Von Bangkok in den Süden: ein Tagesausflug ans Meer

Fernab der Touristenpfade: ein Tagesausflug in Bangkok’s Süden
– mit dem Roller ans Meer –

Nun waren wir bereits ein paar Wochen in Bangkok angekommen und hatten schon Wochenendtrips nach Chiang Mai und Krabi unternommen, da wurde es mal Zeit für einen kleinen Ausflug in Bangkok’s Umgebung. Ziel der Tour sollte ein Tempel im Süden Bangkok’s werden. Schon wieder ein Tempel? Hatten wir denn immer noch nicht genug davon? Nun, dieser hier war ein bisschen anders als die bisherigen – außerdem wollten wir auch ein bisschen das Umland fernab der Touristenpfade erkunden. Und tatsächlich, soviel nehme ich mal vorweg, trafen wir auf unserer Tour und den einzelnen Zwischenstopps keinen einzigen Touristen. 

Dementsprechend ist die Gegend auch nicht gerade touristisch erschlossen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die Tour mit dem Roller zu machen. Als Beifahrer auf auf dem kleinen Zweirad war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz so souverän und lässig wie einige Wochen später – aber wir wollten nunmal dorthin. Vor uns lagen etwa 60 Kilometer bis zum Tempel. Das sollte ja wohl machbar sein… 

 

Erawan Museum
Einen ersten Zwischenstopp legten wir außerhalb Bangkok’s am Erawan Museum ein. Das Museum selbst haben wir uns gar nicht angeschaut, aber die riesige Statue des dreiköpfigen Elefanten wollten wir uns auf unserem Tagesausflug nicht entgehen lassen. Der Bereich vor dem eigentlichen Eingang zum Museum ist auch wirklich hübsch angelegt und bei einem Kaffee tankten wir im lauschigen Garten noch ein bisschen Kraft für die bevorstehenden Kilometer. 

 

 

Bangpoo Resort
Danach wurde es fies. Die Straße, die uns in den Süden führte war eine recht befahrene Schnellstraße, an deren Seitenstreifen die Roller fuhren. Während die LKW an uns vorbei brausten versuchte mein liebster Reisebegleiter den Rissen und Löchern im Asphalt auszuweichen. Ich versuchte derweil nicht in Panik zu geraten. Ich endete nicht wieder als Heulboje (so wie in Chiang-Mai, als die Bremsen versagten…), aber wirklich glücklich machte mich diese Fahrt nicht. Nach nicht einmal dem halben Weg tat mir schon alles weh, so verkrampft saß ich auf dem lütten Roller. Wir legten immer mal wieder kleine Po-Pausen ein und erreichten irgendwann unser erstes Etappenziel: der Bangpoo Resort.

Wir hatten den Ort rein aus geografischen Gründen gewählt, denn es ist der erste Punkt, nachdem der Chao Phraya in den Golf von Thailand mündet. Von dem “Resort” hatten wir noch nichts gehört, hofften aber, dass es nicht zu touristisch sein würde. Das Gegenteil war der Fall. Bei dem Bangpoo Resort handelt es sich offenbar um eine Location für Festivitäten und zugleich einem Restaurant für sämtliche Bewohner Bangkok’s, die am Wochenende der Stadt entfliehen. Zu dem Gebäude führt eine lange Seebrücke – doch wer jetzt ein hübsches Schlösslein wie das auf Rügen vor Augen hat, der könnte kaum weiter von der Realität entfernt sein. Tatsächlich ähnelt das riesige Gebäude eher einem Prunkbau des 70er-Jahre-Sozialismus (um beim Vergleich mit Rügen zu bleiben: stellt euch vor, man würde die Plattenbauten von Prora auf dem Seeschloss in Sellin abwerfen). 
Übrigens heißt Golf von Thailand nicht gleich weißer Strand und türkisblaues Meer – stattdessen erinnert die Küste dort eher an eine Norddeutsche Wattlandschaft – nur die steife Briese fehlt. 

Gegessen haben wir in diesem ungewöhnlichen Bau übrigens nicht. Mangels englischer Karte und ausreichend Thailändisch-Kenntnisse unsererseits hätten wir höchstens per Fingerzeig bestellen können. Grundsätzlich ja eine spannende Idee – doch meine Nerven lagen vom Rollerfahren schon ordentlich blank. Stattdessen gab’s am nächsten Streetfoodstand etwas leckeres zu essen. 

 

 

Wat Hong Thong
Mittlerweile war es schon recht spät und wir hatten gerade mal die hälfte der Strecke zum eigentlichen Ziel des Ausflugs zurückgelegt. Aber – ihr könnt es euch denken – ich wollte den Tempel trotzdem immer noch sehen. Also zurück auf die Berta (so haben wir unseren Roller in Bangkok getauft) und entlang der Küste Richtung Wat Hong Thong. Nachdem wir endlich die nicht so schöne Hauptstraße verlassen hatten und auf die Stichstraße in Richtung Tempel einbogen, offenbarte sich uns eine Ansammlung mehrerer bunter Häuser entlang eines kleinen Kanals. 

 

Und dann erreichten wir endlich unser Ziel des Tages: einen Tempel am Ende eines Stegs im Wasser. Das außergewöhnliche und skurrile sind die Figuren, die aus dem Wasser ragen – vor allem das grüne weibliche Seeungeheuer mit pinkem Top war mal was Neues.

Entlang des Stegs hängen ganz viele kleine Glöckchen, die vor sich hin klimpern. Vorne angelangt erwartete uns ein wunderschöner Blick auf die einsame Küste. Skurril und anders offenbarte sich uns auch die Rückseite des Tempels, wo sich ein Miniatur-Schiff mit Seemanns-Figuren befand. Wo sich das Schiff noch halbwegs in das Bild eines Tempels am Meer einfügt, so kann man das über den bunten “Welcome”-Schriftzug nicht gerade sagen. Dieser wird nämlich – ohne Witz – flankiert von kleinen Schafsfiguren und einem rothaarigen Pärchen… Das Innere des goldenen Stupas ist mit bunten Wandbemalungen geschmückt und von oben hat man einen tollen Blick aufs Meer. Skurril wird es dann erneut im gegenüber liegenden Tempelgebäude, an dessen Wand buddhistische Meerjungfrauen von Seeungeheuern sehr anzüglich betatscht werden… 

 

Das war doch echt mal anderes, oder? Wir fanden jedenfalls, der Weg hatte sich mehr als gelohnt. Auf dem Rückweg nach Bangkok suchten wir uns eher kleinere Straßen und ich entspannte mich langsam auch immer mehr (man gewöhnt sich offenbar an alles). Der nächste Ausflug sollte kein Problem mehr werden! 

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