UYUNI-TOUR TAG 2

Bunte Lagunen, Flamingos und Lamas

Nachdem wir am ersten Tag der Uyuni-Tour von unserem Startpunkt Tupiza Richtung Südwesten zum Nationalpark Eduardo Avaroa gefahren waren, setzen wir am zweiten Tag die Jeep-Tour dort fort. Einen ganzen Tag soll es durch den Nationalpark im südwestlichsten Zipfel von Bolivien gehen und damit beinahe bis zur Grenze nach Chile. 

Unser Guide Milton hat so einige Highlights auf dem Zettel: zahlreiche Lagunen in zig verschiedenen Farben. Und auch die Tierwelt würde nicht zu kurz kommen und das ein oder andere Bild eines Flamingos sollte im Kasten landen. Wie er bei all unseren “Ahhs”, “Ohhs” und den nicht endenden Klicks der Kameras so viel Geduld bewahrte, bleibt sein Geheimnis. Vor allem unser regelrechtes Ausrasten bei der Begegnung mit Lamas hätte ihn eigentlich nur noch zum Kopfschütteln bringen müssen…

Uyuni-Tour

Der Morgen danach

Südwest-Bolivien, 4500 Meter über dem Meeresspiegel, “Schlafsaal” in einer einfachen Baracke, 7:30

Die Nacht in der kalten Baracke war gar nicht mal so schlimm. Die tonnenschweren Decken verhindern zwar jegliches Umdrehen, aber dafür halten sie tatsächlich ganz gut warm. Mütze und Schal hatten ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen, dass keiner von uns mit Eiszapfen an der Nase erwachte. Und die Ohrstöpsel hatten sogar beinah das Schnarchen der Gruppenteilnehmer ausgeblendet. 

Das Aufstehen am nächsten Morgen fällt trotzdem alles andere als leicht, wenn man an der Nasenspitze merkt wie kalt die Außentemperatur (und damit auch die des Zimmers) ist. Einzig der Gedanke an heißen Kaffee bringt mich dazu mich fix in mein Zwiebel-technik-Outfit zu schmeißen und mit Mamas selbst gestrickten Wollsocken und Birkenstock (so ein Mode-Desaster darf man ja eigentlich nur beim Campen begehen) zum Frühstück zu schlurfen. 

Ein paar Brötchen, Obst und Yoga-Positionen später springen wir schon wieder in den Jeep und düsen durch die verlassene Landschaft. Wenige Minuten später geht Milton jedoch schon in die Eisen: neben uns frühstückt gerade eine riesige Lama-Herde auf einer Wiese. Zum Glück sind Lamas an Menschen gewöhnt und so lassen sie uns eine ganze Weile zwischen ihnen umherschlendern und ihr beinah meditatives Kauen beobachten. Dabei zieht eines witzigere Grimassen als das andere und wir kommen aus dem Lachen kaum noch raus. Als sich dann auch noch eine Katze den Weg durch die Lamas bahnt und sich vorsichtig mit ihren Gefährten beschnuppert, ist das Gequietsche aller Gruppenteilnehmer (ja, auch des liebsten Reisebegleiters) perfekt. 

Irgendwann sammelt Milton seine Herde dann aber doch wieder ein, denn es gibt noch viel zu sehen an diesem Tag. 

Laguna Hedionda

Wir erreichen die erste Lagune des Tages: die Laguna Hedionda, die zwar keine besondere Farbe hat, allerdings spiegeln sich die umliegenden Berge im Wasser – jedenfalls an den Stellen, wo die Oberfläche nicht mit Mineralien überzogen ist. Ein schönes Bild, bei dem man beinah den dezenten Fischgeruch vergisst.

Laguna Kollpa

Nur eine kurze Fahrt weiter erreichen wir die Laguna Kollpa und sehen gerade noch, wie eine Herde Vicuñas* sich einträchtig mit einem Schwarm Flamingos an der Lagune tümmelt. Die Vierbeiner verkrümeln sich bei unserer Ankunft schnell, doch die ein- bis zweibeinigen Vögel bleiben noch eine Weile und liefern uns einen herrlichen Kontrast aus ihrem pinken Gefieder und einer von Mineralien schneeweißen Lagune, die aussieht wie ein zugefrorener See.

*) Vicuñas gehören wie die Lamas und Alpakas zu der Gattung der Kamele, sind aber viel zierlicher und sehen eher aus wie Rehe. Sie sind im Gegensatz zu ihren Verwandten nicht domestizierbar und hüpfen deshalb immer schnell davon. 

Laguna Chalviri

Es folgt ein ziemlicher Touri-Stop: der Besuch einer heißen Quelle. Egal ob in Südostasien oder Südamerika: ständig begegnen einem auf solchen Touri-Touren „Hot Springs“. Dabei handelt es sich um kleine Becken – natürlich oder künstlich angelegt – die mit dem Wasser aus heißen Quellen gefüllt sind. Ob das Wasser wirklich immer ganz natürlich irgendwo aus einer Quelle herauskommt oder da nicht doch zugunsten einer weiteren Einnahmequelle ein bisschen nachgeholfen wird, bezweifel ich ehrlich gesagt ein bisschen.

Was auch immer hier dahinter steckt: mangels Dusche in der ersten Unterkunft und einer doch recht kühlen Nacht, lassen wir uns trotzdem ins warme Nass gleiten. Die Aussicht auf die Laguna Chalviri ist wunderschön. Die Wasseroberfläche ist leicht milchig und so sehen die Spiegelbilder der Flamingos aus wie pastellfarbene Aquarell-Bilder. Wären da nicht die ganzen „Party-Backpacker-Crews“ aus Uyuni, könnte man hier ein paar herrlich entspannende Momente verbringen. Das Gegröle und Selfie-Stick-Gefuchtel veranlasst uns dann aber doch schon bald wieder zur Flucht und wir brausen mit Milton davon.

Dali Desert

Der Weg zur nächsten Lagune führt uns durch die Dali Desert, eine kleine Wüstenlandschaft mit einer Anhäufung kleiner Steinhügel. Drei Vicuñas spazieren wie die heiligen drei Könige durch die surreale Landschaft. Es folgen bunte und schneebedeckte Berge mit wunderschönen Kontrasten und noch mehr Flamingos.

Laguna Verde

Unser nächster Stop wird ein weiteres Highlight der Tour: die Laguna Verde. Sie ist leuchtend türkis und sieht einfach nur atemberaubend aus. Im Hintergrund ragt der 5920 Meter hohe Vulkan Licancabur empor. Die Farbe des Sees kommt übrigens von einem hohen Anteil an Mineralien wie Magnesium, Calciumcarbonat, Blei und Arsen. Schwimmen empfiehlt sich hier also eher nicht so, wie uns Guide Milton zwinkernd ermahnt.

Apropos Milton: am letzten Abend, bei einem Glas Rotwein, erzählt er uns wie er eigentlich vor vielen Jahren Guide geworden ist. Ein Bekannter von ihm war bereits als Guide tätig und brauchte dringend eine Vertretung für eine Tour. Milton hatte zwar viel Erfahrung als Fahrer, kannte jedoch weder die Tour, noch deren Sehenswürdigkeiten. Er bekam eine kleine Beschreibung an die Hand, wo er langzufahren hatte und was er jeweils dazu erklären sollte.

Er begann also seine erste Tour – tat allerdings so, als wäre er schon viel länger dabei – und rezitierte die Erklärungen seines Kollegen. Auf dem Weg zur Laguna Verde begann er mit seiner Erklärung zur Verfärbung und den Mineralien, bis es ihm plötzlich die Sprache verschlug. Sie hatten die Lagune erreicht, die er selbst noch nie gesehen hatte und der Anblick haute ihn wohl schlichtweg aus den Socken. Natürlich versuchte er seine Begeisterung und Erstaunen zu verstecken, aber ich bezweifel ganz stark, dass seine Gruppe es nicht bemerkt hatte. Doch wer kann es ihm schon verübeln? Es ist ja auch einfach ein grandioser Anblick!

Sol de Mañana 

Nachdem wir den großen Vulkan Licancabur bereits bestaunt haben, bleibt auch das nächste Ziel vulkanischen Ursprungs: die Sol de Mañana, ein Geothermalgebiet mit blubbernden Schlammlöchern, sprudelnden Geysiren und dampfenden Fumarolen. Wer sich traut, kann vorsichtig durch den nicht gerade angenehm riechenden Dampf im Slalom durch die löchrige Landschaft spazieren und wird dabei vielleicht auch ein kleines, knallrot gefülltes Becken entdecken. Ein weiteres surreales Kunstwerk der Natur.

Surreal ist auch die Form der kleinen Schneefelder entlang unseres Offroad-Weges. Durch den starken Wind und die Weite der Landschaft bilden sich scharfe Zacken, die in der Sonne glitzern.

Laguna Colorada

Ein Stopp steht noch auf der Liste für den zweiten Tag und wir sind alle schon gespannt wie Flitzebögen: die Laguna Colorada wartet auf uns. Ein purpurfarbener See auf dem sich Flamingos tümmeln – so jedenfalls verspricht es Instagram und Co., doch wer weiß schon wieviele Filter da im Spiel sind? Die Antwort erwartet uns nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt. Die Laguna Colorada ist wahrscheinlich die meist frequentierteste auf der Tour und auch die Anbieter aus Uyuni fahren hierher. Ein Weg führt auf der Kuppe einer kleinen Anhöhe entlang und von hier aus bietet sich ein wunderschöner Blick auf den See. Und tatsächlich: er ist quietsch-pink.

Am Ende des Weges geht es hinab und relativ nah heran ans Ufer. Von hier aus sieht der See zwar nicht mehr ganz so intensiv pink aus, sondern schimmert in einem blau-lila-Ton, doch dafür kommt man hier den Flamingos ganz nah. Diese scheinen von uns gar keine Notiz zu nehmen, putzen ihr Gefieder und stochern mit ihren sonnengelben Schnäbeln im Wasser herum. Dabei geben sie ganz ulkige Laute von sich, die ich nicht mal versuchen werde zu beschreiben.

Nacht in Villa Mar

Nach diesem wunderschönen Abschluss eines ereignisreichen Tages düsen wir durch die bereits stockdunkle Landschaft nach Villa Mar, wo wir die zweite Nacht verbringen werden. Noch auf der Fahrt bekomme ich tierische Kopfschmerzen, ein Pochen und Stechen, wie ich es bisher selten hatte. Kein Wunder, wir sind immerhin auf ca. 5000 Metern über dem Meeresspiegel und ich habe neben den ganzen Lagunen ganz vergessen genug zu trinken. Das rächt sich nun.

Wir kommen in der Unterkunft an und stellen schnell fest, dass wir diesmal nicht so viel Glück haben. Heute sind wir nicht allein sondern teilen uns das große Gebäude mit ca. 10 weiteren Gruppen. Der Speiseraum ist brechend voll und tierisch laut. Mein Kopf droht zu zerspringen und ich verkrieche mich in unserem dunklen Vierbett-Raum. Zum Glück hat eine unserer Mitreisenden Tabletten gegen genau diese Symptome der Höhenkrankheit dabei. Nach etwa 30 Minuten fangen sie langsam an zu wirken und in Kombination mit Koka-Tee und einer ablenkenden Runde “Mensch-ärger-dich-nicht” wird das Pochen langsam weniger. Nach einer Warteschlange für die einzige heiße Dusche gibt es irgendwann – nach all die anderen Gruppen, die vor uns angekommen waren – endlich auch für uns Essen und wir verschlingen kiloweise Pique a lo Macho.

So langsam kehrt Ruhe ein und wir fallen müde in die Kojen. Der etwas anstrengende Abend hat dem Tag keinen Abbruch getan: er war einfach zu grandios!

Fortsetzung folgt…

Am dritten Tag der Tour geht’s zu Felsformationen, magischen Spiegelungen und einem Baby-Lama.

Vier Tage im Kurzfilm

Die ganze Tour in einem Film. Vorsicht: Spoiler-Alarm…

Praktisches und Nützliches

  • Uyuni-Tour

    Tupiza Natural Adventure
    4 Tage; 215 USD inkl. Reiten in Tupiza

  • Zusätzliche Kosten

    Eintritt Hot Springs: 6 Bolivianos (ca. 0,75 Euro)

    heiße Dusche am Abend: 10 Bolivianos (ca. 1,25 Euro)

    WC an der Laguna Colorada: 5 Bolivianos (ca. 0,50 Euro)

  • Packliste

    • lange Unterwäsche/Yoga-Kleidung für Nachts 
    • bequeme Hose und Pulli für drüber (man sitzt immerhin viel im Auto) 
    • Windjacke, Mütze, Schal (über die weite Landschaft auf über 4.000 Metern Höhe pfeift der Wind)
    • Wollsocken für abends und nachts
    • sehr gute Sonnenbrille mit richtig UV-Schutz
    • Thermos-Becher (zum Abfüllen von Tee für die Nacht) 
    • Trockenshampoo (duschen gibt’s erst am 2. Abend und die sind heiß begehrt)
  • Gegen die Höhe

    Jeder reagiert anders auf die Höhe. Während die Kurzatmigkeit bei der Uyuni-Tour eigentlich nicht so relevant ist, da man ja die meiste Zeit im Auto sitzt, kann es allerdings zu anderen Phänomenen kommen. Ich habe ab ca. 4.000 Metern starke Kopfschmerzen bekommen. Dagegen hilft zweierlei:

    1. Viel Trinken. Man vergisst das während der Tour sehr schnell und der Mangel an “Inka-Toilets” – also Büschen – hemmt auch ein bisschen. Aber die Kopfschmerzen sind unangenehmer – versprochen.
    2. Tabletten “Sorojchi”. Gibt’s in den Apotheken in Bolivien und sind speziell für solche Symptome bei Höhe.