Reiss aus

Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.

Stell dir vor du bist frei dahin zu fahren wo du möchtest, solange du willst, niemand, der dich aufhält. Wohin würde deine Reise gehen? Für uns ist die Antwort: auf jeden Fall in eines der vielen Länder Afrikas!

Wir, das sind Ulli, 33, und ich, Lena, ebenfalls gerade 33 Jahre geworden. Beide ohne festes zu Hause und beruflich machen wir alles, wofür unser Herz brennt. Momentan bedeutet das vor allem: wir sitzen an unserem ersten Kinofilm. Ein Film über unsere zweijährige Reise in unserer alten Land Rover Dame Terés. Das bisher größte Abenteuer unseres Lebens.

Ausbruch aus dem vermeintlich sicheren Alltagsleben, und den gut bezahlten Jobs rein in zwei Jahre bald tägliche Achterbahnfahrt der Gefühle. Was uns alles passiert ist, passt im Leben nicht in einen Blogartikel, aber ein bisschen. Und wenn du neugierig bist auf mehr, sehen wir uns einfach bald im Kino. Unser Abenteuer gibt es nämlich bald als Film auf großer Leinwand!

Reiss aus – Die Vorgeschichte

Hamburg, Januar 2014

„Komm, wir schmeißen alles hin, kaufen uns einen Geländewagen und fahren die westafrikanische Küste runter bis nach Südafrika“, ich bin mega aufgeregt. Ulli guckt mich erstaunt an, irgendwie hat er gerade was Anderes erwartet, nachdem er mir erzählt hat, dass er kündigen will. Vielleicht Wut, Angst vor dem, was das bedeutet, die Frage nach dem Warum… ? Stattdessen falle ich ihm vor Freude um den Hals. Das hier ist der Moment, in dem wir unser Leben auf den Kopf stellen können. Abhauen, uns selbst wieder spüren. Sicherheits- gegen Freiheitsgefühl tauschen, etwas wovon ich insgeheim schon so lange Träume. Jetzt oder nie.

Seit sechs Wochen wohnen wir zusammen. Die Kartons stehen noch immer zum Großteil unausgepackt in unserer soeben angemieteten frisch sanierten Traum-Altbauwohnung in Hamburg Eimsbüttel. Wir haben unsagbar viel Geld für Makler, Kaution und neue Möbel ausgegeben, endlich mal kein Ikea. „Aber wir sind doch gerade erst eingezogen“, grübelt Ulli. „Na dann ziehen wir eben wieder aus“, schmunzele ich.

Ich habe Ulli beim Snowboarden kennengelernt, an Silvester, vor einem Jahr. Er sah irgendwie verrucht aus mit seinem fehlenden Schneidezahn, den Edelweiß Hosenträgern und der lila Jacke, spontan und freiheitsliebend. Beim näheren Kennenlernen war dann schnell klar, das Gegenteil ist der Fall. Konservativer Karriereweg, Studium, sicherer Job. Als Medizintechnik Ingenieur braucht er Struktur, einen Plan und tut sich schwer mit Veränderung. Ich dagegen bin freie Journalistin, Regeln finde ich anstrengend und für Struktur habe ich keine Geduld. Trotzdem hat es irgendwie gefunkt.

Es ist Sonntag, ich bin auf Reisen, als Ulli plötzlich beim Staubsaugen zusammenbricht. Zwei Stunden liegt er am Boden, zittert, weint und weiß nicht, wie ihm geschieht. Als es aufhört, saugt er weiter, geht am nächsten Tag pflichtbewusst zur Arbeit und holt mich anschließend vom Flughafen ab. Als ich Ulli sehe, kriege ich einen Schreck. Sein Gesicht müde und eingefallen. Auf dem Heimweg bricht er erneut in Tränen aus, kann danach nur noch müde ins Bett fallen. Ich habe Angst und frage mich: „Was ist in unserer Welt nicht in Ordnung, dass jemand der eben noch lebensfroh und lustig war, jetzt im Bett liegt und nicht mehr hochkommt?“ Am nächsten Morgen schleife ich ihn in die psychiatrische Notfallambulanz des UKE. Diagnose: Mittelschwere Depression, Burnout. Nach einigen Wochen Therapie steht sein Entschluss: „In meinem Leben muss sich gewaltig etwas verändern.“

Die Reise erscheint uns täglich mehr wie die Lösung aller Probleme. Nur noch bis zur Abfahrt durchhalten, dann wird alles gut. Das Fahrzeug ist schnell gefunden. Ein blauer Land Rover Defender TD5, den wir später Terés taufen. Wir haben beide keine Ahnung von Autos, noch nie einen Reifen gewechselt und kaufen den ersten Defender, den wir sehen. Ulli hat nach seiner Kündigung viel Zeit, das Auto ist schnell ausgebaut. Ich prügele mich noch bis kurz vor Abfahrt im Oktober durch 90 Stunden Wochen. Mein Beitrag zur Reisevorbereitung besteht darin, alles in eine Ecke zu schmeißen, was irgendwie mit soll. Ins größte Abenteuer unseres Lebens. Was wir beide völlig unterschätzen: wir nehmen uns selbst immer mit, all unsere Pakete, egal wie weit wir weggehen. Wir sind viel zu naiv, um zu merken, dass ein nähebedürftiger Perfektionist kurz nach Burnout und eine freiheitsliebende Chaotin, 24 Stunden auf zwei Quadratmetern hockend, eine ziemlich spannende Mischung sind. Aber vielleicht ist es genau das, was uns dazu zwingt, über uns hinaus zu wachsen.

„Es geht um Einiges: Darum, uns selbst wieder zu finden, uns wieder zu spüren. Und nicht eher umzudrehen, bis sich an der eigenen Einstellung zum Leben etwas grundlegend verändert hat.“

Zwei Jahre durch Afrika

Route und Highlights der Reise

Highlights unserer Reise

Highlights einer Reise zu nennen, ist schwierig, denn jeder wird auf derselben Strecke komplett andere Erfahrungen machen. Für uns sind die Highlights jeden Ortes die Begegnungen die wir dort hatten. Um euch dennoch nicht ganz ohne ein paar Insidertipps zurück zu lassen, hier ein paar Outstanding Orte und Events.

Die Wüste um Ouadane in Mauretanien
Stille Mondlandschaft mit absoluter Freiheitsgefühlgarantie

Sierra Leone – Bureh Beach Surfclub
Super tolle Gemeinschaft, witzige Sprache, weiße Sandstrände, vor unglaublicher Berglandschaft umzingelt vom Dschungel, plus tolle Wellen

der Canyon in Guinea – rund um Douki
ist für jeden Wanderbegeisterten ein Muss!!!!!!

Karneval der Ethnien in Guinea-Bissau

das Dogonland in Mali

Mali ist die Heimat des Blues
auf jeden Fall hier auf ein Blueskonzert gehen

Jazz Festival in Burkina Faso

Foutou Banane Essen in der Elfenbeinküste
mit Erdnusssoße und dazu Fisch oder Hähnchen – hmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm

Der Norden von Togo
und seine unglaubliche verschlafene Berglandschaft

Die Strände von Liberia
mit dem schwarzen Vulkangestein, dem roten Sand und dem strahlend blauen Wasser vor grünem Dschungel

DOs und DONTs in Afrika

DOs

Lächle. Sei froh, hab keine Scheu.
Den Menschen, denen Du begegnest, geht es häufig wie dir. Ein Lächeln reißt Mauern ein und ist der beste Eisbrecher.

Are you lost? Frage ruhig nach dem Weg.
So ziemlich jeder wird dir helfen wollen. Aber Vorsicht: frag direkt mehrere Leute und nutze dann deinen Verstand. Jeder wird dir helfen, auch wenn er keine Ahnung hat.

Orientiere dich anhand von Landmarks und Sehenswürdigkeiten. 
Kaum jemand kennt Adressen und Straßennamen, aber den kleinen Gemüsehändler, direkt gegenüber von der großen Societé Géneral, den kennt jeder!

Lerne ein paar Wörter in der jeweiligen Landessprache.
Jeder freut sich über ein hallo, danke oder tschüß.

Mit der rechten Hand.
Esse mit rechts, schüttele Hände mit rechts, bezahle mit rechts, berühre Menschen mit rechts. Die linke Hand ist die für den Toilettengang und somit schmutzig.

Fahr raus aus den großen Städten.
Das echte Land begegnet dir auf dem Dorf.

Bleib länger an einem Ort.
So lernst Du das echte Leben besser kennen.

Tauschen – nicht schenken.
Wenn du etwas gibt’s, verlange etwas im Gegenzug. JEDER auch noch so arme Mensch hat etwas zu geben. Und wenn es ein paar Kokosnüsse sind. Ein Tausch ermöglicht Augenhöhe, wer nur gibt schaut automatisch von oben herab, der Nehmende von unten hoch. Wer als Kind immer nur geschenkt bekommt, bettelt bis ins Alter und sieht sich nicht ebenbürtig. Die „Donne ma cadeaux, donne ma l´argent“ Rufe kommen nicht von ungefähr.

DONTs

Schmeiß keinen Müll weg. 
Auch wenn Du denkst „das fällt ja eh nicht auf“. Sei Vorbild. Die meisten Menschen wissen es nicht besser.

Lass dein Toilettenpapier nicht im Busch liegen.
Loch, Stein, Feuerzeug.

Vermeide es Schmiergeld zu zahlen.
Du kommst mit Blabla immer drum rum. Wer nichts verbrochen hat, muss auch nicht löhnen. Das ist ein Spiel der Polizei, spiel mit. Diese liebt coole Geschichten am Ende mehr als Geld. Außerdem ist Zeit Geld. Während ihr ihre Zeit verschwendet fahren zig Autos derweil vorbei, deren Fahrer vielleicht gelöhnt hätten. Darauf hat keiner Lust.

Nie die Geduld verlieren.
Am Ende gewinnen Höflichkeit gepaart mit Gelassenheit und Ausdauer. Auch wenn das manchmal mehr als schwer fällt.

Trailer zum Film

ab 14. März 2019 in deutschen Kinos

Ab Februar 2019 sind wir auf Kinotour!

Mehr Infos und Termine in deiner Nähe hier:

“Dieser Film ist für die, die gerne reisen, für die, die nicht reisen können, für die, die bereits in den Startlöchern stehen und für die, die von ihren „Abers“ noch zurückgehalten werden”

„Ein Film, der die wunderbaren, aber auch die Schattenseiten des Reisens offenbart. Der einen mitnimmt, aufwühlt, froh macht, schockiert und erstaunt. Der Mut macht, den eigenen Traum anzugehen. Ein Film, der ansteckt mit der Faszination und Liebe für Afrika.“