Reiseplanung Südostasien

Als wir im September letzten Jahres unsere Zusagen für unsere Referendariats-Station in Bangkok erhielten, hatten die nächsten Schritte ehrlich gesagt wenig mit dem Aufenthalt an sich zu tun. Viel wichtiger war für uns erstmal: Wann und wieviel können wir reisen – und vor allem wohin? Wir studierten Klimatabellen von ganz Südostasien und kamen zum Ergebnis: wir müssen unbedingt noch vor der Station reisen, denn danach versinkt alles im Regen.
Der Urlaubsantrag war schnell eingereicht und ein großes Paket gebrauchter Reiseführer bestellt. Während es in Hamburg Winter wurde, waren wir in Gedanken bereits in fernen Ländern, fremden Kulturen und an paradiesische Strände. Am Ende hatte ich so viele Reiseführer und Blogs gelesen, dass ich beinahe schon das Gefühl hatte, bereits dort gewesen zu sein. Doch bei einem hatte das ganze lesen nicht geholfen: der Auswahl eines Landes. Es war einfach unmöglich eines der Länder auszulassen – also gab es für uns nur eine Lösung: Drei Länder in fünf Wochen und den Rest dann an den Wochenenden. Aber wie reist man eigentlich durch Südostasien?

Backpacking Südostasien
Wenn man an Reisen in Südostasien denkt, hat man sofort ein bestimmtes Bild im Kopf: Flip Flops, kurze Hose, Top, Sonnenbrille, Rucksack. Vor allem Letzteres scheint ein feststehendes Element zu sein. Gibt man bei Google-Suche „Südostasien Reise“ ein, erscheinen auf der ersten Seite ausschließlich Ergebnisse zum Thema Backpacking.
Doch warum ist das eigentlich so? Braucht man unbedingt einen Rucksack? Geht das nicht auch mit Koffer? Und was macht eigentlich einen Backpacker aus? Fragen, die ich mir ehrlich gesagt im Vorhinein gar nicht gestellt habe, denn durch Instagram und Co. war die Entscheidung unterbewusst schon gefallen.
Nach fünf Wochen „Backpacking“, diversen Gesprächen mit anderen „Backpackern“ und einer hitzigen Diskussion an Bangkoks Flussufer mit anderen Referendaren und einigen Flaschen Chang-Bier mussten Antworten her.
Der Begriff „Backpacker“ stammt (laut Wikipedia) aus den Siebzigern und wurde vom Tourismuswissenschaftler (was es nicht alles für Berufe gibt…) Eric Cohen als ein Touristentyp definiert, der jegliche Verbindung zu einer touristischen Infrastruktur meidet, sich auf eigene Faust durchschlägt und mit der lokalen Bevölkerung zusammenlebt. Vor allem aber lässt sich der „Drifter“ treiben und hat keinen festen Reise- oder Zeitplan oder klar definierten Reiseziele.
Zieht man da mal Bilanz, bleibt bis auf die Tatsache, dass wir mit Rucksack gereist sind, nichts mehr übrig, was uns mit dieser Definition eines Backpackers verbindet. Wir hatten eine ziemlich festgelegte Route, die mehr oder weniger ziemlich entlang der touristischen Highlights der Länder führte und das mit einem sehr straffen Zeitplan. Wir haben in Hotels, Hostels und Guesthouses geschlafen (und gar nicht mal in den absolut billigsten Absteigen), haben fast jede denkbare Art der Fortbewegung genutzt und nur selten hatten wir dabei unseren „Backpack“ auf den Schultern… Aber muss ich mich jetzt dafür rechtfertigen?
Wenn man sich so in der „Backpackerszene“ umschaut, dann muss man wohl zu dem Ergebnis kommen, dass sich der ganz überwiegende Teil der Reisenden nicht unter die Definition subsumieren lässt. Allein die Tatsache, dass es eine „Szene“ gibt, in den meisten Städten sogar ganze Viertel voller „Backpacker“, widerspricht bereits den Aspekten „Meiden touristischer Infrastruktur und Leben mit der lokalen Bevölkerung“. Einzig der Aspekt des „Treibenlassens“ scheint noch bei einigen der Reisenden von der ursprünglichen Definition übrig geblieben zu sein, wobei ich mich frage, ob das nicht auch oft schlichtweg dem Kater nach einer weiteren langen Nacht im Partyhostel geschuldet ist…

Vielleicht ist es an der Zeit den Begriff des Backpackers neu zu definieren: Der Backpacker von heute ist bereits von Weitem am obligatorischen Tanktop (für den Mann) oder der bunten Elefantenhose (für die Frau) zu erkennen. Er hält sich am liebsten mit anderen gleichgesinnten Backpackern in einfachen (so günstig wie möglichen) Hostels auf und feiert dort bis zum nächsten Morgen. Der Backpacker tauscht sich gern mit anderen über die besuchten Reiseziele aus, wobei manch einer ganz gern seinen eigenen Erfahrungen und Präferenzen als allgemeingültig ansieht.
Wie man es dreht und wendet: ich bin wohl kein „Backpacker“ per Definition (auch wenn ich zugegebenermaßen auch so eine Elefantenhose gekauft habe…). Ich plane viel zu gerne und verschlinge im Voraus bereits so viele Infos zum jeweiligen Reiseziel, dass ein Treibenlassen völlig ausgeschlossen ist. Ich glaube, auch wenn ich ein ganzes Jahr Zeit hätte, würde ich es nicht anders handhaben wollen.  Aber das ist auch okay so.
Denn beim Reisen sollte es wohl kaum darum gehen, irgendein Klischee zu erfüllen. Auch wenn ich meinen Rucksack (mal abgesehen von dem Marsch auf Koh Rong Samloem) so gut wie nie gebraucht hätte, so ist es aber einfach ein gewisses Lebensgefühl, das ihm anhaftet.

Unsere Route durch Südostasien
Auf unserer Reise durch Südostasien haben wir uns nicht gerade treiben lassen. Man könnte unsere Art des Reisens wohl als “Speedpacking” bezeichnen – denn meistens waren wir nur ein bis zwei Nächte an einem Ort.
Trotz straffen Zeitplans habe ich aber das Gefühl, dass wir nicht nur
Sightseeing-Highlights mitgenommen haben, sondern auch viele Eindrücke von Land und Leuten sammeln konnten.

Ich würde die Route (siehe unten) im Wesentlichen wieder so wählen, jedoch weniger Zeit in Hoi An und Mui Ne verbringen, dafür Kampot und Battambang besuchen.
Ich denke die „Highlights“ der drei Länder haben wir alle gesehen (und das wollten wir ja). Vielleicht gibt es ja irgendwann eine zweite Reise in diese Länder – dann mehr „off the beaten track“.
Wenn du unsere Reise nachverfolgen möchtest, dann klick und zoom dich durch die Karte – alle Ziele sind mit einem Foto und dem Link zum Reisebericht versehen.

Übrigens – ob nun Backpacker oder nicht: wir haben auf unserer Route durch Südostasien beinahe jedes erdenkliche Fortbewegungsmittel genutzt: Füße, Fahrrad, Kutsche, Scooter, Quad, Tuk Tuks, Jeep, LKW, Taxi, Minivan, Bus, Zug, Ruderboot, Kanal-Boote, Speedboot und Flugzeug.

 

 

Unsere Südostasien-Route
Tag 0: Abflug in Deutschland 

Myanmar
Tag 1: Ankunft in Mandalay
Tag 2: Mandalay 
Tag 3: Umgebung Mandalay: Tagesausflug nach Sagaing, Inwa und Amarapura
Tag 4: Ausflug nach Monywa; Minibus nach Bagan
Tag 5:
Bagan (Alt-Bagan)
Tag 6:
Bagan (Pagodenfeld); Nachtbus nach Yangon
Tag 7:
Yangon
Tag 8:
Zugfahrt nach Bago; Minibus nach Kyaiktho
Tag 9:
Golden Rock; Bus nach Hpa-An
Tag 10:
Hpa-An Höhlen-Tour
Tag 11:
Hpa-An Umgebung
Tag 12:
 mit dem Bus zurück nach Yangon
Tag 13: Flug von Yangon nach Hanoi


Vietnam
Tag 14: Hanoi
Tag 15: Hanoi; Nachtbus nach Phong Nha
Tag 16: Dschungeltour und Höhlencamp im Phong Nha National Park
Tag 17: Dschungeltour und Höhlencamp im Phong Nha National Park; Transfer nach Dong Hoi
Tag 18: Dong Hoi; Zugfahrt nach Hue
Tag 19: Hue
Tag 20: Minivan-Tour nach Hoi An
Tag 21: Hoi An
Tag 22: Hoi An; Flug nach Saigon; Nachtbus nach Mui Ne
Tag 23: Mui Ne
Tag 24: Mui Ne
Tag 25: Bus nach Saigon
Tag 26: Tagesausflug ins Mekong-Delta
Tag 27: Saigon; Flug nach Siem Reap

Kambodscha
Tag 28: Angkor
Tag 29: Angkor; Nachtbus nach Phnom Penh
Tag 30: Phnom Penh
Tag 31: Phnom Penh; Bus nach Sihanoukville
Tag 32: Speedboot nach Koh Rong Samloem
Tag 33: Koh Rong Samloem
Tag 34: Koh Rong Samloem
Tag 35: Koh Rong Samloem
Tag 36: Koh Rong Samloem; Speedboot nach Sihanoukville
Tag 37: Bus nach Phnom Penh; Flug nach Bangkok

 

 

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.