Leben in Bangkok Teil 3: Unterwegs mit Taxi, Bahn und Roller

Leben in Bangkok – Teil 3
– Unterwegs mit Taxi, Bahn und Roller – 

Verkehr in Bangkok 
Bangkok ist Verkehrschaos. Berufsverkehr gibt es wohl in jeder Stadt. Doch Bangkok ist die Mutter des Berufsverkehrs. Der Todesstern für Autofahrer, die schnell von A nach B möchten. Ich glaube unser Rekord war einmal eine Stunde für knapp 800 Meter an einer Autobahnauffahrt auf dem Weg zum Flughafen. Wahnsinn.

Aus diesem Grund verweigern Taxifahrer auch oftmals Fahrten im und durch den Berufsverkehr auf bestimmten Routen. Aber dazu gleich mehr… 
(Das folgende Bild ist zu einer sehr ruhigen Zeit aufgenommen worden. Zur Berufsverkehrzeit war ich meistens inmitten des Chaos, so dass es davon kein Bild gibt…) 

 

Rollerfahren in Bangkok
Aus diesem Grund ist ein Roller wohl stets die schnellste Lösung. Auf zwei Rädern lässt es sich hervorragend durch den stehenden Verkehr hindurch fahren. Aber Vorsicht: die Autos werden dabei als kleine Slalomhütchen verwendet und von allen Seiten kommen Roller angedüst. 

So praktisch der Roller auch im Berufsverkehr ist, in der Regenzeit verteufelt man ihn dann aber doch das ein oder andere mal. Doch auch hierfür gibt es eine Lösung: sie nennt sich Regencape, gibt’s für ca. einen Euro in jedem 7-Eleven und sieht total bescheuert hast. Wie eine Mülltüte, wird das dünne Plastik übergezogen, Helm über die Kapuze und los geht’s. Wer hinten drauf sitzt, am besten noch die Schuhe in die Hand nehmen, andernfalls kann man nach der Fahrt erstmal eimerweise Spritzwasser heraus wringen. 

 

Taxi fahren in Bangkok
Sie sind pink, rot, gelb oder grün und überall: Bangkok’s Taxen. Man könnte wohl ein eigenes Buch nur über das Taxifahren schreiben, aber ich fasse es mal zusammen. 
Taxifahren in Bangkok ist für unsere Verhältnisse ziemlich günstig (die unterschiedlichen Anbieter unterscheiden sich dabei übrigens lediglich in der Lackierung, nicht jedoch im Preis). Auch wenn es mal länger dauert, so ist es mehr die Zeit um die es einem Leid tut, als das überschaubare Geld, das dabei flöten geht.
Das wissen die Taxifahrer allerdings auch und versuchen einem daher oft einen Festpreis anzudrehen, der sich für unerfahrene Ohren erstmal fair anhört – oftmals aber das doppelte des eigentlichen Fahrpreises ist. In solchen Fällen hilft nur vehementes Verlangen des Taxameters oder aussteigen und ein neues Taxi suchen. Allerdings – und auch das wissen die Fahrer natürlich nur zu gut – kann es in bestimmten Situationen recht schwierig werden ein anderes Taxi zu finden und dann steht man am Ende ganz ohne da. 
Solche Situationen sind der besagte Berufsverkehr und Regen. Es scheint eigentlich unmöglich, doch trotz der unfassbar hohen Anzahl von Taxen in Bangkok, scheinen bei Regen sämtliche der bunten Vehikel besetzt zu sein. 
Besonders wucherisch sind die Angebote der Taxifahrer übrigens an Stellen, an denen Touristen ankommen – so zum Beispiel der Busbahnhof bei Ankunft mitten in der Nacht aus dem Süden Thailands. Eine Ansammlung von Fahrern stürmte quasi auf den ankommenden Bus zu und stellte sich an der Tür bereit um Kunden zu gewinnen. Mit Festpreisen, die uns regelrecht zum Lachen brachten, versuchten sie uns vergeblichst anzuwerben. Die Lösung für das Problem: Einfach 2 Straßen weiter gehen und ein fahrendes Taxi anhalten – und schwups ist man mit Taxameter und für einen Bruchteil des Festpreises zu Hause angekommen. 
Apropos ankommen: es ist mitunter gar nicht so einfach, das gewünschten Ziel zu erreichen, denn viele Taxifahrer können kein bis nur sehr wenig Englisch (und leider können ja auch nur die wenigsten unter uns ausreichend Thailändisch). Nun könnte man meinen, das Problem ließe sich ja einfach mit einem Smartphone umgehen, indem man den Ort auf Googlemaps zeigt… Leider können viele Taxifahrer damit nur wenig anfangen. Highlight war unser Versuch zum Königspalast zu gelangen, dem wohl meistbesuchtesten Ort in Bangkok – egal ob von Touristen oder Bewohnern der Stadt. Auch mit Bild des Palastes und dem thailändischen Namen auf Googlemaps endeten wir am Ende doch erstmal wo anders… Für dieses Problem gibt es nur folgende Lösung: Zeit mitbringen und den Umweg mit Humor nehmen. Wer weiß, was man dafür unterwegs entdeckt… 

Ein Funfact noch zu den Taxen: an den Fensterscheiben kann man teilweise sehr amüsante Verbotsschilder entdecken: Das zweite von rechts ist eine Durian – auch Stinkfrucht genannt – deren Beisichführen nicht nur in Taxen, sondern auch in vielen Gebäuden und den U-Bahnen verboten ist. 

 

Bangkok’s Rollertaxi
Für alle die es eilig haben, aber nicht selbst Roller fahren können oder wollen, gibt es eine Alternative: das Rollertaxi. 
Überall in der Stadt sind sie zu finden und erkennbar an ihren orangefarbenen Westen: Rollerfahrer, die dich in Windeseile durch den Verkehr ans Ziel bringen.
Einen Helm gibt es in der Regel nur auf Nachfrage, aber eigentlich haben sie immer einen zweiten unter dem Sitz. Egal wie kurz die Strecke ist: tut euch den Gefallen und fragt nach einem Helm. Auch wenn die Fahrer sehr sicher und erfahren sind – so ist der Verkehr in Bangkok eben manchmal unvorhersehbar chaotisch. Außerdem sind die meisten Rollertaxifahrten nicht unbedingt etwas für schwache Nerven – da gibt einem so ein Helm ein zusätzliches kleines Nervenkostüm.
Die Rollertaxen sind in etwa so teuer wie ein normales Taxi – tendenziell auch ein bisschen mehr (schwer zu sagen, so ohne Taxameter). Zu zweit ist man daher meist günstiger mit einem gewöhnlichen Taxi, es sei denn man quetscht sich zu zweit auf ein Rollertaxi. Das geht im Notfall schonmal (wir haben es natürlich getestet), ist aber recht kuschelig und ich würde es nur im Ausnahmefall und nur für eine kurze Strecke empfehlen.

 

Bahnfahren in Bangkok
Am schnellsten ist es natürlich abseits der vollen Straßen auf Schienen. Allerdings ist das Bahn-Netz in Bangkok noch nicht umfassend ausgebaut und vor allem in Richtung der “Altstadt”, also rund um den Königspalast und des Touristenmagnets Khaosan Road, gibt es keine Bahnverbindung. Der zentrale Teil Bangkoks ist dafür ganz gut abgedeckt – skurrilerweise mit drei eigenständigen Bahn-Systemen – der BTS, MRT und ARL – deren Tickets allesamt nicht miteinander kompatibel sind.

Logo BTSDie BTS (Bangkok Mass Transit System) ist ein Skytrain, also eine Art Straßenbahn die einige Meter über der Straße entlang verläuft. Die BTS gibt’s seit 1999 und besteht aus zwei Linien (der Sukhumvit und der Silom Linie) und verbindet damit die wesentlichen Gegenden des Alltags in Bangkok. 

MRT LogoDie MRT (Mass Rapid Transit) ist eine ziemlich schnelle U-Bahn, die seit 2004 vom Hauptbahnhof Hua Lumpong mit einem kleinen Schlenker in den Norden führt. Sowohl die Stationen als auch die Bahnen sind ziemlich modern aber auch sehr klimatisiert. Bei einer längeren Fahrt hilft ein Pulli vor dem Erfrieren… 

ARL LogoDer ARL (Airport Rail Link) wurde 2010 eröffnet und verbindet Bangkok’s Zentrum mit dem neuem Flughafen “Suvarnabhumi”. 


BRT LogoUnd dann gibt es noch den Schnellbus BRT (Bus rapid transit system), der noch ein paar Haltestellen im Süden abklappert. 

 

Plan Bahnnetz Bangkok
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Eines haben jedoch alle Bahnsysteme gemeinsam: die Pfeile auf den Bahnsteigen. 
Diese zeigen nämlich an, wo sich die Türen der Bahn befinden werden und bedeuten, dass man sich dort anstellen soll – und zwar nicht direkt vor der Tür, sondern daneben. Daran hält sich auch tatsächlich jeder – mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass ein aggressives Gedränge und Geschubse, wie es gelegentlich an heimischen Bahnstationen zu beobachten ist, ausbleibt. Liebe Deutsche Bahn und Fahrgenossen: wie wäre es, wenn wir uns daran mal ein Beispiel nehmen? 

 

Bahtbus
Die Bahnen sind zwar allesamt günstiger als der Nahverkehr in Deutschland. Für thailändische Verhältnisse sind die Tickets allerdings recht teuer. Deshalb fahren viele Bewohner Bangkoks lieber mit dem Bus. Es gibt gewöhnliche Busse, wie man sie bei uns kennt (nur wesentlich älter) und es gibt die “Baht-Busse” (“Baht” ist der Name der thailändischen Währung). Letzteres sind rote Pick-Ups, auf deren Ladefläche zwei einfache Sitzbänke angebracht sind. Sie halten auf Zuwinken an den Busstationen und kosten 7 Baht pro Fahrt (egal wie weit man fährt), also ca. 18 Cent, die beim Aussteigen dem Fahrer durch das Fenster gereicht werden. Teilweise sind sie sogar in den Googlemaps-Bahnverbindungen aufgeführt, auch wenn die Abfahrtszeiten natürlich eher ein Richtwert sind… 
Die Baht-Busse fahren selten lange Strecken, meistens nur in einem kleinen Radius im Kreis, und sind daher ideal für die kurzen Strecken zur nächsten Metro oder BTS. 

 

Zu Fuß durch Bangkok 
Man kann natürlich auch auf sämtliche Transportmittel pfeifen und einfach zu Fuß gehen. Für gewöhnlich habe ich ja gegen eine kleinen Gang nie etwas einzuwenden, denn immerhin kann man zu Fuß auch viel mehr Dinge entdecken als beim Fahren. In Bangkok habe ich allerdings ziemlich schnell die Lust am Laufen verloren. Es ist einfach zu heiß, schwül und unangenehm. Zum Glück gibt es aber alle paar Meter einen 7-Eleven, deren Kühlschranktemperaturen hervorragend geeignet sind um sich kurz abzukühlen…

Zu Fuß durch Bangkok’s Straßen kann aber immer ein bisschen abenteuerlich werden. Alle paar Meter passiert man Berge aus Müllsäcken, in denen teilweise ganze Rattenkolonien leben. Und wenn ich Ratte sage, dann meine ich nicht so kleine Maus-ähnliche Geschöpfe, sondern Ausgeburten des Bösen, deren Größe eher mit einer Katze als einer Maus vergleichbar ist. Diese Höllentiere sind übrigens bestens befreundet mit ähnlich beliebten Tieren, die nur unwesentlich kleiner, dafür ein paar Beine mehr haben: Kakerlaken. 
Aber Spaß beiseite, was jetzt klingt wie ein Filmset von Indiana Jones, ist nur halb so schlimm. Mit einem gesunden Sicherheitsabstand zu den Müllbergen und offenen Augen, sollte sich eine Bekanntschaft in der Regel vermeiden lassen.

Die Müllberge werden übrigens regelmäßig abtransportiert und beinahe jeden Morgen werden die Gehwege gefegt. Aber in Bangkok wird einfach derartig viel Abfall produziert, dass der Berg zum Abend hin schon wieder neu entstanden ist und seine Bewohner erfreuen sich erneut an seinem Inhalt.

 

 

 

 

 

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