Hpa-an, mein Geheimtipp für Myanmar

Karstfelsen, Höhlen und grandiose Aussicht

Hpa-an
Hpa-an Karte

Unterkünfte und Probleme in Hpa an

Nach eine abenteuerlichen Busfahrt vom Golden Rock – inklusive kleinem Kulturschock aufgrund von Rotzgeräuschen, Tabakspuckerei und Hornhautfüßen auf meinem Schoß, erreichen wir endlich am Abend das kleine Dorf Hpa-an. Ich bin ziemlich froh, als uns der Busfahrer endlich absetzt und freue mich bereits auf das hoch gelobte Hostel, für das wir uns entschieden hatten.

Leider hatte uns der Fahrer wohl missverstanden und bei einem verwirrten Google-Maps-Check stellen wir fest, dass das Hostel noch knapp drei Kilometer entfernt ist. Durch eine kurze Taxifahrt lässt sich dieses Problem jedoch einfach lösen und kurze Zeit später lächelt uns endlich Kim, die Betreiberin unseres auserwählten Hostels entgegen. Alle Infos zum Hostel mit Link zum buchen findest du am Ende des Artikels.

Das Lächeln weicht dann aber leider einem entschuldigenden Blick, als wir ihr mitteilen, dass wir keine Reservierung haben. Da die bisherigen Hostels auf unserer Reise durch Myanmar immer sehr leer waren und wir im Vorhinein nie mit Sicherheit wussten, ob unsere Verbindungen so klappen würden wie geplant, hatten wir das Reservieren sehr bald aufgegeben. Hier in Hpa-an, einem noch recht untouristischen Ort, fällt uns das nun auf die Füße, denn das Hostel ist komplett ausgebucht. Kim ruft noch bei ein paar anderen vergleichbaren Hostels an – doch alles ist voll.

Da wir zwei Tage in Hpa-an bleiben wollen, reservieren wir bei ihr nun wenigstens für die folgenden zwei Nächte und buchen über sie die Höhlentour, die wir für den nächsten Tag geplant haben. Lieb wie sie ist, bietet sie uns dann sogar an, dass wir am nächsten Morgen schon früher kommen könnten um noch bei ihr zu frühstücken.

Letztendlich landen wir dann in einem sehr „einfachen“ Hostel schräg gegenüber, das von außen und innen komplett in lila und pink bemalt ist. Das Zimmer kostet zwar nur unschlagbare 9 Euro, mehr als Bett und Rucksäcke passen aber auch nicht hinein. Die Gemeinschaftstoilette am Ende des Ganges ist ein Erlebnis und erstmalig kommen unsere Schlafsack-Inletts und das Mückennetz zum Einsatz. Einen größeren Kontrast zum Resort in Kyaikto hätten wir wohl kaum finden können…

Nach einer leckeren Portion Bratnudeln und einer großen Flasche Myanmar-Bier im chinesischen Restaurant Khit Thit mit cooler Kiosk-Atmosphäre, ist der Kulturschock dann aber doch schnell überwunden und das Hostel danach fast schon gemütlich.

Die Nacht in unserer lila-pinken Besenkammer ist dann gar nicht mal so schlecht. Zumindest bis ca. 4 Uhr, als ein sehr penetranter Hahn meint, er müsse uns ein Liedchen singen (ein sehr langes…).

Der Weg zur Dusche im Anschluss an das Konzert fühlt sich ein bisschen wie der Gang zur Schlachtbank an und die morgendliche Waschung erfolgte in Anbetracht der Ansammlung von Insekten und Schimmelflecken in Rekordzeit. Doch schräg gegenüber erwartet uns bereits Kim mit ihrem fröhlichsten Lächeln und einem leckeren asiatischen Frühstück.

Mit dem Tuk Tuk durch Hpa-an

Um halb neun geht es dann auch schon los: ab ins Motel-eigene Tuk Tuk für eine Tagestour zu Hpa-an’s Höhlen. Mit an Bord noch Jan, ebenfalls Jurist, der vor einigen Jahren auch für ein Praktikum an der Botschaft in Bangkok war und sich von uns bereitwillig nach seinen Erfahrungen und Tipps löchern lässt.

Währenddessen ziehen bereits die ersten Reisfelder und Palmen vorbei und die beeindruckende Skyline der riesigen Karstfelsen zeichnet sich am Horizont ab. Irgendwann verlassen wir die geteerte Straße und holpern über sandige Pisten, durch kleine Wälder und entlang von Hütten oder verfallenen und überwucherten Kolonialhäusern inmitten der Natur.

Für die Einheimischen, an denen wir vorbeifahren sind wir wohl eine Attraktion. Die meisten winken uns strahlend zu – und wir natürlich zurück. (Irgendwann kam ich mir vor wie die Queen, bei so viel Winkerei.) Die Fahrt zwischen den einzelnen Höhlen wird so zu einem eigenen Highlight und ich genieße es, die atemberaubende Landschaft von der Ladefläche aus zu beobachten und mir den Fahrtwind durch die Haare wehen zu lassen.

Bester Drink von Hpa-an

Eine hervorragende Erfrischung für zwischendurch und unglaublich lecker ist übrigens frisch gepresster Zuckerrohrsaft, den man an den meisten Ständen in Hpa-an bekommt. Die faserigen Stangen werden mehrmals durch eine motorisierte Presse geschoben und der Saft darunter aufgefangen. Zusammen mit ein paar Eiswürfeln und ein bisschen Limette ist es ein Drink mit Suchtpotential.

Die To-Go-Variante ist übrigens sehr kreativ (wenn auch nicht öko): im Plastikbeutel mit Strohhalm. Da muss man bei der wackeligen Tuk Tuk Fahrt ganz schön aufpassen.

Ya Thay Pyan Höhle

Den ersten Sehenswürdigkeiten-Stopp in Hpa an legen wir an der Ya Thay Pyan Höhle ein, die sich in einigen Metern Höhe im Fels befindet und über eine Treppe erreicht wird. Oben angelangt wird man von einer Ansammlung von Buddhas empfangen, die die traumhafte Aussicht  auf die Landschaft von Hpa an genießen.

Im hinteren Teil der Höhle wird diese plötzlich sehr viel höher und endet in einem kleinen Loch. Durch dieses scheint die Sonne hinein und beleuchtet so den darunter errichteten Stupa. Man kann noch ein gutes Stück weitergehen bis man das andere Ende der Höhle erreicht. Hier wartet eine kleinere Öffnung, mit einem weiteren schönen Blick in die Natur.

Kawt Gone Höhle

Die nächste Höhle auf unserer Hpa-an Route ist zwar nicht sehr groß und auch nur halb im Fels. Dafür beeindruckt sie mit ganz vielen kleinen Buddha-Reliefs in sattem Rot.

Die dichte Ansammlung weiß goldener Buddhastatuen darunter geht vor diesem Kunstwerk fast schon unter.

Affen und Aussicht über der Kawt Gone Höhle

Doch nicht nur Buddhas sieht man hier reichlich – auch eine ganze Horde Affen tummelt sich auf dem Areal. Aber Vorsicht: einer anderen Dame hätten sie beinahe das Lunchpaket entrissen und Kameras borgen sie wohl auch ganz gern.

Ich habe meine gut festgehalten und bin – an den Dieben vorbei – die steile Treppe links der Höhle hinaufgestiegen. Der Aufstieg bei 38 Grad ist zwar sehr schweißtreibend, aber die Aussicht von dem kleinen Stupa am Ende der Treppe ist so spektakulär, dass es sich absolut lohnt!

Kyat Ka Lat Pagode

Auf den nächsten Stopp in Hpa-an freue ich mich (bzw. meine Kamera) schon sehr, denn uns sollte eine dünne Felsnadel inmitten eines Sees erwarten, auf deren Spitze eine Pagode thront.

Am  Parkplatz angelangt erblicken wir leider überwiegend aufgewühlte Erde und Bagger, die offenbar den See vergrößern. Wasser ist dagegen nur auf der anderen Seite des Felsens, der von Nahem auch gar nicht so spektakulär aussah wie gedacht…

Um das gewünschte Foto des Felsens im See dennoch irgendwie in den Kasten zu bekommen, suche ich einen Weg hinüber auf das andere Ufer. Tatsächlich finde ich am Rand des Wasserbeckens einen kleinen Deich, den ich schnell hinüber hopse.

Auf der anderen Seite angelangt, will ich dann eigentlich das Ufer entlanglaufen und mit ein bisschen Trickserei den großen See erzeugen, den ich mir vorgestellt hatte. Leider ist das andere Ufer derart mit dornigem Gestrüpp übersät (und ich barfuß, wie immer in einem buddhistischen Heiligtum), dass ich den Plan aufgebe und mich mit einem halben See zufrieden gebe.

Lonepani Garten am Zwekabin Berg

Mit bereits knurrenden Mägen schlendern wir noch kurz durch den Lonepani Garten, einem Feld mit ganz vielen Buddhas. Alle, bis auf die Reihe an der Straße, blicken in dieselbe Richtung.

So ein ähnliches Feld hatten wir bereits in Monywa am Fuß der Boddhi Tataung besichtigt. Das Buddha-Feld in Monywa war vielleicht noch ein bisschen schöner, da es überwuchert von Pflanzen war. Hier entdecken wir dafür die Überbleibsel eines Festes mit weißen Konfetti-Streifen und Plastikbechern.

Dafür trumpft der Lonepani Garten mit einem schönen Blick auf den Zwekabin Berg, an dessen Fuß es sich befindet. Ursprünglich hatten wir überlegt, am zweiten Tag den zweistündigen Aufstieg auf den Berg in Angriff zu nehmen, um sowohl Aussicht als auch Mittagessen in dem Kloster dort oben zu genießen. Doch bei Temperaturen von 38 Grad schlagen wir uns diese Idee wieder aus dem Kopf…

Waterfall-Village

Unsere Mägen erfreuen sich dann wenig später an einer riesigen Portion Bratnudeln im „Waterfall-Village“, dem Standard-Lunch-Spot der Hpa-an Tagestour. Einen Wasserfall entdecken wir zwar nicht, dafür ein kleines Wasserbecken, in dem die Einheimischen herumplantschen. Außerdem eine umherspazierende Kuh, die drauf und dran ist, sich zu unserem Tisch dazu zu gesellen.

Sadan Höhle: Highlight in Hpa an

Den Großteil des Nachmittages verbringen wir in der Sadan Höhle, dem Highlight unserer Hpa-an Tour. Auf den ersten Metern wirkt die Höhle erstmal nicht so spektakulär. Es gibt zwar ein paar verschiedene Statuen und einen Stupa, doch das richtige Erlebnis beginnt erst danach.

Wir durchwandern einen beinahe naturbelassenen, langen Gang im dämmrigen Licht der wenigen Lampen und entdecken Felsformationen und unzählige Fledermäuse an der Decke.

Idyllische Bootsfahrt an der Sadan-Höhle

Am Ende der Sadan Höhle befindet sich eine spektakuläre Felsöffnung, durch die man die wunderschöne Landschaft rund um Hpa an und einen See erblickt.

Durch diese Öffnung verlassen wir die Höhle und spazieren über einen schönen Holzsteg im Reisfeld zu einer kleinen Nachbarhöhle. Danach gönnen wir uns am Seeufer noch ein kaltes Bier und genießen die Atmosphäre.

Irgendwann steigen auch wir in eines der flachen Boote und lassen  uns über den See und durch eine ganz niedrige Höhle auf die andere Seite der Sadan Höhle bringen. Die Bootsfahrt ist zwar recht kurz, aber man passiert ein paar Fischer, die von ihren Booten Netze auswerfen (wobei ich stark vermute, dass das reine Show ist).

Kleine Anmerkung hierzu: Am Flughafen in Yangon haben wir von einem reisenden Paar erfahren, dass dieses Show-Fischen auf dem Inle-Lake ganz extrem ist. Dort stehen ganze Armaden von kostümierten Fischern, die die bekannte Pose einnehmen sobald ein Touristenboot vorbeifährt. Wer ein Foto macht, soll danach bezahlen. Vielleicht fangen sie in Hpa-an aber auch nur die Fische ein, die manche Besucher an Ständen in Plastiktüten kaufen um sie dann im Wasser freizulassen. Der Sinn dieses Manövers erschließt sich mir nicht so recht, aber vielleicht bringt es ja Glück oder Karmapunkte.

Auf der anderen Seite wandern wir vom See einige Minuten zurück zum Eingang der Sadan Höhle. Dabei kommen wir vorbei an Feldern, auf denen sich Bauern mit typischen Strohhüten und Kühe vor der wunderschönen Skyline der Felsformationen herumtreiben. Einige winken uns auch hier freudig zu. Wir fühlen uns pudelwohl!

Kawt Ka Taung Höhle

Den letzten Stopp der Tagestour durch Hpa-an legen wir an der Kawt Ka Taung Höhle ein. Eine kleine Höhle, die ein paar sehr skurrile „Einrichtungsgegenstände“ beherbergt. Da gibt es eine seltsame Sitzecke und vor allem ein pinkes Himmelbett, das stark an unsere Besenkammer der letzten Nacht erinnert.

Vor der Höhle steht eine lange Reihe der Schüler Buddhas, wie wir sie bereits in Bago und in Sagaing vorgefunden haben – wobei diese hier seeeehr lang ist.

Sie zieht sich bis hin zu einem kleinen Wasserbecken, das von einigen einfachen Restaurants flankiert wird. Man hatte uns vorher angekündigt, dass wir dort Schwimmen könnten und natürlich waren wir auch perfekt mit Badesachen ausgestattet.

Vor Ort mussten wir dann aber feststellen, dass unsere westliche Vorstellung von Badekleidung nicht so ganz der burmesischen entspricht: Statt Bikini und Badehose wird in normaler Kleidung – also Hosen und Shirts gebadet. Da wir weder halbnackt daneben stehen, noch mit triefend nassen Klamotten ins Tuk Tuk steigen wollen, verzichten wir auf die ersehnte Abkühlung.

Bayin Nyi Höhle

An unserem zweiten Tag in Hpa-an lassen wir uns vom Tuk Tuk noch zu einer weiteren Höhle kutschieren, die fast eine Stunde Fahrt entfernt ist. Die Fahrt dorthin ist wieder einmal super schön.

Die Höhle selbst ist zwar sehr klein, aber die Aussicht von oben fast so grandios wie die der Kawt Gone Höhle. Insbesondere von unten sieht das Konstrukt der Pagoden im Fels wunderschön aus, da es sich in dem kleinen Wasserbecken davor spiegelt.

Wasserbecken gibt es hier übrigens gleich drei an der Zahl, denn auch hier kann wieder geschwommen werden. Die heißen Quellen sind allerdings nach Geschlechtern getrennt und alleine plantschen wollen wir dann auch nicht.

Sonnenuntergang in Hpa-an

Am ersten Abend befinden wir uns während des Sonnenuntergangs noch auf dem Rückweg von unserer Tagestour durch Hpa-an, genießen aber anschließend noch die wunderschöne Aussicht vom Dach unseres Hostels.

Am zweiten Tag sind wir ein bisschen früher dran. Während unserer Rückfahrt von der Bayin Nyi Höhle, beginnt die Sonne bereits hinter der Skyline der Karstfelsen zu verschwinden und spiegelt sich dabei auf der Wasseroberfläche des Than Lwin Fluss.

Unser Tuk Tuk-Fahrer setzt uns daher an der Shwe Yin Myaw Pagode ab und von dort aus beobachten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick auf den Fluss und die große Felsformationen dahinter. Ein wunderschöner Abschluss eines absoluten Highlights in Myanmar!

Essen in Hpa-an

Während unserer Zeit in Hpa-an besuchen wir zwei der empfohlenen Restaurants:

Das hochgelobte San Ma Tau, in dem man zur (sehr kleinen) Portion Curry ganz viele kleine Töpfe mit Beilagen erhält, finden wir nicht so toll. Die Atmosphäre dort ist schon sehr Mensa-ähnlich und mit den Beilagen konnten wir nicht viel anfangen. Ich probiere ja wirklich fast alles aus, aber die meisten der Töpfe rochen so sehr nach Kuhstall, dass selbst ich zurückschreckte. Die wenigen, die wir probierten, waren dann auch nicht so recht nach unserem Geschmack.

Sehr angetan waren wir dagegen vom Khit Thit, einem sehr einfachen chinesischen Restaurant mit Kiosk-Charme, in dem man für 1,40 € eine riesige Portion Bratnudeln mit Hühnchen bekommen kann. Uns hat’s geschmeckt und wir waren gleich zweimal dort.

Fazit und Film zu Hpa-an

Hpa-an war neben Bagan mein absolutes Highlight von Myanmar!

Man kann die wunderschöne Atmosphäre dort nur schwer in Worte fassen, also gibt’s ein kleines Video – mit herausragend unruhiger Kameraführung und ganz viel Pathos.

Doch nicht nur die atemberaubende Landschaft macht Hpa-an zu einem wunderbaren Ort. Auch die Menschen sind einfach NOCH netter, als generell schon in diesem tollen Land. Die Stadt ist noch nicht so überlaufen von Touristen und dadurch gibt es wenige der typischen Souvenir-Verkäufer, die einem etwas andrehen möchten.

Stattdessen ist man selbst ein bisschen Attraktion und die Menschen begegnen einem so offen und fröhlich, dass man sich sofort zu Hause fühlt. Ganz besonders gelang das Kim, der Betreiberin unseres Hostels, die uns mit ihrer herzlichen Art einen ganz besonders schönen Aufenthalt in Hpa-an beschert hat. Zum Abschied hat sie mir sogar ein paar wunderschöne Ohrstecker geschenkt.

Für uns war es jedenfalls ein perfekter Abschluss unserer Zeit in Myanmar. Mit dem Bus fuhren wir zurück nach Yangon, von wo aus wir am nächsten Morgen nach Hanoi flogen um die nächste Etappe unserer Reise anzutreten: zwei Wochen Vietnam!

Unterkunft in Hpa-an: meine Empfehlung

Wie schon mehrfach betont, waren wir total angetan vom “Galaxy Motel”. Es zeichnet sich nicht durch besonders fancy Räume aus, sondern durch so viel Herzlichkeit, dass man sich sofort zu Hause fühlt. Und das ist doch das wichtigste! Wenn du vorbeikommst, Grüß Kim von mir!

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