Yangon
– die Pagode der Pagoden –

Nachtbus nach Yangon
Nach unserer abenteuerlichen Rückfahrt aus Bagans Pagodenfeld schafften wir dann doch noch gerade so unseren Nachtbus nach Yangon. Mit einem kleinen Zubringer-Bus wurden wir am Hostel abgeholt und tuckerten dann ca. eineinhalb Stunden durch Bagan und sammelten sämtliche anderen Mitreisenden ein. Irgendwann – nachdem wir gefühlt jedes Hotel Bagans gesehen hatten (die wirklich teuren fahren sie zuletzt an… keine Ahnung ob der Grund dafür das Luxusbedürfnis der dort residierenden Reisenden ist oder es als Werbung für uns LowBudget-Reisende gedacht ist) kamen wir am Fernbusbahnhof an, wo wir in den sehr viel geräumigeren Nachtbus wechselten. Die Sitze dort waren deutlich breiter und weicher und ließen sich auch um einiges weiter schräg stellen. Jeder Sitz war mit einer frisch zusammengerollten Fleecedecke und einem Kissen ausgestattet und bei unserer Abfahrt – pünktlich auf die Minute – wurden von der Bus-Stewardess Wasserflaschen und ein kleiner Snack verteilt. Die ersten Stunden ging es zunächst die Art von Huckelpiste zurück, die wir bereits von unserer Anfahrt nach Bagan kannten, doch noch vor Mitternacht erreichten wir die Auffahrt des Speedways, der Mandalay und Yangon miteinander verbindet. Dort erlebten wir eine Raststätte, wie ich sie noch in keinem anderen Land gesehen habe. Da gefühlt jeder Bus Myanmars den Weg über den Speedway nimmt, der scheinbar schneller ist als die kleinen Pisten auf dem direkten Weg, glich die Raststätte einem riesigen Volksfest. Es gab zahlreiche Marktstände mit Essen oder Kleidung und eine riesige Massenabfertigungshalle für Bratnudeln und Reisgerichte. Das System nicht so ganz verstehend, versuchten wir am Tresen zu bestellen – aufgrund sprachlicher Barrieren waren wir uns einige Minuten später aber nicht so ganz sicher, ob wir tatsächlich irgendeine Art von Gericht bestellt hatten. Wenige Minuten vor Abfahrt kam dann aber doch noch eine riesige Portion Reis mit Hähnchen, das wir in Rekordzeit verputzten und mit prall gefüllten Hamsterbacken zurück zum Bus eilten um unsere restliche Fahrt nach Yangon anzutreten.

 
Ankunft in Yangon
Die Fahrt ging relativ fix und ruckelfrei vorbei und man konnte auch ein bisschen Dösen. Um 6 Uhr erreichten wir die Umgebung Yangons und wurden mit einer Fernsehshow geweckt, die ein bisschen an den ZDF-Fernsehgarten (vor 40 Jahren) erinnerte. Männliche aalglatte Asiaten sangen zu einer Dudelmusik, die fast immer die gleiche Melodie hatte und dazu tanzte eine Reihe Frauen – wobei sie meist nur die Arme bewegen. Ob es sich bei der Art Musik hierzulande um modernen Pop oder doch altbackene Volksmusik handelt, konnte ich nicht so recht herausfinden…
Kaum standen wir auf der ersten Stufe des Busses wurden wir bereits regelrecht überfallen von den ersten Taxifahrern, die uns in die Yangons Zentrum fahren wollten. Natürlich zu völlig anderen Preisen, als die, die ich zuvor im Internet gelesen hatte (Tipp: solche Preise als Richtwerte notieren und griffbereit haben. Die Verhandlungsposition ist deutlich besser, wenn man sich auf Infos aus dem Netz beruft…). Wir schafften es dann auch recht schnell auf den notierten Preis hinunter zu handeln und wurden fast eine Stunde später in der Chinatown Yangons vor unserem Hotel abgesetzt. Die unglaublich zuvorkommenden und freundlichen Mitarbeiter des Hotels ließen uns bereits in unser Zimmer, das wir ja erst für die folgende Nacht gebucht hatten und ein Frühstück auf der traumhaften Dachterrasse gab es auch!

 

Streifzug durch Yangon
Gegen Mittag quälten wir uns dann irgendwann aus dem gemütlichen Bett heraus auf die schwül-heißen Straßen Yangons. Bevor wir unsere Sightseeing-Tour starten konnten, mussten allerdings noch Zugtickets für den folgenden Tag nach Bago organisiert werden. Der Weg zum Bahnhof zog sich bei der Hitze sehr und unterwegs legten wir zwei kurze Stopps im bekannten „Scott Market“ (Bogyoke Aung San Zei) ein. Bis auf ein paar farbenfrohe Leinwände mit coolen Motiven konnte ich dem Markt allerdings nicht viel abgewinnen. Er mutete eher wie ein Flohmarkt für viel Ramsch an… aber vielleicht hatten wir auch einfach die falschen Gänge in dem riesigen Komplex gewählt. Einen zweiten Stopp legten wir (ich muss es beschämt zugeben) im riesigen KFC ein und gönnten uns Chickenburger, Eiskaffee und Klimaanlage sowie einen netten Blick vom Balkon. Irgendwann kamen wir dann auch endlich am Bahnhof an – nur um zu erfahren, dass wir die gewünschten Tickets dort nicht kaufen konnten. Der Ticketverkauf lag dann wieder weitere 15 Minuten zurück. Doch dann endlich – nach insgesamt eineinhalb Stunden des Herumirrens – hatten wir endlich unsere zwei Zugtickets nach Bago für den folgenden Tag (für ca. 80 Cent pro Person, inkl. Lebensversicherung) gekauft und begannen unsere Sightseeing-Tour.

 

 

Yangons Kolonialviertel
Wir schlenderten die (vom Reiseführer) empfohlene Route durch das Kolonialviertel entlang – auf der Suche nach alten Prachtbauten mit schönen Säulen und verzierten Fassaden. Doch bis auf ein paar wenige Gebäude rings herum um die Sule-Pagode, sind die alten Gebäude dermaßen verfallen und vor allem bedeckt mit bunten Werbeplakaten, dass der alte Charme kaum mehr zu erahnen ist.


 

Sule Pagode
Also ab in die erste Pagode Yangons, die Sule Pagode, die mitten in einem Kreisverkehr steht. Nachdem wir in Mandalay und Sagaing schon so einige grandiose goldene Stupas gesehen hatten, hielt sich unsere Begeisterung für diese kleine Alltagspagode Yangongs etwas in Grenzen.

 

Maha Bandoola Garden
Den daran angrenzenden kleinen Park Maha Bandoola Garden, inmitten der wenigen schönen Fassaden, fanden wir mit seinem kleinen Wasserspeierteich und dem großen weißen Obelisken dagegen wirklich hübsch und perfekt um sich im Schatten eines Baumes etwas auszuruhen.


 
Botataung Pagode
Doch die nächste Pagode wartete bereits auf uns und so nahmen wir (nachdem wir bereits den halben Weg durch die Hitze gelaufen waren, in der Hoffnung ein hübsches Flussufer vorzufinden… Fehlanzeige) ein Taxi zur Botatatung Pagode. Bei dieser gab es ein ziemliches Brimborium um den Eintritt (inklusive Webcam-Foto auf dem Ticket) und ein viermal so hohes Eintrittsgeld, als ich es mir notiert hatte… Aber die knapp 6 Euro investierten wir trotzdem – und umrundeten einen weiteren Stupa. Allerdings ist dieser hier gar nicht Hauptattraktion. Denn um ihn herum gibt es viele Dinge zu entdecken, von kleinen Buddhastatuen um einen Baum, bis zu einer großen sitzenden, ein Schildkrötenteich und kleine Schreine mit lebensgroßen Puppen inmitten von bemalten Kokosnüssen als Opfergaben. Besonders beeindruckend ist ein kleiner sternenförmiger Gang, komplett aus Goldvertäfelungen, in dem sich auch eine Haar-Reliquie Buddhas befindet.

 

 

Shwedagon Pagode
Platt wie wir waren, wollten wir nun aber nur noch zu unserem letzten Ziel, der Shwedagon Pagode zum Sonnenuntergang. Die restliche Zeit bis dorthin verbrachten wir im Schatten eines Baumes am Seeufer im Bogyoke Aung San Park. Von dort aus bildet sich in der Zeit vor dem Sonnenuntergang eine Art Pilgerwanderung zur Shwedagon Pagode, deren Hauptstupa schon von weitem zu sehen ist. Wir stiegen die vielen Treppenstufen zum Hügel hinauf und dort erwartete uns eine Pagode, die uns trotz unserer Tempel- und Stupamüdigkeit doch noch richtig von den Socken haute. Das Areal um den monströsen Stupa ist riesig und man kann sich dort sicherlich Stundenlang aufhalten und immer noch etwas Neues entdecken. Dabei sollte man aber nicht vor lauter Staunen blind durch Gegend laufen (so wie ich es auf Reisen leider regelmäßig mache) und dann (jap, genau, wie ich) in die Reihe fegender Gläubiger stolpern, die durchs Reinigen des Bodens Karma-Punkte sammeln.
Wenn die Pagode bei Tageslicht oder schräg stehender Sonne bereits absolut beeindruckend ist, so wird sie zur „blauen Stunde“ zu einem optischen Meisterwerk und bringt mit Sicherheit regelmäßig Fotografen zum Weinen, wie sie sich in ihrer goldenen Pracht vor einem azurblauen Himmel abzeichnet. Die Atmosphäre erreicht dann ihren absoluten Höhepunkt, wenn man der Menge gläubiger Buddhisten dabei zusieht, wie sie ein Räucherstäbchen oder eine Kerze entzünden und in deren Schein und Nebel niederknien um zu beten.

 

 

Chinatown
Nach diesem großartigen Abschluss einer eher mäßigen Sightseeing-Tour durch Yangon, machten wir auf dem Rückweg noch einen Stopp in der 19th Street, der Fressgasse von Chninatown. Bei wuseliger Atmosphäre ließen wir uns vor einem der Restaurants scharfe Hühnchengerichte mit Reis schmecken und beobachteten das rege Treiben von Touristen und Einheimischen gleichermaßen. Doch die Müdigkeit von der Nachtbusfahrt steckte uns doch noch sehr in den Knochen, so dass wir die restliche Chinatown und Little India ausließen und stattdessen früh in unser Bett kippten.

 

Fazit zu Yangon:
Wie man wohl schon zwischen den Zeilen erkennt, war Yangon nicht so ganz meine Stadt. Sie ist einfach zu groß um sie in kurzer Zeit zu überblicken und alles verliert sich irgendwie. Für mich fehlte eine Art Zentrum, das Herz der Stadt. An dem einen Tag, den wir dort verbrachten, konnte ich es jedenfalls nicht entdecken. Doch unabhängig davon ist die Shwedagon Pagode so beeindruckend, dass ein Zwischenstopp in Yangon bereits ihretwillen lohnt. 
Einige Tage später waren wir nochmal für eine Übernachtung in Yangon, da wir von dort aus weiter nach Vietnam reisten. Ursprünglich hatten wir geplant, dann noch ein bisschen durch Chinatown und Little India zu schlendern. Doch auf der tollen Dachterrasse unseres Hotels empfing uns ein sensationeller Sonnenuntergang und wir verquatschten uns mit der lieben Tina, die schonmal ein ganzes Jahr durch Südostasien gereist war und nun das erste Mal allein unterwegs ist. 

 

Am nächsten Tag geht es dann aber wieder hinaus aus der riesigen Stadt zu weiteren Pagoden: mit dem Zug nach Bago und dann hoffentlich noch Abends weiter nach Kinpun. Mal sehen ob das so klappt!

 

2 Kommentare

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] die nordthailändische Version ein bisschen „billig“. Während die Stupas in Mandalay oder Yangon wirkten, als seien sie aus massivem Gold, scheinen die Stupas im Phra Singh Tempel aus dünnem Blech […]

  2. […] Minibus nach Bagan Tag 5: Bagan (Alt-Bagan) Tag 6: Bagan (Pagodenfeld); Nachtbus nach Yangon Tag 7: Yangon Tag 8: Zugfahrt nach Bago; Minibus nach Kyaiktho Tag 9: Golden Rock; Bus nach Hpa-An Tag 10: Hpa-An […]

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