Uyuni-Tour Tag 3

Felsformationen, magische Spiegelungen und Baby-Lama

Nachdem wir am zweiten Tag unserer Uyuni-Tour zahlreiche bunte Lagunen, Flamingos und Lamas im Nationalpark Eduardo Avaroa, dem südwestlichsten Zipfel von Bolivien, besucht hatten, geht es am dritten Tag gen Norden in Richtung Salar de Uyuni. 

Doch auch auf dem Weg dorthin gibt es noch einige schöne Flecken zu entdecken. Auch wenn heute keine bunten Farben auf uns warten – kreativ wird es dennoch: Felsformationen und Canyons in den verrücktesten Formen warten darauf erkannt zu werden. Und am Ende des Tages erwartet uns noch ein echtes Lama-Highlight.

Uyuni-Tour

Valle de Rocas 

Nach einem schnellen Frühstück mit Pancakes (!) verlassen wir schnell vor allen anderen Gruppen das Nachtlager und brechen auf. Erster Stop: das Valle de Rocas. 

Auf der Suche nach dem “WM-Pokal” und einem Kamel spazieren wir durch eine ausgestorbene Felslandschaft. Die Berghänge am Horizont sind überwuchert mit Quinoa – hier in Deutschland hippe Trend-Beilage, in den Anden preiswertes Grundnahrungsmittel für Jedermann. 

Auch der zweite Stopp bleibt felsig – doch diesmal geht es hoch hinaus. Die turmförmigen Felsen sind ein wahres Boulder- und Kletterparadies und wie vier Bergziegen kraxeln wir hinauf. Uns erwartet ein herrlicher Blick auf eine verlassene Landschaft – kein Mensch, kein Tier und vor allem keine andere Jeep-Tour weit und breit. Zum Glück sind wir so früh aufgestanden und vor allen anderen losgefahren.

Laguna Vinto

Auf dem Weg zum nächsten Ziel legen wir spontan einen weiteren Stopp an der Laguna Vinto ein. Der See selbst ist eigentlich nichts besonderes – aber es tümmeln sich einige Flamingos darauf und von denen haben wir irgendwie immer noch nicht genug. 

Unser Guide Milton nimmt’s gelassen und nutzt die Zeit um abermals seinen Jeep zu putzen. Dieser – man könnte meinen “sinnlosen” Tätigkeit, denn in den nächsten zwei Tagen würde er sofort wieder staubig und dreckig werden – geht er mindestens einmal am Tag nach. Jeden Abend, während wir gemütlich Tee trinken und auf das Essen warten, schrubbt Milton noch “sein Baby”. Aber sein pfleglicher Umgang mit dem Fahrzeug ist unser Glück. Die Touren, die von Uyuni starten, dürften da weniger glücklich sein. Ihre Fahrer haben nämlich nur geliehene Autos und die werden dementsprechend auch ein bisschen anders behandelt. Da verwundert es kaum, dass wir mehrfach unterwegs liegengebliebene Jeeps sehen.  

Laguna Negra

Wir erreichen das nächste Ziel – wobei wir ausnahmsweise mal nicht bis “vor die Tür” fahren, sondern noch ein paar Minuten dorthin laufen. Laufen kommt die Tage aber sowieso ziemlich kurz, also sind wir und unsere platt gesessenen Hintern über den kurzen Marsch mehr als froh. Milton geht trotzdem auf Nummer sicher und verteilt noch schnell Wegzerrung: Wackelpudding in Plastikbechern. In Ermangelung von Löffeln schlürfen wir den süßen Glibber aus den Bechern und spazieren dabei durch eine surreale Landschaft. Der mit einer Art Moos überwucherte Boden fühlt sich an, als könnte man wie Super Mario darüber hüpfen. Die Sonne scheint und lässt die kleinen Eisschollen glitzern.  

Wir erreichen das Wasser – auch wenn es nur ein kleiner Ausläufer der Lagune ist – und Milton zettelt einen Fotostop an: er manövriert uns auf eine der kleinen “Inseln” im Bach und legt sich mit einer Kamera bewaffnet bäuchlings auf den Boden am Ufer. Nun kommt uns der elastische Boden tatsächlich zu Gute, denn es heißt jetzt tatsächlich: springen! Ein hochmotivierter Milton feuert uns an, lobt und freut sich an den zugegebenermaßen ziemlich coolen Fotos: Sprungbild inklusive Spiegelbild auf der dunklen Wasseroberfläche. Ein tolles Motiv!

Aber auch ohne unsere Springerei ist die Szenerie einfach wunderschön und lässt Fotografen-Herzen höher schlagen. Die Felsformationen spiegeln sich so perfekt im Wasser – man könnte das Foto beinahe drehen ohne einen Unterschied zu erkennen. Wir genießen noch eine ganze Weile den Blick von einem hohen Felsvorsprung hinab auf die Laguna Negra. 

Canyon Valle Anaconda

Für unser nächstes Ziel sollte man schwindelfrei sein: wir laufen an eine ziemlich hochgelegene Felskante und von dort auf einen schmalen Arm, der uns einige Meter von der sicheren Klippe wegführt. Wer sich traut schaut hinab in einen tiefen Canyon und sieht, wie sich ein Fluss schlangenförmig durch das Tal schlängelt und so dem Aussichtspunkt seinen Namen gibt: Valle Anaconda – Tal der Anakonda. 

Julaca

Wir halten in einem winzigen Dorf mitten im Nirgendwo. Es könnte ein Filmset zu einem südamerikanischen Westernfilm sein: Überbleibsel einer nicht mehr genutzten Bahnschiene und alte Waggons, daneben ein  umso reger genutzter Fußballplatz. Im einzigen Shop kaufen wir Craftbeer mit Quinoa, das am nächsten Tag auf dem Salzsee noch eine ganz besondere Aufgabe erfüllen wird. 

Fata Morgana: der erste Blick auf den Salar de Uyuni

Es sind nur noch wenige Kilometer bis zum Ufer des großen Salzsees “Salar de Uyuni” und am Horizont präsentiert sich uns ein surreales Bild: Berge, die zu schweben scheinen. Der See selbst ist scheinbar unsichtbar – wie Harry Potters Tarnumhang verhüllt er einen Teil der Landschaft und dennoch spiegeln sich die Bergwipfel in ihm. Auf diese Weise entsteht dieses Bild, bei dem man sich die Augen reiben möchte und sich fragt, wo eigentlich die Linie des Horizonts abgeblieben ist. 

Hotel aus Salz 

In Puerto Chuvica erreichen wir unsere letzte Unterkunft der Tour und diese ist etwas ganz besonderes: alles – von der Wand, den Bildern an der Wand, Tischen, Stühlen und Betten – ist aus Salz! 

Doch das eigentliche Highlight hoppelt uns draußen entgegen: ein Baby-Lama! Noch ganz wackelig auf seinen vier Stelzen ist es mit seinem fluffigen Fell in Kuschel-Stimmung und streunt wie eine Katze um unsere Beine herum. Sogar vor einem Selfie schreckt es nicht zurück und grinst wie ein Känguru in die Handykamera. 

Rama Lama Ding Dong

Schweren Herzens reißen wir uns aber doch irgendwann von unserem kleinen Mitbewohner davon. Der Plan: den Sonnenuntergang vom nächstgelegenen Hügel beobachten und auf einen spektakulären Blick auf den Salar de Uyuni hoffen. 

Wir kommen allerdings nicht sehr weit: nach wenigen Metern passieren wir eine Herde Lamas, die dort frei herum tollen und uns neugierig und zutraulich entgegen trotten. Was soll ich sagen? Wir sind dort geblieben. Die Viecher sind aber so ulkig und süß zugleich – da hat man quasi keine andere Option. Und ehrlich gesagt gibt es wahrscheinlich kaum etwas meditativeres, als inzwischen einer Herde schmatzender Lamas der Sonne beim Untergehen zuzusehen.

Sonne, Mond, Sterne – und Wein

Der Sonnenuntergang ist letztendlich gar nicht so spektakulär – wir haben also nichts verpasst. Umso schöner strahlt uns danach der Mond entgegen. Schnell wir es schweinekalt und wir verkriechen uns in unsere salzige Unterkunft. Milton gibt eine Flasche Rotwein aus und erzählt uns die ein oder andere witzige Anekdote aus seiner Zeit als Guide. Obwohl er nur Spanisch spricht, verstehe ich alles – ich glaube, es gibt keinen besseren Spanisch-Lehrer auf der Welt. 

Allzu lang machen wir allerdings – trotz Wein – nicht. Um fünf Uhr wollen wir nämlich schon aufbrechen: zum Sonnenaufgang auf einer Insel mitten auf dem Salzsee. Wir sind gespannt wie die Flitzebögen auf unser finales Ziel der Tour: den Salar de Uyuni.

Fortsetzung folgt…

Am vierten Tag der Tour geht’s zum Sonnenaufgang zum Salar de Uyuni. 

Vier Tage im Kurzfilm

Die ganze Tour in einem Film. Vorsicht: Spoiler-Alarm…

Praktisches und Nützliches

  • Unterkunft in Tupiza

    Hostel Los Salares

  • Uyuni-Tour

    Tupiza Natural Adventure
    4 Tage; 215 USD inkl. Reiten in Tupiza

  • Zusätzliche Kosten

    heiße Dusche im Salzhotel: 10 Bolivianos (ca. 1,30 Euro)

  • Packliste

    • lange Unterwäsche/Yoga-Kleidung für Nachts 
    • bequeme Hose und Pulli für drüber (man sitzt immerhin viel im Auto) 
    • Windjacke, Mütze, Schal (über die weite Landschaft auf über 4.000 Metern Höhe pfeift der Wind)
    • Wollsocken für abends und nachts
    • sehr gute Sonnenbrille mit richtig UV-Schutz
    • Thermos-Becher (zum Abfüllen von Tee für die Nacht) 
    • Trockenshampoo (duschen gibt’s erst am 2. Abend und die sind heiß begehrt)
  • Gegen die Höhe

    Jeder reagiert anders auf die Höhe. Während die Kurzatmigkeit bei der Uyuni-Tour eigentlich nicht so relevant ist, da man ja die meiste Zeit im Auto sitzt, kann es allerdings zu anderen Phänomenen kommen. Ich habe ab ca. 4.000 Metern starke Kopfschmerzen bekommen. Dagegen hilft zweierlei:

    1. Viel Trinken. Man vergisst das während der Tour sehr schnell und der Mangel an “Inka-Toilets” – also Büschen – hemmt auch ein bisschen. Aber die Kopfschmerzen sind unangenehmer – versprochen.
    2. Tabletten “Sorojchi”. Gibt’s in den Apotheken in Bolivien und sind speziell für solche Symptome bei Höhe.