Myanmar: Land und Leute – ein Fazit

Myanmar, das Land der Pagoden
– Land und Leute: Ein Fazit –

Die erste Etappe der Südostasien-Reise ist bereits vorbei und wir haben ein ganz tolles Land kennengelernt: Myanmar!
Unsere Reise hat uns durch wuselige Städte, atemberaubende Landschaften und unzählige buddhistische Heiligtümer geführt. Dabei sind uns so einige Skurrilitäten begegnet, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

 

Auf den Straßen Myanmars
Die Straßen in Myanmar sind abenteuerlich. Meistens nicht viel mehr als geteerte Feldwege, ziehen sie sich durch Stadt und Landschaft – ohne, dass sie einen geraden Abschluss hätten. Zum Wegrand hin endet sie einfach als wellige Teerkante. Einen Gehweg gibt es selten, denn die Menschen in Myanmar scheinen selbst Strecken unter hundert Meter nicht zu Fuß zurück zu legen. Stattdessen wird alles – wirklich alles – mit dem Roller gefahren.
Der Roller ist der wohl wichtigste Gegenstand eines jeden Haushalts in Myanmar. Autos gibt es weniger. Dafür werden die Roller mehr beladen als die meisten Autos in Deutschland. Fun-Fact zu den Autos (die übrigens zu 95% aus dem Hause Toyota stammen): die meisten haben ihr Lenkrad auf der rechten Seite, da sie aus Ländern mit Linksverkehr importiert werden – in Myanmar herrscht allerdings Rechtsverkehr! Ihr könnt euch meine Verwirrung vorstellen, als der Fahrer aus der „falschen Tür“ ausstieg…
Aber zurück zum Roller: Es ist wirklich beeindruckend, wieviele Menschen und riesige Gegenstände auf so einem Zweirad Platz finden können. Und bei all der Beladung wird nicht mal ein Helm getragen! Allerdings haben wir auch nur einmal einen Unfall mitbekommen, was wir sehr beachtlich fanden, bei dem Fahrstil, der dort herrscht. Wenn man genau drauf achtet, merkt man allerdings, dass zwar alle chaotisch und ohne Regeln fahren, gleichzeitig aber auch sehr vorausschauend und auf andere achtend. Irgendwann verstanden wir auch das allgegenwärtige und pausenlose Hupen: Es bedeutet so viel wie „Vorsicht, hier komme ich“ und wird bei jeder Gelegenheit angewandt (Vorsicht ich überhole, Vorsicht ich biege ab, Vorsicht ich bin neben dir…). Bei dem kleinen Unfall, den wir vom Straßenrand aus beobachtet hatten, war dem Fahrer auch lediglich sein Roller weggerutscht – doch innerhalb von Sekunden hatte sich eine helfende Traube Menschen um ihn herum gebildet (schaulustige Smartphones waren übrigens nicht darunter).
Die Straße ist allerdings nicht nur der Weg zur Fortbewegung – auch das halbe Leben spielt sich dort ab, denn die Übergänge zwischen Fahrbahn und Wohnzimmer sind fließend. An den Straßenrändern gibt es kleine Garküchen oder Menschen sitzen einfach vor ihren Häusern auf Plastikstühlen oder dem Boden. Die Häuser sind meistens offen, so dass man im Vorbeigehen ein bisschen vom Leben in Myanmar mitbekommt. So gesellig sich alle tagsüber draußen aufhalten, so schlagartig vergraben sich dann alle in ihren Häusern, sobald es dunkel wird. In kleineren Orten waren die Straßen bereits um acht Uhr wie leergefegt.

 

 

Kautabak
In Myanmar wird wenig geraucht – dafür ist Kautabak das National-Suchtmittel. Schätzungsweise ein Viertel der Erwachsenen hat dunkelrot verfärbtes Zahnfleisch und überall auf den Straßen entdeckt man rote Spuck-Spuren. Nicht nur auf den Straßen, auch eine erstaunliche Anzahl von Autos ist an der Fahrerseite mit feinen roten Spritzern übersät. Deshalb ist auch Vorsicht als Fußgänger geboten, denn jederzeit kann man von einem roten Flatschen getroffen werden, der gerade aus einem Busfenster hinauskatapultiert wird.
Einmal konnte ich eine Frau dabei beobachten, wie sie sich ihren kleinen Tabak-Snack zubereitete. Zunächst werden ein paar grüne (nicht getrocknete) Blätter mit einer gelblichen Paste bestrichen, danach landen kleine rote Würfel und ein paar getrocknete Pflanzen (sieht aus wie Tee-Krümel) darauf. Das ganze wird dann zusammengewickelt und landet im Mund – und irgendwann dann auf der Straße.

 

Gesichtsbemalung
Viele Frauen und Kinder, die einem in Myanmar begegnen, tragen auf ihren Wangen (oder im ganzen Gesicht) eine helle gelbliche Paste. Dabei handelt es sich um fein geriebene Rinde des Thanaka-Baumes, die gegen UV-Strahlen, Alterung und Krankheiten helfen soll. Aufgetragen wird sie, indem zunächst ein Stück des dünnen Baumstamms mit der Rinde über einen befeuchteten Sandstein gerieben wird und dann (in mehreren Schichten) die Mischung mit den Fingern auf die Haut gerieben oder teilweise kunstvoll im Blatt-Muster gemalt wird.

 

 

Barfuß durch Myanmar
Myanmar ist ein Barfuß-Staat. Selten sieht man einen geschlossenen Schuh. Entweder trägt man Flip Flops oder ist barfuß unterwegs. Das ergibt aber auch Sinn, denn in den Pagoden müssen Schuhe immer draußen bleiben – das geht mit Flip Flops natürlich deutlich schneller. Bei all dem Staub und Dreck, den wir über den Tag so an unseren Füßen gesammelt haben, konnte man am Abend kaum noch deren tatsächliche Hautfarbe erkennen.

 

 

Myanmar – das Land der Gegensätze
So genau sie es mit Schuhen und züchtiger Kleidung in ihren Pagoden nehmen, so wenig achtet man auf alles andere. Dreck ist allgegenwärtig und überall liegen kleine Müllhaufen herum. Besonders krass im Missverhältnis stehen die zahlreichen Pagoden aus Gold zu den einfachen Behausungen der meisten Menschen in Myanmar. Wenn das Land ein bisschen weniger in seine tausend Pagoden aus Gold investieren und dafür ein bisschen mehr in die Sanierung und Infrastruktur der Städte (insbesondere in ein Müll-Entsorgungs-System) und seine Menschen stecken würde, könnte das die Lebensverhältnisse vieler Menschen dort (nach unseren Maßstäben) erheblich verbessern. Doch vielleicht möchte man das dort auch gar nicht, denn eigentlich wirkten die meisten Menschen sehr zufrieden. Und oft passiert man bei einer Fahrt außerhalb der Stadt zwar einfache kleine Wellblechhütten, die aber direkt bei einer (scheinbar privaten) Mini-Pagode stehen. Vielleicht sind die Prioritäten bei den Einwohnern Myanmars einfach andere, als bei uns Westlern.

 

Frauen in Myanmar
Definitiv anders ist jedenfalls noch die Stellung der Frau in Myanmar, denn in vielen Tempeln gibt es Bereiche, wo nur Männer hineindürfen. Warum genau das so ist und wie die Frauen dazu stehen konnte ich leider nicht herausfinden.
Wenn es ums Verkaufen geht, sind die Frauen Myanmars den Männern in ihrer Geschäftstüchtigkeit jedoch meist voraus. Neben den typischen Souvenirständen werden erfolgreiche Kleinunternehmen wie Restaurants oder Hotels oft von Frauen geführt.

 

 

Toilettensituation
Jedenfalls der Toilettensituation würde ein bisschen Modernisierung ganz guttun. Die meisten „WCs“ außerhalb der Hostels bestanden aus ziemlich üblen Keramiklöchern im Boden, wobei offenbar die wenigsten das Keramikloch trafen… Jeder der aus Gewohnheit ständig auf Toilette geht, gewöhnt sich das in Myanmar sehr schnell ab.

 

Myanmars Tiere
Hunde. Es gibt wirklich sehr, sehr viele Sraßenhunde in Myanmar. Für mich als jemanden mit einer gehörigen Portion Respekt vor diesem Tier, war das anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und oft mit kleinen Adrenalin-Schüben verbunden, wenn einer der Vierbeiner mit zerzaustem Fell auf einen zuläuft. Wirklich nahe kamen sie uns aber nie und sie scheinen auch selbst sehr viel mehr Angst vor Menschen zu haben, als ich vor ihnen.
Außerhalb der Städte laufen oft Kühe alleine am Straßenrand entlang („richtige“ Kühe mit Hörnern) und auch freilaufende Hühner und Hähne sieht man nicht selten. Ratten haben wir zum Glück nur auf der Straße (und in der einen besagten Toilette in Bago) angetroffen. Kakerlaken sind uns in den Hostels bisher (knock on wood) erspart geblieben – dafür hatten wir gelegentlich Geckos an Decke oder Wänden kleben. Begegnungen mit Affen und Elefanten gab es nur einmal ganz kurz – zumindest was die süßen Dickhäuter angeht, hoffen wir auf mehr in Thailand!

 

Essen und Trinken
Kulinarisch war unsere Reise sehr indo-chinesisch geprägt und bestand meist aus Bratnudeln, Reis mit Fleisch und Gemüse oder leckeren Currys. Ein Highlight war das burmesische Essen im Shan Ma Ma in Mandalay. An Streetfood haben wir uns in Myanmar ansonsten nicht herangetraut, denn das Essen lag den ganzen Tag in der prallen Sonne und wurde oft von Fliegen besucht. Insbesondere bei den typischen Geflügel-Ständen tummelten sie sich gern, denn dort gab es nicht nur kross gebratene Hühnchen, sondern auch kleine Vögel, die inklusive Kopf und Schnabel aufgespießt und gebraten angeboten wurden…


Das Nationalbier heißt „Myanmar“ und schmeckt wirklich gut. Kaffee ist dagegen in Myanmar eher problematisch. Meist gibt es nur Instant 3in1-Kaffee (also Kaffee inkl. Milch und Zucker). Schwarzer Kaffee schmeckt „nicht so gut“ und auf den letzten Metern gibt’s ne Menge Kaffeesatz. An „echte“ Milch haben wir uns ebenfalls nicht herangetraut und stattdessen Milchpulver verwendet. Auf Dauer ist das aber eine eher unbefriedigende Lösung und am Flughafen in Yangon musste erstmal ein Starbucks-ähnlicher Kaffee her.

 

 

Menschen in Myanmar
Die Menschen in Myanmar sind super freundlich und hilfsbereit. Mit teilweise sogar ganz guten Englischkenntnissen sind sie stets bemüht, einem jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Ganz besonders krass (für unseren Geschmack fast schon ein wenig zu viel) war das in unserem Hotel in Yangon, wo die Mitarbeiter sich sogar jedes Mal leicht verbeugten. Eine besonders positive Erfahrung machten wir in Bagan, als unser Scooter den Geist aufgab und beim ersten Winken sofort hilfsbereite Einheimische anhielten um für uns herumzutelefonieren. Auf diese Weise konnten wir unsere Reiseroute auch genauso umsetzen wie geplant. Hatten wir anfangs noch das Bedürfnis, für alles Bestätigungen in „schwarz auf weiß“ zu erhalten, so lernten wir schnell, den Menschen zu vertrauen, denn irgendwie kamen wir ja doch immer zu unserem gewünschten Ziel.
Vertrauen kann man in Myanmar übrigens auch was Kriminalität angeht. Am Anfang waren wir noch vorsichtig, aber immer mehr konnten wir feststellen, dass die Mentalität der Menschen in Myanmar einfach keinen Diebstahl zulässt. Unser Guide in Mandalay meinte bereits, wir könnten unsere Rucksäcke einfach an der Busstation lassen und noch was essen gehen… Damals noch skeptisch, ließen wir eine Woche später in Hpa-an teilweise sogar unsere Daypacks inklusive Kamera-Objektiven, GoPro, Pässen und Kreditkarten im Tuk Tuk, während wir uns die Höhlen ansahen. Weggekommen ist nichts – aber keine Garantie, dass man nicht auch mal Pech haben kann.
Wir bekamen jedenfalls immer mehr das Gefühl, dass es den Menschen in Myanmar wirklich wichtig ist, dass man zufrieden und mit positiven Erlebnissen ihr Land verlässt – es ist ihnen in unserem Fall absolut gelungen! Wir haben uns in Myanmar super wohl gefühlt und kommen bestimmt nochmal wieder, denn es gibt noch viel zu sehen in diesem tollen Land!

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