang der Felsen, dass man meint, eine der Tragflächen könne eine Liane hinter sich herziehen und dann setzt man auch schon auf, auf dem vielleicht idyllischsten Flughafen der Welt.

Musik-Tipp: Ich empfehle übrigens den Avatar-Soundtrack während des Fluges auf die Ohren zu packen. Gänsehaut garantiert.

Rurrenabaques idyllischer Flughafen

Wir landen inmitten von Bergen und dem Dschungel auf einer frisch geteerten Landebahn. Letzteres ist gar nicht mal so selbstverständlich. Vor wenigen Jahren setzten die Flugzeuge nämlich noch auf einer Huckelpiste auf, die jetzt nur noch als „Rollfeld“ zwischen Landebahn und „Terminal“ herhalten muss, auf der die Koffer mit einem Mini-Traktor transportiert werden, wie ihn mein Opa auch zu Hause im Garten hatte.
Das Terminal ist nicht mehr als ein kleines Häusschen mit einem Schalter zum einchecken und einem extra Schalter um die Flughafengebühr zu zahlen. Danach geht es durch die Sicherheitskontrolle ans Gate, einem Raum mit Rundumblick auf die wunderschöne Landschaft, lediglich durch ein Fliegennetz durchbrochen.
Die Sicherheitskontrolle würde Herrn Trump überigens in Schockstarrre versetzen oder jedenfalls dafür sorgen, dass seine Gesichtsfarbe der seiner Haarpracht gleicht. Mit einem unvergleichbaren Gleichmut werden wir Passagiere in den Raum gewunken, Taschen abgegeben und – mangels Röntgengerät – unkontrolliert zurückgegeben, nachdem man die Sicherheitsschranke durchschritten hat. Immerhin: die gibt es. Und: immerhin scheint sie auch am Stromnetz zu hängen. Das ist offenbar nicht selbstverständlich, denn ein Bekannter meines liebsten Reisebegleiters, der seit einigen Jahren in Rurrenabaque wohnt (dazu später mehr) erzählte uns lachend, dass die Schranke in den letzten Jahren zwar schon dort stand, das Kabel jedoch aufgerollt daneben lag und mitnichten in einer Steckdose endete. Das änderte übrigens nichts daran, dass man die Fluggäste hindurch scheuchte…

Der Film zum Flug

Von unserem traumhaft schönen Flug gibt’s natürlich auch einen kleinen Film. Bitte entschuldigt die teilweisen Flecken und Kratzer im Bild. Die Airline hat die Fensterscheiben leider nicht noch für uns geputzt… 

Die Stadt Rurrenabaque

Vor dem Flughafengebäude erwartete uns bereits ein Mitarbeiter unseres Touranbieters für das Regenwald-Camp und brachte uns nach Rurrenabaque. Vorbei an Bergen, die im Nebel hingen, grünen Dschungel-Pflanzen und Gewässern, die im Licht der untergehenden Sonne leuchteten, führte unser Weg über staubige Straßen in die Stadt.

Am Eingang der Stadt passierten wir das Busterminal von Rurrenabaque, welches ähnlich idyllisch wie das Flughafen-Gebäude ist.
Rurrenabaque selbst erwartete uns mit bunten, überwiegend verfallenen Fassaden und einigen wenigen hübschen Gebäuden im Kolonialstil. In den Gebäuden befinden sich überwiegend kleine Läden, Souvenirshops und Karaoke-Bars (keine Ahnung wieso, aber das kleine Städtchen scheint das Mekka dieser Freizeitbeschäftigung zu sein).
Noch mehr als Karaokebars zählt man allerdings halbfertige Gebäude und Bauruinen. Vor einigen Jahren war Rurrenabaque ein viel besuchtes Städtchen. Aus aller Herren Länder reisten Menschen an um die wunderschöne Flora und Fauna der Umgebung zu erkunden. Der Tourismus boomte und die Stadt begann zahlreiche neue Bauprojekte. Doch eine politische Entscheidung machte der Stadt einen Strich durch die Rechnung. Eine grundlegende Änderung der Visabestimmungen macht die Einreise nach Bolivien für Israelis aber auch US-Amerikaner seit 2015 deutlich schwieriger. Sie ist nicht nur durch zusätzliche Behördengänge bei der Antragsstellung eingeschränkt worden, sondern kostet mittlerweile auch 160 USD. Da verwundert es kaum, dass wir auf so wenige andere Touristen trafen. 

Die Welt ist ein Dorf

Und wie versprochen hier noch die Geschichte über den Bekannten meines liebsten Reisebegleiters: 

Es handelt sich um Miguel, der vor ca. 12 Jahren Spanisch an einer amerikanischen Highschool unterrichtete – an eben der Highschool, an der mein liebster Reisebegleiter seine elfte Klasse verbrachte. Seit dem haben die beiden nichts mehr von einander gehört, bis zu dem Tag, als wir auf Facebook posteten, dass wir nach Bolivien fliegen würden. Miguel schrieb und erzählte, dass er mittlerweile in Bolivien wohnt – und zwar ausgerechnet in dem kleinen Städtchen Rurrenabaque – mitten im Nirgendwo. Die Welt ist manchmal wirklich winzig. 

Selbstredend trafen wir uns mit Miguel und seiner Frau Tara zum Essen und sie erzählten von ihrem außergewöhnlichen Leben in Rurrenabaque. Die beiden leiten nämlich ein Waisenhaus und haben auch einige der Kids zu Hause bei sich aufgenommen. Staatliche Einrichtungen für verlassene – und oft misshandelte – Kinder gibt es in Bolivien nicht, weshalb sich das Haus nur durch Spenden und der Mithilfe Freiwilliger trägt.

Für die beiden ist das Heim mehr als ein Job – vielmehr eine Lebensaufgabe und Berufung, die sie mit Sicherheit oft an ihre Grenzen bringt. Doch als Miguel kurz vor unserem Abflug mit einem riesigen Lastwagen voller Kids auf der Ladefläche vorbeikommt um uns zu verabschieden, kann man den Stolz und das Glück in seinen Augen erkennen – und das wiegt für ihn unterm Strich alles andere auf. 

Wenn du noch nach einem Ort für deinen Freiwilligendienst suchst, dann schau doch mal vorbei: www.familia-feliz.org. 

Waisenhaus Rurrenabaque

Schlafen und Essen in Rurrenabaque 

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Die Hostelauswahl in Rurrenabaque ist recht groß und wir waren mit unserer Wahl, dem “Los Tucanes de Rurre” zufrieden. Für ca. 13 Euro gibt es ein einfaches Doppelzimmer mit eigenem Bad. Das Frühstück ist (wie fast immer in Bolivien) simpel, aber der Kaffee schmeckt. Es gibt einen hübschen Innenhof mit Hängematten und eine Dachterrasse, die nicht wirklich genutzt wird und sich daher super für eine Runde Yoga oder ein Sundowner-Bier eignet. Der Blick von dort oben über die Dächer von Rurrenabaque und die Berge in der Umgebung ist nämlich sensationell. 

Die Frage des Essens gestaltet sich da schon schwieriger. Viele Restaurants hatten mittlerweile geschlossen – womöglich weil wir in der Nebensaison da waren, vielleicht aber auch wegen der ausbleibenden Touristen. Das “El Moskito” ist zwar ganz witzig eingerichtet und man kommt schonmal ein bisschen in Dschungel-Feeling, das Essen ist allerdings gar nicht empfehlenswert. 

Mit Miguel und Tara waren wir im “Paititi”, einem einfachen Restaurant im halboffenen ersten Stock eines Gebäudes. Das Essen war – wie eigentlich immer, wenn man auf Locals hört – sehr lecker und ich kann es euch absolut empfehlen. 

Regenwald und Wildlife 

Rurrenabaque selbst bietet nicht gerade sensationelle Sehenswürdigkeiten und so wird man dort wohl kaum einen Tourist treffen, der nicht auf dem Weg in den Regenwald oder die Pampas ist. Es gibt zahlreiche Touranbieter und unzählige Optionen – für kleines und großes Geld. 

Die Kombination aus Regenwald und Pampas ist jedenfalls sehr empfehlenswert, denn so hat man beides – Flora und Fauna. Im Regenwald lässt sich mit Glück zwar mal ein Affe im Baumwipfel oder der ein oder andere Vogel entdecken, doch ganz überwiegend geht es hier um Pflanzen und das Gefühl im Dschungel zu sein. Wer viele Tiere sehen möchte, der wird in der Pampas fündig werden. Dort erwartet einen ein völlig anderes Landschaftsbild mit Flüssen und weiten Ebenen.

Unsere Tour – der Ablauf

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Wir hatten uns für eine Fünf-Tages-Tour mit “Bala-Tours” entschieden und ich kann sie absolut empfehlen. 

Am Vorabend der Tour bekamen wir im Büro von Bala-Tours ein kurzes Briefing über den Ablauf. Am nächsten Morgen stiefelten wir mit Sack und Pack vom Hostel zum Büro und von dort gemeinsam mit unserem Guide zum winzigen Hafen von Rurrenabaque.

Teil 1: Regenwald 

Ein Boot brachte uns hinein in den Regenwald (ca. 3 Stunden Fahrt), wo wir bis zum Morgen des dritten Tages blieben (also ca. 1,5 Tage). Tagsüber unternahmen wir mehrere verschiedene Wanderungen durch den Dschungel und unser Guide Aurelio, der im Regenwald aufgewachsen ist, erklärte uns in gutem Englisch sehr viel über die Pflanzen- und Tierwelt. Täglich gab es drei herausragend leckere Mahlzeiten von unserer Köchin (es sollte für uns das beste Essen in ganz Bolivien bleiben) und die Nacht verbrachten wir in einer kleinen Holzhütte mit eigenem Bad, Veranda und Hängematte. Fenster gab es keine, nur Mückennetze. Tagsüber konnte man so den vorbeifliegenden Papageien zusehen und Nachts dem Sound des Dschungels lauschen (ihr könnt euch nicht vorstellen wie LAUT es im Regenwald ist!).

Teil 2: Pampas

Am Morgen des dritten Tages brachte uns das Boot zurück nach Rurrenabaque und von dort fuhren wir mit einem Van etwa drei Stunden nach Nordosten zu den Pampas. Dort fanden wir eine baugleiche Lodge wie im Regenwald vor – also die selbe Art von kleinen Holzhütten und Speisesaal inklusive des hervorragenden Essens. Die Zeit in der Pampas verbrachten wir hauptsächlich auf einem kleinen Boot mit unserem Guide und entdeckten auf diese – sehr faule aber idyllische Weise – zahlreiche Tiere am Flussufer. Bei einem Marsch durch eine sumpfige Wiese versuchten wir Anakondas zu finden (zum Glück waren wir da nicht so fündig…) und auch Schwimmen mit pinken Flussdelfinen, Piranha-Fischen und eine Fahrt im Dunkeln waren Teil des Programms. Am Nachmittag des fünften Tages fuhren wir zurück nach Rurrenabaque, das wir am frühen Abend erreichten.

Mehr Details zur Tour erfährst du bald in zwei separaten Artikeln!

Praktisches und Nützliches

  • Transfer Flughafen

    frage bei deinem Touranbieter nach, ob sie dich vom Flughafen abholen und wieder dort abliefern. 

  • Unterkunft

    Los Tucanes de Rurre

  • Wäscheservice

    bei “Garfield” kannst du deine Wäsche innerhalb von 4 Stunden waschen lassen (15 Bolivianos/Kilo)

  • Essen

    Restaurant “Paititi”

  • Tour

    5 Tages-Tour zum Regenwald und den Pampas mit “Bala Tours”