Biscarosse
– ruhige Seen und ein geselliger Abend – 

Gestern Abend war das Einschlafen bei offenem Dach schwer, denn auf dem Campingplatz herrschte Party. Von der Karaoke am anderen Ende abgesehen, war ein lautes Geschnatter und Gegacker bis nach 12 zu hören. Hierzu mal mein Obiter Dictum über die Camping-Lage in Frankreich: Die Franzosen lieben Campen. Offensichtlich. Denn auf den Plätzen tümmeln sich fast ausschließlich solche. Das hat den Vorteil, dass es hier Campingplätze wie Sand am Meer gibt. Der Nachteil ist, dass diese ca. 35-40 Euro pro Nacht für eine Person mit Auto kosten (mittlerweile musste ich feststellen dass dies tatsächlich der reguläre Preis ist) Zum Vergleich: Portugal, 2 Personen, großer Van, toller Platz, eigener Strandabschnitt: 20 Euro. Nun ist das Geld aber eben gar nicht mal das Hauptärgernis. Vielmehr die Art und Weise dieser Plätze. Da gibt es stylische Rezeptionen, Pool, Abendprogramm, Shops….. mal ehrlich liebe Franzosen, das hat nichts mit Camping zu tun. Wenn ihr das so machen wollt – meinetwegen. Aber dann erlaubt uns Naturfreunden doch bitte das wilde Campen…
Das Dach blieb jedenfalls trotzdem auf, denn der Blick war einmalig. Unterm Sternenhimmel einzuschlafen ist das Beste – vor allem wenn man Nachts kurz wach wird und der erste Blick die Sterne sind…

Heute morgen war der Blick dann leider eine weiße Wolkendecke. Macht ja nix, wollte ja sowieso surfen. Ich fuhr also nach Biscarosse Plage und schwang mich in die Wellen. Diese waren heute besser, auch wenn sie einen stetig in die Schwimmerzone trieben, woraufhin man pfeifend von den Aufsichtsleuten zurechtgewiesen wurde. Das Surfen klappte jedoch nur mäßig. Ich bin an das kleine Board noch nicht gewöhnt und so passierte bei der ersten Welle das, was am unangenehmsten ist. Ich lag zu weit vorn, wurde einmal nach vorn vom Board geschubst und fuhr eine Weile Waschmaschine, während mein Board mein Bein küsste (und sich damit zu dem Knutschfleck gesellte, der noch von Portugal Mitte April zu sehen ist….). Danach wurde ich dann viel zu vorsichtig und fragte mich irgendwann, ob ich die Wellen eigentlich noch versuchte zu bekommen oder mittlerweile vor ihnen davon schwamm. Nach 2 Stunden waren Motivation, Kraft und Lust am Ende und ich brauchte dringend Ruhe von dem ganzen Trubel.

Mit dem Plan, mir schon einmal einen Schlafplatz zu suchen, umfuhr ich den großen See von Biscarosse. Leider gleiches Problem wie sonst auch. Eine Touri-Hochburg. Stattdessen versuchte ich einen Weg zu dem kleinen See südlich davon zu finden. Ich wurde fündig: eine wunderschöne Picknick-Wiese direkt am Ufer. Und das Beste: nur eine Hand voll Autos, die sehr weit verstreut standen. Im See selbst kein Mensch. Letztes Hindernis: 2 Seitenbegrenzungen als Zufahrt, die sehr sehr schmal aussahen. Nie im Leben passt da mein Auto durch! Aber die anderen sind ja auch irgendwie da reingekommen – also los. Millimeterweise rückte ich vor. Mit eingeklappten Außenspiegeln funktionierte es gerade so. Ich war drin und ganz ohne eine Schramme.

Ich suchte mir einen Platz direkt am Ufer und machte erstmal einem Wrap zum Mittag. Während ich den Blick auf den See genoss rang ich sehr mit mir. Dies wäre ein perfekter Spot für die Nacht. Ich fragte die anwesenden Franzosen wie sie die Lage einschätzten. Sie rieten mir dringend davon ab, da eine Polizeikontrolle hier wohl sehr wahrscheinlich sei. Da ich weder Lust hatte, in der Nacht weggeschickt zu werden, noch die Srafgebühr zu zahlen, entschied ich schweren Herzens, den Nachmittag zu genießen und abends auf einen Campingplatz zu fahren. Ich fand tatsächlich einen gar nicht sooo teuren im Internet und reservierte.
Um die Zeit dort voll auszukosten pumpte ich schnell das StandUp-Paddle-Board auf und fuhr damit zwei Stunden den See und den Kanal zum nächsten ab. Diesmal stehend, was so ohne Wellen dann doch sehr gut ging. Wenigstens das. Es war unglaublich entspannend so völlig allein auf dem See vor sich hin zu paddeln und ganz hervorragend zum Gedanken schweifen lassen.

Als ich wieder zurück am Ufer war, packte ich fix zusammen um noch schnell durch Biscarosse zu schlendern und dann rechtzeitig am Campingplatz zu sein. Als sich Tommy gerade wieder durch die Schranke zwängen wollte, kam ein riesiger Camper angefahren und heraus hüpfte ein Mädel, das mich herauswinkte. Auf deutsch. Wir kamen ins Gespräch – sie war aus Süddeutschland und reiste mit 2 Freunden aus der Schweiz. Sie fragten ob ich mich nicht anschließen wolle. Sie hatten einen schönen Platz nördlich von Biscarosse gefunden. Ein reiner Wohnwagen-Stellplatz ohne TamTam und ChiChi unter Pinien. Ich war dabei und passte sogar durch die Autoschranke durch, so dass ich mir die 17 Euro sparen konnte. Ich konnte sogar direkt neben ihnen parken. Man muss auch mal Glück haben. 

Gemeinsam fuhren wir noch mit den Longboards zum Surfshop am Hauptstrand – tolle Fahrt! Danach grillten wir gemeinsam und leerten das ein oder andere Bier. Gegen 1 Uhr – völlig fasziniert von dem Sternenhimmel (und Sternschnuppen!) liefen wir noch an den Strand und warfen uns (nackt) in die Wellen. Durch den riesig leuchtenden Halbmond war das Meer in ein fluoreszierendes Licht getaucht und der Schaum der Wellen leuchtete wie unter Schwarzlicht. Das Faszinierendste waren die leuchtenden Wasserspritzer auf der Haut, die einen überall glitzern ließen (Nein es waren keine Drogen im Spiel…). Ein perfekter Abschluss eines tollen Tages!

Wie es weiterging…

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